Salman Rushdie (Weihnachtsgeschenk 11)

Wenn man sich selbst ein Buch zu Weihnachten schenken will, weil man da eine Woche Zeit zum Lesen hat, dann ist der neue Roman von Salman Rushdie dafür bestens geeignet. Er erzählt die spannende Geschichte von Nero Golden und seinen drei Söhnen, die von Bombay nach New York auswandern und dort vielen Gefahren ausgesetzt sind, denn sie werden von äußeren und inneren Feinden verfolgt. Ihr Nachbar ist der Autor und Filmemacher René Unterlinden, dessen Eltern bei einem Auto-unfall sterben, der zu einem Freund der Familie Golden wird und beschließt, über sie einen Film zu drehen. Zu großen Teilen wird die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, aber Perspektivwechsel gehören zur Dramaturgie dieses Buches und erhöhen die Spannung. Eine eigene Ebene ist der Filmgeschichte gewidmet. Sie wird mit unendlich vielen Titeln ins Spiel gebracht, vom CABINET DES DR. CALIGARI über RASHOMON und die APU-Trilogie bis zu PSYCHO, SHAKESPEARE IN LOVE und LA LA LAND; der Autor verfügt in diesem Bereich über einen erstaunlich großen Wissenshorizont. Die Kernhandlung des Romans ist auf die Zeit zwischen 2008 bis 2016 datiert, vom Tag der Amtseinführung des Präsidenten Obama bis zur Wahl des neuen Präsidenten Trump, der im Buch die Rolle des Joker von Gotham City übernimmt. 500 Seiten, von Sabine Herting sehr gut übersetzt, erschienen bei Bertelsmann. Dies ist mein letzter Geschenkvorschlag in diesem Jahr. Mehr zum Buch: e527561.rhd

Filmkalender (Weihnachtsgeschenk 10)

Man kann sich von einem schönen Filmkalender durchs Jahr begleiten lassen. Er erscheint seit vielen Jahren im Schüren Verlag und registriert für jeden Tag die Künstler aus der Film- und Fernsehwelt, die auf die Welt kamen oder sie verlassen haben. Zum Beispiel: Am 1. September wurden 1922 der Schauspieler Vittorio Gass-man, 1939 die Schauspielerin Lily Tomlin, 1944 der Filme-macher Harun Farocki geboren und der Schauspieler Gottfried John starb 2014. Am 29. Juni starben der Komponist Bernard Herman, die Schauspielerinnen Jayne Mansfield und Lana Turner und der Schauspieler Vittorio Gassman, es wurden der Schauspieler Gary Busey und die Schauspielerin Amanda Donohoe geboren. Es ist ein Wechselspiel zwischen Geburt und Tod. Zwischen die Kalendertage sind kleine Texte eingefügt, zum Beispiel über John Carpenter (* 16. Januar 1948), Sergei Eisenstein (22. Januar 1898 – 11. Februar 1948), die Casting-Agentur von William Morris (gegründet 1898), Daniel Brühl (* 16. Juni 1978), Stanley Kubrick (26. Juli 1928 – 7. März 1999), Gillian Anderson (* 9. August 1968), Tim Burton (* 25. August 1958), Samuel L. Jackson (* 21. Dezember 1948). Der Anhang enthält eine Auflistung von Adressen und Hinweise auf Festivals. Die Texte stammen von Daniel Bickermann, Nils Bothmann, Maxi Braun, Werner Busch, Philipp Fernandes do Brito, Marc Hairapetian, Pascal Maslon und Stefanie Schrank. Bild- und Textredaktion: Werner Busch und Nils Bothmann. Ein kleines Büchlein zum Verschenken an Filmfans. Mehr zum Kalender: 55-filmkalender-2018.html

Annette Dittert (Weihnachtsgeschenk 9)

