Letzter Spieltag in der Kurbel

Die letzte Vorstellung war ausver-kauft. 346 Zuschauer haben sich heute in der Berliner Kurbel in der Giese-brechtstraße den Film VOM WINDE VERWEHT angeschaut und Abschied genommen von ihrem Kiezkino, das nun geschlossen ist. Der Rettungs-versuch ist zunächst einmal gescheitert. Auch ganz persönlich ist das mit Trauer verbunden: in den 25 Jahren, die wir in der Sybelstraße gewohnt haben, war die Kurbel unser Stammkino. Und ich habe dort im April 1954 GONE WITH THE WIND gesehen, der zweieinhalb Jahre nur in diesem Kino lief.

Schlöndorff-Buch bei Vorwerk 8

Der Germanist Hans-Bernhard Moeller (University of Texas, Austin) und der Kommunikationswissenschaftler George Lellis (Coke College, South Carolina) haben 2002 bei der Southern Illinois University Press ein Buch über Volker Schlöndorff publiziert, das jetzt revidiert und erweitert seinen Weg nach Deutschland gefunden hat und bei Vorwerk 8 erschienen ist (422 S., 24 €). Die Film-für-Film-Analyse ist profund, es kommen nicht nur die speziellen Qualitäten des „Literaturverfilmers“ zur Sprache, auch die Kontexte des Neuen Deutschen Films der 1960er und 70er Jahre werden thematisiert. Grenzwertig ist die Papierqualität im Hinblick auf die Fotos. – Demnächst können wir Schlöndorffs neuesten Film sehen, den er in diesem Frühjahr in Frankreich gedreht hat: DAS MEER AM MORGEN, produziert für Arte, eine Geschichte aus der deutschen Besatzungszeit in Frankreich.

Am Set – zwei Ausstellungen

Seit heute sind im Berliner Museum für Film und Fernsehen zwei Ausstellungen unter dem Titel „Am Set“ zu sehen. Die eine, große, heißt „Paris – Babelsberg – Hollywood, 1910 bis 1939“, ist der engen Kooperation zwischen der Cinémathèque française und der Deutschen Kinemathek zu verdanken und zeigt Werkfotos aus drei Jahrzehnten Filmgeschichte in klassischer Zeit. Die andere, etwas kleinere heißt „Berlin – Babelsberg, heute“, entstand in Zusammenarbeit mit dem Studio und ist eine Gratulation zum 100. Geburtstag im kommenden Februar. Die Ausstellungen sind bis zum 29. April 2012, also auch während der Berlinale, zu sehen. Der Katalog „Tournages“ ist eine Übernahme aus Paris mit einem Einleger, der die französischen Texte auf Deutsch erschließt. Grußwort von Martin Scorsese, Vorwort von Costa-Gavras. (Paris: Le Passage Paris-New York Editions 2010, 216 S.). Christian Schröder hat die Ausstellung im Tagesspiegel rezensiert:  www.tagesspiegel.de/kultur/kinogeschichte-wer-im-glashaus-schwitzt/5976538.html

Die Filme von Nanni Moretti

In den deutschen Kinos kann man zurzeit seinen Film HABEMUS PAPAM sehen. Da trifft es sich gut, dass gerade ein Buch erschienen ist, das sich intensiv mit dem bisherigen Gesamtwerk des Regisseurs auseinandersetzt: „Die Filme von Nanni Moretti“ (Schüren Verlag, 392 S., 29,90 €). Die Autorin Charlotte Lorber stellt den Blick auf Raum und Zeit in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung, mit der sie, betreut von Heinz-B. Heller, in Marburg promoviert hat. Die zehn Filmanalysen (HABEMUS PAPAM ist noch nicht dabei) sind gut strukturiert, erschließen die italienische Sekundärliteratur und charakterisieren sehr konkret Morettis Stil als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller. 335 Screenshots begleiten den Text.

Richard Blank in der Akademie der Künste

Der Autor und Regisseur Richard Blank diskutiert am Sonntag, 11. Dezember, um 17 Uhr in der Akademie-Reihe „Fünf-Uhr-Tee“ am Pariser Platz über sein Buch „Drehbuch. Alles auf Anfang. Abschied von der klassi-schen Dramaturgie“. Seine Gesprächs-partner sind Wolfgang Kohlhaase, Benja-min Heisenberg und Oliver Schütte. Es moderiert Ralph Eue. Blanks Buch ist im Alexander Verlag erschienen. Mehr über Richard Blank: www.richardblank.de/

