Wachgeküsst. 20 Jahre neue Kulturpolitik

Die Kulturhoheit in der Bundes-republik liegt laut Grundgesetz bei den Ländern. Seit zwanzig Jahren gibt es – dank einer Ini-tiative des damaligen Bundes-kanzlers Gerhard Schröder – einen/eine Beauftragte/n der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die bisherigen Amts-inhaber/innen waren Michael Naumann, Julian Nida-Rüme-lin, Christina Weiss und Bernd Neumann. Zurzeit ist es Monika Grütters. Das Jubiläum wurde am 29. Oktober im Foyer des künftigen Humboldt-Forums gefeiert. Und Olaf Zimmermann, seit 1997 Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, hat aus diesem Anlass eine Publikation herausgegeben, die nicht nur die Kulturpolitik der vergangenen zwanzig Jahre bilanziert, sondern ein Rückblick auf die (west)deutsche Kulturpolitik insgesamt ist. Beindruckend: die 90-Seiten-Einleitung von Zimmermann: „Aufbruch zu neuen Ufern oder wie die Bundeskulturpolitik sichtbar wurde“. Die fünf oben genannten Kulturstaatsminister/innen wurden von dem Journalisten Hans Jessen sehr sachkundig interviewt, das ist eine spannende Lektüre. Gerhart R. Baum, Wolfgang Thierse, Hans-Joachim Otto, Oliver Scheytt, Matthias Theodor Vogt und Klaus-Dieter Lehmann äußern sich zur Bundes-kulturpolitik vor 1998. Acht Beiträge handeln vom Aufbruch der Bundeskulturpolitik, besonders spannend fand ich die Texte von Knut Nevermann („Rückblick auf eine Geburt“) und Günter Wienands („Von den Anfängen des BKM bis heute“). In acht Beiträgen geht es um die Gesetzgebung für Kunst und Kultur. Zehn Texte richten ihren Blick auf die Kulturförderpolitik, besonders spannend finde ich die Beiträge von Hortensia Völkers & Alexander Fahrenholz („Zukunftslabor Kultur-stiftung des Bundes“), Hans Gerhard Hannesen („Die Akademie der Künste auf dem Weg in die Trägerschaft des Bundes“), Hermann Parzinger („Stiftung Preußischer Kulturbesitz – Herkunft und Zukunft“), Hartmut Dorgerloh („Humboldt Forum – in der Mitte der Hauptstadt für die Welt“) und Charlotte Sieben („Kultur 3.0 – die Kulturveranstal-tungen des Bundes in Berlin“). In den acht noch folgenden Kapiteln haben mich besonders die Texte von Jan-Ole Püschel („Welt am Draht – Medienpolitik des Bundes in Zeiten der Konvergenz“), Uwe Neumärker („Denkmal für die ermordeten Juden Europas“) und Michelle Müntefering („Acht gute Gründe, warum BKM eine ausge-zeichnete Idee war“) interessiert. In meiner Zeit als Vorstand der Stiftung Deutsche Kinemathek war ich stark in die kulturpolitischen Veränderungen involviert. Christina Weiss hat die Kinemathek 2003 in die finanzielle Verantwortung des Bundes übernommen. Ich war mit allen Kulturstaatsminister/innen bestens vertraut und wurde von Bernd Neumann 2010 zum Kurator des Hauptstadtkulturfonds ernannt. Ich habe viel vom BKM profitiert. Dafür bin ich der Einrichtung und vielen Personen, die dort tätig waren/sind, sehr dankbar. Mehr zum Buch: wachgekuesst/

