Wörthersee & Exploitation

Band 2 der neuen Buch-reihe „Film Geschichte Österreich“. Thema ist die österreichisch-deut-sche Produktionsfirma „Lisa Film“, die 1964 von Paul Löwinger gegründet wurde und seit 1967 von dem Anteilseigner Karl Spiehs (*1931) be-herrscht wird. Größte Erfolge in den 70er und 80er Jahren waren Sexfilme (zum Beispiel GEH ZIEH DEIN DIRNDL AUS) und Blödel-Komödien (wie DIE SUPERNASEN). Seit Mitte der 80er Jahre stehen Fernsehserien im Fokus (DAS TRAUMHOTEL). Ein umfangreicher Essay von Arno Rußegger porträtiert die Firma. Ulrich Mannes beschreibt die Karriere des Regisseurs Sigi Rothemund (auch Siggi Götz genannt). Oliver Nöding richtet den Blick auf drei eher ungewöhnliche Lisa-Filme: BLUTIGER FREITAG (1972) von Rolf Ohlsen, POPCORN UND HIMBEEREIS (1978) von F. J. Gottlieb und GELD ODER LEBER (1986) von Dieter Pröttel. Florian Widegger, Herausgeber des Bandes, stellt 29 Lisa-Filme genauer vor. Eine Titelliste mit Regie-Nennung schließt den Band ab. Mit zahlreichen Abbildungen. Mehr zum Buch: woerthersee-exploitation/

Horror-Kultfilme

Untersuchungen zum Horror-film aus mehreren Perspektiven. Die Texte dokumentieren eine Ringvorlesung, die an der Universität Klagenfurt stattge-funden hat. Zunächst geht es um Dracula und Frankenstein: Susanne Bach analysiert Francis Ford Coppolas Film BRAM STOKER’S DRACULA, Arno Rußeger die Parodie YOUNG FRANKENSTEIN von Mel Brooks. Dann wendet sich der Blick nach Italien: Marcus Stiglegger beschäftigt sich mit Italien Gothic Horror und Dario Argentos SUSPIRIA, Angela Fabris mit den intertextuellen Bezügen zu den Filmen Mario Bavas in Argentos PROFONDO ROSSO. Das dritte Kapitel dokumentiert zwei Texte zum Meta-Horror: Jörg Helbig erinnert an Pete Walkers HOUSE OF THE LONG SHADOWS, Sabrina Gärtner reflektiert über Jessica Hausners Spiel mit dem Horror-Genre in dem Film HOTEL. Es folgen zwei Texte zu Subgenres: Benjamin Moldenhauer befasst sich mit dem „drastischen Horrorfilm“, Michael Fuchs mit dem Monster als Brücke zwischen Natur und Kultur im US-amerikanischen Tierhorrorfilm. Den Abschluss bildet ein Text von Frank Hentschel über Musik im Horrorfilm 2010-2017. Der Anhang bietet interessante Listen: die 20 bedeutendsten Horrorfilm-Regisseure der Filmgeschichte (Platz 1: Wes Craven), die 30 besten Horrorfilme aller Zeiten (1: DAS CABINET DES DR. CALIGARI), die 25 erfolgreichsten Horrorfilme weltweit (1: THE SIXTH SENSE), die Horrorfilme von Dario Argento, die Frankenstein- und Dracula-Filmzyklen der Hammer Studios, die 25 besten schauspielerischen Leistungen in Horrorfilmen (1: Boris Karloff in FRANKENSTEIN), die 20 wichtigsten von Frauen inszenierten Horrorfilme (1: AMERICAN PSYCHO von Mary Harron), die 10 besten Horrorfilm-Remakes aller Zeiten (1: THE THING von John Carpenter) und die 5 schlechtesten (1: CHAOS von David DeFalco). Ein anregender Band. Coverfoto: HOTEL. Mehr zum Buch: horror-kultfilme.html

