Alain Resnais im Arsenal

Im Berliner Kino Arsenal beginnt heute eine große Alain Resnais-Retrospektive. Im Juni feierte der Regisseur seinen 90. Geburtstag. In Cannes wurde sein neuester Film VOUS N’AVEZ ENCORE RIEN VU uraufgeführt, der heute im Rahmen der Retrospektive eine deutsche Vorabpremiere hat. Gezeigt wird sein Gesamtwerk, beginnend mit dem Spielfilm-debüt HIROSHIMA MON AMOUR (1959), sowie 19 kurze und mittellange Arbeiten aus den Jahren 1946 bis 1991, darunter vier Filme, die in Zusammenarbeit mit dem kürzlich verstor-benen Filmemacher Chris Marker entstanden sind. Ich erinnere an das Buch von Sophie Rudolph, das ich hier am 12. Juni vorgestellt habe (2012/06/alain-resnais/). Man kann es als Begleitung durchs Arsenal-Programm nutzen. Mehr zum Programm der Retrospektive: 3627/2803.html

Die Utopie Film

Ein program-matischer Saisonbeginn: Das Öster-reichische Filmmuseum will bis zum 17. Oktober anhand von 100 Bei-spielen aus den Jahren 1896 bis 2011 „das ganze Kino“ präsentieren. Dazu publiziert es auf seiner Website einen film-philosophischen Text: reserve-mode=active  Zu sehen sind an den ersten drei Tagen die Filme SUNRISE (1927) von Friedrich Wilhelm Murnau, PLAYTIME (1967) von Jacques Tati, LO SCEICCO BIANCO (1952) von Federico Fellini, IMITATION OF LIFE (1959) von Douglas Sirk, Y’AURO T’LL DE LA NEIGE À NOEL? (1996) von Sandrine Veysset und ADAPTATION (2002) von Spike Lee.

Rudolf Thome

Heute ist der Kinostart des neuen Films von Rudolf Thome. Meine Bewunderung für ihn ist ziemlich groß, weil er beharrlich seinen Weg geht, es schafft, jährlich einen neuen Film zu realisieren und sich, wie man so sagt, dabei treu bleibt. Nicht alle seine Filme sind gelungen, aber ich bin immer wieder gespannt darauf, wie er seine neue Story erzählt. Am Drehbuchschreiben kann man beobachtend teilnehmen, wenn man seine Website moana.de/Blog/Drehbuch.html  besucht und sich nicht auf seinem Blog von den vielen Blumen in seinem Dorf ablenken lässt. Nun also INS BLAUE, ein Film über eine Italienreise, eine Filmproduktion und eine Vater-Tochter-Geschichte. Es ist der letzte Film mit Vadim Glowna. Auch das kann ein Motiv für den Kinobesuch sein. Mehr über den Film: Deutsch/DIB/DIBIn.html .

Venedig

Heute beginnt in Venedig das 69. Film-festival. Neuer Direktor ist Alberto Barbera (der das Festival schon einmal von 1998-2002 geleitet hat). Im Wettbewerb konkurrieren 17 Filme, darunter APRÈS MAI von Olivier Assayas, BELLA ADDORMENTATA von Marco Bellocchio, PASSION von Brian de Palma, PIETA von Kim Ki-duk, OUTRAGE BEYOND von Takeshi Kitano, TO THE WONDER von Terrence Malick, SINAPUPUNAN von Brillante Mendoza und PARADIES: GLAUBE von Ulrich Seidl. Präsident der Jury ist der amerikanischen Regisseur Michael Mann. Einen Ehrenpreis erhält der amerikanische Filmemacher Spike Lee. Das Festival dauert bis 8. September.

DIE WEBER

Heute Abend zeigt Arte den Stummfilm DIE WEBER (1929) von Friedrich Zelnick. Die Filmadaption des Theater-stücks von Gerhart Haupt-mann gehört zu den Klassikern des Weimarer Kinos. In den Haupt-rollen sind Paul Wegener, Wilhelm Dieterle, Arthur Kraußneck und Valeska Stock zu sehen. Die neu komponierte Musik stammt von dem Kölner Johannes Kalitzke. Der Film wurde von der Murnau-Stiftung aufwendig restauriert. Die Ausstrahlung ist für Nachtgucker terminiert und beginnt um 0.20 Uhr. Mehr zum Film: Zelnik/6565580.html

