Strategien des Narrativen

2016.StrategienEine Dissertation, die an der Freien Universität Berlin entstanden ist. Es geht thema-tisch um die Präsentation von Filmbildern im musealen Raum. Die Autorin Ruth Reiche konstatiert: „Geht man mit Foucault davon aus, dass sowohl das Kino als auch das Museum heterotopische Räume sind, kann man davon sprechen, dass die eine Heterotopie in die andere inkludiert wird und damit auf sich selbst zurückspiegelt. Das Kino ist ein Raum der Freizeit, des Vergnügens, der Unterhaltung. Das Museum ist ein Raum des Bewahrens, des Vermittelns, der Bildung. Wird also das Kino ins Museum verschoben, dann spiegelt es auf sich selbst zurück. Es entsteht folglich eine Heterotopie des Kinematographischen, ein, um mit Bellour zu sprechen, anderes Kino.“ (S. 10). Reiche formuliert zunächst die Grundlagen der Erzähltheorie, verweist auf Spielarten des Erzählens in einer Schleife, definiert den kinematographischen Raum als Rahmen für die Narration, gibt Beispiele für mehrkanaliges Erzählen und analysiert schließlich die zwei Versionen von Eija-Liisa Athilas THE HOUSE. Sie bringt den Nachweis, „dass vermeintlich einengende Kategorien wie narrativ, nicht-narrativ, erzählerisch, linear, nonlinear, installativ, kinematographisch, einkanalig, mehrkanalig der exakten Beschreibung eines Werkes dienen, kein Selbstzweck sind, sondern Mittel, um ein Werk in seiner ihm eigenen Spezifik zu erfassen und seine Wirkmechanismen besser zu begreifen, da sie allesamt als Parameter zu verstehen sind, die sich gegenseitig beeinflussen und in reflexiver Spannung zueinander stehen.“ (S. 196). Konkrete Beispiele helfen, die Beweisführung nachzuvollziehen. Coverfoto: THE HOUSE (2002), DVD-Installation für drei Projektionen mit Ton. Mehr zum Buch: www.verlag-silke-schreiber.de/start.html

MnemoCine

2016.MnemoCineEine Dissertation, die an der Universität Basel entstanden ist. Sie sucht nach der „Konstruktion des Gedächtnisses in der Erfah-rung des Films“. Ihre Lektüre stellt hohe Ansprüche, denn sie verknüpft Psychologie, Geschich-te und Film, sie „bringt das Kino auf die Spur der Erinnerung und die Erinnerung auf die Spur des Kinos“. oder: „In konsequenter Verschränkung von Innen und Außen, Mentalität und Media-lität, Psyche und Technik wird eine filmbasierte Morphologie, Phänomenologie und Pragram-matologie der Erinnerung erarbeitet.“ Da kann man sich schon mal im Labyrinth der Theorien verirren. Die drei Teile heißen „Mind Screening. Eine Dekonstruktion“, „Point of Re-Membering“ und „Screen Memories“. Natürlich werden viele Filme ins Spiel gebracht, aber am Ende gibt es nur ein Literaturverzeichnis und einen Verweis auf Internetquellen. 435 Seiten, mit Abbildungen. Mehr zum Buch: mnemocine-2581

