Walter Benjamin

2017.Walter BenjaminEr war einer der wichtigen Denker und Schriftsteller der 1920er und 30er Jahre, geboren 1892 in Berlin, 1933 ins Exil gegangen, 1940 an der spa-nisch-französischen Grenze aus dem Leben geschieden. Zu seinen Werken gehören „Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik“ (1920, seine Dissertation), „Ursprung des deutschen Trauerspiels“, „Einbahnstraße“ (beide 1928), „Berliner Kindheit um neun-zehnhundert“ (1932ff.), „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbar-keit“ (1936). „Das Leben eines Unvollendeten“ nennt Lorenz Jäger seine Biografie von Walter Benjamin im Untertitel. Sie ist sehr gut recherchiert und erzählt Benjamins Leben in 18 Kapiteln. Es geht darin um Benjamins Herkunft, seine Jugend und Studentenzeit, Fragen nach dem Judentum, den Einstieg in die Philosophie, Beziehungen zur Avantgarde, die Doktorarbeit, das Trauerspielbuch, den Passagen-Plan, die Freundschaft mit Brecht, seine Textbeiträge für Presse und Rundfunk, das Ende der Weimarer Republik, die Erfahrungen des Exils, den Kunstwerkaufsatz, das letzte Lebensjahr und sein Ende. Geschildert werden dabei vor allem die Arbeitsebene, die Freund-schaften (zu Theodor und Gretel Adorno, Hannah Arendt, Erich Gutkind, Fritz Heinle, Franz Hessel, Werner Kraft, Adrienne Monnier, Gershom Scholem) und die Liebesbeziehungen (zu Dora Kellner, mit der er verheiratet war, zu der Bildhauerin Jula Cohn, der russischen Regisseurin Asja Lacis, der Malerin Anna Maria Blaupot ten Cate). Auch Rauschgift, Vergnügungen und politische Verortungen kommen zur Sprache, weniger der Alltag außerhalb der Arbeitssituation. Ein Tagebuch hat Benjamin nicht geführt, es wäre als Quelle hilfreich gewesen. Von Kinobesuchen ist nicht die Rede. Dennoch: ein spannendes Buch über die Weimarer Republik und ein berührendes Buch über die Situation im Exil. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: walter-benjamin.html

Frühes Kino in Deutschland

2017.Frühes KinoEine Dissertation, die an der Universität Trier entstanden ist; Doktorvater und Erstgutachter war Martin Loiperdinger. Andrea Haller erweitert in ihrer Untersuchung zwei Basiswerke zum frühen deutschen Kino: „Frühe deutsche Kinemato-graphie. Formale, wirtschaft-liche und kulturelle Entwick-lungen 1907-1912“ von Corinna Müller (Stuttgart, Weimar 1994) und „Unheimlichkeit des Blicks. Das Drama des frühen deut-schen Kinos“ von Heide Schlüpmann (Basel, Frankfurt a.M. 1990). Sie analysiert zeitgenössische Quellentexte von Filmfach-zeitschriften und bezieht speziell Frauen- und Modezeitschriften in ihre Untersuchung ein. Der erste Teil unternimmt eine historische und theoretische Einordnung von Programmformat und weiblichem Publikum für die Zeit von 1905 bis 1910, der zweite Teil handelt von der Ansprache und Vereinnahmung des weiblichen Publikums in den Jahren 1911 bis 1918. Vier spezielle Kapitel erzählen „Geschichten aus dem Kino“: Die Frau und ihr Liebhaber – Unmoral, Delinquenz und Krankheit – „Flimmeritis“ – Der verlorene Sohn. Der theoretische Anspruch der Arbeit wird konkretisiert durch eine empirische und diskursive Erfassung. Ein Fokus ist auf die gezeigten Programme in Mannheim und Trier gerichtet. Natürlich spielt auch die frühe Dissertation von Emilie Altenloh „Zur Soziologie des Kino. Die Kino-Unternehmung und die sozialen Schichten der Besucher“ (Jena 1914) eine große Rolle. Besonders interessant finde ich das letzte Kapitel: „Frauen, Krieg und Kinoprogramm 1914-1918“. Mit zahlreichen Abbildungen in guter Qualität. Band 24 der Schriftenreihe „Filmgeschichte International“, die von Uli Jung herausgegeben wird und im Wissenschaftlichen Verlag Trier erscheint. Mehr zum Buch: www.wvttrier.de/

