METROPOLIS

2017.MetropolisVor neunzig Jahren, im Januar 1927, fand im Ufa-Palast in Berlin die Urauffüh-rung des Films METROPOLIS von Fritz Lang statt. Aus diesem Anlass zeigt die Uni-versitäts-und Stadtbiblio-thek Köln eine Ausstellung, die noch bis zum 20. Februar zu sehen ist. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und präsentiert Kostüme, Entwurfszeichnungen des Architekten Erich Kettelhut, Drehbuchseiten, Filmplakate, Fotos, Filmkameras und nachgebaute Requisiten. Speziell die Bedeutung des Regisseurs Fritz Lang wird in der Ausstellung gewürdigt. Verantwortlicher Kurator ist Thomas Bähr. Lesungen und Vorträge über den Film und seine Entstehung finden seit einigen Wochen vor Ort statt. Es gibt auch einen Katalog, den man bei der Bibliothek bestellen kann, er kostet 12 € + Versand. Er ist reich bebildert und enthält Beiträge über das Drehbuch von Juliane Scholz, die Filmmusik von Peter Moormann, die Kameratechnik von Manfred Romboy, die Ufa und METROPOLIS von Nina Isi Davis, film- und kulturhistorische Betrachtungen zu Langs Film von Peter Scheinpflug, zwei zeitgenössische Filmkritiken von Theodor Heuss und Hans Siemsen, Hinweise auf METROPOLIS in Köln von Irene Schoor und biografische Daten zu Fritz Lang, Thea von Harbou, Erich Pommer, Brigitte Helm, Gustav Fröhlich, Alfred Abel und Rudolf Klein-Rogge. Alle Texte in Deutsch und Englisch. Ein beeindruckender Katalog (236 Seiten). Der Film METROPOLIS wurde 2001 in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen. Mehr zur Ausstellung: ausstellung/metropolis/index_ger.html

Wochenschau und Tagesschau

2016.Wochenschau zur TagesschauEs handelt sich um eine Disser-tation, die an der Universität Hamburg entstanden ist. Sigrun Lehnert dokumentiert nach ausführlichen Recherchen mit bewundernswerter Genauigkeit den Bedeutungswechsel der aktuellen Nachrichtenvermitt-lung vom Kino zum Fernsehen in der Bundesrepublik der 1950er Jahre. Die Autorin beschreibt zunächst die Medienentwicklung vor dem Hintergrund von Industrie und Wirtschaft, Wiederaufbau und Wohn-verhältnissen, Mobilität und Reiselust, Konsum und Freizeitverhalten. Dann geht es um die Entwicklung der audiovisuellen Informationsformate: den historischen Weg der Filmwochenschau, die Stationen des Fernsehens, den Wiederaufbau der Filmwirtschaft, die Gründung und Entwicklung der „Neuen Deutschen Wochenschau“, die Gründung und Entwicklung des Fernsehens beim NWDR, die Konzeption und Herstellung der Tagesschau, die Kinokrise und die Umgestaltungsversuche der Wochenschau in der zweiten Hälfte der 50er Jahre, den Bedeutungsgewinn des Fernsehens und die Weiterentwicklung der Tagesschau. Bis in die formalen Details werden anschließend die Themen und die formalen Elemente (Dramaturgie, Musik, Kommentar) von „Neuer Deutscher Wochenschau“ und Tagesschau verglichen. Speziell untersucht wird die Darstellung des Aufstands in Ungarn 1956, des Flüchtlingsproblems 1958 und des Baus der Berliner Mauer 1961. Ein eigenes Kapitel ist der Instrumentalisierung der Wochenschau für die Werbung gewidmet. Auch die Wechsel der personalen Verantwortlichkeiten kommen zur Sprache. In der Struktur und Informationsvermittlung eine vorbildliche Arbeit. Mit wenigen Abbildungen und umfangreicher Bibliografie. Erschienen in der Reihe „Medienwissenschaft“ des uvk Konstanz/München. Mehr zum Buch: 06e24e0e08/

