Die Eisenbahn als Filmstar

2015.Eisenbahn

Mehr als hundert Filme, in denen die Eisenbahn eine zentrale Rolle spielt, präsentiert dieses Buch, beginnend mit DIE ANKUNFT EINES ZUGES AUF DEM BAHNHOF IN LA CIOTAT (1895) von den Brüdern Lumière, endend mit SNOWPIERCER (2013) von Bong Jong-ho. Es sind natürlich viele meiner persönlichen Lieblingsfilme dabei, ich nenne nur zwölf Titel: THE IRON HORSE (1924) von John Ford, THE GENERAL (1926) von Buster Keaton, SHANGHAI EXPRESS (1932) von Josef von Sternberg, THE LADY VANISHES (1938) von Alfred Hitchcock, UNION PACIFIC (1939) von Cecil B. DeMille, BERLIN EXPRESS (1948) von Jacques Tourneur, HIGH NOON (1952) von Fred Zinnemann, SOME LIKE IT HOT (1959) von Billy Wilder, RHEIN-GOLD (1977) von Niklaus Schilling, ZUGVÖGEL … EINMAL NACH INARI (1997) von Peter Lichtefeld, THE DARJEELING LIMITED (2007) von Wes Anderson und HUGO CABRET (2011) von Martin Scorsese. Abgebildet sind Plakate und Filmfotos mit der Eisenbahn (innen und außen). In den Texten von Eberhard Urban gibt es Informationen zum Film und zum Thema Eisenbahn, vor allem zu den Lokomotiven. Die dominierende Coverabbildung stammt vom Plakat zu ORIENT-EXPRESS (1954) mit Curd Jürgens und Eva Bartok. Mehr zum Buch: 4110514&navid=

Wissenschaft in Film und Fernsehen

2015.Wissenschaft_in_film_und_fernsehenEine Dissertation, die an der Universität Siegen entstanden ist. Michael Hellermann unter-sucht die Darstellung der Wissenschaft in den audio-visuellen Medien. Sein Resümee: „“Wissensformate betreiben die Verschmelzung formal und disziplinär getrennter Diskurse und reintegrieren damit die abstrakte und fragmentierte Funktionssphäre der Wissen-schaft in die Lebenswelt, setzen sie also zu gängigen Weltan-schauungen und Erfahrungen einer Kulturgemeinschaft ins Verhältnis. Durch die Mischung von Formsets unterschiedlicher logischer Qualität, durch ihre nahtlose Integration auf Basis der funktionalen Elastizität einzelner Formen, erzeugen Wissensformate einen Eindruck von Zusammenhang und Geschlossenheit, der möglicherweise geeignet erscheint, den Glauben an die Beherrschbarkeit einer zunehmend komplexer werdenden Welt zu stärken, an deren Entstehung das Wissenschaftssystem trotz gegenteiliger Absichten letztendlich wohl nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte.“ (S. 535). Die handlungsrelevanten Aspekte der Untersuchung sind vor allem im zweiten Teil des Buches zu finden. Ein Filmverzeichnis am Ende des Bandes nennt 65 Titel: Sendereihen wie „Abenteuer Forschung“, „Das philosophische Quartett“, „Galileo“, „Kulturzeit“ und „Terra X“, aber auch Spielfilme wie DAS EXPERIMENT von Oliver Hirschbiegel, DIE WELLE von Dennis Geisel, HULK von Ang Lee, INCEPTION von Christopher Nolan, MINORITY REPORT von Steven Spielberg und SPIDER-MAN von Sam Raimi. 937 Fußnoten sichern den Text wissenschaftlich ab. Auf Abbildungen wurde verzichtet. Mehr zum Buch: 3-643-13143-0

