Bernd Eichinger-Ausstellung

2013.Bernd_EichingerIm Berliner Museum für Film und Fernsehen wird heute Abend die Ausstellung „Bernd Eichinger – …alles Kino“ eröffnet. Die Deutsche Kinemathek verfügt über den Nachlass des großen Produzenten, sie kooperiert mit der Witwe Katja, und die Ausstellungsabteilung wagt in den nicht gerade sehr großen Räumen immer wieder neue, interessante Akzentuierungen; das hat auch zur besonderen Resonanz der Scorsese-Ausstellung geführt. Vier Bereiche gliedern die Eichinger-Präsentation: Deutschland – Amerika – Außenseiter – Helden. Seine Biografie liefert, beginnend mit der Kindheit und dem Studium an der Münchner HFF, viele Höhepunkte für eine Erfolgsgeschichte. Zur Eröffnung sprechen Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, Staatsminister Bernd Neumann und der Regisseur Tom Tykwer, der mit Eichinger die Patrick Süskind-Verfilmung DAS PARFÜM realisiert hat. Die Ausstellung ist bis zum 6. Oktober zu sehen.  

Fürsten der Finsternis

2013.Draculatreppe„Fürsten der Finsternis“ heißt die Ausstellung, die morgen im Filmmuseum Düsseldorf eröffnet wird. Sie thema-tisiert den Vampirkult im Film, und dafür gibt es zurzeit auf dem Buchmarkt und im Kino viele Fans. Gezeigt werden Kostüme, Requisiten, Zeichnungen, Plakate, Fotos, Produktions-dokumente und begehbare Sets. Klassiker des Genres sind NOEFERATU – EINE SYMPONIE DES GRAUENS (1922) von F. W. Murnau (Eröffnungsfilm morgen Abend in der black box), DRACULA (1931) von Tod Browning mit Bela Lugosi (Foto), VAMPYR (1932) von Carl Theodor Dreyer, TANZ DER VAMPIRE (1967) von Roman Polanski, Werner Herzogs Neuverfilmung von NOSFERATU (1979) mit Klaus Kinski, Francis Ford Coppolas BRAM STOKRE’S DRACULA (1992), und vielleicht werden ja auch die bisher fünf Folgen der TWILIGHT-Saga (2008 bis 2012) nach den Büchern von Stephanie Meyer von diversen Regisseuren zu Klassikern. Parallel findet in Düsseldorf eine Fotopräsentation von Universal Pictures in Zusammenarbeit mit der Academy statt. Beide Ausstellungen werden von einem umfangreichen Filmprogramm begleitet und sind bis zum 13. Oktober zu sehen.

Science Fiction in Leipzig

2013.LeipzigIm „Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig“, einem attraktiven Museum in der Mitte der Stadt, ist seit einigen Tagen die interessante Ausstellung „Science Fiction in Deutschland“ zu sehen. Sie wurde zuvor bereits im „Haus der Geschichte“ in Bonn gezeigt. Der Projektleiter Christian Peters nennt seine Unternehmung „eine Zeitreise in die Vergangenheit der Zukunft“. Sie dokumentiert mit mehr als 600 Exponaten, wie sich vor allem der Film seit den 1920er Jahren für Weltraumreisen, Angstvisionen und Horrorszenarien interessiert hat. Fritz Langs METROPOLIS (1926) und FRAU IM MOND (1929) sind frühe Beispiele dafür. Zu sehen sind  u.a. die Maschinen-Maria, der „Kosmokrator“ aus dem DEFA-Film DER SCHWEIGENDE STERN (1960), ein Bügeleisen aus der Serie RAUMSCHIFF ORION, Darth Vader aus STAR WARS (1977), ein Monster aus ALIEN (1979), ein Foto der Crew von Bully Herbig aus (T)RAUMSCHIFF SURPRISE (2004). Plakate erinnern an FLIEGENDE UNTERTASSEN GREIFEN AN (1956) oder INDEPENDENCE DAY (1996). Sehr real ist ein Stück Mondgestein (250 Gramm), das von der Apollo 12-Mission 1969 auf die Erde gebracht wurde. Und natürlich wird auch die deutsche Heftchen-Serie „Perry Rhodan“ thematisiert, die es seit 1961 gibt. Bisher sind über 2.700 Nummern erschienen. Mehr zur Ausstellung, die bis zum 12. Januar 2014 zu sehen ist: science-fiction-in-deutschland/

