Essays von Norbert Grob

2013.GrobDies ist – nach „Im Kino gewesen…“, „Zwischen Licht und Schatten“ und „Just be natural!“ – der vierte Band mit Texten von Norbert Grob und der 66. Band der „Filmstudien“. Er enthält 24 Essays zur Filmgeschichte, gegliedert in vier Kapitel: „Klassisches“, „Modernes“, „Solitäres“ und „Neuer Deutscher Film“. Mein Freund Norbert kommt von der Filmkritik; der Übergang zur Filmwissenschaft hat seinen Umgang mit dem Medium Film eher intensiviert und gottlob nicht grundlegend verändert. Er ist weiterhin ein Entdecker und Interpret und kein Definitionsartist. Ich bewundere seine analytischen Fähigkeiten, seine Neugier auf die Entwicklung von Erzählformen und sein nicht nachlassendes Interesse für die unterschiedlichsten Aspekte der Filmgeschichte. Er kann wunderbar porträtieren (dafür gibt es in dieser Anthologie mehr als ein Dutzend Beispiele, ich verweise nur auf seine Texte über Altman, Graf, Herzog, Hsiao-hsien, Ozu, Pabst, Rivette, Schroeter, Curt Siodmak, Visconti, Téchine sowie auf die neue Fassung seines Essays über Veit Harlan und dessen Melodramen). Ein schöner Text handelt von der „Großstädtischen Aura der 1920/30er Jahre“, interessante Überlegungen spielen mit der „Regie im Kino“, natürlich ist das klassische Hollywood-Kino präsent (mit einem Text über Warner Bros.), aber auch der experimentelle Film (Ottomar Domnick) und sein Lieblingsgenre, der Film noir (hier personifiziert in Alain Corneau). Auch die „Miniaturen“ sind vertreten (zu Handke, Wenders und den Frauen bei Godard). Ich hoffe sehr, dass es eines nicht zu fernen Tages einen fünften Band der Grob-Texte geben wird. Das verschafft ihnen eine Präsenz, die sie an den unterschiedlichen Orten ihrer Erstveröffentlichung (Zeitungen, Zeitschriften, Bücher) nicht haben können. Titelbild: Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg in Godards A BOUT DE SOUFFLE (1959). Mehr zum Buch: Grob-Vom-Gesicht-Welt/productview.aspx?product=21512

Rubbles, Ruins, Romanticism

UMS2183.indd„Trümmerfilme“ waren nach 1945 kurzfristig ein Genre in Deutschland. Es gibt sogar eine Publikation unter diesem Titel von Robert R. Shandley aus dem Jahr 2001, deutsch 2010 (nachkriegszeit/). Martina Moeller erweitert den Blick auf die Filme dieser Zeit, indem sie eine sehr interessante Bezugsebene herstellt: sie verweist auf die Malerei der deutschen Romantik, auf Caspar David Friedrich, Ernst Ferdinand Oehme, Carl Gustav Carus, deren Bildmotive und Strukturen sie im deutschen Nachkriegsfilm entdeckt hat. In der Tat gibt es da überraschende Parallelen, die in Moellers Analysen zum Vorschein kommen. Sie stellt sechs Filme in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung: DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (1946) von Wolfgang Staudte, FILM OHNE TITEL (1947/48) von Rudolf Jugert, AFFAIRE BLUM (1948) von Erich Engel, DER RUF (1948/49) von Josef von Baky, SCHICKSAL AUS ZWEITER HAND (1949) von Wolfgang Staudte und DER VERLORENE (1950) von Peter Lorre. Ihre Analysen gehen natürlich über die unmittelbare Verbindung zur Malerei immer wieder hinaus. So stellt sie Leben und Bedeutung von Fritz Kortner ins Zentrum ihres RUF-Textes und erinnert beim VERLORENEN an die Exil-Biografie von Lorre. Aber Moeller verliert nie ihr Thema aus dem Auge und kommt in ihrem Schlusskapitel zu einer überzeugenden Conclusion. Die Autorin ist zurzeit Dozentin am Deutschen Institut der Universität in Rabat. Titelbild (schwer erkennbar): DIE MÖRDER SIND UNTER UNS. Mehr zum Buch: ts2183/ts2183.php

