100 Jahre für den Film

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich kürz-lich die interessante Festschrift einer Firma entdeckt, die heute „CinePostproduction“ heißt und bis 1998 den Namen „Geyer-Werke“ trug. Geyer, gegründet 1911, war das traditionsreiche Kopierwerk in Berlin-Neukölln, über das Martin Koerber 1989 für die Ausstellung „Nahaufnahme Neukölln“ eine Firmengeschichte geschrieben hat. Die Autoren Matthias Georgi und Benjamin Geissert erzählen die Geschichte in dem Buch „100 Jahre für den Film“ ausführlicher und führen sie bis in die Gegenwart fort. Die Umstellung auf Digitalisierung spielt dabei eine große Rolle. Mit umfangreichen Quellenangaben und vielen Abbildungen. Die Lektüre ist nicht nur für Filmtechniker ein Gewinn.

Romy Schneider-Ausstellung in Bonn

In der Bundeskunsthalle in Bonn wird heute – mit Blick auf ihren 30. Todestag am 29. Mai – eine Romy Schneider-Ausstellung eröffnet. Bilder aus Filmen, Zeitschriften und Romys Privatleben werden mit Filmausschnitten kombiniert. Medieninstallationen zeigen das Wechselspiel zwischen Projektion und aktiver Selbstinszenierung. Zudem präsentiert die Ausstellung zahlreiche Plakate, Kostüme, Briefe, Fanartikel und Fotos von Romy Schneider, ihren Filmpartnern und ihrer Familie. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinemathek statt. Mehr zur Ausstellung: htm?ausstellungen/index.htm

Papas Kino im Zeughaus

13 westdeutsche Filme aus den späten 1950er und den frühen 1960er Jahren zeigt das Zeughauskino in den nächsten Wochen und fragt 50 Jahre nach dem Oberhausener Manifest, ob die Filme von „Papas Kino“ denn allesamt so uninspiriert und unengagiert waren, dass man sie einfach vergessen sollte. Die Auswahl mit Titeln von Siodmak, Käutner, Tressler, Staudte und Tremper ist gut. Richtig originell: ein 60-Minuten- Film von Rolf G. Schünzel: MÜNCHEN – TAGEBUCH EINES STUDENTEN aus dem Jahr 1962. Offenbar stand Roland Klick hinter der Kamera. Also schon ein bisschen Neuer deutscher Film. Mehr zum Programm: www.dhm.de/kino/papas_kino_2012_april_mai.html

Preußen

Im Deutschen Historischen Museum ist inzwischen die Ausstellung „Friedrich der Große, verehrt, verklärt, verdammt“ zu sehen. Da kann man gern noch einmal auf die intelligente Publikation des Filmmuseums Potsdam hinweisen: „Preußen aus Celluloid“, herausgegeben von Annette Dorgerloh und Marcus Becker im Jaron Verlag. Andreas Kilb schreibt über Friedrich als Heldenfigur in den Filmen der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Guido Altendorf über Friedrich als Komödienfigur, Michael Gebühr über seinen Vater Otto, den bekanntesten Friedrich-Darsteller, Annette Dorgerloh und Marcus Becker über Filmräume und Szenografien des Preußenkönigs, Hubertus Fischer über Blicke und Großaufnahmen, Anett Werner über den Schriftsteller Walter von Molo (Autor des Friedrich-Films von 1936) und Kathrin Nachtigall über Frideriziana im Historienfilm. Viele gut gedruckte Abbildungen. Mehr über das Buch: Products/978-3-89773-681-8

„The Archers“ im Arsenal

Sie waren ein geniales Autoren-Regie-Produzenten-Gespann: Michael Powell und Emeric Pressburger. Ihre Firma hieß „The Archers“. Im Berliner Kino Arsenal sind im April zehn Filme von ihnen aus den 1940er und 50er Jahren zu sehen, darunter Black Narcissus, THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP (wird in einer restaurierten Fassung in digitaler Form gezeigt) und A MATTER OF LIFE AND DEATH. Michael Powell (1905-1990) hat eine zwei-bändige Autobiografie geschrieben, von der Zusammenarbeit mit Pressburger handelt vor allem der zweite Teil, „Million Dollar Movie“ (Heinemann/Random House 1992). Über Pressburger (1902-1988) gibt es ein sehr informatives Buch von seinem Enkelsohn Kevin Macdonald: „Emeric Pressburger. The Life and Death of a Screenwriter“ (faber and faber 1994). Mehr zum Programm:  filmreihe/article/3328/2796.html In der taz hat Helmut Merker einen schönen Text über Powell-Pressburger publiziert:  Hash=8607fe8e43