Protest – Film – Bewegung

2015.ProtestDas CineFest 2014 und der 27. Internationale Filmhistorische Kon-gress waren dem Thema „Gegenöffentlichkeit“ und dem Dokumentarfilm der 1960er, 70er und 80er Jahre gewidmet. In der edition text + kritik ist jetzt das CineGraph-Buch mit 13 Textbeiträgen erschienen. Thomas Weber setzt sich eher grundsätzlich mit dem Begriff „Gegenöffent-lichkeit“ auseinander. Klaus Kreimeier erinnert an die „wilden Anfänge“ Achtundsechzig. Kay Hoffmann beschreibt die veränderten Techniken und die neuen Formen durch synchrone 16mm- und Video-Kameras. Gerd Roscher lokalisiert die alternative Medienszene der 1970er Jahre. Wolfgang Stickel dokumentiert die politische Videoarbeit der Medienwerkstatt Freiburg in den 1980er Jahren. Christian Hißnauer stellt die dokumentarischen Methoden der „Zweiten Hamburger Schule“ von Eberhard Fechner und Klaus Wildenhahn gegenüber. Thomas Tode untersucht die fünf Fassungen von Chris Markers LE FOND DE L’AIR EST ROUGE (1977). Julian Petley erinnert an die medialen Reaktionen auf den britischen Bergarbeiterstreik 1984/85. Nathalie Karl und Ursula von Keitz fixieren die filmischen Positionen im westdeutschen Feminismus der 1970er und früher 1980er Jahre. Daniel Kulle personifiziert Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit in der westdeutschen Schwulenbewegung der 1970er Jahre vor allem in Rosa von Praunheim. Ralf Forster findet kritische Tendenzen im DDR-Amateurfilm. Matthias Steinle entdeckt Subversion jenseits der Grenzen und die Grenzen der Kritik im DDR-Dokumentarfilm. Malte Voß unternimmt eine Bestandsaufnahme der Gegenöffentlichkeit durch Video im Internetzeitalter. Basis-Literatur zum Dokumentarfilm. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: #.VtG-TSiJbV4

Frauen, die wir lieben

2015.FrauenFünfzig Männer schreiben über ihre Verehrung für internatio-nale Filmdiven: Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Maler, Schauspieler, Filmemacher, ein Sänger, ein Cartoonist, ein Koch. Freddy Langer, Redakteur der FAZ, hat das Buch vor sieben Jahren im Elisabeth Sandmann Verlag herausgegeben, jetzt ist es, um einige Porträts gekürzt, als Insel Taschenbuch erschienen. Die Texte sind nach dem Alter der Autoren geordnet, beginnend mit Marcel Reich-Ranicki (über Käthe Gold), endend mit Jan Costin Wagner (über Johanna ter Stege). Viermal (von dem Fotografen F. C. Gundlach, dem Schauspieler Vadim Glowna, den Schriftstellern Robert Menasse und David Wagner) gilt die Verneigung Romy Schneider. Sie ist damit die Königin. Ich nenne einige Texte, die mir besonders gut gefallen haben: Stefan Moses über Marianne Hoppe, Robert Lebeck über Shirley Temple, Hans Traxler über May Whitty, Volker Schlöndorff über Delphine Seyrig, Harry Rowohlt über Eleanor Bron, Joachim Sartorius über Monica Vitti, Otto Waalkes über Marilyn Monroe, Bernd Eilert über Cathérine Deneuve, Horst Wackerbarth über Jane Russell, Klaus Hoffmann über Hildegard Knef, Gero von Boehm über Charlotte Rampling, Harald Krassnitzer über Doris Day, Alexander Osang über Gina Lollobrigida, Albert Ostermaier über Brigitte Bardot, Jonathan Meese über Scarlett Johansson. Eine originelle Idee, mit vielen Abbildungen. Mehr zum Buch: 36114.html

Wim Wenders und Peter Handke

2015.Wenders:HandkeWim Wenders (*1945) ist ein international anerkannter deutscher Filmemacher. Peter Handke (*1942) gilt als einer der bekanntesten österreichischen Autoren. Sie sind seit 1969 befreundet. Nach einem Drehbuch von Handke entstand der Kurzfilm 3 AMERIKANI-SCHE LP’S. Dann verfilmte Wenders 1971 die Handke-Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Werner Köster untersucht in seiner Publikation die Elemente, die sie verbinden. Mit vielen theoretischen Verweisen geht es im ersten Kapitel um die Theoriebezüge des Handke-Diskurses und um die begriffslose Wahrheit des Films bei Wenders. Dann widmet sich der Autor den stilistischen Aspekten der Intermedialität in Handkes Werkeröffnung („Zeigen“ versus „Sagen“). In seinen drei Hauptkapiteln analysiert er die Wenders-Filme DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER („Wie verfilmt man Versprachlichung?“), FALSCHE BEWEGUNG („Die germanistische Gattungs­konstruktion ‚Bildungsroman’, literarischer Minimalismus und artifizielle Filmsprache“) und DER HIMMEL ÜBER BERLIN („Invertierte Wiederauferstehung als vertikales road-movie“). Wenn man an den theoretischen Ansprüchen des Autors nicht verzweifelt, vermittelt der Text interessante Informationen. Die Analysen sind sehr konkret und genau. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: wim-wenders-und-peter-handke.html

