THE KING’S SPEECH

„Reclams Rote Reihe“ offeriert Originaltexte fremdsprachiger Literatur. Drehbücher werden hier selten publiziert. Wenn jetzt das „Shooting Script“ zu THE KING’S SPEECH von David Seidler als Ausnahme geadelt wird, dann hat das seine Logik. Es bekam 2011 den Oscar für das beste Originaldrehbuch (auch der Film, der Regisseur und der Hauptdarsteller wurden ausgezeichnet). Die Lektüre macht noch einmal deutlich, welch exzellente Basis der Text für den von Tom Hooper inszenierten Film gelegt hat. Weil die „Rote Reihe“ auch als Schulbuch funktionieren soll, gibt es auf jeder Seite Übersetzungshilfen. Ein persönliches Nachwort hat David Seidler beigesteuert. Das anonyme deutsche Nachwort (wohl vom Herausgeber Lutz Walther) vermittelt historische Zusammenhänge. Das einzige Filmbild ist auf dem Cover abgebildet. Das treibt den Purismus der Reihe etwas auf die Spitze. Aber für 5 € ist es der zurzeit preiswerteste Titel auf dem Markt der Filmliteratur.  Mehr zum Buch: David_Seidler/The_King_s_Speech

Film Noir in Frankfurt am Main

Heute wird im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main eine Ausstellung zum Film Noir eröffnet. Das amerikanische Genre hatte seine Höhe-punkte in den 1940er und 50er Jahren, wurde durch europäische Einflüsse geprägt und ist mit Regisseuren wie Robert Siodmak, Billy Wilder, Otto Preminger. Orson Welles und Nicholas Ray verbunden. Mehr zur Ausstellung: ausstellung/film-noir/. Mehr zum Film Noir: Filmgenres__Film_noir

Medienwissenschaft: Rezensionen

Diese Zeitschrift ist immer einen Hinweis wert. Sie erscheint vierteljährlich, wird von Malte Hagener, Angela Krewani, Karl Riha und Burkhard Röwekamp herausgegeben und publiziert nicht nur Buchrezensionen, sondern auch Aufsätze, Tagungsberichte und Fundstücke. Die Filmliteratur ist gut repräsentiert, im gerade erschienenen Heft werden 25 Publikationen aus den letzten zwei Jahren rezensiert. Mehr zur Zeitschrift: medrez/aktuell.html

Filmmuseum London

Auch in London gibt es inzwischen wieder ein Filmmuseum. Es entstand auf private Initiative, hatte verschiedene Vorläufer und wurde im April in Covent Garden im Gebäude des ehemaligen Theatermuseums eröffnet. Präsentiert wird eine Ständige Ausstellung, und es gibt wechselnde Sonderausstellungen. Den Beginn macht „Magnum on Set“, die Schau der großen Fotografen, die erstmals 2010 im Kunstfoyer der Bayerischen Versicherungskammer zu sehen war.

Filmkongress in NRW

Ein bisschen ähneln die Film- und Medienkongresse in den deutschen Ländern einem Wanderzirkus. Auf den Podien (in der Kuppel) drehen Medienpolitiker, Verbands-vorsitzende, Produzenten und kreative Filmemacher ihre rhetorischen Pirouetten. Diesmal in NRW. Drei Thementage: heute „Filmpolitik und digitale Distribution“, morgen „Entertainment“, am Mittwoch „New Content“. Mehr zum Kongress: www.filmkongress.com/. Die nächste Station ist Anfang September in Berlin, und Ende Oktober finden in München die Medientage statt.

