Antonin Artaud

Der Franzose Antonin Artaud (1896-1948) war Schauspieler, Dichter, Dramatiker, Theoretiker, Zeichner, gehörte eine Weile zum Surrealismus und verfolgte später vor allem seine eigenen Theaterideen, zu denen Mitte der 1930er Jahre das „Theater der Grausamkeit“ gehörte, in dem man einen Vorläufer heutiger Performance sehen kann. Artauds Einfluss auf das moderne Theater sollte nicht unterschätzt werden. Seine Affinität zum Film war zunächst groß, er spielte – meist in Nebenrollen – in mehr als zwanzig Filmen mit, u.a. in Dreyers LA PASSION DE JEANNE D’ARC und Langs LILIOM. Und er investierte viele originelle Gedanken in die Phänomene des Kinos, war aber enttäuscht von der Entwicklung des Tonfilms. Seine Texte zum Film sind jetzt in einem eigenen Band der Artaud-Werke im Verlag Matthes & Seitz zu lesen. Die Ausgabe ist gut kommentiert, mit einem Nachwort von Bernd Mattheus versehen und fällt schon mal durch den tief schwarzen Einband auf, den kein bunter Schutzumschlag aufhellt. Mehr zum Buch: scripts/buch.php?ID=436

Korean Cinema Today

Morgen beginnt im Haus der Kulturen der Welt in Berlin ein Festival des Koreanischen Films. Gezeigt werden – in Zusammenarbeit mit dem Busan International Film Festival – elf Spiel-filme und ein Dokumentarfilm aus den Jahren 2010 und 2011. Lee Yongkwan, der Leiter des Busan-Festivals, konfrontiert in einem Vortrag zwei Versionen von THE HOUSEMAID aus den Jahren 1960 und 2010, um die Entwicklung des koreanischen Kinos zu zeigen (5. Mai). Mehr zum Programm: veranstaltungen_68851/AlleVeranstaltungen.php

Polar

Das Wort, das uns als Bezeichnung für Gegensätze dient, hat in Frankreich eine allseits bekannte filmische Bedeutung. Es kombiniert die Wörter „police“ und „argot“, Polizei und Gaunersprache, es meint die Konfrontation von Gesetz und Verbrechen, es fungiert als Genrebegriff für alles Kriminelle, mit vielen Subgenres und der Konstante der Dunkelheit, der Nacht. In der Genre-Reihe des Bender-Verlages ist jetzt, herausgegeben von Ivo Ritzer, ein Band mit 15 kenntnis-reichen Beiträgen zum „Polar“ erschienen. Vom Herausgeber stammt ein fundierter Genre-Diskurs, von Dominik Graf eine persönliche Hommage. Es gibt Texte zur historischen Entwicklung, zu einzelnen Phänomenen und zu ausgewählten Regisseure, zum Beispiel Henri-Georges Clouzot, Claude Chabrol, José Giovanni, Jean-Pierre Melville, Alain Corneau, Philippe Grandrieux, Gaspar Noé und Bruno Dumont. Zu den Autoren gehören Norbert Grob, Bernd Kiefer, Roman Mauer, Karlheinz Oplustil, Andreas Rauscher, Marcus Stiglegger und verschiedene Doktoranden der Filmwissenschaft in Mainz. Gute Abbildungen. Der vierte Genre-Band bei Bender. Ob weitere folgen? Mehr zum Buch: 82fa5d59656dfb14b2f42e32fea8c436

Filmidole im Dritten Reich

1991 hat Friedemann Beyer sein erstes Buch über Nazi-Schauspielerinnen publiziert; es hieß damals „Die Ufa-Stars im Dritten Reich“. Nach über zwanzig Jahren ist jetzt eine überarbeitete Neuausgabe erschienen: „Frauen für Deutschland“, in der Collection Rolf Heyne. Es geht um Zarah Leander, Olga Tschechowa, Sybille Schmitz, Ilse Werner und Kristina Söderbaum, die auch den Titel schmückt (in der ersten Fassung waren noch alle fünf Frauen auf dem Cover zu sehen). Es wurden neue Erkenntnisse eingearbeitet, und auch der Fototeil ist erweitert worden. Manchmal lohnt es sich, an ein früheres Buch noch einmal Hand anzulegen. Mehr zum Buch: titel503.html

