MY BAKERY IN BROOKLYN (2016)

2016-dvd-meine-kleine-baeckereiEs ist eine romantische Komödie, die hier erzählt wird: mit überraschenden Wendungen, zeitlichen Sprüngen und manchen Umwegen, die man nicht unbedingt verstehen muss. Natürlich ist die „Boulangerie Isabelle’s“ der Hauptschauplatz: eine hoch verschuldete Bäckerei, deren Besitzerin nach zehn Film-Minuten stirbt. Sie hinterlässt den Laden ihren beiden Nichten Vivien und Chloe, die leider ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft des Geschäfts haben. Das führt zu verbalen und physischen Konfrontationen. Vivien lernt den attraktiven Paul kennen, der sich als Banker entpuppt, Chloe hat ein streitbares Verhältnis mit dem Fernsehkoch Fernando. Und dann gibt es noch ein drittes Paar, Daniella und Ian, das weitgehend außerhalb der Bäckerei agiert. An Nebenfiguren herrscht auch sonst kein Mangel. Brooklyn und Manhattan zeigen sich von ihrer attraktiven Seite, da können schon Erinnerungen an Woody Allen aufkommen. Aber der Regisseur Gustavo Ron lässt seinem Ensemble zu viele Freiheiten, man kann zeitweise von einem Overacting sprechen. Es gibt berührende Momente, aber auch einige peinliche Szenen. Natürlich macht der Blick auf die Backwaren Appetit auf mehr. Auf keinen Fall sollte man den Film, der jetzt bei Alive als DVD erschienen ist, in der deutschen Fassung sehen. Die Synchronisation ist ziemlich nervend. Aber die Originalfassung hat ihren speziellen Charme. Mehr zur DVD: meine-kleine-baeckerei-in-brooklyn/

Bob Dylan

2016-bob-dylanAm Donners-tag wurde bekannt gegeben, dass der amerika-nische Song-poet Bob Dylan in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur erhält. Eine wunderbare Entscheidung, die nur einigen konservativen Literaturkritikern nicht gefällt. Willi Winkler (in der Süddeutschen Zeitung), Harry Nutt (in der Berliner Zeitung), Rüdiger Schaper (im Tagesspiegel), Andreas Platthaus (in der FAZ) haben Dylan gestern beeindruckend gewürdigt. Ich erinnere mich an viele Konzerte mit ihm. Und er ist – seit 2013 – Mitglied der Sektion „Film- und Medienkunst“ in der Akademie der Künste. Unsere Präsidentin Jeanine Meerapfel hat ihm zum Nobelpreis gratuliert: objectID=56021

Golem

2016-golemIm Jüdischen Museum Berlin ist seit kurzem (und noch bis zum 29. Januar 2017) die Ausstellung „Golem“ zu sehen: sie verbindet in ihren mehr als 250 Exponaten Kunst- und Kulturge-schichte mit Pro-dukten aktueller Kunst. Ein eigener Raum ist den drei deutschen GOLEM-Filmen gewidmet: DER GOLEM (1915), DER GOLEM UND DIE TÄNZERIN (1917) und DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920). Paul Wegener spielte in allen drei Filmen den Golem, jene mythische Figur, die vom Rabbi Löw aus den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft erschaffen wurde, um die Juden in Prag zu schützen. Zu den Künstlern, die der von Emily D. Bilinsky und Martina Lüdicke kuratierten Ausstellung zugearbeitet haben, gehören Joshua Abarbanel, Christian Boltanski, Michael David, Louise Fishman, Stefan Hurtig, Anselm Kiefer, David Musgrave und Joachim Seinfeld. Im Kerber Verlag ist der sehr lesenswerte Katalog erschienen. Der Filmteil hat den Titel „Horror und Magie“ (S. 98-118). Er enthält neben den Abbildungen Texte von Wegener, Karin Harrasser, Cathy S. Gelbin, Helene Wecker, Dietrich Neuhaus, Anna-Carolin Augustin und Cilly Kugelmann. Die bekanntesten Abbildungen stammen aus dem Nachlass Paul Wegener, der als „Sammlung Kai Möller“ im Deutschen Filminstitut in Frankfurt am Main verwahrt wird. Auch das Coverfoto zeigt natürlich Wegener mit seiner helmartigen Frisur und geschlossenen Augen. Mehr zum Buch: golem.html / Im kommenden Jahr dreht im Übrigen Dominik Graf für die CCC einen neuen GOLEM-Film.

