Körperinszenierungen im japanischen Film

körperinszenierungen2.inddDer Band dokumentiert die Beiträge zu einer Tagung, die an der Universität Frankfurt am Main stattgefunden hat. Körpersprache spielt im japanischen Film eine herausragende Rolle. Zwölf Texte von sachkundigen Autorinnen und Autoren beschäftigen sich damit. Ich greife einige heraus, die mir besonders gut gefallen haben: bei Felix Lenz geht es um die Bewältigung von Endlichkeit in DER AAL (1997) und SCHWARZER REGEN (1989) von Shohei Imamura. Mario Kumekawa erinnert an Godzilla und die japanischen Monsterfilme. Hyunseon Lee untersucht den Martial-Body in Akira Kurosawas frühen Filmen. Andreas Becker beschäftigt sich mit Setsuko Haras Filmen in den 1950er Jahren; er unternimmt eine komparative Analyse ihrer Darstellung bei Yasujiro Ozu, Mikio Naruse und Akira Kurosawa. Kentaro Kawashima informiert über den Animationsfilm KAFKA – EIN LANDARZT (2007) von Koji Yamamura. Marcus Stiglegger richtet den Blick auf Shinya Tsukamotos Kino zwischen Ritual, Tradition und Utopie. Kayo Adachi-Rabe denkt über Shuji Terayamas Experimental-filme im Kontext der Phänomenologie und des Zen-Buddhismus nach. Sehr lesenswert ist auch ihre Einführung, die sie zusammen mit Andreas Becker verfasst hat. Coverfoto: DIE REISENDEN III (2002) von Nanaé Suzuki. Mehr zum Buch: koerperinszenierungen-im-japanischen-film

50. Hofer Filmtage

2016-hofer-filmtageHeute werden mit dem Film DIE BLUMEN VON GESTERN von meinem Freund Chris Kraus die 50. Hofer Filmtage eröffnet. Das Jubiläum ist leider auch eine Abschieds-veranstaltung: Heinz Badewitz, der Gründer der Filmtage, der sie 49 Jahre lang geleitet hat, ist bekanntlich am 10. März überraschend gestorben. Ihm zu Ehren fahren wir noch einmal nach Hof, denn wir hatten ihm bei der Berlinale versprochen, diesmal zu kommen. In den 70er, 80er und 90er Jahren waren wir regelmäßig dort. Das Programm haben in diesem Jahr Alfred Holighaus, Thorsten Schaumann und Linda Söffker zusammengestellt. Es sind viele interessante Filme angekündigt, darunter AM ABEND ALLER TAGE von Dominik Graf, DER ANDERE von Feo Aladag, DIE BESTEN TAGE VON ARANJUEZ von Wim Wenders, THE BIRTH OF A NATION von Nale Parker, GESCHICHTE EINER LIEBE – FEYA von Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn, PARADISE von Andrei Konchalowsky, PAULA von Christian Schwochow, TÖDLICHE GEHEIMNISSE von Sherry Hormann, WOFÜR ES SICH ZU LEBEN LOHNT von Alrun Goette und ZYKLOP von Aysun Bademsoy. Eine Retrospektive erinnert an Höhepunkte der vergangenen fünf Jahrzehnte. Mehr zum Festival: http://hofer-filmtage.com/

Murnau-Ausstellung in München

2016-murnau-ausstellungHeute wird im Münchner Len-bachhaus eine Friedrich Wilhelm Murnau-Aus-stellung eröffnet. Sie versteht sich als „Hommage“. Alexander Kluge, Ulrike Ottinger, Guy Maddin und Evan Johnson, Luc Lagier sowie ein Team der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film reflektieren Murnaus Arbeit in eigenständigen Beiträgen, die sich u. a. auf NOSFERATU, FAUST und TABU beziehen. Zu sehen sind außerdem Fotografien und Zeichnungen von Albin Grau, Hans Natge und Robert Herlth. Die Ausstellung ist bis zum 26. Februar zu sehen. Ab 8. Januar 2017 wird sie von einer Murnau-Retrospektive im Münchner Filmmuseum begleitet, die alle verfügbaren Filme des Regisseurs, zum Teil in restaurierten Fassungen präsentiert. Mehr zur Ausstellung: 2016/friedrich-wilhelm-murnau/

