Los Angeles

2015.Los AngelesWolf Jahnke hat seine Magister-arbeit in Münster über das Thema „Los Angeles im Film“ geschrieben, Michael Scholten war im Sommer 1995 ein Semester an der University of California, L.A. Jahnke ist Produktmanager, Scholten Journalist, beide sind filmaffin und können routiniert schreiben. Sie unternehmen in ihrem Buch auf 128 Seiten eine Reise durch L.A. und Umgebung und erinnern uns zunächst an das historische L.A. im Film: in CHINATOWN von Roman Polanski (1974) im Jahr 1937, in L.A. CONFIDENTIAL von Curtis Hanson (1997) im Jahr 1953, in CHANGELING/DER FREMDE SOHN (2008) von Clint Eastwood im Jahr 1928, in BLADE RUNNER (1982) von Ridley Scott an die Zukunft im Jahr 2019. Dann geht es im Zick-Zack-Kurs zum Mulholland-Drive, nach Downtown, zum L.A. River und nach East L.A., nach North L.A. und nach Hollywood, nach West Hollywood, in die Hollywood Hills, zum Wilshire Boulevard, nach Midtown, Beverly Hills, Century-City, Westwood und Brentwood, zum Pacific Coast Highway, nach Malibu und Santa Barbara, zum L.A. Airport, zum Hafen San Pedro, nach South Central und schließlich ins San Fernando Valley. Die letzten sechs Seiten sind den „Masters of the L.A.-Universe“ gewidmet: dem schönsten L.A. von Michael Mann, dem seltsamen L.A. von David Lynch, dem kindischen L.A. von Judd Apatow, dem nekrophilen L.A. von Bret Easton Ellis, dem coolen Pop-L.A. von Quentin Tarantino und dem historischen L.A. von Michel Hazanavicius. Mit vielen Adressen, Anekdoten und Abbildungen. Coverfoto: GANGSTER SQUAD (2913) von Ruben Fleischer. Mehr zum Buch: 463–los-angeles.html

DIE KRANICHE ZIEHEN (1957)

2015.DVD.KranicheDer Film von Michail Kalatosow gewann 1958 in Cannes die „Goldene Palme“. Er war damals einer der großen Erfolge des sowjetischen Kinos der Tauwetterphase, in der auch die Filme BALLADE VOM SOLDATEN von Grigori Tschuchrai, NEUN TAGE EINES JAHRES von Michail Romm und IWANS KINDHEIT von Andrei Tarkowski entstanden. DIE KRANICHE ZIEHEN erzählt die tragische Liebesgeschichte von Weronika (gespielt von Tatjana Samoilowa) und Boris (Alexei Batalow) in Moskau, die hoffnungsvoll in Friedenszeiten beginnt, aber schnell vom ausbrechenden Krieg überschattet wird. Boris meldet sich freiwillig an die Front, kann sich aber nicht mehr von Weronika verabschieden. Weronikas Eltern werden Opfer eines Bombenangriffs. Sie findet in der Familie von Boris eine Bleibe. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als sie in einer Bombennacht Boris untreu wird und dem Werben des Musikers Mark nachgibt. Boris fällt an der Front, aber Weronika erfährt davon nichts. Es folgen eine Evakuierung nach Sibirien, die Entlarvung von Mark als Betrüger und schließlich das Kriegsende. Weronika wartet vergebens auf die Heimkehr von Boris. Diese Geschichte wird in expressiven Schwarzweiß-Bildern erzählt (Kamera: Sergei Urussewski), Tatjana Samoilowa ist eine beeindruckende Hauptdarstellerin. Ich habe den Film 1959 gesehen, in der Bundesrepublik hatte er den Titel WENN DIE KRANICHE ZIEHEN, er hat mich sehr fasziniert. Viele seiner damaligen Qualitäten sind noch immer erkennbar, wenn man sich die DVD anschaut, die jetzt bei Icestorm erschienen ist. Mehr zur DVD: die-kraniche-ziehen.html

