Gene Kelly 100

Wieder ein Hundert-jähriger. Allerdings haben wir uns 1996 von ihm verabschie-det, und Michael Althen schrieb da-mals einen schönen Nachruf in der SZ: personen/kelly-gene/ Als ich vor 60 Jahren zuerst AN AMERI-CAN IN PARIS und wenig später SINGIN’ IN THE RAIN sah, hat das meine Ansprüche an den Tanzfilm geprägt: dass er für Lebensfreude und Phantasie zu sorgen hat. Zumindest in den 1950er Jahren stand mir Kelly näher als Fred Astaire. Das hat sich später etwas verändert.

Der komische Kintopp

16 Komödien aus den Jahren 1908 bis 1919 sind auf dieser DVD versammelt. Wenn man sie hintereinander anschaut, hat man 147 Minuten lang etwas zum Lachen. Das ist nicht immer subtil, aber ganz auf der Höhe der Zeit. Marie-Luise Bolte spielt dazu Klavier, auch das Opium-Salonorchester macht sich akustisch bemerkbar, und als Sprecher fungiert Ulrich Tukur. Ein Geburtstagsgeschenk (er wurde 65 Jahre alt) für den Hamburger Filmhistoriker Hans-Michael Bock von Absolut Medien, und Arte ist Kooperations-partner, weil die Reihe dort zu sehen war. Wer die Filme von Gerhard Dammann, Heinrich Bolten-Baeckers, Viggo Larsen oder Karl Valentin noch nicht kennt, sollte seinen Horizont unbedingt erweitern. Hans-Michael hat die Filme in europäischen Archiven ausfindig gemacht. Die DVD enthält eine umfangreiche pdf-Broschüre. Im neuesten Heft des film-dienstes (Nr. 17, 16. August) hat Roland Mörchen über die DVD geschrieben. Und auf der Website von Absolut Medien gibt es zusätzliche Informationen: 1480&list=medien&list_item=2

Gartenkunst im Spielfilm

Auf den ersten Blick ist dies ein Sommer-buch. Aber dann wird dem Leser klar, dass es sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit (Dissertation) handelt und im Garten viele geheimnisvolle Geschichten passieren, die einen kulturellen Hintergrund haben und zumindest partiell historisch zu entschlüs-seln sind. Vor allem sechs Filme stellt Nina Gerlach in den Mittelpunkt ihrer Analysen: MON ONCLE (1958) von Jacques Tati, L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD (1961) von Alain Resnais, BARRY LYNDON (1975) von Stanley Kubrick, THE DRAUGHTSMAN’S CONTRACT (1982) von Peter Greenaway, PLEASANTVILLE (1998) von Gary Ross und VATEL (2000) von Roland Joffé. Eine größere Rolle spielen auch Jane Austen-Verfilmungen und Suburbia-Filme der 1990er Jahre. Das Buch ist formal und typologisch gut strukturiert und durch hilfreiche Register erschlossen: 100 Orte, 170 Filme. Mit 144 sw-Abbildungen, die teilweise etwas zu klein geraten sind, und 44 Farbtafeln. Jan Fücht-johann hat am 7. August in der Süddeutschen Zeitung eine sehr lesenswerte Rezension des Buches veröffentlicht, die leider nicht im Netz abrufbar ist; es lohnt sich, für die Lektüre 2 € zu zahlen. Mehr über das  Buch: www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5273-3.html

First Steps

Heute Abend wird im Berliner „Stage Theater“ am Marlene-Dietrich-Platz zum 13. Mal der Deutsche Nachwuchspreis „First Steps“ verliehen. Ins-gesamt 82.000 € werden von drei Jurys (Spielfilm, Doku-mentarfilm, Werbefilm) an Abschlussfilme deutsch-sprachiger Filmschulen vergeben. Die Nominierungen sind seit drei Wochen bekannt. Nun geht es in fünf Kategorien um die Gewinner und um einen Ehrenpreisträger. Moderiert wird die Veranstaltung von Joko Winterscheidt. Und wer am Ende gewonnen hat, ist nachzulesen auf der Website www.firststeps.de/wettbewerb/die-preise.html

Revolver 26: Manifeste

Man kann Manifeste auf Bestellung schrei-ben. Die Filmzeitschrift Revolver hat befreundete Filmemacher um entsprechende Texte gebeten und 22 erhalten, die in der neuen Ausgabe abgedruckt sind. Geantwortet haben u.a. Apichatpong Weerasethakul, Marie Vermillard, Romuald Karmakar, Claire Denis, Redaktionsmitglied Christoph Hochhäusler, Ira Sachs, Mario Mentrup + Volker Sattel, Werner Penzel, Amie Siegel, Marina Abramovic und Klaus Lemke. Das kürzeste Manifest stammt von Angela Schanelec: „Flüchtigkeit. Absichtslosigkeit. Genauigkeit. Erstaunen.“ Vier Worte, ein Programm. Damit die Internationalität für alle Beteiligten erfahrbar wird, wurden die deutschen Manifeste ins Englische, die englischen und französischen ins Deutsche übersetzt. Mehr zu  Revolver:  www.revolver-film.de/

