DAS FAHRRAD von Evelyn Schmidt

Cover_Schmidt.inddEvelyn Schmidt (*1949) war Regisseurin im DEFA-Spielfilmstudio und hat dort zwischen 1980 und 1990 vier Spielfilme inszeniert: SEITENSPRUNG, DAS FAHRRAD, AUF DEM SPRUNG und DER HUT. Es waren eigenwillige Filme, und vor allem DAS FAHRRAD (1982, Drehbuch zusammen mit Ernst Wenig und Erika Richter) wurde von der DDR-Kritik überwiegend abgelehnt. In der Geschichte einer alleinerziehenden, arbeitslosen Mutter gab es zu wenig positive, staatstragende Aspekte. Nach der Einigung konnte Evelyn Schmidt keinen Spielfilm mehr realisieren. Sie hat jetzt – mit Unterstützung der DEFA-Stiftung – in einer Montage aus Dokumenten und persönlichen Erinnerungen die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des FAHRRADS zu einem Buch verarbeitet, das höchst lesenswert ist, weil die Autorin darin sehr lakonisch und ehrlich ihren Lebens- und Berufsweg schildert und damit weit über die Grenzen eines Buchs über einen speziellen Film hinausgeht. Der Blick zurück ist durchaus selbstkritisch, auch emotional berührend und spart den privaten Bereich weitgehend aus. Heute Abend stellt Evelyn Schmidt ihr Buch im Berliner Arsenal vor. Mehr zum Buch: products_id=406

Zur Vielfalt des Weimarer Kinos

2013.Many FacesEin wichtiger Nachtrag zur Literatur zum Weimarer Kino, die Original-ausgabe erschien 2010, jetzt liegt die preiswerte Paperbackausgabe vor (sie kostet rund 30 €). Der Herausgeber Christian Rogowski, Germanist am Amherst College in Massachusetts, stellt nicht die Kanonfilme der Zeit, nicht CALIGARI, NOSFERATU oder METROPOLIS in den Fokus, sondern wichtige Filme der „zweiten Reihe“ und spezielle thematische Zusammenhänge. Neun Texte analysieren einzelne Filme: NERVEN (1919) von Robert Reinert (Autorin: Barbara Hale), SUMURUN (1920) von Ernst Lubitsch (Autor: Richard W. McCormick), DAS ALTE GESETZ (1923) von E. A. Dupont (Cynthia Walk), ORLACS HÄNDE (1924) von Robert Wiene (Anjeana Hans), WEGE ZU KRAFT UND SCHÖNHEIT (1925) von Wilhelm Prager (Theodore F. Rippey), ALRAUNE (1927) von Henrik Galeen (Valerie Weinstein), GESCHLECHT IN FESSELN (1928) von Wilhelm Dieterle (Christian Rogowski), WESTFRONT 1918 (1930) von G. W. Pabst (Jaimey Fisher) und NIEMANDSLAND (1931) von Victor Trivas (Nancy P. Nenno). Die Essays behandeln die Aufklärungsfilme von Richard Oswald (Jill Suzanne Smith), antibolschewistische Tendenzen im frühen Weimarer Kino (Philipp Stiasny), das Starsystem der 1920er Jahre (Joseph Garncarz), die Rollen von Conrad Veidt (Elizabeth Otto), die Musik des Abstrakten Films (Joel Westerdale), Franz Osten in Indien (Veronika Fuechtner), die Sprachversionen 1929-1933 (Chris Wahl), die Integration des Tonfilms (Ofer Ashkenazi), Brigitte Helm und Marlene Dietrich (Mihaela Petrescu). Fast alle Texte sind auf hohem Niveau gedacht und formuliert und öffnen den Blick für den Zusammenhang zwischen Film und Gesellschaft in der Weimarer Zeit. Die rund 60 Abbildungen sind für die Lektüre hilfreich, aber von unterschiedlicher technischer Qualität. Mehr zum Buch: Product=13154

Sounddesign im deutschen Spielfilm

2013.SounddesignTon, Musik, Geräusche im Film sind ein angesagtes Thema. Beim Buch über „Psychoakustische Verfah-ren der Geräuschkonzeption von der Nachkriegs- bis zur Neuzeit“ von Marion Brauch handelt es sich um eine Dissertation, die an der Pädagogischen Hochschule Karlruhe entstanden ist. Zunächst werden die Grundlagen zur Entstehung und Wahrnehmung von Soundereignissen beschrieben. Im Hauptteil geht es um das Sounddesign im deutschen Film, genauer gesagt: im westdeutschen Film, denn alle Filmbeispiele von den 1950er bis in die 80er Jahre stammen aus der Bundesrepublik, weil die Gewinner des Deutschen Filmpreises als Basis benutzt werden. Die Modellanalysen sind anschaulich dargestellt und nachvollziehbar beschrieben. 60 Seiten widmen sich einer „Typologie von Lautereignissen im Kontext des Bedingungsgefüges“. Hier geht es um Schritte, Türen, Signale, Uhren, Glocken, Herz- und Atemgeräusche, Sprachkommentare, Tierlaute, elektronische Cluster, elektronisches Rauschen und Summen. 60 Filme dienen als Beispiele. Im Zentrum steht immer wieder der Neue deutsche Film der 1960er und 70er Jahre (Kluge, Fassbinder, Wenders). Zum Abschluss vermittelt eine empirische Studie, an der 118 Probanden auf Grund einer Online-Befragung teilnahmen, Daten zur Wirkung von Geräuschkulissen im Spielfilm. Im Sprachstil hat die Arbeit einige Mängel, die wissenschaftlichen Ansprüche werden erfüllt. Mehr zum Buch: Nachkriegszeit-Neuzeit.html

