Ein Arbeitsleben für die DEFA

Gert Golde (*1937 in Dresden) war der letzte Generaldirektor des DEFA-Spielfilmstudios und sein Leben lang mit der Film-firma der DDR eng verbunden. Über mehre Wochen hat er ein Gespräch mit der Sammlungs-leiterin des Potsdamer Film-museums, Dorett Molitor, geführt, in dem er sich an die verschiedenen Stationen und Verantwortlichkeiten seines Berufslebens erinnert. Es ist jetzt in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung als Buch publiziert worden und erweist sich als hochinteressante Lektüre, weil man eigentlich wenig über die Produktionshintergründe des Studios weiß. Golde hat von 1955-59 die Filmhochschule in Babelsberg besucht, war als junger Produktions-leiter u.a. an den Filmen CHRISTINE (1963) von Slatan Dudow und KARLA (1965/66) von Herrmann Zschoche beteiligt, wurde 1966 „Hauptökonom“ des DEFA-Studios für Spielfilme, drei Jahre später „Direktor für Ökonomie“, arbeitete in den 1970er und 80er Jahren als Direktor für Produktion, war Erster Stellvertreter des Generaldirektors, übernahm die Generaldirektion am 1. September 1989 und wirkte verantwortlich an der Umwandlung vom Volkseigenen Betrieb in eine GmbH mit. Doritt Molitor hat sich auf das Gespräch hervorragend vorbereitet, Gert Golde verfügt über ein sehr gutes Erinnerungs-vermögen. Daraus resultiert ein Text, in dem natürlich politische Konflikte, aber auch die Rolle der Dramaturgen und der Künstlerischen Arbeitsgruppen, die technische Ausstattung, das Verhältnis zum Fernsehen der DDR, zu den westlichen Ländern, Spannungen zwischen den Regie-Generationen und die Hierarchien im Produktionsbereich zur Sprache kommen. Das geschieht sehr konkret und macht die Lektüre spannend. Umfang des Gesprächs: 240 Seiten (mit Abbildungen). Der Anhang enthält auf 100 Seiten 24 Dokumente aus der Zeit von 1957 bis 1992. Mehr zum Buch: arbeitsleben.html

Queer Cinema

Ein Sammelband mit 15 Texten, zwei Gesprächen und einem basislegenden Vorwort. Aus-gangspunkt ist der vor 25 Jahren erschienene wegweisende Artikel von B. Ruby Rich „New Queer Cinema“, der hier in der erwei-terten Form eines „Director’s Cut“ publiziert wird. Skadi Loist gibt einen Überblick über „Queer Cinema Studies“. Chris Tedjasukmana erinnert an Sylvia Rivera. Henriette Gunkel verbindet das queere Kino mit dem Afrofuturismus. Jim Hubbard beschäftigt sich mit dem AIDS-Videoaktivismus und der Entstehung des „Archivs“. Cheryl Dunye unternimmt einen Ausflug zu einigen Stationen des Black Experimental Cinema. Elahe Haschemai Yekani erforscht die lesbische Repräsentation im Spannungsfeld von New Wave Queer Cinema und Homonormativität. Jan Künemund äußert sich zu queeren Ich-Entwürfen in filmischen Biografien. Robin K. Saalfeld befasst sich mit der filmästhetischen Vermittlung von Transgeschlechtlichkeit am Beispiel von Tom Hoopers THE DANISH GIRL. Florian Krauß informiert über Transgender-Repräsentationen in der Webserie TRANSPARENT. Natascha Frankenberg fragt „Wann und wo wird queerer Film gewesen sein?“. Die Experimentalfilmerin Barbara Hammer erneuert ihre Forderung, dass radikaler Inhalt radikale Form verlangt. Daniel Kulle richtet seinen Blick auf die ästhetischen Strategien des queeren Experimentalfilms. Bei Alice Kuzniar geht es um den Film PRINZ IN HÖLLELAND von Michael Stock. Peter Rehberg fragt „Ist der Schwulenporno queer?“. Zwei Gespräche hat die Co-Herausgeberin Dagmar Brunow geführt: mit Monika Treut und Angelina Maccarone. Aus dem Spektrum aller Beiträge ist eine Basispublikation zum Thema „Queer Cinema“ entstanden. Beeindruckend. Mehr zum Buch: 1813/queer-cinema