Die großen Ufa-Literaturverfilmungen

2016.DVD.Ufa LiteraturverfilmungenVier Filme nach literari-schen Vorlagen enthält dieser DVD-Set, drei aus der NS-Zeit, einen aus den 1950er Jahren. 13 STÜHLE (1938) von E. W. Emo entstand nach dem satiri-schen Roman von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow. Er erzählt die Geschichte des Friseurs Felix Rabe (Heinz Rühmann), der von seiner verstorbenen Tante 13 Stühle erbt. Rabe verkauft sie an einen Trödler und erfährt kurz darauf, dass in einem Stuhl 100.000 Mark eingenäht waren. Die Stühle sind inzwischen verkauft, Rabe macht sich gemeinsam mit dem Trödler (Hans Moser) auf die Suche nach den neuen Besitzern, die Ermittlungen verlaufen turbulent und in zwölf Fällen erfolglos, das Geld enthält der 13. Stuhl, der in einem Waisen-haus gelandet ist und dort bereits entdeckt wurde. Rabe verzichtet zugunsten der Kinder und wird dafür entschädigt: mit einem von ihm erfundenen Haarwuchsmittel wird er ein reicher Mann. – DIE VIER GESELLEN (1938) von Carl Froelich basiert auf einem Bühnenstück von Jochen Huth. Die Komödie handelt von vier jungen Werbegrafike-rinnen, die sich in Berlin zusammentun und gemeinsam erfolgreich sind. Seine besondere Bedeutung gewinnt der Film durch die Mitwirkung des späteren Weltstars Ingrid Bergman, die als Grafikerin Marianne Kruge eine große Präsenz hat. – DIE GEIERWALLY (1940) von Hans Steinhoff ist die zweite Verfilmung des Romans von Wilhelmine von Hillern; die erste stammte von E. A. Dupont, sie entstand 1921, und damals spielte Henny Porten die Titelrolle. Im Film von Steinhoff ist Heidemarie Hatheyer die Wally, die sich gegen ihren dominanten Vater behaupten muss, um am Ende statt des Bauern Vinzenz den Bären-Josef zu zu bekommen. Die Kameraführung von Richard Angst und die Darstellung von Heidemarie Hatheyer verschaffen dem Film Qualitäten. – DAS TOTENSCHIFF (1959) von Georg Tressler ist eine Adaption des Romans von B. Traven. Relativ spannend werden die Ereignisse auf dem Schmugglerkahn ‚Yorrike’ erzählt, der am Ende auf hoher See kentert. Drei Männer an Bord stehen im Mittelpunkt der Geschichte: der Matrose Philip Gale (gespielt von Horst Buchholz), der Heizer Martin (Helmut Schmid) und der Schiffstrimmer Stanislaw Lawski (Mario Adorf). Nur Gale überlebt. Beeindruckend sind vor allem das Spiel der Hauptdarsteller und die Kameraführung von Heinz Pehlke. – Klassische Literaturverfilmungen sind eigentlich nur 13 STÜHLE, DIE GEIERWALLY und DAS TOTENSCHIFF. Aber es lohnt sich, alle vier Filme wieder einmal anzuschauen. Mehr zur DVD: FILM&page=3&id=1014150

Woody Allen

2016.Woody AllenIm vergangenen Dezember feierte er seinen 80. Geburtstag, und vorgestern wurden die Filmfestspiele in Cannes mit seinem neuesten Film CAFÉ SOCIETY eröffnet.  Jetzt ist bei Hoffmann und Campe in der Reihe der Atlantik Bücher ein sehr lesenswertes Buch über Woody Allen erschienen. Der spanische Autor Natalio Grueso ist mit ihm befreundet. Die persönliche Nähe ist kein Nachteil für die Würdi-gung eines Lebenswerks. Grueso verweigert sich der traditionellen Form einer Biografie, seine 13 Kapitel sind thematisch strukturiert: Das Genie. Das junge Talent. Der Stand-up-Comedian. Der Geschichtenerzähler. Der Komiker. Die Berühmtheit. Der Kinoliebhaber. Der Spanienliebhaber. Der Glückpilz. Der Musiker. Der Leser. Der Existenzialist. Der Ewige. Am besten gefallen haben mir die Kapitel „Der Geschichtenerzähler“ (über das Drehbuchschreiben, das für Allen im Zentrum seiner Arbeit steht) und „Der Kinoliebhaber“ (über die filmischen Vorbilder von Allen, die vorwiegend in Europa lokalisiert sind). Es ist beeindruckend, wie genau Grueso in diesem Zusammen-hang die Verbindungen zu Ingmar Bergman beschreibt. Die Zeit-sprünge im Text sind in der Regel mühelos nachzuvollziehen, und wer sich auf der sicheren Seite fühlen will, kann sich in der „Chronologie“ im Anhang schnell vergewissern, ob er in den Zeiten richtig liegt. Zu Beginn jedes Kapitels: ein Foto. Dies ist ein Buch, das von seinem Text lebt. Und der hat große Qualitäten. Mehr zum Buch: woody-allen-buch-8068/

