SONNTAG AUS LICHT

Morgen Abend um 23.15 Uhr zeigt WDR 3 einen neuen Film von Enrique Sanchez Lansch: SONNTAG AUS LICHT. Enrique hat die Inszenierung der Urauffüh-rung der Oper von Karlheinz Stockhausen von den ersten Proben bis zur Premiere in der Kölner Oper im April 2011 mit der Kamera beobachtet. Sein Film ist bereits auf mehreren Festivals gezeigt worden. Einen ersten Eindruck vermittelt ein Ausschnitt auf youtube: SiYl2dzs . Mehr zum Film auf der Website von Enrique: von-karlheinz-stockhausen

Installationen

Im Münchner Haus der Kunst sind zurzeit Installationen des kanadischen Künstler-paares Janet Cardiff und George Bures Miller zu sehen, die mit Momenten des Kinos spielen und spezielle Erlebnisräume schaffen. Sie imaginieren Wahrnehmungen, wie sie auch im Kino stattfinden. Und sie können daraus durch akustische Effekte und optische Brechungen eine eigene Kunstwelt formen. Susan Vahabzadeh hat darüber in der SZ vom 20.4. einen wunderbaren Text geschrieben, der leider nicht im Netz abzurufen ist. Mehr zur Ausstellung:   bdf2fffbea739a

Der Film und das Tier

Hühner und Katzen, Löwen und Affen, Dinosaurier und Schmetterlinge – eigentlich haben alle Tierarten ihr spezielles Leinwand-leben. In meiner Bibliothek steht das Buch „Wilde Tiere im Film“ von Joseph Delmont, einem Großwildjäger und Tierfilmregisseur, aus dem Jahr 1925. Ein Lexikon der Filmtiere wäre schön, ist aber wohl undenkbar. Die Alternative: Analyse von Spezialfällen. Das Bremer Filmsymposium hat sich 2011 mit dem Thema beschäftigt, und bei Bertz + Fischer ist jetzt die Dokumentation der Vorträge erschienen. Sortiert unter den Begriffen Klassifizierungen, Cinephilien und Philosophien sind zehn Texte von Winfried Pauleit, Vinzenz Hediger, Sabine Nessel, Jonathan Burt, Annette Förster, Gustavon Martin Garzo, Raymond Bellour, Ute Holl, Herbert Schwaab und Jennifer Fay zu lesen. Ganz besonders gefallen hat mir Bellours Erinnerung an BRINGING UP BABY und MONKEY BUSINESS von Howard Hawks. Mehr über das Buch: filmunddastier.html

My Week with Marilyn

Heute startet der englische Film MY WEEK WITH MARILYN von Simon Curtis mit Michelle Williams, Emma Watson und Kenneth Branagh in den deutschen Kinos. Erzählt wird eine „True Story“, die sich im September 1956 während der Dreharbeiten zu THE PRINCE AND THE SHOWGIRL ereignet haben soll. Der Autor Colin Clark war damals als dritter Assistent auf dem Set in den Pinewood Studios ein sehr realer Protagonist in einem fast mythischen Geschehen. Sein Buch, geschrieben vor zwölf Jahren, ist rechtzeitig zu Filmpremiere bei Schirmer/Mosel Literatur erschienen: „Meine Woche mit Marilyn. Eine wahre Geschichte“. Clark hat in den 1960er und 70er Jahren viele Dokumentarfilme gedreht, dann als Schriftsteller gearbeitet und ist 2002 gestorben. Für Marilyn-Fans ist es natürlich obligatorisch, das Buch zu lesen und den Film zu sehen.  Mehr über das Buch: php?products_id=670  Über den Film hat Susan Vahabzadeh eine schöne Kritik in der SZ geschrieben: der-schoene-und-das-biest-1.1335098

goEast

Heute beginnt in Wiesbaden das Festival goEast, es findet zum 12. mal statt. Wie immer gibt es einen Wettbewerb, ein Hoch-schulprogramm, diverse Specials und ein Porträt mit Werkschau (diesmal dem Regisseur Sergei Loznitsa gewidmet). Im filmhistorischen Symposium geht es um das Studio Lenfilm, dessen Existenz gefährdet ist. In sieben Vorträgen und einer Diskussion wird die Geschichte des ältesten russischen/sowjetischen Studios dargestellt, dazu werden 13 Spielfilme und verschiedene Kurzfilme gezeigt. Mehr über das Programm: goeast_programmheft2012_web.pdf

