Ingeborg Bachmann (Weihnachtsgeschenk 4)

Sie war eine der großen und immer etwas geheimnisvollen österreichischen Autorinnen von den 1950er bis in die 70er Jahre, und auch nach ihrem Tod 1973 hat sie die literarische Welt sehr beschäftigt: mit Inter-pretationen, aber auch mit Spekulationen über ihr Leben und ihren plötzlichen Tod. Seit 1977 wird in ihrer Geburtsstadt Klagenfurt in jedem Jahr der Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen. Ina Hartwig, viele Jahre Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau und seit 2016 Frankfurter Kulturdezer-nentin, hat jetzt im S. Fischer Verlag ein sehr lesenswertes Buch über Ingeborg Bachmann publiziert. Sie nennt es „Eine Biographie in Bruchstücken“. Jedes der acht Kapitel hat einen Schwerpunkt, beginnend mit ihrem rätselhaften Sterben, dann geht es um ihr Verhalten vor der Kamera, um die Beziehung zu Paul Celan, ihr politisches Denken und Handeln, um ihren Aufenthalt in Berlin von 1963 bis 1965, das Leben in Rom und auf Reisen und schließlich um das Verhältnis zu ihren Eltern, vor allem zu ihrem Vater. Ina Hartwig hat hervorragend recherchiert (der Zugang zu einigen Quellen, zum Beispiel von Max Frisch, ist allerdings noch verschlos-sen) und mit zahlreichen Zeitzeugen Gespräche geführt. Darüber berichtet sie sehr anschaulich in einem eigenen, letzten Kapitel. Hier kommen Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Klaus Reichert, Klaus Wagenbach, Peter Handke, Martin Mumme, Marianne Frisch, Hans-Ulrich Treichel, Christine Koschel und Inge von Weidenbaum, Adolf Opel, Joachim Unseld, Peter Härtling, Renate von Mangoldt, Günter Herburger und Henri Kissinger zu Wort. Man spürt beim Lesen die Neugier und Empathie von Ina Hartwig, dem Leben und Werk von Ingeborg Bachmann näher zu kommen und gerecht zu werden. Gelegentlich nimmt sie Fotos zu Hilfe, um Situationen und Stimmungen zu deuten. In keinem Moment ist dies eine konventionelle Biografie. Das Buch eignet sich wunderbar als Weihnachtsgeschenk für literarisch Interessierte. Mehr zum Buch: 9783100023032

Man kann das Geschenk erweitern mit einer DVD des Films DIE GETRÄUMTEN der österreichischen Regis-seurin Ruth Beckermann, der kürzlich in der „film-edition suhrkamp“ bei Absolut Medien erschienen ist. Wir erleben hier – Spiel im Spiel – wie Auszüge aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan in einem ORF-Studio in Wien für eine Radioproduktion eingelesen werden. Anja Plaschg liest den Bachmann-Part, Laurence Rupp die Texte von Celan. Ein Aufnahme-leiter sorgt für Ruhe und Ordnung. Zwischendurch unterhalten sich Plaschg und Rupp, äußern sich zu den Brieftexten, dann schlüpfen sie wieder in ihre Rollen und lesen. Das wirkt gelegentlich wie ein Dokumentarfilm, aber es ist die hybride Form, die hier zu großer Wirkung führt. Bei der Berlinale 2016 gehörte DIE GETRÄUMTEN zu den besten Filmen, die ich dort gesehen habe. Co-Autorin von Ruth Beckermann war übrigens Ina Hartwig. Ein informatives Booklet gehört zur DVD, die ich als Geschenk sehr empfehle. Mehr zur DVD: Ingeborg+Bachmann+-+Paul+Celan

George Lucas (Weihnachtsgeschenk 3)