Ufa 1933-1945: Linientreu und populär

Der Band dokumentiert die Refe-rate eines Symposiums, das im Mai im Museum für Film und Fernsehen stattgefunden hat. Es geht um die Ufa in der Zeit des Nationalsozialismus. Dies sind die 14 Beiträge: Rainer Rother informiert über die Ufa 1933. Friedemann Beyer erinnert an die Ära Hugenberg. Joseph Garncarz beschäftigt sich mit den Publikumspräferenzen. Roel Vande Winkel gibt einen Über-blick über Ufa-Verleihgesell-schaften im Ausland zwischen 1939 und 1945. Bei Christoph Gauthier geht es um die Alliance Cinématographique Européenne und Raoul Ploquin, bei Kay Hoffmann um den NS-Kulturfilm 1933-1945. Annika Schaefer untersucht die Inszenierung von Arbeit und Arbeitern im NS-Spielfilm. Elissa Mailänder richtet den Blick auf Frauen, Krieg und Flieger. Tobias Hochscherf erinnert an Hans Albers und die Sehnsüchte der Deutschen. Brigitte Jacob und Wolfgang Schäche rekonstruieren die Baugeschichte der Ufa-Filmfabrik in Babelsberg. Rolf Aurich erinnert an die Ufa-Lehrschau und die Deutsche Filmakademie als geistigen Ausdruck der Filmstadt Babelsberg im Nationalsozialismus. Almuth Püschel beschäftigt sich mit der Zwangsarbeit bei der Ufa von 1940 bis 1945, Jens Westemeier speziell mit den niederländischen Zwangsarbeitern. Jörg Schöning befasst sich mit dem Erbe der Ufa: der Entflechtung und Neuausrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Band ist ein wichtiger Beitrag zum Ufa-Jubiläum. Coverfoto: DIE GROSSE LIEBE (1942). Mehr zum Buch: 42&products_id=516

Wörterbuch des Films

Ein Fragment, dessen Lektüre sehr interessant ist. Hans Traub (1901-1943) war ein Zeitungs- und Filmwissenschaftler, der viele Spuren hinterlassen hat. In meinem Regal steht zum Beispiel das Buch „Das deutsche Film-schrifttum“, das er 1940 zusammen mit Hanns Wilhelm Lavies herausgegeben hat, und der voluminöse Band „Die UFA. Ein Beitrag zur Entwicklungs-geschichte des deutschen Film-schaffens“, der 1943, kurz vor seinem Tod erschienen ist. Traub war Gründungsleiter der „Ufa-Lehrschau“, er entwickelte das Konzept eines „Deutschen Instituts für Filmkunde“, er war sachkundig, aber er durfte ab 1937 keine Lehrtätigkeit ausüben, weil er „teiljüdischer Abstammung“ war. In der jetzt vorliegenden Publikation, veröffentlicht im Neofelis Verlag, gibt es einen von Ulrich Döge hervorragend recherchierten Lebenslauf von Hans Traub, der die Möglichkeiten seiner Tätigkeit präzise beschreibt. Das „Wörterbuch des Films“ ist ein zentrales, leider unvollendetes Werk des Autors. Er hat daran viele Jahre gearbeitet. Natürlich sind die Eintragungen weitgehend den ideologischen Vorgaben angepasst. Aber die Informationen sind sehr konkret und ergänzen in zahlreichen Details auch die später publizierten Fakten. Umfangreich sind die Texte zu den Begriffen „Abstrakter Film“, „Agfa“, „Akustik“, „Archivierung“, „Atelier“, „Autor“, „Beleuchtung“, „Biennale“ (Venedig), „Bild“, „Einstellung“, „Fachpresse“, „Farbfilm“, „Fernsehen“, „Film“, „Filmbildner“ (gemeint: Architekt), „Filmpflege“, „Filmprüfstelle“, „Filmtheater“, „Fotografie“, „Objektiv“, „Plastischer Film“, “Produktion“, „Programm“, „Unterrichtsfilm“, „Verleih“, „Werbung“, „Wirtschaft“, „Wochenschau“, auch wenn sie nicht in allen Fällen vollendet sind. Vom Autor vorgesehene Begriffe sind vermerkt, immer wieder bedauert man, dass die Texte nicht formuliert wurden. Aber es ist doch ein großer Gewinn, dass dies Buch in der vorliegenden Form publiziert wurde. Den Herausgebern, Rainer Rother und Rolf Aurich, ist dafür ausdrücklich zu danken. Rainer Rother hat selbst 1997 ein „Sachlexikon Film“ verfasst. Mehr zum Buch: woerterbuch-des-films/

