„Klick“-Kino wieder eröffnet

2017.KlickIn der Wind-scheidstraße in Berlin-Char-lottenburg wurde gestern das Klick-Kino wieder eröff-net. Es war 13 Jahre weit-gehend geschlossen, der Saal blieb jedoch erhalten und wurde vom davor liegenden Shop und Café für Events vermietet. Neue Betreiber sind die PR-Agentin Claudia Rische und der „Missingfilms“-Verleiher Christos Acrivulis. Täglich gibt es zwei Vorstellungen, um 18 und um 20 Uhr, gezeigt werden Spiel- und Dokumentarfilme. Eröffnet wurde mit der deutschen Premiere des Films GAZA SURF CLUB von Philip Gnadt und Mickey Yamine. Der Saal hat 83 Plätze. Es gibt noch einen analogen Filmprojektor, aber zunächst werden die Filme von Blu-Ray-Discs abgespielt und per Beamer auf die Leinwand projiziert. Der reguläre Spielbetrieb startet am 6. April. Mehr zur Geschichte des Kinos: klick_kino_berlin.htm

The Monster Always Returns

2017.The MonsterEine Dissertation, die an der Johannes Gutenberg-Universi-tät in Mainz entstanden ist. Der Amerikanist Christian Knöppler untersucht amerikanische Horrorfilme und ihre Remakes; eine Publikation in englischer Sprache. In der Kategorie „Alien Invaders and Shifting Bodies“ geht es um den Film THE THING FROM ANOTHER WORLD (1951) von Christian Nyby und Howard Hawks und die Remakes THE THING von John Carpenter (1982) und Matthijs van Heijningen Jr. (2011). Im Bereich „Conformity and Doppelgänger Horror“ gilt INVASION OF THE BODY SNAT-CHERS (1956) von Don Siegel als Schlüsselfilm. Die Remakes stammen von Philip Kaufman (1978) und Oliver Hirschbiegel (2007). Ausgangspunkt für „Contagion and Social Collapse“ ist der Film THE CRAZIES (1973) von George A. Romero. Beim Remake 2010 führte Breck Eisner Regie. DAWN OF THE DEAD (1978), ebenfalls von George A. Romero, steht beispielhaft für „Consumer Zombie Apocalypse“. Das Remake inszenierte 2004 Zack Snyder. „Cannibal Hillbillies and Blackwoods Horror“ wurden erstmals 1974 in THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE von Tobe Hooper kreiert, für das Remake 2003 war als Regisseur Marcus Nispel, als Produzent Michael Bay verantwortlich. Im abschließenden Kapitel „Suburban Stalkers and Final Girls“ werden die beiden HALLOWEEN-Filme von 1978 (Regie: John Carpenter) und 2007 (Regie: Rob Zombie) verglichen. Die Texte wirken sehr sachkundig und bleiben nahe an den Filmen. Mit wenigen Abbildungen. Die Coverabbildung stammt vom Autor. Mehr zum Buch: c=738

Filme der 2000er

2017.Filme der 2000erDas Buch über „Filme der 2000er“, herausgegeben von Jürgen Müller im Taschen Verlag, erschien erst-mals 2011. Am 1. März 2017 wurde eine Neuausgabe publiziert. Was sich verändert hat? 1. Das Format: statt 19,5 x 25,4 cm jetzt 14,5 x 19,8 cm. 2. Das Layout: kleinere Abbil-dungen (nur die Plakate sind größer geworden), bessere Textstruktur. 3. Verbesserte Lesbarkeit: statt weißer Schrift auf schwarzem Grund jetzt schwarze Schrift auf weißem Grund; nur die erste Seite zu jedem Film mit Credits und Cast ist weiß auf schwarz. 4. Das Coverfoto: statt AVATAR jetzt DER HERR DER RINGE. 5. Die Auswahl der Filme: es sind 43 Titel weniger. Ich finde es schade, dass zum Beispiel FINDET NEMO von Andrew Stanton, L. A. CRASH von Paul Haggis, L’ENFANT von den Brüdern Dardenne, YELLA von Christian Petzold, DARJELING LIMITED von Wes Anderson, THE HURT LOCKER von Kathryn Bigelow, BAL von Semih Kaplanoğlu und UNCLE BOONMEE ERIN-NERT SICH AN SEINE FRÜHEREN LEBEN von Apichatpong Weerasethakul fehlen. Sie haben für mich nicht an Bedeutung verloren. Was sich nicht verändert hat: 1. Die Texte zu den verbliebenen 96 Filmen, verfasst von 13 Autorinnen und Autoren. Sie sind kenntnisreich und informativ. 2. Der Einleitungstext von Jürgen Müller „Überlegun-gen zum Kino der Gegenwart“; Müller ist Herausgeber der gesamten Film-Dekaden-Reihe bei Taschen. 3. Die reproduzierten Fotos und Plakate: sie sind gut ausgewählt. 4. Die Druckqualität: sie ist weiterhin hervorragend. Die Neuausgabe ist in der Taschen-Reihe „Bibliotheca Universalis“ erschienen und mit 14,99 € sehr preiswert. Mehr zum Buch: filme_der_2000er.htm

