Oscar-Verleihung (1)

2013.OscarIn der kommenden Nacht findet die 85. Oscar-Verleihung statt. Sie wird live auf ProSieben übertragen, ab 0.35 Uhr präsentieren sich die Stars auf dem Roten Teppich, ab 2.30 Uhr moderiert Seth MacFarlane die Show im Dolby Theatre in Hollywood. Inzwischen sind es mehr als 30 Kategorien, für die es eine Statue gibt – und die Prognosen spitzen sich zu, vor allem: ARGO oder LINCOLN? Hier sind meine Tipps in den 21 wichtigsten Kategorien: ARGO (Best Picture), AMOUR (Foreign Language Film), BRAVE (Animated Feature Film), SEARCHING FOR SUGAR MAN (Documentary Feature), Steven Spielberg/LINCOLN (Directing), Daniel Day-Lewis/LINCOLN (Actor in a Leading Role), Tommy Lee Jones/LINCOLN (Actor in a Supporting Role), Jennifer Lawrence/ SILVER LININGS PLAYBOOK (Actress in a Leading Role), Anne Hathaway/LES MISÉRABLES (Actress in a Supporting Role), Quentin Tarantino/DJANGO UNCHAINED (Writing, Original Screenplay), Chris Terrio/ARGO (Writing, Adapted Screenplay), Claudio Miranda/LIFE OF PI (Cinematography), William Goldenberg/ARGO (Film Editing), Sarah Greenwood + Katie Spencer/ANNA KARENINA (Production Design), Jacqueline Durran/ANNA KARENINA (Costume Design), THE HOBBIT (Makeup and Hairstiling), John Williams/LINCOLN (Music, Original Score), „Skyfall“/SKYFALL (Original Song), LIFE OF PI (Sound Editing), SKYFALL (Sound Mixing), LIFE OF PI (Visual Effects). Morgen früh löst sich die Spannung auf.

Jiri Menzel

2013.MenzelSeine Filme SCHARF BEOBACHTETE ZÜGE (1966) und EIN LAUNISCHER SOMMER (1968) habe ich damals gern gesehen. Jiri Menzel galt als wichtiger Protagonist einer Neuen Welle des tschechoslowa-kischen Films und hatte in den 1970er Jahren große Schwierigkeiten, Filme zu drehen. Zu seinem 75. Geburtstag widmet ihm das Zeughauskino ab heute eine Werkschau. Neun Filme stehen auf dem Programm, darunter LERCHEN AM FADEN (1969), der erst bei der Berlinale 1990 uraufgeführt werden konnte und damals den Goldenen Bären gewann, und als jüngster Film ICH HABE DEN ENGLISCHEN KÖNIG BEDIENT (2006), wie öfter bei Menzel nach einem Roman von Bohumil Hrabal, in dem Julia Jentsch eine Hautrolle spielt. Menzels Filme lohnen eine Wiederentdeckung. Mehr zur Werkschau: jiri_menzel_2013_02_03.html.

Sofia Coppola

2013.CoppolaMit einem Heft über Edgar Reitz (Nr. 28) hat sich Thomas Koebner, der die Publikationsreihe 2006 begrün-dete, als Herausgeber verabschiedet. Nun liegt die Verantwortung bei Michaela Krützen, Fabienne Liptay und Johannes Wende. Die Anmutung des Außentitels wurde leicht geändert, jedes Heft soll künftig einer Einzelperson gewidmet sein und sich auf ausgewählte Filme, spezielle Aspekte oder auch einzelne Szenen konzentrieren. Den Anfang macht die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola (*1971). In fünf Texten kommt man ihr sehr nahe. Michaela Krützen schreibt über LOST IN TRANSLATION (2003), widmet sich intensiv den beiden Hauptfiguren Bob (Bill Murray) und Charlotte (Scarlett Johansson) und schlägt einen Bogen zu Fellinis LA DOLCE VITA. Lisa Gotto konzentriert sich auf den Poledance in SOMEWHERE (2010), Lorenz Engell sammelt eine kleine Ontologie kinematografischer Dinge, Johannes Wende, der als Herausgeber dieses Heftes fungiert, ergründet die Bedeutung von vier Häusern in vier Coppola-Filmen, und Tim Moeck denkt über das Vergehen von Zeit in SOMEWHERE nach. Das Schöne an allen Texten ist ihre Konkretisierung, ihre Nähe zu den Filmen, sind ihre Assoziationen, die dem Leser Denkangebote machen. 2013 kommt ein neuer Film von Sofia Coppola in die Kinos: THE BLING RING. Mehr zur Publikation: neu_werke_default_film.

