Kleopatra-Ausstellung in Bonn

2013.CleopatraSie war Ägyptens letzte Herrscherin, ihre Schönheit gilt als legen-där, und so spielte sie auch in der Film-geschichte eine Rolle, am populärsten in der Dar-stellung von Elizabeth Taylor im Film von Joseph L. Mankiewicz von 1962. In der Bundes-kunsthalle in Bonn gibt es jetzt eine Kleopatra-Ausstellung zu sehen, die von Elisabeth Bronfen und Agnieszka Lulinska kuratiert wurde. Es geht dabei weniger um die reale Kleopatra als vielmehr um das Bild, das in der Malerei seit der Renaissance von ihr imaginiert wurde und in der Filmgeschichte in einer Vielzahl vor allem amerikanischer und französischer Filme. Sie wurde u.a. von Theda Bara (1917). Claudette Colbert (1934), Vivien Leigh (1945), Sophia Loren (1953) und ET verkörpert. Das Bild aus der Bonner Ausstellung stammt von dem spanischen Künstlerduo BTOY aus dem Jahr 2009. Natürlich spielt auch die Shakespeare-Adaption Kleopatras eine Rolle. Und als ikonische Darstellungen sind Andy Warhols „Blue Liz as Cleopatra“ und „Silver Liz as Cleopatra“ von 1963 zu sehen. Die Ausstellung ist bis 6. Oktober geöffnet.

Erich Mendelsohn

2013.MendelsonDer israelische Regisseur Duki Dror hat ein dokumentarisches Biopic über den Architekten Erich Mendelsohn (1887-1953) realisiert, das vor einem halben Jahr in einigen Kinos zu sehen war und jetzt als DVD erschienen ist. Mit vielen Zitaten aus den Memoiren von Luise Mendelsohn und aus den Briefen von Erich wird das weltweite Wirken des Baukünstlers sehr lebendig erzählt. Bilddokumente aus den 1920er und 30er Jahren sind anschaulich mit aktuellen Aufnahmen der Plätze und Gebäude in Potsdam, Berlin, Chemnitz, Chelsea, Jerusalem, Tel Aviv oder San Francisco verbunden. Natürlich werden auch die wechselhaften Lebensphasen in Deutschland bis 1933 und im Exil in England, Palästina und den USA thematisiert, und im Zentrum steht immer wieder die enge Beziehung zu seiner Frau, der Cellistin Luise Maas, die er früh geheiratet hatte und die ihm auch in existentiellen Krisen (Verlust eines Auges) zur Seite stand. Dem Film fehlt gottlob alles Lehrhafte, er sieht seinen Protagonisten aus heutiger Perspektive. Im Übrigen gibt es noch einen persönlichen Bezug: wir wohnen in einem Mendelsohn-Gebäude am Kurfürstendamm, hinter der heutigen „Schaubühne“, erbaut in den späten 20er Jahren mit dem damaligen Kino „Universum“ als Zentrum. Auch das wird im Film gezeigt. Mehr zur DVD: aktion=artikel&id=467

