Mickey Mouse

Dies ist das definitive Buch über Walt Disneys Mickey Mouse, die beliebteste und bekannteste Zeichentrickfigur aller Zeiten: das Buch ist 40 cm hoch, 29 cm breit und fast sechs Kilo schwer. Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe ist Daniel Kothenschulte, der 2016 im Taschen Verlag „Das Walt Disney Film Archiv“ ediert hat. Die Texte stammen von dem Filmhistoriker J. B. Kaufman und dem Animationshistoriker David Gerstein. Seit 90 Jahren gibt es die anthropomorphe Mickey Mouse, der frühe Tonfilm STEAMBOAT WILLIE gilt – nach zwei stummen Vorläufern – als realer Geburtstermin. Sie ist männlich (ihre Freundin heißt Minnie), trägt immer Handschuhe, hat nur vier Finger, aber ein erstaunliches Selbstbewusstsein, das ihr dank kreativer Ideen zum Überleben verhilft. Ihre erfolgreichste Zeit auf der Leinwand waren die 1930er Jahre. In 15 Kapiteln erzählt das Buch die Lebensgeschichte der Figur, die in den ersten Jahren eng mit Walt Disney verbunden war, der ihr sogar seine Stimme lieh. Ab 1930 wurde sie auch zur Comicfigur, und das Merchandising brachte Millionen ein. Auf 496 Seiten mit über 1.200 Abbildungen erweist sich der Band als Schatzkammer. Man braucht einen Tisch, um ihn zu öffnen. Dann kann die Zeitreise beginnen. Und weil so ein Buch Chefsache ist, heißt ein Credit auf der Titelseite: „Directed and Produced by Benedikt Taschen“. Mehr zum Buch: 3836552833 oder die_ultimative_chronik.htm

Museumsbesuche in Venedig

Die Tintoretto-Ausstellung an verschiedenen Orten der Stadt ist leider Anfang Januar zu Ende gegangen. Aber es bleiben genügend Alternativen. Zum Beispiel die Modelle im Leonardo da Vinci Museum in der Chiesa di San Barbara. Oder die Gallerie dell’Accademia di Venezia mit Gemälden von Tiepolo, Tintoretto, Tizian. Oder die Ausstellung „From Gesture to Form: Postwar European and American Art from the Schulhof Collection“ in der Peggy Guggenheim Collection. In Verbindung mit den Exponaten der Guggenheim Collection (Kandinsky, Max Ernst, Hans Arp, Piet Mondrian, Barnett Newman, Mark Rothko) ist dies ein Querschnitt durch die moderne Kunst. Das Kontrastprogramm bietet die Ca’Rezzonico (Foto / visitmuve.it ) mit ihrer Schatzkammer italienischer Kunst des 18. Jahrhunderts. Das Gebäude mit dem weitgehend erhaltenen Ballsaal ist ein Traumhaus auf vier Stockwerken. Man kann sich gar nicht sattsehen an den originalen Möbeln, an den Deckendekorationen von Giambattista Tiepolo, an den Gemälden von Canaletto, Francesco Guardi, Pietro Longhi, den Fresken von Antonio Guardi. Und im dritten Stock befindet sich die Pinakothek Martini mit rund 300 Gemälden der wichtigsten Vertreter der venezianischen Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Aus einem Fenster bietet sich einer der schönsten Blicke über die Stadt Venedig, die ich kenne. Den Dogenpalast haben wir diesmal nicht besucht. Wir waren ja hoffentlich nicht zum letzten Mal in dieser Stadt.

Kulturelle Filmförderung jetzt

Morgen Abend findet in der Akademie der Künste am Pariser Platz ein Akademie-Gespräch zum Thema „Kulturelle Filmförderung jetzt statt. Thomas Heise, Direktor der Sektion Film- und Medienkunst, hält ein Impulsreferat. Rüdiger Suchsland diskutiert anschließend mit Feo Aladag (Produzentin, Regisseurin), Claas Danielsen Geschäftsführer der Mitteldeut-schen Filmförderung), Titus Kreyenberg (Produzent), Jeanine Meerapfel (Filmregisseurin und Präsidentin der Akademie der Künste), Mariette Rissenbeek (Geschäftsführerin German Films, demnächst Co-Direktorin der Berlinale) und Andres Veiel (Autor und Regisseur). Mehr zur Veranstaltung: we_objectID=59218

ROMANZE IN VENEDIG (1962)