Morgen hat der jüngste STAR WARS-Film weltweit Premiere: THE LAST JEDI. Gründer dieses Weltraum-imperiums war 1977 der Autor, Regisseur und Produzent George Lucas (*1944), der damit zu einem der erfolgreichsten Producer wurde, seine Unternehmens-gruppe Lucasfilm 2012 für vier Milliarden Dollar an die Walt Disney Company verkaufte und inzwischen zurückgezogen auf seiner Skywalker Ranch im Marin County lebt. Der Journalist Brian Jay Jones hat eine voluminöse Biografie über George Lucas geschrieben, die in diesem Herbst bei Edel Books erschienen ist. Sie ist hervorragend recherchiert, es gibt 1.514 Quellenverweise, die aber die Lektüre nicht mühsam machen. Das Buch gliedert sich in drei Teile: Hoffnung (1944-1973), Empire (1973-1983) und Rückkehr (1983-2016). Ein 16seitiger Abbildungsbereich befindet sich im hinteren Drittel. Ausführlich widmet sich der Autor auch dem (für mich) sehr beeindruckenden Lucas-Film AMERICAN GRAFFITI (1971-73). Es kommen viele Zeitzeugen zu Wort, darunter Steven Spielberg, Francis Ford Coppola, Gary Kurtz und Harrison Ford. Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk natürlich für alle STAR WARS-Fans, aber auch für Menschen, die einen intensiven Blick hinter die Kulissen der Filmbranche werfen möchten und neugierig auf interessante Informationen sind. Ein Leitspruch von George Lucas: „Ich will den Zuschauern den Glauben an das Gute im Menschen zurückgeben“. Mehr zum Buch: george-lucas-die-biografie/

John le Carré (Weihnachtsgeschenk 2)

John le Carré heißt eigentlich David Cornwell, ist inzwischen 86 Jahre alt und für mich einer der interessantesten britischen Autoren für Spionageromane, beginnend mit „Schatten von gestern“ (1961) und „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (1963). Sie stehen alle in unserem Krimiregal. Sein jüngster Roman, „Das Vermächtnis der Spione“, spielt 2017 und spannt einen Bogen in das Jahr 1961, als an der Berliner Mauer der britische Spion Alec Leamas und seine Freundin Liz Gold erschossen wurden. Ihre Kinder fordern jetzt eine genauere Untersuchung der damaligen Vorgänge. Peter Guillam, einst Assistent von George Smiley, einer Schlüsselfigur im britischen Geheimdienst MI6, inzwischen wie sein ehemaliger Chef im Ruhestand, wird ins Innenministerium einbestellt und erzählt seine Version der Geschehnisse, die allerdings sehr subjektiv gefärbt ist. Erst eine Anwältin, Dokumente aus dem Archiv und zuletzt George Smiley selbst führen zu neuen Erkenntnissen. Die zwei Zeitebenen, der Blick zurück in den Kalten Krieg und die Vielzahl der beteiligten Personen sind in der Dramaturgie raffiniert verbunden. Es steigert das Lesevergnügen, wenn man noch einmal den „Spion, der aus der Kälte kam“ in die Hand nimmt und parallel liest. Für alle, die an Spionageromanen interessiert sind, ist dies ein wunderbares Weihnachtsgeschenk. Mehr zum Buch: 9-9783550050121.html

Romy Schneider (Weihnachtsgeschenk 1)

Sie war 14 Jahre alt, als sie ihren ersten Film drehte: WENN DER WEISSE FLIEDER WIEDER BLÜHT. Ihre Mutter, Magda Schnei-der, spielte damals zusam-men mit Willy Fritsch die Hauptrolle, Regisseur war Hans Deppe. Zwei Jahre später wurde sie zum Star: mit SISSI, dem ersten Film über die österreichische Kaiserin Elisabeth, dem schnell zwei weitere folgten. Mit DIE SENDUNG DER LYSISTRATA, einem Fernsehfilm von Fritz Kortner, verabschiedete sie sich 1960 aus Deutschland, spielte zunächst in Paris Theater und machte dann eine internationale Karriere. Frankreich wurde zum Mittelpunkt ihres Lebens. Sie hat in insgesamt 64 Filmen meist die Hauptrolle gespielt. Im Mai 1982 ist sie in Paris gestorben. Das Buch „Romy Schneider. Film für Film“ von Isabelle Giordano erzählt sehr beeindruckend ihre Lebensgeschichte, große Bilder erinnern an ihre Filme, der Text geht durchaus in die Tiefe, bedient sich vieler Quellen und macht die Lebensleistung dieser Schauspielerin deutlich. Die Druckqualität der deutschen Ausgabe, die jetzt bei Schirmer/Mosel erschienen ist, finde ich exzellent. Ja, ich habe zu Romy Schneider seit meiner Jugend eine große Affinität, weil wir beide am 23. September 1938 geboren wurden. Bei einem Essen nach der Premiere des Films DIE HALBZARTE in München im Februar 1959 saß ich ihr sogar gegenüber, aber sie interessierte sich wenig für unsere biografische Gemeinsamkeit und wollte vor allem Gutes über den Film hören. Ich habe die meisten ihrer Filme gesehen, und wenn ich meine drei Lieblingsfilme nennen soll, dann sind dies: LES CHOSES DE LA VIE von Claude Sautet, LUDWIG II. von Luchino Visconti und UNE HISTORIE SIMPLE von Claude Sautet. Das ist jedenfalls der aktuelle Stand nach der Lektüre dieses Buches. Es eignet sich als Weihnachtsgeschenk für alle, die Romy Schneider geliebt haben oder noch entdecken wollen. Mehr zum Buch: 26i5g0

