Twist Endings

2014.Twist EndingsEine Dissertation aus Kiel. Willem Strank hat sich in die Geschichte jener Film-Enden vertieft, die den gesamten Film zum Schluss durch eine oder mehrere Informationen umdeuten und die Zuschauer damit überraschen. Ein Musterbeispiel ist der Film THE SIXTH SENSE (1999). In der Kommentierten Filmografie am Ende des Buches gibt es 448 Titel, die der Autor unter den Kategorien „Twist Endings“ oder „Surprise Endings“, als Sonderfälle oder Grenzfälle einstuft, 146 davon definitiv als Twist Endings. In den letzten Jahren ist ihre Zahl steigend. In der Dissertation von Thomas Christen („Das Ende im Spielfilm, Schüren 2001) kommt das Twist Ending noch gar nicht vor. Willem Strank schafft zunächst die theoretischen Grundlagen des Begriffs und schildert die historische Entwicklung an acht Beispielen, darunter DAS CABINET DES DR. CALIGARI, DEAD OF THE NIGHT, LES DIABOLIQUES, THE SIXTH SENSE und SHUTTER ISLAND. Sein umfangreichstes Kapitel ist den Typen des Twist Endings gewidmet. Er unterscheidet zwischen „Wake-up Twist“ (zum Beispiel in JACOB’S LADDER von Adrian Lyne), „Set-up Twist“ (THE GAME von David Fincher), „Perziptivem Twist“ (THE OTHERS von Alejandro Amenábar) und „Narrativem Twist“ (THE VILLAGE von M. Night Shyamalan). Natürlich gibt es auch Mischformen und Sonderformen, Grenzgänge und erzählerische Varianten. Bei seinen Recherchen hat der Autor über 3.000 Titel geprüft und über 400 Filme gesichtet. Man spürt beim Lesen seine Fähigkeit, konkret zu erzählen, Bilder zu beschreiben, Handlungen zu komprimieren und an Protagonisten fest zu machen. Das gelingt ihm sogar am theoretisierenden Schluss, als es um „Twist Ending als intertextuelles Phänomen“ geht – und er die drei filmischen Adaptionen von Ambros Bierce’ „An Occurence at Owl Creek Bridge“ (Regie: Charles Vidor, Robert Stevenson, Robert Enrico) beispielhaft analysiert. Und niemand wird nach Lektüre des Buches annehmen, dass der Autor generell nur an den Enden der Filme interessiert ist. Coverfoto: SHUTTER ISLAND. Mehr zum Buch: twist-endings.html

Abbas Kiarostami

2014.KiarostamiEr gehört zu meinen Lieblings-regisseuren, seitdem ich 1990 auf dem Münchner Filmfest WO IST DAS HAUS MEINES FREUNDES? gesehen habe. 2003 haben wir ihm (Jury: Barbara Klemm, HHP, Jan Schütte) in der Akademie der Künste den Konrad-Wolf-Preis verliehen. Die Laudatio hielt damals Wolfram Schütte. Jetzt ist im Schüren Verlag als Band 50 der „Marburger Schriften zur Medienforschung“ ein Buch über den iranischen Regisseur Abbas Kiarostami (*1940) erschienen, herausgegeben von Silke von Berswordt-Wallrabe und Oliver Fahle. Es basiert auf einer Konferenz, die im November 2012 in Bochum stattgefunden hat. Sieben Texte analysieren aus unterschiedlichen Perspektiven Aspekte seines Werkes. Pedram Sadough verortet Kiarostami im Neuen Iranischen Kino, Lorenz Engell konzentriert sich auf den Film QUER DURCH DEN OLIVENHAIN, Oliver Fahle beschreibt das Dokumentarische in CLOSE-UP, Ursula Frohne reflektiert über Zeitsemantiken in DER WIND WIRD UNS TRAGEN, Silke von Berswordt-Wallrabe stellt die Verbindungen von Fotografie und Film in Kiarostamis Werk her, auch bei Annette Urban geht es um die das Fotografische mit der Erweiterung um die zeitgenössischen Konzept- und Videokunst, François Fronty analysiert die Ellipsen in Kiarostamis bisher letztem Film LIKE SOMEONE IN LOVE. Der Band wird abgeschlossen mit einem interessanten Gespräch, das Bert Rebhandl mit dem Regisseur geführt hat, fokussiert auf die Filme COPIE CONFORME und LIKE SOMEONE IN LOVE, gefolgt von einigen Nachgedanken des Autors Rebhandl. Mit diesem Buch ist ein Anfang gemacht, das Werk Kiarostamis auch für die Interessenten in unserem Land zu erschließen. Coverfoto von Abbas Kiarostami aus der Werkgruppe Rain and Wind. Mehr zum Buch: die-erzeugung-von-sichtbarkeit.html

