50 Jahre Deutsche Kinemathek

2013.Logo SDKHeute wird im Filmhaus am Potsdamer Platz der 50. Geburtstag der Deutschen Kinemathek gefeiert. Das offizielle Gründungsdatum ist der 1. Februar 1963. Zunächst als e.V., ab 1971 als Stiftung bürgerlichen Rechts ist die Kinemathek eines der großen Filmarchive in der Bundesrepublik. Ihr Gründungsdirektor war der Regisseur und Sammler Gerhard Lamprecht. Von 1990 bis 2006 habe ich das Haus geleitet. In dieser Zeit fand auch die Eröffnung des Filmmuseums am Potsdamer Platz statt und die Erweiterung um den Bereich Fernsehen, die 2006 zum Museum für Film und Fernsehen führte. Künstlerischer Direktor ist seit 2006 Rainer Rother, als Verwaltungsdirektor fungiert Maximilian Müllner. Seit 2003 wird die Kinemathek vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. So liegt es nahe, dass heute Abend Bernd Neumann ein Grußwort spricht. Gefeiert wird mit Gästen, Musik und Filmen. Moderation: Petra Gute (rbb). Gerhard Midding hat im aktuellen tip einen schönen Text vor allem über die aktuelle Situation der SDK publiziert. Mehr über die Kinemathek auf ihrer Website: www.deutsche-kinemathek.de/de

Hollywood-Kostüme in London

2013.KostümeDie Ausstellung der Hollywood-Kostüme im Victoria and Albert Museum in London ist wirklich sensationell. Schon sie allein hat die Reise nach London gelohnt. Man spürt die lange Vorbereitungs-zeit und die kenntnisreiche Sorgfalt der Kuratorin Deborah Nadoolman Landis. Die Struktur ist klug (Deconstruction / Dialogue / Finale), die Räume und die Positionierung der Exponate vermitteln eine spezielle Aura. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, für die ja die Kostüme geschaffen wurden, wirken so präsent, wie ich es selten in einer Ausstellung erlebt habe. Ein Nachteil der Ausstellung: sie geht am 27. Januar zu Ende. Für die, die dort waren, bleibt die Erinnerung, und für alle anderen gibt es den wunderbaren Katalog mit 450 Abbildungen und vielen Texten zu 100 Jahren Geschichte des Filmkostüm. Mehr zum Buch: Hollywood-Costume-Hardback/dp/1851777091

Audrey Hepburn

Audrey 2Vor zwanzig Jahren, im Januar 1993, starb Audrey Hepburn, eine der Traumfrauen der 1950er und 60er Jahre. Der Hamburger Edel-Verlag widmet ihr jetzt ein schönes Bilderbuch, herausgegeben von dem Fotosammler David Wills und dem Designer Stephen Schmidt. Von Wills stammt auch der Einleitungstext. Acht Einzelkapitel rufen ihre Filme der 60er Jahre in Erinnerung: BREAKFAST AT TIFFANY’S, THE CHILDERN’S HOUR, CHARADE, MY FAIR LADY, HOW TO STEAL A MILLION, TWO FOR THE ROAD und WAIT UNTIL DARK. Ein separates Kapitel handelt von Audrey und der Mode. Zu sehen sind mehr als 200 Fotos in hoher Qualität. 2006 habe ich einen kleinen Text über Audrey Hepburn für die Süddeutsche Zeitung geschrieben: 2006/02/audrey-hepburn/. Mehr zum neuen Buch: davis-wills-stephen-schmidt/audrey-die-60er/

Max-Ophüls-Ehrenpreis

2013.BallhausHeute beginnt in Saarbrücken das 34. „Filmfestival Max Ophüls Preis“, dessen Programm auf die Förderung junger Filmschaffender ausgerichtet ist. Preise werden in den fünf Kategorien Spielfilm, Mittellanger Film, Dokumen-tarfilm, Kurzfilm und Drehbuch vergeben. Zur Eröffnung gibt es in diesem Jahr zum zweiten Mal den Max-Ophüls-Ehrenpreis. Er geht an den Kameramann und Director of Photography Michael Ballhaus. Ich kenne Michael seit über vierzig Jahren, habe ihn gerade erst als wunderbaren Erzähler bei der Eröffnung der Martin Scorsese-Ausstellung im Berliner Museum für Film und Fernsehen erlebt und weiß, dass seine Beziehung zu Max Ophüls sehr intensiv ist, weil ein Besuch bei den Dreharbeiten zu LOLA MONTEZ die Initiation für seinen Berufswunsch Kameramann war. Herzlichen Glückwunsch, lieber Michael! Es gibt einen schönen Film über Ballhaus auf Youtube: www.youtube.com/watch?v=OeyGUkv8Tew

