Volker Schlöndorff

Der Germanist Hans-Bernhard Moeller (University of Texas, Austin) und der Kom-munikationswissenschaftler George Lellis (Coke College, South Carolina) haben 2002 bei der Southern Illinois University Press ein Buch über Volker Schlöndorff publiziert, das jetzt revidiert und erweitert seinen Weg nach Deutschland gefunden hat und bei Vorwerk 8 erschienen ist (422 S., 24 €). Die Film-für-Film-Analyse ist profund, es kommen nicht nur die speziellen Qualitäten des „Literatur-verfilmers“ zur Sprache, auch die Kontexte des Neuen Deutschen Films der 1960er und 70er Jahre werden thematisiert. Grenzwertig ist die Papierqualität im Hinblick auf die Fotos.

Die Filme von Nanni Moretti

In den deutschen Kinos kann man zurzeit seinen Film HABEMUS PAPAM sehen. Da trifft es sich gut, dass gerade ein Buch erschienen ist, das sich intensiv mit dem bisherigen Gesamtwerk des Regisseurs auseinandersetzt: „Die Filme von Nanni Moretti“ (Schüren Verlag, 392 S., 29,90 €). Die Autorin Charlotte Lorber stellt den Blick auf Raum und Zeit in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung, mit der sie, betreut von Heinz-B. Heller, in Marburg promoviert hat. Die zehn Filmanalysen (HABEMUS PAPAM ist noch nicht dabei) sind gut strukturiert, erschließen die italienische Sekundärliteratur und charakterisieren sehr konkret Morettis Stil als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller. 335 Screenshots begleiten den Text.

Tenöre, Touristen, Gastarbeiter

Es ist eine gute Tradition, dass jeweils ein Jahr nach dem CineGraph-Kongress in einem Buch die wichtigsten Konferenz-beiträge dokumentiert werden. So ist jetzt, redaktionell betreut von Francesco Bono und Johannes Roschlau, der Band über den 2010-Kongress erschienen: „Tenöre, Touristen, Gastarbeiter“ (Verlag edition text + kritik, 190 S., 21,80 €). Thema sind die deutsch-italienischen Filmbeziehungen. In 14 Beiträgen werden biografische, künst-lerische, politische und ökonomische Zusammenhänge konkretisiert, von den frühen zwanziger Jahren bis in die Gegenwart. Zu den Autoren gehören Alfons Maria Arns, Evelyn Hampicke, Marcus Stiglegger, Michael Töteberg und Chris Wahl.

Diane Keatons Memoiren

Sie ist inzwischen 65 Jahre alt, lebt mit ihren zwei Adoptivkindern in L.A. und denkt gern an die Zeiten mit Woody Allen zurück. Sie hat – sehr assoziativ – ganz persönliche Erinnerungen an ihr Leben aufgeschrieben, die im Frühjahr in New York und nun auch in Deutschland erschienen sind: „Damals Heute“ (btb Verlag/Random House, 320 S.). Eine unterhaltsame Rezension von Christiane Heil erschien am 20.11. im Gesellschaftsteil der FAS  11534124.html

Filmkritiken von Uwe Nettelbeck

 

Bei Philo Fine Arts in Hamburg sind ausgewählte Filmkritiken von Uwe Nettelbeck aus den sechziger Jahren als Anthologie erschienen (320 S., 16 €). Er war – als Filmkritiker der Zeit und Mitarbeiter der Filmkritik – ein Wegbereiter des Neuen (west) deutschen Kinos. Seine streitbaren Texte hatten höchstes Niveau. Es ist erfrischend, sie wiederzulesen.

David Cronenberg: Film und Buch

Heute kommt David Cronenbergs neuer Film A DANGEROUS METHOD in die deutschen Kinos. Ein guter Zeitpunkt, um ein lange erwartetes Buch über den Regisseur zu publizieren, herausgegeben von Marcus Stiglegger im Verlag Bertz + Fischer in der Reihe ‚film’ (316 S., 19,90 €). Zu lesen sind neun Texte über den Regisseur und 24 Kom-mentare zu seinen einzelnen Filmen. 34 Autoren haben daran mitgearbeitet, darunter die besten, die es in Deutschland gibt. Viele Abbildungen, hervor-ragender Druck. Das Buch ist dem im Mai verstorbenen Filmkritiker Michael Althen gewidmet.

Christa Schahbaz (1944-2011)

Sie war über Jahrzehnte so etwas wie die Seele der Kinemathek. Sie hat dort mehr als 30 Jahre gearbeitet, zuerst als Fremd-sprachensekretärin, dann als Assistentin des Vorstands und die letzten zehn  Jahre bis zur ihrer Verabschiedung 2009 als Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Viele Jahre war sie meine engste Mitarbeiterin: über alles informiert, immer zu Vorschlägen bereit, nie mit dem Stand der Dinge zufrieden. Sprachgewandt, grafisch anspruchsvoll, täglich präsent. Jetzt hat sie uns sehr endgültig verlassen. Als sie vor zweieinhalb Jahren in den Ruhestand ging, habe ich versucht, ihr in einer kleinen Rede gerecht zu werden:  www.hhprinzler.de/2009/02/die-chefin-vom-dienst/

Die Filmkritikerin Pauline Kael

Pauline Kael, die legendäre amerikanische Filmkritikerin, ist vor zehn Jahren gestor-ben. Vor allem als Mitarbeiterin des New Yorker in den 1970er und 80er Jahren hatte sie internationale Bedeutung. Nun hat der Autor Brian Kellow eine sehr lesenswerte Biografie über sie publiziert: „A Life in the Dark“, erschienen bei Viking in New York (432 S., 27,95 $). Mehr über das Buch unter  http://artforum.com/words/id=29262

Audrey Hepburn als Callgirl

Ein berühmter Film, eine populäre Schauspielerin, eine unterhaltsame Publikation zur amerikanischen Filmgeschichte. Der Filmhistoriker Sam Wasson hat viele Informationen zu dem Film BREAKFAST AT TIFFANY’S von Blake Edwards zusammen-getragen und daraus ein höchst lesenswertes Buch gemacht: „Verlieben Sie sich nie in ein wildes Geschöpf“, erschienen im Verlag Lagerfeld/Steidl  (254 S. 22 €).

Der Fall Selpin

Herbert Selpin (1902-1942) hat als Regisseur in den dreißiger Jahren viele erfolgreiche Filme inszeniert. Während der Dreharbeiten zu TITANIC wurde er wegen abfälliger Äußerungen über die deutsche Wehrmacht denunziert, verhaftet und am 1. August 1942 erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Friedemann Beyer hat in einer beeindruckenden Recherche Hintergründe des Falles ermittelt. Sein Buch (erschienen in der Collection Heyne, 224 S., 19,90 €) erzählt ein Psychodrama des NS-Films. Herbert Spaich hat in seinem Blog eine lesenswerte Rezension publiziert: www.swr.de/blog/filmspaicher/2011/10/15/friedemann-beyer-der-fall-herbert-selpin