BEUYS (2016)

Der Dokumentarfilm von Andres Veiel über Joseph Beuys – er hatte in diesem Jahr im Wettbewerb der Berlinale Premiere – ist ein Porträt des Künstlers, das vor allem auf die Wirkung seiner öffentlichen Auftritte vertraut, die ihn in den 1960er und 70er Jahren inter-national berühmt gemacht haben. Die Montage des Archivmaterials finde ich grandios, sie erlaubt sich Zeitsprünge und Ortswechsel, zeigt Beuys in immer wechseln-den Konstellationen, selten allein, oft in Verbindung mit Kunstwerken von ihm, häufig in Konfrontation, selbstsicher, ironisch, spielerisch, seiner Wirkung natürlich bewusst. Andres Veiel ist ein Beuys-Bewunderer, man darf nicht erwarten, dass in diesem Film kritische Fragen gestellt werden. Aber wenn man eine Affinität zu Beuys hat, schaut man dem Selbstdarsteller gern zu, denn es gibt mehr Varianten einer Selbstinszenierung als man denkt. Mit Interviews verschiedener Zeitzeugen – u.a. Caroline Tisdall, Franz Joseph van der Grinten, Klaus Staeck – kommt auch die heutige Perspektive ins Spiel. Bei good!movies und piffl medien ist jetzt die DVD des Films erschienen. Sie enthält beachtliches Bonusmaterial und ein informatives Booklet. Mehr zur DVD: http://www.beuys-der-film.de/dvd.php

Texte von Hans Hurch

Zwanzig Jahre war er Direktor der Viennale, im vergangenen Juli ist er überraschend im Alter von 64 Jahren gestorben. Hans Hurch hat in den 1980er Jahren zahlreiche, sehr reflektierte Texte für die österreichische Zeitschrift Falter geschrieben, die der Ver-lag jetzt in einem Buch publiziert hat: „Vom Widerschein des Kinos“. Zu lesen sind dort „An-merkungen“, „Notizen“, „Bemer-kungen“ u.a. zu FLUCHTWEG NACH MARSEILLE von Ingemo Engström und Gerhard Theuring, JOHNNY WEST von Roald Koller, DER KLEINE GODARD von Hellmuth Costard, LENA RAIS von Christian Rischert, BOB LE FLAMBEUR von Jean-Pierre Melville, KOMMEN UND GEHEN von Wolfram Paulus, JOHNNY GUITAR von Nicholas Ray, SANS SOLEIL von Chris. Marker, PARIS TEXAS von Wim Wenders, LE MÉPRIS von Jean-Luc Godard, DER VERLORENE von Peter Lorre, WILD AT HEART von David Lynch. Dokumentiert sind Gespräche von Hans Hurch mit Harun Farocki, Jean Eustache, Ottomar Büttel, Danièle Huillet und Jean-Marie Straub (4), Jim Jarmusch, Michel Piccoli, Peter Kubelka, Hartmut Bitomsky und Robert Kramer. Unter den chronologisch geordneten Texten findet man außerdem Essays über G. W. Pabst, Jean Vigo, den neuen österreichischen Film (3), den Fotografen Robert Frank, die Filmemacher Kurt Kren und Jonas Mekas. Sie haben alle einen individuellen Stil, der geprägt ist von Nachdenklichkeit und Ungewissheit. Claus Philipp hat ein sehr persönliches Vorwort geschrieben, die von langjähriger Freundschaft grundierten Nachworte stammen von Christian Reder und Armin Thurnher. Ein beeindruckendes Buch zur Erinnerung an Hans Hurch. Mehr zum Buch: hans-hurch.html