Yasujiro Ozu

2013.OzuDer 12. Dezember ist Ozu-Tag. Er wurde am 12.12.1903, also vor 110 Jahren, geboren und starb am 12.12.1963, also vor 50 Jahren. Er hat zwischen 1927 und 1962 54 Filme gedreht, die zum Schönsten gehören, was es gibt. Bei der Berlinale 1963 habe ich meine ersten sechs Ozu-Filme gesehen, darunter natürlich auch TOKYO MONOGATARI mit Setsuku Hara. Einen tieferen Blick in das Werk des Regisseurs hat mir 1974 das Ozu-Buch von Donald Richie geöffnet, das den Arbeitsprozess zur Gliederung nimmt: Script – Shooting – Editing. 1988 gab es dann das sehr analytische Buch von David Bordwell „Ozu and the Poetics of Cinema“. Auf Deutsch erschienen drei kleinere Publikationen zu Ozu: die sehr nützliche Dokumentation der „Kino KonTexte“ zu einer Retrospektive des Münchner Filmmuseums, 1981 herausgegeben von Stefan Braun, Fritz Göttler, Claus M. Reimer und Klaus Volkmer, eine Broschüre von Harry Tomicek zu einer Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums 1988 und das Heft 94 der Reihe „Kinemathek“, publiziert anlässlich einer Retrospektive im Arsenal 2003. 2008 habe ich im Zürcher Filmpodium TOKYO MONOGATARI eingeführt. Hier ist der Text: yasujiro-ozu-tokyo-monogatari-1953/ Wim Wenders hat 1985 den sehr schönen Film TOKYO-GA über den auch von ihm verehrten Regisseur gedreht, den es auf DVD gibt. Viele Ozu-Filme sind verfügbar. In meinem Regal stehen 35 Titel. Ich weiß noch nicht, welchen davon ich mir heute anschaue.

Iris Berben

2013.BerbenDie 2012 erstmals publizierten Gespräche zwischen Iris Berben und Christoph Amend sind jetzt als Fischer-Taschenbuch erschienen: „Ein Jahr – ein Leben“. Sechsmal haben sich die Schauspielerin und Präsidentin der Deutschen Film-akademie und der Chefredakteur des ZeitMagazins 2011/12 im Berliner Café Einstein getroffen und über ihr Leben gesprochen: assoziativ, nicht chronologisch, unstrukturiert, aber über weite Strecken interessant. Berben, inzwischen 63 Jahre alt, hat viel zu erzählen, weil sie seit mehr als vierzig Jahren sehr exponiert in der Film- und Fernsehbranche tätig ist und dies mit einem großen gesellschaftlichen Engagement verbindet. Im November wurde ihr dafür der „Preis für Verständigung und Toleranz“ des Jüdischen Museums verliehen. Amend ist ein sensibler und erfahrener Gesprächspartner. Das Taschenbuch enthält ein siebtes, für die Zeitschrift Vogue geführtes Gespräch, das im Abstand von einem Jahr stattfand. Ich sitze mit Iris Berben seit zwei Jahren in der Ehrenpreis-Jury der Deutschen Filmakademie und schätze sie sehr. Mehr zum Buch: ein_jahr_ein_leben/9783596195404

Realismus + Zeitlupe

2013.RealismusDie „Zürcher Filmstudien“ werden seit 1995 von Christine N. Brinckmann heraus-gegeben und erscheinen seit 2001 im Schüren Verlag. Publiziert werden Sammelbände und Dissertationen aus dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich. Dank der Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung sind die Publikationen auch drucktechnisch von spürbarer Qualität. Erschienen sind jetzt die Bände Nr. 32 und 33. Guido Kirstens Dissertation setzt sich sehr grundsätzlich mit dem filmischen Realismus auseinander. Im theoretischen Bezugssystem geht es um André Bazins vielschichtige Ästhetik filmischer Realismen, um Colin McCabe und die poststrukturalistische Realismuskritik und um Kristin Thompsons neoformalistische Realismustheorie. In seinem Kapitel „Historische Konstellationen“ konzentriert sich Kirsten auf drei paradigmatische europäische Filmphasen: die naturalistische Mise en scène im französischen Film der 1910er Jahre, den italienischen Neorealismus der 1940er und 50er Jahre und die Erzählperspektive im neuen rumänischen Realismus der Jahrtausendwende. Argumentiert wird nahe an den Filmbeispielen, für den theoretischen Diskurs sind außer den drei genannten auch andere Koryphäen (Abel, Andrew, Barthes, Gunning, Kessler, Koch, Metz, Mitry, Odin, Peirce, Thröler, Wulff) durch Zitate präsent. Gut lesbar und erkenntnisreich. Mehr zum Buch: filmischer-realismus.html

