Jutta Hoffmann

2016.Jutta Hoffmann 3Die Schauspielerin Jutta Hoffmann hat gerade ihren 75. Geburtstag gefeiert. In den 1970er Jahren war sie eine meiner Lieblingsdarstel-lerinnen, ausgelöst durch den Film DER DRITTE von Egon Günther. Sie spielte darin eine allein erziehende, emanzipierte Frau in der DDR, die als Mathematikerin beruf-lich erfolgreich ist, aber auf der Suche nach einem Mann wenig Glück hat. Die Verbindung mit einem Dozenten (Peter Köhnke) scheitert schnell. Die Partnerschaft mit einem Blinden (Armin Mueller-Stahl) endet, als er nach Westberlin geht. Dann wirbt sie um ihren Kollegen Hrdlitschka (Rolf Ludwig). Es kommt sogar zur Hochzeit. Ob das Glück lange währt, bleibt offen. Der DEFA-Film entstand vor 44 Jahren. Dank Jutta Hoffmann wirkt er noch heute sehr lebendig. Icestorm hat gerade eine DVD-Box ediert, in der außerdem die Filme WEITE STRASSEN – STILLE LIEBE (1969) von Herrmann Zschoche mit Manfred Krug und Jaecki Schwarz, DIE SCHLÜSSEL (1974) von Egon Günther mit Jaecki Schwarz und DAS VERSTECK (1977) von Frank Beyer mit Manfred Krug und Dieter Mann enthalten sind. Man kann sie sich noch immer mit Gewinn anschauen. Jutta Hoffmann hat die DDR Anfang der 1980er Jahre verlassen und machte eine erstaunliche Karriere auf der Bühne. Dort habe ich sie leider nie gesehen. Sie lebt heute in Potsdam. Mehr zur DVD: jutta-hoffmann-edition-sparkauf.html

Yasujiro Ozu-Retrospektive in München

2016.OzuEigentlich müsste ich jetzt für einige Wochen nach München fahren. Denn dort beginnt heute im Filmmuseum eine Retro-spektive mit allen Filmen meines Lieblingsregisseurs Yasujiro Ozu. Sie präsentiert auch einige in den letzten Jahren wieder aufgefundene Stummfilme, die in deutscher Erstaufführung zu sehen sind, und neue digitale Restaurierungen. Zu Gast im Filmmuseum ist ein „Benshi“, ein Filmerzähler: Kataoka Ichiro wird zusammen mit dem Pianisten Günter Buchwald und der Pianistin Yanashita Mie im Filmmuseum zu hören sein. Die Retrospektive wird mit dem Film WAKAKI HI (TAGE DER JUGEND) aus dem Jahr 1929 eröffnet. Morgen folgen DAIGAKU WA DETA KEREDO… (ICH HABE PROMOVIERT, ABER…, 1929) und RAKUDAI WA SHITA KEREDO… (ICH BIN DURCHGEFALLEN, ABER…, 1930). Am Sonntag gibt es HOGARAKA NI AYUME (SCHREITE HEITER, 1930), am Dienstag und Freitag TOKKAN KOZO (EIN AUFRICHTIGER JUNGE, 1929) und SONO YO NO TSUMA (DIE FRAU JENER NACHT, 1930). All diese Filme habe ich noch nie gesehen. Im Programmheft hat Fritz Göttler einen schönen Text zur Retrospektive geschrieben, der mit einem Zitat von Frieda Grafe aus dem Jahr 1973 beginnt, als die erste Ozu-Reihe im Filmmuseum stattfand. Gezeigt werden bis zum 19. Juni vierzig Filme. Beneidenswert. Foto: Setsuko Hara in AKIBIYORI (SPÄTHERBST, 1960). Mehr zum Programm: ozu-yasujiro.html

