FREUD (1962)

2016-dvd-freudDies ist kein Biopic über das Leben des großen Psychoana-lytikers, der Film konzentriert sich auf die Jahre 1885 bis 1890, als Siegmund Freud zunächst in Wien, dann in Paris und anschließend wieder in Wien Erfahrungen mit der Hypnose von Patienten macht und erste Möglichkeiten entdeckt, das Unterbewusstsein zu erforschen. Als Präzedenzfall dient ihm die Patientin Cecily Koertner (gespielt von Susannah York), die sich nicht von den Beeinflussungen ihrer Mutter und ihres Vaters befreien kann. Auch Freuds eigenes zwiespältiges Verhältnis zu seinen Eltern wird thematisiert. Der Film – in Schwarzweiß gedreht – wirkt gelegentlich wie ein Lehrfilm, weil er mit vielen, sich wiederholenden Effekten operiert und vorwiegend die Krankheitsfälle im Auge hat. Montgomery Clift in der Titelrolle ist beeindruckend, auch wenn man weiß, dass die Zusammenarbeit mit dem Regisseur John Huston damals sehr problematisch war. Hustons Versuch, Jean Paul Sartre als Drehbuchautor zu gewinnen, scheiterte, weil dem Autor das Buch aus dem Ruder lief. So schrieben die Autoren Charles Kaufman und Wolfgang Reinhardt die endgültige Vorlage. Der Film lief 1963 im Wettbewerb der Berlinale, bekam aber keinen Preis. Die deutsche Fassung, die anschließend im Kino zu sehen war, wurde um zwanzig Minuten gekürzt. Bei Pidax ist jetzt eine DVD des Films erschienen. Sie enthält die ungekürzte Fassung, die damals gekürzten Szenen haben deutsche Untertitel, die englische Fassung ist nicht untertitelt. Als „Booklet“ ist ein Faksimile der „Illustrierten Film-Bühne“ beigefügt. Trotz mancher Schwächen fand ich den Film sehenswert. Mehr zur DVD: Freud::935.html

Georg Stefan Troller

2016-georg-stefan-trollerEr war einer der großen deutschen Fernsehjourna-listen, dessen Magazin „Pariser Journal“ und dessen Porträt-reihe „Personen-beschreibung“ Geschichte geschrieben haben. Am 9. Dezember wird Georg Stefan Troller 95 Jahre alt. Die Deutsche Kinemathek widmet ihm zurzeit eine Werkschau, die noch bis zum 18. Dezember im Bundesplatz-Kino und parallel vom 9. bis 18. Dezember im Zeughauskino stattfindet. Das ist eine Gelegenheit, seine wunder-baren Feuilletons und einige Filme, zu denen er die Drehbücher geschrieben hat, wiederzusehen. Britta Hartmann und Gerlinde Waz haben zur Werkschau ein Booklet herausgegeben, das sehr lesenswert ist. Von Hans-Dieter Grabe stammt ein Grußwort („Katzenbeschrei-bungen“). Von Georg Stefan Troller ist (etwas gekürzt) ein Artikel aus der Zeitschrift Lettre International abgedruckt. Britta Hartmann schreibt in einem beeindruckenden Essay über die Dokumentarfilme von Georg Stefan Troller. Mit dem Kameramann Carl F. Hutterer und der Schnittmeisterin Elfi Kreiter hat Gerlinde Waz Gespräche geführt. Es werden dann die in der Werkschau gezeigten Filme vorgestellt, und man erfährt, welche Filme von Troller in der Sammlung Fernsehen der Deutschen Kinemathek vorhanden sind. Mit vielen Abbildungen. Hier gibt es eine pdf-Datei des Booklets: Troller-Werkschau_booklet.pdf

