Freundschaft – Przyjaźn?

Wie intensiv waren die filmkul-turellen Beziehungen der DDR mit der Volksrepublik Polen zwischen 1945 und 1990? Das fragt der Medienhistoriker Thomas Heimann in seinem hervorragend recherchierten Buch, das kürzlich in der Schrif-tenreihe der DEFA-Stiftung im Verlag Bertz + Fischer erschie-nen ist. Zunächst werden einige grundsätzliche Feststellungen zu den kulturellen Beziehungen zwischen Polen und der DDR gemacht. Dann geht es um „Umsiedler“, Flüchtlinge und Vertriebene in Wochenschauen, Reportagen und Dokumentarfilmen. Das erste große Kapitel ist der Darstellung der Vergangenheit in Spielfilmen der DEFA und in Fernsehfilmen gewidmet. Elf Filme werden hier ausführlich analysiert: DIE SONNENBRUCKS (1951) von Georg C. Klaren, DER FALL GLEIWITZ (1961) von Gerhard Klein, NACKT UNTER WÖLFEN (1963) von Frank Beyer, DAS TAL DER SIEBEN MONDE (1967) von Gottfried Kolditz, DIE GEFRORENEN BLITZE (1967) von János Veiczi, WEGE ÜBERS LAND (1968) von Martin Eckermann, JAKOB DER LÜGNER (1974) von Frank Beyer, DIE ÜBERLEBENDE (1975) von Christian Steinke, DANIEL DRUSKAT (1976) von Lothar Bellag, LEVINS MÜHLE (1980) von Horst Seemann und DER AUFENTHALT (1983) von Frank Beyer. Sieben Filme im zweiten Kapitel erzählen Gegenwartsgeschichten, darunter sind DIE SCHLÜSSEL (1974) von Egon Günther, ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHEN (1978) von Hans Werner und ÜBER DIE GRENZEN (1990) von Rainer Ackermann. In einem dritten Kapitel werden zwölf DDR-polnische Gemeinschaftsproduktionen thematisiert, darunter DER SCHWEIGENDE STERN (1960) von Kurt Maetzig, SIGNALE – EIN WELTRAUMABENTEUER (1970) von Gottfried Kolditz, COPERNICUS (1973) von Czeslaw Petelski und Ewa Petelska und DER SCHIMMELREITER (1984) von Klaus Gendries. Der Autor informiert jeweils auch über die Produktionshintergründe und hat hier oft interessante Konflikte ermittelt. Mit Abbildungen und einem Geleitwort von Ralf Schenk. Mehr zum Buch: 1_134&products_id=500

„Moabit“ von Volker Kutscher

Auf Sky sind am kommenden Freitag die letzten beiden Folgen der Serie BABYLON BERLIN zu sehen. Der erste historische Berlin-Roman von Volker Kutscher, „Der nasse Fisch“ (2007), war dafür Inspiration und Stofflieferant, allerdings wurden die Figuren für die Serie stark variiert. Das betrifft vor allem Charly Ritter, die Part-nerin des Protagonisten Gereon Rath. In seinem gerade erschie-nenen Kurzroman „Moabit“ erzählt Volker Kutscher eine Geschichte aus dem Jahr 1927 aus drei Perspektiven. Zunächst erleben wir mit, wie im Zellen-gefängnis in der Lehrter Straße von einem Insassen versucht wird, den ebenfalls einsitzenden Schränker Adolf Winkler, Boss des Berliner Ringvereins Berolina, umzubringen. Dies wird – zweiter Erzählstrang – von dem Oberaufseher Christian Ritter im letzten Moment verhindert. Er bringt dabei den Mann, der den Mord versuchte, mit seinem Schlag-stock um. Es gibt später ein Treffen zwischen Winkler und Ritter, als Winkler aus dem Gefängnis entlassen worden ist, in der Eckkneipe „Bei Mathilde“. Schließlich kommt Christian Ritters Tochter ins Spiel: Charlotte, geboren am 23. Oktober 1907, wie man hier erfährt. Sie wohnt noch beiden Eltern, sucht nach beruflichen Möglichkeiten, geht öfter mit ihrer Freundin Greta tanzen. Als sie in der Nacht des Mordversuchs auf dem Heimweg ist, macht sie eine interessante Beobachtung am Gefängnistor. Und am Ende erlebt sie eine schreckliches Ereignis. Die drei Perspektiven sind vom Autor raffiniert verknüpft, auf 84 Seiten finden viele Aktionen, Dialoge und Selbstreflektionen statt. Und auf der visuellen Ebene kommt die Zeichnerin Kat Menschik ins Spiel: mit Porträts der Personen, Szenen des Stadtlebens, Gegenständen des Alltags. Wunderbar! Erschienen bei Galiani/Kiepenheuer & Witsch. Mehr zum Buch: 978-3-86971-155-3/

