Neue Berliner Schule und die chinesische Sechste Generation

Eine Dissertation, die an der Universität Jena entstanden ist. Yuanyuan Tang analysiert und vergleicht zwei zeitgenössische Filmströmungen: die sogenann-te „Neue Berliner Schule“ – ihre locker verbundenen Protago-nisten sind Absolventen der DFFB der 1990er Jahre, die ihre Filmen in einem speziellen Stil realisieren – und die „chinesi-sche Sechste Generation“, zu der ein größerer Kreis von Absol-venten der Pekinger Filmaka-demie des Jahrgangs 1985 gehört. In einem Kapitel analysiert der Autor die Themen der Filme. Es geht um das Leben in der Gegenwart, die „auffällige Unauffälligkeit“ des Alltags, die Darstellung des Individuums als Ablehnung des Kollektivs, um Adoleszenz und Urbanität. In einem weiteren Kapitel werden Aspekte der Ästhetik gegenübergestellt: die Formen der Darstellung von Realität, die Einbindung von Wirklichkeit und Verfremdung, die Ästhetik der Leere, der Minimalismus. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Raumkonzept und dem Zeitkonzept der beiden Filmschulen. Konkretisiert wird dies auf der Berliner Seite vor allem an Filmen von Thomas Arslan, Christian Petzold und Angela Schanelec, auf der chinesischen Seite an Filmen von Zhang Yuan, Jia Zhangke und Wang Xiaoshuai. Die Beschreibungen sind jeweils sehr präzise, die chinesischen Filme sind mir weitgehend unbekannt, aber die analytischen Folgerungen des Autors erscheinen mir nachvoll-ziehbar. Abbildungen in grenzwertiger Qualität im Anhang. Mehr zum Buch: c=738

Reality-TV in Deutschland

Joan Kristin Bleicher publiziert seit Ende der 1980er Jahre Texte über das deutsche und internationale Fernsehen; sie ist seit 2001 Profes-sorin für Medienwissenschaft an der Universität Hamburg. In ihrem neuen Buch gibt sie einen Über-blick über Geschichte, Themen und Formate des Reality-TV in Deutschland, das vor allem durch Sendereihen des Privatfernsehens geprägt wird. Vorgeblich oder tatsächlich wird hier versucht, die Wirklichkeit im Fernsehen abzu-bilden. Schlüsselsendungen waren in diesem Zusammenhang DAS WAHRE LEBEN und BIG BROTHER. Bleicher widmet sich ausführlich den starbasierten Formaten und behandelt dann die unterschiedlichen Themen des deutschen Reality-TV: Natur und die heile Welt der Tiere, Haus, Garten, Mode und Autos, Liebe, Partnersuche, Ehe und Familie, Schönheit und Gesundheit, Kochen, reden und verkaufen, Reisen, Auswandern, die Welt der Wirtschaft, die Inszenierung von Geschichte, Scripted Reality-Formate und Reality-TV im Blickwinkel medienkritischer Unterhal-tungsformate. Zu jedem Thema werden beispielhaft Sendereihen analysiert und bewertet. Die Autorin erweist sich dabei als sehr sachkundig. In einem eigenen Kapitel untersucht sie die Dramaturgie-modelle des Reality-TV und stellt die Veränderungen der Medien-adressierung und Mediennutzung dar. Der Anhang enthält in tabellarischer Form die Platzierung von Realityformaten in den Programmstrukturen der Woche vom 14. bis 20. Februar 2011, ein umfangreiches Literaturverzeichnis und ein Verzeichnis der Fernsehsendungen und Filme mit Jahreszahlen. Die Publikation ist ein wichtiger Beitrag zur Fernsehgeschichte. Mehr zum Buch: reality-tv-in-deutschland

Conspiracy!

