Jüdisches Filmfestival

Bild 1In Potsdam wird heute das 19. Jüdische Filmfestival eröffnet  25 Spiel- und Dokumentar-filme stehen auf dem Programm, dazu kommen acht Kurzfilme und zwei Fernsehserien. Das Berliner Arsenal ist die Hauptspielstätte, zu Gast ist das Festival auch im Thalia Programm-kino in Potsdam, im Filmkunst 66, im Eiszeit-Kino und im Toni in Berlin. Die Eröffnung findet als „Galaveranstaltung“ im Potsdamer Hans-Otto-Theater statt. Es sprechen Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, die Brandenburgische Kulturministerin Sabine Kunst und die Festival-leiterin Nicola Galliner.  Als Festivalpaten fungieren Margarita Broich und Christian Berkel. Eröffnungsfilm ist ZAYTOUN, ein Spielfilm von Eran Riklis. Die Veranstaltung wird von Georgia Tornow moderiert.

TAXI DRIVER (1975)

2013.Taxi DriverWieder ein großes, schweres Buch aus dem Taschen Verlag. 25 x 37 cm, drei Kilo, 400 Seiten. Diesmal geht es nur um einen Film: TAXI DRIVER (1975) von Martin Scorsese. Aber im Werk von Scorsese, das noch bis 12. Mai in einer Ausstellung des Museums für Film und Fernsehen in Berlin gewürdigt wird, ist TAXI DRIVER ein besonderer Höhepunkt. Und wenn man das Buch mit den Fotos von Steve Schapiro durch-blättert, wird einem noch einmal klar, wie tief Scorsese in die psychischen Deformationen eines Einzelgängers im New York der siebziger Jahre eingedrungen ist und welche Kraft Robert De Niro in die Darstellung seines Travis Bickle investiert hat. Die Fotos, schwarzweiß und Farbe, oft zweiseitig, haben eine eigene Dimension und scheuen auch vor der Abbildung von Grausamkeit nicht zurück. Herausgegeben von Paul Duncan, mit einem kurzen Vorwort von Martin Scorsese und Texten/Interviews aus der Produktionszeit von Scorsese, Autor Paul Schrader und Robert De Niro. Die Ausgabe ist mehrsprachig (englisch/französisch/deutsch) und für Scorsese-Fans unverzichtbar. Mehr zum Buch: taxi_driver.htm.

Deutscher Filmpreis

2013.LolaHeute Abend wird im Berliner Friedrichstadtpalast der Deutsche Filmpreis vergeben. Die Nominierungen in 16 Kategorien – vom Besten programmfüllenden Spielfilm bis zur Besten Tongestaltung – werden in Filmkreisen lebhaft diskutiert, vor allem: wie wird es dem CLOUD ATLAS ergehen, der neunmal nominiert ist, was holt OH BOY, der immerhin achtmal im Rennen ist, und wo steht am Ende HANNAH ARENDT mit sechs Nominierungen? Ich mache diesmal keine Prognosen und habe Sympathien für viele Kandidaten, auch für Oskar Roehlers QUELLEN DES LEBENS  (drei Nominie-rungen).  Den Ehrenpreis bekommt Werner Herzog, der aus L.A. angereist ist. Die Moderation der Veranstaltung liegt bei der mir unbekannten Mirjam Weichselbraun vom ORF, die der Künstlerische Leiter der Gala, Fred Kogel, ins Spiel gebracht hat. Am späten Abend wissen wir mehr. Das ZDF sendet eine bearbeitete Aufzeichnung ab 22.20 Uhr. Mehr zum Deutschen Filmpreis: deutscher-filmpreis-2013.html.

