Filmstadt Leipzig

In Leipzig beginnt heute die Buchmesse. Mit Büchern und Messen wird die Stadt schnell assoziiert. Aber was hat sie als Filmstadt vorzuweisen? Jens Rübner (*1960), gelernter Koch, lebt in Leipzig und ist ein Filmfan. Er hat intensiv recherchiert und aus seinen Informationen ein sehr persönliches kleines Lexikon gemacht, das im Herbst 2011 im Engelsdorfer Verlag erschienen ist (186 S., 12,50 €). Natürlich steht die DEFA im Zentrum, aber auch internationale Produktionen haben Leipzig als Kulisse genutzt, zum Beispiel IRINA PALM, EIN RUSSISCHER SOMMER und CARLOS. Man spürt, dass dies ein Amateur geschrieben hat. Aber einer mit Energie  und Motivation.

Ausstellung Eve Arnold

Im großen Kunstfoyer der Versicherungs-kammer Bayern wird heute eine Ausstellung mit Fotos von Eve Arnold eröffnet. Zu sehen sind Reportagen aus New York, Reisefoto-grafien aus Afghanistan  (1960er Jahre), China und Indien (frühe 1980er) und ihre legendären Starporträts von Marilyn Monroe, Marlene Dietrich, Jean Crawford, Isabella Rossellini, Clark Gable, Peter O’Toole und Anthony Quinn. Arnold starb 99jährig im Januar 2012. Der Katalog erscheint im Verlag Schirmer/Mosel. Zur Eröffnung spricht Isabella Rossellini.

Verbotene Filme auf Arte

Drei einstmals verbotene Filme zeigt Arte heute in seinem Abendprogramm: zunächst Konrad Wolfs DEFA-Film SONNEN-SUCHER aus dem Jahr 1958, der erst 1972 gezeigt werden durfte, dann SCHLACHT UM ALGIER (1966) von Gillo Pontecorvo, der auch erst 1972 in Frankreich in die Kinos kam, und schließlich den Fernsehfilm BAMBULE von Eberhard Itzenplitz (1970, Drehbuch: Ulrike Meinhof), der erst 1994 aufgeführt werden konnte, nachdem die Mitarbeit des RAF-Mitglieds Meinhof zum Sendeverbot geführt hatte. Drei unterschiedliche Filme mit jeweils anderem politischen Background. Interessant programmiert. Mehr zum Programm: www.arte.tv/de/VERBOTENE-FILME/6418594.html

Direct Cinema im Arsenal

PRIMARY (1960) ist für mich einer der wichtigsten Dokumentarfilme der Filmgeschichte. Er gehörte zum amerikanischen Direct Cinema, das mit den damals neuen technischen Möglichkeiten der 16mm-Kamera ganz nah an die Protagonisten eines zu beobachtenden Geschehens herankam, in diesem Fall an John F. Kennedy und Hubert Humphrey im amerikanischen Vorwahlkampf. Ralph Eue zeigt ab morgen, verbunden mit einem Seminar an der dffb, in einer Filmreihe im Kino Arsenal zehn besonders interessante Beispiele des Direct Cinema. Einer der Protagonisten, Richard Leacock, ist vor einem Jahr verstorben. Als Begleitlektüre empfehle ich Klaus Wildenhahns zwölf Lesestunden „Über dokumentarischen und synthetischen Film“ (dffb 1973). Mehr über das Buch: uber-dokumentarischen-und-synthetischen-film/

Aufbrüche im sowjetischen Kino

Im Österreichischen Filmmuseum hat gerade eine Retrospektive zum sowjetischen Kino der Jahre 1957-67 begonnen, die, kuratiert von Olaf Möller, noch bis zum 11. April dauert. Zu sehen sind rund 20 Filme u.a. von Michael Romm, Michail Kalatozov, Fridrich Ermler, Marlen Chuciev, Ivan Pyr’ev und Andrej Tarkovskij. Viele der sogenannten Tauwetterfilme waren damals zumindest im Berliner Arsenal zu sehen, einige, wie NEUN TAGE EINES JAHRES, WENN DIE KRANICHE ZIEHEN, DIE BALLADE VOM SOLDATEN oder IWANS KINDHEIT hatten auch in der Bundesrepublik einen Verleih. Tatjana Samoilowa in den KRANICHEN hat mich damals tief beeindruckt. Mehr zur Filmreihe: 1327923499196&j-dummy=active&reserve-mode=active

