Roman von Oskar Roehler

Der Filmemacher Oskar Roehler (*1959; DIE UNBERÜHRBARE, DER ALTE AFFE ANGST) beschreibt in seinem Roman „Herkunft“ (Ullstein Verlag, 592 S., 19,99 €) eine Kindheit und Jugend in der BRD der sechziger und siebziger Jahre, die stark an seine eigene erinnert. Die literarischen Qualitäten des Buches werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. Die Lektüre lohnt, wenn man sich für den Narzissmus der 68-Generation interessiert. Interessant fand ich die Rezension von Peter Körte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 4. September und das Spiegel-Gespräch mit Roehler von Georg Diez und Thomas Hüetlin (Nr. 38/2011) www.spiegel.de/spiegel/print/d-80451050.html

Das Leben des Filmkritikers Roger Ebert

Roger Ebert (*1942) war in den 1980er und 90er Jahren der populärste Filmkritiker in Amerika. Er war in der Presse (Chicago Sun-Times), im Fernsehen („Siskel & Ebert“, zusammen mit seinem Kollegen Gene Siskel), in Büchern präsent und konnte sich hervorragend vermarkten, bis er 2006 nach einer Krebsoperation die Sprechfähigkeit verlor. Über sein wechselvolles Leben – 1975 war er der erste Pulitzer-Preis-Gewinner für eine Filmkritik, 2005 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame – hat er jetzt eine Autobiographie verfasst: „Life Itself. A Memoir“, erschienen bei Grand Central Publishing (436 S., $ 27,99). Janet Maslin hat das Buch in der New York Times rezensiert: roger-ebert-review.html

Neueröffnung der Münchner HFF

Die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, gegründet 1967 (ein Jahr nach der Berliner dffb), hat eine neue Heimstatt: sie ist aus Giesing ins Museumsviertel gezogen. Dort teilt sie sich ein Gebäude mit dem Ägyptischen Museum (Eröffnung 2013). Der Standort ist ein Privileg, das Haus nach erster Besichtigung beeindruckend geplant. Über das Projekt hat der Leiter der Technischen Abteilung, Peter C. Slansky, ein Buch verfasst, das das Gebäude in einen größeren Zusammenhang stellt: „Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte – Typologie – Architektur“. Verlag edition text + kritik (mein Buch des Monats Juli). Die Bibliothek im neuen Haus ist noch nicht ganz fertig, aber sie verspricht ein Glanzstück zu werden. Ihr Leiter, Peter Heinrich, kann sich freuen. Mehr über die HFF unter www.hff-muenchen.de

Daniel Keel (1930-2011)

Er hatte eine große Affinität zum Film. Seine Lieblingsregisseure waren Federico Fellini und Jean Renoir, Woody Allen, Charles Chaplin und Frank Capra. Deshalb erschienen im Diogenes Verlag viele Drehbücher und Biografien, auch wenn die Auflagen nicht einmal die Selbstkosten einspielten. Er hat Doris Dörrie als Romanautorin entdeckt und mit den Filmrechten von Süskinds „Parfüm“ viel Geld verdient. Man konnte mit Daniel Keel auf hohem Niveau über das Kino reden. Ein Jahr nach seiner Frau Anna, der wunderbaren Malerin, ist er im Alter von achtzig Jahren in Zürich gestorben.

Eva Mattes über sich selbst

Die Schauspielerin Eva Mattes (*1954) hat eine Autobiografie verfasst, sie hat den Titel „Wir können nicht alle wie Berta sein“ (ein Zitat aus dem Ibsen-Stück „Die Wildente“) und ist im Ullstein Verlag erschienen (320 S., 19,99 €). Für die bundesdeutsche Filmgeschichte seit den 1970er Jahren ist Eva Mattes eine Schlüsselfigur. Michael Verhoeven (O.K.), Rainer Werner Fassbinder (DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT, WILDWECHSEL) und Roland Klick (SUPERMARKT) haben sie bekannt gemacht, als sie noch ein Teenager war. Später hat sie sich emanzipiert und auch auf der Bühne Karriere gemacht (Peter Zadek). Inzwischen agiert sie als „Tatort“-Kommissarin am Bodensee (damit wurde sie endgültig populär). Ihre Erinnerungen sind leichter, aber sympathischer Lesestoff.