Eine Habilitationsschrift, die an der Universität Konstanz entstanden ist. Henry M. Taylor legt auf mehr als 500 Seiten eine beeindruckende „Theorie und Geschichte des Para-noiafilms“ vor. Sie ist wissenschaft-lich fundiert, vertraut aber vor allem eigenen analytischen Erkenntnis-sen. Die Filmbeschreibungen sind sehr konkret und lesen sich span-nend. Das erste Kapitel handelt von „Verschwörungen, Paranoia und Konspirationismus“, klärt Begriffe und gibt theoretische Hinweise. Dann geht es um Stil, Narration und Motivik des paranoiden Films. Der historische Teil beginnt mit dem Rückblick auf die FANTOMAS-Serie von Louis Feuillade (1913-14), die auf 50 Seiten als „Kino der kollektiven Verunsicherung“ definiert wird. Es folgen DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) von Robert Wiene und DR. MABUSE, DER SPIELER (1921/22, zwei Teile) von Fritz Lang, mit einer Brücke zum TESTAMENT DES DR. MABUSE (1932/33). Auch hier hat der Autor einen eigenen Blick für Figuren, Bilder und performative Zusammenhänge. Das vierte Kapitel widmet sich dem klassischen Film Noir. Filmbeispiele sind STREET OF CHANCE (1942) von Jack Hively, THE WOMAN IN THE WINDOW (1944) von Fritz Lang und DARK PASSAGE (1947) von Delmer Daves. Dann führt uns der Autor nach Frankreich zu Jean-Pierre Melville und seinem Film LE SAMOURAI (1967) („Die Paranoia der modernen Großstadt“). Kapitel fünf beschäftigt sich mit dem modernen Verschwörungsfilm, ausgehend von INVASION OF THE BODY SNATCHERS (1956) von Don Siegel. Die weiteren Stationen sind dann „Gehirnwäsche als Kalte-Kriegsformel der Gedankenkontrolle“ (Beispiel THE MANCHURIAN CANDITATE, 1962, John Frankenheimer), „Beobachtung, Überwachung und Ordnungsutopie“ (BLOW-UP, 1966, Michelangelo Antonioni), „Systematische Bedrohungsszenarien“ (verschiedene Filmbeispiele), „Der positive Aufdeckungsplot“ (der Medizinthriller COMA, 1978, Michael Crichton), „Der negative Verstrickungsplot“ (der SF-Psychothriller SECONDS, 1966, John Frankenheimer). Das letzte Kapitel heißt „Mind-games: Metafiktion und die ontologische Verschwörung“. Hier steht der Autor und Regisseur David Mamet im Mittelpunkt. Insgesamt ein Buch, das man als Basislektüre empfehlen kann. Mit über 500 Abbildungen in guter Qualität, Literaturverzeichnis und Register. Coverfotos: BLOW-UP, CYPHER, SECONDS, THREE DAYS OF THE CONDOR, DAS CABINET DES DR. CALIGARI. Mehr zum Buch: theorie-und-geschichte-des-paranoiafilms.html

Ulmer Dramaturgien

An der „Hochschule für Gestal-tung Ulm“ haben Alexander Kluge und Edgar Reitz 1962 eine Abteilung für Filmgestaltung initiiert, die für die Ausbildung junger Autorenfilmer*innen große Bedeutung hatte. Auf zwei DVDs sind jetzt 34 Filme aus den ersten sechs Hochschuljahren zu sehen, die von Günther Hör-mann und Günther Merkle ausgewählt wurden. 25 davon sind sogenannte „Miniaturen“, sie dauern zwischen 35’’ und 2’45’’, erzählen mal einfach, mal sehr extensiv unterschiedliche Sachverhalte aus dem Alltag, der Geschichte oder der Politik. Sie stammen von Peter Schubert, Brian Wood, Günther Hörmann, Wilfried E. Reinke, Ula Stöckl, Lothar Spree und Frieder Mayrhofer und sind beispielhaft für den Lernprozess der damaligen Hochschule. Auch die neun längeren Filme aus den Jahren 1964-68 sind sehr sehenswert: ANSICHTEN EINER STADT (24 min.) von Günther Hörmann und Wilfried E. Reinke porträtiert die Stadt Ulm, FREUNDSCHAFTS-WOCHE ( 12 min.) von Peter Schubert dokumentiert die deutsch-amerikanische Freundschaftswoche in Ulm, ZUR SACHE FLEISCH (38 min.) von Brian Wood beobachtet Arbeitsvorgänge auf einem Schlachthof, AUF DER SUCHE NACH DEM GLÜCK (17 min.) von Reinhard Kahn und Michel Leiner zeigt diese Suche aus unterschied-lichen Perspektiven, DIE WAHL (18 min.-Ausschnitt) von Wilfried E. Reinke dokumentiert den Wahlkampf in Neu-Ulm, REGIONAL-ZEITUNG ( 73 min.) von Jeanine Meerapfel ist ein beeindruckender Blick ins Innenleben der „Schwäbischen Donauzeitung“, ANTIGONE (8 min.) von Ula Stöckl reflektiert über menschliches Verhalten angesichts des Todes, FUNDEVOGEL (21 min.) von Claudia von Alemann verbindet Märchen-Zitate mit Kinder-Beobachtungen, DES LEBENS WUNDERHORN (10 min.) von Marion Zemann porträtiert eine junge Bäckereiarbeiterin in Ulm. Zum Bonusmaterial gehören ein Absolventengespräch mit Jeanine Meerapfel und Lothar Spree und ein sehr informatives Booklet von Günther Hörmann und Günther Merkle. Zwei DVDs, fünf Stunden Filme, ein Blick zurück in die 60er Jahre, ediert von Absolut Medien und dem „Institut für Filmgestaltung“, das inzwischen geschlossen ist. Mehr zur DVD: Hochschule+fuer+Gestaltung