Hans Wollenberg

2013.WollenbergEr war, wenn man dem Titelfoto glaubt, ein meinungsfreudiger Mann. Hans Wollenberg (1893-1952), ausgebildeter Jurist, Redakteur des Fachblattes Lichtbild-Bühne von 1920 bis 1923, Chefredakteur von 1927 bis 1933, leitete von 1934 bis 1938 die Wochenzeitschrift des Reichs-bundes jüdischer Frontsoldaten Der Schild, ging 1938 ins Exil nach Prag, lebte und arbeitete ab 1939 in Großbritannien, schrieb 1948 das Buch „Fifty Years of German Film“, war ab 1949 als Gast  zu Vorträgen in Deutschland und starb 1952 in London. Eine fast paradigmatische Exil-Biografie, die von Ulrich Döge in seinem einleitenden Essay („Kosmopolit des Films“) auf siebzig Seiten bestens recherchiert geschildert wird. 70 Filmkritiken und 28 Aufsätze sind in dem Band dokumentiert. Sie sind meinungsfreudig, aber vor allem sachlich und voller Respekt vor den Machern der Filme. Beispielhaft finde ich seine Texte über SCHERBEN (1921) von Lupu Pick, DER MÜDE TOD (1921) von Fritz Lang (mit dem Resumée: „Die ihr an die Zukunft des Kinos glaubt, seht euch dieses Lichtspiel an! Die ihr dem Kino mißtraut, seht es euch erst recht an – aber laßt alle Bühnen-weisheit, laßt die Hamburgisch Dramaturgie  und den Laokoon hübsch zuhause. Denn ihr seid bei einer neuen Muse zu Gaste.“), DAS WEIB DES PHARAO (1922) von Ernst Lubitsch, DIE FRAU, NACH DER MAN SICH SEHNT (1928) von Kurt Bernhardt und ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (1930) von Lewis Milestone. Und natürlich muss man seinen Aufsatz „Der Jude im Film“ aus dem Jahr 1927 lesen. Schön, dass die Reihe „Film & Schrift“, herausgegeben von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen, mit ihrem 16. Band an Wollenberg erinnert. Mehr zum Buch: werke_default_film

Colin Firth

Bild 1In unseren Kinos ist gerade der Film GAMBIT (2012) von Michael Hoffman zu sehen. Colin Firth (*1960) spielt darin einen Kunstkurator, der seinen Boss, einen besessenen Kunstsammler, in eine Falle locken will. Eine Krimikomödie, in der Firth nicht übermäßig gefordert ist. THE KING’S SPEECH (2010) bleibt der Höhepunkt in der bisherigen Karriere des Schauspielers. Er hat inzwischen so viele Anhänger, dass eine Biografie auf den Markt musste. Ihr Autor, Sandro Monetti, teilt uns viele Dinge aus dem Birth-Leben mit: wie er – oft in heftiger Konkurrenz mit Kollegen – zu seinen Filmrollen kam, wie er seine große Liebe Livia Giuggioli kennen lernte, wie er sich für indigene Völker einsetzt. Das muss man wirklich nicht alles wissen, und die Analyse der Filmrollen kommt dabei eher zu kurz. Da es offenbar ein Buch für die deutschen Fans ist, spart die Filmografie im Anhang die Originaltitel der Filme aus. Zwei farbige Bildteile: 16 Seiten Rollenfotos, 16 Seiten Privatfotos. Mehr zum Buch: colin-firth.html