Gregory J. Markopoulos

2016.Kino der ZukunftEr war einer der Großen des amerikanischen Experimental-films. Gregory J. Markopoulos (1928-1992) hat zusammen mit Jonas Mekas und Shirley Clarke 1960 die „New American Film Group“ in New York gegründet, verließ zusammen mit seinem Partner, dem Filmemacher Robert Beavers, 1968 die USA, lebte dann in verschiedenen europäischen Ländern und realisierte sein Opus magnum ENIAIOS, das insgesamt achtzig Stunden dauert. Die Publikation „Kino der Zukunft“, herausge-geben von Markus Klammer und Maja Naef im Verlag Wilhelm Fink, würdigt in acht Texten das Werk von Markopoulos. Der wichtigste und umfangreichste Text stammt von P. Adams Sitney: „Markopoulos und das Temenos“. Er wurde erstmals 2015 in dem Buch „The Cinema of Poetry“ publiziert und setzt die Filme in eine Beziehung zu antiken Quellen (Platon, Euripides, Homer), deutschen Philosophen (Schopenhauer, Heidegger) und der Lyrik Friedrich Hölderlins. Erika Balsom beschäftigt sich in ihrem Beitrag „Markopoulos und die ‚Komödie des Vertriebs’“ mit den unterschiedlichen Formen der Distribution der Filme. Bei Stefanie Bräuer geht es um einen Text von Markopoulos über den Film ABSTRONIC von Mary Ellen Bute. Rebekah Rutkoff verortet die Gemeinschaft der Temenos-Besucher, die sich alle vier Jahre in dem arkadischen Dorf Lyssarea treffen und dort Zyklen aus ENIAIOS sehen. Mark Webber interpretiert den Essay „A Solemn Pause…“ von Markopoulos, der in der englischen Fassung und in einer deutscher Übersetzung abgedruckt ist. Markus Klammer befasst sich mit der kinematografischen Metaphysik im Werk von Markopoulos. François Bovier untersucht die kinetische Energie der Kader in seinen Filmen. Und Maja Naef informiert über den Porträtfilm GALAXIE (1968). Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: 978-3-7705-6030-1.html

Seelenkenner, Psychoschurken

2017.SeelenkennerPsychotherapeuten sind domi-nante Figuren in vielen Filmen, Experten schätzen, dass es über 1.000 sind. Das Buch „Seelen-kenner, Psychoschurken“, her-ausgegeben von den Wiener Psychotherapeuten Martin Poltrum und Bernd Rieken, ist noch kein Rollenlexikon, aber es bringt etwas Ordnung in die Thematik. 29 Texte sind einzel-nen Filmen oder Serien gewid-met. Sie sind sieben Kapiteln zugeordnet: „Seelenkenner, Humanisten und gute Helfer“, „Schrullige Shrinks und komi-sche Therapeuten“, „Wahnsinnige, bösartige und hinterhältige Psychiater“, „Affären zwischen Patienten und Therapeuten“, „Behand-lung im Film“, „Konfrontation mit dem Übernatürlichen“ und „Der Psychotherapeut in Fernsehserien“. Im Mittelpunkt stehen natürlich amerikanische Filme, ich nenne sechs von insgesamt 19 Titeln (ohne Serien), weil ich die Texte hier besonders gut finde: SPELLBOUND (1945) von Alfred Hitchcock, THE SNAKE PIT (1948) von Anatole Litvak, FREUD (1962) von John Huston, ONE FLEW OVER THE CUCKOO’S NEST (1975) von Milos Forman, ZELIG (1983) von Woody Allen, THE SILENCE OF THE LAMBS (1991) von Jonathan Demme. Aus Deutschland sind zwei Filme dabei: DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920) von Robert Wiene und GEHEIMNISSE EINER SEELE (1925) von G. W. Pabst. Die Autorinnen und Autoren kommen vorwiegend aus dem Bereich der Psychotherapie, aber es sind auch sieben Film- und Literaturwissenschaftler/innen darunter: Thomas Ballhausen, Tobias Eichinger, Brigitte Frizzoni, Ulf Heuner, Michaela Schwarzl, Ingrid Tomkowiak und Lisa Winter. Mit vielen Abbildungen, liebevoll ediert. Mehr zum Buch: book/9783662504857