Wagner Kino

2013.WagnerIm Berliner Zeughauskino beginnt heute die Film- und Veranstal-tungsreihe „Wagner Kino“, bei der es um Spuren und Wirkun-gen Richard Wagners in der Filmkunst geht. Als Kuratoren fungieren Jan Drehmel, Kristina Jaspers und Steffen Vogt. Zur Eröffnung wird der Film RICHARD WAGNER (1913) von William Wauer und Carl Froelich gezeigt. Am kommenden Samstag findet ein Symposium statt, an dem Andreas Urs Sommer (Freiburg), Bernd Kiefer (Mainz), Peter Moormann (Berlin), Elisabeth Bronfen (Zürich), Jörg Buttgereit (Berlin) und Marcus Stiglegger (Siegen) teilnehmen. Thema: „Richard Wagner und das Kino der Dekadenz“. An Wagners 200. Geburtstag (22. Mai) ist der Film DER MEISTER VON NÜRNBERG (1927) von Ludwig Berger zu sehen. Die Reihe endet am 31. Mai. Sie wird gefördert vom Hauptstadt-kulturfonds. Mehr zum Programm: www.wagner-kino.de

Frieda Grafe, erster Teil

2013.Frieda GrafeIm Berliner Arsenal beginnt heute der erste von drei Teilen einer Hommage an Frieda Grafe (1934-2002). Bis zum Monats-ende werden zehn Filme gezeigt, die sie besonders geschätzt hat, im Juli und Oktober folgen zwanzig weitere. Das Projekt basiert auf einer Umfrage der Zeitschrift Steadycam im Jahr 1995. Dreißig Lieblingsfilme durfte man damals auflisten, ohne dies genauer zu begründen. Frieda Grafe hat an diesem Spiel teilgenommen und in der Tat eine eigenwillige Auswahl getroffen. Im Arsenal werden die Filme von internationalen Kritikerinnen und Kritikern, Filmemachern und Wissenschaftlern eingeführt, der Verlag Brinkmann & Bose publiziert drei Hefte mit den entsprechenden Texten, das Projekt wurde vom Hauptstadtkulturfonds gefördert. Zur Eröffnung gibt es heute den Film IHRE MAJESTÄT, DIE LIEBE (1931) von Joe May mit einer Einführung von Max Annas, der zusammen mit Annett Busch und Henriette Gunkel die Filmreihe kuratiert. In der heutigen taz hat Claudia Lenssen einen schönen Text über Frieda Grafe publiziert: F24%2Fa0150. Mehr zum Programm im Arsenal: 2796.html

Carl Laemmle – zwei Biografien

2013.Laemmle.BayerCarl Laemmle (1867-1939) war eine Schlüsselfigur der Gründungs-geschichte des amerikanischen Kinos; er stammte aus dem schwäbischen Laupheim, wanderte 1884 in die USA aus, machte den bilderbuchhaften Aufstieg vom Laufburschen für einen Drugstore zum Geschäftsführer einer Textil-firma, wurde ein Kinopionier in Chicago und gründete 1912 die „Universal Motion Picture Manufacturing Company“, die Ende der 1910er Jahre als „Universal Pictures“ zu den „Big Five“ in Hollywood gehörte. Über Laemmles Lebensgeschichte hat Hans Beller vor dreißig Jahren einen schönen zweiteiligen Dokumentarfilm gedreht. Zeitgleich in diesem Frühjahr sind jetzt zwei Biografien über Laemmle erschienen, die beide ihre Qualitäten haben. Udo Bayer, Historiker mit Wohnsitz in Laupheim, fühlt sich als offizieller Laemmle-Biograf, ist mit den Nachkommen und der Familiengeschichte aufs engste vertraut und schöpft aus archivarischer Fülle. In zwölf Kapiteln breitet er das Laemmle-Leben und die beruflichen Entwicklungen vor uns aus. In den Zitaten wird viel Originalton vermittelt. Laemmles jüdische Herkunft, die politischen Erfahrungen im Amerika der Jahrhundertwende und während des Ersten Weltkriegs, in den Zwanziger Jahren und nach der Machtergreifung der Nazis werden ausführlich thematisiert. Ein eigenes Kapitel ist der amerikanischen Einwanderungspolitik und Laemmles „Affidavits“ (Bürgschaftserklärungen) gewidmet. Mit 891 Fußnoten und Anmerkungen ist der Quellenreichtum beeindruckend belegt. In der Darstellung gibt es Redundanzen. Die Biografie der Bild 1Kulturwissenschaftlerin und Filmhistorikerin Cristina Stanca-Mustea basiert auf ihrer Dissertation. Die Autorin ist geschickt in der Komprimierung des Stoffes, schreibt flüssig und verlegt längere Zitate in den Anmerkungs-teil; sie kommt auch mit 159 Fuß-noten aus. In der bewundernden Verneigung vor ihrem Protago-nisten unterscheiden sich die beiden Bücher nicht. Die doppelte Würdigung von Carl Laemmle ist zwar überraschend, aber er hat sie verdient. Mehr zum Buch von Uo Bayer: op8eanmdp71. Mehr zum Buch von Stanca-Mustea: buch/carl-laemmle.

