Michael Althen-Preis

Heute wäre Michael Althen fünfzig Jahre alt geworden. Im Mai 2011 mussten wir von ihm Abschied nehmen und seither denken wir oft an ihn. Die FAZ hat ihm zu Ehren einen Michael-Althen-Preis für Kritik ausgeschrieben, der morgen erstmals vergeben wird. Erste Preisträgerin ist die Berliner Schrift-stellerin und Journalistin Sarah Khan für einen Text über die Fernsehserie DR. HOUSE in der Zeitschrift Cargo. Zur Jury gehören die Schauspielerin Claudia Michelsen, die Regisseure Dominik Graf und Tom Tykwer, der Schriftsteller Daniel Kehlmann und der Schauspieler und Publizist Hanns Zischler. Der Preis ist mit 10.000 € dotiert und wird im Deutschen Theater übergeben. Die Website mit Texten von Michael wird kontinuierlich erweitert, und eines Tages sind dort alle seine wunderbaren Texte zu lesen: http://michaelalthen.de/

Der Architekt

Eine Ausstellung in der Pinakothek der Moderne in München reflektiert den Beruf des Architekten vom Altertum bis in die Gegenwart. Das geschieht in komprimierter, aber kluger Form und macht den Status der „Baumeister“ in den verschiedenen Epochen deutlich. Für das 20. Jahrhundert nutzt die Ausstellung beispielhafte Modelle aus dem Archiv des Architekturmuseums der TU München. Ein eigener Bereich ist der Filmarchitektur gewidmet, die in METROPOLIS ein frühes Meisterwerk schuf, das noch weitgehend auf handwerklichem Können basierte. Auch die James Bond-Räume von Ken Adam werden präsentiert. Auf mehreren Bildschirmen wird das mediale Berufsbild des Architekten in Filmausschnitten gezeigt, am prägnantesten natürlich in langen Szenen aus King Vidors THE FOUNTAINHEAD (1949), der von den kreativen Visionen und der trotzigen Haltung eines Architekten handelt. Er erinnert  an die Lebensgeschichte von Frank Lloyd Wright. Gary Cooper spielt eindrucksvoll die Hauptrolle.

Mannheimer Filmsymposium

Mit einem Godard-Zitat lädt das Cinema Quadrat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Bundesverbänden zum 27. Mannheinmer Filmsymposium. Es geht um das Filmemachen zwischen Dokumentation und Fiktion, um die Grenzen zwischen Authentizitätsanspruch und Gestaltungs-bedürfnis. Acht Filme, sechs Vorträge, drei Werkstattgespräche und vier Diskussionsrunden stehen auf dem Programm. Beginn: heute um 15 Uhr, Ende am Sonntag um 16 Uhr. Die Pausen dazwischen sind kurz. Unter den Gästen gibt es einige Vertraute: Rolf Coulanges, Thomas Frickel, Gerhard Midding, Ivo Ritzer, Marcus Stiglegger. Zu den Älteren gehört Gerhard Bliersbach, ein Verkehrspsychologe mit Filminteressen, die Jüngste ist Anna Ditges, deren Film ICH WILL DICH – BEGEGNUNGEN MIT HILDE DOMIN (2007) ich sehr schätze.

Stummfilme in der SZ-Cinemathek

Elf Stumm-filme aus den Jahren 1916 bis 1931 fügen sich zu einer neuen Box der SZ-Cinemathek. Sieben Titel stammen aus Deutschland, drei aus den USA, einer aus der Sowjet-union. Vier Filme liegen erstmals in digitaler Fassung als DVD vor: WHY CHANGE YOUR WIFE? (1920) von Cecil B. DeMille, DIE NIBELUNGEN (1924) von Fritz Lang, FAUST (1926) von Friedrich Wilhelm Murnau und DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT (1929) von Kurt Bernhardt. In den folgenden Wochen werden die Titel mit jeweils einem kurzen Text im Feuilleton der SZ vorgestellt.

