DAS GEHEIMNIS DES MARCELINO (1955)

2016.DVD.Geheimnis des MarcelinoLadislao Vajda (1906-1965) stammte aus Ungarn, drehte Filme in Italien, Palästina, Spanien und in den 1950er und 60er Jahren auch in Deutschland. Sein bekann-tester Film ist wohl ES GESCHAH AM HELL-LICHTEN TAG (1958) mit Heinz Rühmann und Gert Fröbe. MARCELINO PAN Y VINO (so der spanische Originaltitel) gilt als Kinderfilmklassiker. Er erzählt eine Geschichte aus dem 18. Jahrhundert. Ein Säugling wird vor einem Franziskanerkloster abgelegt und von den Mönchen aufgezogen. Eines Tages entdeckt er auf dem Dachboden ein großes Kruzifix. Die Christusfigur erwacht für den Jungen zum Leben, er versorgt sie regelmäßig mit Brot und Wein. Als er eines Tages darum bittet, seine Mutter wiederzusehen, nimmt ihn Christus in den Arm, und der kleine Marcelino stirbt. Die Geschichte wird von einem Mönch in einer Rückblende einem sterbenden Mädchen erzählt. Ein berührender Film, der 1955 einen Silbernen Bären bei der Berlinale gewann. Bei Koch Media ist jetzt eine DVD erschienen, das Material wurde dafür HD-remastered. Mehr zur DVD: FILM&page=0&id=1006716

Die Nibelungen-Filme

2016.NibelungenIn Worms finden zurzeit die Nibelungen-Fest-spiele statt. Sie begannen gestern Abend mit der Uraufführung der Komödie „GOLD. Der Film der Nibelungen“ von Albert Ostermaier mit Uwe Ochsenknecht. Zum Rahmenprogramm gehören die „Theater-begegnungen“, die am Sonntag veranstaltet werden. Ihr Thema: „ Der Nibelungenstoff – über die Möglichkeiten einer zeitgenössischen Verfilmung“. Der Festspielintendant Nico Hofmann spricht zunächst mit dem Autor Albert Ostermaier und dem Regisseur Nuran David Calis über die Inszenierung der Nibelungen für die Bühne. Dann spielen Musiker des Nibelungen-Ensembles. Anschließend halte ich einen Vortrag über die Varianten der bisherigen Nibelungen-Filme. Dann liest Mario Adorf aus einem Nibelungen-Stück. Und zum Abschluss diskutieren Sascha Schwingel (Degeto), Gabriela Sperl (Historikerin und Autorin), Frank Hertweck (SWR) und HHP, moderiert von Klaudia Wick, über die Frage „Was gehen uns die Nibelungen an?“. Meinen Vortrag stelle ich demnächst ins Netz. Mehr zu den Nibelungen-Festspielen: nibelungenfestspiele/index.php

Deutsche Geschichte im Spielfilm

2016.InszeniertSeit Anfang Juni ist im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutsch-land in Bonn die Ausstel-lung „Inszeniert. Deut-sche Geschichte im Spiel-film“ zu sehen. Sie zeigt mit über 500 Exponaten und Filmausschnitten, wie sich in Deutschland der Blick auf die eigene Geschichte entwickelt und verändert hat. Ein interessantes Begleitbuch zur Ausstellung ist im Kerber Verlag erschienen. In elf Beiträgen wird das Thema medial und historisch aufgefächert. Frank Bösch gibt einen Überblick über Zeitgeschichte im deutschen Spielfilm. Angela Schwarz richtet den Blick auf Computer-spiele zur Geschichte. Silke Satjukow informiert über heutige Medien-angebote zum Thema. Nach einer Einführung in die Ausstellung geht es chronologisch weiter: Johanna Dietrich behandelt den Holocaust im Spielfilm, Judith Kruse den Widerstand gegen den Nationalsozialis-mus, Hans-Joachim Westholt Flucht, Vertreibung und Integration, Mark Laux das „Wirtschaftswunder“ im zeitgenössischen populären Spielfilm, Judith Kruse die Rote Armee Fraktion zwischen Legenden-bildung und Aufklärung, Alexander Hallasch die DDR im Spielfilm nach 1989. Zu diesen Themen sind kurze Interviews mit Günter Rohrbach, Stefan Kolditz, Nico Hofmann, Rainer Berg und Maria Furtwängler, Hanna Schygulla und Heinrich Breloer eingefügt. Ein Gastbeitrag stammt von der MDR-Intendantin Karola Wille. Viele Abbildungen in guter Qualität machen die Texte konkret. Mehr zum Buch: geschichte-im-spielfilm.html. Die Ausstellung ist in Bonn bis 15. Januar 2017 zu sehen und wandert dann ins Zeitgeschichtliche Forum nach Leipzig.