2013.Zeitlupe„Anatomie eines filmischen Stilmittels“ ist der Untertitel von Till Brockmanns Dissertation über „Die Zeitlupe“. Das Thema wurde in der Filmwissenschaft bisher kaum behandelt, obwohl es von Beginn an im Film präsent war. Der Autor erklärt zunächst sehr verständlich die filmtechnischen Voraussetzungen und unternimmt dann einen Theorieexkurs zu Rudolf Arnheim, Jean Epstein und Germain Dulac, Pudovkin, Vertov, Eisenstein, Siegfried Kracauer und André Bazin. Auf 50 Seiten gibt es einen Abriss zur Zeitlupe in der Filmgeschichte, notwendigerweise sehr summarisch, aber mit interessanten Fundquellen. „Zeitlupe im formalen System“ heißt das anschließende Kapitel über die Montage und den Umgang mit der Tonspur. Da geht es um Zeitlupen-Szenen im Gesamtzusammenhang eines Films. Das umfangreichste Kapitel, „Ästhetik und Narration“, untersucht die Funktion der Zeitlupe in den unterschiedlichsten Filmen, in diversen Genres und ihre differenten Wirkungen. Hier gibt es sehr kluge Analysen exzeptioneller Szenen, u.a. in den Filmen THE WILD BUNCH von Sam Peckinpah (Gewaltdarstellung), RAGING BULL von Martin Scorsese, ZABRISKIE POINT von Michaelangelo Antonioni (Schlussszene). Der Kameramann Michael Ballhaus liefert an verschiedenen Stellen konkrete Bezüge zu Konzeption und Praxis. Das abschließende Kapitel des Buches ist der Zeitlupe im Hongkong-Kino gewidmet. Nicht nur thematisch ist diese Publikation sehr interessant, sie nimmt den Leser mit auf eine weite Reise durch die Filmgeschichte. Mehr zum Buch: anatomie-eines-filmischen-stilmittels.html

QUARTETT + IL BACIO DI TOSCA

2013.VerdiZum Ausklang des Verdi-Jahres gibt es eine sehr originelle DVD-Special Edition, die den Film QUARTETT (2012) von Dustin Hoffman mit dem Dokumentarfilm DER KUSS DER TOSCA (1984) von Daniel Schmid kombiniert. Hoffmans schöner Film spielt in einem privaten Altenheim für Profimusiker, dessen Fortbestand durch eine jährlich an Verdis Geburtstag stattfindende Benefizgala gesichert wird. Zu den neuen Bewohnerinnen des Heims gehört eine ehemalige Starsopranistin (gespielt von Maggie Smith). Eigentlich lehnt sie alle öffentlichen Auftritte inzwischen ab. Aber die Dramaturgie des Films bringt es mit sich, dass sie am Ende doch noch einmal im Quartett aus dem 3. Akt von „Rigoletto“ auf der Bühne steht. Inspiriert wurden Dustin Hoffman und sein Drehbuchautor Ronald Harwood offenkundig von dem Dokumentarfilm IL BACIO DI TOSCA von Daniel Schmid. Zwei Monate lang hat Schmid Mitte der 1980er Jahre zusammen mit seinem Kameramann Renato Berta die Bewohner der „Casa Verdi“, eines Altenheims für Opernsänger und Musiker in Mailand, beobachtet und Gespräche mit ihnen geführt. Verdi und Puccini, die Realität des Alters und die Flucht in die Erinnerung stehen im Mittelpunkt des Dokumentarfilms. Er ist natürlich viel härter und authetischer als der Spielfilm von Hoffman. Zu seinen Protagonistinnen gehörte die Mezzosopranistin Giulietta Simionato. Ich habe sie Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre mehrfach in der Wiener Staatsoper und im Bayerischen Nationaltheater erlebt. Daniel Schmid, Absolvent der DFFB, ist für mich einer der großen Schweizer Filmemacher. Er starb 2006. Mehr zur Doppel-DVD: dp/B00EYQ6I2K/ref=pd_sxp_f_i

