Kulturelle Filmförderung jetzt

Morgen Abend findet in der Akademie der Künste am Pariser Platz ein Akademie-Gespräch zum Thema „Kulturelle Filmförderung jetzt statt. Thomas Heise, Direktor der Sektion Film- und Medienkunst, hält ein Impulsreferat. Rüdiger Suchsland diskutiert anschließend mit Feo Aladag (Produzentin, Regisseurin), Claas Danielsen Geschäftsführer der Mitteldeut-schen Filmförderung), Titus Kreyenberg (Produzent), Jeanine Meerapfel (Filmregisseurin und Präsidentin der Akademie der Künste), Mariette Rissenbeek (Geschäftsführerin German Films, demnächst Co-Direktorin der Berlinale) und Andres Veiel (Autor und Regisseur). Mehr zur Veranstaltung: we_objectID=59218

ROMANZE IN VENEDIG (1962)

Es gibt Filme, die nur aus Kli-schees bestehen: im Personal, in den Konflikten, in der Gestal-tung, in der Musik, in den Handlungsorten. ROMANZE IN VENEDIG erzählt die Geschich-te der Tochter eines österreichi-schen Gutsbesitzers, die an ihrem Hochzeitstag erfährt, dass ihr Bräutigam mit einer Magd ein Kind hat. Sie flieht nach Venedig, verliebt sich dort in einen Komponisten, der in Scheidung lebt. Sie missversteht das Treffen des Ehepaares und kehrt – schwanger – nach Österreich zurück. Acht Jahre später gibt es in Salzburg ein Happyend im Konzertsaal. Natürlich sind auch die Dialoge voller Klischees. Vater: „Bist Du glücklich?“. Tochter (Braut): „Ja. Und Du?“ Vater: „Wenn Du es bist, bin ich es auch.“ Aber sie flieht aus genannten Gründen vor der Hochzeit nach Venedig. 35 Minuten des Films spielen dort. Und es sind all die Bilder der Stadt zu sehen (Kamera: Václav Vich), die man aus anderen Venedig-Filmen kennt. Auch die Darsteller/innen sind Klischees ihrer selbst: Ann Smyrner (Tochter des Gutsbesitzers), Walter Reyer (Komponist), Willy Birgel (reicher Gutsbesitzer), Annie Rosar (Gutsverwalterin), Jane Tilden (attraktive Nachbarin), Erwin Strahl (adliger, verarmter Bräutigam). Regie: Eduard von Borsody. Ich kannte diesen Film bisher nicht. Er ist jetzt bei den Filmjuwelen als DVD erschienen. Als Vorbereitung für eine Venedig-Reise nur bedingt geeignet. Mehr zur DVD: B07D58Y2SD

„Schnee über Venedig“

Auch wenn man schon häufig in Venedig war, kann man sich auf eine Reise in diese Stadt vorbereiten. Zum Beispiel durch neue Bücher oder alte Filme. Bei Spector Books ist im vergange-nen Jahr das Buch „Schnee über Venedig“ erschienen, in dem sich Alexander Kluge und der amerikanische Schriftsteller Ben Lerner (*1979) über diese Stadt und viele andere Dinge äußern. Das erste Gespräch zwischen Kluge und Lerner fand 2016 in New York statt, dann folgten Gespräche im Mai 2017 in Venedig. Sie sind im Buch dokumentiert und werden durch eigenständige Texte der beiden Autoren erweitert. Eine 40seitige „Insel“ präsentiert 21 Bilder von Gerhard Richter und 14 Geschichten von Alexander Kluge, die auf Venedig fokussiert sind. Ein originelles Buch, das zum Lesen, Blättern und Nachdenken verführt. In Venedig schien gestern übrigens die Sonne und heute regnet es.Also: ein Tag für Museumsbesuche.

Mehr zum Buch: schnee-uber-venedig und noch ein Link zu einem Venedig-Gespräch mit Kluge: campaign=manuell

Georgischer Film

Die erste georgische Filmwoche wurde im alten Kino Arsenal in der Welserstraße 1975 veran-staltet, damals initiiert von Erika und Ulrich Gregor. In der Reihe „Kinemathek“ erschien dazu ein Heft (Nr. 52). Die Verbindungen zwischen Georgien und dem Arsenal (inzwischen: „Institut für Film und Videokunst“) sind über alle Jahrzehnte intensiv geblieben, im Archiv des Arsenal werden inzwischen rund 130 Kopien georgischer Filme verwahrt. Eine Publikation dokumentiert jetzt Texte und Gespräche zum georgischen Film, deren Basis eine Veranstaltungsreihe im Oktober 2017 war. Die Essays stammen von Ulrich Gregor („Poetische Bildsprache und satirischer Scharfblick – Einführung in die georgische Filmgeschichte“) und Giorgi Gwacharia („Zensur als ‚Gnade’“). Gespräche wurden mit Lana Gogoberidse (2), Merab Kokotschaschwili, Salomé Alexi, Otar Iosseliani (2), Dito Tsintsadze und Gela Kandelaki geführt. Dokumentiert ist auch ein Podiumsgespräch über georgische Filmgeschichte in den Archiven, an dem Erika und Ulrich Gregor, Khatuna Khundadze und Susan Oxtoby teilgenommen haben, moderiert von Stefanie Schulte Strathaus. Den Abschluss bildet eine Auflistung der Filme, von denen Kopien in den Sammlungen des Arsenals vorhanden sind. Alle Texte dreisprachig (deutsch, englisch, georgisch). Mehr zum Buch: 7528/2857.html