25 Jahre Filmakademie Baden-Württemberg

2016.LudwigsburgIn Ludwigsburg wird heute der 25. Geburtstag der Filmakademie Baden-Württemberg gefeiert. Rund um den schönen Akademiehof gibt es vier Tage lang Veran-staltungen für Alumni, Studierende, Lehrende, Unterstützer und Weggefährten. Von morgens bis jeweils in die Nacht sind Filme aus den vergangenen 25 Jahren zu sehen. Ein Festakt in der Scala soll der Höhepunkt werden. Die „Laudatio“ hält Nico Hofmann, der seit 1991 Professor für szenische Regie an der Filmakademie ist. Zum Abschluss am Sonntagvormittag spricht der Akademie-Direktor Thomas Schadt mit Oscar-Nominierten und Gewinnern des Studenten-Oscars. Und im Ludwigsburg Museum ist eine Ausstellung über 25 Jahre Filmakademie zu sehen. Ich fühle mich Thomas Schadt und der Filmakademie sehr verbunden und freue mich auf den Festakt heute Abend. Mehr zum Ereignis: 25_Jahre_Programm_Auflage2.pdf

Entgrenzte Figuren des Bösen

2016.Entgrenzte Figuren des BösenEine Dissertation, die an der Universität Mainz entstan-den ist. Sabrina Eisele unter-sucht fiktive „Böse“ am Typus der „entgrenzten Figur“, sie hat dafür drei Filmbeispiele und eine Tanzperformance ausgewählt. Sie stellt zunächst methodische Vorüberlegungen an, definiert sehr präzise den Typus der entgrenzten Figur als Zwischenfigur in einer bestehenden antagonisti-schen Konfliktstruktur mit dem Gestus der Selbst-ermächtigung, ohne motivierende Vorgeschichte, zieht Verbindungslinien zu vergleichbaren Figuren (Trickster, Souveräne), macht einen ausführlichen Exkurs über das Spiel im fiktionalen Kontext, reflektiert über die Reichweite konventionalisierter Theorieansätze zur Rezipientenbeteiligung und kommt schließlich (auf S. 193) zum eigentlichen Thema, den konkreten Figuren Lecter (in THE SILENCE OF THE LAMBS von Jonathan Demme), Joker (in THE DARK KNIGHT von Christoper Nolan) und Murata (in THE COLD FISH von Sion Sono). Bei Lecter geht es um die Aufhebung der Differenz zwischen Innen und Außen, bei Joker um die Aufhebung der Differenz zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, bei Murata um die Aufhebung der Differenz zwischen Materialität und Referentialität. Hier ist sind die Beobachtungen relativ konkret und nahe an den Bildern. Erweitert wird die Untersuchung anschließend mit einer Analyse der Tanzperformance „Angoloscuro“ von William Forsythe. Offenbar zweckbedingt ist der Text sehr theoriefixiert; das führte bei mir zwischendurch zu Ermüdungserscheinungen. Mehr zum Buch: entgrenzte-figuren-des-boesen

Die DDR und die Westmedien

2016.SchwarzhörerEine Dissertation, die an der Humboldt-Univer-sität in Berlin entstanden ist. Franziska Kuschel hat sich darin sehr umfas-send und hervorragend dokumentiert mit der Rezeption der West-medien in der DDR auseinandergesetzt. Rundfunk, Fernsehen, Zeitungen und Zeit-schriften des Westens durften bekanntlich im Osten Deutschlands nicht gehört, gesehen oder gelesen werden. Die Intensität, mit der das vom Staat verfolgt wurde, war unterschiedlich. Die Möglichkeiten, das Verbot zu umgehen, wurden zum Teil sehr intensiv ausgenutzt. Die Autorin teilt ihren Text in drei historische Abschnitte: die Jahre 1949 bis 1961, 1961 bis 1971 und 1971 bis 1989. Der Einschnitt 1961 war der Mauerbau, der die Möglichkeiten des Zugangs zu den Printmedien einschränkte, aber den Fernsehempfang der westlichen öffentlich-rechtlichen Programme in weiten Teilen der DDR – abgesehen vom bestehenden Verbot – nicht verhindern konnte. Der Einschnitt 1971 war der Machtwechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker. Die technischen und administrativen Maßnahmen zur Verhinderung des Empfangs der Westmedien wurden nicht verstärkt, es fand sogar eine Liberalisierung in der Medienpolitik statt. Natürlich werden auch die Entwicklungen des DDR-Fernsehens dargestellt. Ein eigenes Kapitel ist der Sendereihe „Der schwarze Kanal“ von Karl Eduard von Schnitzler gewidmet, die eine Antwort auf Thilo Kochs „Die rote Optik“ war. Am Rande wird auch der Filmbereich behandelt, etwa mit einem Abschnitt über Grenzkinos vor dem Mauerbau oder mit Hinweisen auf importierte Filme aus der Bundesrepublik. Mehr als 1.000 Quellenverweise vor allem auf Akten des Bundesarchivs beweisen die Sorgfalt der Autorin bei ihrer Recherche. Der Text liest sich dennoch sehr flüssig. Das Titelfoto stammt von dem Fotografen Martin Schmidt: „Das Tierarztehepaar Dr. Krause bei abendlicher Entspannung vor dem Fernseher“ (1962). Mehr zum Buch: heimliche-leser.html