Fantastisches in dunklen Sälen

Dokumentiert sind in diesem Buch sechs Beiträge zu einem Symposium von FILMZ – Festival des deutschen Kinos, das 2017 in Mainz stattgefun-den hat. Das Herausgeber-Duo Christian Alexius und Sarah Beicht leitet den Band mit Über-legungen zum deutschen Genre-kino ein. Bei Huan Vu geht es um Genrefilm und Fantastik im Spannungsfeld der deutschen Geschichte („Lange Schatten“). Marcus Stiglegger äußert sich zur historischen und aktuellen Bedeutung fantastischer Genres im deutschen Kino („German Angst?“). Lars R. Krautschick entdeckt Exemplarisches zu Gesell-schaftsbetrachtungen im deutsch(sprachig)en Horrorfilm („Sozialkritik unter asozialen Bedingungen“). Christian Pischel gibt einen Überblick zur Kasuistik des deutschen Weltraumfilms („..daß keiner groß zu denken hätt’. / Befolgend dies ward der Trabant / ein völlig deutscher Gegenstand.“). Rasmus Greiner hält eine Vorlesung zur „Mystifizierung des demografischen Wandels in DIE VERMISSTEN“. Tobias Haupts sieht eine gewisse Tendenz im Neuen Deutschen Genrefilm („German New Weird“). Interessante Lektüre mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: fantastisches-in-dunklen-saelen.html

DEFA in Thüringen

Das Buch basiert weitgehend auf einer Ringvorlesung, die 2016/17 an der Universität Erfurt stattgefunden hat. In zehn Textbeiträgen wird das Verhältnis zwischen Thüringen und der DFEA thematisiert, die Darstel-lung des Landes in einzelnen Filmen und die Bedeutung spezieller Drehorte. Jens Riederer äußert sich zum Bild Goethes und Weimars in LOTTE IN WEIMAR und die Kulturpolitik der SED („Klassik als Kulisse im Schaufenster des Sozialismus?“). Anne Barnert richtet ihren Blick auf Buchenwald im DEFA-Film („Filmische Denkmale“). Bei Julia Dünkel geht es um den Drehort Pößneck („Das Hollywood des Ostens“). Anett Werner-Burgmann erinnert an DIE SIEBEN AFFÄREN DER DONA JUANITA und ROMEO UND JULIA AUF DEM LANDE („Thüringer Liebesgeschichten zwischen Stadt und Land“). Dorett Molitor informiert über den Film WEIMAR, DU WUNDERBARE („ein Weimar-Porträt von Egon Günther“). Michael Grisko beschäftigt sich mit dem Film RIVALEN AM STEUER („Zwischen Argentinien und der Wartburg“), Wieland Koch mit Roland Gräfs Film FARIAHO…! („Durch Thüringen mit schwerem Gepäck“). Günter Agde porträtiert den Wochenschau-Kameramann Albert Ammer. Ralf Forster befasst sich mit Modernisierungen des DEFA-Wirtschaftsfilms am Beispiel von Carl Zeiss Jena („Im Dienste des Fortschritts“). Patrick Rössler erinnert daran, „Wie der Film in die Thüringer Kinos kam…“. Interessante Informationen zur DEFA-Geschichte. Mit Abbildungen in guter Qualität. Filmstudien Band 76. Coverabbildung: DENK BLOSS NICHT, ICH HEULE. Mehr zum Buch: /3848741482 oder 29665

Filmanthropologie

Karl Sierek (*1952) ist emeri-tierter Professor für Geschichte und Ästhetik der Medien an der Friedrich-Schiller-Universität Jean und wissenschaftlicher Leiter des Béla Balázs-Instituts für Laufbildforschung in Wien. Er hat zuletzt 2017 das Buch „Der lange Arm der Ufa. Filmische Bilderwanderung zwischen Deutschland, Japan und China 1923-1949“ publiziert. Sein Buch zur Filmanthropologie ist zwei-geteilt. Zunächst geht es um Kinoanthropologie, also vor allem um die Zuschauerinnen und Zuschauer: Bildanimismus und filmischen Raum, Dialogische Subjektivität, Erregungsbild und Negative Anthropologie. Spannender finde ich den zweiten Teil, der einzelne Regisseure und Filme in den Blick nimmt: Plansequenz und Kontingenz bei Béla Tarr, Einstimmen und Abweichen in den Filmen der Coen Bros., Mikrogestik und Mikromimik in den Filmen THE SHANGHAI GESTURE, LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN und SUNSET BOULEVARD, Bilder vom Inneren des Körpers in einem Medizinfilm und in FANTASTIC VOYAGE, der Rote Faden durch KONSINZEWS WOHNUNG von Alexandr Sokurow, Montage und Synästhesie in HELAS POUR MOI von Jean-Luc Godard. Wir bewegen uns bei der Lektüre auf einem hohen theoretischen Niveau, sind aber auch nahe an den Filmen. Die technische Qualität der Abbildungen ist grenzwertig. Mehr zum Buch: 978-3-658-22448-6

