Töne der Angst

Es gab den Horror schon im Stummfilm, aber der Ton hat ihm eine wichtige zusätzliche Wirkungskraft verliehen. Das Buch von Frank Hentschel untersucht analytisch die „Töne der Angst“. Es geht um Musik und Geräusche, um Atonalität und Elektronik, um Geistliche Musik, Kinderlieder und Spiel-uhren. Kluge Gedanken zu Filmen wie THE BIRDS, THE SHINING, CANDYMAN und THE INNOCENTS. Im Mittelpunkt stehen die 1960er und 70er Jahre. Mit vielen Abbildun-gen in guter Qualität, einem Glossar, einem umfangreichen Literatur-verzeichnis und einer beigelegten DVD, die mit Filmausschnitten die Analysen konkretisiert. Mehr Informationen: http://www.bertz-fischer.de/toenederangst.html

Margarethe von Trotta

Im Münchner Filmmuseum findet zurzeit eine Margarethe von Trotta-Retrospektive statt. Gezeigt werden bis zum 26. Februar ihre 21 Regiefilme und das Porträt DIE NEUGIER IMMER WEITER TREIBEN von Peter Buchka (1995).  Sie hat im Dezember ihren Hannah Arendt-Film mit Barbara Sukowa abgedreht. Noch immer lesenswert ist das Buch von Thilo Wydra: Margarethe von Trotta – Filmen, um zu überleben (Berlin: Henschel 2000), auch wenn ihre letzten Filme darin fehlen. Mehr zur Retrospektive: www.stadtmuseum-online.de/aktuell/trotta.pdf

Die Lust am Genre

Im Oktober 2010 fand im Berliner Museum für Film und Fernsehen ein Symposium der Deutschen Kinemathek über Tradition und Erneuerung des Thrillers aus Deutschland statt. Sieben zum Teil überarbeitete Referate und sieben „Fallbeispiele“ sind jetzt, heraus-gegeben von Rainer Rother und Julia Pattis, in einem Buch nachzulesen (Verlag Bertz + Fischer, 224 S., 19,90 €). Unter den Autoren findet man Jan Distelmeyer, Britta Hart-mann, Andreas Kilb, Stefan Pethke, Ralf Schenk, Chris Wahl, Michael Wedel. Malte Hagener klärt zu Beginn den Begriff „Genre“ und Hans-Christoph Blumenberg fordert „Gerechtigkeit für Gerd Oswald“. Mehr über das Buch unter fd1086b21

Forry Ackermans Leben

Er war einer der verrücktesten Sammler, die ich kennengelernt habe: 1984 bei einer Amerikareise mit Rolf Giesen, zur Vorbe-reitung einer Special-Effects-Ausstellung der Kinemathek im Kaufhaus Wertheim am Kurfürstendamm und einer Retrospektive der Berlinale. In seinem Haus in Hollywood verwahrte er – unterstützt von einem Assistenten – geschätzt 200.000 Exponate aus der Geschichte des Sci-fi- und Horror-films. Er war KING KONG- und METROPO-LIS-süchtig. Was auch immer er uns zeigte – Masken, Helme, Minia-turen, Zeichnungen, Produktionsentwürfe – , es glitzerte in seinen Augen. 1985 kam er zur Ausstellungseröffnung nach Berlin. Er war mit Vincent Price, Ray Harryhausen und Ray Bradbury befreundet. 2008 ist Forrest J Ackerman im Alter von 92 Jahren in Los Angeles gestorben. Deborah Painter hat eine schöne Biografie über ihn geschrieben, erschienen bei McFarland and Company, Jefferson, N.Y. (224 S., viele Bilder). Eve LeQuinu hat eine zugeneigt-kritische Rezension publiziert: ForryAckerman.html

Filmbuch des Jahres

Das Jahr geht zu Ende. Ich habe meine zwölf Filmbücher des Monats vorgestellt. Nun muss ich entscheiden, welches davon das „Filmbuch des Jahres“ werden soll. Ich habe drei Kandidaten: die Autobiografie von Werner Schroeter, aufgeschrieben von Claudia Lenssen (April), „Filmhochschulen in Deutschland“ von Peter Slansky (Juli) und „Floating Food“ von Ulrike Ottinger (Okto-ber). Meine Wahl fällt auf das Buch von Peter Slansky, weil es ein solches Stück Grund-lagenliteratur bisher nicht gab und die jahrelangen Recherchen des Münchner HFF-Professors vorbildlich sind. Ein beeindruckendes  Buch! Mehr unter  www.hhprinzler.de/filmbuecher/filmhochschulen-in-deutschland/