Es gibt Filme, die nur aus Kli-schees bestehen: im Personal, in den Konflikten, in der Gestal-tung, in der Musik, in den Handlungsorten. ROMANZE IN VENEDIG erzählt die Geschich-te der Tochter eines österreichi-schen Gutsbesitzers, die an ihrem Hochzeitstag erfährt, dass ihr Bräutigam mit einer Magd ein Kind hat. Sie flieht nach Venedig, verliebt sich dort in einen Komponisten, der in Scheidung lebt. Sie missversteht das Treffen des Ehepaares und kehrt – schwanger – nach Österreich zurück. Acht Jahre später gibt es in Salzburg ein Happyend im Konzertsaal. Natürlich sind auch die Dialoge voller Klischees. Vater: „Bist Du glücklich?“. Tochter (Braut): „Ja. Und Du?“ Vater: „Wenn Du es bist, bin ich es auch.“ Aber sie flieht aus genannten Gründen vor der Hochzeit nach Venedig. 35 Minuten des Films spielen dort. Und es sind all die Bilder der Stadt zu sehen (Kamera: Václav Vich), die man aus anderen Venedig-Filmen kennt. Auch die Darsteller/innen sind Klischees ihrer selbst: Ann Smyrner (Tochter des Gutsbesitzers), Walter Reyer (Komponist), Willy Birgel (reicher Gutsbesitzer), Annie Rosar (Gutsverwalterin), Jane Tilden (attraktive Nachbarin), Erwin Strahl (adliger, verarmter Bräutigam). Regie: Eduard von Borsody. Ich kannte diesen Film bisher nicht. Er ist jetzt bei den Filmjuwelen als DVD erschienen. Als Vorbereitung für eine Venedig-Reise nur bedingt geeignet. Mehr zur DVD: B07D58Y2SD

„Schnee über Venedig“

Auch wenn man schon häufig in Venedig war, kann man sich auf eine Reise in diese Stadt vorbereiten. Zum Beispiel durch neue Bücher oder alte Filme. Bei Spector Books ist im vergange-nen Jahr das Buch „Schnee über Venedig“ erschienen, in dem sich Alexander Kluge und der amerikanische Schriftsteller Ben Lerner (*1979) über diese Stadt und viele andere Dinge äußern. Das erste Gespräch zwischen Kluge und Lerner fand 2016 in New York statt, dann folgten Gespräche im Mai 2017 in Venedig. Sie sind im Buch dokumentiert und werden durch eigenständige Texte der beiden Autoren erweitert. Eine 40seitige „Insel“ präsentiert 21 Bilder von Gerhard Richter und 14 Geschichten von Alexander Kluge, die auf Venedig fokussiert sind. Ein originelles Buch, das zum Lesen, Blättern und Nachdenken verführt. In Venedig schien gestern übrigens die Sonne und heute regnet es.Also: ein Tag für Museumsbesuche.

Mehr zum Buch: schnee-uber-venedig und noch ein Link zu einem Venedig-Gespräch mit Kluge: campaign=manuell

Georgischer Film

Die erste georgische Filmwoche wurde im alten Kino Arsenal in der Welserstraße 1975 veran-staltet, damals initiiert von Erika und Ulrich Gregor. In der Reihe „Kinemathek“ erschien dazu ein Heft (Nr. 52). Die Verbindungen zwischen Georgien und dem Arsenal (inzwischen: „Institut für Film und Videokunst“) sind über alle Jahrzehnte intensiv geblieben, im Archiv des Arsenal werden inzwischen rund 130 Kopien georgischer Filme verwahrt. Eine Publikation dokumentiert jetzt Texte und Gespräche zum georgischen Film, deren Basis eine Veranstaltungsreihe im Oktober 2017 war. Die Essays stammen von Ulrich Gregor („Poetische Bildsprache und satirischer Scharfblick – Einführung in die georgische Filmgeschichte“) und Giorgi Gwacharia („Zensur als ‚Gnade’“). Gespräche wurden mit Lana Gogoberidse (2), Merab Kokotschaschwili, Salomé Alexi, Otar Iosseliani (2), Dito Tsintsadze und Gela Kandelaki geführt. Dokumentiert ist auch ein Podiumsgespräch über georgische Filmgeschichte in den Archiven, an dem Erika und Ulrich Gregor, Khatuna Khundadze und Susan Oxtoby teilgenommen haben, moderiert von Stefanie Schulte Strathaus. Den Abschluss bildet eine Auflistung der Filme, von denen Kopien in den Sammlungen des Arsenals vorhanden sind. Alle Texte dreisprachig (deutsch, englisch, georgisch). Mehr zum Buch: 7528/2857.html