Superhelden / Twin Peaks

Eine neue Reihe bei Reclam: „100 Seiten“, beginnend und endend mit der ersten und letzten Textseite. Format: 17 x 11,5 cm, also etwas größer als die gelbe Reihe. Die ersten zehn Bände sind inzwischen erschienen, zwei haben ein Medienthema.

2016-superheldenBei Dietmar Dath geht es um „Superhelden“, also um Batman, Doctor Strange, Fantastic Four, Iron Man, Spider-Man, Super-man, Thor, X-Men, The Vision, Wolverine. Und auch eine Frau ist dabei: Wonder Woman. Wo kommen sie her? Meist aus dem Comic-Bereich. Wohin ent-wickeln sie sich? In den Regel in Richtung Kino oder Fernsehen. Wer hat die Ideen? Wer zeichnet? Wer produziert? Wer vermarktet? Vorab erfahren wir das Wichtigste über die „Schule der Über-menschen“. Dann folgen die beiden Teile „Wie sie wurden, was sie sind“ und „Wer sie sind und was sie können“. Zum Abschluss erklärt uns der Autor noch „Was sie bedeuten und wohin sie streben“. Im Hintergrund tobt der Zweikampf der beiden großen Superhelden-Verlage „DC Comics“ und „Marvel Comics“. Gut geschrieben, spannend zu lesen – und das alles auf 100 Seiten. Auf Seite 101 gibt es noch einige Lektüretipps. Mehr zum Buch: 978-3-15-020420-7

2016-twin-peaksGunther Reinhardt beschäftigt sich mit Twin Peaks, einer scheinbar idyllischen amerika-nischen Kleinstadt, Schauplatz einer amerikanischen TV-Serie aus den Jahren 1990/91. Hier sind es zwölf Kapitel, die uns einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen: Willkommen in Twin Peaks – Die Entstehung von TWIN PEAKS – Die erste TWIN PEAKS-Staffel – Die zweite TWIN PEAKS-Staffel – Der TWIN PEAKS-Spielfilm – Special Agent Cooper und seine Kollegen – Die Einwohner von Twin Peaks – Der Ort Twin Peaks – Die TWIN PEAKS-Ästhetik – Intertextualität und Genremix – Der Hype und der Beginn der Qualitätsserien – Die Rückkehr nach Twin Peaks. Natürlich stehen David Lynch und sein Co-Autor Mark Frost im Mittelpunkt des Textes. Und dessen Lektüre macht große Lust, sich die Serie noch einmal anzuschauen, bevor im kommenden Jahr die neuen Staffeln zu sehen sein werden. Mehr zum Buch: 978-3-15-020421-4

Werben für Europa

2016-werben-fuer-europaAuch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bemüht sich um den europäischen Einigungs-prozess. Sie förderte das Projekt „Werben für Europa“, das unter Leitung von Gabriele Clemens, Professorin für neuere europäische Geschichte am Historischen Seminar der Universität Hamburg, realisiert und mit dem jetzt vorliegenden 600-Seiten-Buch abgeschlossen wurde. Inhaltlich und formal untersucht werden Europafilme, die von den nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten europäische Organisationen, der Europabewegung und den drei EG-Gründungsstaaten Frankreich, Bundesrepublik Deutschland und Italien in Auftrag gegeben wurden bzw. dort zu sehen waren. Mit Ausnahme des belgisch-deutschen Films DAS BANKETT DER SCHMUGGLER, der 1952 von der Europabewegung hergestellt wurde, sind keine fiktionalen Filme einbezogen. Drei Kapitel strukturieren das Buch: 1. Supranationale Akteure, 2. Länderstudien, 3. Bilder und Leitmotive. Im ersten Kapitel geht es um Öffentlichkeitsarbeit und Filmwerbung der europäischen Gemeinschaften (Autorin: Gabriele Clemens), um Filmaktivitäten der Europabewegung (Gabriele Clemens, Jeanpaul Goergen) und um das Werben für die Integration Europas in den Marschallplan-Filmen (Anne Bruch, Gabriele Clemens, Jeanpaul Goergen, Thomas Tode). Das zweite Kapitel handelt vom französischen Europafilm und seiner Fixierung auf das französisch-deutsche Verhältnis (Thomas Tode), vom deutschen Europafilm zwischen Wiederaufbau, Aussöhnung und Gleichberechtigung (Gabriele Clemens) von der Verbreitung der Europafilme in der Bundesrepublik (Jeanpaul Goergen) und vom italienischen Europafilm zwischen Wirtschaftswunder, Emigration und politischer Integration (Anne Bruch). Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Narrativen der europäischen Integration (Gabriele Clemens), mit dem Motiv der Grenze in der Europafilm-Rhetorik (Thomas Tode), mit dem subtilen Werben für Europa in den Marshallplan-Filmen (Maria Fritsche), mit der filmischen (Re-)Konstruktion des Europäers (Anne Bruch, Gabriele Clemens) und der Visualisierung des europäischen Raumes und seiner politischen Ordnung durch Karten, Dia- und Organigramme (Anne Bruch; hier sind die Abbildungen besonders eindrucksvoll). Es ist die erste umfassende Untersuchung zum Thema. Mit umfangreichem Literatur- und Filmverzeichnis. Mehr zum Buch: 978-3-506-77795-9.html

