Die Indienfilme von Fritz Lang

Die_Fritz_Lang_IndienEdition__Doppelamaray_DVD_Box_888751382091_2D.600x600DAS INDISCHE GRABMAL hieß 1921 der zweiteilige Film von Joe May nach einem Drehbuch von Fritz Lang und Thea von Harbou. Das Remake von Richard Eichberg entstand 1937/38 und trug die Titel DER TIGER VON ESCHNAPUR und DAS INDISCHE GRABMAL; einen Verweis auf die Co-Autorenschaft des emigrierten Fritz Lang gab es damals natürlich nicht mehr, nur auf den Roman von Thea von Harbou. Artur Brauner bot Fritz Lang 1956 an, die Indienfilme noch einmal für die CCC zu realisieren. Das Drehbuch schrieb Lang zusammen mit Werner Jörg Lüddecke, gedreht wurde in Berlin und in Indien. Der zweiteilige Film kostete 4,68 Mio. DM, führte zu heftigen Streitigkeiten zwischen Regisseur und Produzent, spielte ein Vielfaches ein, wurde von der westdeutschen Kritik verachtet, von der französischen Kritik geschätzt und lässt sich heute sehr entspannt als Abenteuerfilm der 1950er Jahre betrachten. Er erzählt die Geschichte eines deutschen Architekten, der in Indien Schulen und Krankenhäuser bauen soll und sich dort in eine Tänzerin verliebt, die – was er nicht weiß – mit dem Maharadscha verlobt ist. Bei Universum-Film ist jetzt eine Doppel-DVD erschienen, die ich empfehlen kann. Nützlich ist in diesem Zusammenhang die Lektüre des Fritz Lang-Buches von Norbert Grob. Ich zitiere einen Absatz über die Bauten des Films: „An der unterschiedlichen Architektur zwischen West und Ost verdeutlicht Lang Haltung und Spielraum seiner Figuren: Da ist der Deutsche in Indien, mit architektonischen Modellen im Gepäck, die er bereits in Europa hergestellt hat und nun zusammensetzt wie ein Fertighaus-Spielzeug. Man sieht horizontale Kompositionen, so makellos proportioniert wie gediegen und zweckmäßig, die eine deutliche Nähe zur deutschen Bauhaus-Tradition von Walter Gropius und Mies van der Rohe erkennen lassen. Das zwanzigste Jahrhundert will er ins entlegene Eschnapur bringen. Dies impliziert gleichzeitig eine Abneigung gegen Pracht und Schmuck, eine Ablehnung von Farbe und Schnörkeln. Indischer, detailverliebter Prunk also als Gegensatz zum europäischen, funktionalen Baukastenstil. Dies ist für Lang der Trick, um visuell klarzustellen, wie sehr sein Held in der orientalischen Fremde herumirrt: als Akteur und Opfer gleichermaßen.“ (S. 349). Mehr zur DVD: das-indische-grabmal.html

Mein Filmbuch des Jahres 2015

2015.Chaplin Archive

Zwölf Filmbücher des Monats habe ich im vergangenen Jahr auf dieser Seite vorgestellt: filmbuecher/2015/ Eines wähle ich traditionell zu meinem „Filmbuch des Jahres“ aus. Meine drei Kandidaten sind diesmal die Edgar Reitz-Biografie von Thomas Koebner, die Aufsatz-Sammlung „Wie der Film unsterblich wurde“, herausgegeben von Rolf Aurich und Ralf Forster, und der überwältigende Blick ins Archiv von Charlie Chaplin, den uns Paul Duncan ermöglicht. Das im Taschen Verlag erschienene Buch wähle ich diesmal zur Nummer eins. Hier ist meine Würdigung vom vergangenen November: the-charlie-chaplin-archives/

Glückliches Neues Jahr

2016.Sonne

 

 

 

 

 

 

 

Ein gesundes und glückliches Jahr 2016

wünschen

Hans Helmut Prinzler und Antje Goldau

Alles nur Kulisse?!

