Watch It!

Eine Dissertation in englischer Sprache, die an der Universität Innsbruck entstanden ist. Ingrid Haidegger untersucht Form und Funktion von Filmplakaten. Sie hat für ihre Analysen beispiel-haft jeweils 25 Filme der zehn Genres Action-Film, Komödie, Kriminalfilm , Historienfilm, Epos und biografischer Film, Horrorfilm, Musical, Romanze, Science-fiction- und Fantasy-Film, Kriegsfilm, Western aus-gewählt, also insgesamt 250 Titel, die alle aus der Zeit zwi-schen 2010 und 2015 und über-wiegend aus den USA stammen. Es sind viele bekannte, aber auch zahlreiche (mir) nicht bekannte Filme darunter. Eine Liste aller Filme ist angefügt. Für jeden Film hat sie ein Formular mit Daten und Fakten ausgefüllt, wir finden den Ent-wurf dafür ebenfalls im Anhang. Eine kurze Geschichte des Filmplakats leitet die Arbeit ein. Die Analyse trennt dann zwischen verbalen und visuellen Elementen. Die verbalen Elemente sind: Filmtitel, Untertitel, Zielrichtung, MPAA Rating, Kritiken, Produktionskosten, Hinweise auf 3D und IMAX, Starttermin, Links zu sozialen Netzwerken, Studio Logos, Hinweise auf verfügbares Merchandising. Die wichtigsten visuellen Elemente sind: Schauplätze, Farben, Licht, Hintergrund-gestaltung, Blickwinkel, Kleidung, Körpersprache und Star Images. Eine große Rolle spielen die spezifischen Indikatoren für die Genres. Die Erkenntnisse der Autorin sind Resultate ihrer präzisen Analysen. Sie bleiben allerdings im sprachlichen Raum, denn es gibt keine Abbildungen. Es empfiehlt sich, parallel zur Lektüre die Plakate zu einzelnen Filmen im Internet zu suchen. Mehr zum Buch: Haidegger_Watch_It_/

Drei Western mit James Stewart

Drei Western mit James Stewart sind jetzt als Blu-ray bei Koch Media erschienen. Natürlich überragt MEUTEREI AM SCHLANGEN-FLUSS (1951, OT: BEND OF THE RIVER) von Anthony Mann die beiden anderen Filme. Er war als Regisseur einer der Großen des amerikanischen Kinos. Seine Helden sind meist ambivalent. Sie haben eine Vergangenheit, die uns nur fragmentarisch vermittelt wird. Am Anfang schneidet Glyn McLyn-tock (James Stewart) seinen Freund Emerson Cole (Arthur Kennedy) vom Baum ab, an den ihn erzürnte Bürger gehängt hatten. Am Ende führt er mit ihm einen existentiellen Faustkampf. Cole wird von der Strömung mitgerissen, McLyntock überlebt. Aber sein körperlicher Zustand ist erbärmlich. Nie hat man James Stewart so entkräftet gesehen. Eigentlich hat er der Gewalt entsagt, aber er wurde durch das Verhalten von Cole zur Gewalt gezwungen. Und er steigt aus dem Fluss, als sei er jetzt ein anderer Mensch, endgültig befreit von den Sünden einer dunklen Vergangenheit. Das alles geschieht im kalten Winter. Drehbuch: Borden Chase. Ein herausragender Film. Mehr zur Blu-ray: meuterei_am_schlangenfluss_blu_ray/

Bei DIE UHR IST ABGELAUFEN (1957, OT: NIGHT PASSAGE) hat James Neilson Regie geführt, weil sich James Stewart vor Drehbeginn mit dem ursprünglich vorgesehenen Anthony Mann überworfen hatte. Es geht um die Lohngelder einer Eisenbahngesellschaft in Colorado und um zwei feindliche Brüder. Der jüngere (Audie Murphy) gehört zu einer Bande, die regelmäßig Lohn-gelder raubt, der ältere (Stewart) wird engagiert, um das zu verhin-dern. Murphy stirbt am Ende. Eine Schlüsselrolle spielt Dan Duryea. Drehbuch: Bordon Chase, Kamera: William Daniels, Musik: Dimitri Tiomkin. Man wüsste gern, was Anthony Mann daraus gemacht hätte, aber die Darsteller sind beeindruckend und die Landschaftsaufnahmen haben einen eigenen Reiz. Mehr zur Blu-ray: abgelaufen_blu_ray/