Ernst-Lubitsch-Preis

Heute Abend wird im Kino Babylon zum 57. Mal der Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung in einem deutschen Film verliehen. Ausgezeichnet werden die beiden Schauspieler Bjarne Mädel (links) und Lars Eidinger  (rechts) für ihre Darstellung in dem Film 25 KM/H von Markus Goller. Ich finde diese Entschei-dung sehr gut, denn Mädel und Eidiger sind das Zentrum des Films, der dramatisch und komisch von den Konflikten zweier Brüder erzählt: der eine, Christian (Eidinger), ist in der Welt unterwegs, der andere, Georg (Mädel), kümmert sich um ihren Vater. Als der stirbt, kommt der Weltreisende natürlich zu spät zur Beerdigung. Und dann begeben sich beide auf eine Reise durch Deutschland mit dem Mofa, was sie schon als Fünfzehnjährige geplant hatten: von dem Dorf Löchingen im Schwarzwald an den Timmendorfer Strand mit einer Exkursion nach Berlin, weil dort der Sohn von Christian lebt, den sein Vater noch nie gesehen hat. Natürlich gibt es ein Happyend, und es spielen auch wunderbare Schauspielerinnen mit: Sandra Hüller, Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Jella Haase, Jördis Triebel. – Im Babylon wird heute Abend nicht nur der Film 25 KM/H gezeigt, sondern auch Lubitschs NINOTCHKA, der vor 80 Jahren uraufgeführt wurde. Und Nicola, Lubitschs Tochter, ist Ehrengast. Ich freue mich auf den Abend im Babylon. Mehr zur Veranstaltung: lubitsch-preis.de

BZ-Kulturpreis

Heute Abend wird in der Volks-bühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum 28. Mal der BZ-Kul-turpreis verliehen. Zum 13. Mal moderiert Meret Becker die Ver-anstaltung, als Regisseur des Abends fungiert Barrie Kosky. Die Preisträger in diesem Jahr sind der Schauspieler Werner Plathe, die Schauspielerin Paula Beer (ihre erste Rolle hat sie als Vierzehnjährige bei Chris Kraus in dem Film POLL gespielt), die Rockband Beatsteaks, die Geigerin Anne-Sophie Mutter (wir haben sie oft gehört), der Filmregisseur Andreas Dresen (seinen jüngsten Film GUNDERMANN finde ich wunderbar) und die Bildende Künstlerin Alicja Kwade. Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen Abend. Mehr zum Kulturpreis: paula-beer-und-beatsteaks

Fritz Langs Notizbuch 1929-1934

Es gehört zur „Sammlung Fritz Lang“, die seit 1997 in der Deut-schen Kinemathek verwahrt wird: 18,5 cm hoch, 12 cm breit, 72 Blätter. Als Notizbuch hat es Lang in jenen Jahren genutzt, in denen M und DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE entstanden. Im großen FL-Buch zur Retro-spektive 2001 wurde erstmals auf das Notizbuch hingewiesen, jetzt ist es im Belleville Verlag als eigenständige Publikation erschienen, herausgegeben und kommentiert von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen. Der erste Teil dokumentiert im Faksimile handschriftliche Eintragungen, eingeklebte Zeitungsausschnitte, Zeichnungen. Oft sind die Gründe für Langs Interesse an einem Thema nicht zu rekonstru-ieren. Anregungen, Ideen, Einfälle, offenbar spontan zu Papier gebracht. Der zweite Teil ist die unbedingt notwendige Transkription der Eintragungen, denn viele sind schwer zu entziffern. Dann folgen einige spezielle Erläuterungen. Und am Ende steht ein Nachwort der beiden Herausgeber – „Entdeckung einer Spur“ – , das auf beein-druckende Weise das Notizbuch verortet und mit konkreten Fakten in Langs Leben jener Jahre verknüpft. „What makes him tick?“ ist der Titel der Publikation. Ein Buch, in dem man sich verlieren kann. Mehr zum Buch: php?ID=763

AVA (2017)

Der Film von Léa Mysius lief in der „Semaine de la Critique“ in Cannes 2017. Es ist ihr Debüt-film. Er erzählt eine sehr beein-druckende Coming-of-Age-Geschichte, die in der Gironde an der französischen Atlantikküste spielt. Die 13jährige Ava hat Probleme mit dem Sehen und erfährt vom Augenarzt, dass sie erblinden wird. Diagnose: Retinitis Pigmentosa. Ihre Reaktion ist nicht Verzweiflung sondern Aktionismus, eine Art Trainingsprogramm für die dunkle Zukunft. Ein Wolfshund kommt ins Spiel, der dem 18jährigen Juan gehört, einem Sinti, der auf der Durchreise ist. Die beiden tun sich zusammen und berauben in Kriegstracht Badegäste am Strand. Als die Polizei gerufen wird, eska-liert die Handlung und nimmt überraschende Wendungen. Wunderbar: die Hauptdarstellerin Noée Abita als Ava. Ein Sommermärchen mit beeindruckenden Bildern. Jetzt bei Eksys’tent als DVD erschienen. Mehr zur DVD: Ava-Noée-Abita/dp/B07GRRH5HB