Filme von Katrin Seybold

2016.DVD.Katrin SeyboldSie war eine streitlustige, auf-müpfige, aber auch sehr liebens-werte Frau, mit der ich eng zusammengearbeitet habe, als sie Anfang der 1970er Jahre in der Deutschen Kinemathek für die Filmbeschaffung zuständig war. Sie ging dann nach Mün-chen, wurde Filmemacherin, gründete eine eigene Produk-tionsfirma und realisierte Filme, die vor allem mit der deutschen Vergangenheit zu tun hatten. Katrin Seybold (1943-2012) fand eine eigene Form für ihre Dokumentarfilme, in denen sie überlebende Zeitzeugen aus dem Widerstand gegen die National-sozialisten nach ihren Erinnerungen befragte. Sie hat in ihrer Montage nie Propagandamaterial verwendet, sie hat nach Fotos und Dokumenten geforscht und Gespräche geführt, in denen oft bewegende Geschichten erzählt werden, vor allem von Frauen. Zwei beispielhafte Filme von ihr gibt es jetzt in der Reihe „Edition Filmmuseum“ auf DVD: NEIN! ZEUGEN DES WIDERSTANDES IN MÜNCHEN 1933-1945 (1998) und DIE WIDERSTÄNDIGEN. ZEUGEN DER WEISSEN ROSE (2008). Vor allem der letztgenannte Film kann als Katrins Vermächtnis gelten. 14 Angehörige und Freunde von Willi Graf, Christoph Probst Alexander Schmorell, Hans und Sophie Scholl hat sie für den Film befragt und zum Teil sehr intensive Antworten bekommen. Ein beeindruckendes Dokument. Auf den DVDs sind außerdem der Kurzfilm HAMBURGER ZEUGEN DER WEISSEN ROSE (2009) und das Porträt LUDWIG KOCH. DER WEG EINES POLITISCHEN MENSCHEN (2000) zu sehen. Zwei Hörspiele sind ebenfalls dokumentiert: „Wagnis Weiße Rose: Es lebe die Freiheit!“ und „Wagnis Weiße Rose: Ihr Geist lebt weiter“ (beide aus dem Jahr 2012). Stefan Drößler hat für das Booklet einen gut recherchierten biografischen Text über Katrin Seybold beigesteuert. Mehr zur DVD: Zeugen-des-Widerstandes-in-M-nchen-1933-1945.html

Die Filmerzählung

2016.FilmerzählungSusanne Kaul ist Akademische Oberrätin an der Universität Münster, Jean-Pierre Palmier wissenschaftlicher Referent der Studienstiftung des deutschen Volkes in der Geschäftsstelle Bonn. Sie haben gemeinsam bereits Einführungen in die Filme von Stanley Kubrick (2010), David Lynch (2011) und Quentin Tarantino (2013) publiziert. Ihre Einführung in die Filmerzählung ist – wie die vorangegangenen Bücher – bei Wilhelm Fink in Paderborn erschienen. Sie ist wissenschaftlich konzipiert, erfüllt theoretische Ansprüche, konkretisiert aber ihre Befunde mit vielen Beispielen aus der internationalen Filmgeschichte. Nach einem Basiskapitel über Film- und Medientheorie des Erzählens wird der „Mythos vom Filmerzähler“ definiert. Dann geht es um Figuren und Perspektiven, Erzählebenen und Ausdrucksebenen, Zeitstruktur und Montagefunktionen, erzählerische Elemente der Bildgestaltung und erzählerische Funktionen der Tongestaltung. Eigene Kapitel sind dem „unzuverlässischen Erzählen“, dem „metafiktionalen Erzählen“ und der Literaturverfilmung gewidmet. Ein Forschungsausblick schließt das 192-Seiten-Buch ab, das sich als kompakte Einführung erweist. Mit Bibliografie und Filmliste, ohne Abbildungen. Mehr zum Buch: 978-3-7705-5277-1.html

