Festschrift für Annette Brauerhoch

2016.BrauerhochAnnette Brauerhoch ist Professorin für Film-wissenschaft an der Universität Paderborn. Zu ihrem 60. Geburtstag wurde bei Stroemfeld eine Festschrift publiziert, herausgegeben von Christian Hüls, Natalie Lettenewitsch und Anke Zechner: „Die Körper des Kinos“. Der Untertitel ist programmatisch: „Für eine fröhliche Film-wissenschaft“. Die Beiträge stammen von 33 Autorinnen und acht Autoren. Sie fügen sich zu einer Publikation, die viel auch für die Zukunft verspricht. Ich nenne zwölf Texte, die mir besonders gut gefallen haben: Dagmar Brunow unternimmt eine Flanerie durch die Filmgeschichte und entdeckt „fröhliche“ Frauenkörper zum Beispiel bei Vera Chytilóva, Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Sooraj R. Barjatya, Claudia Richarz & Ulrike Zimmermann, Charles Lums & Todd Verrow, Gurinder Chadhas, Kelli Jean Drinkwater und Barbara Hammer, aber nicht bei Fatih Akin, David Lynch, Ang Lee, Howard Hawks, Jean-Luc Godard, Federico Fellini, Russ Meyer und Urban Gad. Ihre Schlaglichter sind originell. Madeleine Bernstoff erinnert an WOMEN’S CAMERA, der als Grundkursfilm 1971 an der dffb entstand und mir noch sehr präsent ist. Christine Noll Brinckmann beschreibt die FADENSPIELE I, II und 3 von Detel und Ute Aurand. Anke Zechner untersucht den Film MEIN LEBEN von Angelika Levi. Heike Klippel verbindet Pilze, Verführung und Verfall in THE BEGUILED von Don Siegel. Katharina Sykora verweist auf die Film- und Videoarbeit von Matthias Müller und Christoph Girardet. Judith Ellenbürger macht sich auf die Suche nach Frauen in der Filmkomödie. Natalie Lettenewitsch beschreibt Strände im Film. Barbara Wolbert reflektiert über das Anschauen von Filmen im Flugzeug. Katrin M. Kämpf sieht CITIZENFOUR von Laura Poitras als „reparative Lektüre eines paranoiden Welt“. Sabine Schöbel, Elena Fingerhut, Flemming Feß und Alexander Schulz rühmen das Kino „Lichtblick“, das Annette Brauerhoch im Universitätsbereich in Paderborn geschaffen hat. Das Buch ist eine Verbeugung vor der Professorin und das Musterbeispiel einer Festschrift. Ich bin beeindruckt. Mehr zum Buch: buecher_K_717_1/

Filmblatt Babelsberg 58/59

2016.FilmblattKürzlich ist ein Doppelheft der Babelsberger Filmzeitschrift mit vielen interessanten Beiträgen erschienen. Der umfangreichste Text stammt von Francesco Bono und dokumentiert die Eingriffe westdeutscher Verleiher in das Werk von Luchino Visconti. Es ist schon erstaunlich, wie in den 1950er und 60er Jahren Filme wie OSSESSIONE, ROCCO E I SUOI FRATELLI und IL GATTOPARDO rigoros gekürzt wurden, als sie in der Bundesrepublik ins Kino kamen. Fünf Texte dokumentieren Einführungen zur Reihe „Wiederentdeckt“ im Zeughauskino. Viermal geht es um Filme der 1930er Jahre: Ursula von Keitz erinnert an die musikalische Komödie MADAME HAT AUSGANG (1931) von Wilhelm Thiele, Friedemann Beyer sieht den Kriminalfilm ICH WAR JACK MORTIMER (1935) von Carl Froelich als Film noir, Christian Rogowski referiert über die Satire DONOGOO TONKA (1936) von Reinhold Schünzel und Daniel Rafaelic beschäftigt sich mit der deutsch-jugoslawischen Koproduktion DIE KORALLENPRINZESSIN (1937) von Viktor Janson. Die Filmproduktion des Literarischen Colloquiums Berlin in den 1960er Jahren, George Moorse und sein Film LENZ (1969-71) sind das Thema eines sehr informativen Textes von Michael Töteberg. Aus der Reihe „FilmDokument“ stammt das Referat von Götz Lachwitz über zwei Fernsehdokumentarfilme über frühe bundesdeutsche NS-Prozesse und ihren Einsatz in der politischen Bildungsarbeit. Guido Altendorf informiert über die Restaurierung von DER FILM VON DER KÖNIGIN LUISE (1913) im Filmmuseum Potsdam. Rezensionen neuer DVDs und Filmbücher schließen das Heft ab. Mit Abbildungen und Quellenhinweisen. Umschlagfoto: Anny Ondra und Viktor Staal in DONOGOO TONKA. Mehr zum Heft: www.filmblatt.de/filmblatt-aktuell.html