Mündungsfeuer

2016-muendungsfeuerFür den amerikanischen Western waren die 1950er Jahre eine erfolgreiche Zeit. Unvergessen sind die Filme von John Ford, Howard Hawks, Anthony Mann, Delmer Daves oder John Sturges. Wie am Fließband wurden damals auch die sogenannten B-Western gedreht, die kürzer und billiger sein mussten als die großen Produktionen. Ihnen ist ein Buch von Gregor Hauser gewidmet, in dem die 50 besten B-Western der 50er Jahre und ihre Stars gewürdigt werden. Es ist eine schöne Hommage an ein Genre, das ich schon in meiner Jugend geliebt habe. Der Autor hat klug ausgewählt und stellt die Filme mit einer kurzen Inhaltsangabe und einer Analyse vor, die ihn als Westernkenner ausweisen. Zu den Regisseuren, die mit mehr als einem Titel vertreten sind gehören Budd Boetticher und George Sherman (je 5), Jack Arnold, Allan Dwan und Joseph M. Newman (je 3), Gordon Douglas, Hugo Fregonese, Phil Karlson, Harry Keller, Raoul Walsh und Robert D. Webb (je 2). Voraussetzung für die Würdigung war die Verfügbarkeit als DVD. Viele B-Western jener Zeit erscheinen übrigens in der DVD-Reihe „Western Legenden“ bei Koch Media. Im zweiten Teil des Buches werden 24 Stars des B-Western in kleinen Porträts vorgestellt, darunter Audie Murphy, Fred MacMurray, George Montgomery, Jeff Chandler, Joel McCrea, Lex Barker, Randolph Scott, Rock Hudson, Sterling Hayden, Dorothy Malone, Joanne Dru und Yvonne De Carlo. Dorothy Malone (* 1925) ist die einzige, die noch am Leben ist. Mit zahlreichen Abbildungen, zum Teil mit den Titelseiten von Filmprogrammen. Auf dem Cover des Buches erkennt man Lex Barker, Audie Murphy und Randolph Scott. Mehr zum Buch: index.php?id=183

Rumänienbilder

2016-rumaenienbilderRumänien ist für mich ein fernes Land im Südosten Europas, ich war nie dort, weiß aber, dass es über eine kreative Filmszene verfügt (Radu Gabrea, Cristian Mungiu, Cristi Puiu). Das Buch „Rumänienbilder“, herausge-geben von Dennis Gräf und Verena Schmöller, informiert in elf Texten über mediale Selbst- und Fremddarstellungen des Landes. Es geht um Stefan den Großen, den Marschall Ion Antonescu, den Hochstapler und Literaten Georges Manolescu, deutschsprachige Schriftstelle-rinnen aus Rumänien (Anemone Latzina, Herta Müller, Carmen Elisabeth Puchianu), um Richard Wagners Roman „Miss Bukarest“, um die Rolle rumänischer und bulgarischer Migranten in der medialen Berichterstattung, Rumäniens Beiträge beim Eurovision Song Contest und um die Darstellung Transsylvaniens in Vampir-Videospielen. In drei Beiträgen wird der Film thematisiert: Teresa Scheurl und Dieter Müller beschäftigen sich mit der Darstellung der Geschichte im rumänischen Film der 1960er bis 80er Jahre. Bei Dennis Gräf geht es um Geschlechterkonstruktionen im deutschen Vampirfilm. Und Verena Schmöller hat kluge Gedanken zum „neuen“ rumänischen Film. Nach der Lektüre des Buches ist das Land Rumänien nicht mehr ganz so weit entfernt. Für die Coverabbildung wurde ein Foto aus dem Film DER TYRANN (1968) von Mircea Dragan verwendet. Mehr zum Buch: 515-rumaenienbilder.html