Sie war von 2008 bis 2015 ARD-Korrespondentin London, wir haben ihre Eloquenz und ihren Charme bewundert, wenn sie von der briti-schen Insel berichtet hat. „London Calling“ hieß ihr Video-Blog bei tagesschau.de und ist jetzt ein Buch von Annette Dittert, aus dem man viel über das Denken und Fühlen der Engländer erfährt. In 14 Kapiteln erzählt die Autorin über das Leben in ihren Hausboten Emily und Emilia in Little Venice, über die Straßen von Spitalfields, Ausflüge nach Nordeng-land, die Portobello Road und Notting Hill, über Gärten und Kirchen, die Skepsis der Briten gegenüber Europa, das Königshaus und speziell Prince Charles, über Paddington und den berühmtesten Bären der Welt, über das besondere Verhältnis der Briten zum Sex, den Winter in London, einen Ausflug nach Tissington und einen vergessenen Friedhof. Immer sind die Erzählungen mit Men-schen verbunden, die Annette Dittert trifft, die ihre eigenen Meinungen haben und diese auch offen vertreten. Der Brexit spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Es gibt natürlich Gegner und Befürworter, die Argumente sind nachvollziehbar. Die Sprache des Buches ist lebendig, der Ton meist liebevoll und am Ende weiß man mehr über die Stadt an der Themse und das Land als zuvor. Wir fahren seit vielen Jahren gern nach London. Vielleicht lese ich dieses Buch bei der nächsten Reise noch einmal. Es ist ein wunderbares Weihnachts-geschenk für alle, die sich in ihrer Zuneigung zu London vom Brexit nicht abschrecken lassen. Mehr zum Buch: buch-8943/

Charles Willeford (Weihnachtsgeschenk 8)

Charles Willeford (1919-1988) ist als Schriftsteller vor allem durch seine Kriminalromane bekannt geworden. In den 1980er Jahren publizierte er vier Romane, in denen der glatz-köpfige, schwergewichtige Detektiv Hoke Moseley in Miami sein Protagonist war. 1962 erschien in den USA „Cock-fighter“, die Geschichte des Hahnenkämpfers Frank Mansfield, der durch Unacht-samkeit einen wichtigen Kampf verliert und schwört, nicht mehr zu sprechen, bis er die Auszeich-nung als Hahnenkämpfer des Jahres gewinnt, was ihm am Ende auch gelingt. Geschrieben als stoisch formulierte Ich-Erzählung. 1990 gab es eine deutsche Über-setzung von Rainer Schmidt bei Ullstein, die wir gern gelesen haben. Jetzt hat der Alexander Verlag eine Überarbeitung veröffentlicht, die im Anhang erstmals die Übersetzung von Willefords „Cockfighter Journal“ enthält, einem Tagebuch, das er während der Verfilmung seines Romans durch den New Hollywood-Regisseur Monte Hellman geschrieben hat. Produzent war damals Roger Corman, Willeford hatte das Drehbuch verfasst und trat in einer Nebenrolle als Kampfrichter auf. Sein Text ist so lakonisch und pointiert wie sein Roman. Eine spannende Lektüre und ein schönes Weihnachtsgeschenk für alle, die sich für amerikanische Südstaatenliteratur interessieren und auch noch ein bisschen für New Hollywood. Mehr zum Buch: hahnenkaempfer.html

Film Stadt Berlin (Weihnachtsgeschenk 7)

„Film Stadt Berlin“ heißt eine DVD-Reihe von Icestorm, in der bekannte und weniger bekannte Filme, meist von der DEFA produziert, mit Geschichten über Menschen in dieser Stadt zu er-werben sind. Nr. 1: EINE BERLINER ROMANZE (1956) von Gerhard Klein. Uschi (Annekathrin Bürger in ihrer ersten Rolle) lernt den Beruf der Ver-käuferin im HO-Warenhaus am Alexanderplatz, Hans (Ulrich Thein) arbeitet zunächst als Autowäscher und dann in einem Abbruchunternehmen in Westberlin. Ihre Liebesgeschichte könnte nach vielen Hindernissen glücklich enden, aber das bleibt offen. Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase. Schwarzweiß, viele komische Momente, nah an der Wirklichkeit.