Frankfurter Buchmesse

Heute beginnt die Frankfurter Buchmesse. Es ist die 64. Zum ersten Mal war ich 1958 dort. Jetzt kommt der Allgemeinplatz, dass sich seither viel verändert hat. Wichtiger ist die Frage: warum fährt man dorthin? In der Regel sind es persönliche und berufliche Motive. Bekannte oder Freunde treffen. Autoren zuhören. In Bildbänden blättern. Entdeckungen machen (eher selten, weil man die Vorschauen studiert hat). Gespräche an verschiedenen Ständen führen (Schüren, edition text + kritik, Reclam, Aufbau, Fink, Diogenes in alter Freundschaft; Bertz + Fischer fahren seit einiger Zeit nicht mehr hin). Und nun das ganz persönliche Motiv: bei Schirmer/Mosel hoffe ich, erstmals mein neues Buch in die Hand nehmen zu können. „Licht und Schatten. Die großen Stumm- und Tonfilme der Weimarer Republik“. Ein Bildband, an dem ich lange gearbeitet habe. Am kommenden Montag wird die entsprechende Ausstellung im Kunstfoyer der Bayerischen Versicherungskammer in München eröffnet. Mehr zum Buch: products_id=680

Think:Film

Morgen beginnt in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg ein inter-nationaler Kongress über experimentelles Kino im Kontext der zeitgenössischen Kunst, veranstaltet vom Arsenal und dem Filminstitut der Universität der Künste. In fünfzehn Panels an fünf Tagen diskutieren über vierzig internationale FilmemacherInnen, KünstlerInnen, Film- und GeisteswissenschaftlerInnen und KuratorInnen über den Einfluss des filmischen Bildes auf das Denken heute. Zur Eröffnung sprechen Heinz Emigholz, Birgit Hein, Peggy Gale und Stefanie Schulte Strathaus. Heute Abend gibt es ein Warm-Up mit Lisa Steele, Kim Tomczak und Klaus Wyborny. Der Kongress wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds. Mehr zur Veranstaltung: thinkfilm.html

Pola

Eigentlich hieß sie Barbara Apolonia Chałupiec, wurde 1897 in Polen geboren, klaute einer Lyrikerin den Namen Negri, kam 1918 als Schauspielerin nach Berlin, wurde durch Ernst Lubitsch zum Stummfilmstar (CARMEN, MADAME DUBARRY, SUMURUN), folgte dem Regisseur 1924 nach Amerika, hatte dort Affären mit Chaplin und Valentino, aber wenig Erfolg im Kino, kehrte 1934 nach Deutschland zurück, drehte mit Willi Forst den Film MAZURKA, fuhr 1938 wieder nach Amerika und beendete dort ihre Karriere. Sie war eine Diva mit vielen Widersprüchen. Die Berliner Autorin Daniela Dröscher (*1977) hat das fiktionale Kapital des Negri-Lebens gespürt und daraus einen Roman gemacht: „Pola“. Er erzählt seine Geschichte – die Suche nach Anerkennung und Erfolg – aus der Perspektive der 1930er Jahre, anfangs in L.A., später weitgehend in Berlin. Zum Personal gehören im ersten Kapitel Marlene Dietrich und Mercedes da Costa, David O. Selznick und Louis B. Mayer, dann geht es, schon auf deutschem Boden, weiter mit Willi Forst, Arnold Pressburger, Emil Jannings, Albrecht Schönhals, dem Kanzler und dem Minister (die Namen Hitler und Goebbels werden ausgespart), mit Polas Mutter Eleonora und mit fiktivem Personal, angeführt von dem jungen, schönen Hermann Braun, mit dem es eine längere Liaison gibt (eine Assoziation zu Maria Braun ist beabsichtigt). Eingeschoben sind Rückblenden in die Kindheit und Jugend. Die eruptiven Gefühle der Hauptfigur bringen sie in Schwierigkeiten mit der Politik, das ist spannend zu lesen. Viele Fakten sind gut recherchiert – und wenn etwas nicht ganz stimmen sollte, kann sich die Autorin darauf berufen, dass es sich ja um einen Roman handelt. Sein Thema ist die Blindheit der Selbstliebe. Und die Welt des Films. Andreas Platthaus hat für die FAZ eine kritische Rezension geschrieben: 11874578.html