Die Tagebücher von Richard Burton

2013.Richard BurtonSie waren ein paradigmatisches Star-Paar in den 1960er und 70er Jahren: Elizabeth Taylor und Richard Burton. Sie waren zweimal miteinander verheiratet, einmal zehn Jahre, dann noch einmal neun Monate. Die Biografien über die beiden inklusive aller Gewissheiten und Vermutungen sind kaum zu zählen. Was können uns da die Tagebücher von Richard Burton, die jetzt bei Haffmans & Tolkemitt auf Deutsch erschienen sind, noch Neues erzählen? Wenn man sich für die Gedankenwelt eines großen Schauspielers, für seine Arbeit, seine Selbstzweifel, seinen Alltag interessiert, dann ist das ein faszinierender Lesestoff. Wenn man alle Eintragungen der deutschen Ausgabe (sie wurde gegenüber der englischen etwas gekürzt) vom 1. Januar 1965 bis zum 23. März 1972 liest, dann sind das mehr als 600 Seiten. Es ist die Zeit von WHO’S AFRAID OF VIRGINIA WOOLF?, THE TAMING OF THE SHREW, DOCTOR FAUSTUS, THE COMEDIANS und BOOM bis zu RAID ON ROMMEL und THE ASSASSINATION OF TROTSKY. Interessante Regisseure sind dabei im Spiel (Mike Nichols, Franco Zeffirelli, Peter Glenville, Joseph Losey, Henry Hathaway), auch viele Kolleginnen und Kollegen natürlich, und es wird ständig gereist. Burton ist ein kluger Kopf, er nimmt sich Zeit zum Lesen, zum Nachdenken. Er nutzt das Tagebuch streckenweise wirklich zur Selbstreflexion. Manchmal flüchtet er andererseits in die Aufzählung von Speisen und Getränken, das ist dann weniger interessant. Der Herausgeber Chris Williams hat sensibel gekürzt, hilft mit wichtigen Anmerkungen und hat eine kluge Einleitung geschrieben. Mehr zum Buch: richard-burton-die-tagebucher/

Das Kino der frühen 1960er Jahre

2013.Krise„Im Zeichen der Krise“ war der Titel des 25. Filmhistorischen Kongresses in Hamburg im vergangenen Jahr. Jetzt ist bei edition text + kritik das Buch dazu erschienen. Zwölf Beiträge sind hier dokumentiert. Es geht u.a. um die Zeitschrift Filmkritik und ihren brutalen Umgang mit den Regisseuren Helmut Käutner und Rudolf Jugert (Autor: Thomas Brandlmeier), um die Filme von Will Tremper (Jan Gympel), die filmischen Subversionsversuche von Wolfgang Neuss (Klaus Kreimeier), die Kurzfilme der „Münchner Gruppe“ 1964/65, also von Klaus Lemke, Rudolf Thome und Max Zihlmann (Karlheinz Oplustil), um das Literarische Colloquium in Berlin als Filmproduzent (Michael Töteberg), Ausstattungsstrategien im deutschen Filmen der frühen 60er (Donata Haag), den Mauerbau im DEFA-Spielfilm 1962-67 (Ralf Forster), Egon Günthers Film LOTS WEIB (Evelyn Hampicke) und um die DDR-Zeitschrift film – Wissenschaftliche Mitteilungen 1964/65 (ein schöner Text von Wolfgang Gersch). Ich habe alle genannten Beiträge gern gelesen, weil sie die damalige Zeit sehr konkret in Erinnerung rufen. Ein interessantes Dokument ist im Anhang der Propagandaplan für eine gesteuerte Pressearbeit zu dem DEFA-Film LOTS WEIB. Redaktion des Bandes: Johannes Roschlau. Mit akzeptablen Abbildungen. Mehr zum Buch: detail.php/931908