Dokumentarfilme aus Babelsberg

Ein neues Buch zur deutschen Dokumentar-filmgeschichte. Es bezieht sich auf einen Ort: Babelsberg, auf das Studio und die Film-hochschule. Klaus Stanjek, der Heraus-geber, seit 1993 Professor für Dokumentar-filmregie an der HFF „Konrad Wolf“, hat sich in die spezifischen Qualitäten des DDR-Dokumentarfilms eingearbeitet. Von ihm stammt einer der drei Aufsätze zu den Parametern des Babelsberger Dokumentar-films. Er hat sich zwei Autoren zu Hilfe geholt: seine Kollegin Marie Wilke, die in einem sehr klugen Essay die Langzeitbeobachtungen von Winfried Junge (Golzow) und Volker Koepp (Wittstock) vergleicht, und Günter Jordan, Absolvent der HFF, der die Entwicklung des Babelsberger Dokumentarfilms als teilnehmender Beobachter schildert. Die drei Essays sind sehr informativ. Etwas kurzatmig werden im Anhang 18 Filme der „Babelsberger Schule“ chronologisch von 1962 bis 2010 vorgestellt: drei von Jürgen Böttcher, zwei von Volker Koepp, je einer von Karl Gass, Winfried Junge, Kurt Teztlaff, Helke Misselwitz, Thomas Heise, Petra Tschörtner, Alice Agneskirchner, Uli Gaulke, Stanislaw Mucha, Ines Thomsen, Shaheen Dill-Riaz, Mernhard Sallmann und Dieter Schumann. Die Auswahl ist nicht ganz einsichtig. Dennoch ein bemerkenswertes Buch. Mehr Informationen: http://www.bertz-fischer.de/babelsbergerschule.html

Animation Under the Swastika

Rolf Giesen, Spezialist für Special Effects und Animation hat zusammen mit J. P. Storm ein Buch über den Trickfilm in der Nazizeit publiziert, kürzlich erschienen bei McFarland & Company in Jefferson. Ich habe das Buch noch nicht in der Hand gehabt, vertraue aber der Kompetenz von Rolf und weise hier darauf hin. Im Verlagstext heißt es: „Among their many idiosyncrasies, Adolf Hitler and Joseph Goebbels, the Nazi minister of propaganda, remained serious cartoon aficionados throughout their lives. They adored animation and their influence on German animation after World War II continues to this day. This study explores Hitler and Goebbels’ efforts to establish a German cartoon industry to rival Walt Disney’s and their love-hate relationship with American producers, whose films they studied behind locked doors. Despite their ambitious dream, all that remains of their efforts are a few cartoon shorts—advertising and puppet films starring dogs, cats, birds, hedgehogs, insects, Teutonic dwarves, and other fairy-tale ensemble. While these pieces do not hold much propaganda value, they perfectly illustrate Hannah Arendt’s controversial description of those who perpetrated the Holocaust: the banality of evil.“ Rolf ist seit einiger Zeit Direktor des „Jilin Animation, Comics and Games Museums“ in Changchun.

Film als Raumkunst

16 Beiträge zum Thema enthält dieser Sammelband, und es geht nach dem kurzen Vorwort kreuz und quer durch die Filmgeschich-te, unterstützt von wissenschaft-licher Gedankenhilfe der Kunst-geschichte. Fünf Texte haben mir besonders gut gefallen: Martin Loiperdingers Gedanken zum Henny Porten-Film ALEXANDRA (1914), Burkhardt Lindners Hinweise zur Medienarchäologie des frühen Tonfilms, Ursula von Keitz’ Raumanalysen von John Fords THE SEARCHERS (1956, aus dem auch das Titelfoto stammt), Fabienne Liptays Rekurs auf historische Gärten bei Peter Greenaway und Ang Lee (fast ein Dialog mit Nina Gerlachs Buch „Gartenkunst im Spielfilm“) und Malte Hageners Überlegungen zur Multiplikation filmischer Räume im Splitscreen. Mit vielen Abbildungen, sehr gut gedruckt. Mehr zum Buch: 108–film-als-raumkunst.html

Berliner TanzFilmNacht

Zum zweiten Mal gibt es im Film-theater am Friedrichshain in Berlin eine Tanz-FilmNacht. Sie beginnt um 18.30 Uhr, ihr Ende ist offen. Auf dem Programm stehen nach bisheriger Planung 14 Filme, der kürzeste dauert 10 Minuten (RED SHOES von Micah Meisner, 2009), der längste 109 (SHELL WE DANCE von Mark Dandrich, 1937, mit Fred Astaire und Ginger Rogers; Foto). Zweimal geht es um Strawinskys SACRE DU PRINTEMPS: zuerst getanzt von Pina Bausch (1976), dann sehr fiktional gefilmt von Oliver Herrmann (2003). Und natürlich wird auch an Mary Wigman erinnert.

Gene Kelly 100

Wieder ein Hundert-jähriger. Allerdings haben wir uns 1996 von ihm verabschie-det, und Michael Althen schrieb da-mals einen schönen Nachruf in der SZ: personen/kelly-gene/ Als ich vor 60 Jahren zuerst AN AMERI-CAN IN PARIS und wenig später SINGIN’ IN THE RAIN sah, hat das meine Ansprüche an den Tanzfilm geprägt: dass er für Lebensfreude und Phantasie zu sorgen hat. Zumindest in den 1950er Jahren stand mir Kelly näher als Fred Astaire. Das hat sich später etwas verändert.