„Durchhaltefilme“

2016.Geschichte LegimationsstrategieEine Dissertation, die an der Pädagogischen Hochschule Weingarten entstanden ist. Joachim Schroth analysiert drei Historienfilme aus geschichts-kultureller Perspektive: KOL-BERG (1944/45) von Veit Harlan, EINE HANDVOLL HELDEN (1967) von Fritz Umgelter und 300 (2006) von Zack Snyder. KOLBERG, das aufwendig inszenierte Widerstandsepos gegen die Vereinnahmung durch Napoleon 1806/07, gilt als klassischer nationalsozialistischer „Durchhaltefilm“. Er wurde nach Kriegsende verboten und war unter dem Titel 30. JANUAR 1945 (KOLBERG) ab 1965 in einer kommentierten Fassung zu sehen. EINE HANDVOLL HELDEN war ein Remake des Films DIE LETZTE KOMPAGNIE (1930) von Kurt Bernhardt; ein preußischer Hauptmann verteidigt hier mit zwölf Soldaten eine Mühle gegen die französischen Truppen, damit die preußische Armee einen gesicherten Rückzug antreten kann. In der Erstverfilmung spielte Conrad Veidt die Hauptrolle, im deutsch-italienischen Remake Horst Frank. 300 ist eine amerikanische Comic-Verfilmung, die das heroische Ende von 300 Spartiaten im Kampf gegen den persischen König Xerxes zeigt. Der sehr erfolgreiche Film hatte in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Zuschauer. – In seinen Analysen der drei Filme verfolgt der Autor vor allem inhaltliche Handlungen. Seine Darstellung ist sehr detailliert. Er versäumt keine Möglichkeit, sich durch faktografische Hinweise und wissenschaftliche Quellen abzusichern. 1.798 Fußnoten machen die Lektüre etwas mühsam. Am umfangreichsten ist die KOLBERG-Analyse (160 Seiten), EINE HANDVOLL HELDEN kommt auf 20 Seiten, 300 erreicht 90 Seiten. Natürlich ist es interessant, sich über die Rezeption der Filme und die unterschiedlichen Publika Gedanken zu machen. Dies tut Joachim Schroth in dem Abschnitt „Filmdeutungen im Kontext der zeitgenössischen Realität“. Das Thema Durchhaltefilm hat für ihn spürbar auch emotional eine große Bedeutung. Mit 20 Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: 3-643-13409-7

Rainer Simon

2016.Rainer SimonAnfang der 1960er Jahre hat er die HFF in Babelsberg besucht, später bei Heiner Carow und Konrad Wolf assistiert und ab 1968 bis zum Ende der DEFA elf lange Spielfilme realisiert, darunter Kinder- und Märchen-filme, Historien- und Gegen-wartsfilme, die ästhetisch und thematisch interessant sind. Rainer Simon (*1941) gehörte zur dritten DEFA-Generation, und es ist sehr zu begrüßen, dass jetzt ein Buch erschienen ist, das sein filmisches Werk aus vielfältiger Perspektive erschließt. Nach einer Einführung des Herausgebers Michael Grisko und einem Beitrag von Rainer Simon („Warum ich Filmregisseur wurde) analysieren zwölf Beiträge jeweils einen oder zwei Filme. Barbara Felsmann schreibt über die Märchenadaptionen WIE HEIRATET MAN EINEN KÖNIG (1968) und SECHSE KOMMEN DURCH DIE WELT (1972). Bei Frédéric Jaeger geht es um Simons Beitrag zu dem Episodenfilm AUS UNSERER ZEIT (1970). Claus Löser beschäftigt sich mit Simons erstem abendfüllenden Gegenwartsfilm, MÄNNER OHNE BART (1971). Günter Helmes erinnert an TILL EULENSPIEGEL (1975). Michael Grisko ist mit drei Einzeltexten vertreten: über ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (1978), WENGLER & SÖHNE (1987) und DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO (1989). Anne Barnert untersucht die Verbotsgründe für JADUP UND BOEL (1980/88). Matthias Struch informiert über DAS LUFTSCHIFF (1983). Von Detlef Kannapin stammt ein Beitrag über die Erzählstruktur von DIE FRAU UND DER FREMDE (1984). Erika Richter macht sich „unsystematische Gedanken“ zu DER FALL Ö. (1991). Und Wolfgang Fuhrmann begleitet den Regisseur bei seinen Reisen in ferne Kontinente, nach Südamerika ab 1990. Alle Beiträge sind sachkundig und den Filmen zugeneigt. Wieder ein lesenswerter Band in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: zeitdiewelt.html

Zwei Western

Zwei neue Titel sind in der Western-Legenden-Reihe bei Koch Media erschienen: ALONG CAME JONES (1945) und CALAMITY JANE AND SAM BASS (1949), der eine hat den Charakter einer Komödie, der andere ist ein Drama mit bösem Ende.

