Bilder des Gefühls

2014.MelodramDie Dissertation von Maren Butte entstand in einer Zusammenarbeit der Universität Basel mit der Freien Universität Berlin. Sie unter-sucht die Ausdrucksformen des Melodrama-tischen im Theater des 19. Jahrhundert und im Film des 20. Jahrhunderts. Sie kon-zentriert ihre Analysen im Filmbereich auf die Schauspielerin Lilian Gish und ihre Leidensdarstellung in den Filmen von David W. Griffith, auf den Film LES ENFANTS DU PARADIS (1943-45) von Marcel Carné und die spezielle Funktion der Großaufnahmen als Blick in einen Seelen-zustand, sowie auf drei Regisseure, deren Werk mit dem Melodram verbunden ist: Douglas Sirk, Rainer Werner Fassbinder und Lars von Trier. Bei Sirk ist es der Film WRITTEN IN THE WIND, der im Detail analysiert wird. Der Blick der Autorin für die Figurenkonstellationen und die filmischen Tableaux Vivants konkretisiert sich in genauen und sensiblen Beschreibungen. Sie spannt dann einen Bogen zum Sirk-Verehrer Fassbinder, vergleicht dessen Film ANGST ESSEN SEELE AUF mit Sirks ALL THAT HEAVEN ALLOWS und wählt für ihre Einzelanalyse DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS aus, der in seiner Dramaturgie und seinen Bildern als beispielhaftes Melodram gilt. Nicht zuletzt ist das der Darstellerin Rosel Zech zu verdanken. Drei Filme von Lars von Trier bilden den Abschluss des umfänglichen Film-Kapitels: DANCER IN THE DARK (2000) mit Björk, BREAKING THE WAVES (1996) mit Emily Watson und DOGVILLE (2003) mit Nicole Kidman. Hier wird der spezielle Umgang des Regisseurs mit melodramatischen Vorbildern thematisiert. Am Ende des Buches findet Maren Butte im Theater und in der Kunst der Gegenwart Bezüge zum Melodram, bei René Pollesch, Cindy Sherman, Vanessa Beecroft und Lindy Annis. Die wissenschaftliche Literatur (Kappelhoff, Elsaesser, Koch, Peucker) ist sachkundig eingearbeitet. In den Theater-Kapiteln sind die Abbildungen akzeptabel, im Film-Teil deutlich zu klein. Mehr zum Buch: titel/978-3-7705-5625-0.html

John Lasseter

2014.LasseterMit dem 33. Band widmen sich die Film-Konzepte erstmals dem Thema Animationsfilm. John Lasseter ist in diesem Bereich natürlich eine Schlüsselfigur. Seine TOY-STORY (1995) war das erste abendfüllende Werk der Filmgeschichte, das vollständig am Computer animiert wurde. Sieben Texte gehen aus unterschiedlichen Perspektiven auf Lasseter und die Pixar Studios ein. Peter Krämer beschreibt in seinem Einführungskapitel „Disney, George Lucas und Pixar“ die Entwicklung der amerikanischen Filmindustrie seit den 1970er Jahren. David Steinitz beschreibt (relativ kurz) die Pixar-Studios im Spiegel der Filmkritik. Jens Schröter konzentriert sich auf den Film MONSTERS, INC. (2001). Malte Hagener reflektiert etwas grundsätzlicher die digitalen Transformationen des Films. Der für mich interessanteste Text stammt vom Herausgeber Johannes Wende. Er macht sich Gedanken über die Vergänglichkeit des Spielzeugs (es geht im realen Leben kaputt oder wird durch neues ausgetauscht) – und fragt logischerweise, was das fürs Überleben der Filmfiguren in den bisher drei Folgen der TOY STORY bedeutet. Das Thema wird im Beitrag von Christian Stewen etwas variiert. Und Tobias Scheffzick schildert zum Abschluss, wie Woody und Buzz in der TOY STORY zu Freunden werden. Viele Quellenverweise, gute Abbildungen. Mehr zum Heft: Ux30UhxiBgs

ORLAC’S HÄNDE (1924)

