Kinogeschichten aus Dresden

2016-kinogeschichtenMichael Wüstefeld (*1951) stammt aus Dresden, ist Autor, Kritiker und Lyriker, und wer seine „Kino-geschichten“ liest, erfährt viel über die Jugend eines Filmfans in der DDR, beginnend 1960 im Otto-Buchwitz-Saal in der Dülferstraße mit dem sowjetischen Film TIERFÄNGER, endend 1974 mit dem Bangladesh-Film der Beatles in einem Freilichtkino am Plattensee. Es sind Filme aus Ost und West, an die sich der Autor erstaunlich gut erinnert: DEFA-Filme, Filme aus Polen, Frankreich, Italien, Westdeutschland und den USA. Die 27 Texte sind in der Regel jeweils einem Kino zugeordnet, zum Beispiel dem Faun-Palast, der Schauburg, den Astoria-Lichtspielen, dem Reprisentheater Schillergarten, dem Tagesfilmtheater Ost, der Freilichtbühne Junge Garde oder dem Kulturpalast Dresden. Die abgebildeten Kinokarten und Titelseiten der Progress-Filmprogramme zeugen von der archivarischen Leidenschaft des Autors. Eindrucksvoll sind die Kapitel „Dreh im Schumann-Bau“ (über die Aufnahmen zu dem Film CHRONIK EINES MORDES mit Ulrich Thein und Angelica Domröse), „Dr. Sorge in Gotha“ (über den Besuch des Films WER SIND SIE DR. SORGE? mit seinem Vater bei einer Fahrt nach Gotha), „Ohne Film in Prag“ (aber mit einem Besuch der „Zauberlaterne“), „Meuterei in Berlin“ (über eine Klassenfahrt 1969 und den Film MEUTEREI AUF DER BOUNTY im Filmtheater Kosmos). Besonders gut gefallen haben mir die Erinnerungen an ICH WAR NEUNZEHN von Konrad Wolf, SPARTACUS von Stanley Kubrick, CHEYENNE von John Ford, HIGH NOON von Fred Zinnemann und die Indianerfilme der DEFA. Inspiriert wurde das Buch durch Ilse Aichingers „Film und Verhängnis“ und Jean-Luc Godards Filmessay HISTOIRE(S) DU CINEMA. Das „Nachspiel“ enthält Informationen und Abbildungen der Dresdener Kinos von 1965 bis heute. Mehr zum Buch: php?products_id=581

Kostümbild/Kostümdesign

2016-kostuembildRiccarda Merten-Eicher (*1956) ist freie Kostümbildnerin, sie hat u.a. die Filme WUT (2005) von Züli Aladag, GELIEBTE CLARA (2008) von Helma Sanders-Brahms und CARLOS (2009) von Olivier Assayas ausgestattet. Ihr Buch „Kostümbildner in Film, Fernsehen und Theater“ erschien zunächst 2012 bei Henschel – aber der Bestand verbrannte 2013 in einer Lagerhalle in Naunhof bei Leipzig. Jetzt hat sie bei Schüren eine überarbeitete Fassung publiziert, die man zur Pflichtlektüre für künftige Kostümbildner/innen machen sollte. Auf 168 Seiten werden alle Informationen zum Berufsbild, zur Geschichte, zu notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten, zur Vorbereitung und Realisierung eines Projekts vermittelt. Aufschlussreiche Gespräche mit der Kostümbildnerin Ingrid Zoré, der Regisseurin Helma Sanders-Brahms, dem Schauspieler Miguel Herz-Kestranek, der Damenmaß-schneiderin Regine Borkenhagen und dem Regisseur Klaus Gendries erweitern unser Wissen über diesen Beruf. Konkrete Erfahrungen vermitteln die Berichte über die Arbeit an GELIEBTE CLARA, ABENTEUER IN PANAMA, CARLOS – DER SCHAKAL, DER GROSSE HAMOUDI und verschiedenen Roadmovie-Projekten. Der Anhang enthält nützliche Informationen. Und zahlreiche Abbildungen zeigen ein breites Spektrum von Kostümentwürfen. Mehr zum Buch: kostuembild-kostuemdesign.html