2015.Alles nur KulisseDas Filmmuseum Potsdam zeigt seit Anfang Dezember die Sonderausstellung „Alles nur Kulisse?! – Filmräume aus der Traumfabrik Babelsberg“. Sie ist ein Jahr lang für das Publikum geöffnet. Den Katalog hat der Verlag und die Datenbank (VDG) für Geistesgeschichte in Weimar publiziert. Das Geleitwort stammt von der Museumsdirektorin Ursula von Keitz, die Einführung von den Herausgebern Annette Dorgerloh und Marcus Becker. Die Sammlungsleiterin Dorett Molitor informiert zunächst über den Szenenbildbestand im Filmmuseum Potsdam. Sie hat auch eine Interview-Collage mit Aussagen von Heike Bauersfeld, Peter Wilde und Gisela Schultze hergestellt. Größere Kapitel tragen die Überschriften „Atelier und Freigelände“, „On location“, „Bilderwelten für den Film“, „Szenenbild und Kamera“, „Szenenbild und Filmgenre“ und „Das dritte Leben der Filmstadt Babelsberg“. Unter den Autorinnen und Autoren findet man den Kameramann Peter Badel, die Szenenbildnerin Angelica Böhm, den Trickspezialisten Uwe Fleischer, die Filmwissenschaftlerin Stella Donata Haag, die Ausstellungskuratorin Kristina Jaspers, den Szenenbildner Sebastian Krawinkel, den Medienwissenschaftler Michael Wedel und acht Kunsthistoriker/innen der Humboldt-Universität, die dort das Forschungsprojekt „Spielräume“ realisieren. Die Themenvielfalt ist beeindruckend, die Texte sind informativ und werden durch ein großes Spektrum von Abbildungen ergänzt. Für 18 € ein preiswertes und lesenswertes Buch. Mehr zum Katalog: babelsberg-1353.html

Mit dieser Empfehlung endet meine Passage durch die Filmliteratur im Jahre 2015. Fortsetzung folgt…

Nouvelle Vague Polonaise?

2015.Nouvelle Vague PAusgangspunkt dieser Publikation war ein Symposium im Rahmen des Festivals „goEast“ im April 2014. Die Heraus-geberin Margarete Wach ist eine Expertin für den osteuropäischen Film, hat eine beeindruckende Dissertation über Krzysztof Kieslowśki geschrieben (2014 erschien bei Schüren eine überarbeitete und ergänzte Fassung), kommt aus der „Mainzer Schule“ und öffnet uns den Blick für die speziellen Qualitäten des polnischen Kinos in den 1960er Jahren. 15 Textbeiträge versammelt der Band, sie sind alle mit zahlreichen Abbildungen in erstaunlicher Qualität gefüllt. Ich greife zehn Beiträge heraus, die mir besonders gefallen haben: Tadeusz Lubelski schreibt über „Drei Phasen der polnischen ‚Neuen Welle’“ und stellt dabei die Regisseure Tadeusz Konwicki, Jerzy Skolimowski und Krzysztof Zanussi in den Mittelpunkt. Bei Małgorzata Fidelis geht es um „Die polnische Jugend an der Schwelle der Long Sixties“, bei David Crowley um Pop im osteuropäischen Film. Ralf Schenk unternimmt eine „unvollständige Annäherung“ an die Neuen Wellen im osteuropäischen Kino und in der DDR 1960-1968. Joachim Paech analysiert Jerzy Skolimowskis polnische Filme. Elżbieta Ostrowska erinnert an „Männlichkeitsdilemmata in den frühen Filmen von Polanski, Skolimowski, Żuławski und Królikiewicz“. Ewa Mazierska referiert über „Wanderer-Figuren in den Filmen der polnischen Neuen Welle“. Marcus Stiglegger entdeckt „Bilder des Grausamen bei Żuławski und Królikiewicz“. Schamma Schahadat untersucht die Filme DAS MESSER IM WASSER von Polanski und BESONDERE KENNZEICHEN: KEINE von Skolimowski. Margarete Wach würdigt den Filmessay als Gattung der Neuen Welle(n) mit beispielhaften Hinweisen auf Alexander Kluge, Krzysztof Zanussi und Dušan Makavejev. Natürlich ist auch der Einleitungsessay der Herausgeberin („Cineastischer Ost-West-Divan“) unbedingt lesenswert. Coverfoto aus dem Film WALKOVER von Jerzy Skolimowski. Mehr zum Buch: polonaise.html