Dietrich & Hemingway

Hans-Peter Rodenberg (*1952) ist Professor für Film, Neue Medien und American Cultural Studies an der Universität Hamburg, macht Dokumentarfilme und hat 1999 bei Rowohlt eine Hemingway-Biografie publiziert. In seinem neuen Buch (Insel) erzählt er eine Beziehungsgeschichte, von der manches bekannt gewesen und einiges bisher geheimnisvoll geblieben ist. Roden-bergs Hauptquelle ist der Briefwechsel zwischen Dietrich & Hemingway, der in Boston verwahrt wird. Er hat ihn zu einer kleinen Doppelbiographie verwoben, mit vielen Sekundärinformatio-nen verbunden und zu einem weitgehend unterhaltsamen Text ver-arbeitet. Im Mittelpunkt steht die Zeit von 1934 (erste Begegnung auf dem Ozeandampfer „Ile de France“) bis 1961 (Hemingways Tod). Die Ernest-Seite wirkt besser recherchiert, auf der Marlene-Seite stören die deutschen Titel ihrer amerikanischen Filme und manche saloppen Formulierungen. Mehr über das Buch: rodenberg_35794.html. Manuela Reichart hat das Buch sehr freundlich im Deutschlandradio besprochen: kritik/1764537/

Deutscher Kamerapreis

Heute findet in Köln die 22. Verleihung des Deutschen Kamerapreises statt. In sechs Kategorien (Kinospielfilm, Fernsehfilm/ Dokudrama, Fernsehserie, Kurzfilm, Bericht/Reportage, Dokumentarfilm/ Dokumentation) gibt es jeweils drei bis vier Nominierungen. Und je zwei Nominierungen gibt es in den sechs Kategorien für den Schnitt. Alle Nominierungen und nach der Preisverleihung auch die Ergebnisse findet man unter: preistrager/kamera-2/?jahre=2454/. Den Ehrenpreis – das gefällt mir sehr – erhält in diesem Jahr die Kamerafrau Judith Kaufmann.

Avantgarde im Archiv?

Die Deutsche Kinemathek veranstaltet heute und morgen in ihrem Haus in der Potsdamer Straße wieder ein Kolloquium. Diesmal geht es um den Avantgardefilm. Wie und wo wird er archiviert, wo und wie findet er sein Publikum? Auf dem Programm steht ein Erfahrungsaustausch zwischen Los Angeles, Amsterdam und Berlin. Parallel findet ein Kinderkolloquium statt. Und heute Abend werden zum 13. Mal die Kinopreise des Kinematheksverbundes verliehen. Mehr zur Veranstaltung: article/3460/3004.html. (Foto: aus dem Film KASKARA von Dore O.).

Und hier findet man die Gewinner der Kinopreise: kinopreis-2012-die-preistraeger

Festival des deutschen Films

In Ludwigs-hafen findet ab heute das achte Festival des deutschen Films statt. Im Wettbewerb werden 12 Filme gezeigt. Die Jury besteht aus der FAZ-Filmkritikerin Verena Lueken, dem Filmverleiher Torsten Frehse und dem Filmemacher Rudolf Thome. Sie verleiht am 24. den „Filmkunstpreis“, der mit 50.000 € dotiert ist, und kann verschiedene „besondere Auszeichnungen“ vergeben. Den Preis für Schauspielkunst erhalten in diesem Jahr Sandra Hüller und Otto Sander.

Alain Resnais

Vor neun Tagen ist er neunzig Jahre alt geworden. Sein neuester Film lief im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes. Sein Ruhm gründet sich vor allem auf zwei Filme der 1950er Jahre: den Kurzfilm NUIT ET BROUILLARD (1955) und den Spielfilm HIROSHIMA, MON AMOUR (1959). Die vorliegende Dissertation von Sophie Rudolph (*1978) bewältigt die große Schwie-rigkeit, die sehr unterschiedlichen Filme dieses Regisseurs in einen Autorenzusammenhang zu stellen. Dies gelingt ihr durch den Bezug auf André Bazins Plädoyer für ein cinéma impur, ein Kino der „Unrein-heit“. Rudolph strukturiert Resnais Filme in drei Perioden, in eine „ursprüngliche“, eine „literarische“ und eine „theatralische“ Unreinheit der filmischen Inszenierung. Was in dieser verkürzten Formulierung noch verkopft klingt, bekommt in den konkreten Analysen der Filme eine nachvollziehbare Logik. Für Resnais-Liebhaber eine Pflicht-lektüre. Mit Abbildungen in unterschiedlicher Qualität. Mehr zum Buch: 305822&template=neu_werke_default_film