Film im Kalten Krieg

2014.KKIm Goethe-Institut in Paris wird heute das Buch „Der deutsche Film im Kalten Krieg“ präsentiert, das Christin Niemeyer und Ulrich Pfeil herausgegeben haben. Von mir stammt das Vorwort, und ich nehme an dem Gespräch teil. Das Thema ist mir seit der Berlinale-Retrospektive 1991 vertraut. – Ulrich Pfeil, Historiker an der Universität Metz, hat eine sehr informative Einführung verfasst. In drei Kapiteln sind insgesamt 16 Texte zu lesen, beginnend mit Henrike Zentgrafs Hinweisen auf die Filme über die Nürnberger Prozesse, die in Ost und West ganz unterschiedliche Akzente setzten. Thomas F. Schneider schreibt über G. W. Pabsts DER LETZTE AKT (1955) als pazifistische Positionierung im Kalten Krieg. Jens Liebich beschäftigt sich mit dem DEFA-Spionagefilm FOR EYES ONLY (STRENG GEHEIM) von János Veiczi (1963), Kathrin Nachtigall analysiert Szenen und Räume in dem zweiteiligen ERNST THÄLMANN-Film von Kurt Maetzig (1954/55), Václav Smidrkal referiert über das Filmstudio der Nationalen Volksarmee, und Christin Niemeyer informiert über Produktionshintergründe bei DEFA-Märchenfilmen, speziell bei DORNRÖSCHEN von Walter Beck (1970). Die sechs Texte stehen unter der Kapitelüberschrift „Zwischen Propaganda, Ideologieproduktion und politischer Ästhetik“. Es folgen vier Texte zum Thema „Teilung und Mauer im Film“. Christoph Classen erinnert an den Kalten Krieg in Spielfilmen und Fernsehfilmen der frühen Bundesrepubik, Matthias Steinle sieht „Die Mauer als filmischen Glücksfall“ in westdeutschen Produktionen, bei Diane Barbe geht es um die Mauer aus westlicher und östlicher Sicht, Karsten Forbrig konzentriert sich auf den späten DEFA-Film DIE ARCHITEKTEN von Peter Kahane (1989/90). Das dritte Kapitel heißt „Filmbeziehungen über den Eisernen Vorhang hinweg“ und enthält noch einmal sechs Texte. Dario Marchiori stellt die Aufbrüche im westdeutschen Film nach dem Oberhausener Manifest zur Diskussion, Andreas Kötzing berichtet über die Teinahme der DDR an den Westdeutschen Kurzfilmtagen in Oberhausen in den 1950er Jahren, Caroline Moine informiert über den Umgang mit kubanischen Filmen in Europa in den 1970er Jahren, Perrine Val beschäftigt sich mit der Rezeption der Chile-Filme des DDR-Studios H & S in Frankreich, Maria Fritsche positioniert das österreichische Nachkriegskino im Kalten Krieg der Jahre 1946 bis 1955, und Corine Defrance hat das Privileg einer Konklusion. Nur der Text über die THÄLMANN-Filme enthält Abbildungen. Mehr zum Buch: ncordeid=574180