Neuer Ausstellungsführer

ausstellungNach mehr als zehn Jahren hat der alte Ausstellungsführer des Filmmuseums Berlin, inzwischen: Museum für Film und Fernsehen, ausgedient. In der Ständigen Ausstellung wurde seit der Eröffnung im September 2000 viel geändert, vor allem in den Räumen „Von der Nachkriegszeit…(1946-1980) …zur Gegenwart (1981 bis heute)“ und im hinzugekommenen Fernsehbereich mit Zeittunnel und Programmgalerie. Rainer Rother führt in die Ständige Ausstellung ein. 17 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinemathek haben mit großer Sachkenntnis für liebevolle Begleittexte zu den einzelnen Bereichen gesorgt. Die Fotos der Ausstellung und der Objekte stammen von Marian Stefanowski. Annette Vogler hat das Buch redaktionell betreut. Druck und Papierqualität sind hervorragend, wie schön, dass der Ausstellungsführer (den es auch in englischer Sprache gibt) jetzt bei Bertz + Fischer erschienen ist. Mehr zum Buch: http://www.bertz-fischer.de/ausstellung.html.

Geschichten für Hollywood

2013.In der Ferne das GlückViele deutsche Autoren, die 1933 vor den Nazis fliehen mussten und ins Exil gingen, hatten große Schwierig-keiten, sich in der neuen Umgebung beruflich zu betätigen. In Hollywood, dem Ziel zahlreicher Emigranten, funktionierte wenig ohne Sprachkennt-nisse und gute Verbindungen. Der Agent Paul Kohner war in den 1930er Jahren eine bevorzugte Anlaufstelle und große Hilfe für viele Schriftsteller. In seinem Nachlass, der 1988 von der Stiftung Deutsche Kinemathek erworben wurde, finden sich zahlreiche Texte bekannter Autoren, die hier erstmals publiziert werden. 25 Erzählungen haben die Herausgeber Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor für das Buch „In der Ferne das Glück“ ausgewählt, darunter Texte von Vicki Baum, Ernest Bornemann, Fritz Kortner, Heinrich und Klaus Mann, Joseph Roth und Leo Mittler, Felix Salten, Alfred H. Unger und Ernst Wolff. Die Kommentare der Herausgeber (mehr als 100 Seiten) sind sorgfältig recherchiert und sehr informativ. Heute Abend wird das Buch in der Mendelssohn-Remise (Jägerstraße) vorgestellt. Es liest Bibiana Beglau. Mehr zum Buch: in-der-ferne-das-gluck.html.

Zwei Filme von Gerhard Lamprecht

2013.Lamprecht-FilmeZum 50. Geburtstag der Deutschen Kinemathek ist in der Edition Filmmuseum eine DVD mit zwei Filmen ihres Gründungsdirektors, des Filmregisseurs Gerhard Lamprecht aus den Zwanziger Jahren erschienen: DIE VERRUFENEN und DIE UNEHELICHEN. Beide Filme erzählen Alltagsdramen aus Berlin. In den VERRUFENEN (1925) wird einem aus dem Gefängnis entlassenen Ingenieur die Rückkehr in seinen Lebensbereich verwehrt. Mit Unterstützung einer Prostituierten erobert er sich wieder einen Platz in der Gesellschaft. In den UNEHELICHEN (1926) leiden drei Kinder unter ihren Pflegeeltern, erst das Einschreiten der Polizei rettet zwei von ihnen das Leben. Inspiriert von Heinrich Zille, sind die Filme realistisch inszeniert und haben eine fast dokumentarische Dimension. Die Musikbegleitung stammt von Donald Sosin. Der DVD ist ein informatives Booklet mit einem Text von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen beigefügt. Zu den VERRUFENEN habe ich 2008 im Rahmen der Zille-Ausstellung in der Akademie der Künste eine Einführung gehalten: der-zille-film-von-gerhard-lamprecht/ . Mehr zur DVD: Die-Verrufenen–Der-f-nfte-Stand—-Die-Unehelichen.html

GENOSSE MÜNCHHAUSEN (1961/62)