Wörthersee & Exploitation

Band 2 der neuen Buch-reihe „Film Geschichte Österreich“. Thema ist die österreichisch-deut-sche Produktionsfirma „Lisa Film“, die 1964 von Paul Löwinger gegründet wurde und seit 1967 von dem Anteilseigner Karl Spiehs (*1931) be-herrscht wird. Größte Erfolge in den 70er und 80er Jahren waren Sexfilme (zum Beispiel GEH ZIEH DEIN DIRNDL AUS) und Blödel-Komödien (wie DIE SUPERNASEN). Seit Mitte der 80er Jahre stehen Fernsehserien im Fokus (DAS TRAUMHOTEL). Ein umfangreicher Essay von Arno Rußegger porträtiert die Firma. Ulrich Mannes beschreibt die Karriere des Regisseurs Sigi Rothemund (auch Siggi Götz genannt). Oliver Nöding richtet den Blick auf drei eher ungewöhnliche Lisa-Filme: BLUTIGER FREITAG (1972) von Rolf Ohlsen, POPCORN UND HIMBEEREIS (1978) von F. J. Gottlieb und GELD ODER LEBER (1986) von Dieter Pröttel. Florian Widegger, Herausgeber des Bandes, stellt 29 Lisa-Filme genauer vor. Eine Titelliste mit Regie-Nennung schließt den Band ab. Mit zahlreichen Abbildungen. Mehr zum Buch: woerthersee-exploitation/

Horror-Kultfilme

Untersuchungen zum Horror-film aus mehreren Perspektiven. Die Texte dokumentieren eine Ringvorlesung, die an der Universität Klagenfurt stattge-funden hat. Zunächst geht es um Dracula und Frankenstein: Susanne Bach analysiert Francis Ford Coppolas Film BRAM STOKER’S DRACULA, Arno Rußeger die Parodie YOUNG FRANKENSTEIN von Mel Brooks. Dann wendet sich der Blick nach Italien: Marcus Stiglegger beschäftigt sich mit Italien Gothic Horror und Dario Argentos SUSPIRIA, Angela Fabris mit den intertextuellen Bezügen zu den Filmen Mario Bavas in Argentos PROFONDO ROSSO. Das dritte Kapitel dokumentiert zwei Texte zum Meta-Horror: Jörg Helbig erinnert an Pete Walkers HOUSE OF THE LONG SHADOWS, Sabrina Gärtner reflektiert über Jessica Hausners Spiel mit dem Horror-Genre in dem Film HOTEL. Es folgen zwei Texte zu Subgenres: Benjamin Moldenhauer befasst sich mit dem „drastischen Horrorfilm“, Michael Fuchs mit dem Monster als Brücke zwischen Natur und Kultur im US-amerikanischen Tierhorrorfilm. Den Abschluss bildet ein Text von Frank Hentschel über Musik im Horrorfilm 2010-2017. Der Anhang bietet interessante Listen: die 20 bedeutendsten Horrorfilm-Regisseure der Filmgeschichte (Platz 1: Wes Craven), die 30 besten Horrorfilme aller Zeiten (1: DAS CABINET DES DR. CALIGARI), die 25 erfolgreichsten Horrorfilme weltweit (1: THE SIXTH SENSE), die Horrorfilme von Dario Argento, die Frankenstein- und Dracula-Filmzyklen der Hammer Studios, die 25 besten schauspielerischen Leistungen in Horrorfilmen (1: Boris Karloff in FRANKENSTEIN), die 20 wichtigsten von Frauen inszenierten Horrorfilme (1: AMERICAN PSYCHO von Mary Harron), die 10 besten Horrorfilm-Remakes aller Zeiten (1: THE THING von John Carpenter) und die 5 schlechtesten (1: CHAOS von David DeFalco). Ein anregender Band. Coverfoto: HOTEL. Mehr zum Buch: horror-kultfilme.html

