Kinskis Nachlass

Er war einer der großen Egomanen des deutschen Films. Geboren vor 85 Jahren in der Nähe von Danzig, gestorben vor 20 Jahren in der Nähe von San Francisco. Im Edel Verlag in Hamburg ist jetzt ein Buch mit Materialien aus seinem Nachlass erschienen, herausgegeben vom Nachlassverwalter  Peter Geyer und dem Artdirector OA Krimmel: Kinski. Vermächtnis.  (400 S., 49,95 €). Der umfängliche Band enthält unveröffentlichte autobiografische Texte, Briefe, Fotos, Zeichnungen und private Dokumente.

Filmerbe und Recht

Wer sich mit aktiv mit der Filmgeschichte beschäftigt, darf rechtliche Fragen nicht ganz außer Acht lassen, weil sie auch Grenzen ziehen. Paul Klimpel, Verwaltungs-direktor der Deutschen Kinemathek und Veranstalter verschiedener Symposien, hat ein Buch über „Das Filmerbe und seine rechtlichen Rahmenbedingungen“ heraus-gegeben (Berlin Academic/Bloomsbury Verlag, 204 S., 29,90 €). Es geht in 15 Beiträgen um Archivprobleme, Digitalisie-rung, Ausstellung + Präsentation und Verbotene Filme. Zu den Autoren gehören Winfried Bullinger, Martin Koerber, Peter Raue, Werner Sudendorf, Christiane von Wahlert, John Weitzmann  und natürlich der Herausgeber. Mit einem Geleitwort des Filmemachers Andres Veiel.

Roman von Oskar Roehler

Der Filmemacher Oskar Roehler (*1959; DIE UNBERÜHRBARE, DER ALTE AFFE ANGST) beschreibt in seinem Roman „Her-kunft“ (Ullstein Verlag, 592 S., 19,99 €) eine Kindheit und Jugend in der BRD der sech-ziger und siebziger Jahre, die stark an seine eigene erinnert. Die literarischen Qualitäten des Buches werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. Die Lektüre lohnt, wenn man sich für den Narzissmus der 68-Generation interessiert.

Das Leben des Filmkritikers Roger Ebert

Roger Ebert (*1942) war in den 1980er und 90er Jahren der populärste Filmkritiker in Amerika. Er war in der Presse (Chicago Sun-Times), im Fernsehen („Siskel & Ebert“, zusammen mit seinem Kollegen Gene Siskel), in Büchern präsent und konnte sich hervorragend vermarkten, bis er 2006 nach einer Krebsoperation die Sprechfähigkeit verlor. Über sein wechselvolles Leben – 1975 war er der erste Pulitzer-Preis-Gewinner für eine Filmkritik, 2005 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame – hat er jetzt eine Autobiographie verfasst: „Life Itself. A Memoir“, erschienen bei Grand Central Publishing (436 S., $ 27,99). Janet Maslin hat das Buch in der New York Times rezensiert: roger-ebert-review.html

Neueröffnung der Münchner HFF

Die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, gegründet 1967 (ein Jahr nach der Berliner dffb), hat eine neue Heimstatt: sie ist aus Giesing ins Museumsviertel gezogen. Dort teilt sie sich ein Gebäude mit dem Ägyptischen Museum (Eröffnung 2013). Der Standort ist ein Privileg, das Haus nach erster Besichtigung beeindruckend geplant. Über das Projekt hat der Leiter der Technischen Abteilung, Peter C. Slansky, ein Buch verfasst, das das Gebäude in einen größeren Zusammenhang stellt: „Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte – Typologie – Architektur“. Verlag edition text + kritik (mein Buch des Monats Juli). Die Bibliothek im neuen Haus ist noch nicht ganz fertig, aber sie verspricht ein Glanzstück zu werden. Ihr Leiter, Peter Heinrich, kann sich freuen. Mehr über die HFF unter www.hff-muenchen.de

Daniel Keel (1930-2011)

