Geschichten für Hollywood

2013.In der Ferne das GlückViele deutsche Autoren, die 1933 vor den Nazis fliehen mussten und ins Exil gingen, hatten große Schwierig-keiten, sich in der neuen Umgebung beruflich zu betätigen. In Hollywood, dem Ziel zahlreicher Emigranten, funktionierte wenig ohne Sprachkennt-nisse und gute Verbindungen. Der Agent Paul Kohner war in den 1930er Jahren eine bevorzugte Anlaufstelle und große Hilfe für viele Schriftsteller. In seinem Nachlass, der 1988 von der Stiftung Deutsche Kinemathek erworben wurde, finden sich zahlreiche Texte bekannter Autoren, die hier erstmals publiziert werden. 25 Erzählungen haben die Herausgeber Wolfgang Jacobsen und Heike Klapdor für das Buch „In der Ferne das Glück“ ausgewählt, darunter Texte von Vicki Baum, Ernest Bornemann, Fritz Kortner, Heinrich und Klaus Mann, Joseph Roth und Leo Mittler, Felix Salten, Alfred H. Unger und Ernst Wolff. Die Kommentare der Herausgeber (mehr als 100 Seiten) sind sorgfältig recherchiert und sehr informativ. Heute Abend wird das Buch in der Mendelssohn-Remise (Jägerstraße) vorgestellt. Es liest Bibiana Beglau. Mehr zum Buch: in-der-ferne-das-gluck.html.

Zwei Filme von Gerhard Lamprecht

2013.Lamprecht-FilmeZum 50. Geburtstag der Deutschen Kinemathek ist in der Edition Filmmuseum eine DVD mit zwei Filmen ihres Gründungsdirektors, des Filmregisseurs Gerhard Lamprecht aus den Zwanziger Jahren erschienen: DIE VERRUFENEN und DIE UNEHELICHEN. Beide Filme erzählen Alltagsdramen aus Berlin. In den VERRUFENEN (1925) wird einem aus dem Gefängnis entlassenen Ingenieur die Rückkehr in seinen Lebensbereich verwehrt. Mit Unterstützung einer Prostituierten erobert er sich wieder einen Platz in der Gesellschaft. In den UNEHELICHEN (1926) leiden drei Kinder unter ihren Pflegeeltern, erst das Einschreiten der Polizei rettet zwei von ihnen das Leben. Inspiriert von Heinrich Zille, sind die Filme realistisch inszeniert und haben eine fast dokumentarische Dimension. Die Musikbegleitung stammt von Donald Sosin. Der DVD ist ein informatives Booklet mit einem Text von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen beigefügt. Zu den VERRUFENEN habe ich 2008 im Rahmen der Zille-Ausstellung in der Akademie der Künste eine Einführung gehalten: der-zille-film-von-gerhard-lamprecht/ . Mehr zur DVD: Die-Verrufenen–Der-f-nfte-Stand—-Die-Unehelichen.html

GENOSSE MÜNCHHAUSEN (1961/62)

2013.Genosse MHeute Abend ist im Berliner Zeughauskino in der Reihe „Kalter Krieg und Film-Frühling“ GENOSSE MÜNCHHAUSEN (1962) von Wolfgang Neuss zu sehen. Eine DVD des Films hat „Absolut Medien“ zum Hamburger cinefest herausgegeben. Wenige Monate nach dem Mauerbau nimmt Neuss, der wohl populärste Kabarettist der 1950er und 60er Jahre, die deutsche Teilung aufs Korn. Als Bauer Oskar Puste ist ihm im Zonenrandgebiet ein Stück Ackerland abhanden gekommen. Die Satire katapultiert den ehemaligen Luftwaffenpiloten in die UdSSR, er wird als Kosmonaut zur Venus geschickt, landet aber am Nacktbadestrand von Sylt. Die Pointen sind auf der Höhe ihrer Zeit, Wortwitze dominieren die visuellen Gags, alles ist noch in Schwarzweiß gedreht. Um Neuss herum agieren Corny Collins, Ingrid van Bergen, Peer Schmidt und Wolfgang Wahl. Der Fernsehmoderator Peter Frankenfeld taucht in der kleinen Rolle eines Jahrmarktschreiers auf. Die DVD enthält noch zwei Kurzfilme: KLAMMER AUF, KLAMMER ZU (BRD 1966) von Hellmuth Costard und ERZÄHLUNG ÜBER EINE LIEBE (DDR 1964) von Roland Oehme. Mehr zur DVD: main.php?view=film&id=1484