Velden 1977

Das Filmarchiv Austria hat eine neue Buchreihe eröffnet, sie heißt „Film Geschichte Österreich“, begleitet Retrospektiven im METRO Kinokultur-haus und richtet den Blick auf zum Teil vergessene Personen, Ereignisse und Themen der heimischen Filmgeschichte. Band 1 ist den Ersten Österreichi-schen Filmtagen gewid-met, die vor vierzig Jahre in Velden am Wörthersee stattfanden. Gezeigt wurden damals Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme. Das Festival zog dann nach Kapfenberg und später nach Wels, 1996 gab es die letzte Ausgabe. Das einzige in Österreich noch stattfindende Festival ist jetzt die Diagonale in Graz. Der Rückblick auf das Jahr 1977 ist sehr interessant. Florian Widegger (Herausgeber des Bandes) berichtet von der Entstehung der Filmtage. Dokumentiert sind das Vorwort des Katalogs 1977 von Horst Dieter Sihler, damals zusammen mit Gerald Kargl Leiter der Veranstaltung, und ein Text von Bernhard Frankfurter und Michael Pilz aus dem Katalog, der über die damalige Situation des österreichischen Films informiert. Albert Meisl erinnert an die Kurzfilme der Filmakademie Wien im Programm, Gerhardt Ordnung blickt wie Horst Dieter Sihler auf das Jahr 1977 zurück. Eine Filmografie aller gezeigten Titel schließt den Band ab, der als Eröffnung einer Reihe neugierig macht auf die nächsten Bände. Mit zahlreichen Abbildungen. Mehr zum Buch: die-ersten-oesterreichischen-filmtage/

11 Berliner Friedhöfe

Heute ist Totensonntag. Das soll der Anlass sein, ausnahmsweise keine DVD zu rezensieren, son-dern ein Buch von Jörg Sunder-meier vorzustellen: „11 Berliner Friedhöfe, die man gesehen haben muss, bevor man stirbt“ (mit Fotografien von Kristine Listau), erschienen im be.bra Verlag. Dies ist die Auswahl des Autors: Doro-theenstädtischer Friedhof (wo Prominenz ruht), Künstlerfried-hof Friedenau (wo Entdeckungen zu machen sind), Invaliden-friedhof (wo Preußen zu sich selbst kommt), Sowjetisches Ehrenmal (wo Menschen Helden sind), Friedhöfe an der Bergmannstraße (wo Vergessene auf Ewigkeit pochen), Urnenfriedhof Gericht-straße (wo Asche für den Fortschritt steht), Frauenfriedhof (wo Lesben ihre Ruhe haben), Jüdischer Friedhof Weißensee (wo das Leben schläft), Türkischer Friedhof am Columbiadamm (wo der Islam zu Deutschland gehört), Friedhöfe vor dem Halleschen Tor (wo Tote gefeiert werden) und Friedhöfe an der Hermannstraße (wo die Arbeit am Tod sichtbar ist). Die Auswahl war für den Autor schwierig, er nennt selbst am Ende einige Friedhöfe, die wirklich fehlen. Ich vermisse zum Beispiel den Friedhof an der Heerstraße (Michael Althen, Horst Buchholz, Wolf Donner, Dietrich Fischer-Dieskau, Loriot, Heinz Rathsack), die Waldfriedhöfe in Zehlendorf (Willy Brandt und Ernst Reuter, Helmut Käutner, Wolfgang Menge, Hildegard Knef) und in Dahlem (Michael Ballhaus, Friedrich Luft, Richard von Weizsäcker). Mit diesen Friedhöfen sind viele persönliche Erinnerungen verbunden. Vor 22 Jahren habe ich mit Antje im tip einen Text über Berliner Friedhöfe veröffentlicht (novembertage-2/ ). Das Buch von Jörg Sundermeier ist lesenswert, verliert sich gelegentlich zu sehr in einzelnen Biografien, vermittelt aber viel von der speziellen Bedeutung der elf ausgewählten Friedhöfe. Mehr zum Buch: bevor-man-stirbt.html