Das Disney-Buch

2016.Disney BuchMein erster Walt-Disney-Film war BAMBI. Ich habe ihn 1950 im Lida am Breiten-bachplatz gesehen und sehr geweint, als Bambis Mutter von Jägern im Schnee erschossen wurde. Im Dorling Kindersley Verlag ist jetzt ein schönes Buch über die magische Welt von Walt Disney erschienen, das natürlich auch viele persön-liche Erinnerungen auslöst. Der sehr informative Text stammt von Jim Fanning, der als Disney-Historiker ausgewiesen ist und uns auf der Zeitreise sachkundig begleitet. Dominiert wird das Buch von den Abbildungen, die vorwiegend aus dem Disney-Archiv stammen. Wir sehen – beginnend im Jahr 1920 – Disney und seine Zeichner bei der Arbeit und erkennen sofort all die Figuren, die wir irgendwann geliebt haben: Mickey Mouse, Pluto und Goofy, Donald Duck, Tick, Trick und Track, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Pinocchio, Dumbo, Bambi und Cinderella, den Dschungelbären Balu und das Dschungelkind Mogli, Peter Pan, die Meerjungfrau Arielle und den Löwenjungen Simba – bis hin zum Mädchen Riley und ihren fünf Emotionen Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel in dem Pixar-Film INSIDE OUT/ALLES STEHT KOPF. Mehr als die Hälfte des Buches ist dem Animationsfilm gewidmet. Dann folgt „Disney in Action“ u.a. mit den Filmen DIE SCHATZINSEL, 20 000 MEILEN UNTER DEM MEER, MARY POPPINS, FLUCH DER KARIBIK und CINDERELLA. Das dritte Kapitel heißt “Disney erleben“ und führt uns nach Disneyland (eröffnet am 23. September 1953) und in die Themenparks von Florida, Paris, Hongkong und Tokio. In diesem Jahr wird ein Disneyland Park in Shanghai eröffnet. Es sind viele Blicke hinter die Kulissen, die uns Jim Fanning und seine Buchpartner erlauben. Sie zeigen auch, wie sich die Technik entwickelt hat und die Disney-Welt immer größer wurde. Ihr einstiger Gründer starb bereits 1966. Mehr zum Buch: das_disney_buch-2672/

VORSTADTWEIBER

2016.VorstadtweiberAb heute wird in der ARD die zweite Staffel der öster-reichischen Fernsehserie VORSTADTWEIBER ausgestrahlt. Die erste Staffel war bei uns im Mai und Juni 2015 zu sehen. Es ist eine schräge Serie aus der Wiener Nobelwelt, die man durchaus unterhaltend finden kann. Der Styria Verlag hat in gutem Timing gerade ein Buch über die Serie publiziert, das einen Blick hinter die Kulissen wirft. Der Fernsehjournalist Patrick Fux hat Interviews mit den wichtigsten Beteiligten geführt, der Regisseurin Sabine Derflinger, dem Regisseur Harald Sicheritz, dem Autor Uli Brée, den Darstellerinnen Maria Köstlinger (sie spielt die Waltraud Steinberg, deren Mann Josef in der ersten Staffel ermordet wird), Gerti Drassl (sie spielt die Maria Schneider, die mit Männern ziemlich schlechte Erfahrungen macht), Nina Proll (sie spielt die Nicoletta Huber, die eine Modeboutique betreibt und wegen Betrugs ins Gefängnis muss), Martina Ebm (sie spielt die Caroline Melzer, die mit dem wesentlich älteren Bankier Hadrian Melzer verheiratet ist) und Adina Vetter (sie spielt die Sabine Herold, die von ihrem Ehemann vor die Tür gesetzt wird und Schwierigkeiten hat, in die reiche Welt zurückzukehren). Die männlichen Darsteller und ihre Rollen werden von Fix kurz porträtiert und charakterisiert. Das Buch enthält natürlich viele Abbildungen. Das Geleitwort stammt von der ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner. Mehr zum Buch: at/article/5857