Henri Cartier-Bresson

2014.DVD.Cartier-BressonEr war einer der großen Fotografen des 20. Jahrhunderts, stilbildend in vieler Hinsicht, Mitbegründer der Fotoagentur Magnum, und er hatte ein langes Leben: geboren 1908, gestorben 2004. Pierre Assouline hat vor zwei Jahren für Arte einen Dokumentarfilm über Cartier-Bresson gedreht, jetzt gibt es bei Absolut Medien die DVD. Natürlich bilden die Fotos das Zentrum des Films, begleitet von einem Ich-Kommentar, der zunächst über die wichtigsten Lebensstationen informiert und dann eine persönliche Philosophie des Berufs entfaltet. Das sind Sätze wie: „Fotografieren heißt: den Kopf, das Auge und das Herz in eine Schusslinie zu bringen… Es ist eine Art zu leben… Es zählt nur der Augenblick… Meine Freiheit ist der Bildausschnitt…“ Cartier-Bresson wurde erst 1946 „Berufsfotograf“, aber er hatte schon seit 1930 fotografiert, geriet 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft und konnte erst nach drei Jahren fliehen. Er fuhr 1947/48 nach Indien und traf Ghandi kurz vor dessen Ermordung; er reiste 1949/50 nach China, als Mao Tse-tung die Volksrepublik ausrief. Er besuchte 1954 als einer der ersten westlichen Fotografen die Sowjetunion. Von all diesen Stationen zeigt der Film Fotos. Und es gibt Ausschnitte aus Filmen, die Cartier-Bresson gedreht hat: VICTOIRE DE LA VIE (1937), LE RETOUR (1945), SOUTHERN EXPOSURES und CALIFORNIA IMPRESSIONS (1970). Er war vor allem ein Meister der Reportage, fotografiert in Schwarzweiß, mit der Leica: Menschen, Ereignisse, auch Alltagssituationen, spezielle Gesten, Haltungen, Blicke, Symmetrien, vor allem geprägt vom Licht. Aber er liebte auch die Porträtfotografie, und der Film zeigt viele herausragende Aufnahmen von Dichtern, Malern, Politikern, Filmkünstlern. Diese Dokumentation ist das gelungene Porträt eines Jahrhundertfotografen. Mehr zur DVD: thema&list_item=53

Kastelau – ein Roman

2014.KastelauVor drei Jahren hat der Schweizer Autor Charles Lewinsky den Roman „Gerron“ publiziert, der einige Tage des Schauspielers Kurt Gerron im KZ und im persönlichen Rückblick auch sein Leben in fiktionaler Form rekapituliert. Auch Lewinskys neuer Roman „Kastelau“ ist ein fiktiver Blick in die deutsche Filmszene 1944/45. In einer raffinierten Montage erzählt er die Geschichte eines Filmteams, das aus dem bombenbedrohten Berlin in die Idylle des bayerischen Dorfes Kastelau reist, angeblich um dort den Film „Lied der Freiheit“ zu drehen, in Wahrheit, um das Kriegsende abzuwarten. Die Dorfidylle wird zum psychischen Kriegsschauplatz, am Ende wird der Drehbuchautor offenbar von einem Schauspieler erschossen. In einem Prolog erfahren wir, dass im Juni 2011 der amerikanische Filmforscher Samuel A. Saunders, nachdem er auf dem Hollywood Boulevard in L.A. den Stern des Schauspielers Arnie Walton beschädigt hatte, von der Polizei angeschossen wurde und an einem Herzinfarkt gestorben ist. Saunders hinterließ die Fragmente einer Dissertation. Thema dieser Dissertation war das Leben des Schauspielers Arnie Walton, der unter dem Namen Walter Arnold in Deutschland 13 Filme gedreht hatte – zuletzt wirkte er an dem Filmprojekt „Lied der Freiheit“ mit – , dann in die USA emigrierte und dort zum Star wurde. Saunders hatte bei seinen Recherchen herausgefunden, dass Arnold in Kastelau wohl den Drehbuchautor Walter Wagenknecht erschossen hat. Uns Lesern wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt: in der Form eines Interviews von Saunders mit der Schauspielerin Tiziana Adam, die zum Team in Kastelau gehörte, in Tagebucheintragungen des Drehbuchautors Wagenknecht, in Auszügen aus dem Manuskript von Saunders, in Drehbuchzitaten und verschiedenen anderen Dokumenten. Diese Montage liest sich spannend, die Einzelteile sind in ihrem jeweiligen Stil (insbesondere im Interview mit Tizi Adam) sehr prägnant, und der Blick zurück in die letzten Monate der Nazizeit ist erstaunlich informativ. – Natürlich erinnern wir uns daran, dass der Autor Erich Kästner die letzten Monate vor Kriegsende mit einem Filmteam in Mayrhofen in Tirol verbracht hat, um dort das Filmprojekt „Das falsche Gesicht“ zu realisieren. Darüber gibt es seine Tagebuchaufzeichnungen „Notabene 45“. Im Unterschied dazu sind Lewinskys Texte pure Fiktion. Mehr zum Buch: 978-3-312-00630-4/