AUGE IN AUGE auf Alles Kino

Bildschirmfoto 2013-06-28 um 22.21.30Der Film AUGE IN AUGE – EINE DEUTSCHE FILM-GESCHICHTE (2008), den ich zusammen mit Michael Althen gemacht habe, ist seit kurzem auf der Plattform „Alles Kino“ zu sehen. Man zahlt für 48 Stunden 3,99 €. Da die DVD nur vom Goethe-Institut und in einer FAZ-Edition vertrieben wird, ist es die beste und preiswerteste Möglichkeit, sich den Film anzuschauen. Zehn Paten stellen ihre deutschen Lieblingsfilme vor: Tom Tykwer spricht über Murnaus nosferatu, Wolfgang Kohlhaase über menschen am sonntag von Robert Siodmak und Edgar G. Ulmer, Wim Wenders über m von Fritz Lang, Christian Petzold über Helmut Käutners unter den brücken, Hanns Zischler über Alexander Kluges abschied von gestern, Andreas Dresen über solo sunny von Konrad Wolf, Michael Ballhaus über Fassbinders ehe der maria braun, Dominik Graf über rocker von Klaus Lemke, Doris Dörrie über alice in den städten von Wim Wenders und Caroline Link über den ersten heimat-Zyklus von Edgar Reitz. Die zehn Liebeserklärungen werden vertieft durch fünf spezielle Filmessays: Berlin im Film, Film im Nationalsozialismus, Film in der DDR, eine filmische Deutschlandreise und die Frage: Was ist das Deutsche am deutschen Film? Wir blicken in die Augen der Männer und werden durch die Blicke der Frauen verführt – und dazu wird geküsst, geraucht, telefoniert und geschrien, was die deutsche Filmgeschichte hergibt. Wenn man den Film wie ein Rätselspiel anschaut, dann kann man die Titel von rund 250 deutschen Filmen erraten – man kann sich aber auch einfach treiben lassen durch eigene und fremde Erinnerungen. Und im Idealfall hat man hinterher vor allem eines: Lust aufs deutsche Kino. Mehr zum Angebot: filmgeschichte-2008.html

Münchner Filmfest

2013FilmfestIn München beginnt heute das 31. Inter-nationale Filmfest. Es ist das größte Festival nach der Berlinale. In sieben Reihe, zwei Retro-spektiven, einer Hommage und diversen Sondervorführungen werden insgesamt 174 Filme aus 48 Ländern gezeigt. Eröffnet wird mit Caroline Links neuem Film EXIT MARRAKECH. Es gibt einen Wettbewerb um den ARRI/OSRAM-Award für den besten ausländischen Film (16 Titel) und einen Wettbewerb um den CineVision Award für den besten internationalen Nachwuchsfilm (15 Titel). 36 Kandidaten (Regisseure, Drehbuchautoren, Produzenten, Schauspieler) konkurrieren mit zehn Filmen um den Förderpreis Neues Deutsches Kino; das Preisgeld summiert sich auf 70.000 €. Mit 43 Filmen sind die „International Independents“ die umfangreichste Reihe. Es gibt außerdem Großes Kino von etablierten Regisseuren, interessante neue Fernsehfilme, ein Kinderfilmfest und Open Air-Vorführungen. Die Retrospektiven sind dem Italiener Paolo Sorrentino und dem Chilenen Alejandro Jodorowsky gewidmet. Und der CineMerit Award geht an den Schauspieler Michael Caine. Eine bunte Mischung. Mehr zum Programm: filmprogramm/film-reihen.aspx

Bernd Eichinger-Ausstellung

2013.Bernd_EichingerIm Berliner Museum für Film und Fernsehen wird heute Abend die Ausstellung „Bernd Eichinger – …alles Kino“ eröffnet. Die Deutsche Kinemathek verfügt über den Nachlass des großen Produzenten, sie kooperiert mit der Witwe Katja, und die Ausstellungsabteilung wagt in den nicht gerade sehr großen Räumen immer wieder neue, interessante Akzentuierungen; das hat auch zur besonderen Resonanz der Scorsese-Ausstellung geführt. Vier Bereiche gliedern die Eichinger-Präsentation: Deutschland – Amerika – Außenseiter – Helden. Seine Biografie liefert, beginnend mit der Kindheit und dem Studium an der Münchner HFF, viele Höhepunkte für eine Erfolgsgeschichte. Zur Eröffnung sprechen Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, Staatsminister Bernd Neumann und der Regisseur Tom Tykwer, der mit Eichinger die Patrick Süskind-Verfilmung DAS PARFÜM realisiert hat. Die Ausstellung ist bis zum 6. Oktober zu sehen.  

