Filmstadt Potsdam

2013.PotsdamPotsdam: das sind Schloss Sanssouci und die Erinnerungen an eine preußische Monarchie, der neue Landtag und die Regierung von Brandenburg. Zu Potsdam gehört Babelsberg mit den alten, modernisierten Filmstudios (sie schreiben gerade wieder schwarze Zahlen), der Marlene-Dietrich-Allee und dem Billy-Wilder-Platz, der HFF Konrad Wolf, dem Filmpark, dem RBB, dem Medienboard Berlin-Brandenburg. Das vorliegende Buch konzentriert sich auf die „Filmstadt Potsdam“ selbst, auf Drehorte, Prominenten-Villen, Parks und Schlösser. Es ist ein Wegweiser durch die Stadt und durch die Filmgeschichte, soweit sie sich konkret mit Potsdam verbindet. 25  Filme werden ausführlich dargestellt, 113 sind am Ende aufgelistet, beginnend mit dem FILM VON DER KÖNIGIN LUISE (1913) von Franz Porten, endend mit THE MONUMENT MEN (2013) von George Clooney. Der gut zu lesende Text ist das Ergebnis einer genauen Recherche, hat eine Haltung zu den Filmen und ist in der Summe natürlich eine Liebeserklärung an die Region. Die HFF, das Filmstudio und das Potsdamer Filmmuseum werden dabei nicht vergessen. Titelbild: Am Set von FRIDERICUS REX (1923). Mehr zum Buch: filmstadt-potsdam–drehorte-und-geschichten.php

Digitale Filmrestaurierung

2013.Work:s in progressIm September 2011 fand in der Österrei-chischen Filmgalerie in Krems ein inter-nationales Symposium zur digitalen Film-restaurierung statt (filmrestaurierung ). In einer sehr lesenswerten Dokumentation der Synema Publikationen sind die Beiträge des Symposiums jetzt veröffentlicht worden. Die Eröffnungsreden von Alexander Horwath (Österreichisches Filmmuseum) und Thomas Ballhausen (Filmarchiv Austria) führen bereits ins Zentrum des Themas. Vier Beiträge – von Paolo Cherchi Usai, David Walsh, Martin Koerber und Thomas C. Christen-sen – bilden so etwas wie einen theoretischen Rahmen. Fumiko Tsuneishi, Simona Monizza, Reto Kromer, Matteo Lepore/Raoul Schmidt und eine Gruppe um Peter Schallauer vermitteln eher generelle praktische Erkenntnisse. In fünf Beiträgen geht es um Fallstudien zu einzelnen Filmen: BEYOND THE ROCKS (1922) von Sam Wood (hierüber berichtet Giovanni Fossati), DAS EINKÜCHEN-HAUS (1923) von Leopold Niernberger (Dobringer/Stöger/Wratschko), METROPOLIS (1926/27) von Fritz Lang (Anke Wilkening), DER LEBENDE LEICHNAM (1929) von Fedor Ozep (Oliver Hanley/Adriana Noviello) und AMERICAN DREAMS (1984) von James Benning (Matteo Lepore). Mit vielen signifikanten Abbildungen. Gerade in der aktuellen Diskussion um den Erhalt des Filmerbes auch in digitaler Form ist dieses Buch konkrete Basisliteratur. Mehr zum Buch: film_restoration_within_archives

DAS CABINET DES DR. CALIGARI (1920)

9781844576494Noch ein Buch aus der Reihe der „BFI Film Classics“, es gehört auch zu den kürzlich publizierten Gothic-Bänden, allerdings handelt es sich hier nur um eine überarbeitete Neuauflage. David Robinsons Einführung in DAS CABINET DES DR. CALIGARI von Robert Wiene erschien erstmals 1997, sie wurde von ihm jetzt etwas aktualisiert. Robinson beschreibt die Entstehung des Films, analysiert Inhalt und Form, stellt den Film in den Kontext der Zeit und skizziert sein Nachleben. In einem Appendix stellt er das Drehbuch und den fertigen Film gegenüber. Man darf das kleine Buch natürlich nicht mit Olaf Brills voluminösem „CALIGARI-Komplex“ (2012, siehe: der-caligari-komplex/ ) vergleichen, aber als erster Wegweiser im CALIGARI-Labyrinth ist es hilfreich. Gut ausgewählte Abbildungen. Das Cover wurde von Ben Goodman gestaltet, es gefällt mir wesentlich besser als das NOSFERATU-Cover. Mehr zum Buch: info_27159.html – Am 9. Februar präsentiert die Berlinale in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung erstmals die digital restaurierte Fassung des CABINET DES CALIGARI in der Berliner Philharmonie. John Zorn, Muliti-Instrumentalist aus New York, wird die Aufführung an der Orgel begleiten. Mehr dazu: 20308.html . Auf Arte ist das am 12. Februar zu sehen.

