Die Filmkritikerin Pauline Kael

Pauline Kael, die legendäre amerikanische Filmkritikerin, ist vor zehn Jahren gestor-ben. Vor allem als Mitarbeiterin des New Yorker in den 1970er und 80er Jahren hatte sie internationale Bedeutung. Nun hat der Autor Brian Kellow eine sehr lesenswerte Biografie über sie publiziert: „A Life in the Dark“, erschienen bei Viking in New York (432 S., 27,95 $). Mehr über das Buch unter  http://artforum.com/words/id=29262

Audrey Hepburn als Callgirl

Ein berühmter Film, eine populäre Schauspielerin, eine unterhaltsame Publikation zur amerikanischen Filmgeschichte. Der Filmhistoriker Sam Wasson hat viele Informationen zu dem Film BREAKFAST AT TIFFANY’S von Blake Edwards zusammen-getragen und daraus ein höchst lesenswertes Buch gemacht: „Verlieben Sie sich nie in ein wildes Geschöpf“, erschienen im Verlag Lagerfeld/Steidl  (254 S. 22 €).

Der Fall Selpin

Herbert Selpin (1902-1942) hat als Regisseur in den dreißiger Jahren viele erfolgreiche Filme inszeniert. Während der Dreharbeiten zu TITANIC wurde er wegen abfälliger Äußerungen über die deutsche Wehrmacht denunziert, verhaftet und am 1. August 1942 erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Friedemann Beyer hat in einer beeindruckenden Recherche Hintergründe des Falles ermittelt. Sein Buch (erschienen in der Collection Heyne, 224 S., 19,90 €) erzählt ein Psychodrama des NS-Films. Herbert Spaich hat in seinem Blog eine lesenswerte Rezension publiziert: www.swr.de/blog/filmspaicher/2011/10/15/friedemann-beyer-der-fall-herbert-selpin

Chantal Akerman

Die große Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums ist in diesem Jahr der belgischen Filmemacherin Chantal Akerman (*1950) gewidmet. Der Schüren Verlag hat die dazu erschienene Publikation ins Programm genommen, herausgegeben von Astrid Ofner, Claudia Siefen und Stefan Flach (200 S., viele Abbildungen in guter Qualität, 19,90 €). Mit Beiträgen u.a. von Nicole Brenez, Jonathan Rosenbaum, Todd Haynes und Gus Van Sant, Texten zu 27-Akerman-Filmen, Beiträgen zu ihren 14 Carte-Blanche-Filmen und dem schönen Text „Neben seinen Schnürsenkeln in einem leeren Kühlschrank laufen“  von der Geehrten selbst.

Kinskis Nachlass

Er war einer der großen Egomanen des deutschen Films. Geboren vor 85 Jahren in der Nähe von Danzig, gestorben vor 20 Jahren in der Nähe von San Francisco. Im Edel Verlag in Hamburg ist jetzt ein Buch mit Materialien aus seinem Nachlass erschienen, herausgegeben vom Nachlassverwalter  Peter Geyer und dem Artdirector OA Krimmel: Kinski. Vermächtnis.  (400 S., 49,95 €). Der umfängliche Band enthält unveröffentlichte autobiografische Texte, Briefe, Fotos, Zeichnungen und private Dokumente.

Filmerbe und Recht

Wer sich mit aktiv mit der Filmgeschichte beschäftigt, darf rechtliche Fragen nicht ganz außer Acht lassen, weil sie auch Grenzen ziehen. Paul Klimpel, Verwaltungs-direktor der Deutschen Kinemathek und Veranstalter verschiedener Symposien, hat ein Buch über „Das Filmerbe und seine rechtlichen Rahmenbedingungen“ heraus-gegeben (Berlin Academic/Bloomsbury Verlag, 204 S., 29,90 €). Es geht in 15 Beiträgen um Archivprobleme, Digitalisie-rung, Ausstellung + Präsentation und Verbotene Filme. Zu den Autoren gehören Winfried Bullinger, Martin Koerber, Peter Raue, Werner Sudendorf, Christiane von Wahlert, John Weitzmann  und natürlich der Herausgeber. Mit einem Geleitwort des Filmemachers Andres Veiel.

Roman von Oskar Roehler

Der Filmemacher Oskar Roehler (*1959; DIE UNBERÜHRBARE, DER ALTE AFFE ANGST) beschreibt in seinem Roman „Her-kunft“ (Ullstein Verlag, 592 S., 19,99 €) eine Kindheit und Jugend in der BRD der sech-ziger und siebziger Jahre, die stark an seine eigene erinnert. Die literarischen Qualitäten des Buches werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. Die Lektüre lohnt, wenn man sich für den Narzissmus der 68-Generation interessiert.

Das Leben des Filmkritikers Roger Ebert

Roger Ebert (*1942) war in den 1980er und 90er Jahren der populärste Filmkritiker in Amerika. Er war in der Presse (Chicago Sun-Times), im Fernsehen („Siskel & Ebert“, zusammen mit seinem Kollegen Gene Siskel), in Büchern präsent und konnte sich hervorragend vermarkten, bis er 2006 nach einer Krebsoperation die Sprechfähigkeit verlor. Über sein wechselvolles Leben – 1975 war er der erste Pulitzer-Preis-Gewinner für eine Filmkritik, 2005 bekam er einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame – hat er jetzt eine Autobiographie verfasst: „Life Itself. A Memoir“, erschienen bei Grand Central Publishing (436 S., $ 27,99). Janet Maslin hat das Buch in der New York Times rezensiert: roger-ebert-review.html

Neueröffnung der Münchner HFF

Die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film, gegründet 1967 (ein Jahr nach der Berliner dffb), hat eine neue Heimstatt: sie ist aus Giesing ins Museumsviertel gezogen. Dort teilt sie sich ein Gebäude mit dem Ägyptischen Museum (Eröffnung 2013). Der Standort ist ein Privileg, das Haus nach erster Besichtigung beeindruckend geplant. Über das Projekt hat der Leiter der Technischen Abteilung, Peter C. Slansky, ein Buch verfasst, das das Gebäude in einen größeren Zusammenhang stellt: „Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte – Typologie – Architektur“. Verlag edition text + kritik (mein Buch des Monats Juli). Die Bibliothek im neuen Haus ist noch nicht ganz fertig, aber sie verspricht ein Glanzstück zu werden. Ihr Leiter, Peter Heinrich, kann sich freuen. Mehr über die HFF unter www.hff-muenchen.de

Daniel Keel (1930-2011)

Er hatte eine große Affinität zum Film. Seine Lieblingsregisseure waren Federico Fellini und Jean Renoir, Woody Allen, Charles Chaplin und Frank Capra. Deshalb erschienen im Diogenes Verlag viele Drehbücher und Biografien, auch wenn die Auflagen nicht einmal die Selbstkosten einspielten. Er hat Doris Dörrie als Romanautorin entdeckt und mit den Filmrechten von Süskinds „Parfüm“ viel Geld verdient. Man konnte mit Daniel Keel auf hohem Niveau über das Kino reden. Ein Jahr nach seiner Frau Anna, der wunderbaren Malerin, ist er im Alter von achtzig Jahren in Zürich gestorben.