Fürsten der Finsternis

2013.Draculatreppe„Fürsten der Finsternis“ heißt die Ausstellung, die morgen im Filmmuseum Düsseldorf eröffnet wird. Sie thema-tisiert den Vampirkult im Film, und dafür gibt es zurzeit auf dem Buchmarkt und im Kino viele Fans. Gezeigt werden Kostüme, Requisiten, Zeichnungen, Plakate, Fotos, Produktions-dokumente und begehbare Sets. Klassiker des Genres sind NOEFERATU – EINE SYMPONIE DES GRAUENS (1922) von F. W. Murnau (Eröffnungsfilm morgen Abend in der black box), DRACULA (1931) von Tod Browning mit Bela Lugosi (Foto), VAMPYR (1932) von Carl Theodor Dreyer, TANZ DER VAMPIRE (1967) von Roman Polanski, Werner Herzogs Neuverfilmung von NOSFERATU (1979) mit Klaus Kinski, Francis Ford Coppolas BRAM STOKRE’S DRACULA (1992), und vielleicht werden ja auch die bisher fünf Folgen der TWILIGHT-Saga (2008 bis 2012) nach den Büchern von Stephanie Meyer von diversen Regisseuren zu Klassikern. Parallel findet in Düsseldorf eine Fotopräsentation von Universal Pictures in Zusammenarbeit mit der Academy statt. Beide Ausstellungen werden von einem umfangreichen Filmprogramm begleitet und sind bis zum 13. Oktober zu sehen.

Science Fiction in Leipzig

2013.LeipzigIm „Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig“, einem attraktiven Museum in der Mitte der Stadt, ist seit einigen Tagen die interessante Ausstellung „Science Fiction in Deutschland“ zu sehen. Sie wurde zuvor bereits im „Haus der Geschichte“ in Bonn gezeigt. Der Projektleiter Christian Peters nennt seine Unternehmung „eine Zeitreise in die Vergangenheit der Zukunft“. Sie dokumentiert mit mehr als 600 Exponaten, wie sich vor allem der Film seit den 1920er Jahren für Weltraumreisen, Angstvisionen und Horrorszenarien interessiert hat. Fritz Langs METROPOLIS (1926) und FRAU IM MOND (1929) sind frühe Beispiele dafür. Zu sehen sind  u.a. die Maschinen-Maria, der „Kosmokrator“ aus dem DEFA-Film DER SCHWEIGENDE STERN (1960), ein Bügeleisen aus der Serie RAUMSCHIFF ORION, Darth Vader aus STAR WARS (1977), ein Monster aus ALIEN (1979), ein Foto der Crew von Bully Herbig aus (T)RAUMSCHIFF SURPRISE (2004). Plakate erinnern an FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN (1956) oder INDEPENDENCE DAY (1996). Sehr real ist ein Stück Mondgestein (250 Gramm), das von der Apollo 12-Mission 1969 auf die Erde gebracht wurde. Und natürlich wird auch die deutsche Heftchen-Serie „Perry Rhodan“ thematisiert, die es seit 1961 gibt. Bisher sind über 2.700 Nummern erschienen. Mehr zur Ausstellung, die bis zum 12. Januar 2014 zu sehen ist: science-fiction-in-deutschland/

Hans Wollenberg

2013.WollenbergEr war, wenn man dem Titelfoto glaubt, ein meinungsfreudiger Mann. Hans Wollenberg (1893-1952), ausgebildeter Jurist, Redakteur des Fachblattes Lichtbild-Bühne von 1920 bis 1923, Chefredakteur von 1927 bis 1933, leitete von 1934 bis 1938 die Wochenzeitschrift des Reichs-bundes jüdischer Frontsoldaten Der Schild, ging 1938 ins Exil nach Prag, lebte und arbeitete ab 1939 in Großbritannien, schrieb 1948 das Buch „Fifty Years of German Film“, war ab 1949 als Gast  zu Vorträgen in Deutschland und starb 1952 in London. Eine fast paradigmatische Exil-Biografie, die von Ulrich Döge in seinem einleitenden Essay („Kosmopolit des Films“) auf siebzig Seiten bestens recherchiert geschildert wird. 70 Filmkritiken und 28 Aufsätze sind in dem Band dokumentiert. Sie sind meinungsfreudig, aber vor allem sachlich und voller Respekt vor den Machern der Filme. Beispielhaft finde ich seine Texte über SCHERBEN (1921) von Lupu Pick, DER MÜDE TOD (1921) von Fritz Lang (mit dem Resumée: „Die ihr an die Zukunft des Kinos glaubt, seht euch dieses Lichtspiel an! Die ihr dem Kino mißtraut, seht es euch erst recht an – aber laßt alle Bühnen-weisheit, laßt die Hamburgisch Dramaturgie  und den Laokoon hübsch zuhause. Denn ihr seid bei einer neuen Muse zu Gaste.“), DAS WEIB DES PHARAO (1922) von Ernst Lubitsch, DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT (1928) von Kurt Bernhardt und ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930) von Lewis Milestone. Und natürlich muss man seinen Aufsatz „Der Jude im Film“ aus dem Jahr 1927 lesen. Schön, dass die Reihe „Film & Schrift“, herausgegeben von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen, mit ihrem 16. Band an Wollenberg erinnert. Mehr zum Buch: werke_default_film