The Bible Revisited

2016.Bible Revisited.kleinDie Bibel hat dem Film von Beginn an viel Stoff geliefert, insbesondere dem europäischen und amerikanischen Film. Adaptiert wurden Geschichten aus dem Alten und aus dem Neuen Testament. Der vor-liegende Band „The Bible Rivisited“ dokumentiert eine Fachtagung der Internationalen Forschungsgruppe Film und Theologie, die 2014 in der Katholischen Akademie Schwerte stattgefunden hat. Hier ging es um zeitgenössische Filmproduktionen der letzten 15 Jahre, um die Vielfalt und Aktualität der Bibelfilme. In 13 Texten und zwei Gesprächen wird das Thema konkretisiert. Ich nenne sieben Beiträge, die mir besonders gut gefallen haben: Joachim Valentin fragt „Hiob undercover?“ – wie sich die Frage nach Gott und dem Menschen postmodern stellt und wie die Coen Brothers sie beantworten. Michael Strothmeier untersucht die Verschränkung von Biblischer Theologie und Heideggerscher Existenzphilosophie in Terrence Malicks THE TREE OF LIFE. Reinhold Zwick ruft neue Bibelfilme aus drei Kontinenten in Erinnerung, darunter NOAH von Darren Aronofsky, EXODUS: GODS AND KINGS von Ridley Scott und HISTOIRE DE JUDAS von Rabah Ameur-Zaimeche. Moisés Mayordomo analysiert die Jesus-Satire MONTHY PYTHON’S LIFE OF BRIAN. Matthias Wörther fragt nach dem Jesus-Bild in der Komödie JESUS LIEBT MICH von Florian David Fitz. Peter Hasenberg sieht die Passion Christi als Referenzrahmen in den Filmen KREUZWEG von Dietrich Brüggemann und CAVALRY von Michael McDonagh. In einem Epilog macht sich Charles Martig Gedanken über Probleme und Chancen der filmischen Bearbeitung biblischer Stoffe und Figuren. Band 29 der Reihe „Film und Theologie“. Mit vielen Abbildungen in guter Qualität. Coverfoto: SU RE (2013). Mehr zum Buch: 485-the-bible-revisited.html

Kalanag

2016.KalanagAls Zauberer „Kalanag“ hat er international Karriere gemacht. Aber parallel war Helmut Schreiber (1903-1963) im Filmgeschäft tätig, in Berlin und in München, als Aufnahmeleiter, Produk-tionsleiter, Produzent, gelegentlich auch als Regisseur. Rolf Aurich hat für die Filit-Reihe des Verbrecherverlages eine Biografie über ihn geschrieben: über seine Tätigkeiten in den zwanziger Jahren, als er noch mit dem Filmarchitekten Max Heilbronner befreundet war, über seine Affinität zum National-sozialismus, über seine engen Verbindungen zur Bavaria und manche Widersprüche auf dem Weg zur Entnazifizierung. Auch wenn die Zauberei und Schreibers Rolle bei der Herausgabe der Zeitschrift Magie immer wieder zur Sprache kommen, im Mittelpunkt des Buches steht die Filmarbeit. Besonders interessant finde ich Aurichs Informationen zu den ALRAUNE-Filmen von Henrik Galeen und Richard Oswald, zu Hans H. Zerletts Filmen TRUXA, ES LEUCHTEN DIE STERNE und ROBERT UND BERTRAM und vor allem zu Schreibers Tätigkeit bei der Bavaria. Hier konnten vom Autor u.a. die Protokolle der Dramaturgischen Besprechungen ausgewertet werden. Ergiebig waren auch die Entnazifizierungsakten beim Bundesarchiv und der Helmut Schreiber-Nachlass im Zentrum für Zauberkunst in Nottuln-Appelhülsen. Als fragwürdig erweist sich natürlich Kalanags Autobiografie „Der Magier erzählt sein Leben“ (Hamburg 1962). Der Anhang enthält eine Filmografie. Das Buch ist hervorragend recherchiert und spannend zu lesen. Mehr zum Buch: book/detail/834