Doris Dörrie

2014.DörrieDies ist die erste Publikation über die Autorin und Filmemacherin Doris Dörrie (*1955). Das klingt erstaunlich, denn ihre Filmografie, beginnend mit dem schönen Dokumentarfilm OB’S STÜRMT ODER SCHNEIT (1976), umfasst inzwischen 35 Titel und dazu gehören auch viele sehr erfolgreiche Filme. Fabienne Liptay hat als Herausgeberin das neueste Heft der „Film-Konzepte“ betreut, das sieben Texte und ein Gespräch enthält. Jörn Glasenapp schreibt über Regression in dem Film MÄNNER, Rudi Gaul über das Motiv der Nacktheit und das Ablegen des Kostüms in verschiedenen Filmen von Doris, Susanne Marschall über ihre Kunst, spirituelle Filme zu drehen (zum Beispiel ERLEUCHTUNG GARANTIERT und KIRSCHBLÜTEN – HANAMI), Stefan Keppler-Tasaki und Seiko Tasaki über Doris in Japan, Olga Havenetidis über die Milieustudie DIE FRISEUSE, Klaudia Wick über die Miniserie KLIMAWECHSEL und Katharina Eyssem über eine Studienreise mit Doris nach Bulgarien, in ein Dorf in Transsilvanien. Das sehr kluge Gespräch (Titel: „Die schwere Arbeit an den leichten Momenten“) führte die Herausgeberin Fabienne Liptay. Dazu: Biografie und Filmografie. Wieder ein gelungenes Heft der „Film-Konzepte“ und endlich die längst überfällige Würdigung von Doris Dörrie. Coverfoto: KIRSCHBLÜTEN – HANAMI. Mehr zum Heft: VCk26hyWFgs