Kino-Enthusiasmus

2016.Kino-EnthusiasmusHeimo Bachstein (1937-2011) war Sparkassenangestellter und Kino-Enthusiast. Er lebte ab 1950 in Marktheidenfeld im Landkreis Main-Spessart und hat mit großer Leidenschaft Materialien zum Film gesammelt: Bücher, Zeit-schriften, Fotos, Plakate, Presse-hefte, Zeitungsausschnitte, Film-streifen. 2002 hat er einen Teil seiner Filmbücher der Bibliothek der Goethe-Universität in Frankfurt geschenkt. Sein Archiv wurde 2010 von der Universitäts-bibliothek Weimar übernommen. Das Buch „Kino-Enthusiasmus“, herausgegeben von Volker Pantenburg und Katrin Richter, vermittelt einen ersten Eindruck vom Reichtum der Sammlung. Bachstein war nicht am Mainstreamkino interessiert, sondern an experimentellen, ungewöhnlichen Filmen, die er sich vor allem auf Festivals in Oberhausen und Mannheim anschaute. Das Buch dokumentiert dies in drei Schwerpunkten: „New American Cinema“, „Experimentalfilm in Deutschland“ und „Das Kino von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub“. In Texten und Abbildungen wird deutlich, wie intensiv sich Bachstein mit der Filmmaker’s Cooperative, mit Bruce Baillie und Bruce Conner, Shirley Clarke, Andy Warhol und Jack Smith, mit der Hamburger Film Coop, mit Hellmuth Costard, Wilhelm + Birgit Hein und den Filmen von Straub/Huillet beschäftigt hat. Mit vielen von ihnen hat er korrespondiert, die Programme zu Filmreihen gesammelt und Notizen zu einzelnen Filmen gemacht. Speziell der Briefwechsel mit Danièle Huillet enthält sicherlich noch interessante Informationen. 2015 fanden in Weimar eine Ausstellung und eine kleine Filmreihe statt, die sich auf die Sammlung Bachstein bezogen. Zu Gast waren Helmut Färber, Maja Naef, Karola Gramann und Heide Schlüpmann. Auch dies ist in der Publikation dokumentiert. Ihre Struktur ist beispielhaft, die Gestaltung (Ricarda Löser) wunderbar. Ich bin von diesem Buch so fasziniert, weil ich ja selbst viel sammle, wobei meine Schwerpunkte bei anderen Filmemacherinnen und Filmemachern liegen. Mehr zum Buch: kino-enthusiasmus/

Marlene Dietrich

2016.Marlene DietrichBei diesem Buch von Katja Kulin (*1974) über das Leben von Marlene Dietrich handelt es sich um eine „Romanbiografie“. Das gibt der Autorin die Mög-lichkeit, wichtige Momente und Situationen fiktional zu konkre-tisieren, Dialoge zu erfinden, die authentisch klingen und beim Lesen Emotionen auslösen. Kulin konzentriert sich in ihrem Text auf die Zeit von 1928 bis 1945. Die Zeit davor und danach, von 1901 (Geburt) bis 1992 (Tod), wird mit fragmenta-rischen Informationen ver-mittelt. „Von Kopf bis Fuß auf Leben eingestellt“ heißt der Untertitel. Der Blick richtet sich auf die berufliche Karriere, die mit dem BLAUEN ENGEL (1930) des Regisseurs Josef von Sternberg ihren ersten Höhepunkt erreicht, in Hollywood zu einem Auf und Ab bei verschiedenen Studios führt und Marlene nach dem Kriegseintritt der USA zu einem Star in der Truppenbetreuung macht, und auf das Privatleben, in dem berühmte Männer und Frauen als Liebhaber/innen, die Tochter Maria, die Kinderbetreuerinnen, der formale Ehemann Rudi Sieber und dessen Geliebte Tami, Kochen, Reisen und der Wechsel von der deutschen zur amerikanischen Staatsbürgerschaft die wichtigsten Elemente sind. Marlene-Fans wissen von ihrer Nähe zu Josef von Sternberg, John Gilbert (der quasi in ihren Armen stirbt), Douglas Fairbanks, Erich Maria Remarque, Ernest Hemingway, James Stewart und vor allem Jean Gabin, zu Mercedes de Acosta und Marion Barbara Carstairs, genannt „Joe“. Sie alle sind in der Romanbiografie präsent. Beeindruckend beschrieben sind die Dreharbeiten zu dem Western DESTRY RIDES AGAIN (1939) unter der Regie von George Marshall, mit James Stewart als Partner. Inspirationen hat sich die Autorin vor allem aus den beiden Dietrich-Büchern „Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin“ und „Nachtgedanken“, aus Maria Rivas Autobiografie „Meine Mutter Marlene“, aus dem Briefwechsel mit Remarque und aus den Biografien von Steven Bach und Donald Spoto geholt. Zitate sind kursiv gedruckt, aber sie dominieren nicht. Und natürlich gibt es auch einen peinlichen Fehler: In einem Absatz über ihre Gastfreundschaft in der Emigrantenkolonie von Hollywood steht der Satz: „Der Schauspieler Fritz Lang liebt ihr Gulasch.“ (S. 124). Mehr zum Buch: c-28/p-7072/