Yasujiro Ozu

Der Band dokumentiert die Beiträge zu einem Symposium, das 2016 in Frankfurt am Main stattgefunden hat. Es geht dabei vor allem um Ozus Filme der 30er und 40er Jahre. Jörg Schweinitz beschäftigt sich mit dem Film VERGNÜGTER SPA-ZIERGANG (1930): „Gangster, dampfende Kessel und die poetische Aneignung trans-nationaler Erfahrungen mit dem Kino“. Kerstin Fooken richtet ihren Blick auf EINE FRAU AUS TOKIO (1933) und die frühen Stars des japanischen Films. Andreas Becker interpretiert speziell die Lubitsch-Sequenz aus diesem Film: „Wenn die Frau aus Tokio eine Million hätte“. Kayo Adachi-Rabe verbindet das Werk von Ozu mit der Gedankenwelt des japanischen Philosophen Shuzo Kuki: „Die Struktur des Schicks im Film“. Woojeong Joo informiert in seinem Text (in englischer Sprache) über Ozu in der Kriegszeit: „From Nostalgia into Reality“. Marcos P. Centeno Martín vergleicht (ebenfalls in Englisch) die künstlerischen Methoden von Susumi Hani und Ozu: „A Comparative Approach across Paradigms“. Bei Stefanie Kreuzer geht es um das Essen in den Filmen BREAKFAST AT TIFFANY’S von Blake Edwards und DER GESCHMACK VON GRÜNEM TEE ÜBER REIS von Ozu: „Einfach(es) Essen im Film?“. Hoch interessant finde ich den Text von Simon Frisch über die verspätete Ozu-Rezeption in Westeuropa: „Japanizität oder filmische Ästhetik?“. Ich habe in allen Beiträgen neue Informationen über Ozu gefunden, die mein Wissen über ihn erweitert haben. Mit wenigen Abbildungen. Mehr zum Buch: yasujiro-ozu-und-die-aesthetik-seiner-zeit/

Zwei Western

Zwei neue Western-Legenden von Koch Media. DRUMS ALONG THE MOHAWK (1939) von John Ford erzählt eine Familiengeschichte aus der Zeit des Unabhängigkeitskrie-ges. Gil Martin (Henry Fonda) und seine junge Frau Lana (Claudette Colbert) geraten auf ihrer kleinen Farm im Mohawk Valley in viel-fache Bedrängnis, Indianer bren-nen die Farm nieder, Lana verliert ihr Baby, Gil muss in den Krieg ziehen, wird totgesagt, aber von Lana gerettet, Lana ist erneut schwanger, ein englischer Agent (John Carradine) animiert hunderte Indianer zu einem Angriff auf das Fort, wo sich die Farmer verschanzt haben, Gil holt Verstärkung, am Ende kann er Frau und Kind in den Arm nehmen. John Fords erster Farbfilm. Bert Glennon hat wunder-bare Bilder gemacht, mit poetischen Momenten und vielen realistischen Details, die uns emotional berühren. Die Musik von Alfred Newman verstärkt die Stimmungen. Eindrucksvolle Schauspieler*innen, in Nebenrollen sehen wir Edna May Oliver, Ward Bond, Russell Simpson und Chief Big Tree. Die DVD hat eine gute Bildqualität. Zu den Extras gehört die Dokumentation BECOMING JOHN FORD (2007) von Nick Redman und Julie Kirgo (93 min.). Das Booklet enthält einen schönen Text von Fritz Göttler. Mehr zur DVD: legenden_51_dvd/

DUEL AT DIABLO (1965) von Ralph Nelson erzählt von Aus-einandersetzungen zwischen Indianern und Einwanderern. Drei Männer und eine Frau stehen im Mittelpunkt. Der Scout Jess Rem-berg (gespielt von James Garner) will den Tod seiner Comanchen-Frau rächen, die von einem unbe-kannten weißen Mann getötet und skalpiert wurde. Der Krämer Willard Grange (Dennis Weaver) ist ein Indianer-Hasser. Seine Frau Ellen (Bibi Andersson) wurde ein Jahr von den Apachen gefangen gehalten und von Jess befreit. Der schwarze Ex-Kavallerist Toller (Sidney Poitier) variiert zwischen den Fronten. Ein Soldatentrupp, begleitet von Jess, Willard und Toller, macht sich auf den Weg zum Fort Concho. Die Indianer legen einen Hinterhalt, es gibt Tote, die Wasservorräte gehen zur Neige, Jess übernimmt die Führung, die Konflikte untereinander verstärken sich, am Ende stellt sich natürlich heraus, dass Willard die Frau von Jess getötet hat. Das ist spannend erzählt und sehr professionell gespielt. Zur DVD gehört ein Booklet, wiederum mit einem sehr lesenswerten Text von Fritz Göttler. Mehr zur DVD:  legenden_52_dvd/