Nr. 2: LEICHENSACHE ZERNIK (1971) von Helmut Nitzschke. Ein Kriminalfilm, der die Zerrissenheit der Viersektorenstadt Berlin im Jahr 1948 thematisiert. Hauptfigur ist der junge Kriminalanwärter Kramm (gespielt von Alexander Lang), der zusammen mit Kriminalrat Stübner (Kurt Böwe) und Oberrat Kleinert (Norbert Christian) einen Frauenmörder verfolgt. Mit her-vorragenden Darstellerinnen (Anne-mone Haase, Lissy Tempelhof, Käthe Reichel, Agnes Kraus) in diversen Nebenrollen. Ursprünglich sollte Gerhard Klein Regie führen, der aber nach zehn Drehtagen verstarb. Am Drehbuch und seiner Realisierung war Wolfgang Kohlhaase beteiligt. Schwarzweiß, spannend.

Nr. 3: HEUTE ABEND UND MORGEN FRÜH (1979) und MOTIVSUCHE (1989) von Dietmar Hochmuth. HEUTE ABEND… ist sein Diplomfilm an der Moskauer Filmhochschule, dauert 50 Minuten und zeigt Momente im Leben einer Zahnärztin (Christine Schorn) am Freitagabend am Alexanderplatz und am Samstagmorgen zu Hause mit ihrem Mann (Rolf Hoppe) , während der Sohn in der Schule ist. Schwarzweiß, authen-tisch. MOTIVSUCHE erzählt von den Schwierigkeiten eines Dokumentarfilm-regisseurs, der endlich einen Spielfilm drehen will und dabei scheitert, weil seine Protagonisten sich mit ihm und untereinander zerstreiten. Gedreht kurz vor dem Mauerfall.

Nr. 4: FRÜHLING IN BERLIN (1957) von Arthur Maria Rabenalt. Ein Flug von Wien nach Kopenhagen muss wegen schlechten Wetters in Berlin unterbrochen werden. Die meisten Passagiere sind darüber sauer, aber der erzwungene Aufenthalt klärt auch einige Konflikte. Nach zwei Tagen treffen sie sich in besserer Stimmung in Tempelhof wieder. Eine Kurt Ulrich-Produktion mit prominenten Darstel-lern: Walter Giller, Sonja Ziemann, Gardy Granass, Gerhard Riemann, Dietmar Schönherr. Wunderbar: Martha Eggerth als Sängerin, Wolf-gang Neuss als Bankräuber, Wolfgang Völz als Zeitungsverkäufer. Ein Werbefilm für die Stadt aus westlicher Perspektive.

Nr. 5: GESCHICHTEN JENER NACHT (1966/67). Vier Episoden aus der Nacht vor Beginn des Mauerbaus, vom 12. zum 13. August 1961. In PHÖNIX von Karlheinz Carpentier entschließt sich ein Kampfgruppenkommandant (Hans Hardt-Hardtloff), zu einem jungen Genossen großzügig zu sein. In DIE PRÜFUNG von Ulrich Thein entschei-det sich ein 18jähriges Mädchen (Jenny Gröllmann), nicht in den Westen zu gehen. In MATERNA von Frank Vogel steht ein Maurer (Ulrich Thein) mit Gewehr Posten. In DER GROSSE UND DER KLEINE WILLI von Gerhard Klein ändert der kleine W (Jaecki Schwarz) seine Meinung zu Gunsten der DDR und des großen W (Erwin Geschonneck). Wirkt heute alles etwas propagandistisch.

Nr. 6: DÄMMERUNG – OSTBERLI-NER BOHÈME DER 50ER JAHRE (1993) und THEATERARBEIT – DAS BERLINER ENSEMBLE IM 25. JAHR (1975) sind zwei Dokumentarfilme von Peter Voigt. Er hat in beiden Fällen umfangreiches Archivmaterial ausge-wertet. Der Blick zurück in die 50er Jahre wird begleitet von persönlichen Erinnerungen, u.a. kommen Rolf Ludwig, Hans-Dieter Knaup, Stefan Lisewski, Ekkehard Schall und Werner Stötzer zu Wort.  THEATERARBEIT zeigt Ausschnitte aus Proben und Vorstellungen, ergänzt durch Interviews. Christian Lehmann war Kameramann bei beiden Filmen.