Fred Zinnemann

2014.ZinnemannJudith E. Smyth ist Associate Professor of History and Comparative American Studies an der University of Warwick in Coventry, England. Sie hat sich über viele Jahre mit dem Werk von Fred Zinnemann (1907-1997) beschäftigt und fokussiert ihre Studie auf die Elemente des Widerstands, die sie in zahlreichen Filmen des Regisseurs und auch in seinem Leben entdeckt hat. Ihre Analysen basieren auf den Filmen selbst, aber auch auf Aufzeichnungen und Produktionsdokumenten, die sie auswerten konnte. Sie beginnt mit THE SEVENTH CROSS, der die Flucht von sieben Widerstandskämpfern aus einem Nazi-KZ schildert, von denen nur einer (gespielt von Spencer Tracy) ins Ausland entkommen kann, und schlägt einen Bogen zu THE DAY OF THE JACKAL, der einen Killer bei der Planung eines Anschlags auf den französischen Präsidenten de Gaulle beobachtet. Sehr präzise ist ihre Dokumentation der Arbeit an THE SEARCH, der die Suche eines tschechischen Jungen nach seiner Mutter im Nachkriegsdeutschland beschreibt. Ein großes Kapitel ist dem populärsten Zinnemann-Film HIGH NOON gewidmet: „The Un-American Western“. Hier, wie auch bei dem Armee-Film FROM HERE TO ETERNITY kommen viele Schwierigkeiten bei der Produktion zur Sprache, die bisher wenig bekannt waren. Eine wichtige Analyse gilt dem Film THE NUN’S STORY mit Audrey Hepburn, der die seelischen Konflikte einer Nonne mit der katholischen Kirche schildert. Eine Auseinandersetzung mit dem Franco-Regime war für den Regisseur der Film BEHOLD A PALE HORSE mit Gregory Peck als Widerstandskämpfer. Am umfangreichsten ist das Kapitel über JULIA nach einer Story von Lillian Hellman mit Jane Fonda und Vanessa Redgrave in den Hauptrollen. Es ist erstaunlich, wie eng die Autorin in ihrem Text historische und filmische Aspekte verknüpfen kann und darüber hinaus die Persönlichkeit des Regisseurs Fred Zinnemann in vielen Details zu würdigen weiß. Meine Bewunderung für ihn ist dadurch neu entflammt. Coverfoto: Zinnemann bei den Dreharbeiten zu THE SEARCH. Mehr zum Buch: ms.us/books/1664

