Tenöre, Touristen, Gastarbeiter

Es ist eine gute Tradition, dass jeweils ein Jahr nach dem CineGraph-Kongress in einem Buch die wichtigsten Konferenz-beiträge dokumentiert werden. So ist jetzt, redaktionell betreut von Francesco Bono und Johannes Roschlau, der Band über den 2010-Kongress erschienen: „Tenöre, Touristen, Gastarbeiter“ (Verlag edition text + kritik, 190 S., 21,80 €). Thema sind die deutsch-italienischen Filmbeziehungen. In 14 Beiträgen werden biografische, künst-lerische, politische und ökonomische Zusammenhänge konkretisiert, von den frühen zwanziger Jahren bis in die Gegenwart. Zu den Autoren gehören Alfons Maria Arns, Evelyn Hampicke, Marcus Stiglegger, Michael Töteberg und Chris Wahl.

40 Jahre Kommunales Kino Frankfurt

Mit einem Festakt wird heute an die Grün-dung des ersten städtisch voll subventionier-ten Kinos in der Bundesrepublik erinnert: vor 40 Jahren wurde das Kommunale Kino in Frankfurt am Main mit einer Buster Keaton-Reihe eröffnet. Es entstand dank einer Pioniertat des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Inzwischen ist es Teil des Deutschen Filminstituts. Das Jubiläumsprogramm beginnt mit Keatons THE GENERAL als Matinee. Am Nachmittag wird Jiri Trnkas DES KAISERS NACHTI-GALL gezeigt. Am frühen Abend hält Hanns Zischler eine Festrede, und Claudia Dillmann führt durch ein Kurzfilmprogramm aus 40 Jahren Kinogeschichte. Zum Abschluss gibt es den Film AUGE IN AUGE – EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler. http://deutsches-filminstitut.de/blog/40-jahre-kommunales-kino/

Europäischer Filmpreis

Im Berliner Tempodrom wird heute der „Europäische Filmpreis“ verliehen. Einen Ehrenpreis erhält in diesem Jahr der Regisseur Stephen Frears (*1941). Sein größter Erfolg in der Bundesrepublik war THE QUEEN (2006). Die Literatur über ihn ist eher schmal. Zuletzt erschien 1997 ein Buch von Helga Bechmann: „Das filmische Universum des Stephen Frears“ (Coppi Verlag, Alsfeld). Da wäre ein neuer Anlauf doch lohnenswert. Zu Frears’ 70. Geburtstag schrieb Andres Kilb im Juni in der FAZ: „Nicht nur im Kostüm- und Komödiengenre, im Film Noir und im Western, sondern auch in der Darstellung jener Wirklichkeit, die sonst den Dokumentationen des Fernsehens überlassen wird, hat dieser Regisseur Maßstäbe gesetzt.“ Christiane Peitz hat für den Tagesspiegel ein lesenswertes Gespräch mit Stephen Frears geführt:  www.tagesspiegel.de/kultur/ein-bisschen-lubitsch-schadet-nicht/5905914.html

Tag des deutschen Films in Mainz

Im Rahmen des Filmfestivals FILMZ, das von Studenten der Filmwissenschaft der Mainzer Universität organisiert wird und in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet, gibt es heute den „Tag des deutschen Films“. Im Mittelpunkt steht dabei eine Podiums-diskussion, an der  die Filmwissenschaftler Norbert Grob, Bernd Kiefer, der Filmkritiker Rüdiger Suchsland, die hessische Film-förderin Maria Wismeth und die beiden Filmemacher Oliver Haffner und Natalie Spinell teilnehmen. Es geht um „Die Nuller Jahre“, also die neuen deutschen Filme zwischen 2000 und 2010. Wie innovativ sind sie gewesen?

Aktualisiert: Eine Dokumentation dazu ist im Januar 2012 im Schüren Verlag erschienen (104 S., 9,90 €) . Mit einem Überblick von Kerstin Krieg, Interviews mit Haffner und Spinell und zwei Texten von Rüdiger Suchsland: über die Filme der Nullerjahre und über die „Berliner Schule“ im Rückblick.