ROBERT MAYER – DER ARZT AUS HEILBRONN (1955)

2016.DVD.Robert MayerHistorisch-biografische Filme wie ROBERT MAYER – DER ARZT AUS HEILBRONN nennt man gern Biopics. Sie erzählen die Lebensgeschichten von Poli-tikern, Künstlern, Sportlern, Wissenschaftlern, Erfindern oder Ärzten, denen ein Nach-ruhm zugestanden wird. Es sind meist Männer, die hier gewür-digt werden. Das Genre wurde im NS-Film sehr geschätzt und war danach im Westen wie im Osten beliebt. Hier handelt es sich um einen DEFA-Film, der die Grenzüberschreitung zwischen Medizin und Physik problematisiert. Robert Mayer (1814-1878) ist ein junger Arzt und entdeckt bei einer Schiffsfahrt, dass sich aus Bewegung Energie und Wärme entwickeln können. Er publiziert darüber einen Aufsatz in den Annalen von Justus Liebig, der aber in der physi-kalischen Fachwelt nicht anerkannt wird. Daraus entstehen Konflikte, die Robert Mayer in den Wahnsinn treiben. Auch seine geliebte Ehefrau Wilhelmine kann ihm nur bedingt helfen. Dank des jungen Natur-wissenschaftlers Dr. Bohn gibt es aber ein Happyend. Der Film (Regie: Helmut Spieß) gewinnt seine Stärke vor allem durch die Schauspieler/ innen. Der Österreicher Emil Stöhr spielt Robert Mayer mit großer Ausstrahlung. Wunderbar: Gisela Uhlen als seine Frau Wilhelmine. In wichtigen Rollen erleben wir Martin Flörchinger, Walther Süssenguth, Herwart Grosse, Fred Düren. Und den Dr. Bohn spielt der damals 24jährige Hilmar Thate; das ist sehr berührend, wenn man den Film heute sieht. – Die DVD ist kürzlich bei den Filmjuwelen erschienen. Das hervorragende Booklet stammt von Ralf Schenk. Mehr zur DVD: %22filmjuwelen%22

Göttinnen der Leinwand

2017.LeiwandgöttinnenAm morgigen Sonntag sendet 3sat ab 9.10 Uhr hintereinander elf Spiel-filme mit großen weib-lichen Stars aus Ame-rika, Deutschland,  Italien, Frankreich und Großbritannien. „Göttin-nen der Leinwand“ heißt der Thementag. Dies sind die Filme, die man sehen kann: LA HABANERA (Deutschland 1937) mit Zarah Leander (9.10 Uhr). DER BLAUFUCHS (Deutschland 1938) mit Zarah Leander (10.45). THE PALM BEACH STORY (USA 1942) mit Claudette Colbert (12.20). OUR MAN IN MARRAKESCH (Großbritannien 1966) mit Senta Berger (13.45). THE MIRROR CRACK’D (Großbritannien 1981) mit Angela Lansbury (15.15). MATRIMONIO ALL’ITALIANA (Italien 1964) mit Sophia Loren (17.00). WOMAN TIMES SEVEN (USA 1967) mit Shirley MacLaine (18.35). HOW TO MARRY A MILLIONAIRE (USA 1953) mit Marilyn Monroe, Lauren Bacall und Betty Grable (20.15). WITNESS FOR THE PROSECUTION (USA 1957) mit Marlene Dietrich (Foto; 21.40). ZU NEUEN UFERN (Deutschland 1937) mit Zarah Leander (23.30). LA BANQUIÈRE (Frankreich 1980) mit Romy Schneider (1.10). Und anschließend werden noch THE MIRROR CRACK’D und HOW TO MARRY A MILLIONAIRE wiederholt. Traumfrauen vom einen bis zum anderen Morgen. Mehr zum Programm: DaN26&cx=122