Er hatte eine große Affinität zum Film. Seine Lieblingsregisseure waren Federico Fellini und Jean Renoir, Woody Allen, Charles Chaplin und Frank Capra. Deshalb erschienen im Diogenes Verlag viele Drehbücher und Biografien, auch wenn die Auflagen nicht einmal die Selbstkosten einspielten. Er hat Doris Dörrie als Romanautorin entdeckt und mit den Filmrechten von Süskinds „Parfüm“ viel Geld verdient. Man konnte mit Daniel Keel auf hohem Niveau über das Kino reden. Ein Jahr nach seiner Frau Anna, der wunderbaren Malerin, ist er im Alter von achtzig Jahren in Zürich gestorben.

Eva Mattes über sich selbst

Die Schauspielerin Eva Mattes (*1954) hat eine Autobiografie verfasst, sie hat den Titel „Wir können nicht alle wie Berta sein“ (ein Zitat aus dem Ibsen-Stück „Die Wildente“) und ist im Ullstein Verlag erschienen (320 S., 19,99 €). Für die bundesdeutsche Film-geschichte seit den 1970er Jahren ist Eva Mattes eine Schlüsselfigur. Michael Ver-hoeven (O.K.), Rainer Werner Fassbinder (DIE BITTEREN TRÄNEN DER PETRA VON KANT, WILDWECHSEL) und Roland Klick (SUPERMARKT) haben sie bekannt gemacht, als sie noch ein Teenager war. Später hat sie sich emanzipiert und auch auf der Bühne Karriere gemacht (Peter Zadek). Inzwischen agiert sie als „Tatort“-Kommissarin am Bodensee (damit wurde sie endgültig populär). Ihre Erinnerungen sind leichter, aber sympathi-scher Lesestoff.

Emir Kusturicas bisheriges Leben

Der serbische Regisseur Emir Kusturica (*1955 in Sarajewo) zieht Zwischenbilanz: „Der Tod ist ein unbestätigtes Gerücht“ heißt sein Buch mit dem Untertitel „Mein bisheriges Leben“ (Albrecht Knaus Verlag, 352 S.). An seinem ersten Schultag flog Juri Gargarin ins All („Ich denke, Gagarin kam schneller im Weltraum an als ich in der Hasan-Kikic-Grundschule.“) Kusturica ist ein guter Erzähler. Das macht seine Filme interessant und auch diese Autobiografie.

Fatih Akin über sein Leben und seine Filme

Fatih Akin (*1973 in Hamburg) ist einer der wichtigen Protagonisten des deutschen Gegenwartskinos. Seit seinem Debütfilm KURZ UND SCHMERZLOS kann er mit Aufmerksamkeit rechnen. Der Berlinale-Sieger GEGEN DIE WAND machte ihn berühmt. Der Filmjournalist Volker Behrens und der Verlagslektor Michael Töteberg waren seine Gesprächspartner für eine Zwischenbilanz seines Lebens. Weil Akin ein Boxfan und Kämpfer ist heißt das Buch „Im Clinch“. Erschienen im Rowohlt Verlag (256 S.). Viele Bilder.

Jean Harlow: Marilyns Idol

Sie war ein Hollywood-Star der 1930er Jahre, dessen Mythos Nachwirkungen hatte. Zu ihrem 100. Geburtstag ist eine Biografie erschienen, verfasst von der Kieler Anglistin Bettina Uhlich, die viele Jahre recherchiert hat und – aus der Perspektive eines Fans – eine Stargeschichte erzählt. „Das Leben der Leinwandgöttin Jean Harlow“, erschienen im Militzke Verlag, Leipzig (256 S., 19,80 €).  Das Buch endet mit einem  Zitat aus Adam Victors „Marilyn-Monroe-Enzyklopädie“: „Wir scheinen irgendwie denselben Geist zu haben. Ich fragte mich, ob ich auch jung sterben würde wie sie.“ (MM über JH)  Im kommenden Jahr steht Marilyns 50. Todestag im Kalender.