2016.DVD.VagabundALONG CAME JONES – deutsch: DER VAGABUND VON TEXAS – wurde von Gary Cooper produziert, der auch die Hauptrolle spielt: den Sänger Melody Jones, der mit seinem Begleiter George Fury durch die Lande zieht und sein Leben nicht so ganz im Griff hat. Als die beiden in die kleine Stadt Painville kommen, gibt es Trouble, denn dort wird Jones mit dem Postkutschenräuber Monte Jarrad verwechselt, schließlich haben sie die gleichen Initialen. Eine Schlüsselrolle spielt die attraktive Cherry de Longpre (Loretta Young), die eigentlich mit Jarrad liiert ist, aber an dem lässigen Jones Gefallen findet und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Es wird viel getrunken, gestritten und geschossen bis zum Showdown, bei dem sich Jones und Jarrat endlich gegenüberstehen. Jones wird dabei durch vier Revolverschüssen total demontiert, aber ehe er von Jarrad getötet wird, stirbt der durch einen Gewehrschuss von Cherry. Milton R. Krasner hat bei diesem Schwarzweißfilm die Kamera geführt und eindrucksvolle Licht-und-Schatten-Bilder komponiert. Auf dem DVD-Cover wird zwar George Sherman als Regisseur genannt, aber in Wahrheit stammt der Film von Stuart Heisler – nach einem Drehbuch von Nunnally Johnson. Das Booklet zur DVD hat, im ironischen Tonfall, Hank Schraudolph verfasst.

2016.DVD.RebellenCALAMATY JANE AND SAM BASS – deutsch: REBELLEN DER STEPPE – hat in der Tat George Sherman inszeniert. Der Film erzählt die Geschichte des Cowboys und Reiters Sam Bass, dessen Pferd im Zusammenhang mit einem Rennen vergiftet wird. Er erschießt den Täter und flüchtet in die Berge. Zwei Frauen sind an Bass interessiert: die sensible Katherine, Schwester des Sheriffs, und die wilde Calamity Jane. Die Handlung wechselt zwischen der kleinen Stadt Denton und den Bergen. Bass stellt sich einmal dem Sheriff, die Gerichtsverhandlung wird aber zur Farce, und Calamity Jane muss eingreifen, damit Bass nicht erhängt wird. Der setzt seine Untaten fort, aber bei einem Banküberfall wird er schwer verletzt und stirbt am Ende in Janes Armen, mit seinen Gedanken bei Katherine. – Die Hauptrollen werden sehr dynamisch von Yvonne DeCarlo und Howard Duff gespielt, Dorothy Hart ist die meist abwesende Katherine. Für die Kameraführung in kräftigen Technicolor-Farben war Irvin Glassberg verantwortlich. Sie wurden für die DVD digitally remastered. Das Booklet stammt wieder von Hank Schraudolph. Mehr zu den DVDs: 2&id=1015417 + 2&id=1015814

Metamorphosen des Kriegsfilms

2016.Körper, Tod und TechnikNoch ein neues Buch über den Kriegsfilm. Es stammt von Thomas Elsaesser und Michael Wedel, die bekanntlich viele Jahre gemeinsam an der Universität Amsterdam geforscht und gelehrt haben. In drei detaillierten Analysen und einem Epilog konstatieren sie ästhetische Veränderungen des amerikanischen Kriegsfilms in den vergangenen 35 Jahren. Es geht dabei vor allem um die Darstellung der Körperlichkeit. Die drei exemplarischen Filme sind APOCALYPSE NOW (1979) von Francis Ford Coppola, SAVING PRIVATE RYAN (1998) von Steven Spielberg und WINDTALKERS (2002) von John Woo. Den Text zum Coppola-Film haben die beiden Autoren gemeinsam verfasst, er spannt intensiv den Bogen zur literarischen Vorlage „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad. Die Analyse des Spielberg-Films stammt von Thomas Elsaesser, wurde 2013 zuerst in dem Buch „Mobilisierung der Sinne“ publiziert und für das neue Buch überarbeitet. Für den Beitrag über John Woos ist Michael Wedel verantwortlich, auch er erschien bereits in einer anderen Fassung in „Mobilisierung der Sinne“. Der Epilog beschäftigt sich mit Kathryn Bigelows ZERO DARK THIRTY (2012), er stammt von Thomas Elsaesser und ist ein zentrales Kapitel in dem Buch „Erzählungen und Gegenerzählungen“, das ich gestern vorgestellt habe. Mehrfachverwertungen von Texten in veränderter Form sind bei gefragten Autorinnen und Autoren durchaus üblich. „Körper, Tod und Technik“ fügt sich trotzdem zu einer eigenständigen Publikation, deren Lektüre man empfehlen kann. Mit zwölf Abbildungen in akzeptabler Qualität. Die Coverabbildung nutzt ein Motiv von APOCALYPSE NOW. Mehr zum Buch: titel/978-3-86253-028-1.html