Die DEFA: A Companion

2014.DefaIn 13 Kapiteln versuchen die Herausgeber Marc Silberman und Henning Wrage, die Geschichte des DEFA-Films, seiner Genres und Themen in einem breit gefächerten Rückblick zu erschließen. In ihrer Einleitung vermitteln sie die Basis für das Selbstverständnis des DDR-Films, der sich dezidiert in den Dienst eines neuen Gesellschaftssystems stellte und politisch kontrolliert wurde. Die künstlerische Freiheit, die sich Autoren und Regisseure herausnahmen, spielt in vielen Texten eine Rolle. So konzentriert sich das erste Kapitel, „Cinema und Socialist Modernity“, auf drei Filme: Slatan Dudows FRAUENSCHICKSALE (1952), Frank Beyers SPUR DER STEINE (1966) und Egon Günthers DER DRITTE (1972); Autor: Hunter Bivens. Manuel Köppen wählt für seinen Text „Emplotting Antifacism: Heroes, Scoundrels, Traitors“ fünf Filmbeispiele aus: Wolfgang Staudtes ROTATION (1949), Kurt Maetzigs zweiteiligen ERNST THÄLMANN (1954/55), Beyers FÜNF PATRONENHÜLSEN (1960), Rolf Römers HE, DU! (1970) und Roland Gräfs DIE FLUCHT (1977). Barton Byg, einer der großen Kenner des DDR-Films in den USA, beschäftigt sich mit „Divided Loyalties: Technocrats and the Working Class“, seine Beispiele sind Maetzigs DER RAT DER GÖTTER (1950), Achim Hübners Fernsehfilm DR. SCHLÜTER (1965), Konrad Wolfs DER GETEILTE HIMMEL (1964), Peter Kahanes DIE ARCHITEKTEN und Rainer Simons DIE BESTEIGUNG DES CHIMBORAZO (beide 1989). Die Künstlerfilme der DEFA waren ein besonders interessantes Genre. Seán Allan schreibt über Maetzigs ROMAN EINER JUNGEN EHE (1952), Ralf Kirstens DER VERLORENE ENGEL (1965), Konrad Wolfs GOYA (1971) und DER NACKTE MANN AUF DEM SPORTPLATZ (1974) und Horst Seemanns BEETHOVEN – TAGE AUS EINEM LEBEN (1976). Anke Pinkert bringt zum Thema „Familiy Feelings: Kinship, Gender and Social Utopia“ sehr viele Filme ins Spiel, etwas ausführlicher lässt sie auf Frank Vogels DAS SIEBENTE JAHR (1968) ein. Vier Kapitel sind dem Unterhaltungsfilm gewidmet. Stefan Soldovieri behandelt den DEFA-Musikfilm und geht sehr differenziert auf Hans Heinrichs MEINE FRAU MACHT MUSIK (1958) ein. Brad Prager analysiert speziell die Darstellung des Westens im DEFA-Kriminalfilm, zu seinen Beispielen gehören Werner Klinglers RAZZIA (1947), Gerhard Kleins ALARM IM ZIRKUS (1954), Hans-Joachim Kunerts SEILERGASSE 8 (1960) und Günter Scholz’ VERNEHMUNG DER ZEUGEN (1987). Bei Jaimey Fisher geht es um Science-fiction, Literaturverfilmung und Indianerfilme. Für jedes Genre gibt es ein Musterbeispiel: IM STAUB DER STERNE (1976) von Gottfried Kolditz, DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHERS (1976) von Egon Günther und DER SCOUT (1983) von Konrad Petzold. Sabine Hake, mit der deutschen Filmgeschichte bestens vertraut, setzt sich in ihrem Essay „Public Figures, Political Symbold, Famous Stars“ sehr differenziert mit dem sozialistischen Starsystem auseinander; ihre Protagonisten sind Erwin Geschonneck, Manfred Krug und Armin Mueller-Stahl. Die Verbindung zwischen der DEFA und dem osteuropäischen Kino thematisiert Larson Powell. Er konfrontiert den tschechoslowakischen Film DAS GESCHÄFT IN DER HAUPTSTRASSE (1965) von Ján Kadár und Elmar Klos mit Frank Beyers JAKOB DER LÜGNER (1975) und DER MANN AUS MARMOR (1977) von Andrzej Wajda mit Rainer Simons JADUP UND BOEL (1980/88). Auch dem DEFA-Kinderfilm ist natürlich ein eigenes Kapitel gewidmet. Benita Blessing schreibt über verschiedene Filme, am eindrucksvollsten über SABINE KLEIST, 7 JAHRE (1982) von Helmut Dziuba. Henning Wrage entdeckt die internationalen Einflüsse in DEFA-Filmen der 50er und 60er Jahre, die sich mit Problemen Jugendlicher beschäftigen, speziell BERLIN – ECKE SCHÖNHAUSER… (1957) von Gerhard Klein (Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase) und DENK BLOSS NICHT, ICH HEULE (1965) von Frank Vogel. Das letzte, für mich schwächste Kapitel ist dem Dokumentarfilm vorbehalten. Nick Hodgin konzentiert seinen Text auf Jürgen Böttcher (sehr gut dargestellt) und Kurt Tetzlaff; Volker Koepp und Winfried Junge werden nur beiläufig erwähnt. Das ist zu wenig für einen „Companion“. Die Qualitäten des Buches sind insgesamt beachtlich. Coverfoto: das Kino International zeigt DIE GLATZKOPFBANDE (1963). Mehr zum Buch: u9hdOQ&result=1