2013.Orlacs HändeDieser österreichische Film aus dem Jahr 1924 ist ein „Gothic-Thriller“ mit expressionistischer Lichtsetzung und vielen dramatischen Höhepunkten. Der geniale Pianist Orlac (gespielt von Conrad Veidt) erleidet bei einem Eisenbahnunglück so schwere Handverletzungen, dass der Chirurg beschließt, ihm die Hände eines gerade hingerichteten Raubmörders zu transplantieren. Die Operation gelingt, aber Orlac wird zunächst zum Psychoopfer seiner selbst, er kann mit den neuen Händen nicht mehr Klavierspielen, und gerät dann in die Falle des Erpressers Nera (Fritz Kortner), der ihn in die Rolle des Vatermörders versetzt. Ein spätes Happyend sorgt für Familienfrieden. Der Regisseur Robert Wiene und der Kameramann Günther Krampf haben mit dem Hauptdarsteller Veidt ein Drama geschaffen, das große Qualitäten hat. Das Filmarchiv Austria hat jetzt eine DVD des Films publiziert; für die teils digitalisierte Restaurierung wurde auch neu gefundenes Material verwendet. Die Musik von Donald Sosin bringt Klavier und Konzertorgel ins Spiel. Filmlänge: 105 Minuten. – Die beigefügte Publikation, deutlich mehr als ein „booklet“, enthält auf über 200 Seiten Essays und Materialien zum Film, verfasst von Ines Steiner Armin Loacker, Günter Krenn, Gerhard Vana und Thomas Ballhausen. Ein vorbildlicher Wegweiser mit brillanten Abbildungen. Mehr zur DVD: meta_id=-1#ov_item_778

Farbe, Licht, Empathie

2014.Farbe u.a.1989 hat sie das Institut für Filmwissenschaft an der Universität Zürich gegründet und bis 2002 war sie dessen Leiterin. Christine N. Brinckmann hat in Forschung und Lehre Maßstäbe gesetzt, viele Promotionen auf hohem Niveau betreut und selbst zu den verschie-densten Themen publiziert. Ihre Spezialgebiete sind der Experi-mentalfilm, der amerikanische Dokumentarismus und das Hollywoodkino. Seit 1995 gibt sie die Reihe „Zürcher Filmstudien“ heraus, die seit 2001 im Schüren Verlag erscheinen und für mich eine der führenden wissenschaftlichen Filmbuchreihen sind. Als Band 31 ist jetzt zum zweiten Mal (nach „Die antropomorphe Kamera“, 1997) eine Anthologie mit Brinckmann-Texten erschienen. Ihre Lektüre ist in der Sache und im Stil ein Genuss, weil die Autorin sich in keinem theoretischen Überbau verirrt, sondern konkret beschreibt, was sie in bestimmten Filmen sieht und für mitteilenswert hält. 16 Texte aus den Jahren 1995 bis 2012 hat sie zusammen mit der Herausgeberin Britta Hartmann für den Band ausgewählt. Sie handeln von Farbe, Licht und Empathie. Ich halte alle Texte für lesenswert, aber einige haben mir besonders gut gefallen. Der Essay „Filmische Farbe als Abbild und Artefakt“ (2001) beschreibt die speziellen Schwierigkeiten im Umgang mit der Farbe in Fotografie und Film. Zur Konkretisierung werden dann zwei Filme gegenübergestellt, die extrem unterschiedlich mit der Farbe umgehen: PAL JOEY (1957) von George Sidney und CHUNGKING-EXPRESS (1994) von Wong Kar-wai. Brinckmanns Analyse ist phänomenal in der Differenzierung und Genauigkeit. Sie wird gestützt durch 16 Abbildungen von höchster Qualität. In dem Text „Dramaturgische Farbakkorde“ (2006) geht es um fünf Hollywood-Filme der 1950er und 60er Jahre: THE GIRL CAN’T HELP IT von Frank Tashlin, DESIGNING WOMAN von Vincente Minnelli, LES GIRLS von George Cukor, BACHELOR IN PARADISE von Jack Arnold und LOVER COME BACK von Delbert Mann. Wunderbare Farbbeschreibungen, 22 exzellente Fotos. Im Licht-Kapitel (vier Texte) handelt der wohl wichtigste Essay von „Diegetischem und nondiegetischem Licht“(2007). Brinckmann unterscheidet da zwischen neun Formen des Lichts. Die theoretische Begriffsbestimmung wird zum Schluss mit einem Filmbeispiel konkretisiert: der Sterbeszene am Ende von G. W. Pabsts westfront 1918 (1930). Im Empathie-Kapitel haben mich zwei Texte besonders begeistert: die „Fallstudie“ über „Empathie im Dokumentarfilm“ (2005), die sich mit Georg Stefan Trollers Film BEGEGNUNG IM KNAST (1984) beschäftigt und als eine große Hommage für den von mir sehr verehrten Dokumentaristen zu lesen ist. Und schließlich der Essay „Zuschauerempathie und Mosaikstruktur in Wisemans PRIMATE“ (2009), über die Beobachtungen in einem wissenschaftlichen Institut, das Primatenforschung betreibt. Die Analyse der Zuschauergefühle bei einem berühmten Dokumentarfilm aus dem Jahr 1974 wirkt in keinem Moment spekulativ. – Man wünscht sich noch viele Texte von Christine N. Brickmann, einzeln und gesammelt. Mehr zum Buch: farbe-licht-empathie.html