Film Noir: THE GLASS KEY / CASBAH

2016.DVD.Gläserne SchlüsselDie Collection Film Noir von Koch Media wird kontinuierlich fortgesetzt. Gerade sind die Nummern 22 und 23 erschienen. THE GLASS KEY (1942) von Stuart Heisler nach dem Roman von Dashiell Hammett erzählt die Geschichte des korrupten Politikers Paul Madvig (gespielt von Brian Donlevy), der sich in Janet Henry (Veronica Lake), die Tochter des Senators Ralph Henry verliebt. Madvigs Freund und Berater ist Ed Beaumont (Alan Ladd), der Intrigen und Doppelspiel der handelnden Personen durchschaut, sich dadurch angreifbar macht, in die Hände von Gangstern gerät, schwer verletzt entkommen kann, seinen Freund Madvig von einem Mordverdacht entlastet und am Ende Janet als Lebensgefährtin gewinnt, die ihn von Anfang an geliebt hat. THE GLASS KEY hat komische und brutale Momente, die Darsteller – vor allem Alan Ladd und Veronica Lake – sind beeindruckend. Für die Kameraführung war Theodor Sparkuhl verantwortlich. In Deutschland kam der Film nie in die Kinos, er wurde 1977 erstmals im Fernsehen gezeigt. Für die DVD wurde der Film jetzt digital überarbeitet. Zu den Extras gehören eine Einführung des Filmkritikers Ben Mankiewicz, 3-Minuten-Beiträge von Eddie Muller über Dashiel Hammett und über Lake und Ladd. Das sehr informative Booklet stammt von Frank Arnold.

2016.DVD.CasbahCASBAH (1947/48) von John Berry erzählt die Geschichte des Juwelendiebes Pepe le Moko (gespielt von Tony Martin) in Algier, der von den Bewohnern des alten Viertels wie ein Volksheld verehrt wird und für die Polizei schwer zu fassen ist. Den Auftrag, Pepe hinter Gitter zu bringen, hat Inspektor Slimane (Peter Lorre), der vom neuen Polizeipräfekten in dieser Sache hart bedrängt wird. Slimane nimmt die Hilfe eines einstigen Komplizen von Pepe in Anspruch und ist am Ende erfolgreich, weil zwei Frauen – die eine aus Eifersucht, die andere aus Liebe – Pepe ins Verderben führen. Er wird auf dem Flughafen erschossen, während die von ihm geliebte Gaby (Marta Toren) traurig, aber nichtsahnend nach Paris fliegt. Das Ende des Films erinnert durch die Flughafenatmosphäre an CASABLANCA. CASBAH entstand nach einem Roman von Henri La Barthe, der bereits zweimal zuvor verfilmt worden war: 1936 von Julien Duvivier (PÉPÉ LE MOKO mit Jean Gabin) und 1938 von John Cromwell (ALGIERS mit Charles Boyers). Ich hatte den Film mit Peter Lorre bisher nicht gesehen, er hat mir, insbesondere wegen der Schauspieler, zu denen auch Yvonne de Carlo als Tabakhändlerin und erste Geliebte von Pepe gehört, gut gefallen. Die DVD enthält die deutsche Fassung (82 Minuten) und die amerikanische Originalfassung (89 Minuten). Das Booklet mit vielen detaillierten Fakten stammt wieder von Frank Arnold. Mehr zu den DVDs: FILM&page=0&id=1015333 / FILM&page=1&id=1015334

Hollywood Style von A bis Z

2016.Hollywood StyleIn diesem kleinen, schönen Buch geht es um Mode, Glanz und Glamour, von A (Acces-soires) bis Z (Zylinder). Zu jedem Begriff findet man ein paar Zitate von Filmikonen, zum Beispiel zum Wort „Alter“: „Wir werden alle älter. Außer Cary Grant.“ (Grace Kelly) oder „Wenn dir die Leute sagen, wie jung du aussiehst, sagen sie dir eigentlich, wie alt du bist.“ (Cary Grant). So werden 120 Begriffe auf originelle Weise aufge-fächert. Bei vielen handelt es sich um Kleidung: Anzug, Ausschnitt, Bias-Cut, Dessous, Gewänder, Halstücher, Handschuhe, Hosen, Hüte, Jeans, Kleider, das Kleine Schwarze, Reißverschlüsse, Schuhe, Stoffe, Trenchcoat, Unterwäsche. Aber es kommen auch Begriffe zur Sprache wie Anmut, Blond, Charisma, Eitelkeit, Eleganz, Farbe, Gewicht, Glamour, Haare, Individualität, Jugend, Juwelen, Körperpflege, Make-up, Parfüm, Schönheit, Stil, Understatement. Eigene Kapitel heißen „Hollywoods Einfluss auf die Mode“ und „Filme, die Mode beeinflusst haben“. Mit vielen Abbildungen von Hollywood-Stars. Der Band erschien zuerst zur Kostüm-Ausstellung des Victoria and Albert Museums in London 2012 und wurde jetzt für die Eden Books ins Deutsche übersetzt. Mehr zum Buch: hollywood-style-von-a-bis-z/