Tanzfieber auf 3sat

Wieder ein Thementag auf 3sat. Diesmal geht es um Tanzfilme. Seit 6.05 Uhr wird gesendet. 18 Filme stehen auf dem Pro-gramm, vier Spielfilme, darunter die  BROADWAY MELODY 1936 und TANZ MIT MIR (1937), 14 kürzere oder längere Dokumentationen, darunter – der Film darf natürlich nicht fehlen – RHYTHM IS IT. Ab Mitternacht bis sechs Uhr morgens wird das eine oder andere wiederholt. Mehr zum Ablauf: www.3sat.de/page/?source=/ard/161734/index.html

Rückblickend auf den Neorealismus

Im Münchner Filmmuseum hat gestern eine Filmreihe begonnen, die dem italienischen Neorealismus gewidmet ist. 22 Filme aus den Jahren 1942 bis 1963 stehen auf dem Programm, darunter natürlich die unverzichtbaren Meisterwerke ROMA, CITTA APERTA (1944) von Roberto Rossellini, LADRI DI BICICLETTE (1948) von Vittorio De Sica, I VITELLONI (1953) von Federico Fellini, IL GRIDO (1957) von Michelangelo Antonioni und ROCCO E I SUOI FRATELLI (1960) von Luchino Visconti. Peter Nau hat für das Programmheft in seinem unverwechselbaren Stil einen schönen Text geschrieben: aktuell/neorealismus.pdf

Deutscher Filmpreis

Heute werden in Berlin die „Lolas“ verliehen, die als „Deutscher Filmpreis“ die höchsten Auszeichnungen in der Bundesrepublik im Bereich der Kultur sind, weil ihre Empfänger auch Geld mit nach Hause nehmen. Veran-stalter ist die Deutsche Filmakademie, Geld-geber der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Nominierungen gibt es in 16 Kategorien. Den Ehrenpreis – undotiert – erhält in diesem Jahr der Kameramann Michael Ballhaus. Da trifft es sich gut, dass im vergangenen Jahr bei Bloomsbury eine aktualisierte Neuauflage des Buches „Das fliegende Auge“ erschienen ist; es dokumentiert ein Werkstattgespräch zwischen Ballhaus und dem Regisseur Tom Tykwer. Mehr über das Buch: 9783827010162

Oberhausen: 50 Jahre Manifest

Morgen beginnen die 58. Oberhausener Kurzfilmtage, und weil dort vor fünfzig Jahren das Oberhausener Manifest verlesen wurde, soll das auch gefeiert werden. Natürlich gibt es eine Publikation zum Jubiläum. Sie hat den Titel „Provokation der Wirklichkeit“, ihre Herausgeber sind der Publizist Ralph Eue und der Leiter der Kurzfilmtage Lars Henrik Gass. Der Band enthält Dokumente, Essays und Gespräche. Mehr über das Buch: default_film. Neben dem Buch gehören zur Würdigung des Jahrestages die Restaurierung zahlreicher Filme der Unterzeichner, eine DVD-Edition mit deren Arbeiten, eine Reihe von Filmprogrammen im In- und Ausland, die Website www.oberhausener-manifest.com sowie ein internationales Symposium im Österreichi-schen Filmmuseum Wien am 7. und 8. Juni. Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Oberhausen auf Arte

Der Regisseur Hansjürgen Pohland (*1934) gehörte zu den 26 Unterzeichnern des Ober-hausener Manifests im Februar 1962. Nach fünfzig Jahren hat er sich für den WDR auf Spurensuche begeben und den 52-Minuten-Film DIE REBELLEN VON OBERHAUSEN gedreht. Zu Wort kommen unter anderem Alexander Kluge, Edgar Reitz und Haro Senft. Zu Gast ist Volker Schlöndorff. Der Film wird heute um 22.15 Uhr auf Arte ausgestrahlt. Anschließend ist Alexander Kluges Film ABSCHIED VON GESTERN (1966) zu sehen. Mehr zum Pohland-Film: year=2012.html (Foto: Haro Senft).

Wenders-Ausstellung in Hamburg

In der Sammlung Falckenberg der Deichtor-hallen in Hamburg-Harburg sind zurzeit und noch bis zum 5. August 60 Fotografien von Wim Wenders zu sehen. Es geht um Orte, die im Verschwinden begriffen sind: „Places, strange and quiet“. Wenders, bekanntlich viel unterwegs, hat in allen Erdteilen fotografiert. Seine Fotos sind eigene Kunstwerke. Achtung: die Besich-tigung ist nur nach Voranmeldung möglich. Mehr zur Ausstellung: index.php?id=230 . Ein Katalog ist 2011 bei Hatje erschienen.