2013.Genosse MHeute Abend ist im Berliner Zeughauskino in der Reihe „Kalter Krieg und Film-Frühling“ GENOSSE MÜNCHHAUSEN (1962) von Wolfgang Neuss zu sehen. Eine DVD des Films hat „Absolut Medien“ zum Hamburger cinefest herausgegeben. Wenige Monate nach dem Mauerbau nimmt Neuss, der wohl populärste Kabarettist der 1950er und 60er Jahre, die deutsche Teilung aufs Korn. Als Bauer Oskar Puste ist ihm im Zonenrandgebiet ein Stück Ackerland abhanden gekommen. Die Satire katapultiert den ehemaligen Luftwaffenpiloten in die UdSSR, er wird als Kosmonaut zur Venus geschickt, landet aber am Nacktbadestrand von Sylt. Die Pointen sind auf der Höhe ihrer Zeit, Wortwitze dominieren die visuellen Gags, alles ist noch in Schwarzweiß gedreht. Um Neuss herum agieren Corny Collins, Ingrid van Bergen, Peer Schmidt und Wolfgang Wahl. Der Fernsehmoderator Peter Frankenfeld taucht in der kleinen Rolle eines Jahrmarktschreiers auf. Die DVD enthält noch zwei Kurzfilme: KLAMMER AUF, KLAMMER ZU (BRD 1966) von Hellmuth Costard und ERZÄHLUNG ÜBER EINE LIEBE (DDR 1964) von Roland Oehme. Mehr zur DVD: main.php?view=film&id=1484

50 Jahre Deutsche Kinemathek

2013.Logo SDKHeute wird im Filmhaus am Potsdamer Platz der 50. Geburtstag der Deutschen Kinemathek gefeiert. Das offizielle Gründungsdatum ist der 1. Februar 1963. Zunächst als e.V., ab 1971 als Stiftung bürgerlichen Rechts ist die Kinemathek eines der großen Filmarchive in der Bundesrepublik. Ihr Gründungsdirektor war der Regisseur und Sammler Gerhard Lamprecht. Von 1990 bis 2006 habe ich das Haus geleitet. In dieser Zeit fand auch die Eröffnung des Filmmuseums am Potsdamer Platz statt und die Erweiterung um den Bereich Fernsehen, die 2006 zum Museum für Film und Fernsehen führte. Künstlerischer Direktor ist seit 2006 Rainer Rother, als Verwaltungsdirektor fungiert Maximilian Müllner. Seit 2003 wird die Kinemathek vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. So liegt es nahe, dass heute Abend Bernd Neumann ein Grußwort spricht. Gefeiert wird mit Gästen, Musik und Filmen. Moderation: Petra Gute (rbb). Gerhard Midding hat im aktuellen tip einen schönen Text vor allem über die aktuelle Situation der SDK publiziert. Mehr über die Kinemathek auf ihrer Website: www.deutsche-kinemathek.de/de

Hollywood-Kostüme in London

2013.KostümeDie Ausstellung der Hollywood-Kostüme im Victoria and Albert Museum in London ist wirklich sensationell. Schon sie allein hat die Reise nach London gelohnt. Man spürt die lange Vorbereitungs-zeit und die kenntnisreiche Sorgfalt der Kuratorin Deborah Nadoolman Landis. Die Struktur ist klug (Deconstruction / Dialogue / Finale), die Räume und die Positionierung der Exponate vermitteln eine spezielle Aura. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, für die ja die Kostüme geschaffen wurden, wirken so präsent, wie ich es selten in einer Ausstellung erlebt habe. Ein Nachteil der Ausstellung: sie geht am 27. Januar zu Ende. Für die, die dort waren, bleibt die Erinnerung, und für alle anderen gibt es den wunderbaren Katalog mit 450 Abbildungen und vielen Texten zu 100 Jahren Geschichte des Filmkostüm. Mehr zum Buch: Hollywood-Costume-Hardback/dp/1851777091

Audrey Hepburn

Audrey 2Vor zwanzig Jahren, im Januar 1993, starb Audrey Hepburn, eine der Traumfrauen der 1950er und 60er Jahre. Der Hamburger Edel-Verlag widmet ihr jetzt ein schönes Bilderbuch, herausgegeben von dem Fotosammler David Wills und dem Designer Stephen Schmidt. Von Wills stammt auch der Einleitungstext. Acht Einzelkapitel rufen ihre Filme der 60er Jahre in Erinnerung: BREAKFAST AT TIFFANY’S, THE CHILDERN’S HOUR, CHARADE, MY FAIR LADY, HOW TO STEAL A MILLION, TWO FOR THE ROAD und WAIT UNTIL DARK. Ein separates Kapitel handelt von Audrey und der Mode. Zu sehen sind mehr als 200 Fotos in hoher Qualität. 2006 habe ich einen kleinen Text über Audrey Hepburn für die Süddeutsche Zeitung geschrieben: 2006/02/audrey-hepburn/. Mehr zum neuen Buch: davis-wills-stephen-schmidt/audrey-die-60er/