Der große Crash

2016-der-grosse-crashEs geht um Wirtschaftskrisen in Literatur und Film. Ausgangs-punkt der Publikation war eine interdisziplinäre Tagung im März 2015 über „Wirtschafts-krisen in der Literatur“ an der Universität Koblenz. 21 Texte sind auch speziell diesem Thema gewidmet. Darunter befinden sich sehr lesenswerte Beiträge über „Robinson Crusoe“ von Daniel Defoe, über Goethe + Thomas Mann, über ökono-mische Motive in der literari-schen Darstellung des Boxens, über Elfriede Jelinek, Kathrin Röggla, Petros Markaris, Rainald Goetz und Terézia Mora. Von den „Krisen im Film der Gegenwart“ handeln drei Texte. Stefan Neuhaus beschäftigt sich mit dem Problem der Krisen- und Kontingenzbewältigung durch Konsum am Beispiel von David Finchers FIGHT CLUB. Von Timo Rouget stammt ein Beitrag über die Finanzkrise 2008 in der Filmkomödie. Er untersucht speziell die dritte Folge der 13. Staffel von SOUTH PARK, verweist aber auch auf MARGIN CALL von J. C. Chandor (dessen deutscher Titel für die Publikation vereinnahmt wurde) und auf den Dokumentarfilm CAPITALISM: A LOVE STORY von Michael Moore. Stéphane Boutin schreibt über die Fernsehserie BREAKING BAD und den Niedergang der Mittelschicht („Das Unbehagen im amerikanischen Traum“). Alle Beiträge sind mit zahlreichen Quellenverweisen wissenschaftlich abgesichert. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 87v0f0dmf6

CALL NORTHSIDE 777 (1948)

2017.DVD.Kennwort 7771933 wird der Immigrant Frank Wiecek in Chicago zu einer lebenslänglichen Zuchthaus-strafe verurteilt, weil er einen Polizisten erschossen haben soll. Das Urteil stützt sich auf die Aussage einer Augenzeugin, die ihn erkannt haben will. Elf Jahre später bietet Wieceks Mutter, eine Putzfrau, 5.000 $ Belohnung für die Ergreifung des wirklichen Täters, denn sie glaubt an die Unschuld ihres Sohnes. Der Fall wird zum Thema des Reporters P. J. McNeal der Chicago Times, der bei seinen Recherchen zunehmend neue Indizien für eine falsche Verurteilung findet. Er wird vom Chefredakteur unterstützt, aber von der Polizei bei seinen Ermittlungen behindert. James Stewart als McNeal ist ein idealer Darsteller für die Hauptfigur in diesem Film noir, den Henry Hathaway inszeniert hat. Richard Conte spielt den verurteilten Wiecek, Lee J. Cobb den Chefredakteur, auch kleinere Rollen sind gut besetzt. Phänomenal sind die Schwarzweißbilder des Kameramannes Joseph McDonald. Bei Pidax ist jetzt eine DVD des beeindruckenden Films erschienen, in deutscher und englischer Sprache, mit einem Booklet, das die Reproduktion der Illustrierten Filmbühne und Texte von Reiner Boller zur Entstehung des Films und zu dem Hauptdarsteller James Stewart enthält. Mehr zur DVD: Call-Northside-777-Remastered-Edition::989.html