Woody Allens Dialog mit der russischen Literatur

2013.AllenIn den deutschen Kinos ist noch immer der neue, bewundernswerte Woody Allen-Film BLUE JASMINE mit Cate Blanchett zu sehen. Die Literatur über Allen ist fast unüberschaubar. Im Harrassowitz Verlag ist kürzlich eine sehr spezielle, aber hoch interessante Dissertation erschienen. Sie handelt von Woody Allens intertextuellem Dialog mit der russischen Literatur. Sibille Rigler analysiert nach wohltuend kurzen theoretischen Vorüberlegungen vier Filme: LOVE AND DEATH (1975), SEPTEMBER (1987), CRIMES AND MISDEMEANORS (1990) und MATCH POINT (2005). Ihre literarische Spurensuche fördert erstaunlich viele Querverbindungen zwischen Allens Filmen und den russischen Autoren Čechov, Dostojewskij und Tolstoj zutage. Am intensivsten scheint Allens Beziehung zu Dostojewskij zu sein, er ist in drei der vier Filme eine dominante thematische Quelle. Bei Čechov lässt sich dies vor allem in SEPTEMBER nachweisen. Kleine Kapitel behandeln sehr einleuchtend spezielle Phänomene, die viel mit Allens Filmen zu tun haben: Humor und Judentum, das Pathetische und das Banale, das Metaphysische und das Physische, Ereignishaftigkeit, Subtexte, Theodizee, Antitheodizee und das Problem der Freiheit. Die Filme werden sehr konkret analysiert, die Autorin verirrt sich nicht im Labyrinth wissenschaftlicher Definitionen, sondern argumentiert werkbezogen. Das macht die Lektüre für Woody Allen-Fans interessant. Keine Abbildungen. Mehr zum Buch: title_609.ahtml

Zur Geschichte des Farbfilms

2013.Farbfilm NS-ZeitDie Farbfilm-Retrospektive der Berlinale 1988 ist mir noch in bester Erinnerung – und das grundlegende Buch von Gerd Koshofer „Color. Die Farben des Films“ hat bis heute Bestand. Die Dissertation von Dirk Alt ist mehr als doppelt so dick und konzentriert sich auf den nationalen Aspekt des Themas, auf die frühen Farbfilmverfahren und die NS-Propaganda 1933-1945. Der Autor hat hervorragend recherchiert und viel neues Material gefunden. Seine Recherche ist bewundernswert. Dank des Engagements des belleville-Verlegers Michael Farin ist auch ein brilliant gedrucktes Buch daraus geworden, gewidmet „Dem unbekannten Kameramann“. Nach einer Darstellung der technischen Voraussetzungen teilt der Autor seine Darstellung in die Bereiche „Experimentelle Anwendung 1933 bis 1940“ und „Industrielle Anwendung 1941 bis 1945“. Es gibt zunächst ein „Schattendasein“ des Farbfilms 1933/34, dann die „Glaubenssache“ 1935/36, dann den „Wettlauf“ 1937-39 und schließlich den „langen Weg in die Lichtspielhäuser“ 1939-41. Im zweiten Teil geht es um die Werbe-, Zeichentrick- und Kulturfilme, die Spielfilme, die Wehrmachtsfilme, die Kriegsberichterstattung, die Wochenschau und am Ende um den farbigen Schmalfilm. Viele Jahre hat der Autor geforscht, es gibt 2.060 Quellenhinweise, im Geleitwort stellt Dirk Alt bescheiden fest, dass er natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, und am Ende bittet er alle Leser, ihm bisher verborgene Materialien zur Verfügung zu stellen. Er bleibt an seinem Thema dran. Der Anhang listet eine 750 Titel umfassende Filmografie aller für die Aufführung in Deutschland zugelassenen Farbfilme von 1933 bis 1945 auf. Mehr zum Buch: scripts/buch.php?ID=549