Berlinale: Die Retrospektive

„Die rote Traumfabrik“ ist der Titel der Retrospektive der 62. Berlinale. Es geht um die Produktionen des großen russischen Studios Meschrabpom und die Zusammen-arbeit mit der deutschen Produktionsgesell-schaft Prometheus. Über 40 Stumm- und Tonfilme stehen auf dem Programm. Die Kinemathek kooperiert bei der Retrospektive in diesem Jahr erstmals mit dem Museum of Modern Art. Ein spezielles Ereignis ist die Aufführung einer rekonstruierten Fassung des Films OKTJABR von Sergej Eisenstein (1928) am 10. Februar im Friedrichstadtpalast. Zur Retrospektive erscheint eine Publikation im Verlag Bertz + Fischer, herausgegeben von Günter Agde und Alexander Schwarz; Redaktion: Karin Herbst-Meßlinger. Das Titelfoto wirkt ziemlich düster. Mehr zur Publikation: www.bertz-fischer.de/rotetraumfabrik.html

Berlinale

Heute beginnen die 62. Berliner Filmfest-spiele. Für mich persönlich sind es die 53.  Ab Mitte Dezember wartet man auf Pro-grammankündigungen, freut sich auf bestimmte Filme, und wenn man ein freier Mensch ohne Sektionsverantwortung ist, macht man nach der Pressekonferenz und dem dort veröffentlichten Programm seinen subjektiven Zeitplan. Ein paar spezielle Empfehlungen aus der Auswahlkommission werden eingearbeitet. Die Eröffnung und die Abschlussveranstaltung  sind privilegierte Pflicht- und Neigungs-termine. Und zwischendurch gibt es die vielen Verabredungen mit Freunden und Bekannten, die in diesen zehn Tagen in Berlin sind. Was für eine schöne, vielversprechende Zeit.

Motive des Films

40 Autorinnen und Autoren beteiligen sich in dieser Festschrift zum 60. Geburtstag des Filmwissenschaftlers Hans J. Wulff an einem „kasuistischen Fischzug“: es geht um Motive im Film. Eine Auswahl: Eisen-bahnen, Traktoren, Dampfer, Fahrräder, Automobil-Oldtimer, Straßenköter, böse Hunde, Aquarien, Insekten, animierte Bären, Raucher, Essstäbchen, Bier, die Unschuld vom Lande, Schlafende, Barfüßler, Türen, Treppen, Spiegel, Schaukeln, Mauern, Gefangene, Höllenstürze, Countdowns, Immobilienmakler, Lehrer, Schreibmaschinen, Regen, Licht und Schatten, Aufräumen. Den Texten vorangestellt ist ein Essay des Geehrten über Konzepte des Motivs und der Motivforschung in der Filmwissenschaft. Ein anregendes Buch, das viele weitere Assoziationen auslöst. (Schüren Verlag, 336 S., 29,90 €).

Über Christian Petzold

Christian Petzolds neuer Film BARBARA nimmt am Wettbewerb der Berlinale teil. Über den eigenwilligen, stilbildenden Regisseur ist gerade eine kluge Publikation erschienen, die Diplomarbeit der Mainzer Mediendramaturgin Johanna Schwenk: „Leerstellen – Resonanz­räume. Zur Ästhetik der Auslassung im Werk des Filmregisseur Christian Petzold“ (Nomos Verlag, Baden-Baden, 102 S., 29 €). Ausgehend von der Leerstellen-Theorie in der Literatur und  der Bildenden Kunst analysiert die Autorin speziell Petzolds Gespenster-Trilogie (DIE INNERE SICHERHEIT, GESPENSTER, YELLA) mit dem Blick auf Zeit, Raum und Bewegung. Ihre Befunde sind auch in der knappen Formulierung spannend und erkenntnisreich. Der Anhang enthält ein Interview mit Petzold.

Mario Adorf-Ausstellung

Heute wird in der Akademie der Künste am Pariser Platz eine Ausstellung eröffnet, die dem Schauspieler Mario Adorf (* 1930) gewidmet ist. Seit 1954 ist er im deutschen und internationalen Film präsent, oft als Schurke und immer in eigenwilliger Profilierung. Seine Filmografie umfasst 153 Titel. Erstmals sind in der Ausstellung – neben Filmausschnitten – zahlreiche Fotos, Plakate, Briefe und Manuskripte aus Adorfs umfangreichem persönlichen Archiv zu sehen, das er in die Obhut der Akademie gegeben hat.