NOSFERATU (1922)

2014.NosferatuDie Buchreihe „BFI Film Classics“, herausgegeben vom British Film Institute, gibt es seit mehr als zwanzig Jahren. Sie ist nicht nummeriert, es gibt (gefühlt) inzwischen bestimmt 200 Bände. Das sind jeweils Einführungen, Analysen und Würdigungen internationaler Filmklassiker, verfasst von renommierten Filmhistorikern. Jüngst erschienen acht neue Bände in einer Spezialedition zum Gothic-Genre, darunter auch eine Einführung in Friedrich Wilhelm Murnaus NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS. Der Autor Kevin Jackson (*1955) ist Filmemacher und Publizist. Seine Analyse der Bram Stoker-Verfilmung ist sachkundig und genau, geht präzise auf einzelne Einstellungen und Sequenzen ein und vergleicht sie auch mit dem (erhaltenen) Script. Vier Kapitel rahmen den Hauptteil ein: Contexts / Production / Release, Reactions, Reputation / Afterlives. Alles gut recherchiert. Die Abbildungen sind hervorragend auch in den farblichen Nuancen (es handelt sich weitgehend um viragierte Nachtaufnahmen). Nur die Umschlagabbildung, entworfen von der Künstlerin Julia Soboleva, missfällt mir, weil sie nichts von der großartigen Kameraarbeit von Fritz Arno Wagner spüren lässt. Mehr zum Buch: info_27160.html

Wolfgang Staudte

2014.StaudteEr war einer der wichtigsten deutschen Regisseure in den 1940er, 50er und 60er Jahren. Heute vor dreißig Jahren ist er bei Dreharbeiten in Slowenien gestorben. Wolfgang Staudte war ursprünglich Schauspieler und wechselte, als er Mitte Dreißig war, zur Regie. Sein bekanntester Film entstand 1946: DIE MÖRDER SIND UNTER UNS mit Hildegard Knef (Cover-Foto auf der DVD-Box). Bis Mitte der Fünfziger arbeitete er bei der DEFA in Babelsberg, wir erinnern uns an ROTATION (1948), DER UNTERTAN (1951), DIE GESCHICHTE VOM KLEINEN MUCK (1953). 1955 verließ er das DEFA-Studio und drehte alle folgenden Filme in der Bundesrepublik. Die Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit blieb eines seiner Themen. Er wechselte häufig die Genres, drehte Dramen, Komödien, Literaturverfilmungen. Zu seinen wichtigsten Filmen rechnet man bis heute ROSEN FÜR DEN STAATSANWALT (1959), KIRMES (1960) DER LETZTE ZEUGE (1960) und HERRENPARTIE (1963). Alle bisher genannten Filme gibt es inzwischen auf DVD. Ein unterschätzter Film von Staudte ist aus meiner Sicht ROSE BERND (1956) mit Maria Schell und Curd Jürgens. Er ist leider nicht verfügbar. Auch seinen letzten Kinofilm, ZWISCHENGLEIS (1978), mit Mel Ferrer und Pola Kinski vermisse ich im DVD-Angebot. In den 1970er und 80er Jahren arbeitete Staudte für ARD und ZDF, allein sechs „Tatorte“ gehen auf sein Konto. 1991 wurde Staudte in der „Edition Filme“ mit einer Monografie gewürdigt.

Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen

2014.Dt-franz.K-Bez.In den deutsch-französischen Kulturbeziehungen spielt der Film keine geringe Rolle. In dem im vergangenen Jahr erschienenen Lexikon sind ihm immerhin dreißig Texte gewidmet. Es geht dabei um Personen, Filme und Themen. Ich nenne 14 Namen: Patrice Chéreau, Marlene Dietrich, Lotte H. Eisner, Rainer Werner Fassbinder, Michael Haneke, Max Ophüls, Volker Schlöndorff, Romy Schneider, Hanna Schygulla, Werner Schroeter, Jean-Marie Straub und Danièle Hulliet, Georg Stefan Troller, Wim Wenders; drei Filme: LES ENFANTS DU PARADIS von Marcel Carné, NUIT ET BRUILLARD von Alain Resnais, SHOAH von Claude Lanzmann; sechs Themen: Arte, Berliner Schule, Deutsch-französische Filmakademie, französische Filme über den Zweiten Weltkrieg, Neuer Deutscher Film, Nouvelle Vague. Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, hat ein kurzes Geleitwort beigesteuert. Von den Herausgebern (Nicole Colin, Corine Defrance, Ulrich Pfeil und Joachim Umlauf) stammt nicht nur die Einleitung, sie sind auch mit drei eigenständigen Texten über die deutsch-französischen Kulturbeziehungen nach 1945, über Frankreich und die deutsch-deutsche Kultur-Konkurrenz im Kalten Krieg und über Akteure im deutsch-französischen champ culturel präsent. Insgesamt enthält das Lexikon rund 300 Artikel von 140 Autorinnen und Autoren. Natürlich hat man sofort Vorschläge für eine erweiterte zweite Auflage parat. Wichtiger aber ist, dass hier zum ersten Mal eine seriöse Basis für das breite Spektrum all dessen erarbeitet wurde, was Deutschland und Frankreich kulturell verbindet und unterscheidet. Eine sehr anregende Lektüre. Mehr zum Buch: kulturbeziehungen-nach-1945.html

Hollywood 1939

2014.Majestic Hollywood75 Jahre trennen uns inzwischen von 1939. Das Jahr war in Europa überschattet vom Kriegsbeginn. Und es gilt als Traumjahr des Hollywoodkinos. Der Fotograf und Autor Mark A. Vieira erinnert mit seinem Buch „Majestic Hollywood“ an fünfzig Klassiker des Jahres, geordnet nach den Premierendaten, beginnend mit SON OF FRANKENSTEIN von Rowland V. Lee (13.1.), endend mit GONE WITH THE WIND von Victor Fleming (28.12.). Allein drei Filme von John Ford wurden damals uraufgeführt: STAGECOACH (März), YOUNG MR. LINCOLN (Juni) und DRUMS ALONG THE MOHAWK (November). Howard Hawks war mit ONLY ANGELS HAVE WINGS vertreten, Ernst Lubitsch mit NINOTCHKA, Frank Capra mit MR. SMITH GOES TO WASHINGTON, William Wyler mit WUTHERING HEIGHTS, George Cukor mit THE WOMEN, Raoul Walsh mit THE ROARING TWENTIES, Michael Curtiz mit DODGE CITY und THE PRIVATE LIVES OF ELIZABETH AND ESSEX, Cecil B. DeMille mit UNION PACIFIC – die Liste ließe sich mühelos fortsetzen. Im Mai hatte der erste wichtige Anti-Hitler-Film CONFESSIONS OF A NAZI SPY von Anatole Litvak Premiere und im August das wunderbare Musical THE WIZARD OF OZ von Victor Fleming. Acht Oscars gingen im Februar 1940 an GONE WITH THE WIND. Vieira stellt die Filme auf jeweils vier bis sechs Seiten mit großen Fotos vor und kommentiert sie mit Produktionsnotizen. Mehr zum Buch auf dem Blog „Classic Movies“: majestic-hollywood-greatest.html