on location: Kroatien

2016-kroatienDies ist der vierte Band der Reihe „on location – Reiseführer zu den Orten des Kinos“, die im Schüren Verlag erscheint. Er führt uns nach Kroatien, auf den Spuren von WINNETOU und GAME OF THRONES. Ich bin noch nie dort gewesen, aber die beiden Autoren Dirk Brüderle (Rechtsanwalt und Karl May-Fan) und Michael Scholten (Journalist) beschreiben sehr anschaulich die Schauplätze, an denen Karl May-Filme gedreht wurden: den Zrmanja-Canyon, die Plitvicer Seen, den Krka-Nationalpark, die Umgebung von Biograd und Vrklika, die Region um Split, Omis und Tragir. Es gibt Orts- und Wegbeschreibun-gen, aber auch Anekdoten über Dreharbeiten. Ein eigenes Kapitel ist dem neuen RTL-WINNETOU gewidmet. Karl May-Filme sind der Schwerpunkt des Bandes. Aber wir werden auch nach Dubrovnik geführt, wo in der Altstadt seit 2011 Außenaufnahmen für GAME OF THRONES gedreht werden, 2014 Aufnahmen zu der Reihe DIE BORGIAS, 2016 zur Reihe KNIGHTFALL und zu STAR WARS – EPISODE VII entstanden. In der kleinen Hafenstadt Senj realisierte 1979 – vielleicht erinnert sich noch jemand – Fritz Umgelter die 13-teilige Serie DIE ROTE ZORA UND IHRE BANDE fürs ZDF. In Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens, sind natürlich viele Filme gedreht worden, u.a. auch DER PROZESS von Orson Welles. Das Buch enthält viele Abbildungen in guter Qualität, sowie Register der Filme und Orte. Coverfoto: Pierre Brice und Lex Barker in WINNETOU. Mehr zum Buch: winnetou-und-game-of-thrones.html

Die geheime Geschichte von TWIN PEAKS

2016-twin-peaksReal gibt es das Holzfäller-städtchen Twin Peaks im Nordwesten der USA natür-lich nicht. Es ist eine Erfindung von David Lynch und Mark Frost für eine Fernsehserie, die Anfang der 90er Jahre von ABC ausge-strahlt wurde und viele Fans hatte. Nach zwei Staffeln wurde sie eingestellt. Der als Prequel konzipierte Film TWIN PEAKS – FIRE WALKS WITH ME kam 1992 in die Kinos und war ein Flop. Jetzt ist – nach 25 Jahren – die dritte Staffel angekündigt, und der Autor Mark Frost lässt ihr einen „Roman“ vorausgehen, „Die geheime Geschichte von Twin Peaks“, der in Deutschland bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist und formal wenig mit einem Roman zu tun hat. Es ist ein geheimes FBI-Dossier, angelegt von einem „Archivar“, das uns mit vielen Faksimiles und Dokumenten konfrontiert, beginnend mit den Expeditionstagebüchern von William Clark und Meriwether Lewis aus dem Jahr 1805 und dem seltsamen Tod von Lewis. Wir bekommen Informationen zum Wirken des Häuptlings Joseph der Nez-Percé-Indianer, werden in Twin Peaks verortet, erfahren aus der Twin Peak Gazette von einem riesigen Fußabdruck, den die Pfadfinder Andrew Packard und Douglas Milford 1927 fotografiert haben, werden mit Dokumenten über die Ufo-Sichtungen 1947 aufgeklärt und sind schließlich ganz nahe bei dem Verleger der Twin Peaks Gazette, Douglas Milford, und seinem Bruder Dwayne, dem Bürgermeister, die miteinander verfeindet sind. Auch Präsident Richard Nixon kommt ins Spiel. Und am Rande der Dokumente lesen wir die Kommentare der Agentin Tamara Preston, die den „Archivar“ ermitteln soll, der das Dossier angelegt hat. Vom Inhalt der dritten Staffel erfährt man im Übrigen nichts, aber das ist nicht schlimm, denn das Buch ist in seinen mysteriösen Kombinationen spannend genug, um mindestens all jene in Atem zu halten, die mit TWIN PEAKS vertraut sind und sich auf die Fortsetzung freuen. Auch drucktechnisch ist der Band außergewöhnlich. Für die deutsche Übersetzung war Stephan Kleiner zuständig. Mehr zum Buch: 978-3-462-04815-5/