Film, Fernsehen und Kino

2013.Julia von HeinzJulia von Heinz (*1976) ist ausgebildete Kamerafrau und Filmemacherin. Ihr jüngster Film, HANNI UND NANNI 2, läuft seit Mitte 2012 in den Kinos. Aber sie ist auch Wissenschaftlerin. Mit der hier veröffentlichten Dissertation hat sie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Babelsberg und der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Ihre Betreuer/Gutachter waren Lothar Mikos und Wolfgang Mühl-Benninghaus. Die Arbeit beeindruckt durch fleißige Recherche, kluge Struktur und Bewältigung des komplexen Themas. Sechzig Jahre Kino- und Fernsehgeschichte sind hier als komplizierte Beziehungsgeschichte aufgearbeitet. Es geht um ökonomische und politische Abhängigkeiten zwischen Filmwirtschaft und Fernsehen, um ästhetische und inhaltliche Unterschiede zwischen Fernsehfilm und Kinofilm. Die Autorin teilt die sechzig Jahre in fünf Phasen: 1950-1961 (Feindschaft), 1962-1973 (Annäherung des Fernsehens an den Jungen Deutschen Film), 1974-1983 (der amphibische Subventionsfilm), 1984-1997 (Abschied vom Autorenfilm), 1998-2010 (die freundliche Übernahme). Auf der ökonomisch-politischen Seite stehen das 1968 in Kraft getretene Filmförderungsgesetz, seine neun Novellierungen, die insgesamt neun Film-Fernseh-Abkommen, die zunehmende Wichtigkeit von Quoten und die Konkurrenz der privaten Fernsehsender im Mittelpunkt. Auf der inhaltlich-ästhetischen Seite geht es um Themenauswahl und Dramaturgie, Realismus und Phantasie, amphibischen Film und Süßstoff. Dies wird für die einzelnen Phasen mit konkreten Beispielen belegt. Die DDR wird in diesem Kontext mit Recht ausgelassen. Jeder Phase ist eine eigens recherchierte Tabelle mit Erstaufführungen deutscher Neuproduktionen, ihrem Marktanteil und der Beteiligung des Fernsehens vorangestellt. Die Quellenbelege erreichen die stattliche Zahl von 1.347. Gunther Witte, einstmals WDR-Fernsehspiel-Chef, nennt Julia von Heinz in seinem Vorwort „mutig“ und „klug“. Das ist ein angemessenes Kompliment, dem ein paar Fragen und Relativierungen des Insiders folgen, die für den Leser nützlich sind, aber die Substanz der Arbeit nicht beschädigen. Respekt! Mehr zum Buch: Heinz-freundliche-Übernahme/productview.aspx?product=15137.

Erich Maria Remarque und der Film

untitledDer Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898-1970) hatte eine große Affinität zum Kino, viele seiner Romane wurden verfilmt. 1998 hat Thomas F. Schneider mit dem Buch „Das Auge ist ein starker Verführer“ ein erstes Kompendium zu Remarque-Verfilmungen heraus-gegeben. Jetzt legt er im Remarque-Jahrbuch XXII nach. Im Nachlass des Autors wurden zwei bisher unveröffentlichte Filmexposés gefunden, die aus der Mitte der 1920er Jahre stammen. „Kleines Schicksal“ erzählt eine Großstadtgeschichte, in der ein Paar in existentielle Krisen gerät und am Ende den gemeinsamen Tod sucht. „Monteur Hagen“ spielt im Rennfahrermilieu und dramatisiert die Geschichte zwischen einer jungen naiven Frau, einer „dämonisch“ wirkenden Dame, einem Monteur und einem Rennfahrer, die glücklich endet. Beide Texte haben eine filmische Dimension. Melanie Latus vergleicht die Filme DER LETZTE AKT (1955, Regie: G. W. Pabst, Co-Autor: Remarque) und DER UNTERGANG (2004, Regie: Oliver Hirschbiegel, Buch: Bernd Eichinger) und arbeitet die Unterschiede heraus. Saskia Fares gelingt mit einer gründlichen Filmanalyse die Ehrenrettung der Remarque-Verfilmung von „Der Himmel kennt keine Günstlinge“ durch Sydney Pollack 1997. Sein Film BOBBY DEERFIELD ist besser, als es die Kritik damals erkannte. Im Anhang enthält das Jahrbuch Hinweise zu neuer Remarque-Literatur. Mehr zum Buch: remarque_und_der_film-1009362/.