Sounds of Hollywood

2015.Sounds HollywoodDaniel Hope (*1974) ist ein britischer Geiger und Schriftsteller. In seinem ersten Buch, „Familien-stücke“ (2007), beschreibt er die Spurensuche nach seinen Urgroßeltern in Berlin. In seinem neuen Buch erzählt er, „Wie Emigranten aus Europa die amerikanische Filmmusik erfanden“. Diesmal führte ihn seine Spurensuche nach Hollywood. In elf Kapiteln geht es um die Komponisten Franz Waxman, Werner-Richard Heymann, Friedrich Hollaender, Kurt Weill, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner, Hanns Eisler und André Previn. Es sind vor allem Exil-Geschichten, die der Autor (unterstützt von Wolfgang Knauer) vermittelt. Nur Steiner war schon 1929 nach Amerika ausgewandert, alle anderen (außer Previn, der eher zur darauf folgenden Generation gehört) sind aus Hitler-Deutschland geflohen und haben mit unterschiedlichem Erfolg für die Studios in Kalifornien gearbeitet. Hope erzählt mit großer Empathie, zitiert aus den vielen Gesprächen, die er mit den Nachkommen der Komponisten geführt hat, mischt Anekdoten mit seriös recherchierten Fakten und leistet einen Beitrag zur Erinnerungskultur. Zu seinen Schwächen gehören häufige Redundanzen und eine oft nervende Sprunghaftigkeit. Immer wieder begibt er sich auf Umwege und Nebenschauplätze, wenn man an der Kontinuität einer Geschichte interessiert ist. Seine Stärken sind die Schilderung emotionaler Momente und die Nähe zum Thema: der Musik. Coverfoto: der Autor, fotografiert von Margaret Malandruccolo. Mehr zum Buch: sounds-of-hollywood.html

Audrey Hepburn und William Holden

2015.Audrey + BillEdward Z. Epstein ist ein Profi unter den amerikanischen Biografie-Autoren, er hat – meist zusammen mit Joe Morella – Bücher über Clara Bow, Rita Hayworth, Loretta Young, Marlon Brando, Jane Wyman und Bob Hope geschrieben. Diesmal geht es um Audrey Hepburn und William Holden. Ausgangspunkt ist ihr erster gemeinsamer Film: SABRINA (1954) unter der Regie von Billy Wilder. Die zweite männliche Hauptrolle spielte damals Humphrey Bogart. Eigentlich sollte Cary Grant die Rolle des Linus Larrabee spielen, aber der sagte im letzten Moment ab. Bogart wiederum hätte lieber seine Frau Laureen Bacall als Sabrina besetzt, aber die Entscheidung für Audrey war bereits getroffen. Sie galt nach dem Film ROMAN HOLIDAY, für den sie als Prinzessin Ann den Oscar als beste Hauptdarstellerin bekam, als kommender Star. Hepburn und Holden waren sich bekanntlich sehr zugeneigt, Bogart hielt Holden für einen schlechten Schauspieler und sorgte für viel Trouble am Set. Epstein berichtet in vielen Details von der Produktion und erzählt dann parallel die Lebensgeschichten von Hepburn und Holden, die zwar nach zehn Jahren noch einmal zusammengearbeitet haben (bei dem Film PARIS WHEN IT SIZZLES von Richard Quine), aber privat ihre eigenen Wege gegangen sind. Holden starb 1981 offenbar nach einem Sturz in seinem Hotelzimmer, Hepburn 1993 nach einer Krebsoperation; sie hatte sich 1970 weitgehend aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und humanitären Projekten gewidmet. Ihre Verehrer werden vieles, was Epstein erzählt, schon wissen, aber es gibt ja immer ein paar neue Informationen. Mehr über das Buch: eine-unvollendete-liebe.html