Terror und Krieg im Kino des 21. Jahrhunderts

2016.Erzählungen...Das Buch ist ein Resultat des Forschungsprojektes „Recht-fertigungsnarrative: Das Beispiel des gegenwärtigen Kinos“ der Universität Frankfurt, an dem die beiden Herausgeber Jochen Schuff und Martin Seel verantwortlich beteiligt waren. Ein Workshop über „Terror und Krieg im Kino“ im Frühjahr 2014 hat dem Band seine konkrete Thematik gegeben. Elf Texte setzen sich überwiegend mit Filmen auseinander, die unmittelbar nach dem 11. September 2001 oder im Zusammenhang mit dem Irakkrieg entstanden sind. Jochen Schuff analysiert den Film THE HURT LOCKER (2008) von Kathryn Bigelow („Pornographie der Paranoia und Professionalität der Pathologie“). Auch bei Thomas Elsaesser geht es um einen Film von Kathryn Bigelow: ZERO DARK THIRTY (2012); der Titel des Essays lautet: „Genre-Hybridisierung als (parapraktische) Interferenz“. Seinen Kommentar zu Thomas Elsaesser nennt Klaus Günther „Parapraktische Rechtfertigungsnarrative“. Daniel Martin Feige schreibt über die Filme IN THE VALLEY OF ELAH von Paul Haggis und REDACTED von Brian De Palma, beide aus dem Jahr 2007 („Die Bilder des Krieges und der Krieg der Bilder“). Josef Früchtl denkt über den Schrecken von UNITED 93 (2006) von Paul Greengrass nach („Brutale Kontingenz“). Von Christiane Voss stammt der Beitrag über den Dokumentarfilm LIFE AFTER THE FALL (2008) von Kasim Abid („(Post-)kriegerischer Alltag im dokumentarischen Blick“). Zwei Texte beschäftigen sich mit TV-Serien: über GENERATION KILL (2006) reflektiert Astrid Erll („Wiederholung und Rechtfertigung“), über HOMELAND (2011ff) Anja Pelzer („Bipolare Bilder“). Hans J. Wulff macht sich sehr präzise Gedanken zu den Funktionen der Musik in Filmen des Irakkriegs. Vinzenz Hediger informiert über die Vorführung des italienischen Films BATTAGLIA DI ALGERI (1966) von Gillo Pontecorvo 2003 im Pentagon. Und Martin Seel richtet den Blick auf Filme, die nur indirekt mit 9/11 und den Folgen zu tun haben, zum Beispiel SYRIANA von Stephen Gaghan, LAND OF PLENTY von Wim Wenders, THE FOG OF WAR von Errol Morris und die beiden Clint Eastwood-Filme FLAGS OF OUR FATHERS und LETTERS FROM IWO JIMA). Allen Beiträgen ist ein großer theoretischer Anspruch anzumerken, aber auch das Bemühen um Konkretisierung und persönliche Meinung. Ohne Abbildungen. Mehr zum Buch: 10285.html

An den Drehschrauben filmischer Spannung

2016.DrehschraubenEine Masterarbeit, die an der Universität Bonn entstanden ist. Jana Zündel leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Literatur über filmische Spannung. Sie fragt in ihrer Einleitung: „Inwie-fern tragen die raumzeitlichen Bedingungen und Wendungen einer Sequenz zu Aufbau und Steigerung von Spannung bei? Wie beeinflussen diese Größen die Wahrnehmungs- und Ver-stehensprozesse des Zuschauers? Wie werden Zeit- und Raumdynamiken kombiniert?“ (S. 7). Die Autorin analysiert zur Beantwortung dieser Fragen Sequenzen aus neun Filmen von Alfred Hitchcock: THE 39 STEPS (1935), SABOTAGE (1936), SABOTEUR (1942), NOTORIOUS (1946), STRANGERS ON A TRAIN (1951), REAR WINDOW (1954), THE MAN WHO KNEW TOO MUCH (1956), NOTH BY NORTHWEST (1959) und THE BIRDS (1963). Sie unterscheidet dabei zwischen Zeitstrategien (Verzögerungen und Deadlines) und Raumstrategien (klaustrophobische und exploratorische Raumdynamiken). Ihr Fazit: Hitchcock nutzt zur Steigerung des Suspenses alle Mittel und arbeitet dabei auch noch mit den Möglichkeiten des Tons. Der Anhang enthält Einstellungsprotokolle der Filme THE BIRDS, SABOTAGE und THE MAN WHO KNEW TO MUCH. Die Qualität der Abbildungen ist grenzwertig. Mehr zum Buch: 7f0d19a401ed9e4

