ZUR CHRONIK VON GRIESHUUS (1925)

2015.DVD.Chronik GrieshuusEin Familiendrama. Zwei Brüder streiten sich bis in den Tod um das Erbe von Grieshuus. Erst in der nächsten Generation kehrt Ruhe ein. Das Gebäude in der friesischen Heide des 17. Jahrhunderts wurde von Hans Poelzig entworfen. Willy Haas schrieb 1925 in einem schönen Text: „Da ist die uralte Dorfkirche, deren Patron der Herr auf Grieshuus ist: ein vollendet assimiliertes ‚organisches’ Ganzes aus verschiedenen Stilarten; von der Gotik der Friedhoffront bis zum Barock der hölzernen, geschnitzten Patronats-kanzel. Da sind die Strohkaten mit ihren Bienenkörben und Sonnenblumen, und weiter draußen in der Heide blühen die bienenumsummten Wachholderbüsche, der ‚Wachandelboom’, das mystische Gesträuch der deutschen Sage, aus dessen Flammen der Märchenvogel Kywitt sich aufschwingt. Sie alle sind von Alters her umwittert von den Gespenstern des Bruder-, des Kindes- und Vatermordes.“ Der Regisseur Arthur von Gerlach hat nur zwei Filme realisiert: VANINA (1922) und ZUR CHRONIK VON GRIESHUUS. Er starb 1925 im Alter von 49 Jahren. Bei Universum ist jetzt die DVD der restaurierten Fassung des Films erschienen. Sehr sehenswert! Mit der Musik von Gottfried Huppertz, eingespielt vom HR-Sinfonieorchester unter Leitung von Frank Strobel für ZDF/Arte. Das Booklet enthält Texte von Ursula von Keitz (zum Film), Anke Wilkening (zu den Verleihfassungen des Films) und Nina Goslar (zur Musik und ihrer Rekonstruktion). Mehr zum Film und zur Musik: zur-chronik-von-grieshuus

CineFest und CineGraph-Kongress

2015.CinefestMorgen wird in Hamburg das XII. CineFest eröffnet, das Internationale Festival des deutschen Film-Erbes, das von CineGraph Hamburg und dem Bundesarchiv Berlin organisiert wird. Zu sehen sind in diesem Jahr mehr als dreißig Filme zum Thema „Menschen im Hotel“. Am Eröffnungsabend wird traditionell der Reinhold-Schünzel-Preis verliehen, ein Ehrenpreis für langjährige Verdienste um die Pflege, Bewahrung und Verbreitung des deutschen Film-Erbes, den in diesem Jahr die ehemalige Direktorin des ungarischen Filmarchivs in Budapest, Very Gyürey erhält. Der Katalog zum Festival ist rechtzeitig bei edition text + kritik erschienen. Er enthält Kritiken, Dokumente und Hintergrundtexte. Eine beigefügte DVD präsentiert die Komödie DER PAGE VOM DALMASSE-HOTEL (1933) mit Dolly Haas in der Hauptrolle. – Am 18. November beginnt im Gästehaus der Universität der 28. Internationale Filmhistorische Kongress. Referenten sind Alfons Maria Arns, Thomas Brandlmeier, Jan Distelmeyer, Kathrin Fahlenbrach, Michael Girke, Evelyn Hampicke, Tobias Haupts, Detlef Kannapin, Heike Klapdor, Michelle Koch, Leonardo Quaresima, Sven Weidner und Hans Jürgen Wulff. Auch am ersten Kongress-Abend findet eine Preisverleihung statt: um den Willy-Haas-Preis konkurrieren fünf Bücher, darunter die Feuilletons zur Welt des Kinos von Joseph Roth, und fünf DVDs, darunter der Wittstock-Zyklus von Volker Koepp. Hier ist das Programm des Kongresses: Kong_Programm.pdf . Mehr zum Katalog: VkM4uxzxlgs . Das Festival geht später auf Reisen und kommt auch in Zeughauskino nach Berlin.