Die Eisenbahn als Filmstar

2015.Eisenbahn

Mehr als hundert Filme, in denen die Eisenbahn eine zentrale Rolle spielt, präsentiert dieses Buch, beginnend mit DIE ANKUNFT EINES ZUGES AUF DEM BAHNHOF IN LA CIOTAT (1895) von den Brüdern Lumière, endend mit SNOWPIERCER (2013) von Bong Jong-ho. Es sind natürlich viele meiner persönlichen Lieblingsfilme dabei, ich nenne nur zwölf Titel: THE IRON HORSE (1924) von John Ford, THE GENERAL (1926) von Buster Keaton, SHANGHAI EXPRESS (1932) von Josef von Sternberg, THE LADY VANISHES (1938) von Alfred Hitchcock, UNION PACIFIC (1939) von Cecil B. DeMille, BERLIN EXPRESS (1948) von Jacques Tourneur, HIGH NOON (1952) von Fred Zinnemann, SOME LIKE IT HOT (1959) von Billy Wilder, RHEIN-GOLD (1977) von Niklaus Schilling, ZUGVÖGEL … EINMAL NACH INARI (1997) von Peter Lichtefeld, THE DARJEELING LIMITED (2007) von Wes Anderson und HUGO CABRET (2011) von Martin Scorsese. Abgebildet sind Plakate und Filmfotos mit der Eisenbahn (innen und außen). In den Texten von Eberhard Urban gibt es Informationen zum Film und zum Thema Eisenbahn, vor allem zu den Lokomotiven. Die dominierende Coverabbildung stammt vom Plakat zu ORIENT-EXPRESS (1954) mit Curd Jürgens und Eva Bartok. Mehr zum Buch: 4110514&navid=

Wissenschaft in Film und Fernsehen

2015.Wissenschaft_in_film_und_fernsehenEine Dissertation, die an der Universität Siegen entstanden ist. Michael Hellermann unter-sucht die Darstellung der Wissenschaft in den audio-visuellen Medien. Sein Resümee: „“Wissensformate betreiben die Verschmelzung formal und disziplinär getrennter Diskurse und reintegrieren damit die abstrakte und fragmentierte Funktionssphäre der Wissen-schaft in die Lebenswelt, setzen sie also zu gängigen Weltan-schauungen und Erfahrungen einer Kulturgemeinschaft ins Verhältnis. Durch die Mischung von Formsets unterschiedlicher logischer Qualität, durch ihre nahtlose Integration auf Basis der funktionalen Elastizität einzelner Formen, erzeugen Wissensformate einen Eindruck von Zusammenhang und Geschlossenheit, der möglicherweise geeignet erscheint, den Glauben an die Beherrschbarkeit einer zunehmend komplexer werdenden Welt zu stärken, an deren Entstehung das Wissenschaftssystem trotz gegenteiliger Absichten letztendlich wohl nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte.“ (S. 535). Die handlungsrelevanten Aspekte der Untersuchung sind vor allem im zweiten Teil des Buches zu finden. Ein Filmverzeichnis am Ende des Bandes nennt 65 Titel: Sendereihen wie „Abenteuer Forschung“, „Das philosophische Quartett“, „Galileo“, „Kulturzeit“ und „Terra X“, aber auch Spielfilme wie DAS EXPERIMENT von Oliver Hirschbiegel, DIE WELLE von Dennis Geisel, HULK von Ang Lee, INCEPTION von Christopher Nolan, MINORITY REPORT von Steven Spielberg und SPIDER-MAN von Sam Raimi. 937 Fußnoten sichern den Text wissenschaftlich ab. Auf Abbildungen wurde verzichtet. Mehr zum Buch: 3-643-13143-0

Protest – Film – Bewegung

2015.ProtestDas CineFest 2014 und der 27. Internationale Filmhistorische Kon-gress waren dem Thema „Gegenöffentlichkeit“ und dem Dokumentarfilm der 1960er, 70er und 80er Jahre gewidmet. In der edition text + kritik ist jetzt das CineGraph-Buch mit 13 Textbeiträgen erschienen. Thomas Weber setzt sich eher grundsätzlich mit dem Begriff „Gegenöffent-lichkeit“ auseinander. Klaus Kreimeier erinnert an die „wilden Anfänge“ Achtundsechzig. Kay Hoffmann beschreibt die veränderten Techniken und die neuen Formen durch synchrone 16mm- und Video-Kameras. Gerd Roscher lokalisiert die alternative Medienszene der 1970er Jahre. Wolfgang Stickel dokumentiert die politische Videoarbeit der Medienwerkstatt Freiburg in den 1980er Jahren. Christian Hißnauer stellt die dokumentarischen Methoden der „Zweiten Hamburger Schule“ von Eberhard Fechner und Klaus Wildenhahn gegenüber. Thomas Tode untersucht die fünf Fassungen von Chris Markers LE FOND DE L’AIR EST ROUGE (1977). Julian Petley erinnert an die medialen Reaktionen auf den britischen Bergarbeiterstreik 1984/85. Nathalie Karl und Ursula von Keitz fixieren die filmischen Positionen im westdeutschen Feminismus der 1970er und früher 1980er Jahre. Daniel Kulle personifiziert Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit in der westdeutschen Schwulenbewegung der 1970er Jahre vor allem in Rosa von Praunheim. Ralf Forster findet kritische Tendenzen im DDR-Amateurfilm. Matthias Steinle entdeckt Subversion jenseits der Grenzen und die Grenzen der Kritik im DDR-Dokumentarfilm. Malte Voß unternimmt eine Bestandsaufnahme der Gegenöffentlichkeit durch Video im Internetzeitalter. Basis-Literatur zum Dokumentarfilm. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: #.VtG-TSiJbV4