Rebellion im Film seit James Dean

2015.James DeanIn unseren Kinos ist zurzeit der interessante Film LIFE von Anton Corbijn zu sehen, der die Begegnungen des jungen James Dean mit dem Fotografen Dennis Stock thematisiert. Es ist ein subtiler, leiser Film, in dem Rebellion nur am Rande vorkommt. Marina Küffner hat ihre Magisterarbeit im Fach Filmwissenschaft an der Universität Frankfurt über „Existentielle Rebellion im Film seit James Dean“ geschrieben, die jetzt im Filmbuchverlag Mühlbayer publiziert wurde. Ihr Titel: „Auflehnung, Antriebslosigkeit, Antidepressiva und Apokalypse“. Die Alliteration klingt lebensbedrohend, aber der Text ist gut lesbar, bleibt weitgehend an den Filmen, die analysiert werden, und schlägt einen Bogen von den 1950er Jahren zu den Coming of Age-Filmen der Gegenwart. Das erste Kapitel (50 Seiten) ist James Dean gewidmet, seinem Leben und den drei Filmen, die er bis zu seinem tragischen Tod 1955 gedreht hat. Im Mittelpunkt steht dabei REBEL WITHOUT A CAUSE als „Urtypus des Teenagerfilms“. Im zweiten Kapitel geht es um die Filme THE BREAKFAST CLUB und FERRIS BUELLER’S DAY OFF von John Hughes, REALITY BITES von Ben Stiller und REMEMBER ME von Allen Coulter mit dem Zwiespalt zwischen Anpassung und Abgrenzung. Das dritte Kapitel handelt von den Rebellen auf der Couch, also ihrer psychotherapeutischen Behandlung. Filmbeispiele: CHARLIE BARTLETT von Jon Poll und GARDEN STATE von Zach Braff. Das vierte Kapitel („Der Rebell am Rande des Weltuntergangs“) teilt die Autorin in die Motive „Angst, Freiheit und Verantwortung“ mit den Filmbeispielen DONNIE DARKO von Richard Kelly und KARBOOM von Gregg Araki und „Die ambivalente Sexualität als rebellischer Akt“, Filmbeispiele: THE DOOM GENERATION von Gregg Araki und THE RULES OF ATTRACTION von Roger Avary. Ein kleiner philosophischer Exkurs handelt von Sarte und Camus. Die Lektüre ist anregend, die technische Qualität vieler Abbildungen finde ich leider unzureichend. Mehr zum Buch: auflehnung.html

Der Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann

2015.Hilmar HoffmannIm August wurde der 90. Geburtstag von Hilmar Hoffmann gefeiert. Er war von 1970 bis 1990 Kulturstadtrat in Frankfurt am Main. Er initiierte damals das Kommunale Kino und war für die Gründung des Deutschen Filmmuseums am Mainufer verant-wortlich. Claus-Jürgen Göpfert hat zum runden Geburtstag eine Biografie über Hilmar Hoffmann publiziert, die mit beeindruckender Genauigkeit sein Leben und Werk beschreibt: seine Kindheit und Jugend ohne Vater, den Kriegsdienst bei den Fallschirmjägern, die amerikanische Gefangenschaft, die Rückkehr nach Deutschland, die Arbeit als Dolmetscher, die Gründung des British Information Center „Die Brücke“ mit Hoffmann als Direktor, die Übernahme der Leitung der neuen Volkshochschule der Stadt Oberhausen, die Gründung und Leitung der Westdeutschen Kurzfilmtage, die Erfolge als Kulturdezernent der Stadt in der Obhut der Oberbürgermeisterin Luise Albertz. Dann folgt 1970 der Wechsel nach Frankfurt und Hoffmanns schwierige Situation unter so unterschiedlichen Oberbürgermeistern wie Walter Möller, Rudi Arndt, Walter Wallmann und Volker Hauff. Göpfert hat eine große Fähigkeit, das kulturelle Engagement, die politischen Konflikte und die diplomatischen Fähigkeiten von Hoffmann zu beschreiben. Zahlreiche Weggefährten wie Peter Iden, Alexander Kluge, Hans Neuenfels und Petra Roth haben – wie Hoffmann selbst – den Autor aus ihrer Sicht informiert. Das liest sich sehr spannend, weil ich mich an viele Namen und Ereignisse erinnere, die Passage über Fassbinders Zeit am TAT hat absurd-komische Momente und meine Bewunderung für die Lebensleistung von Hilmar Hoffmann ist bei der Lektüre noch gewachsen. Natürlich kommt im letzten Teil auch seine Tätigkeit als Präsident des Goethe-Instituts zur Sprache. Mit 240 Fotos aus allen Lebensphasen und einem Vorwort von Claudia Dillmann, der Leiterin des Deutschen Filminstituts, das dieses Buch publiziert hat. Mehr zum Buch: Hilmar-Hoffmann-Leben-und-Werk

