Medienwissenschaft: Rezensionen

Diese Zeitschrift ist immer einen Hinweis wert. Sie erscheint vierteljährlich, wird von Malte Hagener, Angela Krewani, Karl Riha und Burkhard Röwekamp herausgegeben und publiziert nicht nur Buchrezensionen, sondern auch Aufsätze, Tagungsberichte und Fundstücke. Die Filmliteratur ist gut repräsentiert, im gerade erschienenen Heft werden 25 Publikationen aus den letzten zwei Jahren rezensiert. Mehr zur Zeitschrift: medrez/aktuell.html

Filmmuseum London

Auch in London gibt es inzwischen wieder ein Filmmuseum. Es entstand auf private Initiative, hatte verschiedene Vorläufer und wurde im April in Covent Garden im Gebäude des ehemaligen Theatermuseums eröffnet. Präsentiert wird eine Ständige Ausstellung, und es gibt wechselnde Sonderausstellungen. Den Beginn macht „Magnum on Set“, die Schau der großen Fotografen, die erstmals 2010 im Kunstfoyer der Bayerischen Versicherungskammer zu sehen war.

Filmkongress in NRW

Ein bisschen ähneln die Film- und Medienkongresse in den deutschen Ländern einem Wanderzirkus. Auf den Podien (in der Kuppel) drehen Medienpolitiker, Verbands-vorsitzende, Produzenten und kreative Filmemacher ihre rhetorischen Pirouetten. Diesmal in NRW. Drei Thementage: heute „Filmpolitik und digitale Distribution“, morgen „Entertainment“, am Mittwoch „New Content“. Mehr zum Kongress: www.filmkongress.com/. Die nächste Station ist Anfang September in Berlin, und Ende Oktober finden in München die Medientage statt.

Dietrich & Hemingway

Hans-Peter Rodenberg (*1952) ist Professor für Film, Neue Medien und American Cultural Studies an der Universität Hamburg, macht Dokumentarfilme und hat 1999 bei Rowohlt eine Hemingway-Biografie publiziert. In seinem neuen Buch (Insel) erzählt er eine Beziehungsgeschichte, von der manches bekannt gewesen und einiges bisher geheimnisvoll geblieben ist. Roden-bergs Hauptquelle ist der Briefwechsel zwischen Dietrich & Hemingway, der in Boston verwahrt wird. Er hat ihn zu einer kleinen Doppelbiographie verwoben, mit vielen Sekundärinformatio-nen verbunden und zu einem weitgehend unterhaltsamen Text ver-arbeitet. Im Mittelpunkt steht die Zeit von 1934 (erste Begegnung auf dem Ozeandampfer „Ile de France“) bis 1961 (Hemingways Tod). Die Ernest-Seite wirkt besser recherchiert, auf der Marlene-Seite stören die deutschen Titel ihrer amerikanischen Filme und manche saloppen Formulierungen. Mehr über das Buch: rodenberg_35794.html. Manuela Reichart hat das Buch sehr freundlich im Deutschlandradio besprochen: kritik/1764537/

Deutscher Kamerapreis

Heute findet in Köln die 22. Verleihung des Deutschen Kamerapreises statt. In sechs Kategorien (Kinospielfilm, Fernsehfilm/ Dokudrama, Fernsehserie, Kurzfilm, Bericht/Reportage, Dokumentarfilm/ Dokumentation) gibt es jeweils drei bis vier Nominierungen. Und je zwei Nominierungen gibt es in den sechs Kategorien für den Schnitt. Alle Nominierungen und nach der Preisverleihung auch die Ergebnisse findet man unter: preistrager/kamera-2/?jahre=2454/. Den Ehrenpreis – das gefällt mir sehr – erhält in diesem Jahr die Kamerafrau Judith Kaufmann.

Avantgarde im Archiv?