LUDWIG II. (1955)

Er war der Bayerische Märchen-könig, lebte von 1845 bis 1886, stammte aus dem Hause Wit-telsbach, ließ die Schlösser in Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein erbauen, hatte eine große Zuneigung zu seiner Jugendfreundin Elisabeth, der Kaiserin von Österreich, verehr-te den Komponisten Richard Wagner und starb auf geheim-nisvolle Weise im Starnberger See. Das Leben Ludwigs II. ist mehrfach verfilmt worden, zuerst 1921 von Otto Kreisler und Rolf Raffé, 1929 von Wilhelm Die-terle. Der Film von Helmut Käutner war die kommerziell erfolgreichste deutsche Produktion der Kinosaison 1955/56. Das lag vor allem an den beiden Stars O. W. Fischer und Ruth Leuwerik, die diesem Historiendrama zu starker Wirkung verhelfen. Sie stellt sich auch heute noch ein. Auch in Nebenrollen ist der Film hervorragend besetzt, Marianne Koch spielt die Prinzessin Sophie, Paul Bildt den Komponisten Richard Wagner, Friedrich Domin den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, Herbert Hübner den bayerischen Kabinettchef, Robert Meyn den Psychiater Professor Gudden, Klaus Kinski Ludwigs Bruder Prinz Otto. Die Handlung wird in Rückblenden erzählt, die Kameraführung von Douglas Slocombe finde ich beeindruckend, natürlich ist Wagners Musik für die Stimmung des Films von großer Bedeutung. Bei den Filmjuwelen ist jetzt eine neue DVD des Films mit guter Bildqualität erschienen. Das informative Booklet stammt von Friedemann Beyer. Mehr zur DVD: 28%3A-pidax

Ein Traum von Paris

Georg Stefan Troller, den ich als Fernsehpublizisten immer ver-ehrt habe, lebt seit 1949 in Paris. Er war zuvor aus Öster-reich in die USA emigriert. Seine Sendereihen „Pariser Journal“ (ARD, 60er Jahre) und „Per-sonenbeschreibung“ (ZDF, ab 1971) sind legendär. Er hat in den vergangenen Jahren ver-schiedene Bücher veröffentlicht, in denen Paris die zentrale Rolle spielt. Jetzt ist ein Buch erschie-nen, das mir besonders gut gefällt: „Ein Traum von Paris“. Im ersten Teil lesen wir Texte, die er in seinem Archiv gefunden hat, darunter zwei Gedichte aus den Jahren 1946 und 1966, eine Erinnerung an das Jahr 1940, zwei Tagebucheintragungen aus den Jahren 1960 und 61 und ein längeres Porträt der Sängerin Barbara (1966). Wenn man die Texte liest, hört man immer seine Stimme, die so unverwechselbar klingt. Eine Überraschung birgt der zweite Teil: er dokumentiert 64 Fotografien von Troller aus den Jahren 1953 bis 56. Zu sehen sind Clochards, Kinder, Männer, Frauen, Straßen, Häuser, Fassaden, Brücken. Alle in schwarzweiß, sehr kontrastreich, aufgenommen mit der Leica. Sie wurden bisher nie veröffentlicht, Trollers Tochter Fenn hat sie in einer alten Kiste gefunden, ihr Vater dachte, sie seien irgendwann entsorgt worden. Ein schöner Blick zurück. Mehr zum Buch: 3737407434.html