RANCHO RIVER (1966, OT: THE RARE BREED) ist eine Western-komödie von Andrew V. McLaglen. Die energische englische Witwe Martha Price (Maureen O’Hara) reist mit ihrer Tochter und einem preisgekrönten Bullen in die USA, um das wertvolle Tier teuer zu versteigern. Sie bekommt bei der Auktion auch viel Geld, muss aber dafür sorgen, dass der Bulle auf die Ranch des neuen Besitzers in Texas transportiert wird. Hier kommt James Stewart als Cowboy Sam Bernett ins Spiel, der die weite Reise clever organisiert, aber auch nach der Ankunft in Texas noch Konflikte klären muss. Stewart und O’Hara sind wunderbar. Gedreht in Panavision, hinter der Kamera stand William H. Clothier. Beein-druckende Bilder. Mehr zur Blu-ray: rancho_river_blu_ray/

Casablanca 1943

Im November 1942, also vor 75 Jahren, wurde das Melodram CASABLANCA von Michael Curtiz mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in New York uraufgeführt. Es ist in der Film-geschichte zu einem Mythos geworden. Norbert F. Pötzl verknüpft in seinem Buch die Entstehungsgeschichte des Films und seine Rezeption mit einem historischen Ereignis, das im Januar 1943 in Casablanca stattfand: eine geheime Konferenz, bei der Amerikas Präsident Franklin D. Roosevelt und Großbritanniens Premier-minister Winston Churchill die bedingungslose Kapitulation der Achsenmächte zur ihrem gemein-samen Kriegsziel erklärten. Die Öffentlichkeit wurde darüber erst nach Beendigung der Konferenz informiert. In seinem ersten Kapitel erzählt der Autor von der Vorführung des Films CASABLANCA am Silvester-abend im Weißen Haus. Das zweite Kapitel, „Washington Goes to Hollywood“, informiert sehr detailliert über die Produktionshinter-gründe des Films und die Verbindungen zwischen Politik und Film Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre in den USA. Vor allem die Rolle der deutschen Emigranten wird hier ausführlich dargestellt. In den vier folgenden Kapiteln – Roosevelt, Churchill, De Gaule, Die Konferenz – stehen Politik und Zeitgeschichte im Mittelpunkt. Dem Film und seiner Rezeption in den USA ist ein Folge-Kapitel gewidmet. Im Epilog wird die Reaktion von Goebbels auf die Geheimkonferenz dokumentiert und schließlich über die gekürzte Fassung des Films informiert, die ab August 1952 in den westdeutschen Kinos zu sehen war. Der frühere „Spiegel“-Redakteur Pötzl hat gut recherchiert, seine Montage von Film- und Zeitgeschichte ist durchaus lesenswert. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: www.randomhouse.de/Buch/Casablanca-1943/Norbert-F-Poetzl/Siedler/e503254.rhd

Vielfalt und Diversität in Film und Fernsehen

Texte zu den Themen Behinde-rung und Migration in Film und Fernsehen. Ich greife einige Beiträge heraus, die mir beson-ders gefallen haben: Günter Helmes beschäftigt sich mit einem frühen Klassiker des Genres „Behindertenfilm“, dem Lehrstück FREAKS (1932) von Tod Browning. Walter Löser untersucht die Abbildung menschlichen Hörvermögens in Filmen unter besonderer Berücksichtigung von JEN-SEITS DER STILLE (1996) von Caroline Link. Bei Sven Degenhardt und Florian P. Hilgers geht es um die Darstellung blinder Menschen im Film. Ingo Bosse informiert über die Darstellung von Behinderung in Boulevardmagazinen und Krimiserien im Fernsehen. Maik Friedrichsen richtet seinen Blick auf die Figur des „Anti-Türken“ in Fatih Akins Film AUF DER ANDEREN SEITE (2007). Julia Ricart Brede analysiert den Dokumentarfilm BABYS (2010) von Thomas Balmès. Henrike Terhart und Hans-Joachim Roth geben einen Überblick über Migration, Mehrsprachigkeit und kindliches Fernsehen. Diana Maak und Dorothea Spaniel-Weise kommen zu der Erkenntnis, dass es kein richtiges Weihnachten in Dänemark ohne den TV-Weihnachtskalender gibt. Mit wenigen Abbildungen. Mehr zum Buch: 66d16ddd6e