Technicolor

Im neuen Heft der Schweizer Zeitschrift Filmbulletin (6/2012) ist ein wunderbarer Aufsatz von Johannes Binotto zu lesen: „Übernatürliche Farbe“. Er handelt von der Ästhetik von Technicolor. Dieses legendäre Farbsystem hatte – nach mehreren Vorläufern – seine große Zeit von Mitte der 1930er bis Mitte der 1950er Jahre, beginnend mit BECKY SHARP (1935) von Rouben Mamoulian. Zu den ganz großen Technicolor-Werken gehören THE WIZARD OF OZ (1939) von Victor Fleming, ZIEGFIELD FOLLIES (1945) von Vincente Minnelli, BLACK NARCISSUS (1947) von Michael Powell und Emeric Pressburger, AN AMERICAN IN PARIS (1951) von Vincente Minnelli , SINGIN’ IN THE RAIN (1952) von Stanley Donen und Gene Kelly, MAGNIFICENT OBSESSION (1953) von Douglas Sirk. Meist fungierte Natalie Kalmus als Farbberaterin. Binotto reflektiert am Beispiel dieser Filme über Realität und Übernatürlichkeit der Farben und zitiert mehrfach die farbkompetente Frieda Grafe. Bei der verwendeten Literatur fehlt ein Verweis auf das Buch von Gert Koshofer „Color. Die Farben des Films“ (1988), das die technische Basis vermittelt. Der Aufsatz enthält 62 kleine, aber farbintensive Abbildungen. Und er macht auf die Website von Barbara Flückinger aufmerksam: http://zauberklang.ch/colorsys.php.

Pordenone

Das älteste Stummfilmfestival der Welt geht in diesem Jahr in die 31. Runde. Und wieder versammeln sich Spezialisten, Fans und Archivare in der norditalienischen Stadt zu Special Events, einer Retrospektive von Dickens-Verfilmungen der Frühzeit, einer Anna Sten-Reihe und einer Werkschau des deutschen Animationsfilms. Eröffnet wird im Teatro Verdi mit King Vidors THE PATSY (1928) mit Marion Davis und Marie Dressler. Zu den restaurierten Filmen im Programm gehört auch JENSEITS DER STRASSE (1929) von Leo Mittler. Beendet wird das von David Robinson geleitete Festival am 13. Oktober mit einer Aufführung von A WOMAN OF AFFAIRS (1928) von Clarence Brown.

50 Jahre James Bond

Heute vor 50 Jahren fand die Premiere des ersten James Bond-Films statt: DR. NO. Mit Sean Connery als JB und Joseph Wiseman als fanatischem Wissenschaftler. 24 James-Bond-Filme sind seither entstanden, sie haben rund fünf Milliarden $ eingespielt. Anderseits gab es nur zehn Bond-Romane des Figuren-erfinders Ian Fleming, dann hatte der Autor keine Lust auf eine weitere literarische Fortsetzung und erklärte den Tod seine Helden. Als Filmfigur ist Bond weiterhin am Leben, nach Sean Connery kamen George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan, seit sechs Jahren wird er von Daniel Craig verkörpert, und am 23. Oktober kommt eine neue Folge in die Kinos: SKYFALL. In der Printausgabe des neuen Spiegel schreibt Lars-Olav Beier eine kleine objektive Bond-Geschichte („Ein Mann wie eine Black Box“), im Spiegel-online wird er subjektiv und erzählt sein persönliches Bond-Leben („Ich bin Bond-Boy, für immer“), das für ihn als Zwölfjährigen begann: geburtagsgruss-a-858960.html.