Marlene Dietrich

2016-marlene-dietrichIn der Gedenk-halle Oberhausen findet zurzeit die Sonderausstellung „Marlene Dietrich. Die Diva. Ihre Haltung. Und die Nazis“ statt; sie ist noch bis zum 11. Dezember zu sehen. Sehr empfehlenswert ist das Katalogbuch zur Ausstellung, das von Clemens Heinrichs, dem Leiter der Gedenkhalle, redaktionell betreut wurde. Sechs sachkundige Texte strukturieren das Buch: Uli Jung (Trier) beschäftigt sich mit Marlene Dietrich und dem deutschen Film im „Dritten Reich“, vor allem mit den Versuchen von Joseph Goebbels, sie aus den USA nach Deutschland zurückzuholen. Dies ergänzt Clemens Heinrichs mit seinem Beitrag „Zwischen Emigranten und Nazis“ über Marlene Dietrich in den 1930er Jahren. Silke Ronneburg (Leiterin der Marlene-Dietrich-Collection in Berlin) erinnert faktenreich an die Aktivitäten von Marlene Dietrich als Truppenbetreuerin („Follow the Boys“). Sophie Koch (Oberhausen) informiert über den deutschen Nachkriegsfilm und Billy Wilders A FOREIGN AFFAIR (1948), in dem Marlene Dietrich die Nachclubsängerin Erika von Schlütow spielt. Annette Brauerhoch (Paderborn), die mit einer Arbeit über „Fräuleins und G.I.s“ habilitiert hat, vergleicht sehr anschaulich den Film A FOREIGN AFFAIR mit HALLO, FRÄULEIN (1949) von Rudolf Jugert. Thomas Hammacher (Essen) richtet den Blick auf „DAS URTEIL VON NÜRNBERG (1961) und seine deutsche Rezeption im Spannungsfeld der Medien“. Mit zahlreichen Abbildungen und Faksimiles von Briefen und Telegrammen. Mehr zum Buch: oberhausen.de/node/6

Verfilmungen von Jane Austens Romanen

2016-jane-austenEine Dissertation, die an der Johannes Gutenberg-Uni-versität in Mainz entstanden ist. Sabine Fischer-Mahr unternimmt „eine exempla-rische Analyse von Adap-tionen weiblicher Entwick-lungsromane anhand des Selbstbild-Fremdbild-Modells“. Konkret: sie untersucht ausgewählte Verfilmungen von Jane Austens Romanen für Kino und Fernsehen zwischen 1940 und 2009. Vorangestellt ist eine Bestandsaufnahme der Qualitätskriterien für Literaturverfilmungen. Es gibt inzwischen, wie ich jetzt gelernt habe, eine eigenständige „Adaptionswissenschaft“ innerhalb der Literaturwissenschaft, sie unterscheidet zwischen medienorientierten, textorientierten, kontextuellen, autororientierten und rezipientenorientierten Adaptionstheorien. Auch das „Selbstbild-Fremdbild-Modell“ wird von der Autorin präzise dargestellt. Ab Seite 150 stehen dann  Jane Austen und die Verfilmungen im Zentrum. Sechs Romane und ihre diversen Adaptionen werden analysiert. Bei EMMA (Versionen von 1972, 1996 und 2009) und bei MANSFIELD PARK (Versionen von 1983, 1999 und 2007) geht es um „das figurale Selbstbild“, bei SENSE AND SENSIBILITY (Versionen von 1971, 1981, 1995 und 2008) und PERSUASION (Versionen von 1971, 1995 und 2007) um „das Rezipientenbild“, bei PRIDE AND PREJUDICE (Versionen von 1940, 1980, 1995 und 2005) und bei NORTHANGER ABBAY (Versionen von 1987 und 2007) um „das Kontextbild“. Was, so aufgelistet, sehr theoretisch und abstrakt klingt, liest sich relativ spannend, wenn man die verschiedenen Filme in Erinnerung hat oder den Erkenntnissen der Autorin vertraut. Sie bleibt nahe an den Filmen und stellt natürlich immer wieder die Verbindung zu den Romanen her. Mit zum Teil farbigen Abbildungen in guter Qualität. Coverfoto: Amanda Root in PERSUASION (1995). Mehr zum Buch: Beschreibungen/ID1509.html