Ernst-Lubitsch-Preis

Heute Abend wird im Kino Babylon zum 57. Mal der Ernst-Lubitsch-Preis für die beste komödiantische Leistung in einem deutschen Film verliehen. Ausgezeichnet werden die beiden Schauspieler Bjarne Mädel (links) und Lars Eidinger  (rechts) für ihre Darstellung in dem Film 25 KM/H von Markus Goller. Ich finde diese Entschei-dung sehr gut, denn Mädel und Eidiger sind das Zentrum des Films, der dramatisch und komisch von den Konflikten zweier Brüder erzählt: der eine, Christian (Eidinger), ist in der Welt unterwegs, der andere, Georg (Mädel), kümmert sich um ihren Vater. Als der stirbt, kommt der Weltreisende natürlich zu spät zur Beerdigung. Und dann begeben sich beide auf eine Reise durch Deutschland mit dem Mofa, was sie schon als Fünfzehnjährige geplant hatten: von dem Dorf Löchingen im Schwarzwald an den Timmendorfer Strand mit einer Exkursion nach Berlin, weil dort der Sohn von Christian lebt, den sein Vater noch nie gesehen hat. Natürlich gibt es ein Happyend, und es spielen auch wunderbare Schauspielerinnen mit: Sandra Hüller, Franka Potente, Alexandra Maria Lara, Jella Haase, Jördis Triebel. – Im Babylon wird heute Abend nicht nur der Film 25 KM/H gezeigt, sondern auch Lubitschs NINOTCHKA, der vor 80 Jahren uraufgeführt wurde. Und Nicola, Lubitschs Tochter, ist Ehrengast. Ich freue mich auf den Abend im Babylon. Mehr zur Veranstaltung: lubitsch-preis.de

BZ-Kulturpreis

Heute Abend wird in der Volks-bühne am Rosa-Luxemburg-Platz zum 28. Mal der BZ-Kul-turpreis verliehen. Zum 13. Mal moderiert Meret Becker die Ver-anstaltung, als Regisseur des Abends fungiert Barrie Kosky. Die Preisträger in diesem Jahr sind der Schauspieler Werner Plathe, die Schauspielerin Paula Beer (ihre erste Rolle hat sie als Vierzehnjährige bei Chris Kraus in dem Film POLL gespielt), die Rockband Beatsteaks, die Geigerin Anne-Sophie Mutter (wir haben sie oft gehört), der Filmregisseur Andreas Dresen (seinen jüngsten Film GUNDERMANN finde ich wunderbar) und die Bildende Künstlerin Alicja Kwade. Wir freuen uns auf einen unterhaltsamen Abend. Mehr zum Kulturpreis: paula-beer-und-beatsteaks

Fritz Langs Notizbuch 1929-1934

Es gehört zur „Sammlung Fritz Lang“, die seit 1997 in der Deut-schen Kinemathek verwahrt wird: 18,5 cm hoch, 12 cm breit, 72 Blätter. Als Notizbuch hat es Lang in jenen Jahren genutzt, in denen M und DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE entstanden. Im großen FL-Buch zur Retro-spektive 2001 wurde erstmals auf das Notizbuch hingewiesen, jetzt ist es im Belleville Verlag als eigenständige Publikation erschienen, herausgegeben und kommentiert von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen. Der erste Teil dokumentiert im Faksimile handschriftliche Eintragungen, eingeklebte Zeitungsausschnitte, Zeichnungen. Oft sind die Gründe für Langs Interesse an einem Thema nicht zu rekonstru-ieren. Anregungen, Ideen, Einfälle, offenbar spontan zu Papier gebracht. Der zweite Teil ist die unbedingt notwendige Transkription der Eintragungen, denn viele sind schwer zu entziffern. Dann folgen einige spezielle Erläuterungen. Und am Ende steht ein Nachwort der beiden Herausgeber – „Entdeckung einer Spur“ – , das auf beein-druckende Weise das Notizbuch verortet und mit konkreten Fakten in Langs Leben jener Jahre verknüpft. „What makes him tick?“ ist der Titel der Publikation. Ein Buch, in dem man sich verlieren kann. Mehr zum Buch: php?ID=763