Weihnachtsgruß aus Österreich

2015.Foto

 

 

 

 

FROHE WEIHNACHTEN UND EIN GESUNDES, GLÜCKLICHES JAHR 2016

WÜNSCHEN

HANS HELMUT PRINZLER und ANTJE GOLDAU

 

 

Foto: Uschi Keil

Zur Geschichtlichkeit deutscher Nachkriegsfilme

2015.Filme sind unter unsBernhard Groß, Professor für Filmwissenschaft an der FU Berlin, hat sich intensiv mit der deut-schen Filmproduktion der Jahre 1945 bis 1951 beschäftigt. Rund 150 Trümmer- und Unter-haltungsfilme, Wochen-schauen, Kultur- und Dokumentarfilme aus West und Ost wurden von ihm gesichtet, dazu kamen zahlreiche inter-nationale Referenzfilme. Theoretisch begleitet u.a. von André Bazin, Gilles Deleuze, Thomas Elsaesser, Hans Ulrich Gumbrecht, Siegfried Kracauer, Maurice Merleau-Ponty, Jean-Luc Nancy und Jacques Rancière untersucht der Autor die „Geschichtlichkeit“ der damaligen Filmarbeit. Was erzählen sie über die historischen Erfahrungen einerseits der Autoren und Regisseure, andererseits der Zuschauerinnen und Zuschauer. „Die Filme sind unter uns“ erweist sich als kluger Titel in seiner Assoziation zu Staudtes Film DIE MÖRDER SIND UNTER UNS, der natürlich genau analysiert wird. Ausführlichere Interpretationen gelten außerdem den Filmen IRGENDWO IN BERLIN von Gerhard Lamprecht, EHE IM SCHATTEN von Kurt Maetzig, LIEBE 47 von Wolfgang Liebeneiner, UND ÜBER UNS DER HIMMEL von Josef von Baky, ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN von Harald Braun, MORITURI von Eugen York, DIE SÜNDERIN von Willi Forst und GERMANIA ANNO ZERO von Roberto Rossellini. Der wissenschaftliche Anspruch der Publikation macht die Lektüre zuweilen sehr anstrengend. Aber die Erkenntnisse sind dann doch relativ ergiebig. Die Qualität der zahlreichen kleinen Abbildungen ist akzeptabel. Coverfoto: 1 x 1 DER EHE (1949) von Rudolf Jugert. Band 15 der Reihe „Traversen“.Mehr zum Buch: php?id=163&am=5

Weihnachtsgeschenk 9: Für James Bond-Fans

2015.James Bond

Seit 5. November ist der James Bond-Film SPECTRE in unseren Kinos zu sehen – und mehr als sechs Millionen Besucherinnen und Besucher haben bisher dafür gesorgt, dass er einer der großen Erfolge in diesem Herbst war. Vor drei Jahren, zum 50. Geburtstag der Spionage-Reihe, öffnete der Taschen Verlag erstmals den Blick in die Bond-Archive der Produktionsfirma EON. Paul Duncan, der Herausgeber der großformatigen Archivbücher, hatte wieder für eine wunderbare Mischung von Fotos, Dokumenten und Texten gesorgt. Er führte damals Interviews mit mehr als 100 Schauspielerinnen und Schauspielern, Ausstattern, Kameraleuten, Tricktechnikern, Stuntmen und Regisseuren. Das Buch ist jetzt – mit einem aktuellen Kapitel über SPECTRE – in einer Neuauflage erschienen und wird zum Sonderpreis von 49,90 € verkauft. Zur englischen Originalausgabe gibt es wieder ein Beiheft mit der deutschen Übersetzung aller Texte. Ein schönes Geschenk für Bond-Fans. Mehr zum Buch: spectre_edition.htm