SCHATTEN (1923)

2016-dvd-schatten-grossEine nächtliche Halluzination. Ein Graf gerät in wahnhafte Eifersucht, eine Abendgesell-schaft lässt sich von einem Schattenspieler verzaubern. Das Spiel endet tragisch: mit Mord und Totschlag. Aber in der Realität erweist sich die Ehefrau als treu, und die männlichen Gäste verlassen am Ende den Schauplatz in der Gewissheit, dass dort ein glückliches Paar lebt. Die Idee, die Bauten und Kostüme stammen von Albin Grau, die beeindruckenden Bilder von Fritz Arno Wagner. Der Regisseur Arthur Robison realisierte diesen Stummfilm ohne Zwischentitel. Lotte H. Eisner schreibt in ihrem Buch „Die dämonische Leinwand“: „Die Zweideutigkeit der Schatten hat in diesem Film einen Freudschen Sinn: der kleine Taschenspieler läßt die Schatten der Handelnden verschwinden und öffnet so die Schleusen all ihrer geheimsten Begierden. Jene Phantasmagorie wird bedeutungsschwer: die Schatten treten an die Stelle der Lebenden. Die während des Schauspiels zu leblos erstarrten Zuschauern ihres eigenen Geschicks werden; die Phasen ihrer Existenz, die sich zu Beginn des Films mit einem schweren Ritardando abgerollt haben, scheinen sich zu überhasten, einem tödlich verlaufenden Ende zuzustürzen. (…) SCHATTEN ist ein Film voller Erotik. Aber Robison verwendet das Kerzenlicht, das den in ein leichtes Directoiregewand gehüllten Körper der jungen Frau durchschimmern läßt, niemals vulgär, selbst dann noch, wenn er den Kandelaber von dem diesmal ahnungslosen Gatten halten läßt. Robison hat die enganliegende Tracht der ‚Merveilleuses’ und ‚Incroyables’ sichtlich gewählt, um die erotische Atmosphäre des Films zu intensivieren. Dank einer fast animalisch anmutenden Vitalität sind die Gestalten seines Films weit entfernt von der abstrakten Konvention, die der Expressionismus auferlegt hat. Die junge Frau wirkt mit jedem Biegen ihrer Hüften, der gerundeten Gebärde ihres Arms als die personifizierte Versuchung und Hingabe, als eine ewige Eva.“ (S.134/135). Mit Ruth Weyher, Fritz Kortner, Gustav von Wangenheim und Alexander Granach. Die neue Musik stammt von Johannes Kalitzke. Die DVD ist bei Absolut Medien erschienen. Mehr zur DVD: film/3009/Schatten