Ufa 1933-1945: Linientreu und populär

Der Band dokumentiert die Refe-rate eines Symposiums, das im Mai im Museum für Film und Fernsehen stattgefunden hat. Es geht um die Ufa in der Zeit des Nationalsozialismus. Dies sind die 14 Beiträge: Rainer Rother informiert über die Ufa 1933. Friedemann Beyer erinnert an die Ära Hugenberg. Joseph Garncarz beschäftigt sich mit den Publikumspräferenzen. Roel Vande Winkel gibt einen Über-blick über Ufa-Verleihgesell-schaften im Ausland zwischen 1939 und 1945. Bei Christoph Gauthier geht es um die Alliance Cinématographique Européenne und Raoul Ploquin, bei Kay Hoffmann um den NS-Kulturfilm 1933-1945. Annika Schaefer untersucht die Inszenierung von Arbeit und Arbeitern im NS-Spielfilm. Elissa Mailänder richtet den Blick auf Frauen, Krieg und Flieger. Tobias Hochscherf erinnert an Hans Albers und die Sehnsüchte der Deutschen. Brigitte Jacob und Wolfgang Schäche rekonstruieren die Baugeschichte der Ufa-Filmfabrik in Babelsberg. Rolf Aurich erinnert an die Ufa-Lehrschau und die Deutsche Filmakademie als geistigen Ausdruck der Filmstadt Babelsberg im Nationalsozialismus. Almuth Püschel beschäftigt sich mit der Zwangsarbeit bei der Ufa von 1940 bis 1945, Jens Westemeier speziell mit den niederländischen Zwangsarbeitern. Jörg Schöning befasst sich mit dem Erbe der Ufa: der Entflechtung und Neuausrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band ist ein wichtiger Beitrag zum Ufa-Jubiläum. Coverfoto: DIE GROSSE LIEBE (1942). Mehr zum Buch: 42&products_id=516

Wörterbuch des Films

Ein Fragment, dessen Lektüre sehr interessant ist. Hans Traub (1901-1943) war ein Zeitungs- und Filmwissenschaftler, der viele Spuren hinterlassen hat. In meinem Regal steht zum Beispiel das Buch „Das deutsche Film-schrifttum“, das er 1940 zusammen mit Hanns Wilhelm Lavies herausgegeben hat, und der voluminöse Band „Die UFA. Ein Beitrag zur Entwicklungs-geschichte des deutschen Film-schaffens“, der 1943, kurz vor seinem Tod erschienen ist. Traub war Gründungsleiter der „Ufa-Lehrschau“, er entwickelte das Konzept eines „Deutschen Instituts für Filmkunde“, er war sachkundig, aber er durfte ab 1937 keine Lehrtätigkeit ausüben, weil er „teiljüdischer Abstammung“ war. In der jetzt vorliegenden Publikation, veröffentlicht im Neofelis Verlag, gibt es einen von Ulrich Döge hervorragend recherchierten Lebenslauf von Hans Traub, der die Möglichkeiten seiner Tätigkeit präzise beschreibt. Das „Wörterbuch des Films“ ist ein zentrales, leider unvollendetes Werk des Autors. Er hat daran viele Jahre gearbeitet. Natürlich sind die Eintragungen weitgehend den ideologischen Vorgaben angepasst. Aber die Informationen sind sehr konkret und ergänzen in zahlreichen Details auch die später publizierten Fakten. Umfangreich sind die Texte zu den Begriffen „Abstrakter Film“, „Agfa“, „Akustik“, „Archivierung“, „Atelier“, „Autor“, „Beleuchtung“, „Biennale“ (Venedig), „Bild“, „Einstellung“, „Fachpresse“, „Farbfilm“, „Fernsehen“, „Film“, „Filmbildner“ (gemeint: Architekt), „Filmpflege“, „Filmprüfstelle“, „Filmtheater“, „Fotografie“, „Objektiv“, „Plastischer Film“, “Produktion“, „Programm“, „Unterrichtsfilm“, „Verleih“, „Werbung“, „Wirtschaft“, „Wochenschau“, auch wenn sie nicht in allen Fällen vollendet sind. Vom Autor vorgesehene Begriffe sind vermerkt, immer wieder bedauert man, dass die Texte nicht formuliert wurden. Aber es ist doch ein großer Gewinn, dass dies Buch in der vorliegenden Form publiziert wurde. Den Herausgebern, Rainer Rother und Rolf Aurich, ist dafür ausdrücklich zu danken. Rainer Rother hat selbst 1997 ein „Sachlexikon Film“ verfasst. Mehr zum Buch: woerterbuch-des-films/