3001 Kino in Hamburg

2016-kino-3001Das „3001 Kino“ im Hamburger Schanzen-viertel gibt es inzwi-schen seit 25 Jahren, es bereichert die Szene der Stadt mit unge-wöhnlichen Program-men, für die vor allem sein Initiator und Leiter Jens Meyer verant-wortlich ist. Seit 15 Jahren bewirbt er sich mit seiner „Besatzung“ bei der Beauftragten für Kultur und Medien um einen Kino-Preis, und einmal hat sein Kino auch den ersten Preis bekommen. Das höchst lesenswerte und zum Teil sehr amüsante Buch dokumentiert die individuellen Texte aus den Jahren 2002 bis 2016, die den Bewerbungsunterlagen beigefügt waren. Sie erlauben uns den Blick ins Innere eines kleinen Kinounternehmens. Das Haus hat 91 Plätze. Gezeigt werden natürlich keine Mainstream-Filme, sondern speziell ausgesuchte Titel. Wir erfahren viel über Terminierungen, Kopiensuche, Umgang mit Verleihern, Formulierung von werbenden Ankündigungen, spezielle Erfahrungen mit dem Hamburger Publikum, prominente Gäste. Es gab überraschende Erfolge (THE WRESTLER war drei Wochen lang jeden Abend ausverkauft), aber auch Enttäuschungen (der Film ACHTERBAHN blieb trotz Hamburger Dom-Rummel unbeachtet). Mehrfach waren der Staats-anwalt und Filmkritiker Dietrich Kuhlbrodt und der Dokumentarist Klaus Wildenhahn im 3001 Kino zu Gast. Auch pointierte Bemerkungen im Besucherbuch (eigentlich nur für intern) sind abgedruckt. Oft haben die Texte zu den Einreichungen den Charakter eines Tagebuchs. Jens Meyer besucht häufig Pressevorführungen und teilt uns seine Meinung zu den Filmen mit. Es werden Zeitungskritiken zitiert, Fernseh-Affären mitgeteilt (zum Beispiel die Entmachtung der NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze), und in Rückblenden ist auch die Filmgeschichte präsent. Ein Register erleichtert die Suche nach Personen, Filmtiteln und Stichworten. Beigefügt ist die Broschüre „Chandler geht ins Kino“. Das Coverfoto zeigt ein Schiff auf hoher See, das hoffentlich nicht untergeht. Mehr zum 3001 Kino: www.3001-kino.de/

Träumende Gesichter

2016.Träumende GesichterDaniela Sobek ist Autorin und Malerin. An ihrem Buch „Träumende Gesichter“ hat sie offenbar lange gearbeitet. Es ist eine Hommage an Schau-spielerinnen. 13 sehr zugeneigte Porträts sind Kim Stanley (1925-2001), Lee Remick (1935-1991), Helga Anders (1948-1986), Joan Hackett (1934-1983), Ingrid Thulin (1926-2004), Diana Scarwid (*1955), Lisa Kreuzer (*1945), Rachel Roberts (1927-1980), Susan Strasberg (1938-1999), Margit Carstensen (*1940), Jo Van Fleet (1914-1996) und Barbara Loden (1932-1980) gewidmet. Sie sind immer auf der Suche nach speziellen Fähigkeiten und Ausdrucksformen für das Spiel auf der Leinwand. In zwölf kurzen „features“ geht es um Marisa Mell, Blythe Danner, Ingrid van Bergen, Elizabeth Hartmann, Delphine Seyrig, Cathy Moriarty, Ellen Burstyn, Stockard Channing, Anne Heywood, Barbara Rudnik, Jill Bennett und Anna Thomson. Das Buch ist 313 Schauspielerinnen gewidmet, die auf den Seiten 15 und 16 genannt werden. Und ein Geleitwort stammt von François Truffaut: „Das Kino ist eine Kunst der Frau, der Schauspielerin“. Mit zum Teil farbigen Fotos und Filmografien. Mehr zum Buch: de/neuerscheinungen.html

