Polar

Das Wort, das uns als Bezeichnung für Gegensätze dient, hat in Frankreich eine allseits bekannte filmische Bedeutung. Es kombiniert die Wörter „police“ und „argot“, Polizei und Gaunersprache, es meint die Konfrontation von Gesetz und Verbrechen, es fungiert als Genrebegriff für alles Kriminelle, mit vielen Subgenres und der Konstante der Dunkelheit, der Nacht. In der Genre-Reihe des Bender-Verlages ist jetzt, herausgegeben von Ivo Ritzer, ein Band mit 15 kenntnis-reichen Beiträgen zum „Polar“ erschienen. Vom Herausgeber stammt ein fundierter Genre-Diskurs, von Dominik Graf eine persönliche Hommage. Es gibt Texte zur historischen Entwicklung, zu einzelnen Phänomenen und zu ausgewählten Regisseure, zum Beispiel Henri-Georges Clouzot, Claude Chabrol, José Giovanni, Jean-Pierre Melville, Alain Corneau, Philippe Grandrieux, Gaspar Noé und Bruno Dumont. Zu den Autoren gehören Norbert Grob, Bernd Kiefer, Roman Mauer, Karlheinz Oplustil, Andreas Rauscher, Marcus Stiglegger und verschiedene Doktoranden der Filmwissenschaft in Mainz. Gute Abbildungen. Der vierte Genre-Band bei Bender. Ob weitere folgen? Mehr zum Buch: 82fa5d59656dfb14b2f42e32fea8c436

Filmidole im Dritten Reich

1991 hat Friedemann Beyer sein erstes Buch über Nazi-Schauspielerinnen publiziert; es hieß damals „Die Ufa-Stars im Dritten Reich“. Nach über zwanzig Jahren ist jetzt eine überarbeitete Neuausgabe erschienen: „Frauen für Deutschland“, in der Collection Rolf Heyne. Es geht um Zarah Leander, Olga Tschechowa, Sybille Schmitz, Ilse Werner und Kristina Söderbaum, die auch den Titel schmückt (in der ersten Fassung waren noch alle fünf Frauen auf dem Cover zu sehen). Es wurden neue Erkenntnisse eingearbeitet, und auch der Fototeil ist erweitert worden. Manchmal lohnt es sich, an ein früheres Buch noch einmal Hand anzulegen. Mehr zum Buch: titel503.html

Tanzfieber auf 3sat

Wieder ein Thementag auf 3sat. Diesmal geht es um Tanzfilme. Seit 6.05 Uhr wird gesendet. 18 Filme stehen auf dem Pro-gramm, vier Spielfilme, darunter die  BROADWAY MELODY 1936 und TANZ MIT MIR (1937), 14 kürzere oder längere Dokumentationen, darunter – der Film darf natürlich nicht fehlen – RHYTHM IS IT. Ab Mitternacht bis sechs Uhr morgens wird das eine oder andere wiederholt. Mehr zum Ablauf: www.3sat.de/page/?source=/ard/161734/index.html

Rückblickend auf den Neorealismus

Im Münchner Filmmuseum hat gestern eine Filmreihe begonnen, die dem italienischen Neorealismus gewidmet ist. 22 Filme aus den Jahren 1942 bis 1963 stehen auf dem Programm, darunter natürlich die unverzichtbaren Meisterwerke ROMA, CITTA APERTA (1944) von Roberto Rossellini, LADRI DI BICICLETTE (1948) von Vittorio De Sica, I VITELLONI (1953) von Federico Fellini, IL GRIDO (1957) von Michelangelo Antonioni und ROCCO E I SUOI FRATELLI (1960) von Luchino Visconti. Peter Nau hat für das Programmheft in seinem unverwechselbaren Stil einen schönen Text geschrieben: aktuell/neorealismus.pdf