JOHN GLÜCKSTADT (1975)

2016.DVD.John GlückstadtUlf Miehe (1940-1989) war Autor und Filmregisseur. Seine drei Kriminalromane „Ich hab noch einen Toten in Berlin“, „Puma“ und „Lilli Berlin“ sind mir noch sehr präsent. Sein wichtigster Film, JOHN GLÜCKSTADT (1975), ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Bei den Filmjuwelen ist jetzt eine DVD erschienen, die ich sehr empfehlen kann. Miehe hat die Novelle „Ein Doppel-gänger“ von Theodor Storm adaptiert. Erzählt wird die Geschichte des arbeitslosen John Hansen, der bei einem Einbruch gefasst wird, sechs Jahre im Zuchthaus Glückstadt verbringt, danach in seine Heimatstadt zurückkehrt, die Arbeiterin Hanna heiratet und nach der Geburt einer Tochter auf eine glückliche Zukunft hofft. Aber die junge Familie wird nicht integriert. John kann seine Vergangenheit nicht hinter sich lassen. Bei einem Streit mit Anna schlägt er sie so unglücklich, dass sie stürzt und kurz darauf stirbt. Öffentlich wird die Todesursache verheimlicht. Aber John muss seine Tochter einem Waisenhaus übergeben. In seiner Verzweiflung versucht er, sie zu entführen, um mit ihr nach Amerika zu fliehen. Der Film wurde in Schwarzweiß gedreht; Kamera: Jürgen Jürges. Die Hauptrollen spielen Dieter Laser (John Hansen), Marie-Christine Barrault (Hanna), Johannes Schaaf (Bürgermeister), Tilo Prückner (Nachbar Michel), Juliette Wendelken (Tochter Christine). Ein Zeitbild aus dem Norden Deutschlands in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Leider konnte Miehe danach nur noch einen Kinofilm drehen: die Komödie DER UNSICHTBARE (1987), mit der er nicht erfolgreich war; er schrieb Drehbücher für die Reihe DER FAHNDER und für den TATORT. Das Booklet zur DVD stammt von Oliver Bayan. Mehr zur DVD: %22filmjuwelen%22

Tableaus im Film – Film als Tableau

2016.TableauIn der Frühzeit des Stumm-films bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs hatte das italienische Kino mit seinen Historienfilmen international eine große Bedeutung. Bruno Grimm leitet dies in seiner Dissertation, die an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt entstanden ist, aus den Bildtraditionen des 19. Jahrhunderts ab. Seine Filmanalysen sind sehr einleuchtend und haben eine große Qualität in ihrer Konkretisierung. In seinem ersten Kapitel konfrontiert er Authentizität und Fiktion im internatio-nalen Zusammenhang und vermittelt dies mit vier Beispielen: LE VOYAGE DANS LA LUNE (1902) von Georges Méliès, LIFE OF AN AMERICAN FIREMAN (1903) von Edwin S. Porter, L’AFFAIRE DREYFUS (1899) von Méliès und LA PRESA DI ROMA (1905) von Filoteo Alberini. Im zweiten Kapitel stehen zwei Filme im Mittelpunkt der Analysen: L’ASSASSINAT DU DUC DE DUISE (1908) von Abdré Calmettes und Charles Le Bargy und L’INFERNO (1911) von Adolfo Padovan und Francesco Bertolini. Hier spielt vor allem die politische Inszenierung und Instrumentalisierung Dantes im Königreich Italien und der Rückgriff auf die Illustrationen von Gustave Doré eine Rolle. Im dritten Kapitel geht es um das alte Rom im jungen Italien, die beispiel-haften Filme sind QUO VADIS (1913) von Enrico Guazzoni und GLI ULTIMI GIORNI DI POMPEI (1908) von Luigi Maggi. In einem Zwischenresümée werden die bisherigen Erkenntnisse zusammen-gefasst. Das Schlusskapitel ist dem wohl berühmtesten Film jener Zeit, CABIRIA – VISIONE STORICA (1914) von Giovanni Pastrone gewidmet. Auch hier beeindruckt der Autor mit einer bestechenden Analyse. Wer sich für die Frühgeschichte des Kinos interessiert, findet hier viele Informationen. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5905-3.html