Ruth Hellberg

Sie agierte mehr auf der Bühne als vor der Kamera. Ruth Hell-berg (1906-2001) hat als Schau-spielerin in Deutschland ein erlebnisreiches Leben geführt, das uns Thomas Blubacher – Autor einer beeindruckenden Gustaf Gründgens-Biografie – mit seinem neuen Buch in Erinnerung ruft. Sie war offen-bar eine selbstbewusste Person, uneheliche Tochter einer Schau-spielerin und eines Theater-intendanten, verließ früh die Schule, um Schauspielerin zu werden, debütierte in Meiningen, zog mit der Theatertruppe von Hans Holtorf durch die Provinz und verschaffte sich ein Engagement bei den Münchener Kammerspielen unter Otto Falckenberg. Damit begann ihre Karriere. In den 1930er Jahren drehte sie ihre wichtigsten Filme, darunter YVETTE von Wolfgang Liebeneiner, HEIMAT von Carl Froelich, DREI UNTEROFFIZIERE von Werner Hochbaum. Von 1934 bis 1944 war sie mit Wolfgang Liebeneiner verheiratet. Hörbar war sie als Synchronsprecherin von Vivien Leigh, Myrna Loy, Elisabeth Bergner und Jeanne Moreau über viele Jahrzehnte. Nach Kriegsende spielte sie vorwiegend Theater u.a. in Stuttgart, Berlin, Frankfurt, Hamburg und München. In ihrer letzten Filmrolle war sie die Mutter von Karin Baal und Barbara Auer in Hermine Huntgeburths Film IM KREIS DER LIEBEN (1991). Ich habe Ruth Hellberg einige Male auf der Bühne gesehen und schätze auch ihre Filmarbeit. Thomas Blubacher hat hervorragend recherchiert, in den Anmerkungen (über 100 Seiten) findet man viele interessante Kurzbiografien. Mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: ruth-hellberg.html

Helge Schneider

Er ist vielseitig kreativ: als Sän-ger, Musiker, Schauspieler, Autor, Zeichner, Filmemacher. Helge Schneider (*1955 in Mühlheim an der Ruhr) gilt als Multitalent. In der 100-Seiten-Reihe des Reclam Verlages würdigt ihn Peter Kemper mit einem sehr zugeneigten Text, der die einzelnen Tätigkeiten kenntnisreich und differenziert darstellt. Natürlich habe ich JOHNNY FLASH (1986) von Werner Nekes, MENU TOTAL (1986) von Christof Schlingen-sief und MEIN FÜHRER (2007) von Dani Levy gesehen, in denen Helge Schneider jeweils die Hauptrolle spielte, aber ich war nie ein Fan von ihm. TEXAS – DOC SCHNEIDER HÄLT DIE WELT IN ATEM (1993) fand ich originell, seine vier anderen Regiefilme kenne ich nicht. Das kleine Buch hat mich neugierig gemacht. Zunächst werde ich einen seiner Kriminalromane lesen, dann sehen wir weiter. Mehr zum Buch: Peter/Helge_Schneider__100_Seiten