Luchino Visconti im Babylon

2013.ViscontiIm Berliner Kino Babylon beginnt heute eine voll-ständige Retrospektive der Filme von Luchino Visconti (1906-1976). Zwischen 1942 und 1976 hat Visconti 14 Filme realisiert und drei Beiträge zu Episodenfilmen gedreht; seine zweite künstlerische Heimat waren die Oper und das Theater; rund 60 Inszenierungen nennt sein Werkverzeichnis. Das Babylon zeigt die Filme überwiegend in 35mm-Kopien, in der Originalfassung mit englischen Untertiteln; das Italienische Kulturinstitut Berlin ist Partner bei der Filmreihe. Visconti ist für mich einer der Großen des europäischen Films. Er war Mitbegründer des italienischen Neorealismus und beschrieb seit Mitte der 1950er Jahre die Verfallserscheinungen der bürgerlichen Kultur. Seine epische Kraft hat so wunderbare Filme wie SENSO (1954) mit Alida Valli, IL GATTOPARDO (1962) mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon, LA CADUTA DEGLI DEI (1968) mit Dirk Bogarde, Ingrid Thulin und Helmut Griem, LUDWIG (1972) mit Helmut Berger, Romy Schneider und Trevor Howard hervorgebracht. 1974 habe ich den Datenteil des Visconti-Bandes der „Blauen Reihe“ erarbeitet und ihn für die drei weiteren Auflagen ergänzt. Mit allen Filmen bin ich sehr vertraut, sehe sie in neuen Zusammenhängen aber gerne wieder. Das Foto, mit dem für die Retrospektive geworben wird, stammt aus dem Film GRUPPO DI FAMILIA IN UN INTERNO (dt.: GEWALT UND LEIDENSCHAFT, 1974). Zur Eröffnung heute Abend spricht Volker Schlöndorff. Mehr zur Retrospektive: /luchinovisconti.htm

DOKVILLE

2013.Dokville 1Für zwei Tage ist Ludwigs-burg der Treffpunkt der Dokumen-taristen. Hier findet heute und morgen DOKVILLE statt, der zweijährliche Branchentreff, bei dem vor allem geredet wird: in Keynotes, Impulsreferaten, Vorträgen, Panelgesprächen und natürlich auch hinter den Kulissen. Veranstalter ist das „Haus des Dokumentarfilms“, es wird unterstützt von der Filmförderung Baden-Württemberg, Arte, der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Am Pult stehen u.a. Erwin Wagenhofer (österreichischer Filmemacher), Rolf Schlenker (SWR), Thomas Kufus (zero one), Mikael Opstruc (European Documentary Network), Georg Seeßlen (Publizist), auf dem Podium sitzen zum Beispiel Philip Brandts (Ufa Interactive), Regina Ziegler (Produzentin), Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms), Jan Tengeler (Fimemacher), Sung-Hyung Cho (Filmemacherin). Es geht um die Erreichbarkeit jüngerer Zuschauer, Youtube TV, die Dokuformate der ARD, die Produktionslandschaft in Dänemark und eine Neudefinition des Heimatfilms. Heute Abend wird in einer festlichen Veranstaltung zum dritten Mal der Deutsche Dokumentarfilmpreis verliehen. Zehn Filme sind nominiert. Der Gewinner erhält 25.000 € – als Basis für einen neuen Film. Mehr über DOKVILLE: www.dokville2013.de/

Ennio Morricone

2013.MorriconeEr ist einer der bekanntesten, fleißigsten und vielseitigsten Filmkomponisten, auch wenn viele ihn aufs Genre des Italo-Western reduzieren. Für mehr als 500 Filme hat Ennio Morricone (*1928) die Musik geschrieben, darunter waren PRIMA DELLA REVOLUZIONE (1964) von Bernardo Bertolucci, TEOREMA (1968) von Pier Paolo Pasolini und natürlich C’ERA UNA VOLTA IL WEST (1968) von Sergio Leone. Zuletzt stand er im Nachspann von LA MIGLIORE OFFERTA (2013) von Giuseppe Tornatore. Jetzt ist ein prachtvoll aussehendes „earbook“ über Morricone erschienen. Es enthält als Hauptattraktion vier CDs mit 55 Musikstücken, darunter sind natürlich alle bekannten Titel. Das Buch hat zwei große Kapitel, zunächst eine Werkanalyse von Sergio Miceli, die – dreisprachig (englisch, italienisch, deutsch)  – von Fotos, Plakatabbildungen und Kontaktbögen dominiert wird. Für den Text bleibt da nicht allzu viel Raum, aber er ist auch in der Komprimierung informativ und lesenswert. Das zweite Kapitel ist eine Filmauswahl mit Fotos, Plakaten und filmografischen Daten als Erinnerungshilfe. Eine Liste der Preise für Morricone kulminiert im Ehren-Oscar 2007, eine Filmliste schließt sich an. Ein Buch also vor allem zum Hören. Mehr darüber: /ennio-morricone/