Blind Spots

UMS2709.inddBlindheit einer Haupt- oder Nebenfigur ist ein häufiges Handlungsmotiv in der Filmgeschichte. In Deutschland spannt sich da ein Bogen von DAS LIEBES-GLÜCK EINER BLINDEN (1911) zu ICH UND KAMINSKI (2015). 16 Texte zu diesem Thema enthält das Buch, das Alexandra Tacke bei Transcript herausgegeben hat. Ihre Einleitung schafft den notwendigen Überblick und enthält eine Auswahlfilmografie mit 159 Titeln in chronologischer Folge. Fabienne Liptay eröffnet die Textreihe mit ihrem Essay über Murnaus DER GANG IN DIE NACHT und Emerich Hanus’ DIE SÜHNE. Bei Alexandra Tacke geht es dann um Chaplins CITY LIGHTS und Samuel Becketts FILM. Jörn Ahrens erinnert an Douglas Sirks Melodram MAGNIFICENT OBSESSIONS, Sulgi Lie an Michael Powells PEEPING TOM, Caroline Riggert an Guy Greens A PATCH OF BLUE. Dagmar von Hoff untersucht Schlaf, Traum und Blindheit im Gesamtwerk von Luis Bunuel. Astrid Hackel analysiert den Thriller WAIT UNTIL DARK von Terence Young, Lena Wetenkamp widmet sich der Blindheit und Bilderflut in BIS ANS ENDE DER WELT von Wim Wenders, Vito Pinto sieht Derek Jarmans BLUE als Hörfilm. Julia Boog verbindet Blindheit und Künstlertum in Lars von Triers DANCER IN THE DARK, Arno Meteling Behinderung und Gerechtigkeit in Mark Steven Johnsons DAREDEVIL. Hauke Lehmann erkennt Figurationen des Sozialen in Fernanda Meirelles’ BLINDNESS. Anette Dorgerloh hat neun Beispiele für das Motiv der Blindheit in Spielfilmen der DEFA 1950-1990 gefunden, darunter natürlich den kunstaffinen Armin Mueller-Stahl in DER DRITTE. Julia B. Köhne verweist auf das Kämpfen ohne Augenlicht in japanischen Zatoichi-Filmen, Johannes D. Kaminski auf Blindheit im chinesischen Gegenwartsfilm (1991-2014), und Anna Grebe schließt den Band ab mit Anmerkungen zur Blindheit in TV-Wissenssendungen. Die Texte sind in der Regel sehr nahe bei den Filmen und äußerst informativ. Die Abbildungen haben eine akzeptable Qualität. Mehr zum Buch: c=738

Melodramatischer Eskapismus

2016.EskapismusEine Magister-Arbeit im Fach Deutsche Literatur der Berliner Humboldt-Universität. Amadeus Haux (*1989) wurde damit für den Humboldt-Preis nominiert. Es geht um Eskapismus, Affekt-Ökonomien und Exit-Optionen, aber vor allem um drei Melodramen: MAGNIFICENT OBSESSION (1954) von Douglas Sirk, ANGST ESSEN SEELE AUF (1974) von Rainer Werner Fassbinder und GEGEN DIE WAND (2004) von Fatih Akin. Natürlich zitiert der Autor zuerst das Diktum „Motion is emotion“ von Douglas Sirk, diese eingängige Gleichsetzung von Bewegung und Gefühl. Er konfiguriert in seiner Einleitung die Konstanten des Melodrams und nennt die Konflikte der Protagonisten, die oft von einer Romeo-und-Julia-Logik gekennzeichnet sind, in der die Paare familiär verstrickt sind. Seine Analysen der drei Filme sind ausführlich, präzise und beziehen am Ende auch die Rezeption ein. Auch die Informationen zu Douglas Sirk (Detlef Sierck), Rainer Werner Fassbinder und Fatih Akin sind umfassend. Band 64 der „Marburger Schriften zur Mediendramaturgie“. Cover: kleine Fotos der Darstellerinnen Jane Wyman, Brigitte Mira, Sibel Kekilli, weinend. Mehr zum Buch: melodramatischer-eskapismus.html