Zur Medialität von Liebe

Bild 1Der konstitutive Zusammenhang von Mediennutzung und Liebe ist Thema dieser Dissertation, mit der Roman Giesen an der Ludwig-Maximilian-Universität in München promoviert hat. Es geht dabei nicht nur um die visuellen und auditiven Medien, sondern um das ganze beziehungs-stiftende Kommunikationssystem (Gesten, Blicke, Liebesbriefe, Gedichte). In einigen komplizierten Abstrahierungen kann ich dem Text nicht immer folgen. Aber der Autor stellt dann doch ein Dutzend Filme in den Fokus der Untersuchung. Dazu gehören A.I. artificial  INTELLIGENCE von Steven Spielberg, GILBERT GRAPE und CHOCOLAT von Lasse Hallström, ROMEO + JULIET von Baz Luhrmann, DREAMERS von Bernardo Bertolucci, BIUTIFUL von Alejandro Goñzález Inárritu, MELANCHOLIA  von Lars von Tier, POLL von Chris Kraus, LE SCAPHANDRE ET LE PAPILLON von Julian Schnabel und LE FABULEUX DESTIN D’AMELIE von Jean-Pierre Jeunet. Einzelne Szenen werden dann schnell in einen kommunikationstheoretischen Zusammenhang gestellt. Schön, wenn der Aufenthalt bei einem Film etwas länger dauert. Dann wird die Medialität konkreter. Das letzte Kapitel heißt natürlich „Liebesmedien und Vernetzung“. Das Titelbild stammt vom Autor. Das Buch enthält keine Abbildungen. Mehr zum Buch: bd67ivt5ropq170

Film und Filmtheorie

2014.FilmtheorieDer Band enthält die Beiträge, die im Mai 2013 auf der psychoanalytisch-literaturwissenschaftlichen Tagung zum Thema „Film und Filmtheorie“ in Freiburg vorgetragen wurden. Das sind neun Texte, die sich in der Regel auf einen Film konzentrieren und ihre theoretischen Ansprüche durchaus einlösen. Gerhard Schneider unternimmt eine „kulturpsycho-analytische“ Interpretation von Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960). Marcus Stiglegger definiert die „Seduktions-theorie“ des Films am Beispiel von Darren Aronofskys BLACK SWAN (2010). Bei Mechthild Zeul geht es – mit großem theoretischen Vorlauf – um die „Erwartungsverletzungen“ am Beispiel von RAISING AROZONA (1987) der Brüder Joel und Ethen Coen. Joachim Pfeiffer analysiert die Inszenierung der Träume in Ingmar Bergmans WILDEN ERDBEEREN (1957). Auch Tatjana Jesch beschäftigt sich mit der Traumdarstellung, ihr Film ist Christopher Nolans INCEPTION (2010). Bei Claudia Liebrand kommt ein zweiter Hitchcock-Film ins Spiel: SPELLBOUND (1945); für Psychoanalytiker immer ein ergiebiges Thema. Angelika Sandholz interessiert der Eifersuchtswahn in Luis Buñuels ÉL (1953). Bei Ortrud Gutjahr geht es um Selbstbehauptungswillen und Todesverlangen in Fatih Akins GEGEN DIE WAND (2004). Christa Rohde-Dachser nimmt drei Filme als Untersuchungsbeispiele: DEAD MAN (1995) von Jim Jarmusch, KIRSCHBLÜTEN – HANAMI (2008) von Doris Dörrie und MELANCHOLIA (2011) von Lars von Trier. Ihr Thema sind die Variationen des „Erlösungsmythos“. Die Konkretisierung in den Filmbeispielen kommt den Texten zugute. Mehr zum Buch: 400sjcsd2q5