Rosa von Praunheim 75

Heute wird der Filmemacher Rosa von Praunheim, mit dem ich seit über zwanzig Jahren befreundet bin, 75 Jahre alt. Er feiert das mit dem gerade publi-zierten Buch „Wie wird man reich und berühmt?“ und mit dem Kinostart seines neuen Films ÜBERLEBEN IN NEUKÖLLN, er wird gefeiert mit der Ausstrah-lung verschiedener Filme im Dritten Programm des rbb (HÄRTE morgen am späten Abend), des WDR (ROSA-KINDER am 27. November), auf arte (DER EINSTEIN DES SEX und HÄRTE am 29. November). In seinem Buch beantwortet er viele Fragen, zum Beispiel: „Wie dreht man Filme, schreibt man Gedichte, malt man Sterne und Schwänze?“ Rosa hat weit über 100 Filme gedreht, zwischendurch war er einige Jahre Professor an der HFF in Babelsberg, sein Buch richtet sich vor allem an junge Menschen, die Filme machen wollen. Ihnen gibt er konkrete Ratschläge, zum Beispiel: Nimm alles persönlich! Sieh in den Spiegel! Schreibe jeden Morgen ein Gedicht! Sei ein Voyeur! Mach alles selbst! Er beantwortet immer wieder Fragen: Was ist eine Geschichte? Wie funktioniert Spannung? Wie führt man Schauspieler*innen? Es geht um Dokumentarfilm und Spielfilm, um Emotion und große Gefühle, um Handlung und Action, um Filme mit und ohne Geld, um erste und letzte Schritte. Viele Ratschläge finde ich gut und originell, manche auch falsch, aber das macht nichts, denn das Buch ist nicht systematisch strukturiert, sondern so assoziativ geschrieben, dass kleine Aussetzer schnell zu überlesen sind. Gegen Ende gibt es eine kurze Autobio von Rosa, Hinweise auf ungedrehte Filme von ihm und schließlich sechs Interviews: mit Tom Tykwer, Axel Ranisch, Julia von Heinz, Wolfgang Kirchner, Nico Hofmann und Charlotte Siebenrock. Mit vielen Zeichnungen, Fotos und Gedichten. Coverfoto: Rosa, als er noch etwas jünger war. Herzlichen Glückwunsch, Rosa, und bleib noch lange in dieser Welt! Mehr zum Buch: Praunheim/Buch.html

Josef Hader

Mit zwei Filmen hat er in jüng-ster Zeit Aufsehen erregt: als Darsteller des Schriftstellers Stefan Zweig in Maria Schra-ders VOR DER MORGENRÖTE und des Musikkritikers Georg in dem von ihm inszenierten Film WILDE MAUS. Josef Hader (*1962) ist als Kabarettist, Schauspieler, Autor und nun auch Regisseur vor allem in Österreich sehr populär. Mehr-fach hat er den Privatdetektiv Simon Brenner in den Verfil-mungen der Romane von Wolf Haas gespielt. Im Schüren Verlag ist jetzt ein sehr liebevoll gestaltetes Buch über ihn erschienen, das Andreas Ungerböck herausgegeben hat. Von Haders Kollegin Maria Hofstätter stammt ein kurzes Vorwort. Der Herausgeber Ungerböck porträtiert den Schauspieler in einem klugen Essay. Er hat auch ein sehr reflektiertes Gespräch mit ihm geführt. Michael Pekler charakterisiert in seinem Text die Rollen, die Hader verkörpert. Auf 20 Seiten sind dann Filmstills und Porträts dokumentiert, weitere Abbildungen sind über das Buch verteilt. Seine persönlichen Erfahrungen mit Josef Hader vermittelt sein Agent Georg Hoanzl in einem Gespräch. Die Schriftstellerin Doris Knecht erzählt über Haders Präsenz im Kabarett und im Kino. Eine sehr präzise Filmografie schließt den Band ab, in dem Josef Hader angemessen gewürdigt wird. Mehr zum Buch: 556-josef-hader.html