Lexikon des Internationalen Films

Mit großer Verlässlichkeit erscheint jeweils Ende März der Rückblick auf das vergangene Filmjahr, in lexikalischer Form, heraus-gegeben von Horst Peter Koll und Hans Messias. Mehr als 2.000  Titel sind wieder mit Kurztext und filmografischen Daten erfasst. Es gibt wie immer eine Jahres-chronik und diesmal einen speziellen Schwerpunkt zum Kinder- und Jugendfilm. Seit nun schon acht Jahren enthält das Lexikon ein Dossier des Verbandes der Deutschen Filmkritik, in diesem Jahr zum Thema Berlinale, aber sehr auf das Festival des Jahres 2011 bezogen.  Mehr über das Lexikon: www.schueren-verlag.de/paymate/search.php?vid=2&aid=3219

Das unsichtbare Mädchen

In Büchern kann man Filmgeschichte beschreiben und analysieren, in Filmen kann man mit ihr spielen. Das tut Dominik Graf in seinem Film DAS UNSICHTBARE MÄDCHEN, der heute Abend auf Arte zu sehen ist. Fritz Göttler erkennt darin einen „fränkischen film noir“, empfindet einen Drive wie bei Sam Fuller und Robert Aldrich (schöner Text heute in der SZ: moerderische-grenzland-erfahrung-1.1322198). Graf erzählt in seinem Film (Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung) die Geschichte eines scheinbar aufgeklärten Mordfalles, der nach elf Jahren von zwei ruhelosen Kommissaren neu verfolgt wird. Spannend und unbedingt sehenswert, mit oder ohne filmhistorischen Subtext. Mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen und Ronald Zehrfeld, dem Mann aus BARBARA. Mehr zum Film: m-dchen/eid_287247575151559

Andrej Tarkowskij

Am kommenden 4. April wäre Andrej Tarkowskij 80 Jahre alt geworden. Das RBB-Kulturradio nimmt den runden Geburtstag zum Anlass, heute um 19.04 mit einer Sendung von Doris Liebermann und Natan Fedorowski an den Regisseur zu erinnern. Eines der seltenen Interviews mit ihm ist Teil der Sendung. Und immer wieder lesenswert finde ich das Buch „Die versiegelte Zeit“, das 2009 im Alexander Verlag erschienen ist. Mit einem Vorwort von Dominik Graf. Mehr über das Buch: programm/titel/80-Die_versiegelte_Zeit.html

Helden

Im Museum für Film und Fernsehen in Berlin wird heute die Ausstellung „Helden“ eröffnet, die vor allem für Kinder gedacht ist. Die Kuratorin Gerlinde Waz hat mit dieser Zielgruppe gute Erfahrungen gemacht (man denke zurück an: Im Dschungel, Wasser-welten, Auf heißen Spuren). Diesmal geht es um Helden, die es im Kino, im Fernsehen, im Computerspiel und in der Realität gibt. Die Heldenreise führt nach Indien, Japan, Schweden und Amerika. Und in einer speziellen Werkstatt kann man sehen, wie Helden gemacht werden.

Hans-Dieter Grabe

Am 6. März ist der Dokumentarist Hans-Dieter Grabe 75 Jahre alt geworden. Er gehört zu den Großen seiner Zunft. Vierzig Jahre hat er beim ZDF in die deutsche und internationale Geschichte zurückgeblickt, mit Porträts, die uns informiert und bewegt haben. Die Filme NUR LEICHTE KÄMPFE IM RAUM DA NANG (1970), Hiroshima, Nagasaki – Atombombenopfer sagen aus (1985) und Er nannte sich Hohenstein (1994) werde ich nie vergessen. 13 Filme von Hans-Dieter sind jetzt, herausgegeben von Peter Paul Kubitz, in einer DVD-Box erschienen. Sie beansprucht einen festen Platz neben der Box von Klaus Wildenhahn. Mehr über die DVDs: www.absolutmedien.de/film-1459. In der Akademie der Künste gibt es am 18. April eine Veranstaltung mit Hans Dieter Grabe. Mehr dazu: aktuell/veranstaltungen/index.htm?we_objectID=30741