Chaplin in Deutschland

2014.ChaplinNorbert Aping ist Jurist, er leitet das Amtsgericht in Buxtehude. Sein Hobby ist die Charlie Chaplin-Forschung. Vor drei Jahren hat er das Buch „Liberty Shtunk! Charlie Chaplin und die Nationalsozia-listen“ publiziert. Jetzt geht es um die Verzögerung, mit der Chaplin und seine Filme in die deutschen Kinos kamen. Im Zuge des Ersten Weltkriegs und seiner Folgen bewirkten die Beschränkungen des US-Exports und des deutschen Imports, Zensurfragen und Konkurrenzen, dass der erste Chaplin-Film THE RINK (1916; deutscher Titel: CHAPLIN LÄUFT ROLLSCHUH) erst im August 1921 im Beiprogramm im Ufa-Palast am Zoo zu sehen war. Da war der Komiker längst weltweit bekannt, Filmkritiker und Intellektuelle beschwerten sich über die Verspätung, es war bereits das erste Chaplin-Buch in deutscher Sprache erschienen. Aping hat alle Aspekte der Verspätung genau recherchiert, in Archiven geforscht, Zeitungen und Zeitschriften ausgewertet und die Chaplin-Rezeption bis 1924 bis ins Detail dokumentiert. Dazu gehören auch die Reaktionen auf den ersten abendfüllenden Spielfilm THE KID (1921, deutsche Erstaufführung im November 1923), der natürlich ein großer Erfolg beim Publikum und der Kritik wurde. Das Buch enthält viele hochwertige Abbildungen. Vorwort: Daniel Kothenschulte. Man kann davon ausgehen, dass Aping inzwischen die deutsche Chaplin-Rezeption der Jahre 1925 bis 1933 erforscht. Mehr zum Buch: chaplin-in-deutschland.html

Importing Asta Nielsen

2013.Asta NielsenIm September 2011 fand im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main die internationale Konferenz „Importing Asta Nielsen“ statt, in der es um die Strategien bei der Etablierung des Starsystems in den frühen 1910er Jahren ging. Die dänische Darstel-lerin (1881-1972) hatte sich 1911 vertraglich verpflich-tet, jährlich zehn Filme unter der Regie ihres dama-ligen Ehemannes Urban Gad, exklusiv für die „Deutsche Bioscop“ zu drehen und damit den Grundstein für ihre Karriere gelegt. Sie wurde zum ersten international bekannten Filmstar. Das Buch, herausgegeben von Martin Loiperdinger und Uli Jung, dokumentiert die Tagungsbeiträge, ergänzt durch diverse zusätzliche Texte. Insgesamt sind es dreißig Beiträge, die uns die Markteroberung durch diesen Star vor Augen führen: in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, Spanien, Schweden, Großbritannien, Italien, Russland, den Niederlanden, Frankreich, den USA, Brasilien, Australien und Japan. Drei Beiträge analysieren am Ende etwas genereller die Positionierung des Nielsen-Status. Die Abbildungen (Filmfotos, Porträts, Zeitungsanzeigen, Plakate, spezielle Werbemaßnahmen) sind brillant. Ein wichtiger Band zur Geschichte des frühen Kinos. Cover-Abbildung: Plakatausschnitt DER TOD IN SEVILLA (1913). Mehr zum Buch: srch&ID=161 .