20 Jahre Zeughauskino – Fritz Lang-Retrospektive

Seinen 20. Geburtstag feiert das Berliner Zeughauskino ab 1. Februar im Deutschen Historischen Museum mit einer fast voll-ständigen Retrospektive der Filme von Fritz Lang. Bis zum 31. März stehen 27 Titel des Regisseurs auf dem Programm, zwei Filme über Lang und LE MÉPRIS von Godard mit Lang als Darsteller. Zum Teil werden Kopien restaurierter oder rekonstruierter Fassungen gezeigt, die Stummfilme werden live am Flügel begleitet. Zur Eröffnung gibt es eine Festrede von Michael Wedel und den Film M (1931). Das Programm: www.dhm.de/kino/fritz_lang.html

Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms

2002 erschien bei Bastei Lübbe die Erst-ausgabe von Thomas Schadts Dramaturgie des Dokumentarfilms: „Das Gefühl des Augenblicks“. Darin wurde so etwas wie ein Glaubensbekenntnis zur Authentizität des Dokumentarischen formuliert. Zehn Jahre später – inzwischen ist Thomas Direktor der Ludwigsburger Filmakademie – gibt es im Konstanzer uvk Verlag eine dritte, über-arbeitete Auflage des Buches. Was hat sich inzwischen verändert? Darüber diskutieren heute in der Akademie der Künste am Pariser Platz Ebbo Demant, Philip Gröning, Hans Helmut Prinzler, Thomas Schadt und Astrid Schult, moderiert von Beatrice Ottersbach. Mehr über das Buch: 3c054957f/

Classical Hollywood in Mainz

In einem zweitägigen Colloquium, geleitet von Elisabeth Bronfen und Norbert Grob, blickt man am 26. und 27. Januar im Mainzer Institut für Filmwissenschaft zurück auf das Klassische Hollywoodkino. Zu den Referenten gehören Johannes Binotto, Marion Löhndorf, Thomas Meder, Karlheinz Oplustil. Zu Gast sind Manuela Reichart und Hans Helmut Prinzler. Für den Herbst ist im Reclam-Verlag der Beginn einer Buchreihe über Filmepochen angekündigt. Zu den ersten Bänden gehört „Classical Hollywood“, herausgegeben von Elisabeth Bronfen und Norbert Grob.

300. Geburtstag Friedrichs des Großem

Heute wird in Deutschland der 300. Geburt-stag von Friedrich II. gefeiert. Das Festpro-gramm ist umfangreich, es gibt Staatsakte, Ausstellungen, Fernsehereignisse, Film-reihen. Einen originellen Beitrag zum runden Geburtstag liefert das Filmmuseum Potsdam in Zusammenarbeit mit Absolut Medien: eine DVD mit dem Titel „Friedrich II. und der Film“. Sie enthält Kurzfilme aus verschie-denen Jahrzehnten, ein Interview mit Michael Gebühr, dem Sohn von Otto Gebühr, der zwischen 1919 und 1942 in 15 Filmen den König gespielt hat, und die Komödie DIE TÄNZERIN VON SANSSOUCI aus dem Jahr 1931.

Filmische Atmosphären

Dies ist der 30. Band der „Zürcher Film-studien“, die seit zehn Jahren im Schüren Verlag publiziert werden und  von Christine N. Brinckmann initiiert wurden. Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge einer Tagung zum zwanzigjährigen Bestehen des Instituts für Filmwissenschaft an der Universität Zürich. In 17 Texten wird den Atmosphären im Film und in den Räumen, in denen Filme rezipiert werden, also im Kino, nachgegangen. Mit Texten von Anne Paech, Jörg Schweinitz, Barbara Flückinger, Alexandra Schneider, Hans J. Wulff, Britta Hartmann, Tereza Smid, Franziska Heller, Michael Wedel, Daniel Wiegand, Wolfgang Beilenhoff, Christine N. Brinck-mann, Veronika Rall, Patrick Straumann, Joachim Paech, Volker Gerling. Das Schweizer Institut wird inzwischen von Margrit Tröhler geleitet, die auch das Vorwort geschrieben hat. Mehr über das Buch:  www.schueren-verlag.de/paymate/search.php?vid=2&aid=3215