WOZZECK (1947)

2016.DVD.WozzeckEin früher DEFA-Film. Er spielt in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Rahmen-handlung führt uns in den Anatomiesaal einer Universität. Ein Arzt begutachtet die Leiche des Füsiliers Wozzeck, der als Mörder hingerichtet wurde. Der Student Georg Büchner erzählt die tragische Geschichte des jungen Mannes, der mittellos ist, einem Arzt als Versuchsobjekt dient, mit seiner Geliebten Maria ein Kind hat, aber von Maria mit einem Tambour-Major betrogen wird. Aus Eifersucht und Verzweiflung ersticht er Maria, wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Der Medizinstudent und spätere Schriftsteller Georg Büchner schreibt ein Dramenfragment über Wozzeck. – Für den österreichischen Autor und Regisseur Georg C. Klaren, der 1931 erst-mals Regie geführt hatte und die Nazi-Zeit als Drehbuchautor über-stand, war dies die erste Nachkriegs-Regie. Stilistisch orientiert er sich stark am Expressionismus und wurde dabei von dem Kameramann Bruno Mondi, dem Szenografen Hermann Warm und dem Ausstatter Walter Schulze-Mittendorf, die alle schon in der Weimarer Republik tätig waren, kreativ unterstützt. Als künstlerischer Berater war Paul Wegener an dem Film beteiligt. Viele prominente Schauspieler wirkten in dieser Produktion mit: Kurt Meisel als Wozzeck, Paul Henckels als Arzt, Arno Paulsen als Hauptmann, Elsa Wagner als Großmutter, Rotraut Richter als Kellnerin Käthe, mit der Wozzeck anzubändeln versucht. Ein interessanter, fast experimenteller Film. Georg C. Klaren drehte anschließend den DEFA-Film SEMMELWEIS – RETTER DER MÜTTER. Mehr zur DVD: dvd-wozzek-sparkauf.html

Der Zeichentrickfilm

2016.ZeichentrickfilmIn seiner Einleitung beklagt der Autor das Fehlen wissenschaft-licher Erkenntnisse mit Blick auf „1) die grundlegende medien-theoretische Unterscheidung des Zeichentrickfilms vom Realfilm, 2) zeichentrickspezifische Kommunikations­potentiale, 3) die Entwicklung neuer film-wissenschaftlicher Definitions- und Beschreibungskategorien, die den speziellen Möglichkeiten und Eigenheiten des Zeichen-trickfilms Rechnung tragen, 4) sowie mediensemiotische und kognitive Theorien zur Rezeption des Zeichentrickfilms.“ (S. 14). Die theoretischen Ansprüche von Matthias C. Hänselmann sind entsprechend hoch, und er nutzt 650 Druckseiten, um ihnen gerecht zu werden. Sein Text ist in fünf Kapitel strukturiert: I. Ausgangslage und Grunddefinitionen. II. Die Grundlagen der allgemeinen Zeichentrick-semiotik. III. Das Darstellungssystem des Zeichentrickfilms. IV. Das diegetische System des Zeichentrickfilms. V. Die Grundlagen der Zeichentricknarratologie. Berücksichtigt werden sowohl narrative Unterhaltungsfilme wie auch illustrative Musikvideos und experimentelle Kunstfilme. In seinen Analysen ist der Autor sehr konkret und anschaulich, in der Terminologie und den entsprechenden Verweisen auf die Literatur dominieren Abstraktionen. 193 Abbildungen in guter Qualität helfen beim Verständnis des Textes. Mehr zum Buch: titel/484-der-zeichentrickfilm.html