Der tänzerische Film

2017.Der tänzerische FilmEine Dissertation, die an der Universität Zürich entstanden ist. Kristina Köhler setzt sich darin mit früher Filmkultur und modernem Tanz auseinander. Das erste Kapitel legt dafür die theoretische Grundlage und definiert das Tänzerische als „intermedialen Wahrneh-mungsmodus“. Im zweiten Kapitel werden die vorhandenen Querverbindungen zwischen Film- und Tanzkultur am Beispiel von Isadora Duncan konkretisiert. Das dritte Kapitel erinnert an die Rolle „tanzender Bilder“ in prä- und frühkinematographischen Schauanordnungen, an frühe Tanzszenen im Kino und den Film als Aufzeichnung und Tanzarchiv. Im vierten Kapitel wird das Verhältnis von Tanz, Malerei und Film thematisiert, in dem Motive wie Nymphe, Schleier und Wellen eine Rolle spielen. Als konkretes Filmbeispiel dient NEPTUNE’S DAUGHTER (1914) von Herbert Brenon. Im fünften Kapitel geht es um die Tänzerin als Idealtypus der Filmschauspielerin. Paul Wegeners Film RÜBEZAHLS HOCHZEIT (1916), in dem Absolventinnen der „Neuen Schule für angewandten Rhythmus Hellerau“ mitwirkten, ist für die Autorin beispielhaft. Im sechsten Kapitel steht die Zeitlupe im Mittelpunkt, die vor allem für die Anmut in Bewegungen eingesetzt wurde. Der Choreograph und Tanztheoretiker Rudolf Laban und seine Visionen des Kulturfilms werden im siebten Kapitel gewürdigt, ergänzt mit Verweisen auf Fritz Böhme und den Absoluten Film. Im achten Kapitel richtet sich der Blick auf den tanzenden Zuschauer, auf „Tangomanie“ und „Cinematographitis“, auf die Tanzmanie in der Filmkomödie, frühe Tanzlehrerfilme und das „Tanz-Kinema“ am Alexanderplatz. Die Autorin hat hervorragend recherchiert und ihrem Text eine nachvollziehbare Struktur gegeben. Die zahlreichen Abbildungen haben – wie immer bei den „Zürcher Filmstudien“ – eine hervorragende Qualität. Mehr zum Buch: der-taenzerische-film.html

Roman von Chris Kraus

2017.Das kalte BlutHeute Abend liest der Autor und Filmemacher Chris Kraus in der Kulturbrauerei aus seinem Buch „Das kalte Blut“, einem Roman, der im März im Diogenes Verlag erschienen ist. Ich finde das Buch sehr spannend, weil es eine Familiengeschichte mit deut-scher Historie der NS-Zeit und der ersten Jahrzehnte der BRD verbindet. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, Hubert und Konstantin („Kolja“) Solm, die sich auf unterschiedliche Weise schuldig machen und sich immer wieder in Sicherheit bringen können. Kolja ist der Ich-Erzähler, er hat im Krankenhaus einen Hippie als Zuhörer, der von der Lebensbeichte seines Zimmer-genossen zunächst fasziniert und später erschrocken ist. Eine wichtige Rolle spielt die Adoptivschwester Eva. Die verschiedenen Schauplätze – Riga, Moskau, Berlin, München, Tel Aviv – verknüpfen die Geschichte und machen uns mit wichtigen Figuren der jeweiligen Geheimdienste bekannt. Man ist beim Lesen immer dabei, sich selbst zur verorten. Und es gibt ständig Überraschungen, auf die man nicht gefasst ist. Das macht die Lektüre der 1.180 Seiten niemals mühsam, sondern hält den Leser neugierig bis zum Ende. Ich bin gespannt auf die Lesung heute Abend. Mehr zum Buch: 9783257069730.html