Hollywood

Sie ist eine der großen Expertinnen für theoretische Aspekte des Holly-wood-Kinos. Da macht es Sinn, einen Band mit Essays von Elisa-beth Bronfen zu publizieren. 14 Texte sind hier versammelt, die von ihr zwischen 1994 und 2015 in Büchern oder Zeitschriften ver-öffentlicht wurden. Sie reflektieren auf hohem Niveau über das „kultu-relle Imaginäre einer Nation“. Im Kapitel „Crossmapping als Lese-verfahren“ geht es um Stanley Cavells „cultural conversations“, um Kulturwissenschaft als Kartogra-phie von erzählender und visueller Sprache, um Lubitschs Film TO BE OR NOT TO BE und Shakespeares Komödie „The Merchant of Venice“, um das Pop-Kino und um den Einfluss von Richard Wagner auf die Filmmusik in Hollywood. Im Kapitel „Gender und die Frage der Dar-stellbarkeit“ richtet sich der Blick auf Michael Powells Film PEEPING TOM, auf die Femme fatale im Noir und Neo-Noir, auf PANDORA AND THE FLYING DUTCHMAN von Albert Lewin und DIE BÜCHSE DER PANDORA von G. W. Pabst und schließlich auf Frauenbilder im Holly-wood der 50er Jahre. Noch einmal fünf Texte untersuchen „Mediale Re-Imagination der Geschichte“. Sie beschäftigen sich mit Monumentalität im amerikanischen Historienfilm, mit den 50er Jahren im Hollywood-Kino der 90er Jahre, mit Gewalt und Gesetzlosigkeit im New Holly-wood, mit Kriegsbildern und mit Tom Ripleys „European Dream“ im Roman „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith und seiner Verfilmung von Anthony Minghella. Hervorragende Texte, die auch beim Wiederlesen Bestand haben. Wenige Bilder. Leider ohne Register. Mehr zum Buch: hollywood-und-das-projekt-amerika

Woche der Kritik

Zum vierten Mal findet während der Berlinale die „Woche der Kritik“ statt, die vom Verband der deutschen Filmkritik verant-wortet wird. Zu sehen ist im Hackesche Höfe Kino „eine Auswahl internationaler Filme, die Anstoß geben zu Debatte, Kontroverse, lustvollem Streit“. In den Gesprächen nach den Filmen geht es um die Fragen „Wie sehen wir Filme? Welche Filme wünschen wir uns? Was macht Kino zum Kino?“ Erst-mals gibt es eine Publikation zur Veranstaltungsreihe. Sie hat den Titel „Koschke“, weil man sich im „Café Anna Koschke“ in der Krausnickstraße am späten Abend zu Gesprächen trifft. Das Buch (152 Seiten) ist eine Mischung von Katalog und Essaysammlung. Die meisten Texte sind in englischer Sprache publiziert, einige wurden übersetzt. Das Vorwort stammt von Frédéric Jaeger, in zwei Beiträgen geht es um Kritik und Kuratieren, in fünf Texten (u.a. von Edgar Morin, Didi Cheeka und Jean-Luc Nancy) wird das Publikum thematisiert. Der Hauptteil (S. 58-122) stellt die Filme der Woche der Kritik vor. Am Ende stehen Visionen: wie wird die Berlinale 2020 aussehen? Dazu äußern sich Barbara Albert, Robert Beavers, Jean-Pierre Bekolo, Sompot Chidgasornpongse, Vaginal Davis, Matthias Dell, Ben Gibson, Ulrich Gregor, Daniel Kasman, Fred Kelemen, Rainer Knepperges, Ekkehard Knörer, Gertrud Koch, Salomé Lamas, Dana Linssen, Max Linz und Tatjana Turanskyj. Die Statements (alle in Deutsch und Englisch) werden konfrontiert mit Zitaten von Dieter Kosslick. Interessant (auf S. 126/27): das offizielle Berlinale-Organigramm. Die Publikation kostet 5 € und ist am Veranstaltungsort zu bekommen. Mehr zum Buch und zur Woche der Kritik: woche-der-kritik/

