Fünf Fälle des Kommissars Rath

2015.Kutscher5Ich habe den Autor Volker Kutscher sehr spät entdeckt, aber die fünf Romane „Der nasse Fisch“, „Der stumme Tod“, „Goldstein“, „Die Akte Vater-land“ und „Märzgefallene“ jetzt hintereinander gelesen und bin beeindruckt, wie gut sich hier das Berlin der Jahre 1929 bis 1933 mit spannend erzählten Kriminalfällen verbindet. Die Hauptfigur, Kommissar Gereon Rath, kommt aus Köln, ist ein Individualist, der gern eigene Wege geht, arbeitet zunächst im Sittendezernat, dann in der Mordinspektion des Polizei-präsidiums, hat sympathische Vorgesetzte (den Buddha Ernst Gennat an der Spitze der Abteilung) und unsympathische (den Oberkommissar Wilhelm Böhm), verliebt sich in die Stenotypistin „Charly“ Ritter, die später Jura studiert und dann Kommissaranwärterin wird, und ermittelt in verschiedenen Mordfällen, die viel mit der deutschen Vergangenheit zu tun haben und komplizierter sind als alle erwarten. Rath, der ein heimliches Bündnis mit dem Unterweltboss Johann Marlow eingegangen ist und eine Zweckverbindung mit dem Journalisten Berthold Weinert pflegt, scheut bei seinen Ermittlungen keine Risiken, gerät mehrfach in persönliche Schwierigkeiten, streitet sich häufig mit Charly, fährt gern mit seinem Buick durch die Stadt, trinkt mehr als ihm gut tut und muss immer dafür sorgen, dass der Hund Kirie versorgt ist, dessen Besitzer ermordet wurde. Die vielen Wechsel im Kreis der Kollegen, der Vorgesetzten und Untergebenen, lasse ich mal beiseite, sie sorgen für persönliche Spannungen in allen fünf Bänden.

2015.Kutscher2Im zweiten Fall, „Der stumme Tod“ (er spielt im Jahr 1930), geht es dezidiert ums Thema Kino, um den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm, um die Konkurrenz zwischen Produktionsfirmen, um Schauspielerinnen, die ihre Stimmbänder verlieren, weil ein Serientäter ihnen nachstellt. Das ist vom Autor erstaunlich gut recherchiert, bringt technische Aspekte mit Publikums-wahrnehmungen in Verbindung und bleibt seinem Anspruch, Zeitgeschichte spannend zu erzählen, treu. Der dritte Band, „Goldstein“, die Erlebnisse des amerikanischen Gangsters ‚Abe‘ Goldstein in Berlin, hat mir bisher am besten gefallen. Auch hier werden verschiedene Geschichten miteinander verknüpft, und eine besondere Rolle spielt das obdachlose Mädchen Alexandra. Natürlich wird der Antisemitismus jener Jahre thematisiert, auch die Konflikte zwischen Nazis und Kommunisten spitzen sich immer wieder zu. Während Gereon Roth sich als Ermittler positioniert und politisch neutral bleiben will, engagiert sich Charly gegen die Nazis. Deren Machtübernahme 1933 (ein Thema des fünften Bandes, „Märzgefallene“) macht sie so krank, dass sie sich aus dem Kommissariat verabschiedet. Aber sie heiratet dann doch ihren Gereon, auch wenn sich die beiden viel streiten. Die Serie ist noch nicht zu Ende. Kutscher arbeitet am sechsten Band. Und Tom Tykwer bereitet die Verfilmung als Serie für die ARD und SKY vor. Sie hat den Arbeitstitel BABYLON BERLIN. Mehr zu den Büchern: www.gereonrath.de/die-buecher.html

