Musik in der Filmkomödie

2017.Musik FilmkomödieDer dritte Band in der Reihe „FilmMusik“ von edition text + kritik – nach „Ennio Morricone“ und „Martin Scorsese“ – enthält fünf Texte zum Thema Musik in der Filmkomödie. Tarek Krohn erzählt zunächst eine Geschich-te der Humortheorie von Aristo-teles bis zu Henri Bergson und richtet den Blick dann auf film-musikalische Gags, bei denen Bild und Ton einen gemein-samen Effekt bilden. Lindsay Carter beschäftigt sich mit Musik und Komödie im stalinistischen Kino, konkret: in den Filmen des Regisseurs Grigori Alexandrow in den 1930er Jahren. Konstantin Jahn, bekannt geworden mit einer cineastischen Kulturgeschichte des Jazz (hipster-gangster-femmes-fatales/), untersucht Jazz als Signum von Satire, Parodie und Humor in Vaudeville-Film, Cartoon und TV-Comedy. Jörg Heuser analysiert Bild und Musik in den ersten zehn Minuten von Frank Zappas Film 200 MOTELS. Bei Guido Heldt geht es dann um Musik in Horrorkomödien, konkretisiert an vielen Beispielen. Die Beiträge sind kompetent, das im Titel vorgegebene Thema befindet sich damit jedoch erst in der Anfangsphase. Die Herausgeber verkünden im Vorwort: „Die weitere Forschungsreise verspricht unterhaltsam zu werden.“ Das Coverfoto stammt aus dem Film LES VACANCES DE MONSIEUR HULOT. Mehr zum Buch: 4wSjzTV4

Zwei Western

2017.DVD.True Story of Jesse JamesZwei neue Titel in der Reihe „Western-Legenden“ von Koch Media. THE TRUE STORY OF JESSE JAMES (1957) von Nicholas Ray – deutscher Titel: RÄCHER DER ENTERBTEN – erzählt die Lebens-geschichte der Outlaw-Brüder Jesse und Frank James vom Bürgerkrieg bis zum Tod von Jesse. Sie beginnt bei den Süd-staaten-Partisanen, setzt sich nach Kriegsende mit Raubüberfällen fort, die zur Verfolgung durch die Polizei führen. Versuche, die kriminelle Vergangenheit durch Identitätswechsel zu überwinden, scheitern an unvorhersehbaren Zwischenfällen. Zusammen mit seiner Freundin Zee (gespielt von Hope Lange) nimmt er den Namen „Howard“ an. Auf einer Farm wollen sie ein friedliches Leben führen. Aber das misslingt. Die Hauptrollen spielen Robert Wagner (Jesse) und Jeffrey Hunter (Frank). Leider hatte Nicholas Ray große Konflikte mit dem Fox-Studio, das ihn dazu zwang, die Montage zu verändern und die Erzählweise zu vereinfachen. Mit dem Ergebnis war Ray höchst unzufrieden. Aber auch in der vorlie-genden Fassung ist dies ein spannender Film über den Aufbruch junger Rebellen. Fritz Göttler hat für das Booklet der DVD einen sehr lesenswerten Text geschrieben. Mehr zur DVD: legenden_44_dvd/

2017.DVD.Showdown at AbileneSHOWDOWN IN ABILENE (1956) von Charles Haas – deutscher Titel: SCHÜSSE PEITSCHEN DURCH DIE NACHT – ist im Kern ein Psycho-Western. Die Hauptfigur, der ehemalige Sheriff Jim Trusk (gespielt von Jock Mahoney), kehrt nach vier Jahren Bürgerkrieg zurück in seine Heimatstadt Abilene und ist traumatisiert; er will keine Schusswaffen mehr in die Hand nehmen. Sein bester Freund Tad ist im Krieg gefallen. Tads Bruder Dave ist inzwischen zu einem Rinderbaron avanciert und beherrscht den Ort. Jim lässt sich überreden, wieder die Sheriffs-Rolle zu übernehmen, weigert sich aber zunächst, eine Pistole zu tragen. Die Konflikte zwischen den gewalttätigen Viehhändlern und den Farmern von Abilene eskalieren, und am Ende muss Jim doch zur Waffe greifen. Natürlich gibt es auch eine zentrale Frauenfigur, Peggy Bigelow (gespielt von Martha Hyer), die lange auf die Heimkehr von Jim gewartet, sich dann aber mit Dave verlobt hat. Sie muss sich für einen der beiden entscheiden. Der Western ist gradlinig inszeniert und hat viele schöne Momente. Auch hier stammt der Text im Booklet von Fritz Göttler. Mehr zur DVD: legenden_45_dvd/