JEAN AMÉRY – DIE TORTUR (2018)

Er war ein österreichischer Schriftsteller, ein Widerstands-kämpfer gegen den National-sozialismus, aber auch ein Opfer der Gewaltherrschaft. Seit 1955 nannte sich Hanns Mayer Jean Améry. Er lebte von 1912 bis 1978 und starb durch Suizid. Der Film von Dieter Reifarth ist eine beeindruckende Dokumentation seiner Person. 1943 wurde er in Brüssel beim Verteilen von Flugblättern verhaftet, im Auffanglager Fort Breendonk inhaftiert und gefoltert. Im Januar 1944 wurde er ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Er hat überlebt. Seine Schilderungen der Ereignisse wirken lakonisch. Seine autobiografische Essaysammlung „Jenseits von Schuld und Sühne – Bewältigungs-versuche eines Überwältigten“ erschien 1966. Sie ist ein zentraler Text der Holocaust-Literatur. Der 58-Minutenfilm hat eine starke Wirkung durch seinen Protagonisten. Als Ergänzungen enthält die DVD die Lesung des Textes „Die Festung Derloven“ von Jochen Nix und Betrachtungen von Irène Heidelberger-Leonard, der Autorin einer Améry-Biografie und Herausgeberin der Werkausgabe. In vier Audiofiles kann man Lesungen von Jean Améry hören. Mehr zur DVD: JEAN+AMÉRY+-+Die+Tortur

Duisburg Düsterburg

Heute Abend findet die Preisver-leihung der 42. Duisburger Filmwoche statt. Und ihr Leiter, Werner Ružička, verabschiedet sich nach 33 Jahren aus der Verantwortung für das Doku-mentarfilmfestival. Zwei Tage haben Matthias Dell und Simon Rothöhler im März mit Ružička gesprochen und daraus ein sehr interessantes Buch gemacht, das rechtzeitig zur Verabschiedung im Verbrecherverlag erschienen ist. Sehr reflektiert wird über die Geschichte der Duisburger Filmwoche geredet, die anfangs als Jahresschau des (west-)deutschen Films geplant war und sich schnell auf den Dokumentarfilm konzentriert hat. An der Gründung 1976/77 war ich noch selbst beteiligt. Die Vorgängerin von Werner Ružička war Angela Haardt, eine Schlüsselrolle spielte Klaus Wildenhahn als Mitglied der Auswahlkommission. Auch der DGB hatte dort einen Vertreter. Interessant waren die Debatten über den Dokumentarfilm, es wurde nach jeder Vorführung diskutiert. Es gab heftige Auseinandersetzungen über die Qualitäten des beobachtenden und des essayistischen Dokumentarfilms, den Ružička persönlich bevorzugte. Harun Farocki war für ihn eine Leitfigur. Der erste Teil des Gesprächs konzentriert sich auf die Entstehung und Entwicklung der Filmwoche bis 1990, um die neue und alte Linke im Ruhrgebiet der 70er Jahre, im zweiten Teil geht es vor allem um die Beziehungen zur Leipziger Dokumentarfilmwoche, um Filmemacher wie Volker Koepp, Thomas Heise und Gerd Kroske, um Veränderungen nach der Wende, aber dann auch noch um die Gründung des „Ruhrfilmzentrums“ durch Christoph Hübner und Gabriele Voss. Eingefügt ist ein kleiner Fotobereich, abgeschlossen wird das Buch mit einem Essay von Harun Farocki: „Dreißig Jahre Düsterburg“ (2006). Mehr zum Buch: book/detail/956