Ost – West – Global

In einem voluminösen Buch (500 Seiten), für das er beeindruckend recherchiert hat (fast 2.000 Quel-lenverweise), beschäftigt sich Thomas Beutelschmidt mit dem „sozialistischen Fernsehen im Kalten Krieg“. Vier Kapitel struk-turieren den Band: 1. Eine Organi-sationsgeschichte. Hier geht es um die „Internationale Rund-funk- und Fernsehorganisation“ (OIRT) der osteuropäischen Staaten und ihre Zusammenarbeit bis zur Gründung der Intervision. 2. Eine Programm-geschichte. Sie informiert über die Intervision und ihren Nachrichten- und Programmaustausch. 3. Eine Technikgeschichte. Sie dokumentiert die Infrastrukturen des internationalen Programmtransfers speziell auf der Ebene von Ökonomie und Technik. 4. Eine nationale Medien-geschichte. Sie behandelt das DDR-Fernsehen als Paradigma für die osteuropäische Medienentwicklung. Wichtige Aspekte sind hier die Rolle des Außenministeriums, die Hauptabteilung Internationale Verbindungen, das Intervisions-Büro, der internationale Programm-austausch, die Studio- und Sendetechnik in der Verantwortung des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen, die Einführung des Farbfernsehens, die Medienpolitik als Außenpolitik, der Kampf um internationale Anerkennung, der Beitritt zum Internationalen Fernmeldeverein. Im Text ist dies jeweils mit vielen konkreten Programmbeispielen belegt. Auf rund 100 Seiten findet man in diesem Kapitel eine konzentrierte Darstellung der Geschichte des DDR-Fernsehens. Beutelschmidt ist mit dem Thema bestens vertraut, der Anhang enthält interessante Übersichten sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Mit Abbildungen in akzeptabler Qualität. Mehr zum Buch: Ost+-+West+-+Global+&tm_submit_search=

Leben nach Luther

Das protestantische Pfarrhaus ist ein beliebter Schauplatz für Filme und Fernsehserien. Der Gymnasiallehrer Manfred Tiemann ist mit dem Thema bestens vertraut und hat jetzt ein Buch publiziert, das 240 Filme zum Thema dokumentiert, von ADAMS ÄPFEL bis ZWEI VER-LORENE SCHAFE. 53 Titel werden auf 150 Seiten genauer vorgestellt, erläutert und inter-pretiert. Zuvor gibt es ein Kapitel, in dem das Pfarrhaus in unterschiedlichen politisch-gesellschaftlichen Situationen dargestellt wird: in der Reformationszeit, als Staats- und Pastoren-kirche im 19. Jahrhundert, im Nationalsozialismus, in der Nachkriegs-zeit, in der 68er-Bewegung, in der DDR, im 21. Jahrhundert. Es geht um die Vorbereitungen auf Pfarramt und Pfarrhaus, Pfarrersfamilien in der Missionsarbeit, Erwartungen an die Pfarrersfrau, Erziehungsfragen der Kinder, das Amtsverständnis, Vorurteile gegen Frauen im Pfarramt, Pfarrerinnen in der Polizeiseelsorge und der Notfallseelsorge, um alleinerziehende Väter und Mütter, das Leben als Pfarrmann, den Pfarrer als Angeklagten, die Gewissensfrage Abtreibung, die Emanzipation der Pfarrersfrau, Flucht aus dem Pfarrhaus, Untreue in der Ehe, Scheitern der Ehe, Partnersuche, Wiederverheiratung, Neuanfang, um Glaubenskrise und Scheitern im Beruf, um Altern und Sterben im Pfarrhaus. Dies alles wird vom Autor mit konkreten Filmbeispielen belegt und macht die Präsenz der Kirche in den Medien deutlich. Mit Abbildungen. Mehr zum Buch: 9783658173081

1917 – DIE RUSSISCHE REVOLUTION

Vor 100 Jahren fand in Russland die Oktoberrevolution statt, ein historisches Ereignis mit weitreichenden Folgen. In dem Dokumentarfilm von Paul Jenkins, der 2007 in Großbritannien realisiert wurde, ist zeitgenössisches Material aus zum Teil bisher nicht genutzten Quellen zu einem erstaunlich differenzierten Zeitbild montiert worden. Die zehn Kapitel heißen: Ursprung und Mythen der Revolution – Kultur und Bildung zu Beginn des 20. Jahrhunderts – Der Erste Weltkrieg – Eroberung von Sankt Petersburg – Ein Land im Chaos – Lenins Rückkehr – Machtübernahme der Bolschewiki – Entstehung der Roten Armee – Errichtung eines totalitären Staates – Folgen der Oktoberrevolution. Bei Absolut Medien ist jetzt – in Zusammenarbeit mit arte – eine DVD des Films erschienen, die ich sehr empfehlen kann. Mehr zur DVD: 1917+Die+Russische+Revolution