Nr. 7: DER FACKELTRÄGER (1957) von Johannes Knittel sollte eine Satire zur Situation der Justiz in Westberlin sein, galt aber schon damals als nicht gelungen, wurde zwei Jahre unter Ver-schluss gehalten und nur in der DDR-Provinz gezeigt. Ein Gerichtsfilm, in dem es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Karriere geht. Der Oberstaatsan-walt Dr. Sänger (dargestellt von Her-mann Kiessner) wird am Ende trotz Misserfolgs an den Bundesgerichtshof berufen. In einer Nebenrolle ist Ruth-Maria Kubitschek zu sehen. Drehbuchautor war der Strafverteidiger Friedrich Karl Kaul. Unter den hier versammelten Filmen der schwächste.

Die DVDs sind ein schönes Geschenk für alle, die sich für Berliner Geschichte(n) interessieren. Mehr zu den DVDs: filmstadt-berlin-vorteilspaket.html 

Wim Wenders (Weihnachtsgeschenk 6)

Wim Wenders nimmt uns in diesem wunderbaren Buch mit auf eine Zeitreise in die 1970er Jahre, als er mit großer Leidenschaft Polaroid-Fotos gemacht hat, die etwas völlig anderes waren als heute sogenannte „Selfies“. Es gelingt ihm in seinem Text – geschrieben auf einer alten Olivetti-Schreibmaschine – , die Ein-maligkeit dieser Fotos sehr präzise zu definieren. 403 Polaroids sind abgebildet und verbinden sich mit 36 Geschichten dazu, die uns durch ein Jahrzehnt der Filmgeschichte führen. Damals entstanden DIE ANGST DES TORMANNS BEIM ELFMETER, DER SCHARLACHROTE BUCHSTABE, ALICE IN DEN STÄDTEN, FALSCHE BEWEGUNG, IM LAUF DER ZEIT, DER AMERIKANISCHE FREUND und NICK’S FILM – LIGHTNING OVER WATER. Daran waren u.a. Peter Handke, Robby Müller, Senta Berger, Rüdiger Vogler, Yella Rottländer, Hanns Zischler, Bruno Ganz und Dennis Hopper, Ed Lachmann und Nicholas Ray beteiligt, die nicht nur auf Fotos zu sehen sind, sondern auch in Wims Text eine Rolle spielen. Außerdem gibt es Fotos von seinen Reisen nach Amerika, die ihn zum ersten Mal nach New York, San Francisco und Los Angeles geführt haben, und überraschend mischt sich auch die Fotografin Annie Leibovitz ins Geschehen ein (sieben Fotos stammen von ihr). Dank der inzwischen aktiven Wim Wenders Stiftung sind die alten, von ihm schon fast vergessenen Polaroids inzwischen gesichert worden und kommen in diesem Buch zu einer neuen Bedeutung. Ein schönes Geschenk für alle, die sich mit Fotografie beschäftigen und/oder an den Filmen von Wim Wenders interessiert sind. Mehr zum Buch: 4usicdam3d0ri7

The Crown (Weihnachtsgeschenk 5)

