Olivier Assayas

Im Österreichischen Filmmuseum findet zurzeit (und noch bis zum 17. Juni) eine Retrospektive des französischen Filme-machers Olivier Assayas statt. Gezeigt werden alle Filme. Als eigenständige Publikation ist dazu eine Monografie erschienen, die der Autor und Filmemacher Kent Jones herausgegeben hat. Sie enthält – durchgehend in englischer Sprache – einen sehr sachkundigen 50seitigen Essays von Jones über Assayas, 17 Texte unterschiedlicher Autoren zu seinen Langfilmen, einen Text über seine Kurzfilme, eine Charakterisierung ausgewählter Mitarbeiter und Hinweise zu zehn Lieblingsfilmen von Assayas. Mit Bio-, Filmo- und Bibliografie und vielen farbigen Abbildungen. Das alles im bekannten Format der FilmmuseumSynema-Publikationen. Mehr zum Buch: olivier_assayas.

Zur Geschichte der Amerikanisierung

Die Dominanz des amerikanischen Films in Europa begann nach dem Ersten Weltkrieg. In einer materialreichen Dissertation hat die Münchner Kulturwissenschaftlerin Ursula Saekel Hollywoods Strategien speziell bei der Eroberung des deutschen Marktes erforscht. Mit dem Fokus auf den „US-Film in der Weimarer Republik“ dokumentiert sie kulturelle, politische und wirtschaftliche Entwicklungen von den 1910er bis in die späten 1930er Jahre. Dabei spielten Genrebildung, Starsystem und Studiomacht eine zentrale Rolle. Natürlich ging es vor allem ums Geld. Aber die politischen Interessen haben die frühe Globalisierung immer forciert und im Endeffekt für Demokratie und Freiheit geworben. Saekel ist zurückhaltend in der Ideologisierung und lässt Fakten sprechen. Sie hat sich auch gut mit den ökonomischen Aspekten des Weimarer Kinos vertraut gemacht. Ein umfangreicher Anhang mit Quellen, Tabellen und Grafiken belegt ihre Recherchen. Mehr über das Buch: 978-3-506-77174-2.html. Der Filmwissenschaftler Tobias Haupts hat die im Ferdinand Schöningh Verlag publizierte Dissertation auf der Website H-Soz-u-Kult rezensiert: rezensionen/2012-2-020

Texte von Jacques Rancière

Der französische Philosoph Jacques Rancière (*1940) publiziert seit Ende der 1990er Jahre Aufsätze in den Filmzeit-schriften Cahiers du Cinéma und Trafic. In dem Band „Und das Kino geht weiter“ sind 19 Texte von Rancière erstmals auf Deutsch zugänglich. Rancière plädiert für das Widerständige im Film und argumentiert mit Beispielen aus der Filmgeschichte (Robert Bresson, John Ford, Charles Chaplin) und aus dem zeitgenössischen Kino (Abbas Kiarostami, Pedro Costa, Brüder Dardenne). Vor allem der Aufsatz „Die Füße des Helden“, erschienen 2005 in Traffic, hat mich mit seiner eigenwilligen Lesart der Filme John Fords sehr beeindruckt. Der Band, herausgegeben von Sulgie Lie und Julian Radlmeier, ist im August Verlag Berlin der Buchhandlung Walther König Köln erschienen. Mehr zum Buch: page_id=1348

20. Todestag von Marlene Dietrich

Am 6. Mai 1992 starb in Paris die Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich, eine Ikone der deutschen Kultur. Zum 20. Todestag wird an ihrem Grab auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße in Berlin-Friedenau ein Blumengebinde niedergelegt. Der Nachlass von Marlene Dietrich wird von der Deutschen Kinemathek betreut. Sie ist mit drei Räumen in der Dauerausstellung des Berliner Museums für Film und Fernsehen präsent. Marlene-Ausstellungen wandern um die Welt. Fünf meiner Eröffnungsreden aus den Jahren 1993 bis 2003 sind hier zu lesen: funf-reden-1993-2003/. Und im Tagesspiegel schreibt Udo Badelt über das Verhältnis zwischen Berlin und Marlene:  sie-war-gott-sei-dank-berlinerin/6594634.html

Antonin Artaud

Der Franzose Antonin Artaud (1896-1948) war Schauspieler, Dichter, Dramatiker, Theoretiker, Zeichner, gehörte eine Weile zum Surrealismus und verfolgte später vor allem seine eigenen Theaterideen, zu denen Mitte der 1930er Jahre das „Theater der Grausamkeit“ gehörte, in dem man einen Vorläufer heutiger Performance sehen kann. Artauds Einfluss auf das moderne Theater sollte nicht unterschätzt werden. Seine Affinität zum Film war zunächst groß, er spielte – meist in Nebenrollen – in mehr als zwanzig Filmen mit, u.a. in Dreyers LA PASSION DE JEANNE D’ARC und Langs LILIOM. Und er investierte viele originelle Gedanken in die Phänomene des Kinos, war aber enttäuscht von der Entwicklung des Tonfilms. Seine Texte zum Film sind jetzt in einem eigenen Band der Artaud-Werke im Verlag Matthes & Seitz zu lesen. Die Ausgabe ist gut kommentiert, mit einem Nachwort von Bernd Mattheus versehen und fällt schon mal durch den tief schwarzen Einband auf, den kein bunter Schutzumschlag aufhellt. Mehr zum Buch: scripts/buch.php?ID=436