Marseille

2013.MarseilleEs ist Europas Kulturhauptstadt 2013 und eine Filmstadt in viel-fältiger Weise. Vor allem Kriminalfilme nutzten das Ambiente der französischen Hafenstadt: es sei an LE CERCLE ROUGE (1970) von Jean-Pierre Melville, FRENCH CONNECTION (1971 und 1975) von William Friedkin bzw. John Frankenheimer, BORSALINO (1970 und 1974) von Jacques Deray erinnert. Selbst Schimanski hat hier mal ermittelt (ZAHN UM ZAHN, 1985). Daniel Winkler, Romanist in Innsbruck, war schon 2007 Autor eines Marseille-Filmbuchs, das inzwischen vergriffen ist. Jetzt liegt eine überarbeitete und ergänzte Neuausgabe vor. Vier Kapitel bilden das Zentrum: Das provenzalische Marseille von Marcel Pagnol, das kriegerische Marseille von Paul Carpita, das populare Marseille von René Allio und das globale wie lokale Marseille von Robert Guédiguians. Die Analysen sind kenntnisreich und durch viele Quellenverweise abgesichert. Stilistisch bleiben ein paar Wünsche offen, mich nervt die häufige Verwendung des Wortes „Streifen“, wenn von Film die Rede ist. Der „Abspann“ enthält eine beeindruckende Marseille-Filmografie mit fast 400 Titeln. Das Titelbild stammt aus dem Film LA MARSEILLAISE (1938) von Jean Renoir. Mehr zum Buch: eine-metropole-im-filmischen-blick.html

Der Opernbesuch im Spielfilm

2013.Opernbesuch 2Im Wagner- und Verdi-Jahr ist dies ein schönes Thema. Sabine Sonntag, Regisseurin, Dramaturgin und Autorin in Hannover, hat mit einer Dissertation über „Richard Wagner im Kino“ promo-viert. Jetzt geht sie der Frage nach, welche Spielfilmfiguren aus welchen Motiven in die Oper gegangen sind, in welchen Genres dies besonders häufig vorkommt und welche Opern dabei bevorzugt werden. 250 Filme bezieht die Autorin in ihre Untersuchung ein, der älteste stammt aus dem Jahr 1913 (RICHARD WAGNER von William Wauer und Carl Froelich), die aktuellsten sind aus dem Jahr 2012: der „Tatort“ WEGWERF-MÄDCHEN, TO ROME WITH LOVE von Woody Allen, ANNA KARENINA von Joe Wright, QUARTETT von Dustin Hoffman. Zwölf Kapitel hat die Autorin gebildet und dabei entweder eine spezielle Oper bzw. einen Komponisten in den Mittelpunkt gestellt oder (mehrheitlich) die Opernbesuche in bestimmten Genres ausgemacht, dem Künstler-drama, der Comedy, der Literaturverfilmung, dem Kriminalfilm, dem Horrorfilm (vor allem die verschiedenen Versionen von PHANTOM OF THE OPERA), dem biographischen Künstlerfilm (Sänger / Komponisten) und dem Historienfilm. Eigene Kapitel sind den Besuchen von Verdis „La Traviata“, Wagner-Opern und Mozarts „Zauberflöte“ vorbehalten. Der Titel des Buches, „Einfach toll!“, ist natürlich ein Zitat aus PRETTY WOMAN, die Meinungsäußerung von Julia Roberts bei einem „Traviata“-Besuch. Die Qualitäten der Filme und die der jeweils besuchten Opernaufführungen werden von der Autorin oft sehr unterschiedlich bewertet. Man spürt: Sabine Sonntag kennt sich im Film und in der Oper gut aus. Das macht die Lektüre des Buches so lohnenswert. Mehr zum Buch: 18lnbb3vq3ld0vmo4