Winter is coming

2016-winter-is-comingGAME OF THRONES ist eine Fernsehserie von HBO, die seit April 2011 ausgestrahlt wird, viele Fans hat und von der Kritik hoch gelobt wird. Es gibt bisher sechs Staffeln, zwei weitere sind in Arbeit. Dann soll Schluss sein. Carolyne Larrington lehrt englische Literatur des Mittel-alters am St. John’s College in Oxford. Ihr Buch „Winter is coming“ – dessen deutsche Ausgabe gerade im Theiss Verlag erschienen ist – setzt eine Kenntnis der GoT-Serie voraus, wenn man die höchst interessanten Vergleiche mit unserem Mittelalter verstehen will. Noch besser ist es, wenn man auch die Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin gelesen hat, was bei mir nicht der Fall ist. In fünf Kapiteln (Das Herz des Landes – Der Norden – Der Westen – Jenseits der Meerenge – Der Osten) untersucht Carolyne Larrington, wie David Benioff und D. B. Weiss, die für GoT verantwortlich sind, Erkenntnisse über Sozialstrukturen, Religion und Rittertum im Mittelalter in die fiktive Welt der sieben Königreiche von Westeros transferiert haben. Weil die Autorin den künftigen Leserinnen und Lesern / Zuschauerinnen und Zuschauern die Spannung nicht nehmen will, kennzeichnet sie mit Silhouetten eines Raben, wo sie Handlungselemente verrät. 40 Abbildungen, meist Werke aus dem Mittelalter, konkretisieren den Text. Ein Register verschafft gezielten Zugriff auf Textpassagen. Nicht nur für Fans der GoT-Serie eine lohnende Lektüre. Mehr zum Buch: wbv/winter-is-coming

MY BAKERY IN BROOKLYN (2016)

2016-dvd-meine-kleine-baeckereiEs ist eine romantische Komödie, die hier erzählt wird: mit überraschenden Wendungen, zeitlichen Sprüngen und manchen Umwegen, die man nicht unbedingt verstehen muss. Natürlich ist die „Boulangerie Isabelle’s“ der Hauptschauplatz: eine hoch verschuldete Bäckerei, deren Besitzerin nach zehn Film-Minuten stirbt. Sie hinterlässt den Laden ihren beiden Nichten Vivien und Chloe, die leider ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Geschäfts haben. Das führt zu verbalen und physischen Konfrontationen. Vivien lernt den attraktiven Paul kennen, der sich als Banker entpuppt, Chloe hat ein streitbares Verhältnis mit dem Fernsehkoch Fernando. Und dann gibt es noch ein drittes Paar, Daniella und Ian, das weitgehend außerhalb der Bäckerei agiert. An Nebenfiguren herrscht auch sonst kein Mangel. Brooklyn und Manhattan zeigen sich von ihrer attraktiven Seite, da können schon Erinnerungen an Woody Allen aufkommen. Aber der Regisseur Gustavo Ron lässt seinem Ensemble zu viele Freiheiten, man kann zeitweise von einem Overacting sprechen. Es gibt berührende Momente, aber auch einige peinliche Szenen. Natürlich macht der Blick auf die Backwaren Appetit auf mehr. Auf keinen Fall sollte man den Film, der jetzt bei Alive als DVD erschienen ist, in der deutschen Fassung sehen. Die Synchronisation ist ziemlich nervend. Aber die Originalfassung hat ihren speziellen Charme. Mehr zur DVD: meine-kleine-baeckerei-in-brooklyn/

Golem

2016-golemIm Jüdischen Museum Berlin ist seit kurzem (und noch bis zum 29. Januar 2017) die Ausstellung „Golem“ zu sehen: sie verbindet in ihren mehr als 250 Exponaten Kunst- und Kulturge-schichte mit Pro-dukten aktueller Kunst. Ein eigener Raum ist den drei deutschen GOLEM-Filmen gewidmet: DER GOLEM (1915), DER GOLEM UND DIE TÄNZERIN (1917) und DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920). Paul Wegener spielte in allen drei Filmen den Golem, jene mythische Figur, die vom Rabbi Löw aus den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft erschaffen wurde, um die Juden in Prag zu schützen. Zu den Künstlern, die der von Emily D. Bilinsky und Martina Lüdicke kuratierten Ausstellung zugearbeitet haben, gehören Joshua Abarbanel, Christian Boltanski, Michael David, Louise Fishman, Stefan Hurtig, Anselm Kiefer, David Musgrave und Joachim Seinfeld. Im Kerber Verlag ist der sehr lesenswerte Katalog erschienen. Der Filmteil hat den Titel „Horror und Magie“ (S. 98-118). Er enthält neben den Abbildungen Texte von Wegener, Karin Harrasser, Cathy S. Gelbin, Helene Wecker, Dietrich Neuhaus, Anna-Carolin Augustin und Cilly Kugelmann. Die bekanntesten Abbildungen stammen aus dem Nachlass Paul Wegener, der als „Sammlung Kai Möller“ im Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main verwahrt wird. Auch das Coverfoto zeigt natürlich Wegener mit seiner helmartigen Frisur und geschlossenen Augen. Mehr zum Buch: golem.html / Im kommenden Jahr dreht im Übrigen Dominik Graf für die CCC einen neuen GOLEM-Film.