„Filmblatt“

2015.FilmblattSeit über zwanzig Jahren gibt es den Verein „CineGraph Babelsberg“, er gibt inzwischen im 19. Jahrgang die Zeitschrift Filmblatt heraus, und gerade ist die Doppelnummer 55/56 erschienen, auf die ich besonders hinweisen möchte. Sechs Beiträge dokumentieren die jüngsten Veranstaltungen der Reihe „Wiederentdeckt“ und widmen sich relativ unbekannten Filmen der Weimarer Republik, darunter sind ALLES FÜR GELD von Reinhold Schünzel und FRÄULEIN RAFFKE von Richard Eichberg aus dem Inflationsjahr 1923 (kommentiert von Philipp Stiasny), DAS SOUPER UM MITTERNACHT (1921) von Hans Werckmeister (Text: Heiko Kreft), DER FAVORIT DER KÖNIGIN (1922) von Franz Seitz sen. (Text: Stefan Eickhoff), 1 + 1 = 3 (1927) von Felix Basch (Text: Nicholas Baer), INS BLAUE HINEIN (1930) von Eugen Schüfftan (Text: Frederik Lang), und Margret Heymann schreibt über das Filmschaffen des Theaterschauspielers Albert Steinrück. Unter der Rubrik „FilmDokumente“ gibt es einen sehr informativen Text von Fabian Tietke über die Filmarbeit von Christian Ziewer, Max Willutzki, Cristina Perincioli und Helga Reidemeister im Märkischen Viertel in den 1970er Jahren („Die Politisierung der Filmproduktion“), der für mich durch die enge Verbindung zur dffb auch persönlich interessant ist. In den acht Buchrezensionen werden Publikationen besprochen, die auf meiner Website bereits vorgestellt wurden, darunter „A New History of German Cinema“, herausgegeben von Jennifer M. Kapczynski und Michael D. Richardson (rezensiert von Wolfgang Fuhrmann), „Charlie Chaplin in Deutschland“ von Norbert Aping (Rezensent: Michael Grisko), „Flic Flac. Aufsätze, Kritiken, Glossen zu Theater, Film und Alltag“ von Hanns Brodnitz (Rezensent: Frederik Lang) und „Last Features. East German Cinema’s Lost Generation“ von Reinhild Steingröver (Rezensentin: Stella Donata Haag). Es ist immer wichtig, andere Meinungen zu Filmpublikationen zur Kenntnis zu nehmen. Mehr zum „Filmblatt“: www.filmblatt.de/index.php?filmblatt-aktuell

Christian Geissler

2014.GeisslerAnfang der 1970er Jahre war er Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin: politisch radikal, ästhetisch sensibel, an einer Verständigung mit den Studenten interessiert. Er kam – wie Klaus Wilden-hahn – aus der Egon Monk-Schule des NDR-Fernsehens. Wir haben uns damals (ich war als Studienleiter für die Dozenten zuständig) gut verstanden. Seine Fernseh-arbeiten habe ich sehr bewundert. Meine Verbindung zu Christian Geissler (1928-2008) ist dann irgendwann abgerissen. Im Verbrecher Verlag sind jetzt zwei Texte von ihm erschienen, die ich mit großem Respekt gelesen habe: das Drehbuch zu seinem Fernsehfilm SCHLACHTVIEH (1963) und seine Erzählung „Kalte Zeiten“, eine Prosaversion des Fernsehspiels WILHELMSBURGER FREITAG (1965). Im ersten Text geht es um eine Reisegruppe in einem Zug, die isoliert wird und sich letztlich in ihr Schicksal fügt, im zweiten um ein junges Ehepaar im Hamburger Alltag, im einen Fall lässt man sich auf die Metaphorik einer Situation ein, im anderen auf die Realität. In seinem sehr lesenswerten Nachwort („Erzählen in Bildern, Nachdenken in Worten“) würdigt Michael Töteberg die Film- und Fernseharbeit von Christian Geissler, erinnert an die interessante Zeit im NDR der 50er und 60er Jahre und analysiert die großen Stärken des Autors, der als Schriftsteller oft unterschätzt wurde. Mehr zum Buch: book/detail/744