Internationales Fußballfilmfestival

Die EM ist noch weit weg, Hertha kämpft gegen den Abstieg, und Borussia Dortmund fühlt sich schon wie der alte und neue deutsche Meister. Ist das die richtige Zeit für ein Fußballfilmfestival? Es beginnt heute im Babylon in Berlin, heißt „11mm“ und findet zum neunten Mal statt. Gezeigt werden rund 50 neue Fußballfilme, Schwerpunkte sind Polen und die Ukraine (EM…), eröffnet wird mit WE ARE THE CHAMPIOS von Sepp Maier, einem Griff in sein Privatarchiv. Durch den Premierenabend führt Heribert Faßbender. Das Programm: www.babylonberlin.de/11mm_2012.htm  Und weil vorwiegend neue Filme gezeigt werden, findet man sie auch nicht in Jan Tilmann Schwabs Lexikon des Fußballfilms aus dem Jahre 2006: www.hhprinzler.de/filmbuecher/fusball-im-film/

Bettina Böhler, Schnittmeisterin

Weil heute Christian Petzolds starker Film BARBARA in die Kinos kommt, den Bettina Böhler geschnitten hat, und weil sie eine der herausragenden Cutterinnen des gegen-wärtigen deutschen Films ist (dafür bekam sie 2007 den Bremer Filmpreis), und weil Christiane Peitz mit ihr für den Tagesspiegel ein schönes und informatives Gespräch geführt hat, weise ich mit einer persönlichen Verneigung auf diesen Text hin: kultur/portraet-die-taktgeberin/6289238.html

Jutta Hoffmann

In den 1960er und 70er Jahren war sie eine meiner Lieblingsschauspielerinnen: Jutta Hoffmann (*1941).  Sie spielte die Professorentochter in Frank Vogels JULIA LEBT (1963), die allein erziehende Mutter in Horst Seemanns ZEIT ZU LEBEN (1969) und die junge Frau zwischen Manfred Krug und Jaecki Schwarz in WEITE STRASSEN – STILLE LIEBE (1969) von Herrmann Zschoche. Dann wurde sie zu Egon Günthers Hauptdarstellerin in JUNGE FRAU VON 1914 (1969), DER DRITTE (1972), DIE SCHLÜSSEL (1973/74), LOTTE IN WEIMAR (1974/75) und URSULA (1977). Schließlich drehte Frank Beyer mit ihr DAS VERSTECK (1977) und GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT (1978). Zwei Verbotsfilme der Jahre 65/66 bekamen wir erst 1990 zu sehen: WENN DU GROSS BIST, LIEBER ADAM und KARLA. Da lebte und arbeitete sie schon eine Weile im Westen. Sie war eine der Größten der DEFA! Jetzt hat sie ihre Autobiografie geschrieben. Lesestoff für vielen Verehrerinnen und Verehrer. Mehr über das Buch: Jutta_Hoffmann_Schauspielerin.html

Du: Clint Eastwood

Es gibt sie noch immer: die Schweizer Kulturzeitschrift Du. Sie erscheint monatlich mit einem Schwerpunktthema. Im März 2012, es handelt sich um das Heft 824, geht es um den großen Clint Eastwood. Auf 80 Seiten wird er mit Texten und Fotos gewürdigt. Der sehr lesenswerte Haupt-aufsatz stammt von Tobias Kniebe („Abgezockt und erleuchtet: Triumphzug eines coolen Pragmatisten“). Das Heft enthält  Beiträge von Barbara Vinken (über das Gute, das Böse und die Frauen), Leonardo DiCaprio (über Eastwoods Umgang mit Schauspielern), Nathalie Wepper (eine persönliche Begegnung), Martin Heller (über die „Eastwood-Methode“), Martin Walder (wo steht Clint Eastwood politisch?) und Christoph Feilman (Eastwood und die Musik), ein Gespräch von Jean-Paul Chaillet mit CE und eine Filmografie. Viele Fotos. Mehr zum Heft: www.du-magazin.com/  Thema im April: L.A.

Erinnerungen an den Holocaust

„Welchen der Steine du hebst. Filmische Erinnerungen an den Holocaust“ heißt ein Buch, herausgegeben von Claudia Bruns, Asal Dardan und Anette Dietrich, erschienen im Verlag Bertz + Fischer (368 S., 29,90 €). In 23 Texten geht es um filmische Narra-tionen im Generationengedächtnis, Authentizität und Fiktion im Dokumentar-film, Leerstellen der Erinnerung, Grenzen von Geschlecht und Geschmack, Grenzgänge zwischen Humor, Satire und Lüge, Transfer von Ikonografien und Narrationen. Meist wird dies an einzelnen Filmbeispielen dargestellt. Zu den Autorinnen und Autoren gehören Heike Klippel, Daniel Kothenschute, Hanno Loewy, Ronny Loewy, Claus Löser, Marcus Stiglegger und Michael Wildt. Das Buch wird heute in einer Veranstaltung des Jüdischen Museums in Berlin vorgestellt. Mehr über das Buch: welchendersteine.html