Leni Riefenstahl

2016-riefenstahlSie war Tänzerin, Schauspie-lerin und Regisseurin, wurde 101 Jahre alt und stand in einem zwiespältigen Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. Leni Riefenstahl (1902-2003) ist das neue, 44. Heft der Film-Konzepte gewidmet, das Jörg von Brincken herausgegeben hat. Zehn Beiträge erweitern den Blick auf Riefenstahls Werk. Katja Schneider beschäftigt sich mit den Tanzfiguren der frühen LR. Der Musikwissenschaftler Jürgen Schläder untersucht in seinem Text „Zwischen musikalischem Realismus und klingender Folklore“ die Musik in Riefenstahls Tonfilmen. Johannes Geng stellt eine Glorifizierung des arischen Lebens in und durch die Großaufnahme bei LR fest. Daniela Kalschauer entdeckt Spuren des Faschistischen in dem Film TIEFLAND. Johannes Wende sieht Momente unwahrscheinlicher Komik in dem Parteitagsfilm SIEG DES GLAUBENS. Ivo Ritzer schlägt einen Bogen von LR zu den amerikanischen Filmen von Mel Brooks und Paul Verhoeven („Frühling für Riefenstahl“). Christopher Balme beschäftigt sich mit der Form der Filme von LR und ihrer Fotos aus Afrika. Oliver Jahraus erinnert an LRs Arbeiten unter Wasser. Marcus Stiglegger reflektiert über die Konstruktion des „faschistischen Körpers“. Jörg von Brincken analysiert den Film DAS BLAUE LICHT („Erotische Bildmacht“). Mit Biografie und Abbildungen. Mehr zum Heft: 9783869165158#.WB-LRCjzTV4

Medienarchive

2016-medienarchiveDas „Jahrbuch Medien und Geschichte“ widmet sich in 15 Beiträgen den Medienarchiven als Gedächtnis- und Erinne-rungsorten. Ich nenne neun Texte, die mir besonders gut gefallen haben. Leif Kramp fragt – unter dem Eindruck medien-politischer Vernachlässigung des Archivbereichs – nach den Konsequenzen für die For-schung am Beispiel des Fernseherbes. Edgar Lersch formuliert Grundsätze der AV-Medienarchivierung im Kontext allgemeiner archivwissen­schaftlicher Erkenntnisse. Reinhold Viehoff verweist auf Probleme, die durch mediale Repräsentationen von „Geschichte(n)“ neuerdings verstärkt werden. Bei Yvonne Robel geht es um cross-mediale Geschichtsschreibung im Unterhaltungsformat am Beispiel von „Suchkind 312“. Sandra Nuy beschäftigt sich mit Film, politischem Mythos und Gedächtnis am Beispiel der RAF. Thomas Wilke richtet den Blick auf die Archivfunktion und Geschichtsinszenierung in populären Fernsehserien am Beispiel von Rome. May Jehle vergleicht Unterrichtsaufzeichnungen aus der DDR und der Bundesrepublik in den 1970er und 80er Jahren. Clemens Schwender und Jens Ebert erinnern an die Alltagskommunikation über Medienereignisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, dokumentiert im Feldpost-Archiv in Berlin. Yulia Yurtaeva denkt nach über die Zukunft der privaten Internetplattformen als Medienarchive und die Öffnung neuer Forschungsräume. Der Band versammelt die Beiträge der 45. Jahrestagung des „Studienkreises Rundfunk und Geschichte“, die im Mai 2015 in Wien stattgefunden hat. Sie sind sehr lesenswert. Mehr zum Buch: geschichten-repraesentationen-fiktionen/