Pogrom 1938

Der 9. November 1938 war mit der „Reichskristallnacht“ ein schrecklicher Tag in der deut-schen Geschichte. Die Nazis begannen mit der systemati-schen Verfolgung und Ver-nichtung der Juden, es wurden Menschen ermordet, Synago-gen, Geschäfte und Friedhöfe zerstört, Juden in Konzentra-tionslager gebracht. Achtzig Jahre danach will der Fotograf Michael Ruetz mit einem Buch an das Unrecht erinnern, das damals in Deutschland began-gen wurde. Zusammen mit Astrid Köppe hat er Fotos in internationalen Archiven gesucht, auf denen die Ereignisse und Reaktionen abgebildet sind. Sie stammen aus über 100 Orten, von Affaltrach bis Zwingenberg, sind mit Augenzeugenberichten und schriftlichen Dokumenten verbun-den, die den Fotos einen authentischen Hintergrund geben. Drei Texte bereichern das Buch: ein sehr persönliches Vorwort von Jeanine Meerapfel, eine Rede des damaligen Direktors des Deutschen Histo-rischen Museums, Christoph Stölzl, aus dem Jahr 1988 und ein Nachwort von Michael Ruetz. Die Publikation entstand in Kooperation mit der Akademie der Künste und ist im Schweizer Nimbus Verlag erschienen. Mehr zum Buch: pogrom-1938

Heute Abend findet in der Akademie der Künste eine Gedenkver-anstaltung statt, die von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit einem Grußwort eröffnet wird. Jeanine Meerapfel, Michael Ruetz und Astrid Köppe sprechen über das Buch „Pogrom 1938. Das Gesicht in der Menge“.

I do not get rid of the ghosts

Eine Dissertation, die an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main entstanden ist. Imme Klages beschäftigt sich darin mit Exil-erfahrungen in drei Filmen von Fred Zinnemann. Seit 1986, als wir für Fred eine Retrospektive der Berlinale ausgerichtet, ein Buch über ihn veröffentlicht haben und er nach 55 Jahren erstmals wieder in Berlin war, fühlte ich mich mit ihm bis zu seinem Tod 1997 freundschaftlich verbunden. Wir haben häufig miteinander korrespondiert. Seine Autobiografie erschien 1992 und steht signiert bei mir im Regal. Bücher über ihn lese ich mit besonderem Interesse. Die Publikation von Imme Klages hat mich aus zwei Gründen sehr beeindruckt. Ihre Analysen der Filme THE SEARCH (1948), THE NUN’S STORY (1959) und JULIA (1977) sind im Blick auf individuelle, fiktive Exilerfahrungen überaus präzise und hätten Fred – der Interpretationen seiner Filme immer skeptisch wahrgenommen hat – sicherlich gut gefallen, weil sie nahe an den Bildern und Sequenzen bleiben und sich nicht in irgendwelche Vermutungen verirren. Die Formulierungen sind konkret, es gibt keine Metaphern oder ambivalenten Schlussfolgerungen. Das macht die Lektüre spannend und erbringt neue Erkenntnisse. Zweitens: der Anhang enthält auf über 60 Seiten aus dem Polnischen übersetzte Postkarten und Briefe der Eltern von Fred Zinnemann aus den Jahren 1939 bis 1941, die bisher nicht veröffentlicht worden sind. Sie geben einen Einblick in die damalige Situation in Lemberg und Lviv in Polen. Die Filmanalysen und die dokumentierten Briefe können von uns als Lesern in einen Zusammenhang gebracht werden. Das macht die Besonderheit dieser Publikation aus. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: i-do-not-get-rid-of-the-ghosts.html