Larissa Schepitko

2013.Schepitko-Grab1977, als Wolf Donner die Leitung der Berlinale übernommen hatte, gewann sie mit dem Film DER AUFSTIEG den Goldenen Bären. Ich erinnere mich an den Film, der die Geschichte von zwei sowjetischen Partisanen im Winter 1942 erzählt und dafür sehr eigene, konzentrierte Bilder fand. Die Autorin und Regisseurin Larissa Schepitko (1938-1979) hat nur vier Filme und den Beitrag zu einem Episodenfilm gedreht, sie starb nach einem Autounfall im Alter von 41 Jahren. Wie schön, dass das Arsenal jetzt eine kleine Retrospektive ins Programm nimmt. Gezeigt wird auch der Film ABSCHIED VON MATJORA, den ihr Ehemann Elem Klimow fertig gestellt hat, und seine Hommage an Schepitko: LARISA (1980). Auf dem Kunzewoer Friedhof in Moskau steht ein Denkmal von ihr.

Bayerischer Filmpreis

2013.Bayerischer FilmpreisZum 34. Mal findet heute in München die Verleihung des Bayerischen Filmpreises statt. Schauplatz der Zeremonie ist das Prinz-regententheater. In den Kategorien Darstellerische Leistung, Nachwuchsdarsteller/in, Regie, Nachwuchsregie, Drehbuch, Bildgestaltung, Schnitt, Filmmusik, Ausstattung, Dokumentarfilm, Kinderfilm werden auf Vorschlag einer unabhängigen Jury Auszeichnungen im Gesamtwert von 300.000 € vergeben. Der wichtigste Preis ist mit 200.000 € dotiert und kürt den besten deutschen Produzenten. Der VGF vergibt außerdem einen Preis für einen Nachwuchsproduzenten (60.000 €). Und es gibt noch einen Publikumspreis (in diesem Jahr: TÜRKISCH FÜR ANFÄNGER von Bora Dagtekin), ausgewählt von den Zuschauern des Magazins Kino Kino und den Hörern von Bayern 3. Der Bayerische Ministerpräsident hat das Privileg, in jedem Jahr einen Ehrenpreis zu verleihen. Diesmal geht er an Margarethe von Trotta, und darüber freue ich mich auch persönlich sehr. Ab 19 Uhr wird die Preisverleihung im Dritten Programm des Bayerischen Rundfunks übertragen. Moderatoren sind Christoph Süß und Sandra Rieß. Mehr zur Veranstaltung: bayerischer-filmpreis-2012-livesendung100.html

Bremer Filmpreis

2013.Bela TarrHeute wird in Bremen zum 15. Mal der Bremer Filmpreis verliehen, eine Auszeichnung für ein Lebenswerk oder für stilbildende Einzelleistungen im europäischen Film. In diesem Jahr ist der ungarische Regisseur Béla Tarr der Preisträger. Sein letzter Film, DAS TURINER PFERD, lief im Wettbewerb der Berlinale 2012, Tarr bekam dort den Großen Preis der Jury. Die Laudatio auf Béla Tarr hält Ulrich Gregor. Der Preis ist mit 8.000 € dotiert.   – Morgen beginnt das 18. Internationale Bremer Symposium zum Film. Sein Thema: „Zuschauer? Zwischen Kino und sozialen Netzwerken“. Zu den Referenten gehören Heide Schlüpmann, Janet Staiger, Guillaime Soulez, Josep M. Català und Matthias Frey. Natürlich werden auch Filme vorgeführt.