Rezeption und Wirkung fiktionaler Medieninhalte

2016-rezeptionRezeptionsforschung ist ein wichtiger Bereich der Publi-zistik- und Kommunikations-wissenschaft. Das vorliegende Buch ist bereits Band 35 der „Reihe Rezeptionsforschung“. Es geht zurück auf die Jahres-tagung der Fachgruppe Rezeptions- und Wirkungs-forschung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, die im Januar 2015 in Bamberg stattgefunden hat. Elf Beiträge setzen sich mit der Rezeption und Wirkung fiktionaler Medieninhalte auseinander. Mriam Czichon und Daniela Schlütz beschäftigen sich mit der fiktionalen TV-Serie als kommunikations-wissenschaftlichem Forschungsgegenstand. Monika Suckfüll informiert über „Filmische Mittel der Distanzierung und ihre Funktion im Rezeptionsprozess“. Nicole Liebers und Holger Schramm untersuchen „Parasoziale Interaktionen und Beziehungen mit fiktionalen Medienfiguren“. Matthias Hofer reflektiert über den „Einfluss von Faktualität und Fiktionalität auf eudaimonisches Unterhaltungserleben“. Bei Matthias Hofer, Andreas Hüsser und Patricia Brandao geht es dann um den „Einfluss von Avataremotionen auf das Emotionserleben bei Computerspielen“. Cordula Nitsch und Carsten Wünsch informieren über „Ein Prolonged-Exposure-Experiment zur Wirkung von fiktionalen Politikdarstellungen auf die Politikverdrossenheit der Rezipienten“. Carsten Wünsch und Miriam Czich fragen nach dem „Agenda-Setting und Medien-Priming durch fiktionale Medienhalte“. Patrick Weber schreibt über die „Bedeutung von Transportation und Toleranzprozessen“. Hanna Gölz, Julia Niemann und Michael Schenk richten den Blick auf eine Studie zu den Kultivierungseffekten von Scripted Reality unter Berücksichtigung der Wahrnehmung des Inszenierungscharakters. Hannah Ziegler, Olaf Jandura und Marco Dohle haben Jugendliche nach dem Realitätsgehalt von Scripted-Reality-Sendungen befragt. Und sieben Autorinnen und Autoren beschäftigen sich damit, wie die Nutzung der heute-show die politischen Einstellungen von jungen Erwachsenen beeinflussen kann. Das alles geschieht auf hohem theoretischem Niveau und fordert vom Leser einiges Vorwissen. Mehr zum Buch: product=24955

Manfred Krug

2016-dvd-manfred-krugEr war einer der beliebtesten Schauspieler der DEFA. Er hat von 1957 bis zu seiner DDR-Ausreise 1977 über 40 Kinofilme gedreht, von denen ich viele sehr geschätzt habe. Am 21. Oktober ist er im Alter von 79 Jahren in Berlin verstorben. Bei Icestorm ist jüngst eine Box mit sechs Filmen erschienen, die man mit großem Vergnügen wiedersehen kann: In SPUR DER STEINE (1966) spielt er unter der Regie von Frank Beyer den Vorarbeiter Hannes Balla, der auf einer Großbaustelle den Ton angibt und mit der Partei über Kreuz liegt. In Ostberlin war der Film damals nur kurzfristig zu sehen, er wurde wegen „antisozialistischer Tendenzen“ verboten und kam erst 1989 wieder zum Einsatz. – FRAU VENUS UND IHR TEUFEL (1967) ist eine Komödie, angesiedelt im Mittelalter und in der Neuzeit, mit Manfred Krug als Hans Müller und als Tannhäuser, die Ralf Kirsten inszeniert hat. – MEINE STUNDE NULL (1970) erzählt die Geschichte des Gefreiten Kurt Hartung (Krug), der 1944 in sowjetische Gefangenschaft gerät und mit zwei sowjetischen Soldaten einen deutschen Offizier entführen soll. Regie: Joachim Hasler, Drehbuch: Jurek Becker. – WIE FÜTTERT MAN EINEN ESEL? (1974) gilt als originelles Roadmovie mit Manfred Krug als Fernfahrer Fred auf der Fahrt von Dresden nach Bulgarien, versetzt mit vielen Musikeinlagen. Regie: Roland Oehme. – FEUER UNTER DECK (1977) war Krugs vorletzter DEFA-Film, der damals auch nicht im Kino zu sehen war, weil der Hauptdarsteller nach der Biermann-Petition einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Krug spielt hier den Kapitän eines Radschleppdampfers auf der Elbe, der von seinem Schiff Abschied nehmen muss, aber noch einen gefährlichen Einsatz erfolgreich abschließt. Seine Partnerin „Caramba“ spielt Renate Krößner. Regie: Herrmann Zschoche. – Auch DAS VERSTECK (1978) kam mit Verspätung in die DDR-Kinos: eine Dreiecks-Geschichte mit Jutta Hoffmann, Manfred Krug und Dieter Mann, von Frank Beyer – nach einem Drehbuch von Jurek Becker – sehr einfühlsam inszeniert. So nehmen wir Abschied von einem großen Schauspieler. Mehr zur DVD-Box: manfred-krug-edition.html