Der Widerstandskämpfer Victor Laszlo

2015.Victor LaszloJoachim Schlör ist Professor für jüdisch/ nichtjüdische Beziehun-gen an der University of Southampton. Zu seinen Spezialgebieten gehört der Bereich Widerstand gegen das NS-Regime. In diesem Zusammenhang widmet er sich der Figur des Victor Laszlo in dem Film CASABLANCA (1942) von Michael Curtiz. Für das Kinopublikum war Laszlo (gespielt von Paul Henreid) vor allem der Störfaktor in der Liebesbeziehung zwischen Rick Blaine (Humphrey Bogart) und Ilsa Lund (Ingrid Bergman). Aber er spielt natürlich eine wichtige Rolle in der Schlüsselszene des Films, wenn er die Gäste in Rick’s Café animiert, sich gegen das von Major Strasser und seinen Leuten gesungene Lied „Die Wacht am Rhein“ mit der Marseillaise zur Wehr zu setzen. Schlör hat für sein kleines, aber durchaus lesenswertes Buch viele Quellen auch im Internet ausgewertet, beschreibt mit zahlreichen Drehbuchzitaten die Handlung des Films, informiert über Produktionshintergründe, widmet sich der deutsch-jüdischen Emigration in Hollywood und stellt diese Erkenntnisse in den größeren Zusammenhang der Widerstandsforschung. Band 9 der „Vorlesungen des Centrums für Jüdische Studien“, erschienen im Grazer Universitätsverlag. Mehr zur Buchreihe: vorlesungen-des-centrums-fuer-juedische-studien/

Michelangelo Antonioni

2015.Antonioni 1„Wenn es stimmt, dass die Größe eines Regisseurs in der Zärtlichkeit besteht, die er der Welt und ihren Dingen gegenüber aufbringt, dann gehört Antonionis Werk zum Größten, was das erste Jahrhundert des Kinos hervorgebracht hat“, schrieb Michael Althen in seinem Nachruf in der FAZ am 31. Juli 2007. Und: „Wofür andere viele Worte brauchen, das hat er mit seinem Blick für topographische Eigentümlichkeiten eingefangen, weil er wusste, dass sich in ihnen die Geheimnisse der Welt und des Herzens abbilden. (…) Im Angesicht seines Todes herrscht Dunkelheit, und die Gefühle stehen still. Ohne ihn sind wir ein ganzes Stück einsamer. Was bleibt, ist Dankbarkeit.“ Das Buch über Michelangelo Antonioni von Matthias Bauer, das jetzt im Verlag edition text + kritik erschienen ist, hätte Michael sicherlich gefallen. Der Autor erzählt und interpretiert auf 756 Seiten die Filme des großen italienischen Regisseurs, er konfrontiert seine Lesart mit Aussagen von Antonioni, mit zeitgenössischen Kritiken und mit Analysen der inzwischen umfänglichen Antonioni-Literatur (zuletzt wurde 2012 das Buch „Michelangelo Antonioni. Wege in die filmische Moderne“, herausgegeben von Jörn Glasenapp, publiziert). Auch wenn Bauer für mich in seinem Termini oft theoriefixiert erscheint, sind seine Entdeckungen immer wieder beeindruckend. Ich habe noch nicht alle Kapitel gelesen, sondern zunächst die über meine Lieblingsfilme, über IL GRIDO, L’AVVENTURA, LA NOTTE, L’ECLISSE und BLOW-UP, aber ich habe von der Lektüre sehr profitiert und werde bei den folgenden Kapiteln versuchen, parallel die Filme anzuschauen. Im Prinzip erzählt Bauer chronologisch: „Anfänge (1912-1942) oder: der lange Weg zum Kurzfilm“, „Das ‚Frühwerk’ (1943-1950) – Fluss- Stadt- und Parklandschaften am Rande des Neorealismo“, „Die italienische Phase“ (1950-1958)“, „Die europäische Phase (1958-1965)“, „Blowing Up BLOW-UP (1966)“, „Die globale Phase (1967-1977)“, „Das Spätwerk (1980-2004)“. Eingerahmt werden diese Kapitel von einem „Ausblick“ und einem „Rückblick“. Ein Basiswerk! Dem Autor und dem Verlag gebührt Dank. Die Abbildungen haben eine akzeptable Qualität. Coverfoto: die Schlusseinstellung aus L’AVVENTURA. Mehr zum Buch: Vid_JhyWGT0

EIN LIED GEHT UM DIE WELT (1933 / 1958)