Diane Keatons Memoiren

Sie ist inzwischen 65 Jahre alt, lebt mit ihren zwei Adoptivkindern in L.A. und denkt gern an die Zeiten mit Woody Allen zurück. Sie hat – sehr assoziativ – ganz persönliche Erinnerungen an ihr Leben aufgeschrieben, die im Frühjahr in New York und nun auch in Deutschland erschienen sind: „Damals Heute“ (btb Verlag/Random House, 320 S.). Eine unterhaltsame Rezension von Christiane Heil erschien am 20.11. im Gesellschaftsteil der FAS  11534124.html

Günter Rohrbach Filmpreis

In Neunkirchen wurde erstmals der „Günter Rohrbach Filmpreis“ verliehen, ausgelobt von der saarländischen Kreisstadt, in der Rohrbach 1928 geboren wurde. Erster Preis-träger ist der Film UNTER DIR DIE STADT von Christoph Hochhäus-ler. Auch die Hauptdarstellerin des Films, Nicolette Krebitz, wurde ausgezeichnet. Die Laudatio hielt der Regisseur Dominik Graf. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert. Er hat auch schon eine Website:  www.guenter-rohrbach-filmpreis.de/

Filmkritiken von Uwe Nettelbeck

Bei Philo Fine Arts in Hamburg sind ausgewählte Filmkritiken von Uwe Nettelbeck aus den sechziger Jahren als Anthologie erschienen (320 S., 16 €). Er war – als Filmkritiker der Zeit und Mitarbeiter der Filmkritik – ein Wegbereiter des Neuen (west)deutschen Kinos. Seine streitbaren Texte hatten höchstes Niveau. Es ist erfrischend, sie wiederzulesen. Die Süddeutsche Zeitung nimmt die Publikation zum Anlass für eine spezielle Hommage, mit zwei Texten von Iris Berben und Willi Winkler. Berbens Text steht im Netz: 1.1191726

cinefest in Hamburg

Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler eröffnet heute im Kommunalen Kino Metropolis das VIII. cinefest in der Hansestadt, eine Veranstaltung von CineGraph und Bundesarchiv. Thema in diesem Jahr ist der europäische Western zwischen Sibirien und Atlantik. Im Rahmen der Eröffnung wird der „Reinhold Schünzel-Preis“ für langjährige Verdienste um die Pflege, Bewahrung und Verbreitung des deutschen Film-Erbes an den Gründer der DEFA Film Library Barton Byg (University of Massachussets Amherbst, USA) verliehen. Am 16. November beginnt der 24. Internationale Film-historische Kongress mit der Verleihung der „Willy-Haas-Preise“, der Auszeichnung von hervorragenden internationalen Publikationen zum Film in Deutschland. Als bestes Filmbuch wurde ausgezeichnet: „Maßlose Unterhaltung“ von Joseph Garncarz – mein Filmbuch des Monats Juli 2010:  www.hhprinzler.de/filmbuecher/maslose-unterhaltung-zur-etablierung-des-films-in-deutschland-1896–1914/

David Cronenberg: Film und Buch

Heute kommt David Cronenbergs neuer Film A DANGEROUS METHOD in die deutschen Kinos. Ein guter Zeitpunkt, um ein lange erwartetes Buch über den Regisseur zu publizieren, herausgegeben von Marcus Stiglegger im Verlag Bertz + Fischer in der Reihe ‚film’ (316 S., 19,90 €). Zu lesen sind neun Texte über den Regisseur und 24 Kom-mentare zu seinen einzelnen Filmen. 34 Autoren haben daran mitgearbeitet, darunter die besten, die es in Deutschland gibt. Viele Abbildungen, hervorragender Druck. Das Buch ist dem im Mai verstorbenen Filmkritiker Michael Althen gewidmet. Stefan Jung rezensiert das Buch auf critic.de:  www.critic.de/special/cronenberg-collected-3478/

Robert Mitchum-Filme im Arsenal

Im Berliner Arsenal sind zwischen dem 5. und 15. November zehn Filme mit Robert Mitchum zu sehen. Das ist eine gute Gelegenheit, sich wieder einmal in das Mitchum-Buch von Michael Althen zu vertiefen. Es liest sich – bei aller Notwendig-keit, auch Faktografisches zu vermitteln – wie in Stück eigenständiger Prosa. Man spürt, wie nah sich der Autor seinem Protagonisten fühlte, beginnend mit dem Prolog „Giant of cool“, der Mitchums Haltung zum Kino formuliert (und Michaels Haltung zu Mitchum). Das Buch erschien 1986 in der Heyne-Filmbibliothek. Und auf der Website kann man Michaels Nachruf auf Mitchum lesen:  http://michaelalthen.de/personen/mitchum-robert-2/