LITTLE NEMO (1989)

2016-dvd-little-nemoWeil der Animationsfilm FINDET DORIE von Andrew Stanton aus dem Pixar-Studio, der mir gut gefallen hat, zurzeit so erfolgreich ist, schauen sich viele seinen Vorgänger FINDET NEMO (2003) noch einmal an. Aber der Clownfisch Nemo hat nichts mit dem LITTLE NEMO aus dem Jahr 1989 zu tun. Auch dies ist ein Zeichentrickfilm, er stammt von William T. Hurtz und Masami Hata und ist gerade bei Koch Media als DVD erschienen. Er ist nicht ganz so originell wie die beiden Pixar-Filme, aber er erzählt auf sehr eigene Art eine Abenteuergeschichte aus dem „Schlummerland“, wohin den kleinen Nemo die Träume entführen. Zusammen mit seinen Freunden muss er sich vielen gefährlichen Herausforderungen stellen, was ihm mit Glück und Verstand gelingt. Der Film basiert auf den klassischen frühen Comics von Winsor McKay (1905-1911 täglich im New York Herald). Zum Bonus-Material gehören ein Making of, Little-Nemo-Kurzfilme von 1911 und 1921 und eine Bildergalerie mit Originalzeichnungen. Leider ist auf der DVD nur die deutsche Sprachfassung enthalten. Mehr zur DVD: page=2&id=1018282

Gebannte Bewegung

2016-gebannte-bewegungEine Dissertation, die an der Universität Zürich entstanden ist. Daniel Wiegand nimmt die frühe Zeit des Films zwischen 1900 und 1914 in den Blick, als „Tableaux vivants“ (oder: „lebende Bilder“) auf den Bühnen der großen Varietétheater beliebt waren und Gemälde oder Skulpturen nachgestellt wurden. Das historische Material wird in einer engen Verbindung mit dem Kino der Attraktionen, den Trickfilmen von Georges Méliès und Segundo de Chomón, den frühen Filmburlesken von Pathé und Gaumont gesehen und historisch miteinander verbunden. „Festsetzungen“ und „Kippmomente“ heißen die beiden Hauptkapitel. Es geht zunächst um „Geronnenes Leben und aufgespengtes Bild“, „Erstarrte Wirklichkeit, „Die Attraktion des Schönen im Varieté“ und „Die Attraktion des Schönen im Film“. Eingefügt ist hier der Abschnitt „Gebannte Bewegung“ über die Domestizierung des filmischen Bewegungsbildes in der frühen Filmtheorie von Hermann Häfker, Konrad Lange, Victor O. Freeburg, Béla Balázs und Theodor Heinrich Mayer. Das zweite Kapitel teilt sich in die beiden Bereiche „Das Spiel mit Stillstand und Bewegung“ und „Das Spiel mit der Illusion“. Der Autor verfügt über eine große Begabung bei der Bildbeschreibung. Hilfreich sind für ihn auch die zahlreichen Abbildungen in bester Qualität, wie wir sie von den „Zürcher Filmstudien“ kennen. Dies ist inzwischen Band 36 der Reihe. Mehr zum Buch: frueher-film-in-der-kultur-der-moderne.html

FilmSchreiben

2016-film-schreibenZehn Bände des wunderbaren Film- und Drehbuch-Alma-nachs „Scenario“ hat Jochen Brunow herausgegeben, einen elften wird es wohl nicht mehr geben. Dafür ist mit dem Buch „FilmSchreiben“ die „Edition Scenario“ eröffnet, die natürlich auch im Verlag Bertz + Fischer erscheint. Der erste Band enthält drei Drehbücher unseres Freundes Jochen, die bisher nicht realisiert werden konnten. „African Princess“ erzählt die Geschichte der farbigen Jazzsängerin Nina aus Berlin, die ihre Stimme verliert und sich auf die Suche nach ihrem afrikanischen Vater in Simbabwe macht. „Der Heiler“ handelt vom Erfinder der Homöopathie, Samuel Hahnemann, der sich in hohem Alter in eine französische Malerin verliebt und ihr nach Paris folgt. In „Forever Young“ entdeckt der junge Wissenschaftler Marco Langner das Geheimnis der unbegrenzten Zellteilung und seine familiären Wurzeln auf der Insel Sardinien. Drei Aufbrüche, drei Reisen, drei Menschen auf der Suche nach sich selbst. Weil Jochen sehr bildhaft schreibt und die Filme auf seine Weise im Kopf hat, ist die Lektüre der Drehbücher spannend. Man wünscht ihnen eine Realisierung. Der einleitende Text „Eine andere Art des Schreibens“ von Michael Töteberg beschäftigt sich mit der literarischen Identität des Drehbuchs und dem Filmautor Jochen Brunow. Der beeindruckende Umschlagentwurf stammt von Hauke Sturm. Mehr zum Buch: filmschreiben.html