2015.DVD.Joseph SchmidtJoseph Schmidt (1904-1942) war ein begnadeter lyrischer Tenor. Seine Medien waren der Rundfunk und die Schallplatte, für die Opernbühne galt er mit 1,54 m als zu klein. Richard Oswald drehte mit ihm 1933 den Film EIN LIED GEHT UM DIE WELT, der die Geschichte des Sängers Riccardo (gespielt von Joseph Schmidt) und seines Freundes Rigo (Viktor de Kowa) erzählt, die gemeinsam Karriere machen, sich in die Schallplatten-verkäuferin Nina (Charlotte Ander) verlieben, die Rigo den Vorzug gibt, aber die Freundschaft der beiden Männer nur kurzfristig aus dem Gleichgewicht bringt. Der Film spielt in Venedig, hat viele Musiknummern und wurde am 9. Mai 1933 in Berlin uraufgeführt. Am Tag danach emigrierte Schmidt wegen seiner jüdischen Herkunft nach Österreich und fünf Jahre später in die Schweiz, wo er 1942 in einem Internierungslager an Herzversagen starb. 1958 drehte Géza von Bolváry den Film EIN LIED GEHT UM DIE WELT – DIE JOSEPH-SCHMIDT-STORY, der die Biografie des Sängers, seine Erfolge in Deutschland, seine Flucht vor den Nazis, die Liebe zu einer Verehrerin, ihre gewaltsame Trennung und seine Hoffnungen auf ein Überleben in der Schweiz schildert. Die Hauptrollen spielten damals Hans Reiser und Sabina Sesselmann. Es war Bolvárys letzter Film. Er starb 1961. Die beiden Joseph-Schmidt-Filme sind jetzt auf DVD bei den Filmjuwelen erschienen. Friedemann Beyer hat ein sehr informatives Booklet verfasst, das die politischen Hintergründe differenziert thematisiert. Mehr zur DVD: keywords=%22filmjuwelen%22

Programmentscheidungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

2015.ProgrammentscheidungenEine Dissertation, die an der Universität Bonn entstanden ist. Charlotte Echterhoff stellt die Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Rundfunk-anstalten auch heute noch ihren Programm-auftrag erfüllen. Zugespitzt: „Qualität vs. Quote“ oder „Öffentlich-keit vs. Publikum“. Was war die Gründungsidee der Öffentlich-Rechtlichen und welche Veränderungen gibt es insbesondere seit der Dualisierung 1984? Natürlich wird die Quote als Kriterium für Programmentscheidungen in Frage gestellt. Ein interessanter Exkurs führt nach England, zur Qualitätsbestimmung in der BBC anhand des „Public Value“. Dem ersten Teil der Arbeit, einer relativ differenzierten historischen Darstellung bis in die Gegenwart, folgen ein empirisch-analytischer Teil mit Leitfaden-Interviews zu Kriterien für Programmentscheidungen (Programmschema, rechtlicher Rahmen, Konkurrenz, Protagonisten, öffentlich-rechtliches Profil, Zuschauer, Gesellschaft, individueller Anspruch) und die Interpretation des Kriterienkatalogs. Zu den Programmverantwortlichen, die für Interviews zur Verfügung standen, gehörten der ARD-Programm-direktor Volker Herres und der Leiter der ZDF-Hauptabteilung Programmplanung, Martin Berthoud. Das methodische Vorgehen wird von der Autorin ausführlich begründet, interessant sind vor allem die Zitate der Programmverantwortlichen, die am Ende des Bandes noch einmal aufgereiht sind. Mit umfangreicher Bibliografie, ohne Abbildungen. Mehr zum Buch: product=25356

James Bond

2015.James BondSeit heute ist der neue James Bond-Film in unseren Kinos zu sehen: SPECTRE von Sam Mendes. Es ist der 24. Bond-Film. Die Reihe begann 1962, also vor mehr als fünfzig Jahren, mit DR. NO. Sean Connery, unvergessen, spielte damals – und dann bis 1971 – die Hauptrolle: „Mein Name ist Bond – James Bond“. So heißt auch das sehr lesenswerte Buch von Andreas Jacke, das gerade im Psychosozial-Verlag erschienen ist. Der Autor verbindet in seinen Publikationen häufig Filmwissenschaft mit Psychoanalyse, auch das neue Buch ist eine „filmpsychoanalytische Studie“. Ein Kapitel handelt von den „ödipalen Duellen zwischen Bond und den Schurken, zwischen Ost und West“, ein späteres von den „psychotischen und faschistoiden Charakterzügen der Schurken“, ein drittes von „spektakulären Todesarten, oralen Aggressionen und Erotik“. Verbindungen stellt Jacke auch zur Philosophie her („Bond und der Derrida’sche Andere: Paranoide und erotische Strukturen“) und zur Semiotik von Umberto Eco („Codenamen, Gegensatzpaare, Serialität und die Aufgabe der Ironie“). Ein eigenes Kapitel gilt dem Autor der James Bond-Romane, Ian Fleming („Manie, Bindungsängste, Süchte, Ehe und die Bond-Familie“), in einem Exkurs werden John le Carrés Agententhriller zum Vergleich herangezogen („Mr. Smileys schlechtes Gespür für Frauen“). Das für mich schönste Kapitel porträtiert die verschiedenen Bond-Darsteller und schildert ihre Charaktere: Sean Connery ist „der souveräne Vater/Sohn“, George Lazenby (er spielte den Bond nur einmal) „der unfreiwillig Komische“, Roger Moore „der snobistische Ironiker“, Timothy Dalton „der gehobene Moralapostel“, Pierce Brosnan „der postmoderne Draufgänger“ und Daniel Craig „der traumatisierte Realist“. Am Ende findet man ein kommentiertes Verzeichnis der Bond-Filme, in dem Andreas Jacke auch seine Vorlieben und Abneigungen formuliert. Wenige Abbildungen, weil der Autor sehr bildhaft formulieren kann. Coverfoto: Daniel Craig in SKYFALL Mehr zum Buch: sa58j7k2j715