50 Jahre Deutsche Kinemathek

2013.Logo SDKHeute wird im Filmhaus am Potsdamer Platz der 50. Geburtstag der Deutschen Kinemathek gefeiert. Das offizielle Gründungsdatum ist der 1. Februar 1963. Zunächst als e.V., ab 1971 als Stiftung bürgerlichen Rechts ist die Kinemathek eines der großen Filmarchive in der Bundesrepublik. Ihr Gründungsdirektor war der Regisseur und Sammler Gerhard Lamprecht. Von 1990 bis 2006 habe ich das Haus geleitet. In dieser Zeit fand auch die Eröffnung des Filmmuseums am Potsdamer Platz statt und die Erweiterung um den Bereich Fernsehen, die 2006 zum Museum für Film und Fernsehen führte. Künstlerischer Direktor ist seit 2006 Rainer Rother, als Verwaltungsdirektor fungiert Maximilian Müllner. Seit 2003 wird die Kinemathek vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. So liegt es nahe, dass heute Abend Bernd Neumann ein Grußwort spricht. Gefeiert wird mit Gästen, Musik und Filmen. Moderation: Petra Gute (rbb). Gerhard Midding hat im aktuellen tip einen schönen Text vor allem über die aktuelle Situation der SDK publiziert. Mehr über die Kinemathek auf ihrer Website: www.deutsche-kinemathek.de/de

Hollywood-Kostüme in London

2013.KostümeDie Ausstellung der Hollywood-Kostüme im Victoria and Albert Museum in London ist wirklich sensationell. Schon sie allein hat die Reise nach London gelohnt. Man spürt die lange Vorbereitungs-zeit und die kenntnisreiche Sorgfalt der Kuratorin Deborah Nadoolman Landis. Die Struktur ist klug (Deconstruction / Dialogue / Finale), die Räume und die Positionierung der Exponate vermitteln eine spezielle Aura. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, für die ja die Kostüme geschaffen wurden, wirken so präsent, wie ich es selten in einer Ausstellung erlebt habe. Ein Nachteil der Ausstellung: sie geht am 27. Januar zu Ende. Für die, die dort waren, bleibt die Erinnerung, und für alle anderen gibt es den wunderbaren Katalog mit 450 Abbildungen und vielen Texten zu 100 Jahren Geschichte des Filmkostüm. Mehr zum Buch: Hollywood-Costume-Hardback/dp/1851777091

Audrey Hepburn

Audrey 2Vor zwanzig Jahren, im Januar 1993, starb Audrey Hepburn, eine der Traumfrauen der 1950er und 60er Jahre. Der Hamburger Edel-Verlag widmet ihr jetzt ein schönes Bilderbuch, herausgegeben von dem Fotosammler David Wills und dem Designer Stephen Schmidt. Von Wills stammt auch der Einleitungstext. Acht Einzelkapitel rufen ihre Filme der 60er Jahre in Erinnerung: BREAKFAST AT TIFFANY’S, THE CHILDERN’S HOUR, CHARADE, MY FAIR LADY, HOW TO STEAL A MILLION, TWO FOR THE ROAD und WAIT UNTIL DARK. Ein separates Kapitel handelt von Audrey und der Mode. Zu sehen sind mehr als 200 Fotos in hoher Qualität. 2006 habe ich einen kleinen Text über Audrey Hepburn für die Süddeutsche Zeitung geschrieben: 2006/02/audrey-hepburn/. Mehr zum neuen Buch: davis-wills-stephen-schmidt/audrey-die-60er/

Hybride Räume

2013.RäumeOliver Schmidt hat mit dieser Dissertation 2011 an der Universität Bremen promoviert. Im Kern geht es um die „Filmwelten im Hollywood-Kino der Jahrtausendwende“. Zum Korpus der analysierten Filme gehören rund 130 Titel aus den Jahren 1990 bis 2010. Und in der Tat wird deutlich, wie sich in diesen zwanzig Jahren der Umgang mit dem filmischen Raum verändert und erweitert hat. Sehr gründlich sind Schmidts theoretische Vorüber-legungen, die beim ‚Raum“ in der Filmgeschichte beginnen, den Raum in der Filmwissenschaft rekapitulieren, Elemente einer Ontologie filmischer Welten konstruieren und auch den aktiven Zuschauer nicht außer Acht lassen. Der Autor unterscheidet im Hauptteil zwischen „diegetischen Räumen“, „narrativen Räumen“, „audiovisuellen Bildräumen“ und entdeckt am Ende filmische Räume als „Genreräume“. Viel Zeit wird damit verbracht, die große Zahl der Filme ihren entsprechenden Räumen zuzuordnen. Je mehr Filme man kennt, umso leichter fällt es, dem wissenschaftlichen Puzzle seinen Reiz abzugewinnen. Besonders ausführlich sind die Analysen von GHOST, GROUNDHOG DAY, LOST HIGHWAY, WHAT DREAMS MAY COME, PLEASANTVILLE, MOULIN ROUGE, THE OTHERS, ADAPTATION, PANIC ROOM, 300, SIN CITY und INCEPTION, die mehrfach ins Spiel gebracht werden. Ein eigenes Kapitel ist Shakespeare-Verfilmungen gewidmet. Schmidt bewegt sich mit zunehmender Selbstsicherheit durch seinen Kosmos. Hilfreich für die Leser sind die zahlreichen Abbildungen, auch wenn die Screenshots manchmal sehr klein wirken. Es gibt mehrere Farbseiten. Mehr zum Buch: hybride-raeume.html