Zum aktuellen deutschen Film

2013.Aktuelle FilmMomentaufnahmen zum deutschen Film auf 333 Seiten. Die beiden Herausgeber sind Absolventen der Mainzer Filmwissenschaft. Sie haben verschiedene Kolleginnen und Kollegen aktiviert, eigene Texte geschrieben und interessante Gastautoren gewonnen. Thomas Rothschild und Rüdiger Suchsland machen sich Gedanken über Gegenwart und Zukunft der Film-kritik, ein offenbar unerschöpfliches Thema. Der Genrekenner Georg Seeßlen beweist, dass die deutsche Filmkomödie gar nicht komisch sein kann (aktualisierte Fassung eines Textes aus epd film). Die beiden Festivalmacher Hajo Schäfer und Sebastian Brose („achtung berlin“) blicken auf den deutschen Film aus Festivalsicht. Bernd Zywietz gibt eine kluge Orientierungshilfe auf dem Feld Film/Fernsehen. Natürlich spielt die Digitalisierung eine Rolle, am nachhaltigsten in einem Text von Harald Mühlbeyer – als Mitarbeiter der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung dafür sensibilisiert – über die Sicherung und Pflege des deutschen Filmerbes. In drei Gesprächen kommen Newcomer zu Wort: André Erkau, Brigitte Maria Bertele und Wenzel Storch, Zywietz stellt in einem eigenen Text Jan G. Schütte, Jakob Lass, Tom Lass und Axel Ranisch als kreative Individualisten vor, Julia Quedzuweit reflektiert über die „Berliner Schule“, und Mühlbeyer sucht auf Festivals nach speziellen Begabungen des aktuellen deutschen Films. Die Dramaturgie der Texte ist klug strukturiert, am Ende werden noch neun Nachwuchs-darstellerinnen und –darsteller in kurzen Texten porträtiert. Die beiden Herausgeber, auf der Höhe der Zeit, aktualisieren ihr Buch fortlaufend auf einem begleitenden Blog: http://ansichtssache-buch.blogspot.de. Mehr zum Buch: ansichtssache-zum-aktuellen-deutschen-film.html.

Das jiddische Kino

2013.01.Jiddisches KinoMit dieser Dissertation hat Chantal Catherine Michel an der Freien Universität Berlin promoviert. Es geht um „Aufstiegs-inszenierungen zwischen Schtetl und American Dream“ (Untertitel), um das Jiddische Kino zwischen 1911 und 1950. Seine Zielgruppe waren osteuropäische Juden, die eine Emigration nach Amerika im Blick hatten. Rund 140 Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilme bildeten den Korpus des Jiddischen Kinos, ein Drittel davon waren Stummfilme. Ihre Nähe zum Theater ist auch formal spürbar. Die Autorin hat zwölf Produktionen für eine vertiefende Analyse ausgewählt. Sie geht von drei hypothetischen Voraussetzungen aus: einem Ziel (sozialer Aufstieg), einem Start (jüdische Identität) und einem Weg (Assimilation). Nach der Klärung der theoretischen Grundlagen werden die ausgewählten Filme vier Kategorien zugeordnet: „Assimilationsfilme“ (beispielhaft: MIZREKH UN MAYREV von Sydney M. Goldin, YIDL MITN FIDL von Joseph Green, AMERIKANER SHADKHEN von Edgar G. Ulmer), „Barrierefilme“ (YIZKOR von Sydney M. Goldin, DER VANDERNDER YID von George Roland und TEVYE DER MILKHIGER von Maurice Schwartz), „Wunschtraumfilme“ (DER PURIMSHPILER und MAMELA, beide von Joseph Green) und „Albtraumfilme“ (ONKL MOZES von Sidney M. Goldin, MOTL DER OPREYTER von Joseph Seiden, DER VILNER BALEBESL von George Moskov und Max Nossek). Die Filme wurden zum Teil in Osteuropa, zum Teil in den USA produziert. Chantal Catherine Michel hat gründlich recherchiert, ihre Strukturierung des Stoffes wirkt logisch, ihre Analysen sind konkret und sensibel, wie es dem Thema angemessen ist. Metropol-Verlag, Berlin, 400 Seiten, 24 €.

