The Greatest Films of All Time

Alle zehn Jahre fragen das British Film Institute und die Zeitschrift Sight and Sound seit 1952 Filmfachleute aus aller Welt nach den „Greatest Films of All Time“. 846 haben dieses Mal geantwortet, der Altersdurchschnitt der Befragten lag vermutlich bei 60+. Und das Ganze ist natürlich auch ein Spiel… Hier sind die Titel 1-10 in der neuen Reihenfolge:

1. VERTIGO (Hitchcock, 1958) 191 Stimmen
2. CITIZEN KANE (Welles, 1941) 157
3. TOKYO MONOGATARI (Ozu, 1953) 107
4. LA RÈGLE DU JEU (Renoir, 1939) 100
5. SUNRISE (Murnau, 1927), 93
6. 2001: A SPACE ODYSSEY (Kubrick, 1968) 90
7. THE SEARCHERS (Ford, 1956) 78
8. DER MANN MIT DER KAMERA (WERTOW, 1929) 68
9. LA PASSION DE JEANNE D’ARC (Dreyer, 1927) 65
10. 8 ½ (Fellini, 1963) 64

Nach fünfzig Jahren hat CITIZEN KANE seinen Spitzenplatz eingebüßt, Ozu und Murnau haben sich nach oben bewegt, Eisensteins POTEMKIN hat mit Wertows MANN MIT DER KAMERA getauscht und Fords THE SEARCHERS ist endlich unter den ersten Zehn. Als aktuellster Film kam IN THE MOOD FOR LOVE von Wong Kar-wai (2000) auf Platz 23. Bester deutscher Film: METROPOLIS (Lang, 1927) auf Platz 35 (zusammen mit PSYCHO, je 34 Stimmen). Hier sind die Top 50:  www.bfi.org.uk/news/50-greatest-films-all-time

 

Münchner Filmkunstwochen

Ein Jubiläum: seit 60 Jahren gibt es die „Münchner Filmkunst-wochen“. Sie finden statt, wenn in Bayern Ferien sind. Sieben Kinos beteiligen sich inzwischen daran, sie zeigen über 100 Filme, alte und neue, manche als Previews, häufig im Original mit Untertiteln, gelegentlich mit Gästen. Und weil im Filmmuseum Sommerpause ist, kann die Münchner Kinoszene mal so richtig ihr Profil beweisen. Heute, zum Beispiel, stehen BARBARA, PINA, FITZCARRALDO, LLUVIA, OSSESSIONE und MIDNIGHT IN PARIS zur Auswahl.

Marilyn

Morgen jährt sich ihr Todes-tag zum 50. Mal. Das wissen wir seit einigen Wochen, weil es uns mit Filmen, Büchern und Texten annonciert wurde. Jahrestage sind Erinnerungstage. Vor allem das Fernsehen macht daraus ein Programm. Zum Beispiel gibt es heute Abend auf arte den französischen Dokumentarfilm MARILYNS LETZTE SITZUNG von Petrick Jeudy zu sehen (20.15 Uhr) und morgen Nachmittag den Film BERT STERN – THE MAN WHO SHOT MARILYN von Shannah Laumeister (17.00). Auch der Bayerische Rundfunk denkt an MM und zeigt am Sonntag zuerst (22.00) FLUSS OHNE WIEDERKEHR und anschließend den Dokumentarfilm MARILYN MONROE – ICH MÖCHTE GELIEBT WERDEN von Eckhart Schmidt. Bei der ARD beginnt um 0 Uhr MANCHE MÖGEN’S HEISS, dem Milan Pavlovic heute auf der SZ-Fernsehseite seinen Respekt zollt. – 3sat hat das Datum  im Juli zu einer speziellen Blondinen-Retrospektive genutzt. Und Georg Seeßlen hat  schon im April in einer Art DVD-Umschau mit einem intelligenten Text auf den Todestag hingewiesen: DVD-Monroe/komplettansicht. Wer dann noch etwas wissen will, ist vielleicht hier an der richtigen Adresse: www.marilynmonroe.de

Haneke/Bresson in Düsseldorf

Es ist eine interessante Verwandt-schaft, der das Filmmuseum Düsseldorf in einer doppelten Werkschau auf die Spur kommen will: Michael Haneke und Robert Bresson verbinden viele stilistische Elemente, und Haneke hat mehrfach auf seine Liebe zu Bresson verwiesen. In der black box sind sieben Filme von Bresson (darunter natürlich auch AU HASARD BALTHASAR, 1966, Foto) und zehn von Haneke zu sehen.