ZWISCHEN DEN BILDERN

2016.Zwischen den BildernIm Münchner Filmmuseum ist heute in der Reihe „Kino-Lectures“ der dreiteilige Filmessay ZWISCHEN DEN BILDERN zu sehen, den ich von 1979 bis 1981 zusammen mit Heide Breitel, Klaus Feddermann und Helmut Herbst realisiert habe. Unsere Einführung in „Die Geschichte der Filmmontage“ wurde von der Kinemathek für das ZDF produziert. Teil 1 behandelt die Montage im Spielfilm (speziell im Western), Teil 2 die Montage im Dokumentarfilm, Teil 3 die Montage experimentell arbeitender Filmemacher. Für diesen dritten Teil war Helmut Herbst zuständig. Im September 1980 war ich mehrere Wochen zusammen mit Heide Breitel und Klaus Feddermann für Gespräche und Interviews in den USA. Wir trafen dort die Regisseure King Vidor und William Wyler, den Kameramann William Clothier, die Cutterinnen Helen van Dongen, die eng mit Joris Ivens zusammengearbeitet hat, Dorothy Spencer, die mehrmals mit John Ford im Schneideraum saß, und den Cutter Robert Wolfe (Foto), der den Film THE WILD BUNCH von Sam Peckinpah geschnitten hat. Es waren interessante Gespräche, bei denen auch die spezielle Technik an der Moviola, dem amerikanischen Schneidetisch, thematisiert wurde. Außerdem haben wir in Amerika viele alte Filme gesichtet, vor allem Western. In Deutschland waren Klaus Wildenhahn und Joris Ivens unsere Interviewpartner. Die Filme dauerten jeweils eine gute Stunde. Der erste Teil über die Montage im Spielfilm wurde im Juni 1982 in Berlin uraufgeführt, der zweite Teil über die Montage im dokumentarischen Film im November 1981 im Rahmen der Duisburger Filmwoche. Alle drei Filme wurden im September 1983 im ZDF ausgestrahlt. Damals geschah das noch vor Mitternacht. Jahrelang waren sie nicht zugänglich. Jetzt sind sie, darüber freue ich mich natürlich, in München zu sehen.

THE PERVERT’S GUIDE TO CINEMA (2006)

2016.DVD.Pervert's GuideEin 153-Minuten-Film von Sophie Fiennes. Mit starker Präsenz und großer Eloquenz nimmt uns der slowenische Philosoph und Psycho-analytiker Slavoj Žižek mit auf eine Reise durch die Filmgeschichte und interpretiert Erwartungen und Wirkungen von Zuschauerinnen und Zuschauern. „Das Kino ist letztlich eine perverse Kunstform“, sagt Žižek provokant zu Beginn und gibt diesem Film damit seinen Titel. Die erste Deutung erfährt der Film THE BIRDS von Alfred Hitchcock. „Warum greifen die Vögel an?“, fragt Žižek und die Antwort aus seiner Perspektive lautet: „Die gewaltsamen Angriffe der Vögel sind explosive Ausbrüche des mütterlichen Überichs, der mütterlichen Figur, die versucht, eine sexuelle Beziehung des Sohns zu verhindern. Die Vögel bedeuten also rohe, inzestuöse Energie.“ Der Analytiker sitzt dabei in einem Motorboot in der Bodega Bay, dem Schauplatz von Hitchcocks Film (Coverfoto). Dann wechselt er in den Keller des Hauses von PSYCHO und setzt seine Interpretation fort. Wenn für seine Kommentare kein geeigneter Ort gefunden wurde, steht er vor einer weißen Leinwand. Auch wenn die Selbstinszenierung gelegentlich sehr forciert wirkt, hat sie eine starke Intensität. Seine Rollenverteilung bei den Marx-Brothers: Groucho ist das Überich, Chico das Ego, Harpo das Es, es gibt dazu Ausschnitte aus DUCK SOUP. Mit sieben Filmen und einem Auftritt im Trailer steht Alfred Hitchcock an der Spitze der Titelliste, die insgesamt 43 Filme umfasst. Der zweite Favorit von Žižek ist David Lynch mit fünf Filmen. Chaplin, Kubrick, Tarkowskij und Disney sind zweimal vertreten, alles andere sind Einzelbeispiele. Das amerikanische Kino steht im Mittelpunkt, das asiatische ist ganz ausgespart. Ein deutscher Film ist dabei: DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE von Fritz Lang, im Zusammenhang mit dem Thema „Stimmen“. Andere wichtige Themen sind Musik, Todestrieb, Sehnsucht, Sexualität, Albträume, Dunkelheit, Ängstlichkeit, Magie und Glauben, Vaterfiguren. Wie schön, dass der Film jetzt in der „filmedition suhrkamp“ bei Absolut Medien als DVD erschienen ist, ich hätte ihn sonst wohl nicht gesehen. Das Booklet mit einem langen Interview von Marty Fairbairn mit der Filmemacherin Sophie Fiennes und zwei Texten von Žižek ist hervorragend. Mehr zur DVD: The+Pervert’s+Guide+to+Cinema

