Untergang der Titanic

Seit Wochen werden wir auf das Jubiläum eingestimmt: heute vor 100 Jahren ist die Titanic untergegangen. In vielen Kinos läuft Camerons Film in 3D. An verschiedenen Orten sind Spezialveranstaltungen ange-kündigt. Im Fernsehen gibt es jede Menge Dokumentationen. Und auch die Film-literatur leistet einen originalen Beitrag: im Verlag edition text + kritik ist soeben ein Buch von Michael Wedel erschienen. Es heißt „Kollision im Kino“ und stellt zwei Mythen in den Mittelpunkt: den frühen deutschen Film TITANIC – IN NACHT UND EIS aus dem Jahr 1912, der lange als verschollen galt und jetzt wieder zugänglich ist, und den Regisseur dieses Films, den Rumänen Mime Misou, über den fast gar nichts bekannt war. Er hat als Regisseur und Darsteller bis 1914 fünf kurze und mittellange Filme gedreht, in den folgenden Jahren in Holland und den USA gelebt und sich 1921 aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Wedels Buch, gut recherchiert, ist ein eigenständiger Beitrag zum Untergangsjahr. Mehr zum Buch: neu_werke_default_film

Retrospektive Suzuki Seijun

Heute ist Freitag, der 13. Da sollte man vielleicht auf irgendeine verrückte, Glücks-gefühle auslösende Horrorveranstaltung hinweisen. Es bietet sich eine Retrospektive des japanischen Genreregisseurs Suzuki Seijun (*1923) an. 23 Filme, darunter viele bei uns unbekannte Werke des Regisseurs, sind seit gestern im Österreichischen Filmmuseum in Wien zu sehen. Sie sollen dank der Unterstützung japanischer Kulturinstitutionen demnächst auch in anderen Städten in Europa zu sehen sein. Mehr über den Regisseur und das Programm: 6459467&reserve-mode=active

LOLA Festival

Die Verleihung des Deutschen Filmpreises (27. April) wird von der Deutschen Filmakademie gut vorbereitet. So findet ab heute in Berlin an vier Tagen in der Astor Filmlounge das „LOLA Festival“ statt, bei dem alle nominierten Filme zu sehen sind und in vier Gesprächen nominierte Regisseure (heute), Schau-spielerinnen und Schauspieler (morgen), Editoren (Samstag) und Sounddesigner (Sonntag) ihre „Visionen“ von ihren Berufen und vielleicht auch vom deutschen Film vermitteln werden.

Konrad Wolf-Retrospektive

Im Toni in Weißensee und im Kino am Bundesplatz findet ab morgen eine Retro-spektive mit 13 Filmen des Regisseurs Konrad Wolf und einem Dokumentarfilm über ihn statt. Am 7. März war sein 30. Todestag. Aber es gibt, jenseits der Jahrestage, immer gute Gründe, an wichtige Filme und Regisseure zu erinnern. Wolf war einer der ganz Großen. Gezeigt werden u.a. GENESUNG, LISSY, SONNENSUCHER, STERNE, PROFESSOR MAMLOCK, DER GETEILTE HIMMEL, ICH WAR NEUNZEHN, GOYA, DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ und SOLO SUNNY. Die Vorführungen sind in beiden Kinos mit Gesprächen verbunden. Mehr zum Programm: KWolf-Filmtermine.PDF Im Tagesspiegel hat Silvia Hallensleben einen schönen Text über die Wolf -Retro geschrieben:  ein-deutscher-sozialist/6486858.html

Berliner Musik-Film-Marathon

Heute wird das zweite „Berliner Musik-Film-Marathon“ eröffnet. Es findet in diesem Jahr im Kino des Martin-Gropius-Baus statt, weil die „Kurbel“ inzwischen geschlossen wurde. Die Kuratorin Helma Schleif hat ein interessantes Programm zusammengestellt. Ihre Programmatik: „Im Begriff des Musikfilms – per se eine hybride Gattung – west mehr, als das Wort verrät. Filme, wie wir sie verstehen, wollen den Zuschauer weder überwältigen noch manipulieren. Sie sind authentisch, ehrlich, inkorrupt. Es sind daher Filme, die nicht altern. Und sie zeigen, dass es überall auf der Welt hochkarätige Künstlerinnen und Künstler gibt, RegisseurInnen, AutorInnen und KomponistInnen, die bemüht sind, musikalische Inhalte und Film kongenial miteinander zu verschmelzen, d.h. mitunter, sie zu kontrapunktieren.“ Zu den Gästen gehören: der Filmemacher Frank Behnke, der Musikologe Albrecht Dümling, der Komponist Fuzzy, der Filmemacher Theo Janssen, die Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch, der Regisseur Hugo Niebeling, der Komponist Dieter Schnebel und der Autor und Filmemacher Christian Braad Thomsen. Das Programm: www.musik-film-marathon.de/