Robert Altman

Bild 4Heute wäre der Regisseur Robert Altman 90 Jahre alt geworden. Leider ist er im November 2006 gestorben. Sein letzter Film war A PRAIRIE HOME COMPANION. Seit gestern gibt es in einigen deutschen Kinos den Dokumentarfilm ALTMAN von Ron Mann zu sehen. Er dauert 95 Minuten, ist konven-tionell in der Machart, aber es ist schön, sich auf eine Reise durch das wechselvolle Leben dieses großen Regisseurs mitnehmen zu lassen. Ich habe ab 1969, beginnend mit dem Film M.A.S.H., fast alle Kinofilme von ihm gesehen. Meine Lieblinge sind THE LONG GOODBYE, NASHVILLE, A WEDDING, THE PLAYER und SHORT CUTS. Es gab natürlich auch Filme, die ich überhaupt nicht mochte, aber die nenne ich hier nicht. Der Film von Ron Mann ruft mit kurzen Filmausschnitten viele Titel in Erinnerung. Und es kommen Weggefährten von Altman zu Wort: James Caan, Keith Carradine, Elliott Gould, Sally Kellerman, Julianne Moore, Lily Tomlin, Robin Williams, Bruce Willis. Es gibt Ausschnitte aus Talkshows mit Altman zu sehen und Homemovies, denn die Familie war kooperativ. Auch die Krisen in Altmans Leben werden thematisiert, das Pariser Exil nach einigen Flops in Amerika, die gesundheitlichen Probleme der letzten Jahre mit Herztransplantation. Manchmal wünscht man dem Film etwas mehr Ruhe, aber in seiner Geschwindigkeit entspricht er wohl doch dem kreativen Tempo seines Protagonisten. Meine Verehrung von Robert Altman ist über die Jahre nicht kleiner geworden. Mehr zum Film in einer Kritik von Frank Arnold: 1019180.html und auf der Website des Verleihs: www.altman-derfilm.de/

Spike Jonze

2015.Spike JonzeMit seinem Film HER ist Spike Jonze (*1969) in der oberen Liga des unabhängigen Hollywoodkinos angekommen. Für sein Drehbuch einer Liebesgeschichte zwischen Mensch und Computer-Betriebssystem bekam er 2014 einen Oscar und einen Golden Globe. Es war sein vierter Regiefilm. Johannes Wende hat jetzt (als Nummer 37) ein Heft der „Film-Konzepte“ über Spike Jonze herausgegeben, das höchst lesenswert ist. Sieben Beiträge öffnen den Blick auf ein vielseitiges Werk, das auch im Bereich der Musikvideos Bedeutung erlangt hat. Henry Keazor & Thorsten Wübbena unternehmen den „Versuch einer Spektralanalyse“ von Spike Jones. Sie liefert die Basis auch für die folgenden Texte. Hans Krah reflektiert über „Bewegung und Stillstand in Spike Jonzes Musikvideos“. Der Herausgeber Johannes Wende verortet Jonze im Independentkino. Bei Marie-Luise Angerer geht es um die „akusmatische Liebesbeziehung“ in HER, bei André Wendler um „Medien, Netzwerk, Liebe“, bei Anna Steinbauer um das Verhältnis von Sehen und Hören („Kameraauge und Ohrstöpsel“). Das ist immer theoretisch abgesichert und mit Zuneigung formuliert. Nicolas Freund begibt sich im letzten Text auf Motiv- und Spurensuche in Jonzes zweitem Film ADAPTION. Was mir fehlt, ist eine Analyse von Jonzes erstem Film BEING JOHN MALKOVICH, der ja sein Einstieg in die Kinowelt war. Dennoch: wieder eine Bestätigung der großen Qualität der „Film-Konzepte“. Mehr zur Publikation: VOToARzxmT0

Babelsberger Kameramänner

2015.Babelsberg 1In Babelsberg wurde deutsche Film-geschichte geschrieben, von Regis-seuren, Schauspie-lerinnen und Schauspielern, aber vor allem auch von Kameraleuten. Uwe Fleischer und Helge Trimpert porträtieren sechs heraus-ragende Persönlich-keiten, die hinter der Kamera, zum Teil als Erfinder oder Trickspezialisten, in den vergangenen hundert Jahren für die Filmstadt Großes geleistet haben: Guido Seeber (1879-1940), Eugen Schüfftam (1886-1977), Gerhard Huttula (1902-1996), Ernst Kunstmann (1898-1995), Kurt Marks (1933-2011) und Erich Günther (*1923). Bei Seeber, Schüfftan und Kunstmann handelt es sich um fiktive Interviews mit sehr sachkundigen Fragen, bei Gerhard Huttula ist Rolf Giesen der informierende Gesprächspartner, bei Marks und Günther sind es reale Interviews, die hier zu lesen sind. In einem Gespräch mit Uwe Fleischer, der ab 1970 im Studio Babelsberg gearbeitet hat und von 1981 bis 1994 Chef der DEFA-Trickabteilung war, geht es schließlich um den Übergang ins digitale Zeitalter. Und das Buch schließt mit einem Gespräch mit Michael Düwel, dem Geschäftsführer des Art Departments im Studio Babelsberg. Eine Chronik am Anfang und ein Glossar am Ende bieten einen informativen Rahmen. Herausragend ist die Qualität der Abbildungen, teils in Schwarzweiß, teils in Farbe. Auch auf kleineren Abbildungen sind noch Details erkennbar. Coverfoto: Vorsatzmodell für den DEFA-Film RAT DER GÖTTER von Kurt Maetzig, realisiert von dem Trickspezialisten Ernst Kunstmann. Mehr zum Buch: trickkiste.html