Regina Ziegler

Sie ist die erfolgreichste deut-sche Produzentin, hat an die hundert Kinofilme und über zweihundert Fernsehfilme und Serien auf den Weg gebracht, sie wurde international vielfach ausgezeichnet und engagiert sich, wenn es ihr notwendig erscheint. Regina Ziegler (*1944) hat jetzt ihre Autobiografie publiziert: „Geht nicht gibt’s nicht“. Das ist der Satz, den ihr langjähriger Ehemann, der Filmregisseur Wolf Gremm, ihr als Lebensmotto vorgegeben hat. Das Buch ist mit großer Empathie geschrieben, es erzählt von Erfolgen, aber auch von Niederlagen, die für sie wohl schlimmste war der Misserfolg ihres Herzensprojekts HENRY 4, die Verfilmung der beiden Romane von Heinrich Mann in der Regie von Jo Baier (2010). Es überwiegen jedoch die Erfolgsmeldungen: wenn die Finanzierung geklappt hat, die Zusammenarbeit mit Regisseurinnen oder Regisseuren zu guten Ergebnissen führte, das Publikum und die Kritik positiv reagierte. Besonders spannend fand ich die Kapitel über den Film SOMMERGÄSTE, den Regisseur Andrzej Wajda, die Episodenfilme EROTIC TALES, die Organisation der Deutschen Filmpreis-Verleihung in den 1990er Jahren, die Realisierung der Serie WEISSENSEE. Natürlich spielen die Filme ihres Mannes Wolf Gremm eine wichtige Rolle im Buch, speziell KAMIKAZE 1989 mit Rainer Werner Fassbinder in der Hauptrolle. Bewegend erzählt Regina Ziegler von der Zeit, in der Wolf gegen seine Krebserkrankung gekämpft hat; er ist im Juli 2015 gestorben. Das Buch erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der Film- und Fernsehbranche, die sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert hat. Die Autorin jammert darüber nicht, sie hat ja auch, ihrem Lebensmotto folgend, meist eine positive Lösung der Probleme gefunden. Dafür kann man sie durchaus bewundern. Bei der Formulierung der Autobiografie wurde Regina Ziegler von Andrea Stoll unterstützt. Mit 32 Bildseiten am Ende des Bandes. Mehr zum Buch: e510125.rhd

GARTEN DES BÖSEN (1954)

2010 erschien bei Koch Media die erste DVD in der Edition „Western Legenden“, es war der Film WHITE FEATHER von Robert D. Webb, jetzt ist die Nr. 50 erreicht: GARDEN OF EVIL (1954) von Henry Hathaway. Man findet in der Reihe bekann-te und unbekannte Titel dieses Genres, die Kontinuität verdient allen Respekt. – „Garten des Bösen“ nennen die Indianer einen ihnen heiligen Bereich, in dem sich auch eine Goldmine befindet. Dort wurde der Gold-gräber John Fuller verschüttet. Seine Frau Leah holt Hilfe in einem mexikanischen Fischerdorf. Vier Männer – Hooker, Fiske, Daly und Vincente – lassen sich gegen eine versprochene Belohnung auf die Rettungsaktion ein. Sie finden den Verschütteten, bergen ihn verletzt und machen sich auf den Weg zurück. Indianer folgen ihnen bedrohlich. Zuerst wird Daly von einem Pfeil getötet, John gibt plötzlich auf, dann verliert Vincente die Nerven und wird umgebracht. In einem Engpass muss einer der beiden Männer den Rückzug der anderen decken. Fiske verliert, als die Rolle ausgelost wird. Hooker und Leah entkommen. Beeindruckend sind zunächst einmal die Darsteller/innen: Susan Hayward als Leah, Gary Cooper als Hooker, Richard Widmark als Fiske, Cameron Mitchell als Daly, Victor Manuel Mendoza als Vincente, Hugh Marlowe als John. Hathaway wagt grausame Szenen, gedreht wurde im Scope-Format, hinter der Kamera stand Milton Krasner, die Musik komponierte Bernard Hermann. Das Filmmaterial wurde für DVD und Blu-ray remastered, es gibt umfangreiches Bonusmaterial: einen Audiokommentar, ein Making of, Featurettes über Susan Hayward und Henry Hathaway und ein Booklet von Richard Oehmann. Für die Nr. 50 der „Western Legenden“ angemessen. Mehr zur DVD: western_legenden_50_dvd/