Maximilian Schell – Erinnerungen

Er ist ein Star, sehr selbstbewusst und kann ziemlich gut schreiben. Es war also nur eine Frage der Zeit, dass der Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell (*1930) uns sein Leben erzählt. Mit 81 ist er relativ spät dran, seinen ‚Oscar’ hat er vor inzwischen 50 Jahren bekommen. Seit Juni sind seine „Erinnerungen“ im Buchhandel und bewegen sich im unteren Bereich der Bestsellerliste. Er fühlt sich in Deutschland nicht wirklich geliebt und anerkannt. Seine großen Erfolge als Schau-spieler fanden im Ausland statt. Er hat mit vielen internationalen Stars zusammengearbeitet, war mit einigen befreundet (Montgomery Clift, Marlon Brando) und kann das alles sehr lebendig erzählen. Die Eitelkeiten halten sich in Grenzen, es ist der Respekt vor kollegialen Leistungen zu spüren, und natürlich geraten viele Geschichten zu Anekdoten. Seine Lebensreise führt uns kreuz und quer durch die Welt, die verschiedensten Künste und immer mal wieder auf die Kärtner Alm, wo er sich am wohlsten fühlt. Sehr berührend: die Erzählungen über seine Agentin Erna Baumbauer, seinen Freund Friedrich Dürrenmatt und auch das lange Kapitel über Marlene Dietrich. Viele Abbildungen und Faksimiles, Resultat eines reichen Lebens.

shomingeki 24

Es gibt diese Filmzeitschrift seit 16 Jahren, vielleicht ist es die letzte Nummer, der Herausgeber Rüdiger Tomczak deutet das in seinem Editorial an. Elf Texte fügen sich – wie immer sehr eigenwillig – zueinander, als Mitarbeiter werden Johannes Behringer, Stefan Flach, Charles Hersperger, Bettina Klix und Peter Nau genannt, sie schreiben über Helke Misselwitz, Naomi Kawase, Jia Zhang-ke, Jafar Panahani, Celia Caturelli, Robert Mulligan, Helmut Färbers Buch „Partie/Renoir“ und unter der Überschrift „Der Backsteingiebel nachts um halb eins“ über viele, sehr unterschiedliche Filme. Tomczak trägt einen langen, schönen Text über Terrence Malicks The Tree of Life  und Gedanken zu acht Filmen von Kinuru Shibuya bei. Shomingeki – das ist ein Verweis auf ein Genre des japanischen Kinos, das sich mit dem Leben einfacher Menschen beschäftigt und heute fast ausgestorben ist. Mehr über die Zeitschrift: www.shomingeki.de

Ufa Filmnächte

Die Ufa-Filmnächte finden in diesem Jahr zum ersten Mal auf dem Schinkelplatz in Berlin Mitte statt. Am ersten Abend gibt es als Double Feature zunächst Walther Ruttmanns BERLIN. DIE SINFONIE DER GROSSSTADT (1927), live begleitet vom Kammerorchester Potsdam, und anschließend Thomas Schadts Remake BERLIN: SINFONIE EINER GROSSSTADT (2002). Am 17. August ist Joe Mays ASPHALT (1929) zu sehen, musikalisch unterstützt von der Berliner Formation „Trioglyzerin“. Und am Schlussabend steht Fritz Langs SPIONE (1928) auf dem Programm, am Flügel begleitet von Neil Brand.

Internationale Stummfilmtage in Bonn

Morgen beginnt in Bonn das 28. Sommerkino: die internatio-nalen Stumm-filmtage, veranstaltet in Zusammen-arbeit mit dem Münchner Filmmuseum. Sie werden eröffnet mit Erich von Stroheims THE WEDDING MARCH. Auf dem Pro-gramm stehen bis zum 26. August 20 Filme. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Beziehung Franz Kafkas zum Film. Diesem Thema ist auch ein zweitägiges Symposium gewidmet (21.+22. August).

Ronny Loewy

Am 9. August ist unser Freund Ronny Loewy im Alter von 66 Jahren gestorben. Das ist bitter und traurig für seine Frau Gisela und für alle, die ihn kannten. Als Filmhistoriker hat er eher im Hintergrund gearbeitet, war eng mit der Stadt Frankfurt, dem Kommunalen Kino und dem Deutschen Filmmuseum verbunden. Seine wichtigsten Themen waren das jiddische Kino, das Filmexil und der Holocaust. Seit 1993 betreute er die „Cinematographie des Holocaust“ für das Fritz Bauer Institut, das Deutsche Filminstitut und CineGraph Hamburg. Man traf ihn bei der Berlinale, beim Deutschen Filmpreis, bei wichtigen Veranstaltungen und hatte immer Gesprächsstoff. Wir werden nicht vergessen, wie er uns 1996, bei einem Besuch in Jerusalem (FIAF-Kongress), die Stadt nahe gebracht hat. Wir werden ihn sehr vermissen.