Du: Clint Eastwood

Es gibt sie noch immer: die Schweizer Kulturzeitschrift Du. Sie erscheint monatlich mit einem Schwerpunktthema. Im März 2012, es handelt sich um das Heft 824, geht es um den großen Clint Eastwood. Auf 80 Seiten wird er mit Texten und Fotos gewürdigt. Der sehr lesenswerte Haupt-aufsatz stammt von Tobias Kniebe („Abgezockt und erleuchtet: Triumphzug eines coolen Pragmatisten“). Das Heft enthält  Beiträge von Barbara Vinken (über das Gute, das Böse und die Frauen), Leonardo DiCaprio (über Eastwoods Umgang mit Schauspielern), Nathalie Wepper (eine persönliche Begegnung), Martin Heller (über die „Eastwood-Methode“), Martin Walder (wo steht Clint Eastwood politisch?) und Christoph Feilman (Eastwood und die Musik), ein Gespräch von Jean-Paul Chaillet mit CE und eine Filmografie. Viele Fotos. Mehr zum Heft: www.du-magazin.com/  Thema im April: L.A.

Erinnerungen an den Holocaust

„Welchen der Steine du hebst. Filmische Erinnerungen an den Holocaust“ heißt ein Buch, herausgegeben von Claudia Bruns, Asal Dardan und Anette Dietrich, erschienen im Verlag Bertz + Fischer (368 S., 29,90 €). In 23 Texten geht es um filmische Narra-tionen im Generationengedächtnis, Authentizität und Fiktion im Dokumentar-film, Leerstellen der Erinnerung, Grenzen von Geschlecht und Geschmack, Grenzgänge zwischen Humor, Satire und Lüge, Transfer von Ikonografien und Narrationen. Meist wird dies an einzelnen Filmbeispielen dargestellt. Zu den Autorinnen und Autoren gehören Heike Klippel, Daniel Kothenschute, Hanno Loewy, Ronny Loewy, Claus Löser, Marcus Stiglegger und Michael Wildt. Das Buch wird heute in einer Veranstaltung des Jüdischen Museums in Berlin vorgestellt. Mehr über das Buch: welchendersteine.html

Walter Lassally

2005 erhielt der Engländer Walter Lassally (*1926) den Marburger Kamerapreis. Er war in den 1960er Jahren eine Schlüsselfigur des englischen Free Cinema, hat mit Lindsay Anderson und Tony Richardson zusammen-gearbeitet. Für ALEXIS SORBAS bekam er 1966 einen Oscar. Für Hans Noever foto-grafierte er DIE FRAU GEGENÜBER (1979) und DER PREIS FÜRS ÜBERLEBEN (1980), für Thomas Brasch ENGEL AUS EISEN (1981). Im Schüren Verlag ist jetzt ein Buch über ihn erschienen (192 S., 19,90 €). Mit Beiträgen von Axel Block, Andreas Kirchner, Angela Krewani, Gerhard Midding, Hans Noever, Karl Prümm und Lassally selbst.

50 Jahre Oberhausen

Heute vor fünfzig Jahren wurde in Ober-hausen im Rahmen der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage ein Manifest verlesen, das den Aufbruch des Neuen Deutschen Films einleitete. Zu den 26 Unterzeichnern (es war keine Frau dabei) gehörten Christian Doermer, Bernhard Dörries, Rob Houwer, Alexander Kluge, Dieter Lemmel, Hans-Jürgen Pohland, Edgar Reitz, Haro Senft, Franz-Josef Spieker, Hans Rolf Strobel, Heinz Tichawsky, Wolfgang Urchs und Herbert Vesely. 1982 erhielt die „Oberhausener Gruppe“ den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises. 14 von ihnen sind inzwischen nicht mehr am Leben. Im Münchner Filmmuseum fand gestern ein Festakt statt, zu dem Bernhard Dörries, Rob Houwer, Alexander Kluge, Dieter Lemmel, Hansjürgen Pohland, Edgar Reitz und Wolfgang Urchs erwartet wurden. Heute gibt es eine Diskussionsveranstaltung in der Münchner HFF. Mehr zum Oberhausener Manifest und zum Festakt: www.stadtmuseum-online.de/aktuell/progheft22.pdf. Die Kurzfilmtage haben zum Jubiläum eine eigene Website eingerichtet:  www.oberhausener-manifest.com/

Emigranten-Lexikon

Der Hamburger Kunsthistoriker und  Filmexperte Kay Weniger (*1954) ist ein fleißiger Rechercheur. 2001 publizierte er das achtbändige „Große Personenlexikon des deutschen Films“, kürzlich ist sein Lexikon der 1933 bis 1945 aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden erschienen. Der Titel „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben…“ zitiert ein Lied des Sängers Joseph Schmidt. Wenigers Buch (ACABUS Verlag Hamburg, 683 S., 64,90 €) enthält 575 Biografien von Filmkünstlern und Mitarbeitern, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen vor den Nazis fliehen mussten. Darunter befinden sich auch viele Namen, über die man wenig weiß. Daten und Fakten wirken gut recherchiert, es werden Irrtümer korrigiert und biografische Lücken ergänzt. Neu war für mich, dass Fred Zinnemann nicht – wie von ihm behauptet – in Wien geboren wurde, sondern im heute polnischen Rzeszow. In einem umfangreichen Vorwort stellt der Autor seine Arbeit in den Zusammenhang der NS-Filmpolitik und der daraus folgenden Konsequenz für Einzelschicksale. Mehr über das Buch: 9783862820498.htm