Horst Buchholz

2013.BuchholzIn den 1950er Jahren wurde er zu einem Star in der Bundesrepublik, in den Sechzigern machte er interna-tional Karriere, aber er stand sich bei der Auswahl der Rollen oft selbst im Wege, hatte Misserfolge und fand zwischen Kino, Theater und Fernsehen keinen festen Platz. Horst Buchholz (1933-2003) war ein sprachgewandter,hoch begabter  und vielseitiger Schauspieler. Als seine wichtigsten Filme bleiben HIMMEL OHNE STERNE (1955), DIE HALBSTARKEN (1956), BEKENNT-NISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL (1957), DAS TOTENSCHIFF (1959), THE MAGNIFICENT SEVEN (1960), ONE, TWO, THREE (1961) und LA VITA È BELLA (1997) in Erinnerung. Er starb vor zehn Jahren in Berlin. Werner Sudendorf, Leiter der Sammlungen der Deutschen Kinemathek, hat jetzt eine sehr lesenswerte Biografie über den Schauspieler publiziert, die nicht nur – mit Hilfe des verfügbaren Nachlasses – hervorragend recherchiert ist, sondern auch eine Bewertung der Filme aus heutiger Sicht wagt. Der aktuelle Blick bringt lohnende Erkenntnisse. Der Text ist seinem Protagonisten sehr zugeneigt, thematisiert aber auch unverständliche Entscheidungen und die Wahl falscher Rollen. Auch das Privatleben ist nicht ausgespart. Vor allem die Darstellung der letzten Jahre in Berlin schmerzt, wenn man sie mit beobachtet hat. Hilfreich für den Autor war die Aufgeschlossenheit von Myriam Bru-Buchholz und Christopher Buchholz. Ein beeindruckender Band in der inzwischen langen Biografien-Reihe des Berliner Aufbau Verlages. Mehr zum Buch: verfuhrer-und-rebell-horst-buchholz.html

Was Sie schon immer über Kino wissen wollten…

2013.Volk-WissenEs sind viele Fragen, die in diesem Buch von dem cinephilen Film- und Literaturkritiker Stefan Volk beantwortet werden. Fragen nach Superlativen (den besten, den teuersten, den erfolgreichsten Filmen und den größten Flops), nach den bekanntesten Filmzitaten, den berühmtesten Tieren auf der Leinwand, den lustigsten Filmtiteln und den schönsten Liebeserklärungen. Der Autor hat sein Material in Kapiteln strukturiert, ein eigenes ist Woody Allen gewidmet, ein anderes James Bond und zwei heißen schlicht „Dies und das“. Das längste handelt vom Oscar, und hier findet sich auch eine nützliche Tabelle mit allen Verleihungen von 1929 bis 2013 mit Datum, Veranstaltungsort, Moderation, Anzahl der Kategorien und bestem Film. Es geht ansonsten um Filmfehler und Filmklischees, um bekannte Schauspieler, die während einer Filmproduktion gestorben sind, um alternative Schlüsse (Happyend oder kein Happyend) und um die 27 Grafen von Monte Christo. Entbehrlich finde ich die Kapitel über Scientologen in Hollywood und die Goldenen Himbeeren. Dies ist im Übrigen kein Buch zum kontinuierlichen Lesen, sondern zum Blättern und Stöbern. Am Ende findet man eine Liste aller Listen, Tabellen und Texte im Überblick. Mehr zum Buch: was-sie-schon-immer-ueber-kino-wissen-wollten.html