50 Jahre Filmmusik

2016.50 Jahre FilmmusikPeter M. Gotthardt (*1941) hat für mehr als 500 Filme die Musik komponiert, darunter waren DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA, IKARUS und SIEBEN SOMMERSPROSSEN. Dieses Lebenswerk wird jetzt in einem Buch erschlossen, das Klaus-Dieter Felsmann im Verlag Ries & Erler herausge-geben hat. Der erste Teil enthält Texte von Wolfgang Thiel, Peter Rabenalt und Denis Newiak über Film-kompositionen von Gotthardt. Im zweiten Teil erinnern sich Wegbegleiter wie Winfried Junge, Horst Claus, Rainer Rother, Dieter B. Herrmann, Ingo Langner, Gunter Friedrich, Ron Schlesinger, Klausjörg Herrmann, Jochen Meusel und Konrad Herrmann an die Zusammenarbeit mit Gotthardt. Ein langes Gespräch von Felsmann mit Gotthardt leitet das Kapitel ein, Bildimpressionen schließen es ab. Im dritten Teil sind elf Texte von Gotthardt dokumentiert, die in schwer zugänglichen Publikationen erschienen sind oder für den vorliegenden Band verfasst wurden. Notate von Wolfram Heicking, Angel Parra, Philipp Stiasny und Jürgen Haase ergänzen die Erinnerungen der Wegbegleiter. Miniaturen von Gotthardt und eine Filmografie schließen den Band ab, der seinem Anspruch, einen profilierten Künstler zu würdigen, sehr gerecht wird. Mehr zum Buch: 8488ae6e559e

Jean-Marie Straub & Danièle Huillet

2016.Straub:Huillet1971 erschien das Buch „Straub“ von Richard Roud, 1995 „Land-scape of Resistance“ von Barton Byg, 2004 „The Art of Seeing, the Art of Listening“ von Ursula Böser. Zeit für ein neues Buch über Jean-Marie Straub und Danièle Huillet in englischer Sprache, das jetzt bei Synema in Wien erschienen ist, heraus-gegeben von Ted Fendt, unter-stützt durch das Österreichische Filmmuseum und das Goethe-Institut. Fünf Teile strukturieren die Publikation. Den ersten Teil dominiert ein herausragender Essay über das Gesamtwerk von Straub-Huillet von Claudia Pummer, Dozentin an der Universität von Hawaii. Mit großer Sensibilität und genauer Wahrnehmung der komplexen Bezüge zu Musik und Literatur bewältigt sie ihre Aufgabe auf 90 Seiten; zahlreiche Abbildungen konkretisieren den Text. Im zweiten Teil geht es um die beiden Arnold Schönberg-Filme MOSES UND ARON und VON HEUTE AUF MORGEN: mit Fotos vom Set, einem Gespräch von Huillet und Straub mit François Albera und Gedanken & Erinnerungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Drei kürzere Texte von John Gianvito, Harun Farocki und Jean-Pierre Gorin fügen sich dann zu einer kollegialen Hommage. Im vierten Teil verlagert sich der Schauplatz nach Amerika: wir sehen faksimilierte Dokumente aus den Jahren 1969-1987 über Aufenthalte und Vorführungen ihrer Filme in New York, Ted Fendt informiert sehr präzise über den Vertrieb und die Rezeption der Filme in der englischsprachigen Welt, und Barbara Ulrich beschreibt die Vorbereitung einer Amerikatour 2016/17 auch unter technischen Aspekten. Vorbildlich ist im letzten Teil die Filmografie 1962-2015, die auch genaue Beschreibungen der Credits auf den Filmbildern enthält. Eine kurze Bibliografie englischsprachiger Texte über Straub-Huillet schließt den Band ab. Auch drucktechnisch ist diese Publikation – wie immer bei Synema – von hoher Qualität. Mehr zum Buch: 123462&rel=de&ss1=y