DER DRAUFGÄNGER

2014,DraufgängerEin früher Tonfilm von Richard Eichberg mit Hans Albers. Sie hatten zuvor mit dem GREIFER, einer Scotland-Yard-Geschichte, einen großen Erfolg verbucht (/der-greifer-1930/ ). DER DRAUF-GÄNGER (1931) ist für Albers ein Heimspiel. Als Hamburger Hafenpolizist ermittelt er im etwas verworrenen Fall eines Juwelendiebstahls, rettet ein junges Mädchen vor dem Ertrinken im Hafenbecken, das Mädchen wird anschließend entführt, er trifft sie wieder als Animierreiterin im Hippodrom, verliebt sich in sie, muss aber feststellen, dass sie in den Diebstahl verwickelt ist – und es braucht seine Zeit, bis er ihre Unschuld erkennt und den Gangster, der für alles verantwortlich ist, unschädlich macht. Die Story wirkt flott inszeniert, vor allem weil die Schauspieler auf hohem Niveau agieren. Albers ist ganz in seinem Element und kämpft bis ins spannende Finale, Sigurd Lohde spielt einen reichen Amerikaner, Gerda Maurus ist seine Freundin, Leonard Steckel der Inhaber des Hippodroms und Ernst-Stahl-Nachbaur der Gangster George Brown. Wunderbar: Martha Eggerth als Animierreiterin Trude. Es war einer ihrer ersten Filme, sie war gerade 19 Jahre alt und hat anschließend als Schauspielerin, Operettensängerin und Partnerin von Jan Kipura Karriere gemacht. Sie ging 1938 von Wien aus ins Exil nach New York und wurde 101 Jahre alt. (Eine persönliche Erinnerung: wir haben sie 1996 in der Nähe von New York besucht und ihren Charme bewundert.) – Wie schön, dass es den DRAUFGÄNGER jetzt bei den „Filmjuwelen“ als DVD gibt. Das Booklet von Friedemann Beyer ist, wie immer, sehr informativ. Mehr zur DVD: B00G3PQ2IU .

30 Jahre „MEDIENwissenschaft: Rezensionen“

mewi02-03_14-goldEin Jubiläum ist zu feiern: seit dreißig Jahren gibt es die Zeitschrift MEDIENwissenschaft: Rezensionen. Sie wurde von Thomas Koebner und Karl Riha gegründet, erschien anfangs im Niemeyer-Verlag, wechselte nach zehn Jahren zum Schüren-Verlag und wird inzwischen von Malte Hagener, Angela Krewani, Burkhard Röwekamp, Jens Ruchatz, Yvonne Zimmermann (alle Marburg) und Karl Riha (Siegen) herausgegeben. Ich weiß nicht, wie hoch die Auflage in der frühen Zeit war, inzwischen liegt sie bei 600 Exemplaren. Zum Jubiläum ist jetzt eine Doppelnummer erschienen, die mit zehn Beiträgen zur Geschichte der Zeitschrift beginnt. Jürgen Felix erinnert sich an die Anfangsjahre als Redakteur, Joachim Fleing (früher: Schmitt-Sasse) reflektiert über die Veränderungen von Plattformen in drei Jahrzehnten, Heinz-B. Heller denkt zurück an seine ersten Rezensionen und die Zeit als Mitherausgeber, die aktuellen Herausgeber aus Marburg versuchen einen Rückblick und Ausblick, das Redaktionsteam von 2013 (Karin Kirsten und Carlo Thielmann) gibt einen Erfahrungsbericht, Karl Prümm sendet einen Geburtstagsgruß und begründet, warum die Zeitschrift weiterhin gebraucht wird, Karl Riha, in den meisten Heften mit einem „Fundstück“ vertreten, erinnert sich sehr persönlich an die Gründungsgeschichte, die Verlegerin Annette Schüren argumentiert, warum eine Printausgabe der Zeitschrift auch weiterhin notwendig ist, Sven Stollfuß und Philipp Blum, Redakteure von 2009 bis 2011, vermitteln ihrerseits persönliche Arbeitserfahrungen, und Hans J. Wulff macht sich zusammen mit Ludger Kaczmarek generelle Gedanken über wissenschaftliches Rezensieren. Dann beginnen die gewohnten Besprechungen und Hinweise. Ganz am Ende gibt es ein spezielles Fundstück: zwei Fotos von der Feier der Erstausgabe mit dem Redakteur Joachim Schmitt-Sasse und der Stud. Hilfskraft Barbara Helfer, dem Herausgeber Thomas Koebner und der Sekretärin Elisabeth Faulstich. Hoffen wir also auf die Zukunft der Zeitschrift in den nächsten zehn Jahren. Mehr zur Zeitschrift: 0002/index