Die britische Fernseh-serie THE CROWN erzählt das Leben der Königin Elisabeth II., beginnend mit ihrer Hochzeit im Jahr 1947. Die erste Staffel mit zehn Folgen ist seit November 2016 auf Netflix zu sehen, die zweite Staffel gibt es seit 8. Dezember. Autor ist Peter Morgan. Die Serie hat ein hohes Niveau, Regie führten Stephen Daldry, Philip Martin, Julian Jarrold und Benjamin Caron. Die junge Königin Elisabeth wird sehr eindrucksvoll von Claire Foy gespielt, Darsteller des Herzog Philip ist Matt Smith. Im Edel Verlag ist jetzt ein sehr empfehlenswertes Buch erschienen, das die ersten zehn Folgen, also die Zeit von 1947 bis 1956, in Texten und Bildern vertieft. Der Verfasser, Robert Lacey, ist Hofhistoriker, er verknüpft geschickt die fiktionale Ebene der Serie mit den historischen Fakten und Hintergründen. Farbigen Szenenbildern der Serie stehen dokumentarische Schwarzweißfotos gegenüber. Viel Platz bekommen die historischen Figuren, die mit dem Geschehen jener Jahre verbunden waren: die königliche Familie, der Hof, die königlichen Kreise, die Welt der Politik (speziell: Winston Churchill) und andere Persönlichkeiten; auch einige fiktive Figuren werden vorgestellt. Jeder der zehn Folgen sind rund 30 Seiten gewidmet. Das Buch ist ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk für alle, die sich – trotz Brexit – für englische Geschichte, für die Monarchie und/oder für englische Serien interessieren. Mehr zum Buch: https://buch-findr.de/buecher/the-crown/

Ingeborg Bachmann (Weihnachtsgeschenk 4)

Sie war eine der großen und immer etwas geheimnisvollen österreichischen Autorinnen von den 1950er bis in die 70er Jahre, und auch nach ihrem Tod 1973 hat sie die literarische Welt sehr beschäftigt: mit Inter-pretationen, aber auch mit Spekulationen über ihr Leben und ihren plötzlichen Tod. Seit 1977 wird in ihrer Geburtsstadt Klagenfurt in jedem Jahr der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Ina Hartwig, viele Jahre Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau und seit 2016 Frankfurter Kulturdezer-nentin, hat jetzt im S. Fischer Verlag ein sehr lesenswertes Buch über Ingeborg Bachmann publiziert. Sie nennt es „Eine Biographie in Bruchstücken“. Jedes der acht Kapitel hat einen Schwerpunkt, beginnend mit ihrem rätselhaften Sterben, dann geht es um ihr Verhalten vor der Kamera, um die Beziehung zu Paul Celan, ihr politisches Denken und Handeln, um ihren Aufenthalt in Berlin von 1963 bis 1965, das Leben in Rom und auf Reisen und schließlich um das Verhältnis zu ihren Eltern, vor allem zu ihrem Vater. Ina Hartwig hat hervorragend recherchiert (der Zugang zu einigen Quellen, zum Beispiel von Max Frisch, ist allerdings noch verschlos-sen) und mit zahlreichen Zeitzeugen Gespräche geführt. Darüber berichtet sie sehr anschaulich in einem eigenen, letzten Kapitel. Hier kommen Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Klaus Reichert, Klaus Wagenbach, Peter Handke, Martin Mumme, Marianne Frisch, Hans-Ulrich Treichel, Christine Koschel und Inge von Weidenbaum, Adolf Opel, Joachim Unseld, Peter Härtling, Renate von Mangoldt, Günter Herburger und Henri Kissinger zu Wort. Man spürt beim Lesen die Neugier und Empathie von Ina Hartwig, dem Leben und Werk von Ingeborg Bachmann näher zu kommen und gerecht zu werden. Gelegentlich nimmt sie Fotos zu Hilfe, um Situationen und Stimmungen zu deuten. In keinem Moment ist dies eine konventionelle Biografie. Das Buch eignet sich wunderbar als Weihnachtsgeschenk für literarisch Interessierte. Mehr zum Buch: 9783100023032