Kunstpreis Berlin

2017.KunstpreisDer türkische Filmemacher Emin Alper (Foto: Muhsin Akgün) wird in diesem Jahr mit dem Großen Kunstpreis Berlin ausgezeichnet, der jährlich von der Akademie der Künste vergeben wird. Verantwortlich für die Vergabe ist diesmal die Sektion Film- und Medien-kunst. Die „kleinen“ Kunstpreise gehen an Axel Anklam (Bildende Kunst), Francisco Mangado (Baukunst), Elena Mendoza (Musik), Annett Gröschner (Literatur), Valery Tscheplanowa (Darstellende Kunst) und Athina Rachel Tsangari (Film- und Medienkunst). Die Preise werden von der Präsidentin der Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel, und dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller übergeben. Moderiert wird die Veranstaltung vom Direktor der Sektion Film- und Medienkunst, Rosa von Praunheim. Mehr zur Preisverleihung: objectID=56584

Fakt ab!

2017.Fakt ab!David Hain (*1981) betreibt auf YouTube den Videokanal „BeHaind“ und erzählt in seinem Buch „Fakt ab!“ Geschichten aus der Welt des Films. Eine kleine Titelauswahl macht deutlich, wo seine Vorlieben zu finden sind: E.T. – DER AUSSERIRDISCHE, TITANIC, BATMAN, TERMI-NATOR, RAMBO, HARRY POTTER, AVATAR, SOLDAT JAMES RYAN, BRAVEHEART, GLADIATOR, INDIANA JONES, FORREST GUMP, PULP FICTION, SPIDERMAN. Das ist alles amerikanisches Mainstream-Kino, da kennt sich der Autor aus. Jeder Text – in der Regel vier bis sechs Seiten – informiert kurz über die Entstehung, die Bedeutung, die Rezeption (Kritik), über einige Produktionsfakten und endet mit der Rubrik „Wusstet ihr“. Eingestreut sind Texte zu den Themen „Fernsehserien“, „Disney“, „Pixar“, „Arnie Klassiker“, „Horrorfilme“, „Animationsfilme, „Videospielverfilmungen“ und „Oscar-Klassiker“. Die Formulierungen sind salopp, Zielgruppe sind junge Menschen, die Illustrationen stammen von Oskar Pannier. Erschienen ist das Buch bei plötz & betzholz. Mehr zum Buch: 9783960170020.html

Problemzone

2017.ProblemzoneDas Schweizer Filmjahrbuch erscheint jeweils im Januar und hat – neben den Rubriken „CH-Fenster“, „Filmbrief“ und „Sélection Cinema“ – immer ein Schwerpunktthema. In den vergangenen Jahren waren das „Rausch“ und „Verwandlung“, diesmal geht es um „Problem-zonen“. Acht Essays sind ihm gewidmet. Thorsten Singer schreibt über den Science-Fiction-Film EX MACHINA von Alex Garland und die „Problem-zone als filmischen Labor-raum“. Judith Wiemers untersucht die (afro-) amerikanische Idiomatik in deutschen Musikfilmen der Jahre 1930 bis 1945. Bei Konstantinos Tzouflas geht es um „Filmmaking in Economic ‚Trouble Zones’“, konkret: um „The New Argentine Cinema and the Greek New Wave“. Rasmus Greiner richtet den Blick auf „Filmton und Politik in THE GREAT DICTATOR“ („Als Chaplin nicht mehr schweigen konnte.“). Die schweizerisch-rumänische Schriftstellerin Dana Grigorcea erinnert sich an Isaura, die Frau eines Zwergs in einer Telenovela. Charlotte Trippolt beschäftigt sich mit dem jugoslawischen Film der 1960er Jahre. Vera Schamal analysiert das Kartografieren im Animationsfilm. Von Hans J. Wulff stammt ein Beitrag über den Film THE LADY IN THE VAN von Nicholas Hytner. Im CH-Fenster informiert Mattia Lento über den Gotthardtunnel im Film und interviewt Rowena Raths die Filmemacherin Babette Bürgi. Ausführlich werden in der „Sélection Cinema“ 34 Schweizer Filme der Saison 2015/16 vorgestellt. An der Realisierung des interessanten Jahrbuchs hat das Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich wieder großen Anteil. Mehr zum Buch: problemzone.html