Filmtourismus

2016.FilmtourismusWeil John Ford einer meiner Lieblingsregisseure ist, war ich als „Filmtourist“ natürlich im Monument Valley (Coverab-bildung des Buches), weil CITIZEN KANE für mich noch immer ein faszinierender Film ist, haben wir auf unserer ersten Amerikareise selbstverständlich das Hearst Castle in der Nähe von San Simeon besucht, das als Vorbild für das Schloss Xanadu diente, und weil ich gelesen hatte, dass der Ort Bodega Bay Schauplatz von Hitchcocks THE BIRDS war, haben wir von San Francisco aus einen Ausflug dorthin gemacht. London, Paris, Rom, Wien sind für mich nicht nur interessante Städte, sondern auch Orte, an denen viele berühmte Filme gedreht wurden. Von diesen cinephilen Erinnerungen profitiert der internationale Tourismus, über den der Geograph und Tourismusforscher Albrecht Steinecke jetzt bei uvk ein interessantes Buch publiziert hat. Das Thema ist in sechs Kapitel aufgefächert: 1. Was ist Filmtourismus? (Orte und Einordnung des Filmtourismus) 2. Was suchen die Filmtouristen? (Motive, Erwartungen, Reaktionen und Verhaltensweisen). Ein Exkurs gilt dem Kult um die Celebrities. 3. Wie engagieren sich Destinationen im Filmtourismus? ( „Destination“ heißt im Tourismus ein geografischer Raum, der als Reiseziel begriffen wird.) 4. Welche Wirkungen hat der Filmtourismus? (Touristische Effekte, Effekte auf die Drehorte, Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren). 5. Die Off Locations im Filmtourismus (Wohnungen, Wirkungsstätten und Gräber von Filmstars, Filmmuseen, Themenparks, Filmevents). 6. Checklisten für Destination Management Organisationen. Zielgruppe der Publikation sind Studierende und Dozenten tourismusbezogener Studiengänge. Obwohl also das Buch für mich eigentlich gar nicht gedacht ist, habe ich es mit großem Interesse gelesen, viel daraus gelernt und werde, wenn wir demnächst in Schottland sind, auch mit dem „Jacobite Stream Train“ fahren. Mehr zum Buch: 13fb83b296c/