Film als Midrasch

untitled„Midrasch“ ist die Auslegung religiöser Texte im rabbinischen Judentum. Klaus S. Davidowicz, Professor für Judaistik in Wien, untersucht in seinem Buch kabbalistische Elemente im populären Kino. Seine beiden Hauptkapitel sind dem Dybbuk (der Seelenwanderung) und dem Golem (einem künstlich erschaf-fenen Menschen) gewidmet. Beim Dybbuk werden u.a. die folgenden Filme ausführlich analysiert und bewertet: THE DYBBUK (Polen 1937) von Michal Waszynski, THE DYBBUK (USA 1960) von Sidney Lumet, THE DYBBUK OF THE HOLY APPLE FIELD (Israel 1997) von Yossi Somer, THE POSSESSION (USA 2012) von Ole Bornedal und DEMON (Polen 2015) von Marcin Wrona. Häufig war die literarische Vorlage das Stück „Dybbuk“ des weißrussischen Schriftstellers Saloman An-Sky. Im Golem-Kapitel spielen zunächst zwei deutsche Filme eine wichtige Rolle: DER GOLEM (1914) von Henrik Galeen und Paul Wegener (der Film ist verschollen) und DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM (1920) von Paul Wegener und Carl Boese, der vom Autor genau beschrieben wird. Auch sechs weitere Golem-Filme werden behandelt: LE GOLEM (Frankreich 1936) von Julien Duvivier, DER KAISER UND SEIN BÄCKER (CSSR 1952) von Martin Fric, IT! (Großbritannien 1967) von Herbert J. Leder, LE GOLEM (Frankreich 1967) von Jean Kerchbron, GOLEM (Polen 1980) von Piotr Szulkin und THE GOLEM (1995) von Lewis Schoenbrun. Immer wieder werden dabei die jüdischen Ursprünge der Geschichte ins Spiel gebracht. Der Anhang enthält Literaturhinweise und filmografische Daten. Keine Abbildungen. Coverfoto: DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM. Mehr zum Buch: t-1/1091952/

Das Gefühl des Augenblicks

2017.Gefühl des AugenblicksDas Buch gehört längst zur Basisliteratur über den Dokumentarfilm. Die erste Auflage erschien 2002 bei Bastei Lübbe, jetzt hat uvk die vierte, komplett überarbeitete Auflage publiziert. Thomas Schadt – seit zwölf Jahren Direktor der Filmakademie in Ludwigsburg – ist einer der großen Dokumentaristen in der Bundesrepublik und hat die große Fähigkeit, die Grund-regeln dokumentarischer Filmarbeit auch als Autor zu vermitteln. Er hat viel von seinen Leitfiguren Klaus Wildenhahn und Robert Frank gelernt und verknüpft seine Ausgangsüberlegungen zunächst zu einem Netz theoretischer Voraussetzungen (100 Seiten). Im Mittelpunkt (130 Seiten) steht die Praxis der dokumentarischen Filmarbeit: Idee, Thema, Auftrag, Recherche, Exposé, Finanzierung, Team und Equipment, Dreharbeiten, Interviews, Schnitt/Montage, Postproduktion. In den Text fließen viele eigene Erfahrungen ein. Sehr persönlich sind auch die Überlegungen und Fallstudien im dritten Kapitel „Nichts ist spannender als die Realität“ (100 Seiten). Der Anhang enthält eine kleine Liste deutschsprachiger Regisseurinnen und Regisseure mit jeweils einem Film, der dem Autor besonders in Erinnerung geblieben ist, Literaturhinweise zum Thema und eine Auswahl-Filmografie von Thomas Schadt. Mehr zum Buch: id/47204281/

Apparition, Körper, Bild

2016.Apparition...Eine Habilitationsschrift, die an der Fakultät für Architektur der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entstanden ist. Die Autorin untersucht das Hell-dunkel in Malerei und Film. Erscheinungsform, Körper und Bild werden in der Wechsel-beziehung von Licht, Schatten und plastischer Darstellung analysiert. Dies geschieht zunächst im Fokus auf die Malerei in der Proto- und Frührenaissance, dann an Beispielen von Leo Battista Alberti und Leonardo da Vinci. Ab S. 115 geht es um „Mimesis, fotografische Materie und Film“. Ausgehend von Thesen zu Natur und Fotografie von Siegfried Kracauer und Theodor W. Adorno beschäftigt sich Jennifer Bleek zunächst mit den Filmen IMPRESSIONEN VOM ALTEN MARSEILLER HAFEN (1929/32) und EIN LICHTSPIEL SCHWARZ-WEISS-GRAU (1930/32) von László Moholy-Nagy, die in der Sichtweise der photogénie betrachtet werden. Der Umgang mit dem Licht in den IMPRESSIONEN VOM ALTEN MARSEILLER HAFEN wird dann mit Josef von Sternbergs thematisch verwandten THE DOCKS OF NEW YORK (1928) verglichen. Im abschließenden Filmkapitel geht es um „Cinéplastique und mimetische Interaktion“. Als Filmbeispiel steht hier John Hustons THE MALTESE FALCON (1941) im Zentrum, dessen Beleuchtung und Plastizität analytisch mit KEY LARGO (1948) verglichen wird. Die Befunde der Autorin sind konkret und nachvollziehbar. Die Lektüre ist auch für Filmhistoriker gewinnbringend. Abbildungen befinden sich im Anhang der Publikation. Coverfoto: Marlene Dietrich in THE SCARLET EMPRESS. Mehr zum Buch: 978-3-7705-6117-9.html