Hybride Räume

2013.RäumeOliver Schmidt hat mit dieser Dissertation 2011 an der Universität Bremen promoviert. Im Kern geht es um die „Filmwelten im Hollywood-Kino der Jahrtausendwende“. Zum Korpus der analysierten Filme gehören rund 130 Titel aus den Jahren 1990 bis 2010. Und in der Tat wird deutlich, wie sich in diesen zwanzig Jahren der Umgang mit dem filmischen Raum verändert und erweitert hat. Sehr gründlich sind Schmidts theoretische Vorüber-legungen, die beim ‚Raum“ in der Filmgeschichte beginnen, den Raum in der Filmwissenschaft rekapitulieren, Elemente einer Ontologie filmischer Welten konstruieren und auch den aktiven Zuschauer nicht außer Acht lassen. Der Autor unterscheidet im Hauptteil zwischen „diegetischen Räumen“, „narrativen Räumen“, „audiovisuellen Bildräumen“ und entdeckt am Ende filmische Räume als „Genreräume“. Viel Zeit wird damit verbracht, die große Zahl der Filme ihren entsprechenden Räumen zuzuordnen. Je mehr Filme man kennt, umso leichter fällt es, dem wissenschaftlichen Puzzle seinen Reiz abzugewinnen. Besonders ausführlich sind die Analysen von GHOST, GROUNDHOG DAY, LOST HIGHWAY, WHAT DREAMS MAY COME, PLEASANTVILLE, MOULIN ROUGE, THE OTHERS, ADAPTATION, PANIC ROOM, 300, SIN CITY und INCEPTION, die mehrfach ins Spiel gebracht werden. Ein eigenes Kapitel ist Shakespeare-Verfilmungen gewidmet. Schmidt bewegt sich mit zunehmender Selbstsicherheit durch seinen Kosmos. Hilfreich für die Leser sind die zahlreichen Abbildungen, auch wenn die Screenshots manchmal sehr klein wirken. Es gibt mehrere Farbseiten. Mehr zum Buch: hybride-raeume.html

CLOUD ATLAS, das Shooting Script

2013.Cloud AtlasGemessen an den Produktionskosten sind die Einspielergebnisse für den Film von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern eher enttäuschend. In Deutschland haben immerhin mehr als eine Million Zuschauer den CLOUD ATLAS bisher gesehen. Mich persönlich hat der Film sehr beeindruckt. Michael Töteberg hat als Begleitbuch diesmal das Shooting Script gewählt, kombiniert mit 350 Fotos, die dem Film entnommen sind (Kamera: Frank Griebe, John Toll). Man kann beim Lesen und Schauen noch einmal die Kunst der Montage nachvollziehen und die Verwandlungen der Darsteller Tom Hanks, Halle Berry, Ben Wishaw, Hugo Weaving, Susan Sarandon und Hugh Grant in ihren wechselnden Rollen im Lauf der Jahrhunderte. Ein schönes und nützliches Buch. Mehr dazu: Cloud_Atlas.3034536.html

Hedy Lamarr

2013.HedyEigentlich steht alles, was man heute über den Star Hedy Lamarr (1914-2000) wissen muss, im Buch von Peter Körte, das vor zwölf Jahren bei Michael Farin im belleville-Verlag erschienen ist. Nun setzt der Journalist Jochen Förster im Zusammen-wirken mit Anthony Loder, Lamarrs Sohn, noch eins drauf. Sie erzählen das Leben der österreichischen Schauspielerin Hedwig Kiesler, die mit dem Film EKSTASE (1933) bekannt wurde, 1938 nach Hollywood kam und als Hedy Lamarr ein Star wurde, dialogisch und lassen natürlich auch die späten Jahre nicht aus, als ihre Karriere zu Ende war und sie nur noch durch Affären und zwei Ladendiebstähle in den Schlagzeilen blieb. Ihre Filme kommen in der neuen Publikation ein bisschen kurz. Und ihr Anteil an der Erfindung des „Frequenzsprungverfahrens“ bleibt für mich weiter dubios. Aber der Verlag Ankerherz hat viel Kreativität in die Ausstattung dieses Buches investiert. Das macht den speziellen Reiz der Publikation aus. Mehr über das Buch:  www.ankerherz.de/produkte/hedy-darling/