Neue Filmzeitschrift: me.MOVIES

2013.Me_MoviesSeit dieser Woche ist eine neue Filmzeitschrift auf dem Markt: me.MOVIES. Sie wird vom Axel Springer Verlag herausgegeben, hat das Format 21 x 27 cm, einen Umfang von 122 Seiten, kostet 6,90 € (inklusive einer DVD) und soll vierteljährlich erscheinen mit „Geschichten über Querköpfe, Ikonen, Reportagen und Hintergrund-berichten, Reise-, Buch und Stil-Tipps für Cineasten.“ Die Nr. 1 lässt noch viele Fragen offen, auch die nach der Zielgruppe. Einen Schwerpunkt bilden Schauspieler-porträts: Christoph Waltz (Titelgeschichte), Ryan Gosling (Interview), Robert Downey Jr. und Bill Murray (je ein Porträt), Paul Newman (Ikone). Die Textautoren sind vorwiegend seriöse Profis: zum Beispiel Andreas Busche, Joachim Hentschel, Roland Huschke, Dirk Peitz. Ziemlich undurchschaubar ist die Auswahl der „66 Filme für die Ewigkeit“. Einerseits stehen allein sechs Filme aus dem Jahr 2012 auf der Liste (LIFE OF PI, DANS LA MAISON, FLIGHT, CLOUD ATLAS, SAVAGES, DJANGO UNCHaiNED), andererseits aber auch so eigenwillige Werke wie PEEPING TOM von Michael Powell, THE NIGHT OF THE HUNTER von Charles Laughton, THE ELEPHANT MAN  von David Lynch, SOLARIS von Andrej Tarkovskij und LE CERCLE ROUGE von Jean-Pierre Melville. Zwei deutsche Filme haben es unter die 66 geschafft: das Drama M von Fritz Lang (gut so) und die Komödie DAS SPUKSCHLOSS IM SPESSART von Kurt Hoffmann (das muss nun wirklich nicht sein). Es gibt einen Report über den amerikanischen Sender HBO, DVD-Tipps und viele bunte Fotos. Die beigefügte DVD enthält den Film HALF NELSON von Ryan Fleck mit Ryan Gosling. Im Juli soll die nächste Nummer erscheinen. Mehr über die Zeitschrift: 18328735.html.

Leben und Sterben des Philip Werner Sauber

2013.EdschmidPhilip Werner Sauber (*1947) war Schweizer Bürger, gehörte zum zweiten Jahrgang der Filmakademie in Berlin (dffb), schloss sich der „Bewegung 2. Juni“ an und starb am 9. Mai 1975 nach einem Schusswechsel mit der Polizei in Köln. Der Roman „Das Verschwinden des Philip S.“ von Ulrike Edschmid (*1940) erzählt sein Leben so genau, authentisch und zugeneigt, wie es nur aus einer großen, erfahrenen Nähe möglich ist. Die beschriebene Zeit liegt inzwischen vierzig Jahre zurück. Sie ist in vielen Dokumenten und Fiktionali-sierungen rekonstruiert worden, aber wohl noch nie aus so unmittelbarer Innensicht, mit so viel emotionaler und reflexiver Identifikation. Auch wenn sich die Wege von Ulrike E. und Philip S. 1972 langsam trennten und ihn sein unabdingbarer Gerechtigkeitssinn in den Untergrund trieb, blieben Verbindungen bestehen. Ulrike hat ab 1969 selbst an der dffb studiert, die Produktionsmittel genutzt, sich aus den politischen Debatten der Akademie aber eher herausgehalten. Philip war immer wieder in seiner zurückhaltenden Art im Schneideraum oder im Trickstudio präsent. Ich kann mich an Begegnungen im Büro von Helene Schwarz erinnern, und auch sein Film DER EINSAME WANDERER (1968) ist mir im Gedächtnis. Philips Verschwinden haben wir in der DFFB wahrgenommen, sein Ende hat uns schockiert. Eine große Rolle spielt in Ulrike Edschmids Roman ihr damals kleiner Sohn Sebastian (*1965) aus der kurzen Ehe mit Enzio Edschmid. Um ihn hat sich Philip offenbar wie ein junger Vater gekümmert, aber das hat ihn nicht von seinem konsequenten Weg zurückhalten können. Es ist vielleicht mehr als eine biografisch-familiäre Pointe, dass Sebastian Edschmid ab 1992 an der dffb studiert hat. Eine lesenswerte Rezension des Buches von Ulrike Edschmid hat Verena Lueken in der FAZ publiziert: einer-nimmt-seinen-koffer-und-geht-12138537.html. Mehr zum Buch: ulrike_edschmid_42349.html