AVA (2017)

Der Film von Léa Mysius lief in der „Semaine de la Critique“ in Cannes 2017. Es ist ihr Debüt-film. Er erzählt eine sehr beein-druckende Coming-of-Age-Geschichte, die in der Gironde an der französischen Atlantikküste spielt. Die 13jährige Ava hat Probleme mit dem Sehen und erfährt vom Augenarzt, dass sie erblinden wird. Diagnose: Retinitis Pigmentosa. Ihre Reaktion ist nicht Verzweiflung sondern Aktionismus, eine Art Trainingsprogramm für die dunkle Zukunft. Ein Wolfshund kommt ins Spiel, der dem 18jährigen Juan gehört, einem Sinti, der auf der Durchreise ist. Die beiden tun sich zusammen und berauben in Kriegstracht Badegäste am Strand. Als die Polizei gerufen wird, eska-liert die Handlung und nimmt überraschende Wendungen. Wunderbar: die Hauptdarstellerin Noée Abita als Ava. Ein Sommermärchen mit beeindruckenden Bildern. Jetzt bei Eksys’tent als DVD erschienen. Mehr zur DVD: Ava-Noée-Abita/dp/B07GRRH5HB

Großes Kino in fünf Sekunden

70 Klassiker des Kinos haben Matteo Civaschi und Matteo Pavesi in ihrem Buch in Pikto-grammen minimalisiert. Das ist originell, aber oft nicht ganz einfach zu entschlüsseln. Die sieben anderen Kapitel sind: „Filmgeschichte in zehn Bildern“, „Technologische Entwicklungen“, „Die Namen des Kinos“, „Anekdoten und Fakten“, „Ein paar berühmte Filmzitate“, „Regisseure aus aller Welt“ und „Vermischtes“. „Alle Welt“ – das sind USA, Italien und Großbritannien: Woody Allen, Joel & Ethan Coen, Clint Eastwood, Alfred Hitchcock, Martin Scorsese, Ridley Scott, Federico Fellini, Stanley Kubrick, Francis Ford Coppola, Tim Burton, Steven Spielberg, Quentin Tarantino. Da vermisst man zumindest Ingmar Bergman, René Clair, Sergei Eisenstein, John Ford, Jean-Luc Godard, Akira Kurosawa, Fritz Lang, Alain Resnais, François Truffaut und Luchino Visconti. Die „berühmten Filmzitate“ stammen aus zwanzig amerikanischen Filmen, von E.T. und GONE WITH THE WIND bis zu PULP FICTION und STAR WARS – EPISODE V. Man ist beim Lesen vor allem auf der Suche nach Namen und Filmen, die man vermisst. Und: Frauen kommen nicht vor. Mehr zum Buch: 9783596702527

Wandelbares Frankfurt

Zwölf Texte und eine kommen-tierte Filmografie richten den Blick auf dokumentarische und experimentelle Filme zur Archi-tektur und Stadtentwicklung in Frankfurt am Main. Nina Goslar beschäftigt sich mit zehn frühen Stummfilmen. Thomas Elsaesser erinnert an die Filme des Neuen Frankfurt zwischen 1925 und 1931. Bei Tobias Picard geht es um „Alt“ und „Neu“ im städtischen Imagefilm in den Jahren 1936, 1952 und 1959. Thomas Tode beschreibt Filme zum Wiederaufbau nach 1945. Bernhard Unterholzner befasst sich mit der Frankfurter Altstadt im Film. Jutta Zwilling konzentriert sich auf Gärten, Parks und Grünflächen im städtischen Imagefilm. Klaus Thomas Edelmann hat entdeckt, wie Frankfurt mit Mitteln des Films seine U-Bahn erschuf. Die Frankfurter Nordweststadt erfährt aus der Sicht von Fabian Wurm im Film eine späte Renaissance. Rainer Schulze blickt auf die Frankfurter Hochhäuser im Dokumentarfilm. Annette Brauerhoch behandelt in ihrem Beitrag Alltag und Architektur im Amateurfilm. Sano Cestnik formuliert eine Hommage an UNSICHTBARE TAGE ODER DIE LEGENDE VON DEN WEISSEN KROKODILEN von Eva Hiller. Felix Lenz gibt einen Überblick über experimentelle Filme zum Thema Frankfurt. Die Kommentierte Filmografie des Herausgebers Felix Fischl ist exzellent recherchiert. Die zahlreichen Abbildungen haben eine sehr gute Qualität. Ein Basisbuch zum Thema Film und Stadtentwicklung. Mehr zum Buch: frankfurt.de/publikationen