„Der Mann, der nicht mitspielt“

Ein neuer Ermittler betritt die Krimiszene. Er heißt Hardy Engel, ist ein ehemaliger Poli-zist und gescheiterter deutscher Schauspieler, verdient zu Beginn der Zwanziger Jahre sein Geld als Privatdetektiv in Hollywood und wird bei seinem ersten Fall zur Schlüsselfigur bei der Auf-klärung der Todesursache des Starlets Virginia Rappe. Zu-nächst hat er nur den Auftrag, herauszufinden, wo sich die Schauspielerin aufhält, aber dann stellt sich heraus, dass sie offenbar vergewaltigt wurde und unter mysteriösen Umständen gestorben ist. Der Hauptver-dächtige ist der Komiker Roscoe „Fatty“ Arbuckle. Die Hearst-Presse heizt das Klima mit ihren Schlagzeilen an. Hardy Engel geht bei seinen Ermittlungen eigene Wege. Er wird vom Universal Studio des Produ-zenten Carl Laemmle als Sicherheitschef eingestellt, dringt tief in die Machtkämpfe der Studios in Hollywood ein, hat einen Kreis von Freunden, der ihn unterstützt, und gerät dennoch selbst in große Gefahr. Die Story ist auf 630 Seiten als Ich-Erzählung von Hardy Engel formuliert, aus einer Distanz von zwanzig Jahren. Es gibt spannende Momente, aber auch Redundanzen. Der Autor schreibt etwas selbst-verliebt. Mehr Lakonie und Zuspitzung hätten dem Text gut getan. Am Ende erfahren wir, dass der nächste Fall aus dem Jahr 1922 stammt: es geht dann um den Regisseur William Desmond Taylor, der erschossen in seinem Apartment aufgefunden wurde. Mehr zum Buch: 978-3-462-05103-2/

Moritz de Hadeln

Er war Direktor der Filmfest-spiele in Nyon (1969-1979), Locarno (1972-1977), Berlin (1980-2001) und Venedig (2003-2004). Man kann eine Biografie von Moritz de Hadeln (*1940) also durchaus „Mister Filmfestival“ titeln. Der Schwei-zer Kulturredakteur Christian Jungen erzählt in seiner Ein-leitung sehr stolz, wieviel Arbeit er in dieses Buch investiert hat: „Ich habe über 15.000 Briefe, Telegramme, Faxe, E-Mails und Reiseberichte durchgesehen, die er [Moritz de Hadeln] geschrie-ben oder erhalten hat, ebenso las ich Tausende von Presseartikeln. Daneben habe ich über 200 Stunden Oral-History-Interviews mit ihm und seiner Frau Erika geführt sowie weitere 100 Stunden mit 70 Weg-gefährten, Filmemachern und Festivalmitarbeitern.“ Sieben Jahre hat der Autor offenbar in das Buch investiert. Es gibt spannende Kapitel (über Nyon und Locarno), interessante Informationen (über de Hadelns Brückenbau nach Amerika, in die Sowjetunion und nach Asien) und Momente der Empathie (das Scheitern einer Neugründung in Montreal). Andererseits fallen sprachliche Unebenheiten auf („Eklat an der Preisverleihung“) und Legendenbildungen: Aus Rücksicht auf die Sowjetunion (sie wollte NINOTSCHKA nicht im Programm haben) wurde die Ernst Lubitsch-Retrospektive 1984 auf die Filme bis 1933 verkürzt. Bei de Hadeln (O-Ton) heißt es jetzt: „Doch wir zeigten das Meisterwerk während des Festivals trotzdem und zwar im Kino Paris, das gleich gegenüber dem Urania lag, wo die Retrospektive ihre Heimat hatte.“ An diesem Satz stimmt leider nichts.