Weihnachtsgeschenk 8: Zwölf Indianerfilme der DEFA

Bild 1Von 1966 bis 1983 entstanden bei der DEFA zwölf „Indianer-filme“. Sie waren eine Reaktion auf die Karl May-Filme der Bundes-republik, wurden in der DDR sehr geliebt und hatten einen Hauptdarsteller, Gojko Mitić, der zu einem Idol wurde. Er spielte in allen zwölf Filmen den heldenhaften Indianer mit so unterschiedlichen Namen wie Tokei-ihto (in DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN), Chingachgook (auch der Filmtitel), „Weitspähender Falke“ (in SPUR DES FALKEN und WEISSE WÖLFE, wo er am Ende erschossen wird), Shave Head (in TÖDLICHER IRRTUM), Osceola und Tecumseh (auch die Filmtitel), Ulzana (in APACHEN und ULZANA), „Harter Felsen“ (in BLUTSBRÜDER), Severino (auch der Filmtitel) und „Weiße Feder“ (Unterhäuptling in DER SCOUT). Die Regisseure der Filme waren Josef Mach, Richard Groschopp, Gottfried Kolditz (3), Konrad Petzold (4), Hans Kratzert, Werner W. Wallroth und Claus Dobberke. Man darf die Filme nicht mit amerikanischen Western vergleichen, schon gar nicht mit solchen von John Ford, aber sie sind zum Teil erstaunlich professionell gedreht und geschnitten, erzählen von den Leiden der Indianer unter der Kolonialisierung und versuchen gelegentlich, die Vision eines friedlichen Zusammenlebens vor Augen zu führen. Die meisten der Indianerfilme sind inzwischen digitalisiert und restauriert worden. Alle zwölf Filme gibt es bei Icestorm als DVD. Für Mitić-Fans wäre natürlich die rustikale Holzbox in limitierter Auflage eine gute Investition (kostet rund 90 €). Aber man kann auch mit einem Film beginnen und dann zum Fan werden. Mehr zu den DVDs: www.icestorm.de/

Weihnachtsgeschenk 7: Für Charlie Chaplin-Fans

2015.Rampenlicht größerLIMELIGHT (1952) war der letzte Film, den Charlie Chaplin in den USA realisiert hat; nach der Londoner Premiere wurde ihm aus politischen Gründen die Rückkehr nach Amerika verweigert. Er lebte ab 1953 in der Schweiz und drehte noch zwei Filme: A KING IN NEW YORK (1957) und A COUNTESS FROM HONG KONG (1967). LIMELIGHT ist ein Melodram, erzählt wird die Geschichte des Komikers Calvero (Chaplin) und der Balletttänzerin Terry (Claire Bloom), die sich umbringen wollte und von Calvero gerettet wird. Am Ende wird Terry als Tänzerin gefeiert und Calvero stirbt hinter der Bühne. Der Film basiert auf Chaplins Erzählung „Footlights“, die nie publiziert, kürzlich in seinem Nachlass gefunden wurde und jetzt, herausgegeben von David Robinson, bei C. Bertelsmann auch in einer deutschen Ausgabe erschienen ist. Das Buch liest sich spannend, weil man relativ viel über den Veränderungsprozess von der Erzählung über das Treatment zum Drehbuch erfährt und Robinson in einem umfangreichen Textteil zusätzliche Informationen über die Produktionshintergründe vermittelt. Auch der historische Background – das Varieté-Milieu in London in den Jahren 1914/15 – wird gut dokumentiert. Zu den Abbildungen gehören Faksimile-Seiten der von Chaplin bearbeiteten Erzählung, Filmfotos und Arbeitsfotos. Für Chaplin-Fans unverzichtbar. Mehr zum Buch: e467278.rhd