Musik in Zeichentrickfilmen von Walt Disney

2016.ZeichentrickmusikEine Dissertation, die an der Universität Mainz entstan-den ist. Britta Heiligenthal untersucht darin die spezielle Bedeutung der Musik in den Animationsfilmen von Walt Disney. „Was ist die Bild-Ton-Beziehung, wie berührt sie unterbewusst die Zuschauer, wie unterstützt sie Handlung, Atmosphäre, Figuren, Situationen im Film, wodurch fördert sie das Miterleben des Zuschauers und sein Eintauchen in die Handlungswelt des Films?“ (S. 14). Die Autorin analysiert drei Filme aus dem Walt Disney Studio aus unterschiedlicher Zeit: SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS (1937), THE JUNGLE BOOK (1967) und BEAUTY AND THE BEAST (1991). Ihre 15 Motiv-Stationen bei der SNOW WHITE-Analyse sind: Ouvertüre / Die böse Königin / Schneewittchen / Mordauftrag / Mordversuch und Flucht / Neue Freunde / Frühjahrsputz / Zwergen-Mine / Zurück im Haus der Zwerge / Verwandlung der bösen Königin / „Silly Song“ / Der vergiftete Apfel / Aufbruch der Zwerge / Besuch der Hexe, Mord und Jagd / Totenwache, Erlösung und Happy End. Ähnlich aufgefächert sind die musikalischen Haltepunkte bei den beiden anderen Filmen. Die Autorin verfügt über die große Fähigkeit, die Filmmusik und ihre Beziehung zu den Handlungsmomenten genau zu beschreiben. Es gibt keine Abbildungen aus den Filmen, aber gelegentlich Notenbeispiele für spezielle Motive. Wenn die Musik zu effektvoll oder aufdringlich ist – vor allem in den späteren Filmen – wird das auch kritisiert. Man müsste sich die drei Filme anschauen und parallel den Text des Buches lesen. Ich werde das demnächst mit dem Schneewittchen-Film ausprobieren, den ich seit meiner Kindheit sehr schätze. Britta Heiligenthal ist inzwischen als Regisseurin großer Musical-Produktionen tätig. – Band 72 der „Reihe Filmstudien“, die inzwischen im Nomos Verlag in Baden-Baden erscheint. Mehr zum Buch: productview.aspx?product=25454

Pioniere des Comic

2016.Pioniere des ComicComic und Film sind auf mehrfache Weise verbun-den. Sie wurden fast zeitgleich – Ende des 19. Jahrhunderts – zu einem Massenmedium, sie bestehen aus Bildfolgen, sie sind kadriert, sie erzählen Geschichten. In der Frankfurter Schirn ist zurzeit eine Ausstellung über die Pioniere des amerikanischen Comics zu sehen (noch bis 18. September). Der Katalog zur Ausstellung, heraus-gegeben von Alexander Braun und Max Hollein im Hatje Cantz Verlag, ist unbedingt zu empfehlen. Es waren Zeitungsseiten, die in den USA für eine große Verbreitung der Comics sorgten. Im Katalog werden sechs Zeichner, die es zu großem Ansehen brachten, in umfangreichen Porträts vorgestellt: Winsor McCay (1869-1934) ist vor allem mit zwei Serien berühmt geworden: „Dream of the Rarebit Fiend“ (ab 1904) und „Little Nemo in Slumberland“ (ab 1905), sie erschienen im New York Herald. Lyonel Feininger (1871-1956) zeichnete 1906 von Berlin aus für die Chicago Sunday Tribune zwei Serien: „The Kin-der-Kids“ und „Wee Willie Winkie’s World“; die Zusammenarbeit dauerte allerdings nur ein halbes Jahr, aber die abgedruckten Beispiele sind beeindruckend. Charles Forbell (1885-1946) erfand 1913 die Serie „Naughty Pete“, die als besonders frech galt, für den New York Herald. Cliff Sterrett (1883-1964) war mit dem Comic „Polly and Her Pals“ für Sonntagszeitungen aus dem Hearst-Konzern ab 1912 über viele Jahrzehnte erfolgreich. Er reagierte auf Kunststile der Zeit (Expressionismus, Kubismus) und hat später auch die Zeichner des Disney-Studios beeinflusst. George Herriman (1880-1944) hat mit der Serie „Krazy Kat“ ab 1913 Katze und Maus in den Comic eingeführt. Bei Frank King (1883-1969) spielten Vater Walt und Sohn Skeezix in der Serie „Gasoline Alley“, die er ab 1918 für die Chicago Tribune zeichnete, die Hauptrollen. Die Texte zu den sechs Porträts stammen von Alexander Braun. Ein Gastbeitrag des Malers Thomas Scheibitz „Parallelbilder, Fantasie oder optischer Humor“ stellt den Comic in größere Zusammenhänge. Die meist farbigen Abbildungen des Katalogs sind wunderbar. Coverabbildung: „Little Nemo in Slumberland“ (1908). Mehr zum Buch: pioniere-des-comic–6669-0.html