Realism as Protest

2015.RealismAlexander Kluge ist inzwischen 83 Jahre alt, aber in der deutschen Medien-landschaft noch sehr präsent. Christoph Schlingensief ist im Alter von 50 Jahren vor fünf Jahren gestorben. Michael Haneke, 73 Jahre alt, hat vor drei Jahren seinen letzten Film gedreht. Tara Forrest, Professorin in Sydney und geschult durch Studien über Kracauer und Benjamin, verbindet in ihrer neuen Publikation Kluge, Schlingensief und Haneke unter der Begrifflichkeit „Realism as Protest“. Kluge sind zwei Kapitel gewidmet: „Subjunctive Realism: Kluge on Film, Politics and Feeling“ und „Creative Co-Productions: Kluge’s Television Experiments“. Schlingensief wird in drei Kapiteln analysiert: „Mobilising the Public Sphere: Schlingensief’s Reality Theatre“, „Productive Discord: Schlingensief, Adorno, and FREAKSTARS 3000“ und „From Information to Experience: Christoph Schlingensief’s QUIZ 3000“. Haneke wird im Schlusskapitel gewürdigt: „A Negative Utopia: Michael Haneke’s Fragmentary Cinema“. Die Autorin hat sich intensiv mit dem Werk der drei genannten Künstler beschäftigt, sie beschreibt sehr konkret Kluges Umgang mit Bildern in DIE PATRIOTIN und KRIEG UND FRIEDEN, Schlingensiefs mediale Aktivitäten und konkretisiert sich bei Haneke auf dessen Film 71 FRAGMENTE EINER CHRONOLOGIE DES ZUFALLS. Eine kluge Publikation. Mehr zum Buch: realism-as-protest

DIE STIMME DES MONDES (1990)

2015.DVD.Stimme des MondesDies war der letzte Film, den Federico Fellini (1920-1993) realisiert hat. Also: ein Alterswerk. Es wird keine Geschichte mit einer dramaturgischen Logik erzählt, wir sind Beobachter verschiedener Menschen in einer italienischen Klein-stadt. Im Mittelpunkt stehen der naive Tor Ivo (gespielt von Roberto Benigni), der in der Nacht geheimnisvolle Stimmen hört, und der Präfekt Gonella (Paolo Villagio), der an eine Verschwörung glaubt und von der Zukunft ohnehin nichts Gutes erwartet. Die beiden sind umgeben von – wenn man das so sagen darf – „Verrückten“, die nach dem Ursprung des Lebens oder nach geeigneten Partnern suchen: die Schwestern Aldina und Susi, der zwergenhafte Nestore, die gierige Marisa, der Arzt Brambilla, der Oboist Sim, dessen Instrument sich selbständig macht, Ivos Schwester Adele. Drei große Feste werden im Film gefeiert: das Gnocchi-Fest auf einem Damm, bei dem Aldina zur „Miss Mehl“ gewählt wird, ein Abend in einer riesigen Discothek, bei dem Gonella den Hard Rock kurzfristig mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“ außer Kraft setzt, und schließlich die Gefangennahme des leuchtenden Mondes, der von einem Kranfahrer kurzfristig in einer hohen Scheune eingesperrt wird. Die Tumulte in der Umgebung sind immens. Natürlich steht der Mond dann wieder am Himmel, denn der kleine Mond war nur eine Installation für eine Werbung. Am Ende schaut Ivo in einen Brunnen, immer noch auf der Suche nach geheimnisvollen Stimmen. Fellinis Film ist, wenn es sein muss, laut und dann wieder leise, weil er die Stille beschwört. Er wechselt zwischen Traum und Realität, zwischen Märchen und Wirklichkeit, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Für die beeindruckenden Bilder sorgte der Kameramann Tonino Delli Colli, die Musik stammt von Nicola Piovani. Ein Wiedersehen mit dem Film (und dem jungen Roberto Benigni) ist sehr interessant. Die DVD ist gerade in der Collection „Masterpieces of Cinema“ bei Koch Media erschienen. Mehr zur DVD: 1009261&nav1=FILM