Die Oscars 2016

2016.DiCaprioDreieinhalb Stunden dauerte die Verleihung, die Moderation von Chris Rock wurde sehr vom Thema Black and White beherrscht, die Dankesreden fielen kürzer aus als sonst, bei vielen Disziplinen gab es parallel schriftliche Dankeseinblendungen am unteren Bildrand. Lady Gaga hatte einen großen Auftritt, gewann aber nicht den Oscar für ihren Original Song. Berührend: der Auftritt von Ennio Morricone, der für die Musik zu THE HATEFUL EIGHT ausgezeichnet wurde. Überraschungen waren für mich der Oscar für SPOTLIGHT als Best Picture und für Mark Rylance als Actor in a Leading Role (in BRIDGE OF SPIES). SPOTLIGHT haben wir noch nicht gesehen, die Entscheidung für Mark Rylance hat uns sehr gefreut. Dass MAD MAX: FURY ROAD fünf Oscars in technischen Disziplinen bekommen würde, hätte ich nicht gedacht. Mit 15 richtigen Voraussagen in den 21 wichtigsten Kategorien bin ich auf einem Mittelplatz gelandet. Die Wette hat wieder einmal Thomas Häberle gewonnen, auf Platz zwei folgen Artur Althen und Anke Dürr. Nur Leonardo DiCaprio (Foto) hat im Übrigen alle 37 Stimmen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Wette auf sich vereint. Im nächsten Jahr werden die Karten neu gemischt.

Oscar-Prognose

2016.Oscars 3In der kommenden Nacht werden in Holly-wood die „Oscars“ für das Jahr 2015 verlie-hen. Es ist die 88. Preisverleihung. Sie wird ab 2.30 Uhr live auf Pro7 übertragen. Wie in den vergangenen Jahren haben wir uns an der Oscar-Wette beteiligt, die von Artur und Teresa Althen in der Tradition ihres Vaters Michael organisiert wird. Hier sind meine Prognosen in den 21 wichtigsten Kategorien: THE REVENANT (Best Picture). Alejandro G. Iñárritu (Directing). Leonardo DiCaprio (Actor in a Leading Role). Brie Larson (Actress in a Leading Role). Sylvester Stallone (Actor in a Supporting Role). Alicia Vikander (Actress in a Supporting Role). J. Singer, T. McCarthy/ SPOTLIGHT (Writing, Original Screenplay). C. Randolph, A. McKay/ THE BIG SHORT (Writing, Adapted Screenplay). Emmanuel Lubezki/ THE REVENANT (Cinematography). Hank Corwin/THE BIG SHORT (Editing). Colin Gibson/MAD MAX: FURY ROAD (Production Design). Sandy Powell/CAROL (Costume Design). Vanderwalt, Wardega, Martin/MAD MAX: FURY ROAD (Makeup and Hairstyling). SON OF SAUL (Foreign Language Film). INSIDE OUT (Animated Feature Film). AMY (Documentary, Feature). Ennio Morricone/THE HATEFUL EIGHT (Music, Original Score). „Writing’s On The Wall“ from SPECTRE (Music, Original Song). Martin Hernandez, Lon Bender/THE REVENANT (Sound Editing). Jenkins, Rudloff, Osmo/MAD MAX: FURY ROAD (Sound Mixing). Guyett, Tunach, Scanian/STAR WARS: THE FORCE AWAKENS (Visual Effects). Im vergangenen Jahr lag ich mit 14 richtigen Vorhersagen nur auf einem mittleren Platz. Leicht wird es auch in diesem Jahr nicht. Es kann eine spannende Nacht werden.