DIE SCHATTEN WERDEN LÄNGER (1961)

2017.DVD.Schatten werden längerArtur Brauner und der Schweizer Lazar Wechsler haben diesen Film gemeinsam produziert. Regie führte Ladislao Vajda. Schauplatz ist zunächst ein Heim für schwer erziehbare Mädchen, das von einer starken Leiterin (Luise Ullrich) geprägt wird und in dem die engagierte Christa Andres (gespielt von Barbara Rütting) als Erzieherin arbeitet. Große Probleme hat sie mit der aufmüpfigen Erika (Loni von Friedl), die sich nicht an die Spielregeln des Hauses hält und schließlich abhaut. Christa findet sie im Kneipen- und Rotlichtmilieu wieder, wo sie früher einmal selbst zu Hause war. Dort ist noch immer der Zuhälter Max (Hansjörg Felmy) unterwegs, der sich wundert, Christa wiederzusehen und Ansprüche auf Erika anmeldet. Die Konflikte spitzen sich zu, das Ende ist für Max tödlich. Der Film ist sehr professionell inszeniert, die Darstellerinnen sind beeindruckend, Felmy spielt ausnahmsweise einen Bösen. Bei Pidax ist jetzt in der Reihe „Film-Klassiker“ eine DVD des Schwarzweiß-Films erschienen. Ich hatte ihn lange nicht gesehen und war positiv überrascht. Mehr zur DVD: 20Schatten%20werden%20l%E4nger

Walter Plathe

2017.Ich habe nichts ausgelassenBekannt wurde er deutschland-weit mit der ZDF-Serie DER LANDARZT, in der er in 181 Folgen von 1992 bis 2009 den Arzt Dr. Ulrich Teschner spielte. In der DDR war er zuvor ein vielseitig einzusetzender Dar-steller im Fernsehen (zum Beispiel in den Serien MÄRKI-SCHE CHRONIK und TREFF-PUNKT FLUGHAFEN), in Kinofilmen und auf der Bühne. Jetzt hat Walter Plathe (*1950) seine Autobiografie geschrie-ben, sie ist im Verlag Neues Leben erschienen und hat den ironisch gemeinten Titel „Ich habe nichts ausgelassen“. In 14 Kapiteln erzählt Plathe seine Lebensgeschichte – inklusive der vorgeburtlichen Phase vieler unglücklicher Umwege seiner Mutter Melitta, zu der er eine intensive Beziehung hatte. Anekdotenreich wird der Weg von der Schule in den Beruf geschildert: die Überlegungen, Tierarzt zu werden, die Ausbildung auf der Schauspielschule, die ersten Erlebnisse auf der Bühne, die Affinität zu Heinrich Zille und Otto Reutter, die kleinen Konflikte mit den Machtstrukturen der DDR. Interessant sind die Erfahrungen mit dem Fernsehfunk und die persönlichen Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit Frank Beyer. Die Erlebnisse mit drei Dackeln sind vielleicht weniger mitteilenswert als die Erinnerungen an drei Pianisten, die den singenden Plathe begleiteten. 1989 verließ er die DDR, zu der er aber insgesamt eine Zuneigung behalten hat. Auch Privates ist nicht ausgespart. Diese Memoiren eines Volksschauspielers haben ihren Charme. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: nichts-ausgelassen.html