Die Deutsche Kinemathek veranstaltet heute und morgen in ihrem Haus in der Potsdamer Straße wieder ein Kolloquium. Diesmal geht es um den Avantgardefilm. Wie und wo wird er archiviert, wo und wie findet er sein Publikum? Auf dem Programm steht ein Erfahrungsaustausch zwischen Los Angeles, Amsterdam und Berlin. Parallel findet ein Kinderkolloquium statt. Und heute Abend werden zum 13. Mal die Kinopreise des Kinematheksverbundes verliehen. Mehr zur Veranstaltung: article/3460/3004.html. (Foto: aus dem Film KASKARA von Dore O.).

Und hier findet man die Gewinner der Kinopreise: kinopreis-2012-die-preistraeger

Festival des deutschen Films

In Ludwigs-hafen findet ab heute das achte Festival des deutschen Films statt. Im Wettbewerb werden 12 Filme gezeigt. Die Jury besteht aus der FAZ-Filmkritikerin Verena Lueken, dem Filmverleiher Torsten Frehse und dem Filmemacher Rudolf Thome. Sie verleiht am 24. den „Filmkunstpreis“, der mit 50.000 € dotiert ist, und kann verschiedene „besondere Auszeichnungen“ vergeben. Den Preis für Schauspielkunst erhalten in diesem Jahr Sandra Hüller und Otto Sander.

Alain Resnais

Vor neun Tagen ist er neunzig Jahre alt geworden. Sein neuester Film lief im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes. Sein Ruhm gründet sich vor allem auf zwei Filme der 1950er Jahre: den Kurzfilm NUIT ET BROUILLARD (1955) und den Spielfilm HIROSHIMA, MON AMOUR (1959). Die vorliegende Dissertation von Sophie Rudolph (*1978) bewältigt die große Schwie-rigkeit, die sehr unterschiedlichen Filme dieses Regisseurs in einen Autorenzusammenhang zu stellen. Dies gelingt ihr durch den Bezug auf André Bazins Plädoyer für ein cinéma impur, ein Kino der „Unrein-heit“. Rudolph strukturiert Resnais Filme in drei Perioden, in eine „ursprüngliche“, eine „literarische“ und eine „theatralische“ Unreinheit der filmischen Inszenierung. Was in dieser verkürzten Formulierung noch verkopft klingt, bekommt in den konkreten Analysen der Filme eine nachvollziehbare Logik. Für Resnais-Liebhaber eine Pflicht-lektüre. Mit Abbildungen in unterschiedlicher Qualität. Mehr zum Buch: 305822&template=neu_werke_default_film

Alan J. Pakula

Er war einer der Großen des amerikanischen Kinos der 1970er und 80er Jahre. 1998 starb er kurz nach seinem 70. Geburtstag nach einem Autounfall in der Nähe von New York. Natürlich erinnert man sich an KLUTE, THE PARALLAX VIEW, ALL THE PRESIDENT’S MEN, SOPHIE’S CHOICE und THE PELICAN BRIEF. Im Heft 26 der Film-Konzepte, herausgegeben von Claudia Mehlinger und René Ruppert als Gästen, werden diese Erinnerungen in sieben Beiträgen vertieft. Gerhard Midding thematisiert die Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Robert Mulligan und dem Produzenten Pakula, Johannes Pause analysiert die Politthriller von Pakula, Kathrin Zeitz, Claudia Mehlinger, René Ruppert und Andreas Rauscher widmen sich jeweils einem oder zwei Filmen von Pakula, und Thomas Koebner geht dem „aufwühlenden“ Film SOPHIE’S CHOICE auf den Grund. Ein Anlass, sich diesen und einige andere Pakula-Filme wieder anzuschauen. Mehr zum Heft: neu_werke_default_film

Weltausstellung in Tempelhof

Weltausstellungen gibt es seit 1851. Sie sind verbunden mit Zukunftsvisionen, Leistungs-schauen und nationaler Repräsentation. Die aktuelle internationale Weltausstellung findet gerade in der südkorea-nischen Küstenstadt Yeosu statt.   Architektur, Technik und Medien dominieren inzwischen diese Veranstaltungen. Wie man mit ihren Elementen spielen kann, zeigt der Abschiedsevent von Matthias Lilienthal auf dem Berliner Tempelhofer Feld. Und wenn man genau hinschaut, hat auch das Kino dort seinen speziellen Platz.