50 Jahre Kuratorium junger deutscher Film

Bild 1Seit 50 Jahren gibt es das „Kuratorium junger deutscher Film“, eine Fördereinrichtung, der viele inzwischen arrivierte Filmemacherinnen und Filmemacher ihre Debütfilme zu verdanken haben. Das Jubiläum wird in verschiedenen Städten gefeiert. Morgen beginnt in Berlin im Kino am Bundesplatz ein Rückblick mit insgesamt 19 Filmen, die in ihrer Auswahl die große Bedeutung des Kuratoriums in Erinnerung rufen. Eröffnet wird die Reihe mit Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966), einem Schlüsselfilm der 1960er Jahre. Es folgen an den kommenden Sonntagen u.a.: LEBENSZEICHEN von Werner Herzog, NEUN LEBEN HAT DIE KATZE von Ula Stöckl, DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER von Wim Wenders, FLUSSFAHRT MIT HUHN von Arend Agthe, MALOU von Jeanine Meerapfel, MAHLZEITEN von Edgar Reitz, KATZ UND MAUS von Hansjürgen Pohland, STILLES LAND von Andreas Dresen, BILDNIS EINER TRINKERIN von Ulrike Ottinger und DIE TÖDLICHE MARIA von Tom Tykwer. Den Abschluss bildet am 3. Januar 2016 RHEINGOLD von Niklaus Schilling. Ula Stöckl, Jeanine Meerapfel und Ulrike Ottinger und vielleicht noch ein paar mehr werden ihre Filme persönlich vorstellen. Wenn die Regisseure nicht präsent sein können, führen Peter Latta oder Martin Erlenmeier in die Filme ein. Ein Prospekt liegt im Kino aus. Mehr zum Programm: www.bundesplatz-kino.de/index.php?p=s

Politik des Bewegungsfilms

2015.Bewegungsfilm kleinEine Dissertation aus Zürich. Julia Zutavern untersucht dokumen-tarische und fiktionale Filme aus Deutschland und der Schweiz von 1965 bis 1995, die sich in politische Debatten eingemischt haben, unter inhaltlichen und formalen Gesichtspunkten. Ihr Ausgangs-punkt ist das philosophische Terrain von Jacques Rancière. Ihre Perspektive nennt sie „semio-pragmatisch“. In einem ersten größeren Kapitel („In Opposition“) werden vier Bewegungsfilme aus den Jahren 1966 bis 1970 analysiert: CHICORÉE von Fredi M. Murer, KRAWALL von Jürg Hassler, BRECHT DIE MACHT DER MANIPULATEURE von Helke Sander und RUHESTÖRUNG – EREIGNISSE IN BERLIN 1967 von Hans Dieter Müller und Günther Hörmann. Das zweite, umfangreichere Kapitel („Alternativ“) handelt von Bewegungsfilmen der 1970er bis 90er Jahre. Hier bilden acht Filmbeispiele die Untersuchungsbasis: LIEBER HERR DOKTOR (1977) von der Schweizer Filmgruppe Schwangerschafts-abbruch als Begleitung einer Kampagne, DAS IST UNSER HAUS (1972) von Claus-Ferdinand Siegfried, ALLEIN MACHEN SIE DICH EIN (1973/74) von Susanne Beyeler, Rainer März und Manfred Stelzer, VAGE DIE SAU SICH LÜMMELT (1992) von Reno Sami als Gruppenporträts, DANI, MICHI, RENATO UND MAX (1987) von Richard Dindo, DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT: REDUPERS (1977) von Helke Sander als Einzelporträts und die fiktionalen Chroniken GRAUZONE (1978/79) von Fredi M. Murer als Gegenwartsdiagnose und DER SUBJEKTIVE FAKTOR (1980/81) von Helke Sander als Vergangenheitssimulation. Diese Beispiele hat die Autorin aus insgesamt 200 Filmen ausgewählt. Die Filmbeschreibungen und Analysen sind sehr konkret (ich kenne fast alle Filme, weil ich sie damals gesehen habe), die außerfilmischen Aspekte werden ausführlich zur Sprache gebracht, wir haben es – aus meiner Sicht – mit einer beeindruckenden Arbeit zu tun. Band 34 in der Reihe „Zürcher Filmstudien“. Wie immer in dieser Reihe ist die technische Qualität der Abbildungen hervorragend. Mehr zum Buch: politik-des-bewegungsfilms.html