FROM HERE TO ETERNITY

2015.From Here to EternityIn der Reihe der „BFI Film Classics“ ist kürzlich ein Band über den Film FROM HERE TO ETERNITY (1953) von Fred Zinnemann erschienen. Die Autorin, J. E. Smith, Historikerin an der University of Warwick, hat vor zwei Jahren ein beeindruckendes Buch über den Regisseur publiziert (fred-zinnemann/). Die Verfilmung des Romans von James Jones war für Zinnemann ein wichtiges Projekt. Er hatte mit Burt Lancaster, Montgomery Clift, Frank Sinatra, Deborah Kerr und Donna Reed herausragende Darsteller zur Verfügung, bekam allerdings Probleme mit dem Columbia-Chef Harry Cohn, der viel Geld und Prestige in den Film investierte. Die Autorin erzählt die spannende Produktionsgeschichte, bei der es vor allem um die angemessene Darstellung von Sex und Gewalt ging. Der Film spielt bekanntlich im Sommer 1941 in einer Infanterie-Kompanie auf Hawaii. Zu seinen Höhepunkten gehört die Auseinandersetzung zwischen einem sadistischen Sergeanten (gespielt von Ernest Borgnine) und dem Soldaten Angelo Maggio (Frank Sinatra), die für Maggio tödlich endet. Oft zitiert wird die Liebesszene zwischen Burt Lancaster und Deborah Kerr am Strand. Irritiert hat mich das farbige Cover des Buches, denn der Film ist ein später Klassiker des Black and White. Sein deutscher Titel hieß VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT. Mehr zum Buch: bfi-classic.html#.VsyOyyiJbV4

Dress for Success

2015.Edith HeadSie war die erfolg-reichste Kostüm-bildnerin Hollywoods, entwarf Kleider für mehr als tausend Filme und gewann acht Oscars. Edith Head (1897-1981) ist eine Legende. 1967 publi-zierte sie ihr Buch bei Random House, 2009 wurde es vom Victoria and Albert Museum in London neu aufgelegt und jetzt ist es – erst-mals – in der Reihe „EdenBooks“ in deutscher Sprache erschienen. Auch wenn sich Stil, Geschmack und Umgangsformen in den letzten fünfzig Jahren geändert haben, „das kleine Buch für die erfolgreiche Frau“ enthält noch immer interessante Hinweise mit vielen originellen Details. Die 13 Kapitel tragen die Überschriften: Die richtige Kleidung für Erfolg im Beruf. – Die richtige Kleidung, um sich einen Mann zu angeln…und ihn zu behalten. – Wie Sie Ihre Familie erfolgreich kleiden. – Wie man eine erfolgreiche Garderobe aufbaut. – Wie Sie erfolgreich jünger wirken. – Wie Sie Ihre Figur analysieren. – Wie man Farbe erfolgreich einsetzt. – Erfolgreiche modische Tarnung. – Die Erfolgsdetails Ihrer Garderobe oder: Accessoires verleihen dem Outfit Würze. – Die „Geheimnisse des Erfolgs“ oder: Unter der Oberfläche. – Wie man erfolgreich einkauft. – Tabellen für die Basis-Garderobe. – Nichts ist so erfolgreich wie Erfolg. Als Co-Autor fungierte Joe Hyams. Die Illustrationen stammen von Edith Head, die Übersetzung von Yasemin Dincer. Mehr zum Buch: dress-for-success/