Filmland Brandenburg

Aus Berliner Sicht ist Brandenburg „das Umland“. Aber das Land Brandenburg hat eine eigene Geschichte und, wie man weiß und durch dieses Buch bestätigt bekommt, auch eine eigene Filmgeschichte. Sie ist eng verbunden mit dem Studio in Babelsberg, aber ihre Schauplätze sind kreuz und quer über das Land verstreut. Da ist es hilfreich, eine Art Reiseführer zur Hand zu haben. Marcel Piethe, gut vertraut mit Regional- und Landesgeschichte, gibt sechs Strecken vor, die er mit insgesamt mehr als 300 Filmen verknüpft: vom Spreewald und dem FREMDEN VOGEL (1912) mit Asta Nielsen bis nach Neuruppin und Hermine Huntgeburths HUCK FINN (2012) mit Heike Makatsch. Kein Lexikon, sondern ein schönes Lesebuch. Heute Abend wird es im Filmmuseum Potsdam präsentiert:  de/398-0-7613.htm.  Mehr zum Buch:  filmlandbrandenburg.html

Film-Konzepte: Bertrand Tavernier

Kompliment an Thomas Koebner und Fabienne Liptay: jetzt ist der 25. Band ihrer Reihe „Film-Konzepte“ erschienen. Er ist dem französischer Regisseur Bertrand Tavernier gewidmet, und als Gastheraus-geber fungiert diesmal Karl Prümm, der natürlich auch in den Band einleitet. Es gibt zwei Generalartikel (von Pascale Anja Dannenberg und Marie Krämer) und vier Texte zu einzelnen Filmen; sie stammen von Norbert Grob (über ROUND MIDNIGHT), Karl Prümm (LA VIE ET RIEN D’AUTRE), Karina Kirsten (LA GUERRE SANS NOM) und Gerhard Midding (LA PRINSECCE DE MONTPENSIER im Kontext der Historienfilme von Tavernier). Mit Bio- und Filmgrafie. Schön, dass dieser Regisseur endlich bei uns gewürdigt wird. Mehr zum Buch: werke_default_film

Intermaterialität

Zur Definition: „Intermaterialität beschreibt die Beziehung zweier oder mehrerer Artefakte oder Zeichengebilde, wenn sie auf materialer Basis interagieren.“ Auch wenn zu Zeiten des Expressionismus von Intermaterialität noch nicht die Rede war, lässt sich aus dem Bezugssystem für das damalige Zusammen-spiel der Künste einiger Erkenntnisgewinn erzielen. Kleinschmidt analysiert an konkreten Beispielen das Zusammenwirken zwischen Text und Bild, Schrift und Film, Musik und Theater. Sein wissenschaftlicher Anspruch ist hoch, mit über 1.000 Quellenvermerken ist er auf der sicheren Seite. Was den Film betrifft, so konfrontiert er ihn, ausgehend vom „Kinobuch“ von Kurt Pinthus, mit der Literatur der Zeit und deren Aneignung des neuen Mediums. Sehr lesenswert ist das Kapitel „Der Stummfilm und die Schrift“, das sich auf drei Beispiele konzentriert: DAS CABINET DES DR. CALIGARI, DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM und NOSFERATU. Mehr über das Buch: www.transcript-verlag.de/ts1967/ts1967.php

Untergang der Titanic

Seit Wochen werden wir auf das Jubiläum eingestimmt: heute vor 100 Jahren ist die Titanic untergegangen. In vielen Kinos läuft Camerons Film in 3D. An verschiedenen Orten sind Spezialveranstaltungen ange-kündigt. Im Fernsehen gibt es jede Menge Dokumentationen. Und auch die Film-literatur leistet einen originalen Beitrag: im Verlag edition text + kritik ist soeben ein Buch von Michael Wedel erschienen. Es heißt „Kollision im Kino“ und stellt zwei Mythen in den Mittelpunkt: den frühen deutschen Film TITANIC – IN NACHT UND EIS aus dem Jahr 1912, der lange als verschollen galt und jetzt wieder zugänglich ist, und den Regisseur dieses Films, den Rumänen Mime Misou, über den fast gar nichts bekannt war. Er hat als Regisseur und Darsteller bis 1914 fünf kurze und mittellange Filme gedreht, in den folgenden Jahren in Holland und den USA gelebt und sich 1921 aus dem Filmgeschäft zurückgezogen. Wedels Buch, gut recherchiert, ist ein eigenständiger Beitrag zum Untergangsjahr. Mehr zum Buch: neu_werke_default_film

Retrospektive Suzuki Seijun

Heute ist Freitag, der 13. Da sollte man vielleicht auf irgendeine verrückte, Glücks-gefühle auslösende Horrorveranstaltung hinweisen. Es bietet sich eine Retrospektive des japanischen Genreregisseurs Suzuki Seijun (*1923) an. 23 Filme, darunter viele bei uns unbekannte Werke des Regisseurs, sind seit gestern im Österreichischen Filmmuseum in Wien zu sehen. Sie sollen dank der Unterstützung japanischer Kulturinstitutionen demnächst auch in anderen Städten in Europa zu sehen sein. Mehr über den Regisseur und das Programm: 6459467&reserve-mode=active