Filmstatistisches Jahrbuch 2016

2016-filmstatik-grossDas Buch, herausgegeben von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, informiert auf der Grundlage von präzisen Daten über die Entwicklungen in den Bereichen Filmproduktion, Verleih, Filmtheater, Werbung, Kinobesuch, Video, FSK, FBW, Filmförderung, internationale Filmstatistik (speziell: EU) und Fernsehen (Kinofilme/TV-Movies). Mit 236 im vergan-genen Jahr erstaufgeführten deutschen Langfilmen hat sich die Zahl seit 2005 fast verdoppelt. Daran haben vor allem die Dokumentarfilme ihren Anteil, auch ihre Zahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. 100 % der Leinwände in der Bundesrepublik waren Mitte 2015 digital ausgestattet, darunter sind 46 % 3D-fähig. Mit insgesamt 139,2 Millionen Besuchern ist die Frequenz gegenüber 2014 (121,7) wieder gestiegen. Die passioniertesten Kinobesucher gibt es in Bremen, Berlin und Hamburg, dort ging jeder Einwohner im vergangenen Jahr 3 x jährlich (Bremen), 2,9 x (Berlin) bzw. 2,5 x (Hamburg) ins Kino, in Brandenburg leider nur 1,2 x. 48 Prozent der Kinobesuche fanden zu zweit statt, nur zehn Prozent der Besucher gingen allein ins Kino. Mit 54 % dominieren weiterhin die Kinobesucherinnen. Der erfolgreichste Film des Jahres 2015 war FACK JU GÖHTE 2 von Bora Dagtekin mit 7,65 Mio. Besuchen. So erfährt man auf 100 Seiten viele Neuigkeiten, wenn man sich für Zahlen interessiert. Das nächste Jahrbuch erscheint in einem Jahr. Mehr zum Buch: 28251

Bruch der Weltenlinie

2016-bruch-der-weltenlinieVon Gilles Deleuze stammt die Idee vom „Riss der Weltenlinie“, durch den die Realität in Filmen „lückenhaft“ ist und „Übergänge absichtlich schwach gehalten sind“. Daran knüpfen Norbert Grob und Bernd Kiefer mit ihrem beeindruckenden Buch „Bruch der Welten-linie“ an, das gerade bei Bertz + Fischer erschie-nen ist. Vier Kapitel strukturieren die 46 Texte: „1. Jahre des Aufbruchs (Das Kino der 1960er Jahre)“. „2. Ära der Konsolidierung (Das Kino der 1970er Jahre)“. „3. Hin zur Vielfalt (Das Kino der1980er Jahre)“ und „4. Ausblick (Anything Goes)“. Der Bogen spannt sich von Luchino Visconti und Robert Bresson zu David Cronenberg und den HISTOIRE(S) DU CINEMA von Jean Luc Godard. Beide Autoren können auf bereits veröffentlichte Texte zurückgreifen, die sie zum Teil überarbeitet haben. Sechs Texte (über Antonioni, Alexander Kluge, Johannes Schaaf, Bernardo Bertolucci, Werner Herzog und Alan Rudolph) waren bisher unveröffentlicht. 22 Texte stammen von Norbert Grob, zwölf von Bernd Kiefer, sechs haben die beiden Autoren gemeinsam verfasst. Sie fühlen sich dem „Freibeutertum“ der Mainzer Filmwissenschaft verpflichtet, wie es Thomas Koebner einmal in seinem Aufsatz über „Die Komplexität der Filmbilder“ beschrieben hat. Darauf wird gleich zu Beginn der Einleitung hingewiesen. Und dann liest man wunderbare Texte über Nicholas Ray, Stanley Kubrick, die Nouvelle Vague, Sam Peckinpah, John Cassavetes, Robert Altman, Martin Scorsese, Wim Wenders, Michael Cimino, Bob Dylan, Jacques Rivette, Clint Eastwood, Werner Schroeter, André Techiné, Bertrand Tavernier, Wong Kar-wai, Michael Mann, Steven Soderbergh, Fatih Akin und Christian Petzold: Essays, Porträts, Hommagen. In vier Exkursen geht es um die „Ästhetik der Verzauberung“, „Vincent von Gogh im Film“, „Moderne Filmtheorien“ und „Körpergeschichten bei Susan Sontag, Michael Foucault, Robert Mapplethorpe und Derek Jarman“. Die Balance zwischen Theorie und konkreter Analyse ist immer ausgewogen. Das zeichnet ja die Mainzer Filmwissenschaft insgesamt aus. Dass man in den Texten und im Register keine Fehler entdeckt, ist mit Sicherheit Isabelle Louise Bastian zu verdanken, die als Herausgeberin hervorragende Arbeit geleistet hat. Viele Abbildungen in guter Qualität. Coverfotos: LE MÉPRIS und PARIS, TEXAS. Mehr zum Buch: bruchderweltenlinie.html