Polar

Das Wort, das uns als Bezeichnung für Gegensätze dient, hat in Frankreich eine allseits bekannte filmische Bedeutung. Es kombiniert die Wörter „police“ und „argot“, Polizei und Gaunersprache, es meint die Konfrontation von Gesetz und Verbrechen, es fungiert als Genrebegriff für alles Kriminelle, mit vielen Subgenres und der Konstante der Dunkelheit, der Nacht. In der Genre-Reihe des Bender-Verlages ist jetzt, herausgegeben von Ivo Ritzer, ein Band mit 15 kenntnis-reichen Beiträgen zum „Polar“ erschienen. Vom Herausgeber stammt ein fundierter Genre-Diskurs, von Dominik Graf eine persönliche Hommage. Es gibt Texte zur historischen Entwicklung, zu einzelnen Phänomenen und zu ausgewählten Regisseure, zum Beispiel Henri-Georges Clouzot, Claude Chabrol, José Giovanni, Jean-Pierre Melville, Alain Corneau, Philippe Grandrieux, Gaspar Noé und Bruno Dumont. Zu den Autoren gehören Norbert Grob, Bernd Kiefer, Roman Mauer, Karlheinz Oplustil, Andreas Rauscher, Marcus Stiglegger und verschiedene Doktoranden der Filmwissenschaft in Mainz. Gute Abbildungen. Der vierte Genre-Band bei Bender. Ob weitere folgen? Mehr zum Buch: 82fa5d59656dfb14b2f42e32fea8c436

Filmidole im Dritten Reich

1991 hat Friedemann Beyer sein erstes Buch über Nazi-Schauspielerinnen publiziert; es hieß damals „Die Ufa-Stars im Dritten Reich“. Nach über zwanzig Jahren ist jetzt eine überarbeitete Neuausgabe erschienen: „Frauen für Deutschland“, in der Collection Rolf Heyne. Es geht um Zarah Leander, Olga Tschechowa, Sybille Schmitz, Ilse Werner und Kristina Söderbaum, die auch den Titel schmückt (in der ersten Fassung waren noch alle fünf Frauen auf dem Cover zu sehen). Es wurden neue Erkenntnisse eingearbeitet, und auch der Fototeil ist erweitert worden. Manchmal lohnt es sich, an ein früheres Buch noch einmal Hand anzulegen. Mehr zum Buch: titel503.html

Oberhausen: 50 Jahre Manifest

Morgen beginnen die 58. Oberhausener Kurzfilmtage, und weil dort vor fünfzig Jahren das Oberhausener Manifest verlesen wurde, soll das auch gefeiert werden. Natürlich gibt es eine Publikation zum Jubiläum. Sie hat den Titel „Provokation der Wirklichkeit“, ihre Herausgeber sind der Publizist Ralph Eue und der Leiter der Kurzfilmtage Lars Henrik Gass. Der Band enthält Dokumente, Essays und Gespräche. Mehr über das Buch: default_film. Neben dem Buch gehören zur Würdigung des Jahrestages die Restaurierung zahlreicher Filme der Unterzeichner, eine DVD-Edition mit deren Arbeiten, eine Reihe von Filmprogrammen im In- und Ausland, die Website www.oberhausener-manifest.com sowie ein internationales Symposium im Österreichi-schen Filmmuseum Wien am 7. und 8. Juni. Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.

Der Film und das Tier

Hühner und Katzen, Löwen und Affen, Dinosaurier und Schmetterlinge – eigentlich haben alle Tierarten ihr spezielles Leinwand-leben. In meiner Bibliothek steht das Buch „Wilde Tiere im Film“ von Joseph Delmont, einem Großwildjäger und Tierfilmregisseur, aus dem Jahr 1925. Ein Lexikon der Filmtiere wäre schön, ist aber wohl undenkbar. Die Alternative: Analyse von Spezialfällen. Das Bremer Filmsymposium hat sich 2011 mit dem Thema beschäftigt, und bei Bertz + Fischer ist jetzt die Dokumentation der Vorträge erschienen. Sortiert unter den Begriffen Klassifizierungen, Cinephilien und Philosophien sind zehn Texte von Winfried Pauleit, Vinzenz Hediger, Sabine Nessel, Jonathan Burt, Annette Förster, Gustavon Martin Garzo, Raymond Bellour, Ute Holl, Herbert Schwaab und Jennifer Fay zu lesen. Ganz besonders gefallen hat mir Bellours Erinnerung an BRINGING UP BABY und MONKEY BUSINESS von Howard Hawks. Mehr über das Buch: filmunddastier.html

My Week with Marilyn

Heute startet der englische Film MY WEEK WITH MARILYN von Simon Curtis mit Michelle Williams, Emma Watson und Kenneth Branagh in den deutschen Kinos. Erzählt wird eine „True Story“, die sich im September 1956 während der Dreharbeiten zu THE PRINCE AND THE SHOWGIRL ereignet haben soll. Der Autor Colin Clark war damals als dritter Assistent auf dem Set in den Pinewood Studios ein sehr realer Protagonist in einem fast mythischen Geschehen. Sein Buch, geschrieben vor zwölf Jahren, ist rechtzeitig zu Filmpremiere bei Schirmer/Mosel Literatur erschienen: „Meine Woche mit Marilyn. Eine wahre Geschichte“. Clark hat in den 1960er und 70er Jahren viele Dokumentarfilme gedreht, dann als Schriftsteller gearbeitet und ist 2002 gestorben. Für Marilyn-Fans ist es natürlich obligatorisch, das Buch zu lesen und den Film zu sehen.  Mehr über das Buch: php?products_id=670  Über den Film hat Susan Vahabzadeh eine schöne Kritik in der SZ geschrieben: der-schoene-und-das-biest-1.1335098