DIE BLUMEN VON GESTERN (2016) – das Drehbuch

2017.Blumen von gesternDen Film DIE BLUMEN VON GESTERN meines Freundes Chris Kraus – er ist Absolvent der dffb und seit zwanzig Jahren Mitglied unserer Skatrunde – habe ich als Premiere bei den Hofer Filmtagen gesehen, und er hat mir, bis auf kleine Ein-schränkungen, sehr gut gefal-len. Im Diogenes Verlag ist kürzlich das Drehbuch erschie-nen, dessen Lektüre sich lohnt, auch wenn man den Film gesehen hat. Es gibt Abwei-chungen vom fertigen Film, und es ist sehr spannend, noch einmal die Dialoge zu lesen, die in ihrem Tempo und der Pointierung viel Aufmerksamkeit erfordern und bei der Lektüre ihre eigene Wirkung haben. Der Film erzählt die Geschichte des Holocaust-Forschers Totila Blumen mit den Schau-plätzen Ludwigsburg, Wien und Riga. Die Rahmenhandlung spielt in New York. Die zweite Hauptfigur ist die französische Assistentin von Totila, Zazie Lindeau, die ein französisiertes Deutsch spricht, das einen eigenen Charme hat. Sie wird im Film von der wunderbaren Darstellerin Adèle Haenel gespielt. Mit einem Bildteil und einem Nachwort von Chris Kraus. Coverabbildung: das Filmplakat. Mehr zum Buch: 9783257300499.html

„4 3 2 1“ von Paul Auster

2017.Paul AusterDer Roman „4 3 2 1“ von Paul Auster liegt schwer in den Hän-den (1.264 Seiten) und ist spannend zu lesen. Ich habe eine knappe Woche dafür gebraucht. Erzählt wird die Geschichte von Archibald Ferguson, geboren – wie Auster – 1947 in Newark (New Jersey), dessen Coming of Age der Autor uns in vier Varianten erleben lässt. Das Familienleben (mit der Mutter Rose als zentraler Figur), der Sport (Baseball, Basketball), die Politik (Vietnamkrieg, Ermor-dung von John F. Kennedy, Rassenkonflikte), die Universitäten (Columbia University, Princeton), die Literatur (mit Werklisten, die abgearbeitet werden müssen), Freundschaften und Liebesbeziehungen werden von Auster differenziert und detailliert dargestellt. Auch das Kino hat in diesem Buch eine große Bedeutung. Die wichtigste Rolle spielen in diesem Zusammenhang Laurel & Hardy, deren Filme Auster wunderbar charakterisiert (S. 299-306). In Paris schreibt sein Archie 3 das Buch „Wie Laurel & Hardy mir das Leben retteten“ (S. 790ff.). Oft sitzt Archie mit seiner Mutter in der letzten Reihe des Kinos, und sie raucht Chesterfields. Sehr konkret werden zwei Filme beschrieben, die er mit einem schwulen Freund im Thalia-Kino am Broadway sieht: KINDER DES OLYMP (S. 473-77) und PANZERKREUZER POTEMKIN (S. 479-82). Beeindruckend die Reaktion auf DIE EINSAMKEIT DES LANGSTRECKENLÄUFERS (S. 521-23), berührend die Erinnerung an Carole Lombard (S. 599-600). Paris-Filme (S. 606) und neue französische Filme (S. 624) werden speziell thematisiert. Kinos in New York 1964 werden in Erinnerung gerufen (S. 635-36). Archie 3 – dem Kino am engsten verbunden – liest Filmzeitschriften und Filmbücher (S. 971), besucht die Cinémathèque française und andere Kinos (S. 972), sieht dreimal hintereinander den Film ZUM BEISPIEL BALTHAZAR von Robert Bresson (S. 1007) und beginnt, ein Buch über „Kindheit im Film“ zu schreiben (S. 1012-13), das er aber nicht vollenden kann. Lang ist die Liste britischer Schauspielerinnen und Schauspieler, die in amerikanischen Filmen mitgespielt haben (S. 1025-26). Gedanken zu Godards WEEKEND beenden die Filmverweise (S. 1117). Die Affinität des Autors zum Kino ist im gesamten Buch deutlich erkennbar. – Paul Auster war übrigens ein Überraschungsgast bei der Feier meines 70. Geburtstags in der Akademie der Künste am Pariser Platz 2008. Mehr zum Buch: auster-4-3-2-1.html