Festival FilmPOLSKA

Morgen beginnt in Berlin das 7. Festival des polnischen Films. Gezeigt werden mehr als 100 Filme in Berlin und Potsdam: aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme, Kurzfilme, und es gibt auch eine Retrospektive, kuratiert von Angela Haardt; sie ist dem Regisseur Grzegorz Królikiewicz gewidmet. Spielorte sind das Kino in den Hackeschen Höfen, das Kant-Kino, das Kino Arsenal, das Zeughauskino, das Filmmuseum Potsdam, das FSK und der Filmclub K18. Mehr zum Programm: http://filmpolska.de/index.php?navi=002

Vive le Cinéma

Am heutigen Ostermontag findet auf 3sat wieder einer der berühmten Thementage statt. Diesmal geht es um das französische Kino: 15 Filme aus 50 Jahren in 24 Stunden. Es hat um 6.10 Uhr begonnen mit L’HOMME ORCHESTRE (1969) von Serge Korber und endet morgen früh zwischen halb vier und halb sechs mit Godards PIERROT LE FOU (1965). Zu den 15 Filmen gehören CARTOUCHE (1961) von Philippe de Broca (10.30 Uhr),  L’Équipier (2004) von Philippe Lioret (18.35, Foto: Sandrine Bonnaire), LA VIE EN ROSE (2007) von Olivier Dahan (20.15), LE DOULOS (1962) von Jean-Pierre Melville (0.10) und PLEIN SOLEIL (1959) von René Clément (1.45). Manchmal beweist 3sat wirklich, dass er ein mutiger Kulturkanal ist. Mehr zum Programm: ClnDaN09&cx=63

Märchen im Film

Frohe Ostern!

Ich nutze den Feiertag für den Hinweis auf ein besonderes Buch, das im vergangenen Jahr bei Routledge in New York und London erschienen ist und auf das ich von einer Freundin aufmerksam gemacht wurde. Der Autor Jack Zipes ist emeritierter Professor für Germanistik und Vergleichende Literatur-wissenschaft in Minnesota. Er hat sich über Jahrzehnte mit dem Märchen als litera-rischer Gattung beschäftigt und nun so etwas wie ein definitives Buch über Märchenfilme geschrieben: „The Enchanted Screen. The Unknown History of Fairy-Tale Films“ (436 S., viele Abbildungen). Im ersten Teil wird im Überblick die Geschichte des Märchenfilms erzählt, beginnend mit dem Franzosen Georges Méliès. Im zweiten Teil geht es um die Verfilmungen einzelner Märchen: Schneewittchen, Rotkäppchen, Blaubart, Aschenputtel. Eigene Kapitel sind dem Tierbräutigam und den Märchen von Hans Christian Andersen gewidmet. Im dritten Teil werden die unterschiedlichen Verfilmungen von „Der Zauberer von Oz“, „Pinocchio“, „Alice im Wunderland“ und „Peter Pan“ analysiert; ein separater Text ist den Märchenfilmen der CSSR und der DDR vorbehalten; und am Ende rücken Filme der vergangenen zwanzig Jahre ins Zentrum. Mit 144 Verfilmungen steht übrigens „Aschenputtel“ an der Spitze aller Titel. Die Analysen von Zipes sind sehr konkret und nachvollziehbar, sie berücksichtigen psychologische und soziologische Aspekte. Natürlich spielt auch Walt Disney eine zentrale Rolle. Die Filmografie im Anhang, klug strukturiert, nennt 1.935 Titel. Eine Verbeugung nach Minnesota. Mehr zum Buch: www.routledge.com/books/details/9780415990615/

Rainer Werner Fassbinder

Der 30. Todestag von Rainer Werner Fassbinder wirft seine Schatten voraus. Im Münchner Filmmuseum ist in den nächsten Wochen eine Filmreihe zu sehen, die die Verbindung zwischen RWF und der Stadt München in Erinnerung ruft. Zwölf Filme stehen, jeweils dienstags, auf dem Programm.

Thomas Mauch

Seit über fünfzig Jahren steht er hinter der Kamera. Er hat den Neuen deutschen Film mitgeprägt und ist soeben 75 Jahre alt geworden. Das Filmmuseum Düsseldorf widmet Thomas Mauch deshalb im April eine kleine Retrospektive. Und am 14. moderiert der Museumsdirektor Bernd Desinger ein Gespräch zwischen Mauch und dem Regisseur Christian Wagner, mit dem er eng zusammengearbeitet hat.