Sound im Film

Im August geht es in der Magical History Tour im Berliner Kino Arsenal um den Ton. 12 Filme stehen auf dem Programm, darunter ENTUSIASM (1930) von Dsiga Wertow, M (1931, Foto) von Fritz Lang, DESERTIR (1933) von Wsewolod Pudowkin, REAR WINDOW (1954) von Alfred Hitchcock, AU HASARD BALTHASAR (1965) von Robert Bresson, PLAYTIME (1967) von Jacques Tati und WAVELENGTH (1967) von Michael Snow. Die historischen wie auch die fünf aktuellen Filme spielen mit einem eigenständigen Klangraum, der dem Zuschauer bewusst gemacht wird. Mehr zum Programm: article/3583/3006.html

Locarno

In Locarno beginnt heute das 65. Film-festival. Im Wettbewerb sind 19 Filme zu sehen, ihre Regisseure heißen u.a. Sean Baker, Jean-Claude Brisseau, Jem Cohen, Edoardo Gabriellini, Bradley Rust Gray, Ying Liang, Peter Mettler, Sho Miyake, Nicolás Pereda, François Pirot, Ilmar Raag, Peter Strickland, Craig Zobel. Viele Namen sind mir neu. Eröffnungsfilm ist THE SWEENEY von Nick Love. Als Jury-Präsident fungiert der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul. Auf der Piazza Grande, der großen Attraktion des Festivals, sind MAGIC MIKE von Steven Soderberg, QUELQUES HEURES DE PRINTEMPS von Stéphane Brizé, NACHTLÄRM von Christoph Schaub und DAS MISSEN-MASSAKER von Michael Steiner zu sehen. Die große Retrospektive ist dem Regisseur Otto Preminger gewidmet, es sind alle seine Filme zu sehen. Auszeichnungen für ihr Lebenswerk erhalten Alain Delon, Ornella Muti und Charlotte Rampling. Und es gibt weitere Rahmenveranstaltungen.

Billy Wilder in Rendsburg

Im Jüdischen Museum in Rendsburg ist zurzeit (und noch bis zum 14. Oktober) eine Ausstellung mit berühmten Fotografien zu Billy Wilder zu sehen. 96 Jahre alt wurde der Autor und Regisseur, vor zehn Jahren ist er in Hollywood gestorben. Seine Filme sind noch immer sehr präsent, denn sie verbinden sich mit vielen populären Schauspielerinnen und Schauspielern. Es gibt zahlreiche Publikationen über Wilder, die bekannteste ist die Biografie von Hellmuth Karasek, eine der ersten war das Begleitbuch zur Retrospektive der Berlinale 1980. Damals konnte er leider nicht nach Berlin kommen, aber 1987 holte er sich dann persönlich seinen Professoren-Titel ab und 1993 den Goldenen Ehren-Bären der Berlinale. Er war der Deutschen Kinemathek sehr verbunden, und es hat eine Logik, dass das Bistro im Filmhaus am Potsdamer Platz seinen Namen trägt. Mehr zur Ausstellung in Rendsburg: hollywood-im-juedischen-museum

CLOUD ATLAS

Natürlich bin ich sehr gespannt auf den neuen Film von Tom Tykwer, den er gemeinsam mit den Wachowski-Geschwistern Lana und Andy realisiert hat. Am 8. November wird Premiere sein. Zu sehen ist jetzt im Netz ein fast sechs Minuten langer Trailer, der sehr neugierig macht. 100 Millionen Dollar hat der Film gekostet, es spielen Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Susan Sarandon, Ben Wishaw und Keith David mit, zum Teil sind sie in mehreren Rollen zu sehen, denn der Film erzählt sechs Geschichten aus einem Zeitraum von tausend Jahren. In einem kleinen Erklärungsfilm vermittelt das Regietrio, wie schön die Zusammenarbeit war. Hier ist der Link zum Trailer: www.cloudatlas-derfilm.de

New York

Als die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Juni Redakteure und Mitarbeiter nach Empfehlungen für die Sommerlektüre befragte, antworte Maxim Biller in allen acht vorgesehenen Kategorien mit einem einzigen schwärmerischen Hinweis: Maeve Brennans Buch „New York, New York“. Das hat mich neugierig gemacht, und die Lektüre hat sich gelohnt. Brennan (1917-1993) war in den 1950er und 60er Jahren Kolumnistin beim New Yorker. Der jetzt auf Deutsch veröffentlichte Band enthält 48 Geschichten, die vor allem auf Beobachtungen beruhen: es werden Menschen, Straßen, Geschäfte, Restaurants, Jahreszeiten und kleine Ereignisse beschrieben, in denen das New York vor fünfzig Jahren lebendig wird. Auch wenn sich die Stadt inzwischen sehr verändert hat: man möchte sofort wieder hin. Brennan auf dem Titelfoto erinnert mich an Dorothy Malone als Buchhändlerin in THE BIG SLEEP.