Kapitulation im Kino

2016.Kapitulation im KinoDas Jahr 1945 war 1990 das Thema der Berlinale-Retrospektive. Sie fand im Jahr der deutschen Einigung statt und ist mir noch sehr präsent. Die Lektüre des Buches „Kapitulation im Kino. Zur Kultur der Besatzung im Jahr 1945“ von Ina Merkel, Professorin für Gesellschaftswissen-schaft und Philosophie am Institut für Europä-ische Ethnologie/ Kultur-wissenschaft der Universität Marburg fand ich sehr spannend. Die Autorin beschreibt ausführlich die Situation in Deutschland bei Kriegsende. Es geht ihr dabei nicht nur um den kulturellen Bereich, sondern auch um die existentiellen Fragen des Lebens, der Familien, der Ernährung, der traumatischen Erfahrungen und – im Gegenblick – um die programmatischen Ziele der Alliierten, die sich ja keineswegs einig waren in ihren Forderungen an die deutsche Bevölkerung. Sieben Kapitel strukturieren das Buch: „Deutschland 1945. Ein surrealistisches Tableau of Disaster“, „Sexuelle Libertinage und ungebändigtes Vergnügen“, „Den Frieden gewinnen“, „Zur Kultur des Kinobesuchs“, „Das Kino der Alliierten“, „Die Spielfilme der Alliierten“, „Das Publikum wird beobachtet“. Die Darstellung konzentriert sich auf die Zeit von Mai bis Dezember 1945. In dieser Zeit kamen 79 Spielfilme und 14 Doku-mentarfilme in die deutschen Kinos. Es waren 32 sowjetische, 23 amerikanische, 18 französische und sechs britischer Spielfilme, weil die Russen am schnellsten auf die vorhandenen Gegebenheiten reagierten. 19 Spielfilme und drei Dokumentarfilme werden exemplarisch aufgeschlüsselt und interpretiert. Die Autorin hat auch die Rezeption der Filme sowohl in der Presse wie in Zeitzeugen-berichten erforscht. Ihr Text ist nahe an der damaligen Realität. Sie hat das Buch ihren Eltern gewidmet: „Kriegskinder, Zeit ihres Lebens passionierte Kinogänger“. Im Literaturverzeichnis gibt es keinen Verweis auf das Buch zu unserer Retrospektive. Hätte die Lektüre ihren Text verändert? Ich glaube nicht. Er hat seine ganz eigenen Qualitäten. Mehr zum Buch: programm/kapitulation/

Das Historienepos HELENA

2016.DVD.Manfred NoaDer Filmregisseur Manfred Noa (1893-1930) hatte seinen ersten großen Erfolg mit der Lessing-Verfilmung NATHAN DER WEISE (1922) mit Werner Krauß in der Titelrolle. 1923 – also in der Inflationszeit – realisierte er in München den zweiteiligen Monumentalfilm HELENA, der zwar international ein Erfolg wurde, aber die Bavaria in ihren ersten Ruin trieb. Erzählt wird nach Motiven der Ilias die Liebesgeschichte zwischen Helena, die mit Menelaos, dem König von Sparta vermählt ist, und Paris, dem Sohn von Priamos, dem König von Troja. Die Liebe zwischen Helena und Paris führt zum Trojanischen Krieg, der mit der Verwüstung von Troja endet, die im Film spektakulär inszeniert ist. Sehr spannend ist auch das Wagenrennen in einer Arena im ersten Teil des Films. Ansonsten wirkt der Film eher konventionell, wenn man ihn mit den fast zeitgleich entstandenen NIBELUNGEN von Fritz Lang vergleicht. Die Besetzung war international: Helena wurde von der Italienerin Edy Darclea gespielt, Paris von dem Russen Wladimir Gaidarow, Achill von dem Italiener Carlo Aldini, Andromache von der Deutschen Hanna Ralph. Albert Bassermann (Aisakos), Adele Sandrock (Hekabe), Albert Steinrück (Priamos), Carl de Vogt (Herakles) spielten wichtige Rollen. Odysseus (Otto Kronburger) taucht erst im zweiten Teil und eher am Rande auf. – Von HELENA ist keine deutsche Originalfassung überliefert. Im Filmmuseum München hat man im vergangenen Jahr eine Rekonstruktion abgeschlossen, bei der eine viragierte Nitrokopie der Cinémathèque suisse als Basismaterial diente. Sie musste aus vielen anderen Quellen ergänzt werden. Auch die Herstellung der Zwischentitel, die nicht erhalten sind, war offenbar mühsam. Sie wirken erstaunlich authentisch. Die Musik stammt von Joachim Bärenz & Christian Roderburg; sie passt sich gut dem Geschehen und dem Filmrhythmus an. Eine DVD ist jetzt in der Edition Filmmuseum erschienen. Der Text im Booklet zur Produktions-geschichte und zur Rekonstruktion stammt von Stefan Drößler und ist sehr informativ. Mehr zur DVD: Helena–Der-Untergang-Trojas.html

Das andere Fernsehen?!