Tenöre, Touristen, Gastarbeiter

Es ist eine gute Tradition, dass jeweils ein Jahr nach dem CineGraph-Kongress in einem Buch die wichtigsten Konferenz-beiträge dokumentiert werden. So ist jetzt, redaktionell betreut von Francesco Bono und Johannes Roschlau, der Band über den 2010-Kongress erschienen: „Tenöre, Touristen, Gastarbeiter“ (Verlag edition text + kritik, 190 S., 21,80 €). Thema sind die deutsch-italienischen Filmbeziehungen. In 14 Beiträgen werden biografische, künst-lerische, politische und ökonomische Zusammenhänge konkretisiert, von den frühen zwanziger Jahren bis in die Gegenwart. Zu den Autoren gehören Alfons Maria Arns, Evelyn Hampicke, Marcus Stiglegger, Michael Töteberg und Chris Wahl.

40 Jahre Kommunales Kino Frankfurt

Mit einem Festakt wird heute an die Grün-dung des ersten städtisch voll subventionier-ten Kinos in der Bundesrepublik erinnert: vor 40 Jahren wurde das Kommunale Kino in Frankfurt am Main mit einer Buster Keaton-Reihe eröffnet. Es entstand dank einer Pioniertat des damaligen Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann. Inzwischen ist es Teil des Deutschen Filminstituts. Das Jubiläumsprogramm beginnt mit Keatons THE GENERAL als Matinee. Am Nachmittag wird Jiri Trnkas DES KAISERS NACHTI-GALL gezeigt. Am frühen Abend hält Hanns Zischler eine Festrede, und Claudia Dillmann führt durch ein Kurzfilmprogramm aus 40 Jahren Kinogeschichte. Zum Abschluss gibt es den Film AUGE IN AUGE – EINE DEUTSCHE FILMGESCHICHTE von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler. http://deutsches-filminstitut.de/blog/40-jahre-kommunales-kino/

Europäischer Filmpreis

Im Berliner Tempodrom wird heute der „Europäische Filmpreis“ verliehen. Einen Ehrenpreis erhält in diesem Jahr der Regisseur Stephen Frears (*1941). Sein größter Erfolg in der Bundesrepublik war THE QUEEN (2006). Die Literatur über ihn ist eher schmal. Zuletzt erschien 1997 ein Buch von Helga Bechmann: „Das filmische Universum des Stephen Frears“ (Coppi Verlag, Alsfeld). Da wäre ein neuer Anlauf doch lohnenswert. Zu Frears’ 70. Geburtstag schrieb Andres Kilb im Juni in der FAZ: „Nicht nur im Kostüm- und Komödiengenre, im Film Noir und im Western, sondern auch in der Darstellung jener Wirklichkeit, die sonst den Dokumentationen des Fernsehens überlassen wird, hat dieser Regisseur Maßstäbe gesetzt.“ Christiane Peitz hat für den Tagesspiegel ein lesenswertes Gespräch mit Stephen Frears geführt:  www.tagesspiegel.de/kultur/ein-bisschen-lubitsch-schadet-nicht/5905914.html

Tag des deutschen Films in Mainz

Im Rahmen des Filmfestivals FILMZ, das von Studenten der Filmwissenschaft der Mainzer Universität organisiert wird und in diesem Jahr zum zehnten Mal stattfindet, gibt es heute den „Tag des deutschen Films“. Im Mittelpunkt steht dabei eine Podiums-diskussion, an der  die Filmwissenschaftler Norbert Grob, Bernd Kiefer, der Filmkritiker Rüdiger Suchsland, die hessische Film-förderin Maria Wismeth und die beiden Filmemacher Oliver Haffner und Natalie Spinell teilnehmen. Es geht um „Die Nuller Jahre“, also die neuen deutschen Filme zwischen 2000 und 2010. Wie innovativ sind sie gewesen?

Aktualisiert: Eine Dokumentation dazu ist im Januar 2012 im Schüren Verlag erschienen (104 S., 9,90 €) . Mit einem Überblick von Kerstin Krieg, Interviews mit Haffner und Spinell und zwei Texten von Rüdiger Suchsland: über die Filme der Nullerjahre und über die „Berliner Schule“ im Rückblick.

Diane Keatons Memoiren

Sie ist inzwischen 65 Jahre alt, lebt mit ihren zwei Adoptivkindern in L.A. und denkt gern an die Zeiten mit Woody Allen zurück. Sie hat – sehr assoziativ – ganz persönliche Erinnerungen an ihr Leben aufgeschrieben, die im Frühjahr in New York und nun auch in Deutschland erschienen sind: „Damals Heute“ (btb Verlag/Random House, 320 S.). Eine unterhaltsame Rezension von Christiane Heil erschien am 20.11. im Gesellschaftsteil der FAS  11534124.html