Gefüge des Zuschauens

Eine Dissertation, die an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf entstanden ist. Julia Bee untersucht darin „Begehren, Macht und Differenz in Film- und Fernsehwahrnehmung“. Im Fokus stehen Rezeptionserfah-rungen junger Erwachsener, denen der Film THE DARK KNIGHT von Christopher Nolan und die TV-Serie TRUE BLOOD vorgeführt wurden. Sie haben sich in ausführlichen Gesprächen dazu geäußert und ihre optischen Eindrücke zu Collagen verarbei-tet. Diese sind im Buch abgebildet und dokumentieren die unterschiedliche und zum Teil verstörende Wirkung des Films und der Serie auf die jungen Menschen. Dies hängt natürlich mit den Grausamkeiten zusammen, die jeweils zu sehen waren. Aber es gibt auch durchaus komische Aspekte. In der Kombination mit den Interviews entsteht der Eindruck, dass die Rezeption nicht naiv erfolgt, sondern mit einer großen medialen Erfahrung. Die Dissertation ist in neun Kapitel strukturiert, bezieht den notwendigen theoretischen Hintergrund ein (William James, Gilles Deleuze, Félix Guattari, Brian Massumi) und vermittelt bei der Lektüre viele interessante Erkenntnisse. Coverabbildung: eine Collage nach TRUE BLOOD. Mehr zum Buch: 978-3-8376-3670-3

Heinz Kersten

Den Autor Heinz Kersten kenne ich als Leser des Tagesspiegel seit den 1960er Jahren und per-sönlich seit den 70ern. Seine Festivalberichte und Kritiken neuer DEFA-Filme waren immer eine wichtige Lektüre für mich. Sein zweibändiges Werk über „Das Filmwesen in der sowjetischen Besetzungszone Deutschlands“ (1963) konsul-tiere ich bis heute zu speziellen Fragen der DEFA-Geschichte. Vor 22 Jahren hat Christel Drawer für den Vistas Verlag DEFA-Filmkritiken von Heinz Kersten aus drei Jahrzehnten zusammengestellt: „So viele Träume“. Und nun ist mit ihrer Hilfe seine Autobiografie erschienen: „Filicudi oder Das ausgelöffelte Leben“. Die Lektüre hat mich sehr beeindruckt. Auch wenn für ihn Inseln (speziell: Filicudi vor der Nordküste Siziliens) und Frauen immer wieder eine wichtige Rolle gespielt haben – sein Leben ist geprägt von Kultur, journalistischer Arbeit und Reisen zu Festivals in aller Welt. Geboren als Herbert König 1926 in Dresden, aufgewachsen in der Zeit des Nationalsozialismus als Sohn eines Finanzbeamten, wurde er zunächst Luftwaffenhelfer, kam dann zur Wehrmacht, geriet im April 1945 in Gefangenschaft, verbrachte ein Jahr in Le Havre, kehrte 1946 nach Pirna in Sachsen zurück, machte dort Abitur und begann 1947 ein Studium in Berlin, zunächst an der Ostberliner Universität, wechselte dann zu den Publizisten und Theaterwissenschaftlern der „Freien Universität“, wohnte – wie noch heute – in Schöneberg. Sein Erinnerungsvermögen ist erstaunlich, manchmal sind ihm Namen entfallen, aber die Schilderungen der kulturellen Ereignisse, über die der Autor im Tagesspiegel, in der Frankfurter Rundschau und im RIAS einstmals berichtet hat, sind aus heutiger Sicht präzise und verbinden sich für mich ab 1960 mit vielen eigenen Erinnerungen. Zehn historische Texte von Heinz Kersten ergänzen an speziellen Stellen die Autobiografie, die noch einmal drei seiner wichtigsten Eigenschaften deutlich macht: Neugier, Sachkenntnis und Haltung. Als Grenzgänger zwischen Ost und West war er fast eine Institution. Mehr zum Buch: kersten-heinz