Hollywood reloaded

2013.Hollywood reloadedGenrefilme aus Hollywood haben sich in den letzten Jahren wieder mehr geöffnet und hybridisiert. Die Herausgeber des Bandes sehen das als Wellenentwicklung und belegen dies mit elf Beiträgen vorwiegend zu Genrefilmen nach der Jahrtausend-wende. Rayd Khouloki analysiert in diesem Zusammenhang den Western BROKEBACK MOUNTAIN (2005) von Ang Lee. Daniel Illger schreibt über die Entwicklung des Vampirfilms (mit Definition und Ahnengalerie) und konstatiert erstaunliche Veränderungen in der Stimmung und den Lichtverhält-nissen zum Beispiel in der TWILIGHT-Saga („Strahlende Schwärze“). Sarah-Mai Dang stellt drei Filme in den Mittelpunkt ihres Essays über den neueren „Women’s Film“: EMMA (1996) von Douglas McGrath, LEGALLY BLONDE (2001) von Robert Luketic und MARIE ANTOINETTE (2006) von Sofia Coppola. Wieland Schwanebeck bewertet Martin Scorseses Gangsterfilm THE DEPARTED (2006) als „Tragödie der Männlichkeit“. Die vier Texte haben die Kapitel-überschrift „Gender und Genre“. Die Beiträge von Oliver Schmidt („Lebensgefühl und ästhetische Erfahrung im Post-9/11-Cinema und im smarten Liebesfilm“), Benjamin Moldenhauer („Zur Schwierigkeit, ein Genre zu definieren“) und Katja Hettich („Zum Wert von Genre-Neologismen und zu einem Trend in ‚Indiewood’“) sind den „Theoretischen Perspektiven“ zugeordnet. Etwas aus dem zeitlichen Rahmen fällt Ralf Michael Fischers beeindruckende Analyse von Anthony Manns Noir-Western DEVIL’S DOORWAY (1950), während Michael Lück mit seinem Text „Mystery, Crime, Thriller“ die 2000er Jahre im Blick behält. Markus Kuhn (über die Webserie „Prom Queen“) und Sarah Schaschek (über die Serialität in der Online-Pornografie) sind für intermediale Transformationen zuständig. Viel Bedenkenswertes zum Genrekino. Band 5 der „Schriftenreihe zur Textualität des Films“. Mehr zum Buch: hollywood-reloaded.html

WEISSENSEE

2013.WeissenseeAlle reden von amerikanischen Serien: von HOUSE OF CARDS, HOMELAND, BREAKING BAD, DEXTER, PERSON OF INTER-EST, BOARDWALK EMPIRE und 100 anderen, die zurzeit angesagt sind. Manche scheinen süchtig danach zu sein. (Mehr darüber auf www.serienjunkies.de .) Da fühlt man sich mit dem Hinweis auf eine deutsche Serie fast als Außenseiter. Aber mir hat die Serie WEISSENSEE (erste Staffel: 2010, zweite Staffel: 2013, jeweils sechs Folgen à 50 Minuten) gut gefallen. Und so ganz allein stehe ich da nicht. Es geht um zwei miteinander verwobene Familiengeschichte, um die 1980er Jahre in Ostberlin, um Systemtreue, Stasi und Opposition. Die Drehbuchautorin Annette Hess und der Regisseur Friedemann Fromm kommen aus dem Westen. Dennoch wirkt alles sehr authentisch. Es sind vor allem die Schauspieler, die zur Attraktion beitragen: Florian Lukas, Stephan Grossmann, Uwe Kockisch, Katrin Sass, Jörg Hartmann und Hannah Herzsprung, die leider in der zweiten Staffel sterben muss. Eine dritte Staffel ist in Arbeit. Produziert von Regina Ziegler. Mehr zur Serie: serie/weissensee/index.html

Das politisierte Kino

2013.Politisiertes KinoEine überarbeitete und leicht gekürzte Dissertation der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz. Marcus Lange untersucht die ideologische Selbstinszenierung im „Dritten Reich“ und in der DDR. Sein Material: 29 Spielfilme und acht Kurz- und Dokumentarfilme aus der NS-Zeit, 24 Spielfilme und zehn Kurz- und Dokumentar-filme aus der SBZ/DDR. Das Buch lebt von Auflistungen, Kategorisierungen und Typisierungen. Die beiden Hauptteile heißen „Politisches Deutungsmuster der Revolution, politischer Messianismus und politischer Manichäismus“ und „Politisches Deutungsmuster der innerweltlichen Ekklesia“. Die Kreuz- und Querbezüge zwischen NS-Film und DDR-Film geben dem Buch eine Rasanz, die die Lektüre nicht gerade leicht macht. Mehr als 1.000 Zitate muss der Leser bewältigen, und wer die analysierten Filme kennt, wünscht sich manchmal etwas mehr Ruhe und konkrete Beschreibung. Andererseits ist die Materialfülle beeindruckend, sind die Zuordnungen korrekt, und am Ende gibt es acht Thesen und eine Reihe offener Fragen. Das Buch wird dominiert von Anführungszeichen: Filmtitel, Begriffe, Zitate. Das ist der Preis für einen großen Fleiß. Keine Abbildungen (das schreibe ich ohne Vorwurf). Mehr zum Buch: das-politisierte-kino.html