Emir Kusturicas bisheriges Leben

Der serbische Regisseur Emir Kusturica (*1955 in Sarajewo) zieht Zwischenbilanz: „Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht“ heißt sein Buch mit dem Untertitel „Mein bisheriges Leben“ (Albrecht Knaus Verlag, 352 S.). An seinem ersten Schultag flog Juri Gargarin ins All („Ich denke, Gagarin kam schneller im Weltraum an als ich in der Hasan-Kikic-Grundschule.“) Kusturica ist ein guter Erzähler. Das macht seine Filme interessant und auch diese Autobiografie.

Kurosawa-Retrospektive

Weil es seit 150 Jahren freundschaftliche Beziehungen zwischen Japan und Deutschland gibt, präsentiert das Japanische Kulturinstitut (Köln) in Zusammenarbeit mit dem Berliner Arsenal, dem Filmmuseum Düsseldorf, dem Deutschen Filminstitut in Frankfurt, der Kinemathek Hamburg, dem Filmmuseum München und dem Filmhaus Nürnberg in sieben Städten eine große Akira-Kurosawa-Retrospektive (30 Titel). In Düsseldorf ist vom 11. Oktober bis 26. Februar 2012 auch eine Kurosawa-Ausstellung zu sehen. Da darf man durchaus noch einmal an Kurosawas Buch „So etwas wie eine Autobiographie“ erinnern, erschienen 1986 bei Schirmer/Mosel, damals mein Buch des Jahres: www.hhprinzler.de/filmbuecher/so-etwas-wie-eine-autobiographie/

Fatih Akin über sein Leben und seine Filme

Fatih Akin (*1973 in Hamburg) ist einer der wichtigen Protagonisten des deutschen Gegenwartskinos. Seit seinem Debütfilm KURZ UND SCHMERZLOS kann er mit Aufmerksamkeit rechnen. Der Berlinale-Sieger GEGEN DIE WAND machte ihn berühmt. Der Filmjournalist Volker Behrens und der Verlagslektor Michael Töteberg waren seine Gesprächspartner für eine Zwischenbilanz seines Lebens. Weil Akin ein Boxfan und Kämpfer ist heißt das Buch „Im Clinch“. Erschienen im Rowohlt Verlag (256 S., 24,95 €). Viele Bilder.

Jean Harlow: Marilyns Idol

Sie war ein Hollywood-Star der 1930er Jahre, dessen Mythos Nachwirkungen hatte. Zu ihrem 100. Geburtstag ist eine Biografie erschienen, verfasst von der Kieler Anglistin Bettina Uhlich, die viele Jahre recherchiert hat und – aus der Perspektive eines Fans – eine Stargeschichte erzählt. „Das Leben der Leinwandgöttin Jean Harlow“, erschienen im Militzke Verlag, Leipzig (256 S., 19,80 €).  Das Buch endet mit einem  Zitat aus Adam Victors „Marilyn-Monroe-Enzyklopädie“: „Wir scheinen irgendwie denselben Geist zu haben. Ich fragte mich, ob ich auch jung sterben würde wie sie.“ (MM über JH)  Im kommenden Jahr steht Marilyns 50. Todestag im Kalender.

Robert Redford 75

Robert Redford, einer der großen Darsteller des amerikanischen Kinos, wird heute 75 Jahre alt. Der irische Schriftsteller Michael Feeney Callan hat eine umfangreiche Biografie über ihn verfasst, die rechtzeitig auch auf Deutsch erschienen ist: Droemer Verlag, München, 752 Seiten, 22,99 €. Von Susan Vahabzadeh stammt eine sehr lesenswerte Rezension des Buches, die am 10. August in der  Süddeutschen Zeitung publiziert wurde.