Fesche Lola, brave Liesel

Marlene Dietrich hatte eine Schwester, die zwei Jahre älter war: Ottilie Josephine Elisa-beth, genannt Liesel. Sie heiratete 1926 den Dramaturgen und Theatermanager Georg Hugo Will, der in Berlin das Kabarett „Tingel-Tangel“ und das Theater „Tribüne“ betrieb, und bekam 1928 den Sohn Hans-Georg. Georg Will trat 1934 der NSDAP bei und übernahm 1937 die Leitung der Truppenkinos in Bergen-Belsen, Fallingbostel-Oerbke und Wildflecken. 1939 zog Elisabeth zu ihrem Mann nach Bergen-Belsen. Im April 1945 entzog die britische Militärregierung Georg Will die Leitung der Truppenkinos, am 7. Mai 1945 besuchte Marlene Dietrich ihre Schwester Elisabeth in Bergen-Belsen. Einerseits hat sie ihre Schwester in der Öffentlichkeit immer verleugnet, anderseits hat sie ihr über alle Jahre mit Geldzuwendungen und jedweder Unterstützung geholfen. Heinrich Thies beschreibt in seiner Doppelbiografie über Marlene und Elisabeth das ambivalente Verhältnis der beiden Schwestern sehr detailliert. Über Marlene hat er wenig Neues mitzuteilen, er nutzt ihre Autobiografie „Nehmt nur mein Leben“ (1979) , die Autobiografie von Maria Riva „Meine Mutter Marlene“ (1992), die Biografien von Steven Bach (1993), Werner Sudendorf (2001) und Eva Gesine Baur (2017). Sehr gut recherchiert ist die Biografie von Elisabeth Will. Hier wurden vom Autor die Materialien der Marlene Dietrich Collection hervorragend ausgewertet. Elisabeth Will starb 1973. Der Teil der Doppelbiografie, der ihr gewidmet ist, liest sich spannend. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: fesche-lola-brave-liesel-buch-8942/

Film Noir

Für die Neuausgabe in der „Bi-bliotheca Universalis“ haben Paul Duncan und Jürgen Müller ihr Film Noir-Buch (film-noir/) im Umfang und im Format re-duziert. Es hat an Substanz aber kaum verloren. In der Einleitung fragen die Herausgeber „Was ist Noir?“. Dann folgen zehn in-haltliche Kapitel: Das perfekte Verbrechen – Der Albtraum der Vorbestimmung – Die Last der Vergangenheit – Das große Ding – Doku-noir – Liebe auf der Flucht – Männliche Gewalt – Die Frau im Film Noir – Der Privatdetektiv – Finsternis und Korruption (S. 32-211). Der zweite Teil präsentiert 50 Top-Noir-Filme von 1940 bis 1960, beginnend mit REBECCA von Alfred Hitchcock, endend mit TIREZ SUR LE PIANISTE von François Truffaut. Jeder Film wird auf sechs bis zehn Seiten vorgestellt, mit filmografischen Daten, gut formulierten Texten, Reproduktion des Plakats und verschiedenen Abbildungen. Eingefügt sind 50 kleine Kästen mit zusätzlichen Informationen zu Themen oder Personen, die allerdings nicht durch ein Register erschlossen sind. Der Anhang enthält eine Chronologie von 1867 bis 1981 und eine kleine Bibliografie. Das Buch ist handlich und preiswert (14,99 €). Coverfoto: Peggy Cummins in GUN CRAZY (1950) von Joseph H. Lewis. Mehr zum Buch: Film+Noir

Freundschaft – Przyjaźn?