Filmkonzepte: Max Ophüls

Seit sechs Jahren gibt es die Reihe „Film-Konzepte“, herausgegeben von Thomas Koebner und Fabienne Liptay in der edition text + kritik, alle drei Monate erscheint ein Band. Folgerichtig liegt jetzt der Band 24 vor, von Ronny Loewy als Gast-herausgeber betreut. Er ist Max Ophüls gewidmet. Sein Werk wird in vier klugen Texten erschlossen: Verena Lueken schreibt über die frühen Jahre in Deutschland, Fritz Göttler über die 1930er, Lutz Bacher über die Erfahrungen in Hollywood und Martina Müller über die 1950er. Angefügt ist eine kurze Biografie (Loewy). Das Titelfoto stammt aus dem wunderschönen Film LIEBELEI (1933).

Frohe Weihnachten

Frohe Weihnachten! Vielleicht liegt ja auch das eine oder andere Filmbuch auf dem Gabentisch oder unterm Baum. Und wer über die schönsten Weihnachts-motive im Film nach-denkt, sollte unbedingt den Text von Anke Sterneborg zu Rate ziehen: „Zauber und Realität. Wie das Kino Weihnachten feiert“, erschienen vor 23 Jahren im Tagesspiegel. Leider steht er nicht im Netz. Deshalb bekommt unsere Freundin Anke heute eine Autorenpräsenz auf dieser Website:  www.hhprinzler.de/2011/12/zauber-und-realitat/. Die Bilder wurden aktuell hinzugefügt.

Letzter Spieltag in der Kurbel

Die letzte Vorstellung war ausver-kauft. 346 Zuschauer haben sich heute in der Berliner Kurbel in der Giese-brechtstraße den Film VOM WINDE VERWEHT angeschaut und Abschied genommen von ihrem Kiezkino, das nun geschlossen ist. Der Rettungs-versuch ist zunächst einmal gescheitert. Auch ganz persönlich ist das mit Trauer verbunden: in den 25 Jahren, die wir in der Sybelstraße gewohnt haben, war die Kurbel unser Stammkino. Und ich habe dort im April 1954 GONE WITH THE WIND gesehen, der zweieinhalb Jahre nur in diesem Kino lief.

Schlöndorff-Buch bei Vorwerk 8

Der Germanist Hans-Bernhard Moeller (University of Texas, Austin) und der Kommunikationswissenschaftler George Lellis (Coke College, South Carolina) haben 2002 bei der Southern Illinois University Press ein Buch über Volker Schlöndorff publiziert, das jetzt revidiert und erweitert seinen Weg nach Deutschland gefunden hat und bei Vorwerk 8 erschienen ist (422 S., 24 €). Die Film-für-Film-Analyse ist profund, es kommen nicht nur die speziellen Qualitäten des „Literaturverfilmers“ zur Sprache, auch die Kontexte des Neuen Deutschen Films der 1960er und 70er Jahre werden thematisiert. Grenzwertig ist die Papierqualität im Hinblick auf die Fotos. – Demnächst können wir Schlöndorffs neuesten Film sehen, den er in diesem Frühjahr in Frankreich gedreht hat: DAS MEER AM MORGEN, produziert für Arte, eine Geschichte aus der deutschen Besatzungszeit in Frankreich.

Am Set – zwei Ausstellungen

Seit heute sind im Berliner Museum für Film und Fernsehen zwei Ausstellungen unter dem Titel „Am Set“ zu sehen. Die eine, große, heißt „Paris – Babelsberg – Hollywood, 1910 bis 1939“, ist der engen Kooperation zwischen der Cinémathèque française und der Deutschen Kinemathek zu verdanken und zeigt Werkfotos aus drei Jahrzehnten Filmgeschichte in klassischer Zeit. Die andere, etwas kleinere heißt „Berlin – Babelsberg, heute“, entstand in Zusammenarbeit mit dem Studio und ist eine Gratulation zum 100. Geburtstag im kommenden Februar. Die Ausstellungen sind bis zum 29. April 2012, also auch während der Berlinale, zu sehen. Der Katalog „Tournages“ ist eine Übernahme aus Paris mit einem Einleger, der die französischen Texte auf Deutsch erschließt. Grußwort von Martin Scorsese, Vorwort von Costa-Gavras. (Paris: Le Passage Paris-New York Editions 2010, 216 S.). Christian Schröder hat die Ausstellung im Tagesspiegel rezensiert:  www.tagesspiegel.de/kultur/kinogeschichte-wer-im-glashaus-schwitzt/5976538.html