Superhelden / Twin Peaks

Eine neue Reihe bei Reclam: „100 Seiten“, beginnend und endend mit der ersten und letzten Textseite. Format: 17 x 11,5 cm, also etwas größer als die gelbe Reihe. Die ersten zehn Bände sind inzwischen erschienen, zwei haben ein Medienthema.

2016-superheldenBei Dietmar Dath geht es um „Superhelden“, also um Batman, Doctor Strange, Fantastic Four, Iron Man, Spider-Man, Super-man, Thor, X-Men, The Vision, Wolverine. Und auch eine Frau ist dabei: Wonder Woman. Wo kommen sie her? Meist aus dem Comic-Bereich. Wohin ent-wickeln sie sich? In den Regel in Richtung Kino oder Fernsehen. Wer hat die Ideen? Wer zeichnet? Wer produziert? Wer vermarktet? Vorab erfahren wir das Wichtigste über die „Schule der Über-menschen“. Dann folgen die beiden Teile „Wie sie wurden, was sie sind“ und „Wer sie sind und was sie können“. Zum Abschluss erklärt uns der Autor noch „Was sie bedeuten und wohin sie streben“. Im Hintergrund tobt der Zweikampf der beiden großen Superhelden-Verlage „DC Comics“ und „Marvel Comics“. Gut geschrieben, spannend zu lesen – und das alles auf 100 Seiten. Auf Seite 101 gibt es noch einige Lektüretipps. Mehr zum Buch: 978-3-15-020420-7

2016-twin-peaksGunther Reinhardt beschäftigt sich mit Twin Peaks, einer scheinbar idyllischen amerika-nischen Kleinstadt, Schauplatz einer amerikanischen TV-Serie aus den Jahren 1990/91. Hier sind es zwölf Kapitel, die uns einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen: Willkommen in Twin Peaks – Die Entstehung von TWIN PEAKS – Die erste TWIN PEAKS-Staffel – Die zweite TWIN PEAKS-Staffel – Der TWIN PEAKS-Spielfilm – Special Agent Cooper und seine Kollegen – Die Einwohner von Twin Peaks – Der Ort Twin Peaks – Die TWIN PEAKS-Ästhetik – Intertextualität und Genremix – Der Hype und der Beginn der Qualitätsserien – Die Rückkehr nach Twin Peaks. Natürlich stehen David Lynch und sein Co-Autor Mark Frost im Mittelpunkt des Textes. Und dessen Lektüre macht große Lust, sich die Serie noch einmal anzuschauen, bevor im kommenden Jahr die neuen Staffeln zu sehen sein werden. Mehr zum Buch: 978-3-15-020421-4