Deutscher Filmpreis

Heute werden in Berlin die „Lolas“ verliehen, die als „Deutscher Filmpreis“ die höchsten Auszeichnungen in der Bundesrepublik im Bereich der Kultur sind, weil ihre Empfänger auch Geld mit nach Hause nehmen. Veran-stalter ist die Deutsche Filmakademie, Geld-geber der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Nominierungen gibt es in 16 Kategorien. Den Ehrenpreis – undotiert – erhält in diesem Jahr der Kameramann Michael Ballhaus. Da trifft es sich gut, dass im vergangenen Jahr bei Bloomsbury eine aktualisierte Neuauflage des Buches „Das fliegende Auge“ erschienen ist; es dokumentiert ein Werkstattgespräch zwischen Ballhaus und dem Regisseur Tom Tykwer. Mehr über das Buch: 9783827010162

Oberhausen: 50 Jahre Manifest

Morgen beginnen die 58. Oberhausener Kurzfilmtage, und weil dort vor fünfzig Jahren das Oberhausener Manifest verlesen wurde, soll das auch gefeiert werden. Natürlich gibt es eine Publikation zum Jubiläum. Sie hat den Titel „Provokation der Wirklichkeit“, ihre Herausgeber sind der Publizist Ralph Eue und der Leiter der Kurzfilmtage Lars Henrik Gass. Der Band enthält Dokumente, Essays und Gespräche. Mehr über das Buch: default_film. Neben dem Buch gehören zur Würdigung des Jahrestages die Restaurierung zahlreicher Filme der Unterzeichner, eine DVD-Edition mit deren Arbeiten, eine Reihe von Filmprogrammen im In- und Ausland, die Website www.oberhausener-manifest.com sowie ein internationales Symposium im Österreichi-schen Filmmuseum Wien am 7. und 8. Juni. Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Oberhausen auf Arte

Der Regisseur Hansjürgen Pohland (*1934) gehörte zu den 26 Unterzeichnern des Ober-hausener Manifests im Februar 1962. Nach fünfzig Jahren hat er sich für den WDR auf Spurensuche begeben und den 52-Minuten-Film DIE REBELLEN VON OBERHAUSEN gedreht. Zu Wort kommen unter anderem Alexander Kluge, Edgar Reitz und Haro Senft. Zu Gast ist Volker Schlöndorff. Der Film wird heute um 22.15 Uhr auf Arte ausgestrahlt. Anschließend ist Alexander Kluges Film ABSCHIED VON GESTERN (1966) zu sehen. Mehr zum Pohland-Film: year=2012.html (Foto: Haro Senft).

Wenders-Ausstellung in Hamburg

In der Sammlung Falckenberg der Deichtor-hallen in Hamburg-Harburg sind zurzeit und noch bis zum 5. August 60 Fotografien von Wim Wenders zu sehen. Es geht um Orte, die im Verschwinden begriffen sind: „Places, strange and quiet“. Wenders, bekanntlich viel unterwegs, hat in allen Erdteilen fotografiert. Seine Fotos sind eigene Kunstwerke. Achtung: die Besich-tigung ist nur nach Voranmeldung möglich. Mehr zur Ausstellung: index.php?id=230 . Ein Katalog ist 2011 bei Hatje erschienen.

Welttag des Buches

Heute setzen die Stiftung Lesen, der Börsen-verein des Deutschen Buchhandels und viele Verlage zum UNESCO-Welttag des Buches ihre Lesezeichen. Da kann man auch auf dieser Website nicht einfach ein spezielles Filmbuch vorstellen. Da muss man pro-grammatisch darauf hinweisen, wie wichtig Bücher auch für den Film sind. Als Weg-weiser, als Inspirationen, als Quellen und als Motivationen, ins Kino zu gehen und sich einen neuen oder alten Film anzuschauen. Es lebe das Buch! Mehr zum Welttag des Buches: www.welttag-des-buches.de/de/135793

SONNTAG AUS LICHT

Morgen Abend um 23.15 Uhr zeigt WDR 3 einen neuen Film von Enrique Sanchez Lansch: SONNTAG AUS LICHT. Enrique hat die Inszenierung der Urauffüh-rung der Oper von Karlheinz Stockhausen von den ersten Proben bis zur Premiere in der Kölner Oper im April 2011 mit der Kamera beobachtet. Sein Film ist bereits auf mehreren Festivals gezeigt worden. Einen ersten Eindruck vermittelt ein Ausschnitt auf youtube: SiYl2dzs . Mehr zum Film auf der Website von Enrique: von-karlheinz-stockhausen