Das Kriegstagebuch von Konrad Wolf

2015.Kriegstagebücher„31. Dezember 1943. (…) Ja, dieses Jahr hat mir sehr viel gegeben. Zum ersten Mal stand ich auf eigenen Füßen und begann ein selbständiges Leben. Wie schwer war es anfangs, sich an die Armee zu gewöhnen, an all die neuen Menschen. Jetzt hat sich schon vieles in mir verändert: Ich fühle mich selbständig und kenne mich ein wenig in den Menschen aus. Wirklich, du Jahr 1943 hast mir viel Nützliches gegeben, und ich scheide mit beinahe nur guten Erinnerungen von dir.“ (S. 146). Vom 18. März 1943 bis zum 18. April 1945 hat Konrad Wolf Kriegstagebuch geführt. Er gehörte damals zu Politabteilung der 47. Armee und war Dolmetscher, Interviewer von Gefangenen, Verfasser von Flugblättern und Sprecher von Sendungen für deutsche Soldaten unmittelbar hinter der Front. Wolfgang Jacobsen und Rolf Aurich haben in ihrer Konrad Wolf-Biografie ausführlich darüber berichtet. Jetzt ist das Tagebuch, herausgegeben von Paul Werner Wagner in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste, übersetzt von Jürgen Schlenker, in der Edition „Die Möwe“ in deutscher Sprache erschienen. Eine spannende Lektüre, denn der junge Rotarmist hat – oft mit Unterbrechungen – seinem Tagebuch viel Persönliches anvertraut, über Lieben und Freundschaften, über Krankheiten und Reisen, über den Alltag an der Front, über seine Gefühle gegenüber den Deutschen. Die Publikation enthält – neben dem Kriegstagebuch – ein Vorwort von Wolfgang Kohlhaase, ein Nachwort des Herausgebers, Briefe von Konrad Wolf aus den Jahren 1942-1945 an die Eltern Friedrich und Else Wolf, den Bruder Markus, die Schwester Lena, die Jugendfreundin Zilja, Vernehmungsprotokolle mit deutschen Soldaten, einen Flugblatttext und das Treatment zu dem Filmprojekt „Heimkehr 45“, das 1968 unter dem Titel ICH WAR NEUNZEHN als DEFA-Film realisiert wurde. Eine DVD des Films ist beigeheftet. Da ich Konrad Wolf für einen bedeutenden Regisseur halte, ist dies eine auch für mich persönlich wichtige Publikation. Mehr zum Buch: www.edition-die-moewe.de/

Filmsynchronisation

2015.Synchronisation kleinIn Deutschland werden ausländische Filme für die Kinovorführung und die Fernsehausstrahlung in der Regel synchronisiert. Nur in wenigen Großstädten – Berlin ist da führend – kann man Original-fassungen mit oder ohne Untitel sehen. Die Synchronisation gibt es seit den 1930er Jahren, aber sie ist von der Wissenschaft bisher kaum erforscht worden. Das Buch „Film im Transfer-prozess“, herausgegeben von Thomas Bräutigam (Verfasser eines Lexikons der Film- und Fernsehsynchronisation und eines Lexikons der Synchronsprecher) und Nils Daniel Peiler, enthält 13 Beiträge aus sehr unterschiedlichen Perspektiven, die sich zu einem interessanten Spektrum formen. Die beiden Herausgeber beginnen mit einem Grundsatztext: „Erkenntnispotentiale einer Beschäftigung mit Filmsynchronisation“. Auch Gerd Naumann, der über dieses Thema promoviert hat, äußert sich „Zu grundlegenden Aspekten der Synchronarbeit“. Claudia Leinert, Synchron-Supervisorin bei Constantin, fragt „Kann Synchronisation dem Original gerecht werden?“ und berichtet von eigenen Erfahrungen. Der Regisseur Ingo Haeb und der Tonmeister Stephan Colli definieren ihre Synchronisationsphilosophie und erzählen von der Zusammenarbeit bei dem Film DAS ZIMMERMÄDCHEN LYNN. Andreas Blum reflektiert in seinem interessanten sprachwissenschaftlichen Beitrag über „Höfliche und vertrauliche Anrede in der Filmübersetzung“. Da ich nicht alle Beiträge nennen kann, hier noch drei Texte, die mir besonders gefallen haben: Ralf Junkerjürgen schreibt über „Herausforderungen an Synchronisationen aus dem Spanischen“ am Beispiel der Filme von Pedro Almodóvar, Nils Daniel Peiler über die Synchronisation von Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY“ und Joseph Garncarz über die verschiedenen Fassungen von Walt Disneys SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS in Deutschland. An dem Thema sollte weitergearbeitet werden. Mehr zum Buch: transferprozess.html