Kinoträume im WDR 3

2013.Reichart, ManuelaAm letzten Berlinale-Sonntag stellt Manuela Reichart traditionell im WDR 3 (Radio, 18.05-19.00 Uhr) neue Filmbücher vor, meist im Gespräch mit Autoren oder Herausgebern. Drei Bücher stehen heute im Mittelpunkt der Sendung: „Selig & Boggs. Die Erfindung von Hollywood“ von Christine Wunnicke (Berenberg Verlag), „In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood“, herausgegeben von Heike Klapdor und Wolfgang Jacobsen (Aufbau Verlag) und mein Buch „Licht und Schatten. Die großen Stumm- und Tonfilme der Weimarer Republik“ (Schirmer/Mosel). Außerdem gibt es einen Hinweis auf das Buch „Buster Keaton oder die Liebe zur Geometrie“ von Klaus Nüchtern (Zsolnay Verlag). Das Buch von Christine Wunnicke erscheint Anfang März, ich bin sehr gespannt darauf. Die Bücher von Klapdor/Jacobsen (geschichten-fur-hollywood-2/) und Nüchtern (buster-keaton-2/) habe ich bereits vorgestellt. Mehr zur Sendung: kinotraeume100.html

Bären-Verleihung

2013.Bären,neuHeute Abend findet im Berlinale-Palast die Preisverleihung statt. Sie wird von 3sat ab 19 Uhr live übertragen. Die Internationale Jury (Präsident: Wong Kar-Wai) darf einen Goldenen Bären und sieben Silberne (Großer Preis der Jury, Beste Regie, Beste Darstellerin, Bester Darsteller, Bestes Drehbuch, spezielle Künstlerische Leistung und Sonderpreis) verleihen, dazu kommt der „Alfred-Bauer-Preis“. Die Prognosen – vor allem was den Goldenen Bären betrifft – sind lebhaft. In den Spitzenpositionen findet man den iranischen Film PARDÉ von Jafar Panahi und Kamboziya Partovi, den chilenischen Film GLORIA von Sebastián Lelio, den rumänischen Film CHILD’S POSE von Cakin Peter Netzer, den bosnischen Film AN EPISODE IN THE LIFE OF AN IRON PICKER von Danis Tanovic und den kasachischen Film HARMONY LESSONS von Emir Baigazin. Gemeinsam ist ihnen – wie in fast jedem Jahr – die Programmierung in den vergangenen acht Tagen in der Presseschiene morgens um 9 Uhr. Besonders schwer wird die Wahl bei der besten Darstellerin, die Auswahl ist in diesem Jahr besonders groß. Der deutsche Beitrag GOLD von Thomas Arslan hat wohl (leider) wenig Aussichten auf einen Preis. Die Besucher der Preisverleihung können anschließend den Siegerfilm sehen – und seit heute sind die kritischen Resümees der 63. Berlinale zu lesen. Auf Wiedersehen im nächsten Jahr.

DER STUDENT VON PRAG (1913)

2013.Student von PragIn der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wird heute Abend wieder ein Stummfilm mit Orchesterbegleitung aufgeführt. Diesmal ist es DER STUDENT VON PRAG aus dem Jahr 1913, inszeniert von Hans Heinz Ewers und Stellan Rye mit Paul Wegener, Grete Berger und Lyda Salmonova in den Hauptrollen. Als Kameramann gab Guido Seeber dem Film seine spezielle Ausdrucksform. Gezeigt wird als Erstaufführung eine digital rekonstruierte Fassung, die im Münchner Filmmuseum realisiert wurde.  Gespielt wird die nach einem Klavierauszug rekonstruierte Originalmusik von Josef Weiss. Daniel Grossmann dirigiert das Orchster Jakobsplatz München. Kooperationspartner ist ZDF/Arte. Mehr zum Film: programm/datenblatt.php?film_id=20137722