Man kann das Geschenk erweitern mit einer DVD des Films DIE GETRÄUMTEN der österreichischen Regis-seurin Ruth Beckermann, der kürzlich in der „film-edition suhrkamp“ bei Absolut Medien erschienen ist. Wir erleben hier – Spiel im Spiel – wie Auszüge aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einem ORF-Studio in Wien für eine Radioproduktion eingelesen werden. Anja Plaschg liest den Bachmann-Part, Laurence Rupp die Texte von Celan. Ein Aufnahme-leiter sorgt für Ruhe und Ordnung. Zwischendurch unterhalten sich Plaschg und Rupp, äußern sich zu den Brieftexten, dann schlüpfen sie wieder in ihre Rollen und lesen. Das wirkt gelegentlich wie ein Dokumentarfilm, aber es ist die hybride Form, die hier zu großer Wirkung führt. Bei der Berlinale 2016 gehörte DIE GETRÄUMTEN zu den besten Filmen, die ich dort gesehen habe. Co-Autorin von Ruth Beckermann war übrigens Ina Hartwig. Ein informatives Booklet gehört zur DVD, die ich als Geschenk sehr empfehle. Mehr zur DVD: Ingeborg+Bachmann+-+Paul+Celan

George Lucas (Weihnachtsgeschenk 3)

Morgen hat der jüngste STAR WARS-Film weltweit Premiere: THE LAST JEDI. Gründer dieses Weltraum-imperiums war 1977 der Autor, Regisseur und Produzent George Lucas (*1944), der damit zu einem der erfolgreichsten Producer wurde, seine Unternehmens-gruppe Lucasfilm 2012 für vier Milliarden Dollar an die Walt Disney Company verkaufte und inzwischen zurückgezogen auf seiner Skywalker Ranch im Marin County lebt. Der Journalist Brian Jay Jones hat eine voluminöse Biografie über George Lucas geschrieben, die in diesem Herbst bei Edel Books erschienen ist. Sie ist hervorragend recherchiert, es gibt 1.514 Quellenverweise, die aber die Lektüre nicht mühsam machen. Das Buch gliedert sich in drei Teile: Hoffnung (1944-1973), Empire (1973-1983) und Rückkehr (1983-2016). Ein 16seitiger Abbildungsbereich befindet sich im hinteren Drittel. Ausführlich widmet sich der Autor auch dem (für mich) sehr beeindruckenden Lucas-Film AMERICAN GRAFFITI (1971-73). Es kommen viele Zeitzeugen zu Wort, darunter Steven Spielberg, Francis Ford Coppola, Gary Kurtz und Harrison Ford. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk natürlich für alle STAR WARS-Fans, aber auch für Menschen, die einen intensiven Blick hinter die Kulissen der Filmbranche werfen möchten und neugierig auf interessante Informationen sind. Ein Leitspruch von George Lucas: „Ich will den Zuschauern den Glauben an das Gute im Menschen zurückgeben“. Mehr zum Buch: george-lucas-die-biografie/

John le Carré (Weihnachtsgeschenk 2)

John le Carré heißt eigentlich David Cornwell, ist inzwischen 86 Jahre alt und für mich einer der interessantesten britischen Autoren für Spionageromane, beginnend mit „Schatten von gestern“ (1961) und „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1963). Sie stehen alle in unserem Krimiregal. Sein jüngster Roman, „Das Vermächtnis der Spione“, spielt 2017 und spannt einen Bogen in das Jahr 1961, als an der Berliner Mauer der britische Spion Alec Leamas und seine Freundin Liz Gold erschossen wurden. Ihre Kinder fordern jetzt eine genauere Untersuchung der damaligen Vorgänge. Peter Guillam, einst Assistent von George Smiley, einer Schlüsselfigur im britischen Geheimdienst MI6, inzwischen wie sein ehemaliger Chef im Ruhestand, wird ins Innenministerium einbestellt und erzählt seine Version der Geschehnisse, die allerdings sehr subjektiv gefärbt ist. Erst eine Anwältin, Dokumente aus dem Archiv und zuletzt George Smiley selbst führen zu neuen Erkenntnissen. Die zwei Zeitebenen, der Blick zurück in den Kalten Krieg und die Vielzahl der beteiligten Personen sind in der Dramaturgie raffiniert verbunden. Es steigert das Lesevergnügen, wenn man noch einmal den „Spion, der aus der Kälte kam“ in die Hand nimmt und parallel liest. Für alle, die an Spionageromanen interessiert sind, ist dies ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Mehr zum Buch: 9-9783550050121.html