Filmgeschichte(n) aus dem Ruhrgebiet

2016-jede-menge-kinoJEDE MENGE KOHLE hieß der klassische Ruhrgebiets-film von Adolf Winkelmann. „Jede Menge Kino“ erzählt Film­geschichten aus dem Ruhrgebiet. Der Autor Friedhelm Wessel (*1944) war viele Jahre lang Redakteur in Gelsenkirchen und Bottrop und ist seit knapp zehn Jahren im Ruhestand. Der Verlag Henselowsky Boschmann hat jetzt sein Buch über Filmgeschichten aus dem Ruhrgebiet publiziert: 80 Seiten, zwölf Kapitel und im Anhang eine Chronik der einschlägigen Filme von 1913 bis heute. Es kommen Namen ins Spiel, die mir bisher eher unbekannt waren: die Schauspielerin Tana Schanzara, der Regisseur Peter Thorwarth, der Drehbuchautor Frank Leberecht. Es werden Filme in Erinnerung gerufen, die man fast vergessen hat: LASS JUCKEN, KUMPEL von Franz Marischka, DER PLATZ AN DER HALDE von Herbert Fischer, DOPPELPACK von Matthias Lehmann. Ein eigenes Kapitel ist der „Lichtburg“ in Essen gewidmet, der „schönsten Leinwand der Welt“. Auch die beiden Manta-Filme (MANTA – DER FILM und MANTA MANTA) spielten im Ruhrgebiet. Und der wichtigste Protagonist in diesem Buch ist natürlich Adolf Winkelmann. Ihm sind vier Kapitel gewidmet. Ein schönes Buch über eine Kinoregion. Mit vielen Abbildungen. Mehr zum Buch: jede_menge_kino.html

Kinogeschichten aus Dresden

2016-kinogeschichtenMichael Wüstefeld (*1951) stammt aus Dresden, ist Autor, Kritiker und Lyriker, und wer seine „Kino-geschichten“ liest, erfährt viel über die Jugend eines Filmfans in der DDR, beginnend 1960 im Otto-Buchwitz-Saal in der Dülferstraße mit dem sowjetischen Film TIERFÄNGER, endend 1974 mit dem Bangladesh-Film der Beatles in einem Freilichtkino am Plattensee. Es sind Filme aus Ost und West, an die sich der Autor erstaunlich gut erinnert: DEFA-Filme, Filme aus Polen, Frankreich, Italien, Westdeutschland und den USA. Die 27 Texte sind in der Regel jeweils einem Kino zugeordnet, zum Beispiel dem Faun-Palast, der Schauburg, den Astoria-Lichtspielen, dem Reprisentheater Schillergarten, dem Tagesfilmtheater Ost, der Freilichtbühne Junge Garde oder dem Kulturpalast Dresden. Die abgebildeten Kinokarten und Titelseiten der Progress-Filmprogramme zeugen von der archivarischen Leidenschaft des Autors. Eindrucksvoll sind die Kapitel „Dreh im Schumann-Bau“ (über die Aufnahmen zu dem Film CHRONIK EINES MORDES mit Ulrich Thein und Angelica Domröse), „Dr. Sorge in Gotha“ (über den Besuch des Films WER SIND SIE DR. SORGE? mit seinem Vater bei einer Fahrt nach Gotha), „Ohne Film in Prag“ (aber mit einem Besuch der „Zauberlaterne“), „Meuterei in Berlin“ (über eine Klassenfahrt 1969 und den Film MEUTEREI AUF DER BOUNTY im Filmtheater Kosmos). Besonders gut gefallen haben mir die Erinnerungen an ICH WAR NEUNZEHN von Konrad Wolf, SPARTACUS von Stanley Kubrick, CHEYENNE von John Ford, HIGH NOON von Fred Zinnemann und die Indianerfilme der DEFA. Inspiriert wurde das Buch durch Ilse Aichingers „Film und Verhängnis“ und Jean-Luc Godards Filmessay HISTOIRE(S) DU CINEMA. Das „Nachspiel“ enthält Informationen und Abbildungen der Dresdener Kinos von 1965 bis heute. Mehr zum Buch: php?products_id=581