Populäre Musikkulturen im Film

2016.Populäre Musikkulturen22 Texte zu Formen, Inhalten und Rezeptionen des fiktionalen und dokumentarischen Musikfilms, herausgegeben von Carsten Heinz und Laura Niebling in der neuen Reihe „Film und Bewegtbild in Kultur und Gesellschaft“ des Verlages Springer VS. Ich nenne zehn Beiträge, die für mich besonders interessant waren. In seinem grundlegenden einführenden Essay beschreibt Carsten Heinz Konzeptionen und Perspektive der populären Jugend- und Musikkulturen im Film. Georg und Susanne Maas definieren Jugend und populäre Musik im Spiegel des Spielfilms mit vielen konkreten Beispielen als Zeitdokument, Erinnerungskultur und Utopie. Christian Hißnauer sieht Castingshows als neue Form des Musikfilms („Der Traum vom Superstar“). In seinem zweiten Beitrag entwickelt Carsten Heinze Perspektiven des Musikdokumentarfilms. Markus Stiglegger untersucht die ideologische Doppelbödigkeit in den Auftritten der slowenischen Musikgruppe „Laibach“ und in der Dokumentation LAIBACH – SIEG UNTER DER SONNE (1988) von Goran Gajic. Anke Steinborn erinnert an den Cowboy, Rockstar und Sozialisten Dean Reed und vergleicht die Filme WINNETOU I (BRD 1963) und BLUTSBRÜDER (DDR 1975) vor allem im Hinblick auf die Musik. Ulrike Wohler beschäftigt sich mit der Musikkultur als Bestandteil feministischer und queerer Emanzipationsbewegungen („Madonna-Musikfilme als soziales Gedächtnis“). Senta Siewert analysiert den „Entgrenzungsfilm“ TRAINSPOTTING (1995) von Danny Boyle unter den Aspekten Musik, Affektivität, Erinnerung und Vermarktung. Hans J. Wulff blickt zurück in die 1950er Jahre und behandelt mit vielen konkreten Beispielen die Medialisierung der Musik und Medienkritik im Schlagerfilm der Bundesrepublik. Bei Andreas Wagenknecht geht es um die ostdeutsche Punk- und Independent-Szene vor und nach der Wende in den Rockumentaries flüstern & SCHREIEN (DDR 1988) und flüstern & SCHREIEN – 2. Teil (BRD 1994). Jedem Text folgen Literaturhinweise. Die Abbildungen sind in der technischen Qualität grenzwertig. Mehr zum Buch: book/9783658108953

„Durchhaltefilme“

2016.Geschichte LegimationsstrategieEine Dissertation, die an der Pädagogischen Hochschule Weingarten entstanden ist. Joachim Schroth analysiert drei Historienfilme aus geschichts-kultureller Perspektive: KOL-BERG (1944/45) von Veit Harlan, EINE HANDVOLL HELDEN (1967) von Fritz Umgelter und 300 (2006) von Zack Snyder. KOLBERG, das aufwendig inszenierte Widerstandsepos gegen die Vereinnahmung durch Napoleon 1806/07, gilt als klassischer nationalsozialistischer „Durchhaltefilm“. Er wurde nach Kriegsende verboten und war unter dem Titel 30. JANUAR 1945 (KOLBERG) ab 1965 in einer kommentierten Fassung zu sehen. EINE HANDVOLL HELDEN war ein Remake des Films DIE LETZTE KOMPAGNIE (1930) von Kurt Bernhardt; ein preußischer Hauptmann verteidigt hier mit zwölf Soldaten eine Mühle gegen die französischen Truppen, damit die preußische Armee einen gesicherten Rückzug antreten kann. In der Erstverfilmung spielte Conrad Veidt die Hauptrolle, im deutsch-italienischen Remake Horst Frank. 300 ist eine amerikanische Comic-Verfilmung, die das heroische Ende von 300 Spartiaten im Kampf gegen den persischen König Xerxes zeigt. Der sehr erfolgreiche Film hatte in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Zuschauer. – In seinen Analysen der drei Filme verfolgt der Autor vor allem inhaltliche Handlungen. Seine Darstellung ist sehr detailliert. Er versäumt keine Möglichkeit, sich durch faktografische Hinweise und wissenschaftliche Quellen abzusichern. 1.798 Fußnoten machen die Lektüre etwas mühsam. Am umfangreichsten ist die KOLBERG-Analyse (160 Seiten), EINE HANDVOLL HELDEN kommt auf 20 Seiten, 300 erreicht 90 Seiten. Natürlich ist es interessant, sich über die Rezeption der Filme und die unterschiedlichen Publika Gedanken zu machen. Dies tut Joachim Schroth in dem Abschnitt „Filmdeutungen im Kontext der zeitgenössischen Realität“. Das Thema Durchhaltefilm hat für ihn spürbar auch emotional eine große Bedeutung. Mit 20 Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: 3-643-13409-7