Kinematographisches Handeln

Bild 1Der Filmemacher und Medienwissen-schaftler Rainer Bellenbaum reflektiert zunächst philosophisch und filmhistorisch die kinematografischen Handlungsmodelle in der Frühzeit; da geht es vor allem um die Brüder Lumière, Edwin S. Porter und David W. Griffith. Als philosophische Stützpfeiler dienen Hannah Arendt, Jacques Lacan und Jürgen Habermas. Im zweiten Kapitel werden die Produktionsmittel durchdacht; dafür sind ihm Hans Richter, Viking Eggeling, Fernand Léger, Man Ray, Germaine Dulac, Luis Bunuel, Dziga Vertow und Marcel Duchamp die wichtigsten Protagonisten. Philosophische Schützenhilfe kommt von Henri Bergson und Gilles Deleuze. Das dritte Kapitel heißt „Film als Aktivität“. Schauplatz ist hier zunächst die USA, die handelnden Personen sind Maya Deren, Joseph Cornell, Stan Brakhage, Andy Warhol und Jonas Mekas, dann geht es über Kanada (Michael Snow) nach Europa, zu Michelangelo Antonioni, Jean-Luc Godard und Lars von Trier. Im vierten Kapitel, „Migrationen des Kinematografischen“, schließt sich der Gedankenkreis des Autors. Das Kino ist nicht mehr der wichtigste Ort des kinematografischen Handelns, sondern das Museum, der Ort für Ausstellungen. Hauptdarsteller sind nun Harun Farocki, Maurizio Lazzarato, Angela Melitopoulps, Omer Fast und Yael Bartana. 18 gut ausgewählte Abbildungen. Mehr zum Buch: k-handeln/index.html

Herbert Linder

2013.LinderEr hat kluge, differenzierte Texte zum Thema Film geschrieben, die noch immer lesenswert sind. Sie erschienen ab 1964 in der Zeitschrift Filmkritik, ab 1967 in der Süddeutschen Zeitung, ab 1968 im Zürcher Tages-Anzeiger. Er galt als sehr intelligent, aber streitsüchtig. Persönlich habe ich ihn nicht kennen gelernt. Herbert Linder (1941-2000) ist der 17. Band der Reihe „Film & Schrift“ gewidmet. Die Hommage von Stefan Flach ist als fiktiver Dialog zweier „Nachgeborener“ gestaltet, die sich über die „Ästhetische Linke“ Gedanken machen. Rolf Aurich hat sich auf das Jahr 1972 konzentriert, ausgehend von einem Themenheft der Filmkritik zu Leni Riefenstahl (Redaktion: Herbert Linder und Herman Weigel). Er fördert sehr widersprüchliche Meinungen über Linder zutage. Die „Zeittafel“, hervorragend recherchiert, listet die sehr komplexen Tätigkeiten Linders in den 1960er und frühen 70er Jahren auf. 1971 wanderte er nach Amerika (N.Y.) aus, gab zwei Nummern der Zeitschrift Filmhefte heraus und betrieb in den folgenden Jahren ein Antiquariat für Filmliteratur, Fotografie und Architektur. Das Buch dokumentiert 31 Texte, darunter den phänomenalen Essay über Max Ophüls, „Die Lust am Sehen“, publiziert in der Filmkritik im Mai 1967. Und man kann viele Entdeckungen machen. Ich kannte zum Beispiel nicht seine Überlegungen zu den Marx-Brothers aus dem Tages-Anzeiger (1969) und hatte seine Assoziationen zu Amerika in der Filmkritik (April 1971) schlicht vergessen. Die beigefügte DVD enthält den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen Raimund Koplin und Herbert Linder aus dem Frühjahr 1969.  Mehr zum Buch auf der neuen Homepage des Verlages edition text + kritik: UxBV2xxiBgs