Werben für Europa

2016-werben-fuer-europaAuch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bemüht sich um den europäischen Einigungs-prozess. Sie förderte das Projekt „Werben für Europa“, das unter Leitung von Gabriele Clemens, Professorin für neuere europäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg, realisiert und mit dem jetzt vorliegenden 600-Seiten-Buch abgeschlossen wurde. Inhaltlich und formal untersucht werden Europafilme, die von den nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten europäische Organisationen, der Europabewegung und den drei EG-Gründungsstaaten Frankreich, Bundesrepublik Deutschland und Italien in Auftrag gegeben wurden bzw. dort zu sehen waren. Mit Ausnahme des belgisch-deutschen Films DAS BANKETT DER SCHMUGGLER, der 1952 von der Europabewegung hergestellt wurde, sind keine fiktionalen Filme einbezogen. Drei Kapitel strukturieren das Buch: 1. Supranationale Akteure, 2. Länderstudien, 3. Bilder und Leitmotive. Im ersten Kapitel geht es um Öffentlichkeitsarbeit und Filmwerbung der europäischen Gemeinschaften (Autorin: Gabriele Clemens), um Filmaktivitäten der Europabewegung (Gabriele Clemens, Jeanpaul Goergen) und um das Werben für die Integration Europas in den Marschallplan-Filmen (Anne Bruch, Gabriele Clemens, Jeanpaul Goergen, Thomas Tode). Das zweite Kapitel handelt vom französischen Europafilm und seiner Fixierung auf das französisch-deutsche Verhältnis (Thomas Tode), vom deutschen Europafilm zwischen Wiederaufbau, Aussöhnung und Gleichberechtigung (Gabriele Clemens) von der Verbreitung der Europafilme in der Bundesrepublik (Jeanpaul Goergen) und vom italienischen Europafilm zwischen Wirtschaftswunder, Emigration und politischer Integration (Anne Bruch). Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Narrativen der europäischen Integration (Gabriele Clemens), mit dem Motiv der Grenze in der Europafilm-Rhetorik (Thomas Tode), mit dem subtilen Werben für Europa in den Marshallplan-Filmen (Maria Fritsche), mit der filmischen (Re-)Konstruktion des Europäers (Anne Bruch, Gabriele Clemens) und der Visualisierung des europäischen Raumes und seiner politischen Ordnung durch Karten, Dia- und Organigramme (Anne Bruch; hier sind die Abbildungen besonders eindrucksvoll). Es ist die erste umfassende Untersuchung zum Thema. Mit umfangreichem Literatur- und Filmverzeichnis. Mehr zum Buch: 978-3-506-77795-9.html

Marlene Dietrich

2016-marlene-dietrichIn der Gedenk-halle Oberhausen findet zurzeit die Sonderausstellung „Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis“ statt; sie ist noch bis zum 11. Dezember zu sehen. Sehr empfehlenswert ist das Katalogbuch zur Ausstellung, das von Clemens Heinrichs, dem Leiter der Gedenkhalle, redaktionell betreut wurde. Sechs sachkundige Texte strukturieren das Buch: Uli Jung (Trier) beschäftigt sich mit Marlene Dietrich und dem deutschen Film im „Dritten Reich“, vor allem mit den Versuchen von Joseph Goebbels, sie aus den USA nach Deutschland zurückzuholen. Dies ergänzt Clemens Heinrichs mit seinem Beitrag „Zwischen Emigranten und Nazis“ über Marlene Dietrich in den 1930er Jahren. Silke Ronneburg (Leiterin der Marlene-Dietrich-Collection in Berlin) erinnert faktenreich an die Aktivitäten von Marlene Dietrich als Truppenbetreuerin („Follow the Boys“). Sophie Koch (Oberhausen) informiert über den deutschen Nachkriegsfilm und Billy Wilders A FOREIGN AFFAIR (1948), in dem Marlene Dietrich die Nachclubsängerin Erika von Schlütow spielt. Annette Brauerhoch (Paderborn), die mit einer Arbeit über „Fräuleins und G.I.s“ habilitiert hat, vergleicht sehr anschaulich den Film A FOREIGN AFFAIR mit HALLO, FRÄULEIN (1949) von Rudolf Jugert. Thomas Hammacher (Essen) richtet den Blick auf „DAS URTEIL VON NÜRNBERG (1961) und seine deutsche Rezeption im Spannungsfeld der Medien“. Mit zahlreichen Abbildungen und Faksimiles von Briefen und Telegrammen. Mehr zum Buch: oberhausen.de/node/6