Gustav Ucicky

786_big_ucicky_u1shop-1Dies ist das erste Buch über den österreichischen Kameramann und Regisseur Gustav Ucicky (1899-1961).  Filmhistoriker verbinden mit seinem Namen Titel aus der Zeit der Weimarer Republik (DAS FLÖTENKONZERT VON SANS-SOUCI mit Otto Gebühr und Renate Müller, YORCK mit Werner Krauß und Gustaf Gründgens, MORGENROT mit Rudolf Forster und Adele Sandrock), aus der Nazizeit (DER ZERBROCHENE KRUG mit Emil Jannings, DER POSTMEISTER mit Heinrich George und Hilde Krahl, HEIMKEHR mit Paula Wessely), aus den 1950er Jahren (BIS WIR UNS WIEDERSEH’N mit Maria Schell und O. W. Fischer, DER KAPLAN VON SAN LORENZO mit Dieter Borsche und Gertrud Kückelmann, DER PRIESTER UND DAS MÄDCHEN mit Rudolf Prack und Marianne Hold). Der Titel der Publikation formuliert eine Ambivalenz: „Professionalist und Propagandist“. Ernst Kieninger nennt ihn in seinem Vorwort einen „Mann ohne Eigenschaften“. Das Filmarchiv Austria hat in das Buch (Umfang: 568 Seiten) viel Arbeit investiert, die Recherchen und Analysen sind beeindruckend, sie wurden von Christoph Brecht, Armin Loacker und Ines Steiner geleistet. Vor allem bei der Lektüre der Analysen spürt man, wie genau die einzelnen Filme gesehen wurden, wie komplex ihre Interpretationen formuliert sind, wie ästhetische und zeitgeschichtliche Fragestellungen in einem Zusammenhang gebracht werden. Immer wieder wird dabei auf die Quellenlage verwiesen, die durch die Zusammenarbeit mit vielen Archiven hervorragend war, aber natürlich auch ihren Grenzen hatte. Texte von Ucicky selbst gibt es wenige. Er hat sich immer im Hintergrund gehalten. Das Kapitel „Persönliches von Gustav Ucicky“ stammt von seiner Witwe Ursula Ucicky: Erinnerungen an Filme, die er für sie formuliert hat, und Auszüge aus Briefen, die er ihr geschrieben hat. Zahlreiche Abbildungen in hervorragender Qualität. Mehr zum Buch: http://filmarchiv.at/ und dann zum Shop.

WAS HEISST HIER ENDE?

2015.AlthenHeute Abend hat der Film von Dominik Graf über unseren 2011 verstorbenen Freund Michael Althen im Delphi seine Premiere: WAS HEISST HIER ENDE? Dominik hat es auf – für mich – beeindruckende Weise geschafft, den Kern von Michaels Schreiben und Denken über das Kino, über Kunst und über das Leben präsent zu machen. Es sind 120 schöne und zugleich traurige Minuten, in denen wir noch einmal mit Michael zusammen sind. Wir hören die Erinnerungen seines Vaters Adolf und seiner Mutter Hanna, von Bea, Artur und Teresa. Die große Nähe von Michael zu den Filmemachern Romuald Karmakar, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer und Wim Wenders ist in ihren Gesprächen mit Dominik wirklich zu spüren. Und natürlich tragen viele Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen ganz konkret zum Blick auf Michaels Leben bei, vor allem Wolfgang Höbel, Andreas Kilb, Tobias Kniebe, Peter Körte, Doris Kuhn, Stephan Lebert, Harald Pauli, Milan Pavlovic, Evelyn Roll, Claudius Seidl und Anke Sterneborg. Schön sind die Beschreibungen von Cannes und Venedig, von München und Unterhaching, Paris und Berlin, interessant ist das Meinungs-spektrum zum Thema neue Filmkritik. Und natürlich fehlt nicht der Besuch bei Schumann’s. Tobias Streck, der 2008 den Film AUGE IN AUGE von Michael und mir montiert hat, war auch hier für den Schnitt verantwortlich. Und Joe Schroeders Preview Production hat produziert. Vielen Dank, Dominik, für diesen Film. Im Mai kommt er ins Kino. Mehr zum Film: .php?id=154