Deutschland 1966

Bildschirmfoto 2016-02-11 um 21.36.47Heute beginnt die Retro-spektive der Berlinale, die dem deutschen Film des Jahres 1966 gewid-met ist. Die begleitende Publikation, herausge-geben von Connie Betz, Julia Pattis und Rainer Rother, finde ich beein-druckend. Sie enthält sieben Essays und sechs „Dokumente“. Die Essays stammen von Bert Rebhandl („Anpas-sung und Bewusstwerdung. Filmische Sondierungen in der Bundes-republik Deutschland“), Ralf Schenk („Das schlimme Jahr. Die verbotenen DEFA-Filme von 1965/66 und ihre Vorgeschichte“), Andreas Kötzing („Blinde Flecken. Das Jahr 1966 und die deutsch-deutschen Filmbeziehungen“), Klaudia Wick („Am Ende der Anfangsjahre. Deutsches Fernsehen in Ost und West zwischen Etablierung und Neuorientierung“), Britta Hartmann („Bilder und Stimmen aus ferner Gegenwart. Die Dokumentarfilme des Jahres 1966“), Claudia Lenssen („Frauen-Rollen-Bilder 1966. Die Gleich-zeitigkeit des Ungleichzeitigen“) und Claus Löser („Das andere Kino. Ein Blick auf die spielerischen und experimentellen Filme des Jahres 1966“). Alle Autorinnen und Autoren sind für ihr Thema kompetent und insofern bestens ausgewählt. Sehr interessant sind die „Dokumente“, die vor allem aus faksimilierten Briefen, Texten und Aktenvermerken bestehen. Sie werden von Ralf Dittrich (zu BERLIN UM DIE ECKE), Barbara Barlet (zu DER VERLORENE ENGEL), Ilka Brombach (zu den Auswirkungen des 11. Plenums auf die Filmhochschule Babelsberg), Peter C. Slansky (zur Entwicklung der Filmausbildung in der Bundesrepublik Deutschland), Christiane von Wahlert (zur FSK und dem Kampf um die Sittlichkeit) kommentiert. Das letzte Dokument stammt von Harun Farocki: „Als ich 22 war“; es wurde vermutlich 1979 geschrieben, sollte in der Zeitschrift Filmkritik veröffentlicht werden und ist hier erstmals publiziert. Die Lektüre all dieser Dokumente fand ich besonders spannend. Coverfoto: MAHLZEITEN von Edgar Reitz. Mehr zur Publikation deutschland-1966

Gedreht in Mecklenburg-Vorpommern

2015.Stilles Land.MeckpomFriedrich Wilhelm Murnau hat seinen NOSFERATU-Film in Wismar gedreht, Roman Polanski den GHOST-WRITER auf der Insel Usedom und Michael Haneke Teile vom WEISSEN BAND in Johannstorf. Mecklen-burg-Vorpommern ist seit den 1920er Jahren ein beliebter Drehort. Das Buch „Stilles Land und großes Kino“ führt uns durch den deutschen Norden und hundert Jahre Filmgeschichte. 250 Film- und Fernseh-produktionen, die in Meckpom entstanden sind, werden vorgestellt. Geografisches Ordnungsprinzip sind die sechs Landkreise, die Landeshauptstadt Schwerin und die Hansestadt Rostock. Die Filme und Fernsehproduktionen werden dann in der Regel chronologisch abgehandelt. Eingefügt sind kleine Kästen „Für Insider“, „Zum Drehort“ und „Filmprominenz“. Mitgearbeitet haben – neben dem Herausgeber Marco Voss – Juliane Voigt, Frank Burkhard Habel, Frank Schlösser, Christa Eichbaum und Heiko Kreft. Ihre Texte sind informativ und den Filmen zugeneigt. Großen Anteil an der positiven Wirkung des Buches haben die brillanten Abbildungen. Mit Recht wurde das Buch gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Bau und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern und die DEFA-Stiftung. Coverfoto unten: WHISKY MIT WODKA von Andreas Dresen. Mehr zum Buch: 9783356018639.html

Ivo Barnabò Micheli

2015.Ivo Barnabò MicheliEr war ein Filmemacher, der vor allem gesell-schaftskritische Künstler porträtiert hat. Ivo Barnabò Micheli (1942-2005) arbeitete in Deutschland und Italien. Sein Werk umfasst rund 30 Produktionen, die er vorwiegend für die italienische RAI und den WDR realisiert hat. Zu seinen bekanntesten Filmen gehört A FUTURA MEMORIA, eine Annäherung an Pier Paolo Pasolini. Andere Porträts waren Cesare Zavattini, Heinrich Böll, Bruno Ganz, Roberto Rossellini, Karl Kraus und George Tabori gewidmet. Im Folio Verlag ist jetzt ein Buch über Micheli erschienen, das der Historiker Joachim Gatterer und Jessica Alexandra Micheli , die Tochter des Regisseurs, herausgegeben haben. Es enthält vier Texte: Anmerkungen zu Michelis Biografie und eine Charakterisierung seiner Filmporträts von Joachim Gatterer, eine sehr persönliche Hommage von Wilfried Reichart und einen Essay zur „Reise als Leitmotiv in den Filmen und im Leben von Ivo Barnabò Micheli“ von seiner Tochter. Beeindruckend sind die Abbildungen und Dokumente, darunter ein Interview mit Mario Adorf. Auch in der optischen Präsentation spürt man die Sorgfalt und Zuneigung der Herausgeber. Eine Filmografie bildet den Abschluss. Mehr zum Buch: 978-3-85256-682-5