Zwischen Propaganda und Unterhaltung

Eine Dissertation, die an der Universität Zürich entstanden ist. Adrian Gerber beschäftigt sich mit dem Kino in der Schweiz zur Zeit des Ersten Weltkriegs. Durch seine Neutralität war dieses Land in der speziellen Lage, selbst keine Filme produzieren zu müssen, die den Krieg propagierten, anderseits wurde es von den entsprechen-den Filmen der Mittelmächte und der Alliierten überschwemmt. Das führte beim Publikum zu dem Wunsch, die eigene nationale Filmproduktion zu stärken. Zwei generelle Kapitel leiten das Buch ein, sie handeln von der Kinoöffentlichkeit und beschreiben Kinokultur und Filmmarkt zwischen 1900 und 1920. Das Hauptkapitel thematisiert „Kriegsfilme und Propagandakonzepte“, die „Organisation ausländischer Propaganda und die Reaktionen in der Schweiz“, die „Öffentliche Auseinandersetzungen mittels Filmen und über Filme“, die „Feindbilder in Spielfilmen und versteckte Propaganda“, die „Filmischen Darstellungen von Kriegsgefangenschaft, Internierung und Flucht“, „Aktualitätenfilm und Authentizität“ sowie „Publikumsverhalten und Rezeptionsmodi“. In Fallstudien werden diese Themen jeweils konkretisiert. Hier stehen vor allem einzelne Filme im Mittelpunkt, zum Beispiel der französische Film PENDAISON PENDANT LE GUERRE ITALO-TURQUE /1911/12), der deutsche Film GRAF DOHNA UND SEINE MÖWE (1917), der amerikanische Film THE BATTLE CRY OF PEACE (1915), der Schweizer Film DIE DURCHREISE DER FRANZÖSISCHEN EVAKUIERTEN DURCH DIE SCHWEIZ (1918), der österreichisch-ungarische Film DIE 10. ISONZOSCHLACHT (1917) und der englische Film THE BATTLE OF THE SOMME (1916). Die Analysen wirken sehr präzise, das Buch insgesamt ist hervorragend recherchiert und hat auch als Beitrag zur Kriegsgeschichte Bestand. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: zwischen-propaganda-und-unterhaltung.html

Zelluloid und Marmor

Éric Rohmer (eigentlich: Jean-Marie Maurice Schérer; 1920-2010) war nicht nur ein bedeu-tender Regisseur, sondern auch ein großer Theoretiker, der 1955 in fünf Essays in den Cahiers du cinéma die Besonderheiten des Films gegenüber dem Roman, der Malerei, der Lyrik, der Musik und der Architektur beschworen hat. Es galt als Manifest der Nouvelle Vague. 2009 führte Rohmer mit Noel Herpe und Philippe Fauvel sechs Gespräche, in denen er seine inzwischen historischen Texte aus heutiger Perspektive kommentierte und in einen aktuellen Zusammenhang stellte. Seine Sprache wirkt im Alter noch radikaler, auch wenn gelegentlich die Ironie ins Spiel kommt. In Frankreich ist das Buch „Le Celluloid et le Marbre“ 2010, kurz nach Rohmers Tod erschienen. Der Alexander Verlag hat jetzt eine deutsche Übersetzung publiziert, die uns die Bedeutung des Theoretikers Rohmer begreifen lässt. Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang daran, dass er mit einer Dissertation über den Faustfilm von Friedrich Wilhelm Murnau 1972 in Paris promoviert wurde (den Text hat 1980 der Hanser veröffentlicht). Der Übersetzer Marcus Seibert hat zu „Zelluloid und Marmor“ ein kluges Nachwort geschrieben. Mehr zum Buch: erschienen&start=