Wie intensiv waren die filmkul-turellen Beziehungen der DDR mit der Volksrepublik Polen zwischen 1945 und 1990? Das fragt der Medienhistoriker Thomas Heimann in seinem hervorragend recherchierten Buch, das kürzlich in der Schrif-tenreihe der DEFA-Stiftung im Verlag Bertz + Fischer erschie-nen ist. Zunächst werden einige grundsätzliche Feststellungen zu den kulturellen Beziehungen zwischen Polen und der DDR gemacht. Dann geht es um „Umsiedler“, Flüchtlinge und Vertriebene in Wochenschauen, Reportagen und Dokumentarfilmen. Das erste große Kapitel ist der Darstellung der Vergangenheit in Spielfilmen der DEFA und in Fernsehfilmen gewidmet. Elf Filme werden hier ausführlich analysiert: DIE SONNENBRUCKS (1951) von Georg C. Klaren, DER FALL GLEIWITZ (1961) von Gerhard Klein, NACKT UNTER WÖLFEN (1963) von Frank Beyer, DAS TAL DER SIEBEN MONDE (1967) von Gottfried Kolditz, DIE GEFRORENEN BLITZE (1967) von János Veiczi, WEGE ÜBERS LAND (1968) von Martin Eckermann, JAKOB DER LÜGNER (1974) von Frank Beyer, DIE ÜBERLEBENDE (1975) von Christian Steinke, DANIEL DRUSKAT (1976) von Lothar Bellag, LEVINS MÜHLE (1980) von Horst Seemann und DER AUFENTHALT (1983) von Frank Beyer. Sieben Filme im zweiten Kapitel erzählen Gegenwartsgeschichten, darunter sind DIE SCHLÜSSEL (1974) von Egon Günther, ÜBER SIEBEN BRÜCKEN MUSST DU GEHEN (1978) von Hans Werner und ÜBER DIE GRENZEN (1990) von Rainer Ackermann. In einem dritten Kapitel werden zwölf DDR-polnische Gemeinschaftsproduktionen thematisiert, darunter DER SCHWEIGENDE STERN (1960) von Kurt Maetzig, SIGNALE – EIN WELTRAUMABENTEUER (1970) von Gottfried Kolditz, COPERNICUS (1973) von Czeslaw Petelski und Ewa Petelska und DER SCHIMMELREITER (1984) von Klaus Gendries. Der Autor informiert jeweils auch über die Produktionshintergründe und hat hier oft interessante Konflikte ermittelt. Mit Abbildungen und einem Geleitwort von Ralf Schenk. Mehr zum Buch: 1_134&products_id=500

„Moabit“ von Volker Kutscher

Auf Sky sind am kommenden Freitag die letzten beiden Folgen der Serie BABYLON BERLIN zu sehen. Der erste historische Berlin-Roman von Volker Kutscher, „Der nasse Fisch“ (2007), war dafür Inspiration und Stofflieferant, allerdings wurden die Figuren für die Serie stark variiert. Das betrifft vor allem Charly Ritter, die Part-nerin des Protagonisten Gereon Rath. In seinem gerade erschie-nenen Kurzroman „Moabit“ erzählt Volker Kutscher eine Geschichte aus dem Jahr 1927 aus drei Perspektiven. Zunächst erleben wir mit, wie im Zellen-gefängnis in der Lehrter Straße von einem Insassen versucht wird, den ebenfalls einsitzenden Schränker Adolf Winkler, Boss des Berliner Ringvereins Berolina, umzubringen. Dies wird – zweiter Erzählstrang – von dem Oberaufseher Christian Ritter im letzten Moment verhindert. Er bringt dabei den Mann, der den Mord versuchte, mit seinem Schlag-stock um. Es gibt später ein Treffen zwischen Winkler und Ritter, als Winkler aus dem Gefängnis entlassen worden ist, in der Eckkneipe „Bei Mathilde“. Schließlich kommt Christian Ritters Tochter ins Spiel: Charlotte, geboren am 23. Oktober 1907, wie man hier erfährt. Sie wohnt noch beiden Eltern, sucht nach beruflichen Möglichkeiten, geht öfter mit ihrer Freundin Greta tanzen. Als sie in der Nacht des Mordversuchs auf dem Heimweg ist, macht sie eine interessante Beobachtung am Gefängnistor. Und am Ende erlebt sie eine schreckliches Ereignis. Die drei Perspektiven sind vom Autor raffiniert verknüpft, auf 84 Seiten finden viele Aktionen, Dialoge und Selbstreflektionen statt. Und auf der visuellen Ebene kommt die Zeichnerin Kat Menschik ins Spiel: mit Porträts der Personen, Szenen des Stadtlebens, Gegenständen des Alltags. Wunderbar! Erschienen bei Galiani/Kiepenheuer & Witsch. Mehr zum Buch: 978-3-86971-155-3/