Sound im Film

Im August geht es in der Magical History Tour im Berliner Kino Arsenal um den Ton. 12 Filme stehen auf dem Programm, darunter ENTUSIASM (1930) von Dsiga Wertow, M (1931, Foto) von Fritz Lang, DESERTIR (1933) von Wsewolod Pudowkin, REAR WINDOW (1954) von Alfred Hitchcock, AU HASARD BALTHASAR (1965) von Robert Bresson, PLAYTIME (1967) von Jacques Tati und WAVELENGTH (1967) von Michael Snow. Die historischen wie auch die fünf aktuellen Filme spielen mit einem eigenständigen Klangraum, der dem Zuschauer bewusst gemacht wird. Mehr zum Programm: article/3583/3006.html

Locarno

In Locarno beginnt heute das 65. Film-festival. Im Wettbewerb sind 19 Filme zu sehen, ihre Regisseure heißen u.a. Sean Baker, Jean-Claude Brisseau, Jem Cohen, Edoardo Gabriellini, Bradley Rust Gray, Ying Liang, Peter Mettler, Sho Miyake, Nicolás Pereda, François Pirot, Ilmar Raag, Peter Strickland, Craig Zobel. Viele Namen sind mir neu. Eröffnungsfilm ist THE SWEENEY von Nick Love. Als Jury-Präsident fungiert der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul. Auf der Piazza Grande, der großen Attraktion des Festivals, sind MAGIC MIKE von Steven Soderberg, QUELQUES HEURES DE PRINTEMPS von Stéphane Brizé, NACHTLÄRM von Christoph Schaub und DAS MISSEN-MASSAKER von Michael Steiner zu sehen. Die große Retrospektive ist dem Regisseur Otto Preminger gewidmet, es sind alle seine Filme zu sehen. Auszeichnungen für ihr Lebenswerk erhalten Alain Delon, Ornella Muti und Charlotte Rampling. Und es gibt weitere Rahmenveranstaltungen.

Billy Wilder in Rendsburg

Im Jüdischen Museum in Rendsburg ist zurzeit (und noch bis zum 14. Oktober) eine Ausstellung mit berühmten Fotografien zu Billy Wilder zu sehen. 96 Jahre alt wurde der Autor und Regisseur, vor zehn Jahren ist er in Hollywood gestorben. Seine Filme sind noch immer sehr präsent, denn sie verbinden sich mit vielen populären Schauspielerinnen und Schauspielern. Es gibt zahlreiche Publikationen über Wilder, die bekannteste ist die Biografie von Hellmuth Karasek, eine der ersten war das Begleitbuch zur Retrospektive der Berlinale 1980. Damals konnte er leider nicht nach Berlin kommen, aber 1987 holte er sich dann persönlich seinen Professoren-Titel ab und 1993 den Goldenen Ehren-Bären der Berlinale. Er war der Deutschen Kinemathek sehr verbunden, und es hat eine Logik, dass das Bistro im Filmhaus am Potsdamer Platz seinen Namen trägt. Mehr zur Ausstellung in Rendsburg: hollywood-im-juedischen-museum

CLOUD ATLAS

Natürlich bin ich sehr gespannt auf den neuen Film von Tom Tykwer, den er gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern Lana und Andy realisiert hat. Am 8. November wird Premiere sein. Zu sehen ist jetzt im Netz ein fast sechs Minuten langer Trailer, der sehr neugierig macht. 100 Millionen Dollar hat der Film gekostet, es spielen Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Susan Sarandon, Ben Wishaw und Keith David mit, zum Teil sind sie in mehreren Rollen zu sehen, denn der Film erzählt sechs Geschichten aus einem Zeitraum von tausend Jahren. In einem kleinen Erklärungsfilm vermittelt das Regietrio, wie schön die Zusammenarbeit war. Hier ist der Link zum Trailer: www.cloudatlas-derfilm.de

New York

Als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Juni Redakteure und Mitarbeiter nach Empfehlungen für die Sommerlektüre befragte, antworte Maxim Biller in allen acht vorgesehenen Kategorien mit einem einzigen schwärmerischen Hinweis: Maeve Brennans Buch „New York, New York“. Das hat mich neugierig gemacht, und die Lektüre hat sich gelohnt. Brennan (1917-1993) war in den 1950er und 60er Jahren Kolumnistin beim New Yorker. Der jetzt auf Deutsch veröffentlichte Band enthält 48 Geschichten, die vor allem auf Beobachtungen beruhen: es werden Menschen, Straßen, Geschäfte, Restaurants, Jahreszeiten und kleine Ereignisse beschrieben, in denen das New York vor fünfzig Jahren lebendig wird. Auch wenn sich die Stadt inzwischen sehr verändert hat: man möchte sofort wieder hin. Brennan auf dem Titelfoto erinnert mich an Dorothy Malone als Buchhändlerin in THE BIG SLEEP.

London

Heute beginnen in London die Olympischen Spiele. Man wünscht ihnen einen friedlichen, spannenden Verlauf. Als Filmliebhaber ist einem London aus den unterschied-lichsten Perspektiven vertraut – als Aktionsraum zum Beispiel von James Bond, Sherlock Holmes, Jack the Ripper oder William Thacker. Mit der Tower Bridge, dem Big Ben, der Themse oder Notting Hill bietet die Stadt Hintergründe, die sofort erkannt werden. Nicht zu reden von den schwarzen Taxen, den roten Telefonzellen und den speziellen Doppeldeckerbussen. Also zwischen den Wettkämpfen immer mal einen London-Film anschauen. Hier eine Auswahl: http://en.wikipedia.org/wiki/London_in_film