Colin Firth

Bild 1In unseren Kinos ist gerade der Film GAMBIT (2012) von Michael Hoffman zu sehen. Colin Firth (*1960) spielt darin einen Kunstkurator, der seinen Boss, einen besessenen Kunstsammler, in eine Falle locken will. Eine Krimikomödie, in der Firth nicht übermäßig gefordert ist. THE KING’S SPEECH (2010) bleibt der Höhepunkt in der bisherigen Karriere des Schauspielers. Er hat inzwischen so viele Anhänger, dass eine Biografie auf den Markt musste. Ihr Autor, Sandro Monetti, teilt uns viele Dinge aus dem Birth-Leben mit: wie er – oft in heftiger Konkurrenz mit Kollegen – zu seinen Filmrollen kam, wie er seine große Liebe Livia Giuggioli kennen lernte, wie er sich für indigene Völker einsetzt. Das muss man wirklich nicht alles wissen, und die Analyse der Filmrollen kommt dabei eher zu kurz. Da es offenbar ein Buch für die deutschen Fans ist, spart die Filmografie im Anhang die Originaltitel der Filme aus. Zwei farbige Bildteile: 16 Seiten Rollenfotos, 16 Seiten Privatfotos. Mehr zum Buch: colin-firth.html

Luchino Visconti im Babylon

2013.ViscontiIm Berliner Kino Babylon beginnt heute eine voll-ständige Retrospektive der Filme von Luchino Visconti (1906-1976). Zwischen 1942 und 1976 hat Visconti 14 Filme realisiert und drei Beiträge zu Episodenfilmen gedreht; seine zweite künstlerische Heimat waren die Oper und das Theater; rund 60 Inszenierungen nennt sein Werkverzeichnis. Das Babylon zeigt die Filme überwiegend in 35mm-Kopien, in der Originalfassung mit englischen Untertiteln; das Italienische Kulturinstitut Berlin ist Partner bei der Filmreihe. Visconti ist für mich einer der Großen des europäischen Films. Er war Mitbegründer des italienischen Neorealismus und beschrieb seit Mitte der 1950er Jahre die Verfallserscheinungen der bürgerlichen Kultur. Seine epische Kraft hat so wunderbare Filme wie SENSO (1954) mit Alida Valli, IL GATTOPARDO (1962) mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon, LA CADUTA DEGLI DEI (1968) mit Dirk Bogarde, Ingrid Thulin und Helmut Griem, LUDWIG (1972) mit Helmut Berger, Romy Schneider und Trevor Howard hervorgebracht. 1974 habe ich den Datenteil des Visconti-Bandes der „Blauen Reihe“ erarbeitet und ihn für die drei weiteren Auflagen ergänzt. Mit allen Filmen bin ich sehr vertraut, sehe sie in neuen Zusammenhängen aber gerne wieder. Das Foto, mit dem für die Retrospektive geworben wird, stammt aus dem Film GRUPPO DI FAMILIA IN UN INTERNO (dt.: GEWALT UND LEIDENSCHAFT, 1974). Zur Eröffnung heute Abend spricht Volker Schlöndorff. Mehr zur Retrospektive: /luchinovisconti.htm