London

Heute beginnen in London die Olympischen Spiele. Man wünscht ihnen einen friedlichen, spannenden Verlauf. Als Filmliebhaber ist einem London aus den unterschied-lichsten Perspektiven vertraut – als Aktionsraum zum Beispiel von James Bond, Sherlock Holmes, Jack the Ripper oder William Thacker. Mit der Tower Bridge, dem Big Ben, der Themse oder Notting Hill bietet die Stadt Hintergründe, die sofort erkannt werden. Nicht zu reden von den schwarzen Taxen, den roten Telefonzellen und den speziellen Doppeldeckerbussen. Also zwischen den Wettkämpfen immer mal einen London-Film anschauen. Hier eine Auswahl: http://en.wikipedia.org/wiki/London_in_film

Lexikon der überschätzten Dinge

Dies ist natürlich kein Filmbuch. Aber es ist eine unterhaltsame Lektüre für einen Sommernach-mittag, bei der man mit dem Autor oft einverstanden ist, manchmal aber auch eine ganz andere Meinung hat. Hans von Trotha (*1965), ehemals Verleger, inzwischen Autor und Berater, stellt 163 Personen, Tätigkeiten, Dinge und Institutionen zur Disposition. Er will sie nicht abschaffen, aber ihre Bedeutung relativieren. Bei Biosprit, Erdbeerjoghurt, Karneval, Powerpoint und Rucksack bin ich ganz auf seiner Seite. Seine Sicht aufs öffentlich-rechtliche Fernsehen ist mir zu apodiktisch. Und der Text über „Wenders, Wim – Gesamt-werk nach Paris, Texas“ bleibt etwas geheimnisvoll. Klug sind Trothas Gedanken zum Happy End. Womit wir uns denn doch in der Filmwelt befinden. Mehr zum Buch: dinge/9783596193578

Henny Porten

In den Filmblatt-Schriften von CineGraph Babelsberg ist jüngst als Band 7 eine neue Publikation über Henny Porten erschienen, herausgegeben von Jürgen Kasten und Jeanpaul Goergen. Im Mittelpunkt stehen Aufsätze, die sich mit lange vergessenen und verschollen geglaubten Filmen von Henny Porten beschäftigen, zum Beispiel MÜTTER, VERZAGET NICHT (1911), DIE HEIMKEHR DES ODYSSEUS (1918) oder MUTTER UND KIND (1924). Über den Querschnittfilm HENNY PORTEN. LEBEN UND LAUFBAHN EINER FILMKÜNST-LERIN (1928) hat Jürgen Kasten einen längeren Essay verfasst. Mehr über das Buch www.filmblatt.de/index.php?kasten-goergen-henny-porten-2 . Und natürlich denkt man an die erste große Henny Porten-Retrospektive zurück, die 1986 zur Berlinale stattfand und von Helga Belach betreut wurde.

Jahrbuch Fernsehen

Dies ist das 21. „Jahrbuch Fernsehen“, es bietet Bestands-aufnahmen, Analysen und Informationen auf hohem Niveau. Wer sich an das Fernsehjahr 2011 erinnern will (und präzise Erinnerungen schützen vor pauschalen Verunglimpfungen), für den ist Dietrich Leders 30-Seiten-Rückblick ein Pflichttext; 10 Analysen, 10 Bilder, präzise ausgewählt, glänzend formuliert. Er steht am Ende des Essay-Teils und ist die Überleitung zu 100 Seiten Fernsehkritik, klug ausgewählt aus epd medien, Funkkorrespondenz, Spiegel Online, FAZ, SZ und anderen Organen, in denen Kritik noch ernst genommen wird. Zur Hälfte besteht das Jahrbuch aus einem „Service“-Teil. Braucht man das noch in Internet-Zeiten? Es ist erstaunlich, auf wie viele interessante Informationen man beim Durchblättern stößt: Personen, Aktivitäten, Basisdaten. Bei allem Respekt vor Suchmaschinen: das gedruckte Jahrbuch steht weiterhin griffbereit im Regal. Dank an die fünf Herausgeber, das Grimme Institut, die Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, die Funkkorrespondenz, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik und das Institut für Medien- und Kommunikationspolitik.

Tarkowskij im Arsenal

So etwas nennt man Tradition: Seit mehr als zwanzig Jahren findet jeweils im Sommer im Berliner Arsenal eine Tarkowskij-Retrospektive statt. Man kann seine Filme sehen, und gelegentlich gibt es noch ein Rahmen-programm. Sieben lange Filme umfasst sein Werk. Außerdem gibt es diesmal drei dokumentarische Arbeiten von und über Tarkowskij. Im April wäre er 80 Jahre alt geworden. Mehr zum Programm: july/22/article/3525/2796.html