Frauen, die wir lieben

2015.FrauenFünfzig Männer schreiben über ihre Verehrung für internatio-nale Filmdiven: Schriftsteller, Journalisten, Fotografen, Maler, Schauspieler, Filmemacher, ein Sänger, ein Cartoonist, ein Koch. Freddy Langer, Redakteur der FAZ, hat das Buch vor sieben Jahren im Elisabeth Sandmann Verlag herausgegeben, jetzt ist es, um einige Porträts gekürzt, als Insel Taschenbuch erschienen. Die Texte sind nach dem Alter der Autoren geordnet, beginnend mit Marcel Reich-Ranicki (über Käthe Gold), endend mit Jan Costin Wagner (über Johanna ter Stege). Viermal (von dem Fotografen F. C. Gundlach, dem Schauspieler Vadim Glowna, den Schriftstellern Robert Menasse und David Wagner) gilt die Verneigung Romy Schneider. Sie ist damit die Königin. Ich nenne einige Texte, die mir besonders gut gefallen haben: Stefan Moses über Marianne Hoppe, Robert Lebeck über Shirley Temple, Hans Traxler über May Whitty, Volker Schlöndorff über Delphine Seyrig, Harry Rowohlt über Eleanor Bron, Joachim Sartorius über Monica Vitti, Otto Waalkes über Marilyn Monroe, Bernd Eilert über Cathérine Deneuve, Horst Wackerbarth über Jane Russell, Klaus Hoffmann über Hildegard Knef, Gero von Boehm über Charlotte Rampling, Harald Krassnitzer über Doris Day, Alexander Osang über Gina Lollobrigida, Albert Ostermaier über Brigitte Bardot, Jonathan Meese über Scarlett Johansson. Eine originelle Idee, mit vielen Abbildungen. Mehr zum Buch: 36114.html

Wim Wenders und Peter Handke

2015.Wenders:HandkeWim Wenders (*1945) ist ein international anerkannter deutscher Filmemacher. Peter Handke (*1942) gilt als einer der bekanntesten österreichischen Autoren. Sie sind seit 1969 befreundet. Nach einem Drehbuch von Handke entstand der Kurzfilm 3 AMERIKANI-SCHE LP’S. Dann verfilmte Wenders 1971 die Handke-Erzählung „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“. Werner Köster untersucht in seiner Publikation die Elemente, die sie verbinden. Mit vielen theoretischen Verweisen geht es im ersten Kapitel um die Theoriebezüge des Handke-Diskurses und um die begriffslose Wahrheit des Films bei Wenders. Dann widmet sich der Autor den stilistischen Aspekten der Intermedialität in Handkes Werkeröffnung („Zeigen“ versus „Sagen“). In seinen drei Hauptkapiteln analysiert er die Wenders-Filme DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER („Wie verfilmt man Versprachlichung?“), FALSCHE BEWEGUNG („Die germanistische Gattungs­konstruktion ‚Bildungsroman’, literarischer Minimalismus und artifizielle Filmsprache“) und DER HIMMEL ÜBER BERLIN („Invertierte Wiederauferstehung als vertikales road-movie“). Wenn man an den theoretischen Ansprüchen des Autors nicht verzweifelt, vermittelt der Text interessante Informationen. Die Analysen sind sehr konkret und genau. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: wim-wenders-und-peter-handke.html

FROM HERE TO ETERNITY

2015.From Here to EternityIn der Reihe der „BFI Film Classics“ ist kürzlich ein Band über den Film FROM HERE TO ETERNITY (1953) von Fred Zinnemann erschienen. Die Autorin, J. E. Smith, Historikerin an der University of Warwick, hat vor zwei Jahren ein beeindruckendes Buch über den Regisseur publiziert (fred-zinnemann/). Die Verfilmung des Romans von James Jones war für Zinnemann ein wichtiges Projekt. Er hatte mit Burt Lancaster, Montgomery Clift, Frank Sinatra, Deborah Kerr und Donna Reed herausragende Darsteller zur Verfügung, bekam allerdings Probleme mit dem Columbia-Chef Harry Cohn, der viel Geld und Prestige in den Film investierte. Die Autorin erzählt die spannende Produktionsgeschichte, bei der es vor allem um die angemessene Darstellung von Sex und Gewalt ging. Der Film spielt bekanntlich im Sommer 1941 in einer Infanterie-Kompanie auf Hawaii. Zu seinen Höhepunkten gehört die Auseinandersetzung zwischen einem sadistischen Sergeanten (gespielt von Ernest Borgnine) und dem Soldaten Angelo Maggio (Frank Sinatra), die für Maggio tödlich endet. Oft zitiert wird die Liebesszene zwischen Burt Lancaster und Deborah Kerr am Strand. Irritiert hat mich das farbige Cover des Buches, denn der Film ist ein später Klassiker des Black and White. Sein deutscher Titel hieß VERDAMMT IN ALLE EWIGKEIT. Mehr zum Buch: bfi-classic.html#.VsyOyyiJbV4