CLOUD ATLAS, das Shooting Script

2013.Cloud AtlasGemessen an den Produktionskosten sind die Einspielergebnisse für den Film von Tom Tykwer und den Wachowski-Geschwistern eher enttäuschend. In Deutschland haben immerhin mehr als eine Million Zuschauer den CLOUD ATLAS bisher gesehen. Mich persönlich hat der Film sehr beeindruckt. Michael Töteberg hat als Begleitbuch diesmal das Shooting Script gewählt, kombiniert mit 350 Fotos, die dem Film entnommen sind (Kamera: Frank Griebe, John Toll). Man kann beim Lesen und Schauen noch einmal die Kunst der Montage nachvollziehen und die Verwandlungen der Darsteller Tom Hanks, Halle Berry, Ben Wishaw, Hugo Weaving, Susan Sarandon und Hugh Grant in ihren wechselnden Rollen im Lauf der Jahrhunderte. Ein schönes und nützliches Buch. Mehr dazu: Cloud_Atlas.3034536.html

Hedy Lamarr

2013.HedyEigentlich steht alles, was man heute über den Star Hedy Lamarr (1914-2000) wissen muss, im Buch von Peter Körte, das vor zwölf Jahren bei Michael Farin im belleville-Verlag erschienen ist. Nun setzt der Journalist Jochen Förster im Zusammen-wirken mit Anthony Loder, Lamarrs Sohn, noch eins drauf. Sie erzählen das Leben der österreichischen Schauspielerin Hedwig Kiesler, die mit dem Film EKSTASE (1933) bekannt wurde, 1938 nach Hollywood kam und als Hedy Lamarr ein Star wurde, dialogisch und lassen natürlich auch die späten Jahre nicht aus, als ihre Karriere zu Ende war und sie nur noch durch Affären und zwei Ladendiebstähle in den Schlagzeilen blieb. Ihre Filme kommen in der neuen Publikation ein bisschen kurz. Und ihr Anteil an der Erfindung des „Frequenzsprungverfahrens“ bleibt für mich weiter dubios. Aber der Verlag Ankerherz hat viel Kreativität in die Ausstattung dieses Buches investiert. Das macht den speziellen Reiz der Publikation aus. Mehr über das Buch:  www.ankerherz.de/produkte/hedy-darling/

Hannah Arendt

Ab heute ist Margarethe von Trottas HANNAH-ARENDT-Film in den Kinos zu sehen. Das Buch zum Film, herausgegeben von Martin Wiebel, ist klug konzipiert und nähert sich seinem Thema aus zwei Richtungen, der historischen Realität und der filmischen Umsetzung. Dokumentiert sind Texte von Arendt (u.a. ein Gespräch mit Joachim Fest aus dem Jahr 1964), ihrem damaligen Assistenten Jerome Kohn, Mary McCarthy, Rainer Schimpf, Bettina Stangnetz und Ernst Vollrath zu den historischen Fakten und publizistischen Wirkungen. Dem stehen Äußerungen der Co-Autorin Pam Katz, der Produzentin Bettina Brokemper, der Arendt-Darstellerin Barbara Sukowa, des Heidegger-Darstellers Klaus Pohl, des Ausstatters Volker Schäfer und Tagebuch-Aufzeichnungen von Margarethe von Trotta gegenüber. Vom Herausgeber Wiebel stammt ein einleitender Essay zur Entwicklung des Arendt-Projekts. Vier Drehbuchszenen und 15 Farbfotos sind eingefügt. Ein Vorwort hat Franziska Augstein beigesteuert.