Militärische Leitbilder

2016-militaerische-leitbilderKlaus Kanzog (*1926) hat viele Jahre an der Ludwig-Maximi-lians-Universität München am Institut für Deutsche Philologie für die Etablierung der „Film-philologie“ gekämpft und in seinen zahlreichen Publika-tionen vor allem für historische Genauigkeit plädiert. Sein Handbuch zu 30 deutschen Spielfilmen der Jahre 1934 bis 1945 „Staatspolitisch besonders wertvoll“ (1994) ist mir unter den Büchern zum NS-Film besonders wichtig. Im Verlag Traugott Bautz ist jetzt eine Studie über „Militärische Leitbilder in Spielfilmen der Bundesrepublik der 50er Jahre“ erschienen, in der es um Fragen der Geschichtsvermittlung geht. Der Untertitel des Buches heißt „Faktizität, Kunstfreiheit, Rhetorik“. Kanzog untersucht acht Filme in ihrer argumentativen Nähe zur damaligen Debatte um die deutsche Wiederbewaffnung. Dies sind DES TEUFELS GENERAL (1954) von Helmut Käutner nach dem Theaterstück von Carl Zuckmayer, zwei Filme von Alfred Weidenmann: DER STERN VON AFRIKA (1957) und CANARIS (1954), vier Filme von Frank Wisbar: HAIE UND KLEINE FISCHE (1957), FABRIK DER OFFIZIERE (1960), HUNDE, WOLLT IHR EWIG LEBEN (1958) und NACHT FIEL ÜBER GOTENHAFEN (1969) und URLAUB AUF EHRENWORT (1959) von Wolfgang Liebeneiner. Ein eigenes Kapitel ist den neuen politischen Rahmen­bedingungen Mitte der 50er Jahre gewidmet. Hochinteressant ist der Drehbuchkonflikt bei CANARIS zwischen Erich Ebermayer und Herbert Reinecker. Beim STERN VON AFRIKA gibt es Exkurse zu Weidenmanns JUNGE ADLER (1944) und Roy Ward Bakers EINER KAM DURCH (1957). Mehrfach werden die Romanvorlagen mit den Filmen (bei Frank Wisbar) verglichen. Und bei Liebeneiner geht der Blick zurück zu Karl Ritters Film mit demselben Titel aus dem Jahr 1938. Zum Schluss folgen Koordinaten der filmischen Wahrnehmung: Wehrmacht, Doppelstaat, Kinoerlebnis, Charisma und eine Konklusion zu Geschichtlichkeit und Geschichtsbewusstsein. Ein interessantes Buch zum bundesdeutschen Film der 50er Jahre. Mehr zum Buch: 9783959481731.html

Kinematographische Differenz

2016-kinematographische-differenzEine Dissertation, die an der Uni-versität Klagenfurt entstanden ist. Markus Brandstätter bewegt sich im abstrakten Raum und erforscht den Kinematographen „als Schema und Modell des transzendentalen Voll-zugs“. Er wird dabei von Heidegger, Kant und Deleuze unterstützt. Ein Schlüsselsatz ist die erste Anmer-kung: „Zeichenbewegungen in [ ] sind [begrifflich] und als [Modell] zu gebrauchen.“ Gefühlt jedes dritte Wort auf den 110 Seiten ist in eckige Klammern gesetzt und hat insofern doppelte Bedeutung. Das macht die Lektüre ziemlich anstrengend. Vier Filme bringt der Autor bei seinem wissenschaftlichen Experiment ins Spiel: LOST HIGHWAY von David Lynch, CITIZEN KANE von Orson Welles, DER MANN MIT DER KAMERA von Dziga Vertov und MOBY DICK von John Huston. Mit Abbildungen. Nur für Akademiker geeignet, nicht für Cineasten. Mehr zum Buch: kinematographische-differenz