Marcel Ophüls

2015.OphülsHeute wird der Filmregisseur Marcel Ophüls (*1927) mit der Berlinale-Kamera ausgezeichnet. In einem Berlinale-Special wird sein Film THE MEMORY OF JUSTICE (1973-76) gezeigt, der die Nürnberger Prozesse thematisiert und über vier Stunden dauert. – Im Propyläen Verlag sind gerade die Erinnerungen von Marcel Ophüls erschienen: „Meines Vaters Sohn“, eine Lebens-geschichte mit vielen Stationen und Bezugs-personen, wobei der Vater Max Ophüls natürlich die wichtigste ist. Marcel war fünf Jahre alt, als die Familie vor den Nazis von Berlin nach Paris floh, es gab dann kurze Aufenthalte in Italien und in Moskau, nach Kriegsbeginn gewährte die Schweiz Asyl und 1941 gelang die Ausreise in die USA. 1949 kehrte der Vater Max nach Deutschland zurück, der Sohn Marcel studierte zunächst an der University of California, dann an der Sorbonne und wurde „eines schönen Tages“ Regieassistent von John Huston bei dem Film MOULIN ROUGE. Damit begann eine Filmlaufbahn, die von der Assistenz zur Regie führte, vom Spielfilm zum Dokumentarfilm. Auch wenn Marcel Ophüls sein Leben weitgehend chronologisch erzählt, gibt es immer wieder Zeitsprünge und Ortswechsel, die den Leser etwas atemlos machen. Die Geduld, die er in seinen Dokumentarfilmen aufbringt, um seinen großen Themen gerecht zu werden, hat er als Autor nicht. Natürlich erfährt man trotzdem viel über seine Arbeit, über die Filmbranche und über seinen Vater. Eine zweite Erzählebene des Buches bilden die 112 Fußnoten am Ende des Buches. Sie sind keine Quellenverweise, sondern liefern eigenständige Informationen, Anekdoten oder Bosheiten, die höchst lesenswert sind. Mehr zum Buch: 9783843710633.html

AUGE IN AUGE

2015.DVD.AiAEndlich gibt es den Film AUGE IN AUGE auf DVD als Einzelstück zu kaufen. 2009, ein Jahr nach der Premiere auf der Berlinale, hatte das Goethe-Institut DVDs für den internen Gebrauch hergestellt. 2010, zur 60. Berlinale, edierte die FAZ die Box „Momente des deutschen Films“ mit zehn Spielfilmen und AUGE IN AUGE als Zugabe. Jetzt hat Absolut Medien den Film in sein DVD-Programm aufgenom-men, und dafür bin ich Molto Menz sehr dankbar. Immer wieder wurde ich in den vergangenen Jahren nach verfügbaren DVDs gefragt und konnte bisher nur mit den Schultern zucken. Jetzt ist der Film, den ich mit Michael Althen gemacht habe, wirklich verfügbar. Und es ist – ich bin natürlich befangen – einfach schön, zusammen mit Michael Ballhaus, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Dominik Graf, Wolfgang Kohlhaase, Caroline Link, Christian Petzold, Tom Tykwer, Wim Wenders und Hanns Zischler in der deutschen Filmgeschichte unterwegs zu sein, den berühmten Schauspielerinnen und Schauspielern beim Küssen, Rauchen, Schreien, Telefonieren zuzuschauen, ihre Blicke zu verorten und darüber nachzudenken, was spezifisch „deutsch“ ist am deutschen Film. Die DVD enthält die deutsche, von Michael Althen gesprochene Fassung sowie Sprachfassungen in Englisch und Französisch (Sprecher: Mario Adorf), in Spanisch (Sprecher: Peter Lohmeyer) und Portugiesisch (Sprecherin: Christina Do Rego). Es gibt als Extras Statements der Filmemacher, Schnittbilder, eine Hörfassung für Sehbehinderte und eine ausführliche zweite Audiodeskription als reine Audiofassung. Ich hoffe natürlich, dass die DVD viele Käufer findet und der Film dadurch präsent bleibt. Mehr zur DVD: Auge+in+Auge+-+Eine+deutsche+Filmgeschichte