Kostümbild/Kostümdesign

2016-kostuembildRiccarda Merten-Eicher (*1956) ist freie Kostümbildnerin, sie hat u.a. die Filme WUT (2005) von Züli Aladag, GELIEBTE CLARA (2008) von Helma Sanders-Brahms und CARLOS (2009) von Olivier Assayas ausgestattet. Ihr Buch „Kostümbildner in Film, Fernsehen und Theater“ erschien zunächst 2012 bei Henschel – aber der Bestand verbrannte 2013 in einer Lagerhalle in Naunhof bei Leipzig. Jetzt hat sie bei Schüren eine überarbeitete Fassung publiziert, die man zur Pflichtlektüre für künftige Kostümbildner/innen machen sollte. Auf 168 Seiten werden alle Informationen zum Berufsbild, zur Geschichte, zu notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten, zur Vorbereitung und Realisierung eines Projekts vermittelt. Aufschlussreiche Gespräche mit der Kostümbildnerin Ingrid Zoré, der Regisseurin Helma Sanders-Brahms, dem Schauspieler Miguel Herz-Kestranek, der Damenmaß-schneiderin Regine Borkenhagen und dem Regisseur Klaus Gendries erweitern unser Wissen über diesen Beruf. Konkrete Erfahrungen vermitteln die Berichte über die Arbeit an GELIEBTE CLARA, ABENTEUER IN PANAMA, CARLOS – DER SCHAKAL, DER GROSSE HAMOUDI und verschiedenen Roadmovie-Projekten. Der Anhang enthält nützliche Informationen. Und zahlreiche Abbildungen zeigen ein breites Spektrum von Kostümentwürfen. Mehr zum Buch: kostuembild-kostuemdesign.html

Winter is coming

2016-winter-is-comingGAME OF THRONES ist eine Fernsehserie von HBO, die seit April 2011 ausgestrahlt wird, viele Fans hat und von der Kritik hoch gelobt wird. Es gibt bisher sechs Staffeln, zwei weitere sind in Arbeit. Dann soll Schluss sein. Carolyne Larrington lehrt englische Literatur des Mittel-alters am St. John’s College in Oxford. Ihr Buch „Winter is coming“ – dessen deutsche Ausgabe gerade im Theiss Verlag erschienen ist – setzt eine Kenntnis der GoT-Serie voraus, wenn man die höchst interessanten Vergleiche mit unserem Mittelalter verstehen will. Noch besser ist es, wenn man auch die Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin gelesen hat, was bei mir nicht der Fall ist. In fünf Kapiteln (Das Herz des Landes – Der Norden – Der Westen – Jenseits der Meerenge – Der Osten) untersucht Carolyne Larrington, wie David Benioff und D. B. Weiss, die für GoT verantwortlich sind, Erkenntnisse über Sozialstrukturen, Religion und Rittertum im Mittelalter in die fiktive Welt der sieben Königreiche von Westeros transferiert haben. Weil die Autorin den künftigen Leserinnen und Lesern / Zuschauerinnen und Zuschauern die Spannung nicht nehmen will, kennzeichnet sie mit Silhouetten eines Raben, wo sie Handlungselemente verrät. 40 Abbildungen, meist Werke aus dem Mittelalter, konkretisieren den Text. Ein Register verschafft gezielten Zugriff auf Textpassagen. Nicht nur für Fans der GoT-Serie eine lohnende Lektüre. Mehr zum Buch: wbv/winter-is-coming