Margarethe von Trotta 70

Die deutsche Regisseurin Margarethe von Trotta wird heute 70 Jahre alt. Seit 35 Jahren steht sie hinter der Kamera, nachdem sie dem Neuen Deutschen Film zehn Jahre als Schauspielerin gedient hatte. Im Mittelpunkt ihrer Filme stehen meist Frauen, die sich mutig und emanzipativ in ihrem Lebens-bereich exponieren. Zu ihren wichtigsten Filmen gehören DIE BLEIERNE ZEIT, ROSA LUXEMBURG und ROSENSTRASSE. Demnächst werden wir ihr neues Biopic HANNAH AHRENDT sehen. Oft – wie auch in diesem Film – ist Barbara Sukowa ihre Hauptdarstellerin. Ich habe zu Margarethes Geburtstag einen Text für die Süddeutsche Zeitung geschrieben:  www.hhprinzler.de/2012/02/an-den-grenzen-der-visionen/

Medialer Aufbruch

„Die innovativen Jahre von Fernsehen und Film in Hamburg 1962 bis 1969“ werden im Rahmen einer Tagung der Universität Hamburg (Department Sprache Literatur Medien) unter Leitung von Joan Kristin Bleicher und Hans-Ulrich Wagner thematisiert. Es geht um Kurzfilm, Spielfilm, experimentellen Animationsfilm und Dokumentarfilm, um Helmut Herbst und Franz Winzentsen (beide sind zu Gast), um Egon Monk, Peter von Zahn, Klaus Wildenhahn und Eberhard Fechner – und natürlich auch um den NDR. Es referieren u.a. Dagmar Brunow, Kay Hoffmann, Knut Hicketier, Judith Keilbach, Julia Schumacher und Andreas Stuhlmann. Mehr zum Programm: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=18240

The Cinema of Transgression

YOU KILLED ME FIRST hieß 1985 ein 11-Minuten-Film von Richard Kern. Er gehörte zur Produktion einer Undergroundgruppe, die in den 1980er Jahren in der New Yorker Lower East Side auf Kollisionskurs mit der amerikanischen Gesellschaft ging und in Low Budget-Filmen Kriminalität, Brutalität, Drogenkonsum und Exzesse darstellte. Beispiele des „Cinema of Transgression“ werden ab 19. Februar erstmals in einer Ausstellung in den „KW Institute for Contemporary Art“ in der Berliner Auguststraße gezeigt. Zu den Filmemachern gehörten Karen Finley, Lydia Lunch, Casandra Stark, Mele, Tommy Turner, David Wojnarowicz, Nick Zedd. Bert Rebhandl über die Ausstellung im tip: www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-kunst-und-museen/you-killed-me-first-den-kunst-werken

Filme der 2000er

Dies ist der neunte Band der internationalen Filmgeschichte in Dekaden, beginnend mit den 1920ern. Herausgeber der Reihe ist der Dresdner Kunstwissenschafler Jürgen Müller. Jetzt geht es bereits um die ersten zehn  Jahre dieses Jahrhunderts. 139 Filme werden mit Fotos, Texten und Plakaten in Erinnerung gerufen. Darunter sind fünf deutsche Filme: GOOD BYE, LENIN, GEGEN DIE WAND, DAS LEBEN DER ANDEREN, DER BAADER-MEINHOF-KOMPLEX und DAS WEISSE BAND. Dass auf dem Cover noch einmal AVATAR in die Welt blickt, hat eine Logik. Die schwarze Seitengrundierung mit weißer Schrift gibt den Fotos eine spezielle Brillanz. Die Texte zu den Filmen, Personen und film-technischen Begriffen stammen u.a. von Philipp Bühler, Malte Hagener, Lars Penning und Burkhard Röwekamp. Mehr zum Buch: catalogue/film/all/04430/facts.filme_der_2000er.htm

Babelsberg-Storys

Ein alternatives Buch zum 100. Geburtstag von Babelsberg. Thomas Knauf (*1951) war in den 1980er Jahren festangestellter Szenarist bei der DEFA. Von ihm stammen die Drehbücher zu Michael Gwisdeks TREFFEN IN TRAVERS (1988), Peter Kahanes DIE ARCHITEKTEN (1990) und Roland Gräfs DIE SPUR DES BERNSTEIN-ZIMMERS (1992). Nach der deutschen Einigung verbrachte er fünf Jahre in New York, aber mit einer Hollywood-Karriere hat es nicht geklappt. Inzwischen lebt er wieder in Berlin. In diesem Buch erzählt er 32 Geschichten, die sich mit Babelsberg und mit dem Drehbuchschreiben verbinden: Erlebnisse, Reflexionen, Anekdoten. Im Sinne des von ihm verehrten F. Scott Fitzgerald und dessen Romanfigur Pat Hobby. Eingefügt sind 44 Regeln für junge Drehbuchautoren. erschienen&start=