16 : 9. Fürs Fernsehen in die Ferne

Elke Werry ist promovierte Kunst-historikerin, hat aber nach ihrem Studium schnell dem Drang in die weite Welt nachgegeben und dreht Dokumentationen für ARD, ZDF und Arte. In dem Buch „Fürs Fern-sehen in die Ferne“ erzählt sie von den Erfahrungen, die sie in vielen entlegenen Ländern gemacht hat. Das verdeutlichen bereits die Kapitelüberschriften: „Durch das Tor zum gelben Drachen Chinas“, „Nahaufnahmen aus Nordkorea“, „Nah bei Buddha in Anuradhapura, Sri Lanka“, „Zu Gast bei Nomaden in der Mongolei“, „Orchon-Tal, im Herzen der Mongolei“, „Lektionen in Turkmenistan“, „Schnee von vorgestern in Grönland“, „Bushmeat mit Palaversoße in Ghana“, „Bei den Konso in Äthiopien“, „Unbekanntes Libyen“, „Der Duft Sansibars“. Die Texte sind sehr lebendig geschrieben, lesen sich gut und vermitteln konkrete Eindrücke von den Schwierigkeiten, in der weiten Welt Filme zu drehen. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: fuers-fernsehen-in-die-ferne-ab-23-10-2017-im-handel.html

Taffe Kommissarinnen und emanzipierte Kommissare?

Eine Dissertation, die an der Ruhr-Universität Bochum ent-standen ist. Raphaela Tkotzky untersucht darin die soziale Konstruktion zeitgenössischer TV-Ermittlerteams in deutschen Krimiserien. Sie definiert zu-nächst den konzeptionellen Rahmen ihrer Analyse, positio-niert sie in der Geschlechter-forschung und Geschlechtsdar-stellung, äußert sich zu Ge-schlechterstereotypen, zu Aspekten von Geschlecht und Kleidung, Geschlecht und Sprache. Ein umfangreiches Kapitel („Bewahrer der Ordnung“, rund 80 Seiten) ist der Darstellung des deutschen TV-Kriminalkommissars gewidmet, seiner medialen Geschichte und konkret in der Serie ALARM FÜR COBRA 11. „Von Mannsweibern und Hausfrauen“ ist die Überschrift des Kapitels über Kriminalkommis-sarinnen im deutschen Fernsehen (70 Seiten). Hier steht die Serie DOPPELTER EINSATZ im Zentrum. Das dritte Kapitel (60 Seiten) richtet den Blick auf gemischtgeschlechtliche Ermittlerduos im deutschen Fernsehen, beispielhaft in der Serie ALARM FÜR COBRA 11 – EINSATZ FÜR TEAM 2. Die drei genannten Serien wurden von RTL ausgestrahlt. Die Beobachtungen der Autorin sind sehr präzise, zu ihrem Fazit gehören die Feststellungen, dass sich die soziale Konstruktion der TV-KriminalkommissarInnen noch immer an Stereotypen orientiert, dass gelegentlich geschlechtsuntypische Verhaltensweisen nachzuweisen sind und dass sich die vormals androgyn gezeichneten TV-Kriminalkommissarinnen wieder stärker an den typisch weiblichen Geschlechtsmerkmalen orientieren. Ein interessanter Beitrag zur Genderforschung im Medienbereich. Mehr zum Buch: ?c=738

Luchino Visconti

Er war einer der Großen des italieni-schen Kinos, von OSSESSIONE (1943) bis zu L’INNOCENTE (1976). Luchino Visconti (1906-1976) ist die Nummer 48 der Film-Konzepte ge-widmet, herausgegeben von Jörn Glasenapp, der einleitend das Gesamtwerk würdigt. Sieben Essays sind jeweils einem Film gewidmet. Daniel Illger befasst sich mit LA TERRA TREMA („Was sein wird, ist und niemals war“). Adrianna Hlukhovych richtet ihren Blick auf „Räume der Sehnsucht in Luchino Viscontis SENSO“. Judith Ellen-bürger untersucht die Schwarz-Weiß-Ästhetik in ROCCO E I SUOI FRATELLI („Dualitäten und Grauzonen“). Bei Corina Erk geht es um IL GATTOPARDO („Der Film als Wille zu Geschichte und Form“). Marcus Stiglegger beschäftigt sich mit LA CADUTA DEGLI DEI („Karneval des Todes“). Dina De Rentiis reflektiert über MORTE A VENEZIA („Narziss und Kindermund oder des Künstlers neue Kleider“). Felix Lenz sieht LUDWIG im Kontext deutscher Ludwig-Filme. Mehrere Beiträge stammen aus dem Umfeld der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Jörn Glasenapp hat dort eine Professur für Literatur und Medien. Die Texte vermitteln konkrete Erkenntnisse und Beobachtungen und haben auch kritische Untertöne. Mit Abbildungen. Mehr zum Heft: 9783869166407