Filmmusik und Narration

2017.Filmmusik + NarrationDer Band dokumentiert in elf Texten ein Symposium, das im September 2013 an der Dresde-ner Hochschule für Musik statt-gefunden hat. Es geht in allen Beiträgen um die Beeinflussung des filmischen Erzählens durch die Musik. Panja Mücke analy-siert (mit Notenbeispielen) die Originalkompositionen Giuseppe Becces zu TARTÜFF von F. W. Murnau. Robert Rabenalt kon-kretisiert den Zusammenhang von Narration und Musik im Film an verschiedenen Beispie-len (u.a. IL MERCENARIO, KILL BILL VOL.2, STRANGER THAN FICTION und YOJIMBO). Auch der Literaturwissenschaftler Willem Strank verweist in seinen „Überlegungen zur Intertextualität von Filmmusik“ auf konkrete Beispiele: Malicks THE NEW WORLD, den Song „Shall We Gather At The River?“ und 2001: THE SPACE ODYSSEY von Stanley Kubrick. Josef Kloppenburg informiert in seinem Text „Filmsyntax und Filmmusik“ sachkundig über die Fachliteratur. Guido Heldt erhofft sich Inspirationen für die Musikforschung von der Erzähltheorie. Markus Bandur formuliert „Grundüberlegungen zur Bedeutung der Musik für das filmische Erzählen“. Wolfgang Thiel erinnert an „Möglichkeiten und Grenzen ‚sprechender’ Orchesterklänge in Berlin-Spielfilmen zwischen 1945 und 1975“. Federico Celestini sieht die „Narration aus Sicht der Musik- und Literaturwissenschaft“ (Michail M. Bachtin, Gustav Mahler). Bei Hans J. Wulf geht es um „Suprasegmentale Funktionen der Filmmusik“. Claudia Bullerjahn beschäftigt sich mit Musik und Narration im Westernfilm. Und Julia Heimerdinger informiert über Elektroakustik im Film. Die meisten Texte richten sich speziell an Musikwissenschaftler/innen. Abbildungen nur im TARTÜFF-Text. Es fehlen Angaben zu den Autorinnen und Autoren. Mehr zum Buch: filmmusik-und-narration.html

Orte der Klassik

2017.Orte der KlassikEine Dissertation, die an der Humboldt-Universität zu Berlin entstanden ist. Anett Werner analysiert darin die Filmszeno-grafie als Bedeutungs- und Stimmungsträger am Beispiel von DEFA-Literaturverfilmun-gen der 50er, 60er und 70er Jahre. Ein erster Schwerpunkt sind drei Filme von Martin Hellberg: KABALE UND LIEBE (1959), EMILIA GALOTTI (1958) und MINNA VON BARNHELM (1962). Es geht dabei um räumliche Antago-nismen (Adel / Bürgertum), um Opulenz und Minimalismus (unterschiedliche Ausstattungskonzepte in der DEFA-Verfilmung der EMILIA, in einer östlichen und einer westlichen Fernsehadaption) und um Preußentum und Berlin-Veduten (in Hellbergs MINNA, und wiederum einer ost- und einer westdeutschen Fernsehverfilmung). Zwei Fernsehfilme stehen für die 60er Jahre: EFFI BRIEST von Wolfgang Luderer (1969) und KLEINER MANN – WAS NUN? (1967) von Hans-Joachim Kasprzik. Im ersten Fall wird noch einmal nach dem Preußentum gefragt (und ein Vergleich mit Fassbinders Film FONTANE EFFI BRIEST unternommen), im zweiten Fall richtet sich der Blick auf soziale Gegenwelten (Mietskaserne / Laubenkolonie). Vier Filme repräsentieren die 70er Jahre: DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976) und LOTTE IN WEIMAR (1975) von Egon Günther, AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS (1973) von Celino Bleiweiß und DIE ELIXIERE DES TEUFELS (1973) von Ralf Kirsten. Die Autorin verbindet in ihrem Text sehr kenntnisreich Literatur-, Kunst- und Filmgeschichte, würdigt die Leistung der verschiedenen Szenografen im Studio und an Außenschauplätzen und öffnet den Blick auf Architektur und Ausstattung in den genannten Filme durch Verweise auf Produktionen aus anderen Ländern oder aus dem DEFA-Studio. Die 239 Abbildungen in Schwarzweiß und Farbe haben auch in den kleinen Formaten eine sehr gute Druckqualität. Eine beeindruckende Publikation. Band 2 der Reihe „Scenographica. Studien zur Filmszenographie“ im Verlag VDG Weimar. Coverfoto: DIE ELIXIERE DES TEUFELS. Mehr zum Buch: orte_der_klassik-1861.html