Die Odyssee der Drehbuchschreiber

Christopher Vogler ist Story-Editor von 20th Century Fox und Dozent an der University of Southern California, er kennt die Strukturen erfolgreicher Drehbücher und erzählt hier die Grundmuster einer „Heldenreise“. Seine theoretischen Paten sind der Mythenforscher Joseph Campbell und der Psycho-loge C. G. Jung. Das Buch entstand 1998, wurde damals auch ins Deutsche übersetzt, die vorliegende Ausgabe stammt aus dem Jahr 2010 und wurde jetzt im Autorenhaus Verlag neu herausgegeben. Der Text endet mit sechs Fragen, die nach Meinung des Autors schon immer die Mythen beherrscht haben: „Wer bin ich? Woher komme ich? Was wird geschehen, wenn ich sterbe? Was ist der Sinn von alledem? Wo ist mein Platz in dieser Welt? Wohin wird meine eigene Reise des Helden mich führen?“. Der Text (400 Seiten) teilt sich in zwei „Bücher“: „Die Reise“ (Praktische Einführung, Die Archetypen, Der Held, Der Mentor: weiser alter Mann, weise alte Frau, Der Schwellenhüter, Der Herold, Der Gestaltwandler, Der Schatten, Der Trickster) und „Stadien der Reise“ (insgesamt zwölf und ein Rückblick). Filmbeispiele, die vom Autor oft herangezogen werden, sind: THE WIZARD OF OZ (1939) von Victor Fleming, STAR WARS (1977) von George Lucas, ROMANCING THE STONE (1984) von Robert Zemeckis, BEVERLY HILLS COP (1984) von Martin Brest, FATAL ATTRACTION (1987) von Adrian Lyne, THE SILENCE OF THE LAMBS (1988) von Jonathan Demme, DANCES WITH WOLVES (1990) von Kevin Costner, THE LION KING (1994) aus den Disney-Studios und TITANIC (1997) von James Cameron. Dramaturgische Veränderungen der vergangenen zwanzig Jahre im Zusammenhang mit TV-Serien spielen keine Rolle. Ein Klassiker der Drehbuchliteratur. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: grundmuster-für-schriftsteller.phtml

Irving Penn

Im C/O Berlin ist zurzeit die Ausstellung „Centen-nial“ des „Jahrhundert-fotografen“ Irving Penn (1917-2009) zu sehen. Ich finde sie grandios. Auf zwei Etagen werden rund 240 Exponate gezeigt, elf Themen geben die Zeit- und Raumstruktur vor: „Lebenszeichen, 1939-47“ (Momente und Arrange-ments aus New York, Mexiko, Italien), „Existentielle Portraits, 1947-48“ (Prominente in einem jeweils speziellen, meist engen Raum, darunter Georgia O’Keeffe, Elsa Schiaparelli, George Grosz, Salvador Dali, Jerome Robbins, Igor Strawinsky, Le Corbusier, Alfred Hitchcock, Peter Ustinov, Truman Capote, Joe Louis, W. H. Auden, Spencer Tracy), „In Vogue, 1947-50“ (Titelgeschichten für die Zeitschrift), „Cuzco, 1948“ (Menschen in der peruanischen Stadt), „Aktaufnahmen 1949-50“ (eigenwillige Körperausschnitte), „Kleine Gewerbe, 1950-51“ (Menschen in London und New York mit Werkzeugen oder Gegenständen aus ihrem Arbeitsbereich), „Klassische Portraits, 1948-62“ (darunter T. S. Eliot, Marlene Dietrich, Jean Cocteau, Miró und seine Tochter, Richard Burton, Cecil Beaton, Audrey Hepburn, Yves Saint Laurent, Francis Bacon, Colette, Carson McCullers, Pablo Picasso), „Ethnographische Portraits, 1967-71“ (meist aufgenommen für Vogue in Neuguinea und Marokko), „Zigaretten, 1972“ (fotografiert in New York), „Zeitkapseln, 1960er Jahre-2007)“ (ungewöhnliche Portraits u.a. von Tom Wolfe, Truman Capote, Arthur Penn und Warren Beatty, Ingmar Bergman, Joan Didion, Zaha Hadid, Richard Avedon, Gianni Versace; Personen in exotischen Kostümen), „Stillleben, 1968-2007“. Es lohnt sich, die Ausstellungsräume mehrmals zu durchqueren. – Die erste Station der Ausstellung war im vergangenen Jahr das Metropolitan Museum of Art in New York. Der Katalog ist bei Schirmer/Mosel erschienen, herausgegeben von Maria Morris Hambourg und Jeff L. Rosenheim, mit Texten von Alexandra Dennett, Philippe Garner, Adam Kirsch, Harald E. L. Prins, Vasilios Zatse und dem Herausgeberteam. 365 Abbildungen in bester Qualität. Man kann sich stundenlang mit diesem Buch beschäftigen. Mehr zur Ausstellung: irving-penn-centennial-berlin . Mehr zum Buch: Penn_Centennial.pdf