Ich habe in den 1980er Jahren als Leiter der Retrospektive mit Moritz de Hadeln zusammengearbeitet. Er war an dieser Sektion nicht sehr interessiert und hat mir viele Freiheiten gelassen; so konnten wir zum Beispiel die Retros zum 3-D-Film, zum Filmexil, zu Special Effects, zum Farbfilm und zu den Jahren 1939 und 1945 machen. Dann übernahm Wolfgang Jacobsen die Verantwortung für die Retrospektive, der zum Festivaldirektor eine gute Verbindung hatte. Wichtig waren de Hadeln die mit einer Hommage geehrten Schauspielerinnen und Schauspieler aus Hollywood, Frankreich und Italien. Mit dem Gast James Stewart hat er da 1982 eine eigene Sektion des Festivals gegründet, zu der viele Jahre eine spezielle Publikation erschien, die von der Kinemathek verantwortet wurde. Morgen wird de Hadelns Biografie in der Audi-Berlinale-Lounge präsentiert. Mehr zum Buch: moritz-de-hadeln-mister-filmfestival

NORTE (2013) von Lav Diaz

Der philippinische Regisseur Lav Diaz ist seit langem auf den internationalen Festivals prä-sent, vor zwei Jahren war auf der Berlinale sein Film A LULLABY TO THE SORROWFUL MYSTE-RY (acht Stunden) zu sehen, in diesem Jahr läuft SEASON OF THE DEVIL (vier Stunden) im Wettbewerb. Auf DVD ist gerade bei Absolut Medien der Film NORTE – THE END OF HIS-TORY (2013) erschienen, der 250 Minuten dauert. Er erzählt die Geschichte des Jurastudenten Fabian, der die Welt verändern will und dabei auf Abwege gerät. Er begeht einen brutalen Mord und schafft es, den Verdacht auf einen unschuldigen Familienvater zu lenken, der auch verurteilt wird. Dostojewskis „Schuld und Sühne“ hat hier Pate gestanden, man sieht viel von der Realität auf den Philippinen und kann die großen Qualitäten des Regisseurs erkennen. Unbedingt sehenswert. Mehr zur DVD: NORTE+-+Das+Ende+der+Geschichte

Noch ein Hinweis: heute Abend um 18.04 Uhr ist Manuela Reichart auf WDR 3 mit ihrer Sendung „Gutenbergs Welt“ zu hören. Es geht um Filmbücher und schlechte Filme: gutenbergs-welt/leinwandgroessen-marlene-dietrich-100.html

Ken Loach

Dem Werk des britischen Regis-seurs Ken Loach (*1936) ist das neue Heft der Film-Konzepte gewidmet. Die Herausgeberin Claudia Lillge würdigt ihn zunächst in einem längeren Vorwort. In sieben Texten geht es dann um einzelne Filme von Loach. Lillge erinnert an den frühen Film KES (1969), der die Geschichte eines 14jährigen Jungen erzählt. Christoph Büttner schreibt über THE NAVIGATORS (2001), dessen Thema die Privatisierung der British Rails ist. Felix T. Gregor äußert sich zu dem multikultu-rellen Sozialdrama AE FOND KISS (2004). Ralf Schneider informiert über IT’S A FREE WORLD… (2007), der von der Erosion der britischen Arbeiterklasse handelt. Von Eckart Voigt stammt ein Beitrag über Ken Loachs Historienfilm zum irischen Bürgerkrieg, THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY (2006). Daniel Illger untersucht ROUTE IRISH (2010) und Klaus Peter Müller fragt, was an dem Film THE ANGEL’S SHARE (2012) konventionell oder revolutionär ist. Auszüge aus einem Gespräch mit Ken Loach von Dagmar Brunow (2015) schließen den Band ab. Mit Biografie und Filmliste. Da ich ein großer Anhänger der Filme von Ken Loach bin, habe ich den Band mit besonderem Interesse gelesen. Coverfoto: I, DANIEL BLAKE (2016). Mehr zum Buch: Wnxhp-kqtW8