2016.Das andere Fernsehen„Quality Television“ ist ein seit einiger Zeit viel ver-wendeter Begriff, der vor allem mit den englischen und amerikanischen Serien verknüpft wird. Bei Transcript ist jetzt ein Sammelband erschienen, in dem sich vorwiegend junge Autorinnen und Autoren (meist in den 80er Jahren geboren) über das aktuelle Qualitäts-fernsehen Gedanken machen. 15 Texte fügen sich zu drei Kapiteln: „Theorien des anderen Fernsehens“, „Fallstudien zur Qualitäts-frage“ und „Von Comedy zur Quality“. Judith Lehmann sieht sich „An den Rändern der Serie und des Quality TV“ um. Martin Lampprecht schlägt einen Bogen von Seriephilie zur Cinephilie der 1950er Jahre. Sönke Hahn reflektiert über „Enden und Nicht-Enden im Fernsehen“. Nora Hannah Kessler beobachtet eine Komplizenschaft der Zuschauer mit den Bösen („Der Antiheld als Held“). Margaret Hass schreibt über „Weight, Gender, and Visual Pleasure in Quality Television“. Hans-Joachim Backe beschäftigt sich mit der Serie LUTHER, Annemarie Opp und Benjamin Schaper in zwei Texten mit der Serie SHERLOCK, Kathrin Kazmaier mit der Serie PARADE’ END nach der Romantetralogie von Ford Madox Ford und Dominik Schmitt mit der seriellen Weiterentwicklung des Films FARGO der Coen Brothers („Wellcome to Coenville“). Bei Anette Pankratz geht es um „Britische Sitcoms, Qualitätsdiskurse und das Populäre“. Daniel Kazmaier widmet sich der Latenz in der Sitcom FRIENDS, Julien Bobineau der narrativen Entwicklung der amerikanischen Sitcom HOW I MET YOUR MOTHER, Désirée Kriesch sieht die 30 ROCK-Episode „Greenzo“ als Persiflage auf NBCs Umweltschutz-Initiative und Solange Landau entdeckt postmoderne Verweisstrukturen in der Animationsserie UGLY AMERICANS. Die meisten Texte sind konkret in den Analysen und gut lesbar. Gelegentlich dominieren Zitate und wissenschaftliche Absicherungen. Die Literatur zu aktuellen Fernsehserien wächst. Mehr zum Buch: das-andere-fernsehen?c=738

Werner Herzog

2016.HerzogLaurie Ruth Johnson ist Associate Professor of German, Comparative and World Literature an der University of Illinois in Urbana. In ihrem Buch „Forgotten Dreams“, das kürzlich bei Camden House erschienen ist, untersucht sie die Einflüsse der Romantik auf das Werk von Werner Herzog. Ihre Analyse unterteilt sie in fünf Kapitel: „Image and Knowledge“ (Bild und Wissen – konkretisiert in CAVE OF FORGOTTEN DREAMS, THE WILD BLUE YONDER, FITZCARRALDO und INVINCIBLE), „Surface and Depth“ (Oberfläche und Tiefe – in den Filmen ENCOUNTERS AT THE END OF THE WORLD, THE WHITE DIAMOND, LITTLE DIETER NEEDS TO FLY und SCHWINGEN DER HOFFNUNG – JULIANES STURZ IN DEN DSCHUNGEL), „Beauty and Sublimity“ (Schönheit und Erhabenheit – in den Filmen GASHERBRUM – DER LEUCHTENDE BERG, AGUIRRE, DER ZORN GOTTES, DIE GROSSE EKSTASE DES BILDSCHNITZERS STEINER und LA SOUFRIÈRE), „Man and Animal“ (Mensch und Tier – in GRIZZLY MAN, STROSZEK und NOFERATU), „Sound and Silence“ ( Klang und Stille – in LAND DES SCHWEIGENS UND DER DUNKELHEIT, HERZ AUS GLAS, HAPPY PEOPLE: A YEAR IN THE TAIGA, INTO THE ABYSS: A TALE OF DEATH, A TALE OF LIFE). Herzogs deutsche und amerikanische Filme, seine Spielfilme und seine Dokumentarfilme werden in gleicher Weise berücksichtigt. Natürlich ist die Autorin mit Herzogs Werk bestens vertraut. Viele Querverweise sichern ihre Erkenntnisse ab. Die 25 farbigen Abbildungen sind überwiegend Screenshots, aber auch Gemälde (zum Beispiel von Caspar David Friedrich, Jacob van Ruisdal und Hercules Segers). Das Coverfoto stammt von Jürgen Sack und zeigt den Natursteinbogen Pont d’Arc in Südfrankreich. Das Buch von Laurie Ruth Johnson erweitert die Herzog-Literatur um wichtige Aspekte. Mehr zum Buch: Product=15069