Die Verheimatlichung der Welt

Ein sehr reflektiertes Buch über den Westernfilm ist im Neofelis Verlag erschienen. Es hat den Titel „Die Verheimatlichung der Welt“ und stammt von der Kunst- und Medienwissenschaftlerin Heike Endter. Ihre Überlegungen zum Western sind in fünf Kapitel unterteilt: „Raumbewusstsein“ (Filmbeispiele sind hier SHANE, DER KAISER VON KALIFOR-NIEN, THE BIG COUNTRY und THE BIG TRAIL), „Heimat-bindung“ (WESTERN UNION, DER KAISER VON KALIFOR-NIEN, DJANGO UNCHAINED, HEAVEN’S GATE und BONES OF CONTENTION), „Beweglichkeit“ (THE GOLDRUSH, THE FAR COUNTRY, WILL PENNY, APACHE und POWWOW HIGHWAY), „Statik“ (THE TRAP, JEREMIAH JOHNSON, THE BIG TRAIL, THE THREE BURIALS OF MELQUIADES ESTRADA, DEADWOOD, DJANGO UNCHAINED), „Ichbewusstsein“ (LITTLE BIG MAN, HOMBRE, THE MAGNIFICENT SEVEN). Es ist klar, dass sich das Westerngenre mit dem Thema Migration eng verbinden lässt. Die Lektüre des Buches ist spannend, weil die Autorin ihre Erkenntnisse konkret und präzise vermittelt, nur selten wissenschaftliche Verweise einfügt und der Text Lust macht, einige der genannten Filme bald einmal wiederzusehen. Mit 25 Abbildungen in sehr guter Qualität. Heike Endter hat 2011 ein Buch über „Ökonomische Utopien und ihre Bilder in Science-Fiction-Filmen“ publiziert. Das werde ich jetzt unbedingt lesen. Mehr zum Buch: 9783958081352

Nico Hofmann

Er ist seit 1. September 2017 Chef der UFA und damit einer der großen Produzenten in diesem Land. Nico Hofmann (*1959) hat jetzt ein Buch publiziert, das er nicht als Autobiografie verstanden wissen will, sondern als „Debattenbeitrag zur Analyse des Zustands unserer Gesell-schaft und zu der Frage, in welcher Welt wir heute und in Zukunft leben wollen“. Der Titel „Mehr Haltung, bitte!“ und der Untertitel „Wozu uns unsere Geschichte verpflichtet“ verwei-sen auf die Zielrichtung: den Leserinnen und Lesern mit seiner Lebensgeschichte die Verantwortung für die filmische Thematisierung gesellschaftlicher Konflikte zu vermitteln. Ich fühle mich mit Nico seit vielen Jahren befreundet, er war einige Zeit unser Nachbar in der Sybelstraße. In seinem Buch schreibt er über Eckpunkte in seinem Leben: die Verbindung zu seinen journalistisch tätigen Eltern, die sich beide bei der Mannheimer Filmwoche engagierten, aber scheiden ließen, als Nico 15 Jahre alt war, die Filmarbeit mit Super-8 seit der Schulzeit, das Sehen der amerikanischen Fernsehserie HOLOCAUST, die Ausbildung an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, der Abschlussfilm DER KRIEG MEINES VATERS, der Film LAND DER VÄTER, LAND DER SÖHNE, die Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Götz George, der Abschied von der Filmregie nach SOLO FÜR KLARINETTE, die Gründung der Firma teamWorx, die Produktion speziell der Filme DER TUNNEL, DRESDEN, UNSERE MÜTTER, UNSERE VÄTER, die Übernahme der Chefposition in der UFA. Nicos Text, bei dessen Formulierung er von dem Dramaturgen Thomas Laue unterstützt wurde, hat eine große Empathie. Immer wieder kommen Menschen ins Spiel, denen sich der Autor zu Dank verpflichtet fühlt, zum Beispiel der Theaterregisseur Dieter Dorn, die Produzentin Regina Ziegler, die Produzenten Bernd Eichinger, Fred Kogel und Jan Mojto. Auch die Tätigkeit an der Filmakademie in Ludwigsburg wird thematisiert. Es gibt Lücken, die mir aufgefallen sind (zum Beispiel die Nibelungenfestspiele in Worms), aber es gibt eine Konstante, die deshalb auch im Titel genannt ist: Haltung! Das ist für Nico Hofmann nicht nur ein Begriff, sondern eine Forderung. Mehr zum Buch: 488550.rhd