Rainer Simon

2016.Rainer SimonAnfang der 1960er Jahre hat er die HFF in Babelsberg besucht, später bei Heiner Carow und Konrad Wolf assistiert und ab 1968 bis zum Ende der DEFA elf lange Spielfilme realisiert, darunter Kinder- und Märchen-filme, Historien- und Gegen-wartsfilme, die ästhetisch und thematisch interessant sind. Rainer Simon (*1941) gehörte zur dritten DEFA-Generation, und es ist sehr zu begrüßen, dass jetzt ein Buch erschienen ist, das sein filmisches Werk aus vielfältiger Perspektive erschließt. Nach einer Einführung des Herausgebers Michael Grisko und einem Beitrag von Rainer Simon („Warum ich Filmregisseur wurde) analysieren zwölf Beiträge jeweils einen oder zwei Filme. Barbara Felsmann schreibt über die Märchenadaptionen WIE HEIRATET MAN EINEN KÖNIG (1968) und SECHSE KOMMEN DURCH DIE WELT (1972). Bei Frédéric Jaeger geht es um Simons Beitrag zu dem Episodenfilm AUS UNSERER ZEIT (1970). Claus Löser beschäftigt sich mit Simons erstem abendfüllenden Gegenwartsfilm, MÄNNER OHNE BART (1971). Günter Helmes erinnert an TILL EULENSPIEGEL (1975). Michael Grisko ist mit drei Einzeltexten vertreten: über ZÜND AN, ES KOMMT DIE FEUERWEHR (1978), WENGLER & SÖHNE (1987) und DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO (1989). Anne Barnert untersucht die Verbotsgründe für JADUP UND BOEL (1980/88). Matthias Struch informiert über DAS LUFTSCHIFF (1983). Von Detlef Kannapin stammt ein Beitrag über die Erzählstruktur von DIE FRAU UND DER FREMDE (1984). Erika Richter macht sich „unsystematische Gedanken“ zu DER FALL Ö. (1991). Und Wolfgang Fuhrmann begleitet den Regisseur bei seinen Reisen in ferne Kontinente, nach Südamerika ab 1990. Alle Beiträge sind sachkundig und den Filmen zugeneigt. Wieder ein lesenswerter Band in der Schriftenreihe der DEFA-Stiftung, mit Abbildungen in guter Qualität. Mehr zum Buch: zeitdiewelt.html

Zwei Western

Zwei neue Titel sind in der Western-Legenden-Reihe bei Koch Media erschienen: ALONG CAME JONES (1945) und CALAMITY JANE AND SAM BASS (1949), der eine hat den Charakter einer Komödie, der andere ist ein Drama mit bösem Ende.

2016.DVD.VagabundALONG CAME JONES – deutsch: DER VAGABUND VON TEXAS – wurde von Gary Cooper produziert, der auch die Hauptrolle spielt: den Sänger Melody Jones, der mit seinem Begleiter George Fury durch die Lande zieht und sein Leben nicht so ganz im Griff hat. Als die beiden in die kleine Stadt Painville kommen, gibt es Trouble, denn dort wird Jones mit dem Postkutschenräuber Monte Jarrad verwechselt, schließlich haben sie die gleichen Initialen. Eine Schlüsselrolle spielt die attraktive Cherry de Longpre (Loretta Young), die eigentlich mit Jarrad liiert ist, aber an dem lässigen Jones Gefallen findet und ihn unter ihre Fittiche nimmt. Es wird viel getrunken, gestritten und geschossen bis zum Showdown, bei dem sich Jones und Jarrat endlich gegenüberstehen. Jones wird dabei durch vier Revolverschüssen total demontiert, aber ehe er von Jarrad getötet wird, stirbt der durch einen Gewehrschuss von Cherry. Milton R. Krasner hat bei diesem Schwarzweißfilm die Kamera geführt und eindrucksvolle Licht-und-Schatten-Bilder komponiert. Auf dem DVD-Cover wird zwar George Sherman als Regisseur genannt, aber in Wahrheit stammt der Film von Stuart Heisler – nach einem Drehbuch von Nunnally Johnson. Das Booklet zur DVD hat, im ironischen Tonfall, Hank Schraudolph verfasst.