Hipster, Gangster, Femmes fatales

2016-hipster-kleinEine Dissertation, die an der Musikhochschule Dresden entstanden ist. Konstantin Jahn ist Musikwissenschaftler und hat eine große Affinität zum Film. Die ist auch gefordert, wenn man sich auf die Suche nach dem Jazz in der internationalen Filmgeschichte macht. Zunächst werden vom Autor die theoretischen Voraussetzungen und die Methodik geklärt. Dann folgen in 13 Kapiteln die konkreten Ergebnisse: Jazz und früher Stummfilm – Exzess, Emanzipation und Kunst im Jazz Age – Jazz und der frühe amerikanischen Tonfilm (THE JAZZ SINGER und KING OF JAZZ) – Das jazzige Hollywood-Musical (42ND STREET, TOP HAT, HALLELUJAH) – Der Swing Craze – Deutscher Exkurs: Jazz und Ideologie im swingenden Schlagerfilm (von der Weimarer Republik bis in die 1960er Jahre) – Die Stadt, der Sex und der Rausch (Film noir, sozialer Problemfilm und der „Hollywood Jazz“ der 1950er Jahre) – Die Etablierung des Jazz in der Filmmusikkomposition (Henry Mancini, Space-Age-Jazz und europäische Jazzsoundtracks) – Action, Horror, Porno und Science-Fiction (Jazz im Genre-Kino) – Jazz-Cartoons (Carl Stalling, Raymond Scott und Jazz als postmodernes Konzept) – Abstraktion und absolute Nähe (Experimentalfilm und Dokumentation) – Bedeutungsverlust und Verdichtung der Klischees (Jazz im Film seit den 1980er Jahren) – Conclusio (Jazz in Film und Filmmusik als Spiegel sozialer und ästhetischer Entwicklungen). 80 Abbildungen zeigen faksimilierte Partiturausschnitte. Es ist erstaunlich, dass man auch ohne musiktheoretische Kenntnisse die meisten Ausführungen versteht. Insofern: Basisliteratur für Filmfreunde. Mehr zum Buch: 9783869165011#.WAoeNyiJbV4

Alfred Kerr – Die Biographie

2016-alfred-kerrEr war der herausragende Theaterkritiker in Deutschland von 1900 bis 1933. Seine pointierten, oft sarkastischen, aber auch entdeckungsfreudigen Texte – jeweils römisch nummerierte Absätze – waren bei der Leserschaft beliebt und teilweise umstritten. Er galt als eitel und duldete keinen Widerspruch. Seine heftigsten Kontroversen hatte er mit Karl Krauss und Siegfried Jacobsohn. Von 1900 bis 1919 schrieb er vor allem für die Zeitung Der Tag, dann für das Berliner Tageblatt. Der Film wurde von ihm respektiert, es gibt einige interessante Texte, darunter einen Essay über den „Russenfilm“ (Eisenstein), aber keine Filmkritiken. Alfred Kerr (1867-1948) musste 1933 wegen seiner jüdischen Herkunft ins Exil gehen. Er lebte und arbeitete ab 1935 in London. Die Biographie von Deborah Vietor-Engländer, Herausgeberin von zwei Bänden der Alfred Kerr-Werkausgabe, ist hervorragend recherchiert und spannend zu lesen. Die vier Teile (Der Junge aus Breslau – Die Eroberung der Pankestadt – In der Republik – Der Sturz ins Nichts) erzählen weitgehend chronologisch das Leben des Weinhändler-Sohns, der mit zwanzig Jahren nach Berlin geht und nach seiner Promotion schnell als Autor und Journalist Karriere macht. Neben dem Theater waren ihm Reisen – und das Schreiben darüber – besonders wichtig. Vietor-Engländer zitiert in ihrer Biographie ausführlich aus Kerrs Texten, sie hat viele kleine Kapitel gebildet, die thematische Zusammenhänge schaffen; eines, „Das Alte und das Neue“ (S. 350-353), handelt vom Film und Kerrs Tätigkeit als Juror für die Film-Oberprüfstelle. Auch sein Privatleben kommt zur Sprache. Ich habe Texte von Alfred Kerr immer gern gelesen, wusste aber bisher wenig über sein Leben. Das hat sich nach der 640-Seiten-Biographie geändert. Mehr zum Buch: alfred-kerr.html