Percy Adlon

Heute findet in der Akademie der Künste am Hanseatenweg die Archivpräsentation von Percy Adlon statt. Ab 15 Uhr sind drei Dokumentarfilme von ihm zu sehen, dann folgt der Film FÜNF LETZTE TAGE (1982). Torsten Musial unterhält sich anschließend mit den Hauptdarstellerinnen Lena Stolze und Irm Hermann. Und ab 19.30 Uhr spricht Percy Adlon, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, anhand von Filmausschnitten über sein Leben und seine Filme.

2015.DVD.Percy AdlonIn der Arthaus-Reihe von StudioCanal ist soeben eine Box mit insgesamt zwanzig Filmen von Percy Adlon erschienen. Es sind vor allem die starken Frauenfiguren in seinen Spielfilmen, die dank beeindruckender Darstel-lerinnen bis heute faszinieren: die langjährige Haushälterin von Marcel Proust, CÉLESTE (1981), gespielt von Eva Mattes, die im Gestapo-Hauptquartier Inhaftierten Sophie Scholl und Else Gebel, verkörpert von Lena Stolze und Irm Hermann in FÜNF LETZTE TAGE (1982), die drei Töchter des bayerischen Hofgärtners Lautenschlager, gespielt von Anja Jaenicke, Lena Stolze und Susanne Herlt in DIE SCHAUKEL (1983) – und dann dreimal Marianne Sägebrecht in ihren Paraderollen: als Beifahrerin eines Leichenwagens in ZUCKERBABY (1985), als Betreiberin des ‚Bagdad Cafés’ irgendwo in der amerikanischen Wüste in OUT OF ROSENHEIM (1987) und als Mutter mit ungeahnten Fähigkeiten in ROSALIE GOES SHOPPING (1989). Die letzte der großen Percy-Adlon-Frauen war dann Rosel Zech als Bibliothekarin in Alaska in SALMONBERRIES (1991). In den anschließenden drei Filmen, die man jetzt auf DVD sehen kann, spielen Männer die Hauptrollen: Donald Sutherland als durchgeknallter Lagerbetreiber Jonathan in YOUNGER AND YOUNGER (1993), André Eisermann als Verleger Baldur Graf auf der Suche nach einem in L.A. untergetauchten Autor in HAWAIIAN GARDENS (2001) und Johannes Silberschneider als Gustav Mahler in MAHLER AUF DER COUCH (2010), den Percy Adlon gemeinsam mit seinem Sohn Felix realisiert hat. Die frühen Filme gefallen mir persönlich besser als die späten. Aber man sollte nicht vergessen, dass Adlon auch eine Reihe guter Dokumentarfilme gedreht hat. Zehn davon sind in der Box enthalten, darunter TOMI UNGERERS LANDLEBEN (1973 – ein Besuch bei dem großen Zeichner in seinem Haus in Irland), FRÄULEIN ANNETTE KOLB (1977 – ein Porträt der couragierten Dichterin), IM HAUS DES AFFENMALERS (1980 – über den Maler Gabriel Max), FLUCHTWEGE EINES FRIEDLIEBENDEN MANNES (1982 – über die Flucht des Schriftsteller Leonhard Frank ins Exil) und IN DER GLANZVOLLEN WELT DES HOTEL ADLON (1996 – mit Zeitzeugen und Spielszenen). Die Auswahl der Filme hat Percy Adlon selbst vorgenommen. Mehr zur DVD: die_filme_von_percy_adlon