2016.DVD.RebellenCALAMATY JANE AND SAM BASS – deutsch: REBELLEN DER STEPPE – hat in der Tat George Sherman inszeniert. Der Film erzählt die Geschichte des Cowboys und Reiters Sam Bass, dessen Pferd im Zusammenhang mit einem Rennen vergiftet wird. Er erschießt den Täter und flüchtet in die Berge. Zwei Frauen sind an Bass interessiert: die sensible Katherine, Schwester des Sheriffs, und die wilde Calamity Jane. Die Handlung wechselt zwischen der kleinen Stadt Denton und den Bergen. Bass stellt sich einmal dem Sheriff, die Gerichtsverhandlung wird aber zur Farce, und Calamity Jane muss eingreifen, damit Bass nicht erhängt wird. Der setzt seine Untaten fort, aber bei einem Banküberfall wird er schwer verletzt und stirbt am Ende in Janes Armen, mit seinen Gedanken bei Katherine. – Die Hauptrollen werden sehr dynamisch von Yvonne DeCarlo und Howard Duff gespielt, Dorothy Hart ist die meist abwesende Katherine. Für die Kameraführung in kräftigen Technicolor-Farben war Irvin Glassberg verantwortlich. Sie wurden für die DVD digitally remastered. Das Booklet stammt wieder von Hank Schraudolph. Mehr zu den DVDs: 2&id=1015417 + 2&id=1015814

Metamorphosen des Kriegsfilms

2016.Körper, Tod und TechnikNoch ein neues Buch über den Kriegsfilm. Es stammt von Thomas Elsaesser und Michael Wedel, die bekanntlich viele Jahre gemeinsam an der Universität Amsterdam geforscht und gelehrt haben. In drei detaillierten Analysen und einem Epilog konstatieren sie ästhetische Veränderungen des amerikanischen Kriegsfilms in den vergangenen 35 Jahren. Es geht dabei vor allem um die Darstellung der Körperlichkeit. Die drei exemplarischen Filme sind APOCALYPSE NOW (1979) von Francis Ford Coppola, SAVING PRIVATE RYAN (1998) von Steven Spielberg und WINDTALKERS (2002) von John Woo. Den Text zum Coppola-Film haben die beiden Autoren gemeinsam verfasst, er spannt intensiv den Bogen zur literarischen Vorlage „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad. Die Analyse des Spielberg-Films stammt von Thomas Elsaesser, wurde 2013 zuerst in dem Buch „Mobilisierung der Sinne“ publiziert und für das neue Buch überarbeitet. Für den Beitrag über John Woos ist Michael Wedel verantwortlich, auch er erschien bereits in einer anderen Fassung in „Mobilisierung der Sinne“. Der Epilog beschäftigt sich mit Kathryn Bigelows ZERO DARK THIRTY (2012), er stammt von Thomas Elsaesser und ist ein zentrales Kapitel in dem Buch „Erzählungen und Gegenerzählungen“, das ich gestern vorgestellt habe. Mehrfachverwertungen von Texten in veränderter Form sind bei gefragten Autorinnen und Autoren durchaus üblich. „Körper, Tod und Technik“ fügt sich trotzdem zu einer eigenständigen Publikation, deren Lektüre man empfehlen kann. Mit zwölf Abbildungen in akzeptabler Qualität. Die Coverabbildung nutzt ein Motiv von APOCALYPSE NOW. Mehr zum Buch: titel/978-3-86253-028-1.html