Die Berliner Luftbrücke

2017.LuftbrückeHeute beginnt im Alliierten-museum eine internationale Konferenz über die Berliner Luftbrücke, in der gefragt wird, inwiefern sie ein „Erinnerungs-ort des Kalten Krieges“ ist. Initiatoren der Veranstaltung sind unsere Freunde Corine Defrance und Ulrich Pfeil, die als Historiker besonders an den Ost-West-Beziehungen interessiert sind. 18 internationale Wissen­schaftlerinnen und Wissen-schaftler beschäftigen sich in ihren Referaten mit der damaligen Situation und der heutigen Einschätzung. Bernd von Kosta vom Alliiertenmuseum spricht über „Die Berliner Luftbrücke im Film“, Mila M. Ganeva von der Miami University in Ohio zeigt Beispiele für „Mode und Film trotz der Blockade“, Sigrun Lehnert von der Hamburger Media School richtet den Blick auf „Die Berliner Luftbrücke in der Kinowochenschau“, bei Silke Betschert von der Universität Bremen geht es um „Zeitgenössische visuelle Diskurse der Luftbrücke und die Konstruktion der Erinnerungsorte“. Zwei Referate informieren über die Berichterstattung über die Luftbrücke in amerikanischen und französischen Tageszeitungen, die anderen widmen sich Aspekten, die nicht mit den Medien verbunden sind. Ein Grußwort spricht der neue Senator für Kultur, Klaus Lederer. Am Dienstagvormittag habe ich die Sitzungsleitung. Mehr zur Tagung: erinnerungsort-des-kalten-krieges

HUNGERJAHRE – IN EINEM REICHEN LAND (1979)

2017.DVD.HungerjahreEin Blick zurück in die Bundes-republik der 1950er Jahre. Über einen Zeitraum von drei Jahren erleben wir, wie die anfangs 13-jährige Ursula Scheuer, als einziges Kind in einer kleinbür-gerlichen Familie, zunehmend in Konflikte mit ihren Eltern gerät und dabei viele Fragen stellt, auf die sie wenige Antworten bekommt. Der Abstand zwischen ihren inneren Gefühlen und den äußeren Umständen vergrößert sich. Jutta Brückner hat diesen Film, der auf autobiografischen Erfahrungen beruht, in Schwarz-weiß realisiert, eine eigene Tonebene mit inneren Monologen ergänzt die dialogischen Szenen. Immer wiederkehrende Bildmotive sind Blicke aus dem Fenster und in den Spiegel, schlaflose Momente im Bett, Häuserfassaden mit offenen Fenstern, aus denen die Nachbarn neugierig Ausschau halten. Auch die Kleidung spielt eine wichtige Rolle. Dokumentarische Aufnahmen politischer Ereignisse (17. Juni 1953, Verbot der KPD) ergänzen die gespielten Szenen. Jutta Brückners Film macht Verdrängungen und Ängste jener Jahre konkret spürbar. Bei Absolut Medien ist jetzt eine DVD des Films erschienen, der von der Deutschen Kinemathek digital restauriert wurde. Als Bonusmaterial enthält die DVD pdf-Dokumente zur Entstehung des Films und den Fotofilm TUE RECHT UND SCHEUE NIEMAND, auf den ich kürzlich bereits hingewiesen habe (tue-recht-und-scheue-niemand/). Mehr zur DVD: 7019/HUNGERJAHRE+-+in+einem+reichen+Land

Kino trifft Kunst x Kunst trifft Kino

2017.Kino trifft KunstIn Aschersleben findet ab heute als Begleitprogramm zur aktuellen Aus-stellung „Hanno & Neo Rauch – Vater und Sohn“ eine Filmreihe statt, die von dem Produzenten Joachim von Vietinghoff initiiert wurde und zu einem Dialog der Bildenden Kunst mit dem Film führen soll. Neo Rauch ist bei der dreitägigen Veranstal-tung anwesend. Zu den Gästen gehören die Regisseure Andreas Kleinert und Markus Imboden, die Schauspielerin Martina Gedeck und ich als Filmhistoriker. Gezeigt und diskutiert werden die Film AUGE IN AUGE – EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler, VERLORENE LANDSCHAFT – EINE DEUTSCHE ERINNERUNG von Andreas Kleinert, HUNGER AUF LEBEN von Markus Imboden mit Martina Gedeck und FRÄULEIN SCHMETTERLING von Kurt Barthel. Ich bin auf die Veranstaltung sehr gespannt und freue mich auf die Begegnung mit den genannten Personen. Mehr zur Veranstaltung: E5933 – Im Kino ist seit einer Woche der Film NEO RAUCH – GEFÄHRTEN UND BEGLEITER von Nicola Graef zu sehen: ein sehr beeindruckendes Künstlerportrait mit Arbeitsbeobachtungen und Gesprächen, gefilmt über drei Jahre. Mehr zum Film: www.neorauch-derfilm.de/#home