Carl Laemmle – Ausstellung und Katalog

2016.Carl LaemmleIm „Haus der Geschichte Baden-Württemberg“ findet zurzeit die Ausstellung „Carl Laemmle presents – Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood“ statt. Man kann sie noch bis zum 30. Juli 2017 besuchen. Wer an amerikanischer Studiogeschichte interessiert ist, aber eine Reise nach Stuttgart scheut, sollte sich unbedingt den beeindruckenden Katalog beschaffen, der die Ausstellung sorgfältig dokumentiert. Fotos, Briefe, Plakate und Abbildungen anderer Exponate erzählen die Lebensgeschichte von Carl Laemmle (1867-1939), der im schwäbischen Laupheim geboren wurde, mit 17 Jahren seine Familie verließ und in Amerika Karriere machte. Er war der Gründer der Universal Studios; seine Idee, die Filmproduktion von der Ost- an die Westküste zu verlagern, weil hier das Wetter sonniger und die Löhne niedriger waren, hatte die Etablierung von Hollywood zur Folge. Zu den von Laemmle produzierten Filmen gehörten THE HUNCHBACK OF NOTRE DAME (1923), THE PHANTOM OF THE OPERA (1925), ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930), DRACULA und FRANKENSTEIN (1931) und IMITATION OF LIFE (1934). Vor allem die Fotos mit den entsprechenden Informationen vermitteln einen Eindruck von der Schaffenskraft dieses Produzenten, dessen 150. Geburtstag im Januar dieses Jahres gefeiert wurde. Mehr zur Ausstellung: www.carl-laemmle-ausstellung.de/

„Ein wenig Leben“

HB Yanagihara_25471_MR1.inddMeine Lektüre über Ostern war kein Filmbuch, sondern der Roman „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara, ein Geschenk meines Freundes Rosa von Praunheim. Ich habe die fast tausend Seiten wie im Sog gelesen, auch wenn man zwischendurch Pausen einlegen muss, weil die Selbstzerstörung der Hauptfigur Momente hat, die kaum auszuhalten sind. Erzählt wird die Geschichte von vier Männern, die seit ihrer College-Zeit befreundet sind: Jude St. Francis, der später Anwalt wird, Willem Ragnarsson, der als Schauspieler Karriere macht, Malcolm Irvine, der ein gefragter Architekt wird, und Jean-Baptiste Marion (genannt JB), der als Maler den Lebensweg seiner Freunde begleitet. Im Mittelpunkt des Romans steht Jude, eine charismatische Schmerzensfigur, der von Kindheit an zu leiden hat, dies mit zunehmender Verzweiflung und Hoffnung übersteht, aber niemandem seine schrecklichen Erlebnisse und Erfahrungen berichten kann. Die Geschichten der vier Protagonisten werden nicht chronologisch erzählt, sie beginnen, als sie 27 Jahre alt sind, sie enden rund 30 Jahre später, nur einer von ihnen überlebt. Verwandte und Freunde begleiten sie durch die Zeit, der Arzt Andy spielt eine wichtige Rolle, Jude wird von einem älteren Paar adoptiert, Willem wird zum Lebensgefährten von Jude. Wichtigster Schauplatz ist New York, aber mehr geografisch als zeitgeschichtlich, der 11. September kommt nicht vor. Am Rande spielt auch der Film eine Rolle, denn der Schauspieler Willem wird zum Star, dreht oft in Europa und muss Jude dann allein lassen; seine Arbeit wird sehr anschaulich beschrieben. Die Übersetzung von Stephan Kleiner liest sich gut, das Titelfoto stammt von Peter Hujar, der Roman hat große Qualitäten. Mehr zum Buch: ein-wenig-leben