Verfilmungen von Jane Austens Romanen

2016-jane-austenEine Dissertation, die an der Johannes Gutenberg-Uni-versität in Mainz entstanden ist. Sabine Fischer-Mahr unternimmt „eine exempla-rische Analyse von Adap-tionen weiblicher Entwick-lungsromane anhand des Selbstbild-Fremdbild-Modells“. Konkret: sie untersucht ausgewählte Verfilmungen von Jane Austens Romanen für Kino und Fernsehen zwischen 1940 und 2009. Vorangestellt ist eine Bestandsaufnahme der Qualitätskriterien für Literaturverfilmungen. Es gibt inzwischen, wie ich jetzt gelernt habe, eine eigenständige „Adaptionswissenschaft“ innerhalb der Literaturwissenschaft, sie unterscheidet zwischen medienorientierten, textorientierten, kontextuellen, autororientierten und rezipientenorientierten Adaptionstheorien. Auch das „Selbstbild-Fremdbild-Modell“ wird von der Autorin präzise dargestellt. Ab Seite 150 stehen dann  Jane Austen und die Verfilmungen im Zentrum. Sechs Romane und ihre diversen Adaptionen werden analysiert. Bei EMMA (Versionen von 1972, 1996 und 2009) und bei MANSFIELD PARK (Versionen von 1983, 1999 und 2007) geht es um „das figurale Selbstbild“, bei SENSE AND SENSIBILITY (Versionen von 1971, 1981, 1995 und 2008) und PERSUASION (Versionen von 1971, 1995 und 2007) um „das Rezipientenbild“, bei PRIDE AND PREJUDICE (Versionen von 1940, 1980, 1995 und 2005) und bei NORTHANGER ABBAY (Versionen von 1987 und 2007) um „das Kontextbild“. Was, so aufgelistet, sehr theoretisch und abstrakt klingt, liest sich relativ spannend, wenn man die verschiedenen Filme in Erinnerung hat oder den Erkenntnissen der Autorin vertraut. Sie bleibt nahe an den Filmen und stellt natürlich immer wieder die Verbindung zu den Romanen her. Mit zum Teil farbigen Abbildungen in guter Qualität. Coverfoto: Amanda Root in PERSUASION (1995). Mehr zum Buch: Beschreibungen/ID1509.html

SCHATTEN (1923)

2016-dvd-schatten-grossEine nächtliche Halluzination. Ein Graf gerät in wahnhafte Eifersucht, eine Abendgesell-schaft lässt sich von einem Schattenspieler verzaubern. Das Spiel endet tragisch: mit Mord und Totschlag. Aber in der Realität erweist sich die Ehefrau als treu, und die männlichen Gäste verlassen am Ende den Schauplatz in der Gewissheit, dass dort ein glückliches Paar lebt. Die Idee, die Bauten und Kostüme stammen von Albin Grau, die beeindruckenden Bilder von Fritz Arno Wagner. Der Regisseur Arthur Robison realisierte diesen Stummfilm ohne Zwischentitel. Lotte H. Eisner schreibt in ihrem Buch „Die dämonische Leinwand“: „Die Zweideutigkeit der Schatten hat in diesem Film einen Freudschen Sinn: der kleine Taschenspieler läßt die Schatten der Handelnden verschwinden und öffnet so die Schleusen all ihrer geheimsten Begierden. Jene Phantasmagorie wird bedeutungsschwer: die Schatten treten an die Stelle der Lebenden. Die während des Schauspiels zu leblos erstarrten Zuschauern ihres eigenen Geschicks werden; die Phasen ihrer Existenz, die sich zu Beginn des Films mit einem schweren Ritardando abgerollt haben, scheinen sich zu überhasten, einem tödlich verlaufenden Ende zuzustürzen. (…) SCHATTEN ist ein Film voller Erotik. Aber Robison verwendet das Kerzenlicht, das den in ein leichtes Directoiregewand gehüllten Körper der jungen Frau durchschimmern läßt, niemals vulgär, selbst dann noch, wenn er den Kandelaber von dem diesmal ahnungslosen Gatten halten läßt. Robison hat die enganliegende Tracht der ‚Merveilleuses’ und ‚Incroyables’ sichtlich gewählt, um die erotische Atmosphäre des Films zu intensivieren. Dank einer fast animalisch anmutenden Vitalität sind die Gestalten seines Films weit entfernt von der abstrakten Konvention, die der Expressionismus auferlegt hat. Die junge Frau wirkt mit jedem Biegen ihrer Hüften, der gerundeten Gebärde ihres Arms als die personifizierte Versuchung und Hingabe, als eine ewige Eva.“ (S.134/135). Mit Ruth Weyher, Fritz Kortner, Gustav von Wangenheim und Alexander Granach. Die neue Musik stammt von Johannes Kalitzke. Die DVD ist bei Absolut Medien erschienen. Mehr zur DVD: film/3009/Schatten